Befragung von Amy Coney Barrett im Senat: „Haben Sie jemals jemanden vergewaltigt?“

9 Gedanken zu “Befragung von Amy Coney Barrett im Senat: „Haben Sie jemals jemanden vergewaltigt?“

  1. „Request for unwanted sexual favors“ ist ja ein sehr schwammiger Begriff. Falls sie als 21-Jährige auf einer Studentenparty mal besoffen zu jemandem „Küss mich, du strammer Hengst!“ gesagt hat, könnte das schon darunter fallen. Ist etwas schuftig, das mit „Harrassment“ in eine Frage zu verpacken.

    Der Rüffel wegen „sexual preference“ ist natürlich auch daneben. Biden hat den Begriff im Mai benutzt, die verehrte Ruth Bader Ginsburg (deren Platz von Barrett ausgefüllt werden soll) hat ihn 2017 benutzt, diverse demokratische Kongresskollegen von Mazie Hirono haben ihn in den letzten Jahren benutzt – aber sie kritisiert ausgerechnet eine Richterkandidatin, die vom politischen Gegner nominiert wurde? Das riecht schon nach Messen mit zweierlei Maß. (Wobei man natürlich schon streiten kann, ob „preference“ wirklich eine Freiwilligkeit andeutet.)

    • Es ist schon eine Mischung aus „political correctness“ und Absurdität, wenn ausgerechnet „Demokraten“ ACB den Begriff der „sexuellen Präferenz“ als Indiz (?) ihrer höchstrichterlichen Ungeeignetheit vorhalten, zumal diese (Dems) und ihre Funktionärs-„Community“ mit diesem Begriff bislang auch keine Probleme hatten.
      Wenn ausgerechnet diese Kreise, die unsere Sexualität in Gänze für ausschließlich sozial konstruiert erklären, und dieses „Bekenntnis“ zunehmend von allen anderen zwingend einfordern, nun wegen der Verwendung des Begriffs „sexuelle Präferenz“ einen Zwergenaufstand machen, dann kann ich diese Widersprüchlichkeit bestenfalls „amüsiert“ zu Kenntnis nehmen.

      • Diese Kreise sind kein Zwergenaufstand. Es wurde anscheinend sogar ein Online-Lexikon kurzerhand angepasst, damit die Vorwürfe passen.

        Was wir hier sehen, ist auch einer der problematischsten Aspekte der neuen schönen Welt. Begriffe werden laufend geändert und jeder wird mal den alten verwendet haben oder noch verwenden, obwohl der gerade nicht geht. Das perfekte System, um willkürlich auf Leute losgehen zu können und jeden kann es treffen, denn vor kurzem hat jeder das jetzt falsche gesagt. Und es ist ein Konzept, die ältere Bevölkerung konsequent wegschieben zu können, da viele im Alter nicht mehr in der Lage sind, den aktuellen Hypes und Sprachvorgaben zu folgen und daher schon von vornherein ausgeschlossen sind. Und es ist ein Konzept, Arbeiter und einfache Leute komplett wegzuschieben, die dem auch nicht folgen können oder wollen.

        • Solange ich politisch zurückdenken kann, nämlich seit versucht wurde, Bill Clinton über einen Blowjob zu Fall zu bringen, sind Republikaner und Demokraten im amerikanischen Zweiparteiensystem mit harten Bandagen aufeinander losgegangen und haben auch unfaire Mittel nicht gescheut. Ist noch was eskaliert in den letzten zehn, zwanzig Jahren, aber nichts grundsätzlich Neues.

          Wer erinnert sich noch an die Präsidentenwahl von 2000? George W. Bush gewann nur, weil sein Bruder Gouverneur von Florida war und ihm durch Betrug die Stimmen der Wahlmänner von dort gesichert hat. Damals waren die Amerikaner stolz wie Oskar. „Unser System funktioniert!“ hat es geheißen, nachdem der Betrug richterlich anerkannt wurde.

          Das hat eine lange Tradition. Wer sich dafür interessiert, google mal die Päsidentschaftswahl von 1876. Unsauberer geht’s nimmer, wahrscheinlich der Höhepunkt undemokratischen Verhaltens – auf beiden Seiten. Die Mentalität hält bis heute an.

  2. Ich kenne die nicht, aber nach dem brauch sie wohl kein Feminismus. Feministinnen müssen sie also erst noch richtig unter Druck setzen, damit auch sie einknickt und das Frauen-sind-immer-die-Opfer-Mantra einstimmt, so wie sie es auch schon bei anderen Frauen gemacht haben.

  3. „Sexuelle Vorliebe“ impliziert nicht freie Auswahl.
    Und ja, deren Kritik beißt sich mit der Idee eines sozialen Konstrukts. Die Ansichten werden nicht nur im Zeitverlauf immer wieder verschoben, sie stehen sich gleichzeitig unversöhnlich gegenüber.

    Und wenn man anderen Menschen die Freiheit unterstellt auf sexuellem Terrain nicht immer rückhaltlos die reine Wahrheit zu äußern, dann kann man nicht ausschließen, dass etwas, was eine nonverbale Bitte war auch unerwünscht war.
    Von der verschlungenen Sprachkonstruktion sind ja selbst Fälle abgedeckt, wo die Bitte unerwünscht war, die Person aber hinterher sehr glücklich war etwas neues kennengelernt zu haben, mit dem sie vorher nicht gerechnet hat.

    Das ist ein sorgfältig präpariertes Minenfeld, das voraussetzt, dass wir nicht alle Lernende sind, die erst durch Erfahrung rausfinden müssen, was wir mögen und wollen. Es setzt voraus, dass man entweder mit allen Erfahrungen und allem Wissen schon zur Welt kommt, oder dass wir alle gleich sind und in Büchern nachlesen können was gut und richtig für uns ist und alle auf dem gleichen Informationsstand sind.

  4. Was ich bisher aus den Berichten der hiesigen Medien entnommen habe, hätte ich Amy Coney Barrett eher der Moral Majority eines Jerry Falwell zugeordnet. Lese ich jetzt diese Details aus der Befragung von Amy Coney Barrett durch demokratische Senatoren fange ich an zu grübeln, wer denn jetzt auf welcher Seite steht.

    Aus meiner Sicht ist es fatal, solche inquisitorischen Fragen zu stellen, die davon ausgehen, dass man immer und zu jeder Zeit alles richtig macht im Sinne des Inquisitors. Versuch und Irrtum, Zweifel und Erkenntnis werden durch solche Fragen generell nicht zugelassen, der Inquisitor hat immer Recht. Fatal deswegen, weil solche Fragen bzw. Fragetechniken immer mit einer Retourkutsche enden. Solche Fragen gehen immer am eigentlichen Thema vorbei und dienen nur dazu, den Befragten vorzuführen. Faktenbasiert ist eine solche Befragung ganz sicher nicht.

    Ich denke, der akademische Austausch zwischen dem europäischen Festland und den USA sollte schleunigst beendet werden, insbesondere in geisteswisschenschaftlichen/soziologischen Fächern, einschließlich der Jurisprudenz.

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