„Finden Sie gendern wichtig?“

25 Gedanken zu “„Finden Sie gendern wichtig?“

  1. Dann wäre es noch interessant, welche dieser Personen, die Gendern wichtig finden, tatsächlich gendern. Nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern im Alltag.

  2. Also ich finde sog. Gendern als Thema sehr wichtig. Weil es nämlich unsere Sprache versaut, Texte nicht mehr lesbar und vor allem nicht mehr vorlesbar macht. Weil es die Form über den Inhalt stellt. Aber das ist halt Zeitgeist. Es interessiert nicht mehr, was jemand sagt oder macht, es interessiert vorwiegend, wer etwas sagt oder macht. Und weil es soviel kaputt macht, ist es wichtig.

    Wie gendert man eigentlich „Profi“?

    • Seit ich das Browser Add-on Binnen-I be gone benutze, kenne ich keine gepanschte Texte im Internet mehr. Selbst die ultralinke Wochenzeitung in der Schweiz liest sich damit flüssig.

    • Eigentlich interessant. Ist ja ein Ableitungsschema, das auch anderweitig genutzt wird. Der Fundi, der Spasti, der Dummie, der Femi, der Assi, der Sani, der Schatzi (!)

      Da müssen sich die Genderisten was überlegen.

  3. Meine Theorie ist ja, dass Gendern nicht wirklich der „geschlechtergerechten Sprache“ dient. Das ist eher so eine Rationalisierung.

    Es geht m.E. eher darum, sich gegenseitig auf Feminismus einzuschwören. Also auf außersprachliche Ziele. Einschwören innerhalb der feministischen Community. (Deshalb wird es auch empört zurückgewiesen, wenn der Vorwurf kommt, anderen – außerhalb der Community – würde damit etwas aufgezwungen.) Man will sich hauptsächlich untereinander einschwören. Es ist der gleiche Zwang wie der Zwang auf den einzelnen Fußballspieler, beim Mannschafts-Ritual vorm Spiel mitzumachen. Das Ritual ist hier auch nicht Selbstzweck, sondern soll die Opferbereitschaft des einzelnen im Spiel erhöhen. Es geht um die Verbesserung der Kampfmoral. Danisch nennt es „synchronisieren“. Man schaltet sich freiwillig gleich. Es reichen deshalb auch punktuelle Bekundungen. Man muss diesen Murks gar nicht konsequent durchziehen.

    Das dürfte durchaus auch einen realen Effekt haben. Je nach Suggestibilität.

    Es kommt hinzu, dass es gar nicht um Nennung aller Geschlechter geht. Es geht um Nennung von Frauen. Deshalb wird der Gap auch gern mal ausgelassen. Und deshalb heißt es ganz klar DIE Ärzt*in. Die Französ*innen. (Wo bleiben da die Franzosen?)

    Wenn man es so betrachtet, versteht man auch, wie wichtig Gendersprache genommen wird. Es ist Mittel zum Zweck. Der Zweck liegt AUSSERHALB der Sprache.

    Wer gendert, will Sondergesetze für Frauen. In allen Bereichen.

    • In allen Diktaturen, Religionen, Sekten, und überhaupt allen Gesellschaften haben Frauen (und Kinder) eine Sonderstellung, findet sich eine Überhöhung von Frauen. Seltsam sind allerdings solche Exzesse, wie wir sie gerade erleben.

      • Meines Erachtens geht es um mehr, siehe oben.

        Es geht um konkrete politische Ziele, nicht um eine eher allgemeine Tugendhaftigkeit. Genauer: Es geht um Stärkung der politischen Kampfkraft der Feministen-Community.

        • Finde ich auch. Den feministischen Hintergrund erkennt man gut daran, dass eben keine einheitliche angeblich gerechte Sprache gefordert wird, sondern unendlich viele Strömungen unendlich viele Sprachveränderungen einfordern – wegen der Frauen.
          Die einen wollen Pausen zum Nachdenken (Mörder und Mörderinnen).
          Die anderen wollen Zeichen setzen und in der Ausprache nur Frauen hören (Mörder*Innen).
          Dritte wollen ein ehrfurchtsvolles Inne(sic!)halten vor dem Innen (Mörder Innen oder Mörder _Innen).
          Wieder andere stehen auf Partizip präsens (Mordende), was den Sinn oft komplett zerstört.
          An manchen Unis wie Leipzig gibt es nur noch weibliche Ansprache, das generische Femininum (Mörderinnen).

          Fast jeder kocht seine eigene Suppe, was ein klares Indiz gegen Gerechtigkeitbestrebungen und für einen rein feministischen Hintergrund ist. Denn Feminismus zeichnet sich ja durch mangelnde Klarheit aus. Weder die Forderungen noch Ziele sind nachvollziehbar umrissen. Es wird einfach in jedem gerade interessanten Lebensbereich eine Benachteiligung von Frauen gemutmaßt, gegen die dann angegangen wird. Dort wird anschließend schnell die Besonderheit der Frauen herausgehoben und es werden Maßnahmen zu ihrem Vorteil festgelegt.

          Gerechtigkeit und Feminismus schließen sich aus, sonst würden solche Bestrebungen ja alle Menschen einschließen. Einseitige Gerechtigkeit gibt es nicht.

    • Diese Schreibweise ist gleichzusetzen mit dem öffentlichen Zurschaustellen der Hakenkreuzarmbinde nach 1933.
      Sie soll signalisieren, dass man dazugehört. Wer nicht mitmacht, wird mitgemacht.

      Mit Gerechtigkeit hat es nichts, aber auch rein gar nichts zu tun. Allein schon diese perfide Formulierung zu übernehmen, schießt jegliche Kritik in’s Overton-Abseits.
      „Was, wie kannst Du nicht für DIE Gerechtigkeit sein?! Da Du nicht beim gender“gerechten“ Schreiben gleichschalten lässt, bist Du ja offensichtlich für UNgerechtigkeit! Du gehörst bekämpft und vernichtet!“

      • Nimm den Gesslerhut statt der Armbinde, das ist weniger Godwin.

        Und es impliziert auch, WER eigentlich in der Lage ist, Gesslerhüte aufzustellen und den Gruß einzufordern: Nämlich Menschen, die an der Macht sind und nicht welche, die unterdrückt werden.

    • @FS: „Einschwören innerhalb der feministischen Community.“

      Sehe ich i.w. genauso. Wobei dies die Innenwirkung von Gendersternen als Machtsymbol ist. Hinzu kommt die Außenwirkung, s. Gendersterne als Machtsymbol und Herrschaftsinstrument.

      Der machtpolitische Aspekt ist viel wichtiger als der linguistische Aspekt, um den sich die meisten Debatten drehen. Gendersymbole werden ohnehin praktisch nur unter Nutzung von medialen und/oder politischen Machtpositionen gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt. Aus machtpolitischer Sicht sind die linguistischen Probleme der Gendersymbole irrelevant oder sogar ein Vorteil, weil sie den Symbolcharakter der Gendersymbole besonders klar machen.

  4. Interessant fände ich auch die Aufschlüsselung nach Alter. Sollte die Zustimmung unter Jugendlichen höher sein, dann ist klar, wohin die Reise gehen wird.

  5. Wer Gendern wichtig findet, beherrscht seine eigene Sprache nicht. So weit so richtig, schlimm finde ich wie mit der Zeit der Widerstand erodiert. Generisches Maskulinum fertig, jetzt gibts aber schon genug die statt der neuesten Formen des Genderns die Doppelnennung (Bürger und Bürgerinnen) dann doch wieder ganz gut finden. Nutzloses blabla für die Fraktion die im Kopf beim Begriff Ärzte nur Männer assoziieren kann und ihre eigene Engstirnigkeit auf die Gesamtbevölkerung projiziert.

  6. Ich würde das Framing ändern wollen: Mit „geschlechtergerechte Sprache“ hat man einen positiven Namen durchgesetzt, der dieses Konstrukt verteidigen soll. Wer gegen „geschlechtergerechte Sprache“ ist, kann ja nur gegen Gleichberechtigung sein.

    Ich würde dem einen anderen Namen mit negativen Klang entgegensetzen und diesen dann in Gesprächen auch dafür benutzen, in der Hoffnung, dadurch den anderen etwas zurückzudrängen.

    Vielleicht „separierende Sprache“, da sie ja die Geschlechter von einander trennt. Oder „diskriminierende Sprache“, da sie gerade für Menschen, die Schwierigkeiten mit Deutsch haben (z.B. Fremdsprachler, die Deutsch erst lernen) die Sprache noch mehr verkomplizieren.

    Damit könnte man diese Sprachverkomplizierer eigentlich ohne weiteres als Rechte bezeichnen.

  7. Pingback: Many Shades of Gender (12): Wieso müssen die Gender Studies alles gendern? | Alles Evolution

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.