„Wenn argumentiert wird, dass im „generischen Femininum“ geschriebene Gesetze nicht für Männer gelten können, dann kann ich als Frau ja jetzt machen was ich will, weil das dann auch für Gesetze im „generischen Maskulinum gelten muss“

Nachdem ich das Argument in diversen Variationen gefühlt ein paar Dutzend mal auf Twitter gelesen habe noch ein kurzer Text dazu:

Nein, das ist nicht logisch. Der Unterschied sollte auch jeder Feministin offensichtlich sein:

Generisches Maskulinum ist der normale Sprachgebrauch und wird daher als auf beide Geschlechter bezogen verstanden.  Das generische Maskulinum ist eine neutrale, unmarkierte Form und meint Frauen nicht mit, sondern meint alle Personen gleich.

„Generisches Femininum“ ist gerade nicht der normale Sprachgebrauch. Deswegen wird es auch nicht als auf beide Geschlechter bezogen verstanden. Frauen haben eine markierte, spezifizierte Form durch das Suffix -in, wodurch es ein generisches Femininum nicht geben kann.

Ihr mögt das ändern wollen. Das ändert aber nichts daran, dass der allgemeine Sprachgebrauch hier Unterschiede macht.

 

46 Gedanken zu “„Wenn argumentiert wird, dass im „generischen Femininum“ geschriebene Gesetze nicht für Männer gelten können, dann kann ich als Frau ja jetzt machen was ich will, weil das dann auch für Gesetze im „generischen Maskulinum gelten muss“

  1. Es gibt kein generisches Maskulinum.

    Es gibt einen Genus, der allgemein ist und keinen Sexus bestimmt, welcher fälschlicherweise „Maskulinum“ genannt wird.

    Endungen an eine Bezeichnungen fügen Information hinzu.
    „x-chen“ meint „ein kleines x“.
    „x-in“ meint „ein weibliches x“.

    Wenn „x“ nun per se männlich wäre, würde „x-in“ bedeuten: „ein Mann, der weiblich ist“.
    Das ist absurd.
    Wenn dir das nicht absurd vorkommt, liegt das daran, dass du in den aktuellen Zeiten viel zu sehr akklimatisiert bist und du bist eh nicht zu retten.

    • „Es gibt einen Genus,… welcher fälschlicherweise „Maskulinum“ genannt wird“

      „Fälschlich“? So ziemlich jedes deutsche Grammatikbuch nennt das(!) Genus Maskulinum. Oder irre ich mich etwa?

      Nur zur Erinnerung: Wenn einem die anderen Autos alle entgegenkommen, ist man selber auf der falschen Spur.

      • „So ziemlich jedes deutsche Grammatikbuch nennt das(!) Genus Maskulinum“

        Ist linguistisch trotzdem falsch.
        Du müsstest andernfalls erklären können, was an einem Löffel männlich oder maskulin ist.

      • „Genus, welcher fälschlicherweise „Maskulinum“ genannt wird“

        Die Bezeichnung ist zwar üblich, aber insofern falsch, als das Bezeichnete i.a. nicht männlich ist, also gar kein Attribut Geschlecht hat („der Hut“) oder, sofern es sich um Lebewesen mit Geschlecht handelt, in der tatsächlichen Umgangssprache nicht nur männliche Wesen bezeichnet.

        Das liegt vor allem daran, daß die sogenannte maskuline Form sehr oft für Gattungsbegriffe benutzt wird (<a href= "Feministische Sprachmanipulationen“ >mehr dazu hier) und viele den semantischen Unterschied zwischen einem Gattungsbegriff und einer Bezeichnung für ein Exemplar nicht verstehen.

        Brühlmeier (2009) hat daher statt Maskulinum den Begriff Androgynum vorgeschlagen.

        Der Sprachwissenschaftler Daniel Scholten benutzt aus dem gleichen Grund den Begriff Standardgenus und beschreibt sehr gut nachvollziehbar die Entwicklung des Genussystems und die Bedeutungen dieser grammatischen Geschlechter.

        • „Falsch“ ist das falsche Wort. Auch bei Steckverbindungen ist die Bezeichnung männlich/weiblich nicht falsch, bloß weil die Stecker keine Lebewesen sind. Es sind Bezeichnungen. ‚Hamburger‘ ist auch keine falsche Bezeichnung, auch wenn es nicht um den Bewohner einer norddeutschen Hansestadt geht. ‚Tief‘ ist auch nicht „falsch“, wenn man von Gebieten mit geringem Luftdruck spricht. Usw…

          Einfach mal entgegen der gängigen grammatikalisch Sprachpraxis etwas als falsch zu bezeichnen, woran erinnert mich das bloß? Achja…

          Übrigens: Die meisten deutschen Wörter sind Femininum. Ich weiß, warum Scholten den Begriff ‚Standardgenus‘ benutzt, aber angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Deutschen ist das insofern falsch.

          • P.S.: Dein ‚insofern falsch‘ repliziert doch wie bei zehnter Ochse den Fehler, Genus mit Sexus durcheinanderzuwerfen.

          • „Übrigens: Die meisten deutschen Wörter sind Femininum.“

            Hast du da ein verlässliches Zahlenverhältnis? Ich konnte jetzt auf die Schnelle nix ergoogeln. Oder hast du mal schnell selbst durchgezählt? 😉

          • Statt falsch können wir es gerne unlogisch oder irreführend o.ä. nennen, wenn das der Sache dienlich ist.

            „‚insofern falsch‘ repliziert doch … den Fehler, Genus mit Sexus durcheinanderzuwerfen.“

            Argumentativ bin ich an der Stelle, die falsche Gleichsetzung von Genus und biologischem Geschlecht zu beklagen (auch wenn das, wie schon hier betont in den feministischen Machtspielen keine Rolle spielt). Dieser Fehler wird vor allem dadurch provoziert, daß in diesen beiden Attributen (von Worten bzw. Menschen) beidesmal die gleiche Ausprägung „männlich“ vorkommt. Das führt zu dem Denkfehler, sie würden das gleiche bezeichnen, und kann vermieden werden, wenn man die beiden Ausprägungen verschieden benennt.

          • @mitm

            Irreführend, darauf können wir uns einigen. Dann kann ich dem Rest von Dir auch zustimmen. Bis auf „Ausprägung männlich“; das müsste meiner Meinung nach „Ausprägungsbezeichnung männlich heißen.

            @Billy Coen

            Selber gezählt, natürlich. Per Hand.

            (Und anschließend mit dem Ergebnis vom Duden verglichen:
            https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Die-Verteilung-der-Artikel-Genusangabe-im-Rechtschreibduden
            Alles korrekt, weitermachen 😉 )

            @zehnter_ochse

            Nein, an feministische Sprachnazis, die mir erzählen wollen, was richtig und was falsch ist.

          • „Standardgenus“ meint: „Ohne Besonderheit“

            Schlüssiger finde ich Karl Brugmann: „Maskulinum“->Singulativum, „Neutrum“->Kontinuum, „Femininum“->Abstraktum/Kollektivum

            Ich finde schon den Begriff „Genus“ bzw. „Geschlecht“ irreführend. Das Genus „klassifiziert“ die Nomen nicht, es ist der Modus, mit dem auf das Nomen verwiesen wird.

          • „Nein, an feministische Sprachnazis, die mir erzählen wollen, was richtig und was falsch ist“

            Ah. Mich erinnerst du an „It is known“ Argumentierer.

          • @zehnter_ochse

            Dein Eindruck täuscht. Ich bin ein „Es ist so definiert!“-Argumentierer.

            Bloß, weil Du alleine es so möchtest, ist links nicht auf einmal die Straßenseite mit der richtigen Fahrtrichtung.

  2. Diese Diskussionen laufen jetzt sicher seit 2 Jahrzehnten immer gleich, ohne Einigung. MMn liegt das daran, daß die Debatte (mindestens) 5 Perspektiven / Dimensionen hat bzw. von entsprechenden Typen von Akteuren geführt wird: Linguisten, Sprachdidaktiker, Literaturliebhaber, Soziologen und Politologen/Machtmenschen.

    Die 5. Dimension ist meist gut versteckt, sie ist aber mMn längst die wichtigste: Die Sprachmanipulationen bzw. -Deformationen müssen in erster Linie in der politischen Dimension, also als Machtmittel verstanden werden. Nicht unzufällig werden Gendersterne weit überwiegend von aktivistischen Personen in politischen oder medialen Machtpositionen propagiert.

    Mehr dazu hier: Dimensionen der Debatte um die feministischen Sprachdeformationen

    • Gestern ist noch ein exzellenter Artikel zum Thema erschienen (heute auf Generama erwähnt):
      Mathias Brodkorb: Der Narzissmus der gendergerechten Sprache
      https://www.cicero.de/innenpolitik/gendersternchen-generisches-femininum-narzissmus-sprache

      Das meiste wurde hier schon angesprochen (und wird sehr gut und zitierfähig zusammengefaßt), bis auf einen Aspekt aus der linguistischen Sichtweise, nämlich wie entstehen Begriffe und wie beeinflussen bzw. ermöglichen sie das Denken. Also geht das Denken, dabei vor allem die Bildung von Abstraktionen wie z.B. Gattungsbezeichnungen, der Sprache voraus oder – so die feministische Linguistik – bestimmen umgekehrt die erlaubten bzw. verfügbaren sprachlichen Konstrukte unser Denkvermögen.
      Daher eindeutige Leseempfehlung. (ist zur Zeit noch frei zugänglich)

  3. Wer so argumentiert, hat die gemeinsame Basis ohnehin schon verlassen. Sexisten wollen, dass Sprache angeblich diskriminierend ist, sonst könnten sie ihre repressiven Massnahmen nicht rechtfertigen. Es ist ohnehin alles nur der Glaube an die ganz grosse Verschwörung des diskriminierenden Patriaachats. Prima Vorwand für den eigenen Totalitarismus.

  4. Die Diskussion nützt nur der Gegenseite. Am Ende sagt man: Ja, die Idee mit den generischen Femininum war etwas überzogen. Das Gendersternchen ist der beste Kompromiss.

    Man muss jegliche Politisierung der Sprache ablehnen. Man muss bereits die Diskussion darüber ablehnen.

    Ich hätte folgenden Vorschlag zur Güte: Alle vier Jahre zeitgleich mit der Bundestagswahl Volksentscheid über Gendersprech. Wenn die Mehrheit dafür ist, sollte man es umsetzen. Ansonsten eben nicht.

    • „Volksentscheid über Gendersprech…Wenn die Mehrheit dafür ist“

      Wo kämen wir da hin?
      Darum gehts doch, daß das Volk, die Mehrheit, die Faschisten nichts Falsches entscheiden.
      Das wird alles von wenigen weisen und gütigen Menschen ausgekaspert, die vor lauter Moral kaum laufen können.

  5. Das ist mir jetzt etwas zu hoch. Wie nennt man das denn, wenn es „die Person“ heißt? Und werden bei Personen Männer nur mitgemeint? Und wenn ja, warum beschweren die sich nicht wenigstens ganz leise darüber?

    In meinen Augen ist dieser inzwischen schon in Gesetzestexten zu findende Gendersprech eine Machtdemonstration, mit dem ein Geschlecht dem anderen sogar das Sprechen, Schreiben und Reden reglementieren will. Sprache ist traditionell gewachsen. Vielleicht werden ab jetzt ganz, ganz viele Menschen ehrfürchtige Sprechpausen für die Frauen einlegen. Und irgendwann ist das vielleicht so üblich, dass dieses absichtliche Stottern wirklich Einkehr in den Alltag findet. Man kann währenddessen den Kaugummi ausspucken, sich Gedanken über die nächsten Sätze machen, man kann tief und wohlig durchatmen oder kurz aufs Handy gucken.

    Wenn sich aber ehrfürchtige feministische Sprechpausen nicht durchsetzen, dann werden bald die Claus Klebers und Konsorten eher als wirre Clowns dastehen, die halt einfach wieder mal über ein Stöckchen gehüpft sind, das ihnen die Damenwelt hingehalten wird.

    Ich schreibe und rede einfach so weiter, wie ich es früher mal gelernt habe, weil ich überzeugt bin, dass mich die Menschen um mich herum so am besten verstehen. Ich will keine formalen Zeichen setzen, sondern etwas mitteilen. Und das ist der Ursprung und der Zweck der Sprache, des Sprechens und Schreibens. Es ist Kommunikation – es soll die Menschen nicht spalten, sondern verbinden. Wer das durch künstliche herrschaftsgeile ständig neue Formalitäten verhindern will, der soll bleiben, wo die Pfefferin wächst.

    • Zu „die Person“: Im Wikipedia-Artikel gibt es eine schöne Tabelle mit der Überschrift
      „Genus und Sexus bei Personenbezeichnungen“

      Da sind weitere Beispiele aufgeführt mit Erläuterung der Systematik.

    • Das Wort „Person“ ist allumfassend, denn es kann nicht durch eine Endung auf ein Geschlecht bezogen werden. („Personin“ gibt es nicht.)

      Kann man gegenüber dummen Gendersprechern aber meist als unlauteres Argument benutzen, die haben von ihrer Muttersprache ja eh keine Ahnung 🙂

      • Ist das Wort „Schüler“ nicht genauso allumfassend wie „Person“? Nur das aufgrund des „männlich“ genannten Genus dieses Wort politisch aufgeladen wurde und jetzt in der Schule synonym für „männliche Schüler“ verwendet wird (selbst von Sprachlehrerinnen). Als in meiner Schulzeit gefragt wurde, welcher „Schüler der Klasse 5“ denn ein Eis bekommen solle, haben sich Mädchen und Jungen gleichermaßen Hoffnung gemacht. Heute ist das nicht mehr selbstverständlich. Aber nicht, weil sich die sprachlichen Regeln geändert hätten, sondern weil die Regeln so lange geleugnet und verschleiert wurden, bis sie kaum noch jemand kannte. Und heute können die Ideologen fröhlich pfeifend die Ernte ihrer Beharrlichkeit einfahren.

        Das Problem ist, wie oft in solchen Fällen: Die Ideologen verrichten ihr Werk, zerstören das bestehende Gleichgewicht (vielleicht sogar mit den besten Absichten) und weil dabei klar wird, dass es gar nicht so einfach ist, etwas auch nur Gleichwertiges zu erschaffen, stümpern sie irgendetwas hin. Das gefällt zwar kaum jemanden außer ihnen, ist aber jetzt eben da. Dann ziehen sie weiter und stürzen sich auf andere Dinge, die zu „verbessern“ sind und der Rest der Menschen hat den Salat und muss sehen, wie er damit klar kommt.

        • „Ist das Wort „Schüler“ nicht genauso allumfassend wie „Person“?“

          Ja, ist es.
          Das ist kein „unlauteres Argument“, das ist ein Beispiel dafür, dass für Männer keine linguistische Extrawurst gebraten wurde wie für Frauen und „Personerich“ sich deswegen nie etabliert hat.

        • „Ist das Wort „Schüler“ nicht genauso allumfassend wie „Person“?“

          Ich habe beim Formulieren meiner Antwort lange darum gerungen, das Wort „eindeutig“ mit unterzubringen, ohne dass es zu Mißverständnissen kommt. „Schüler“ ist nicht eindeutig und daher nicht immer allumfassend. Person schon. Hätte ich doch mal geschrieben: Person ist allumfassend und eindeutig. (Dann hätte aber wahrscheinlich jemand protestiert, dass ‚Person‘ eben nicht eindeutig Männlein oder Weiblein bezeichnet. Sprache ist schwierig, wenn man präzise sein möchte.)

          Das ist der Unterschied.

          • Meinst Du mit „eindeutig“, es gibt kein von „Person“ abgeleitetes Wort in einem anderen Genus? Dann stimme ich Dir zu. Aber mittlerweile wurde bspw. sogar dem bisher völlig unverdächtige Wort „Gast“, für das ich die gleiche Aussage (allumfassend, eindeutig, nicht auf ein Geschlecht bezogen) für zutreffend halten würde, das Wort „Gästin“ zur Seite gestellt – um die Unsichtbarkeit von Frauen abzuschaffen !1einself!!.

          • @Renton:

            Zum Glück steht „Schüler“ ganz selten einfach alleine für sich da, sondern ist quais immer in einen Satz, eine Nachricht eingebunden. Schüler kann als Subjekt oder Objekt gebraucht werden, es gibt Verben und u.U. Adjektive die sich darauf beziehen oder damit in Verbindung stehen, kurz: Das Wort Schüler ist von Kontext umgeben. Und aus diesem Kontext ergibt sich fast immer wie das Wort Schüler zu verstehen ist.
            Insofern ja, das Wort „Schüler“ ist nicht eindeutig, aber es bereitet den meisten Menschen in den meisten Situationen überhaupt keine Probleme zu verstehen welche Bedeutung denn nun gerade die „richtige“ ist.

            „Dumme Gendersprecher, die von ihrer Muttersprache ja eh keine Ahnung haben“ – volle Zustimmung.

          • @Werlauer

            Ich meine, dass ‚Person‘ stets, also kontextunabhängig, prinzipiell für einen männlichen oder weiblichen Menschen stehen kann. Und so gesehen also mehrdeutig ist – Du verstehst meine ursprünglichen Bedenken gegen das Wort ‚eindeutig? ‚Person‘ ist quasi eindeutig stets mehrdeutig, auch, wenn es nur um eine konkrete Person geht, die natürlich nur ein Geschlecht haben kann.

            ‚Schüler‘ hingegen kann als Bezeichnung für Menschen beiderlei Geschlechts wie auch für Menschen (ausschließlich) männlichen Geschlechts, also in Abgrenzung zu Menschen weiblichen Geschlechts, gebraucht werden. Das geht bei ‚Person‘ nicht. In diesem Sinne ist Person eindeutig, bzw. „eindeutig stets mehrdeutig“ 😉

            „Gästin“

            Achja, schon in 90ern hat bei RTL-Samstag-Nacht der Comedy-Pfarrer alle „lieben Zuschauerinnen und Zuschauer, [alle] lieben Fernseher und Fernseherinnen“ begrüßt. Wenn Satire real wird…

            @pingpong

            Japp, sic est.

          • Aber mittlerweile wurde bspw. sogar dem bisher völlig unverdächtige Wort „Gast“, für das ich die gleiche Aussage (allumfassend, eindeutig, nicht auf ein Geschlecht bezogen) für zutreffend halten würde, das Wort „Gästin“ zur Seite gestellt..

            „Gast“ hieß ja ursprünglich „Fremder“. Da hat doch Tatsache der Anatol Sfefanowitsch einen einzelnen Text ausm Mittelalter gefunden, in dem es hieß: „Gästen und Gästinnen ist das Betteln in der Stadt verboten!“

            Es dürfte klar sein, was da passiert ist: Da hat sich eine ganz Schlaue darauf berufen, dass „Gäste“ doch die „männliche Form“ sei, sie dürfe also Betteln. Woraufhin die Büttel sich veranlasst sahen, zu „Gendern“.
            Es gibt allerdings auch einzelne Fälle, in denen von ganz Schlauen behauptet wurde, die „männliche Form“ in Gesetzestexten schließe Frauen von Recht X aus.

            Man sieht, dass das (bemühte) Missverständnis schon sehr alt ist.

          • Und so gesehen also mehrdeutig ist

            Es ist deshalb mehrdeutig, weil „Schüler“ zu den Worten gehört, an die man ein -in anhängen kann.
            Im Umkehrschluss kann man dann auf die die Idee kommen, das „der Schüler“ die „männliche Form“ sei. Man vermutet intuitiv eine Symmetrie, die es aber in Sprachen nur sehr selten gibt. Sprachen evolvieren immer in Richtung Effzizienz und Effektivität.

            Man kann es wohl so ausdrücken: „Schüler“ meint immer dann einen Jungen, wenn man im gleichem Kontext bei einem Mädchen von einer „Schülerin“ sprechen würde.

            Und das ist ein großes Problem mit der Genderei: Wenn es überall und ohne Betrachtung des Kontextes „Schülerinnen und Schüler“ heißt, wird ein nicht-Gendern als „männliche Form“ verstanden.

            Das wissen viele Befürworter, und sie begrüßen es auch noch – weil so irgendwann jeder zum Gendern genötigt wird. Was auf der Strecke bleibt ist das Verständnis für die eigene Muttersprache. Und die Existenz einer von der Person abstrahierenden Form der Nomen agentis. Was nach meiner Auffassung das Denken beeinträchtigt.

          • @Renton: Gilt Folgendes? Wenn ich also trotzig behaupten würde, ich fände es unfair, als Mann bei „Person“ immer nur mitgemeint zu sein und würde mich künftig jedes zweite Mal als „Personer“ bezeichnen und ich würde, unterstützt von Ministerien und NGOs über die Zeit eine kleine Gruppe von meinungsstarken Mitmenschen überzeugen, auch „Personer“ zu verwenden, wenn sie von männlichen Personen sprechen, dann wäre Dein Argument nicht mehr gültig, weil der Begriff (ähnlich wie „Schüler“) dann nicht mehr eindeutig mehrdeutig wäre?

            „Der Schüler“ ist – rein nach Sprachkonstruktion – bzgl. des biologischen Geschlechts auch eindeutig mehrdeutig. Nur wenn ich „der männliche Schüler“ schreibe, ist das biologische Geschlecht eindeutig festgelegt.

            Ich finde, umgekehrt wird ein Schuh daraus: Weil dieses Politikersprech („Ich nenne die explizit weibliche Form mit, weil ich durch die besondere Nennung den Genannten schmeicheln will.“), das in der Schule Einzug gehalten hat und dort seit Jahren nur noch von „SuS“ und „SoS“ gesprochen wird, entsteht der Eindruck, „der Schüler“ wäre geschlechtsspezifisch. Vor 40 Jahren war das noch nicht so. Da wurden weibliche Schüler nicht regelmäßig mit der für sie vorhandenen Extrabezeichnung angesprochen, sondern so wie ihre männlichen Mitschüler auch. Heute fragt man sich verunsichert: ‚Warum sollte ich den >>Schülerin<>Schüler<>der Schüler<< biologisch männlichen Geschlechts ist, sonst bräuchte ich das ja gar nicht so umständlich sagen.' Das ist aber eine selbsterfüllende Prophezeihung und zeigt, wie weit sich diese Umstandskrämerei schon ins reale Leben reingefressen hat. Als linguistisches Argument scheint es mir nicht zwingend.

            Donquichotterie nannte diese ganze Sprachpanscherei ein ehemaliger Landesfinanzminister gerade in einem Artikel. Finde ich ganz passend.

          • @Werlauer

            „Gilt folgendes?“

            Ja. Dann hätten wir den ungewohnten Fall, dass eine spezifisch männliche Form mittels Suffix aus einer allgemeinen Form gebildet werden kann.
            Aber Du müsstest schon erklären (und ich kann mir nicht vorstellen, wie Du das könntest), im Vergleich zu wem Du unfair behandelt wirst, schließlich sind ja alle Menschen bei „Person“ nur mitgemeint.

            Zur Verdeutlichung meines generellen Standpunkts: Natürlich halte ich den ganzen Gendersprech für Quatsch. Ich sehe es umgekehrt: Sprachlich benachteiligt sind Männer, weil wir keine sprachliche Extrawurst („-in“) gebraten bekommen. Wer eine „gerechte“ Sprache einführen will, soll meinetwegen eine spezifische männliche Form einführe („Arzt-er“) und das generische Maskulinum als generische Form behalten. Dann können alle Traditionalisten weiter so sprechen, Texte bleiben lesbar („Bauernbündler“, nicht „Bäuerinnen- und Bauernbündler und -bündlerinnen“) und in ein paar Generationen ist ein gleitender Übergang vollzogen.

          • @Renton: Ich wollte nur verstehen, was genau der Punkt ist, auf der die Argumentation ruht. Danke schön.

            Mein Wunsch wäre tatsächlich, die weiblichen Zusatzformen wie „Schülerin“ zu streichen und nur noch die Grundformen zu verwenden. Keine Extrawürste mehr. Wem das nicht reicht, mit der Neutralität, der kann die genusbezogenen Artikel gerne streichen. Dann sind wir zwar irgendwie beim Englischen, aber immer noch besser als „Bürger*innenmeister*innen“ oder anderer Brainfuck.

          • @Renton: Mir ist klar, dass ein Rumgereite auf „Ich bin aber nur mitgemeint!!1elf!!“ bei „Person“ nichts bringen würde. Aber mehr hatte feministische Linguistik auch nicht zu bieten. Lief trotzdem recht erfolgreich.

          • So sehr ich es hasse, den Feministas etwas zuzugestehen, sie haben etwas mehr: Studien, laut derer etwa nicht gegenderte Stellenanzeigen Frauen bis zu einem gewissen Grad demotivieren, sich zu bewerben.

            Für eine Diskussion über die Validität dieser Studien habe ich aber keine Zeit und auch keine Lust darauf.

          • Der Lösungsansatz, bei allen anderen anzufangen, als bei den Damen, die sich durch einen ihnen nicht genehmen Artikel oder Genus vom Bewerben abhalten lassen scheint mir jedenfalls nicht naheliegend.

            Da geht bestimmt auch bei Männern was. Ein paar gut komponierte Fragen, ein paar willige Kandidaten und dann kommt das Ergebnis raus, was ich brauche. Die Frage ist, welches Ministerium finanziert mir das?

  6. Die Genderspezialisten haben doch schon das Problem, dass Sie die Sprache nicht verstanden haben.
    Das Generische Maskulinum hat ja nichts mit dem Geschlecht einer Person zu tun, genauso wenig wie das generische Femininum.
    Der Löffel ist nicht männlich und die Gabel nicht weiblich und das bestimmte Zuweisungen verwendet wurden, das hat nunmal mit der Entwicklung von Sprache zu tun.
    Immer wieder gut sind hier die Beiträge von Belletslettres wie z.B. dieser hier der den Genus am Beispiel von Essen erklärt:
    https://www.belleslettres.eu/content/deklination/genus-essen.php

    Die Idee die einem Wort über den Genus einen Sexus zu stülpen ist eben nichts mehr als ein Schwachsinn, der mit Sprache nichts zu tun hat, sondern mit Machtspielchen die auf Sprache und deren Verhunzung abzielt.

  7. Gendern ist so attraktiv, weil es gleichzeitig ein Gesslerhut und ein Elitemarker ist.

    Sozusagen ein Gesslerhut, der auf komplizierte, sich ständig ändernde Weise zu grüßen ist, so dass jeder klar erkennen kann, wer In und wer Out ist.

  8. Passend zum Thema hier: Via Don Alphonso bin ich auf den Genderleitfaden des philosophischen Instituts der U. Leipzig aufmerksam geworden:

    https://stura.uni-leipzig.de/fsr-philosophie/news/genderleitfaden-des-philosophischen-instituts Genderleitfaden Stand: 1. Oktober 2020

    PDF: https://stura.uni-leipzig.de/sites/stura.uni-leipzig.de/files/dokumente/2020/10/universitaet_leipzig_genderleitfaden.pdf

    Herausgeben vom FSR Philosophie, vermutlich kein offizieller Status oder formaler Zwang, höchstens Gruppendruck unter Studenten.

    Jetzt wird’s philosophisch: man soll „„gendersensibel“ formulieren, indem man

    1. Alle Geschlechter sichtbar macht (s. Seite 4: mit Gender-Stern, -Tiefstrich oder -Doppelpunkt)

    ODER indem man

    2. Alle Geschlechter unsichtbar macht (s. Seite 6: durch neutrale Ersatzbegriffe oder x-Schreddern wie z.B. Philosophx).

    Verboten ist, nur einen Teil der Geschlechter sichtbar zu machen, insb. wenn darunter ein bekanntes, besonders böses ist, bekannt mit dem M-Wort, das wir hier lieber nicht ausschreiben…

    Nun ist Variante 2 aber ein Schlag ins Gesicht für alle jahrelangen Bemühungen und Forderungen, Frauen und Frauinnen sichtbar zu machen!! Das grenzt an Verrat und Ketzerei!

    Und das sogenannte generische Maskulinum bzw. das Standardgenus, das alle möglichen Geschlechter unsichtbar macht (auch Männer werden ja nur mitgemeint), wäre dann ja auch OK!! Unterstützung des Klassenfeinds nennt man das glaube ich.

    Und bei Variante 1 sind Schwule und Lesben sind für mich gar nirgends sichtbar. Wo sieht man denn dort alle LGBTIQCAPGNGFNBA?

    • Na da sind die angehenden Philosoph*_:Innen aber recht spät dran, mit ihren unverzichtbaren Erkenntnissen!
      Ob das noch reicht, für gutdotierte Planstellen, solange nicht im Zuge von „Covid19-Wirtschafts-Belebungs-Maßnahmen“ weitere Billionen „freigemacht“ werden?!

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