Hannah dazu, warum sie den Feminismus braucht/nutzt

Hannah hat unter einem älteren Artikel einen Kommentar geschrieben, in dem sie darlegt, warum sie den Feminismus braucht/nutzt.

Ich freue mich zunächst darüber, dass sie sich zu Wort gemeldet hat, es tut einer Diskussion immer gut, wenn jemand dazu kommt, der die Dinge anders sieht. Erst dann kann eine richtige Diskussion entstehen.

Sie schreibt:

Meine Grund Thesen… Zusammenfassend würde ich sagen, dass ich den Feminismus nutze/brauche um anerzogene/gesellschaftliche Strukturen zu hinterfragen, in denen ich mich bewege oder bewegt habe.

Auf persönlicher Ebene hat das viel mit dem Muttersein/ Ehefrau zu tun. Obwohl ich jeden dieser Schritte selbst getan habe – im Nachhinein denke ich, da wäre ein feministisches Bewusstsein etwas hilfreicher gewesen. Ich habe mein Studium, Arbeit ziemlich hinten an gestellt um für unseren Sohn da zu sein. Mein Mann hat mich dann schwanger verlassen und die Zeit mit zwei Kindern alleine war erstmal ziemlich anstrengend – finanziell gesehen auch, weil er mir keinen Unterhalt gezahlt hat. Es gab Streit – wir fühlten uns beide in die jeweilige Rolle gedrängt, er als Ernährer und ich als Heimchen….

Ich finde es vollkommen okay Rollen zu hinterfragen und zu schauen, warum man dort überhaupt gelandet ist. Und natürlich können gesellschaftliche Erwartungen dabei auch eine Rolle gespielt haben.

Jetzt, 3 Jahre nach der Trennung, sehe ich wie eine gleichberechtigte Elternschaft aussieht – Wechselmodell, wir beide arbeiten Teilzeit und kümmern uns zu gleichen Teilen um unsere Kinder, haben einen entspannten und liebevollen Umgang miteinander.

Das freut mich für Beide und auch für das Kind, welches so eine Bindung zu beiden Eltern aufbauen und erleben kann. Wenn das für beide okay ist, dann wird das Wechselmodell – ja schon lange eher eine Forderung von Männerverbänden und schon lange eher bekämpft von Frauenverbänden – hier auch allgemein und auch bei mir nicht auf Widerstand stoßen.

Ich denke, wenn uns bewusster gewesen wäre, wie sehr die Gesellschaft einen doch beeinflusst, hätten wir vielleicht etwas klarer über unsere Wünsche sprechen können. Vorwürfe und das sich nicht gesehen fühlen, hat unsere Ehe kaputt gemacht. Ich kann mir da auch an die eigene Nase fassen, denn ich habe es für selbstverständlich gesehen, dass er uns finanziell versorgt.

Die interessante Frage ist ja: Ist das wirklich eine Beeinflussung durch die Gesellschaft und inwiefern wäre ein „Aufbrechen“ dieser Gesellschaft in diesem Sinne überhaupt eine klassische feministische Forderung? Man könnte es genauso als „maskulistische Erkenntnis“ ansehen, dass der Vater eben nicht nur zur Finanzierung da ist, denn diese Rolle des Vaters als Versorger und die Absicherung der Rolle als Mutter wird ja weitaus eher bei Autoren wie etwas Warren Farrell oder in Männerrechtlerforen diskutiert als im Feminismus.

Ich sehe aber auch an ihm wie ungerecht das System ihm gegenüber ist, da so sehr in Kategorien gedacht wird. Da wir keinen geeigneten Kita Platz für unser Kind bekommen haben, hat er sich arbeitslos gemeldet und war ganztags für es da. Auch damit ich mein Studium fortführen konnte – ihm wurde unterstellt, das System ja nur ausnutzen zu wollen, dass ich eigentlich die Hauptversorgung mache und er nur das Geld will und blabla ein Mann muss seine Kinder und Frau doch versorgen etc… Dass er genau das tat, da half auch kein Gespräch mit mir. Sie glaubte ihm nicht….

Ich denke hier hat auch niemand etwas dagegen, dass ein Mann ein Kind betreut. Und auch die unterschiedliche Behandlung eines Mannes, der sich in die Position begibt, die normalerweise die Frau hat, wird selten im Feminismus diskutiert und dann vielleicht eher noch mit dem Zusatz „Da ist er ja dennoch privilegiert“ oder „Wenn Männer etwas machen, was sonst Frauen machen, dann soll es plötzlich etwas besonderes sein, es gibt aber keine Kekse für solches Verhalten“.

Ich hatte hier schon einmal angeführt, dass die Geschlechterrollen als Häufungen zu erwarten sind, aber eben keinen Konformitätsdruck auslösen sollten. Wenn Leute auf eine bestimmte Weise leben wollen und damit gut zurecht kommen, dann ist das erst einmal ihre Sache.

Aber natürlich ist das weil es bei bestimmten Leuten klappt nicht etwas für jedermann: Männer beispielsweise profitieren auf dem Partnermarkt eher als Frauen von beruflichen Status und viele Frauen sind auch weit weniger bereit überhaupt eine Beziehung mit jemanden einzugehen, der nicht mindestens ihren „sozialen Stand“ hat, bzw entweder gleich viel oder mehr verdient. Auch wollen viele Frauen lieber mehr Zeit mit ihren Kindern als eine Vollzeitarbeit. Das bedeutet aber nicht, dass es für Leute, die diese Erwartungen, die ja nur den Schnitt betreffen, nicht haben, nicht wunderbar anders klappen kann.

Naja das ist nur ein Aspekt, warum ich dafür bin gesellschaftliche Strukturen aufzubrechen, Männer und Frauen nicht in Rollen zu drängen, weil es vielleicht typisch weiblich ist sich zu kümmern und typisch männlich ist es eben zu versorgen…

„Strukturen aufbrechen“ klingt immer gut. Aber es wird schnell zu einem Kampf für eine Befreiung von bestimmten Lebensmodellen, die andere sehr gern leben. Die „Struktur“ kann schlicht aus Häufungen entstehen, aber auch dadurch, dass Leute abweichende Lebensstile abwerten um den von ihnen zu sichern. Eine Frau etwa, die Männer abwertet, die Kinder betreuen und dafür weniger verdienen, oder das Wechselmodell abwertet oder andere Modelle sichert damit eben die Zukunft des von ihr präferierten Modells. Beim Mann kann das dann mit anderen Bereichen, etwa „ein Mann hat der Versorger zu sein“ ebenso sein.

Da ist man dann kein Befreier der Massen, wenn man Strukturen aufbricht, allenfalls kann man den Leuten vermitteln, dass ein abweichender Plan kein Angriff auf sie ist.

Die Unterstützung von Benachteiligten, oft sind nun mal Frauen alleinerziehend, sollte nicht auf pauschalisierten Annahmen, was das männliche Geschlecht angeht. Vielmehr sollten wir uns fragen, warum wir in einer Gesellschaft leben, in dem nun mal Frauen oftmals die Care Arbeit übernehmen. Dafür müssen wir nicht Männern den schwarzen Peter zu schieben sondern erstmal vor der eigenen Tür kehren

Ein Feminismus auf diese Art, der erkennt, dass man pauschalisierende Annahmen meiden sollte und auch als Frau vor der eigenen Tür kehren soll, wäre etwas wesentlich angenehmeres als der gegenwärtige Feminismus.

Und eine tatsächliche Frage, nicht eine rhetorische Frage, warum Frauen oftmals die Carearbeit übernehmen, begrüße ich ebenso.

Ein Aspekt dabei ist sicherlich die Evolution und unsere Biologie: Bei Säugetieren überrascht es wenig, dass Frauen mehr Carearbeit übernehmen. Und bei Tieren mit größeren Männern, die gerne Hierarchien aufbauen, und bei denen diese Hierarchie in die Partnerwahl der Frau einfließt, ist es auch wenig verwunderlich, dass Männer eher die Erwerbstätigkeit übernehmen.

22 Gedanken zu “Hannah dazu, warum sie den Feminismus braucht/nutzt

  1. Das läuft dann wohl unter „es gibt nicht DEN Feminismus“. Komischerweise scheint es nur sehr wenige Mein-Mein-Feminismus-Feminismus Feministinnen in die Politik, die Universitäten oder die Medien zu ziehen. Dort findet man die intersektionalen-Männer-können-nicht-diskriminiert-werden-und-wenn-doch-dann-mimimimi-Feministinnen, die vorhandene Geschlechterrollen nur durch eigene ersetzen wollen und die mit Mütterverbänden verkehren, die in Vätern in erster Linie eine potentielle Gefahr für die Mutter sehen, die sich auch noch dazu erdreisten nicht all ihr Geld an die Mutter zu überweisen.

    • „Das läuft dann wohl unter „es gibt nicht DEN Feminismus“.“

      Eigentlich nicht. Im Thread folgte dann noch ein weiterer Kommentar, in dem sie dann anlasslos doch wieder alle feministischen Mythen runterbetete und dabei wenig Berührungsängste mit allerlei Widerlichkeiten hatte, wohl weil sie sie in feministischer Gutgläubigkeit (um mal den Begriff der Einfalt zu vermeiden) einfach ungeprüft und unhinterfragt schluckt.

      Da waren dann auf einmal Frauen häufiger von Armut und Gewalt betroffen (beides faktisch und nachweislich falsch) und Männer kriegen zwar auch schon mal Gewalt ab, aber da sind dann ja auch die Täter meist Männer (was bei der Opferbewertung NATÜRLICH eine gaaanz große Rolle zu spielen hat). Außerdem kam was zu „Femiziden“ und Familienstrukturen, Traditionen und Familienwerten, welche selbstverständlich auch wieder nur die Selbstbestimmung der Frau einschränken. Und Verweise auf den Männeranteil in Spitzenpositionen sowie in der Politik durfte selbstredend auch nicht fehlen.

      Wenn es DEN Feminismus nicht geben soll, ist es schon verwunderlich, wie sich diese Talking Points dann doch irgendwie alle immer wieder gleichen. Diesen offenkundigen Stuss spulen sie dann am Ende doch allesamt ab, wie ein Anrufbeantworter seine aufgezeichnete Ansage für jeden Anrufer.

      Wobei man ihr hier schlicht Unbedarftheit zugestehen sollte. Wer sich nur oberflächlich und entsprechend nur über unsere diesbezüglich alles andere als seriösen und unabhängigen „Qualitätsmedien“ informiert, kommt natürlich über die dort dargestellten Verhältnisse schnell zu dem Schluss, dass Frauen immer und überall irgendwie benachteiligt werden. Und wer kommt schon so schnell auf den Gedanken, dass vielleicht doch nicht alles stimmen MUSS, nur weil es in öffentlich rechtlichen Nachrichtensendungen in den Äther ventiliert wird? Da sitzen doch die ganzen Faktenfinder, Faktenchecker, Fakten-was-auch-immer! Die werden das doch sicher auch alles kritisch prüfen und nicht einfach irgendwelchen Blödsinn durchgehen lassen, nur weil er ihnen ideologisch genehm ist…

      • Für dieses Verhalten gibt es übrigens ein schönes Beispiel aus Frankreich: Als #MeToo gerade ausgebrochen war, haben doch etliche prominente Frauen aus Frankreich so einen kleinen Protestbrief veröffentlicht, in dem sie diese Bewegung und ihre Inhalte kritisiert haben. Die Schauspielering Catherine F. Deneuve hat dort mit unterschrieben.

        Ich fand das toll von diesen Französinnen.

        Als sich dann aber etwa ein Jahr später die Festlichkeiten für Catherine Deneuves 75. Geburtstag anbahnten – in Frankreich offenbar eine landesweite Angelegenheit – hat diese Schauspielerin ein Interview gegeben (vermutlich ein Dutzend Interviews), in dem sie vollständig auf die #MeToo-Position umgeschwenkt ist. Bspw. hat sie da gefordert, dass Arbeitgeber sich in den Arbeitsverträgen für weibliche Mitarbeiter verpflichten müssten, dass sie diese Mitarbeiterinnen vor sexueller Belästigung schützen.

        Auch privat habe ich im Laufe der Jahre hin und wieder Frauen kennengelernt, die explizit zunächst mal so einen Selbst-ist-die-Frau-Feminismus vertreten haben, also eher so aus der 2. Welle übrig geblieben. Doch jedes Mal hat sich dann im Laufe der Zeit herausgestellt, dass diese Frauen so ganz selbstverständlich, so ganz nebenbei all die Narrative des heutigen intersektionalen Feminismus unterschreiben.

        • Ja, das ist wirklich frustrierend. Vor allem vor dem Hintergrund, welche Erfahrungen Catherine Deneuve mit den Anhängern dieser Ideologie infolge des Briefes hatte machen müssen. Die ist massiv von dieser Femi-SA geshitstormt, beleidigt und bedroht worden. Und was tut sie? Sie schließt sich vorbehaltlos deren Narrativen an. So ähnlich wie mal hierzulande diese Mädel, die einen Artikel schrieb „Warum mich der Feminismus ankotzt“. Auch die wurde umgehend massiv angegangen, auch von anderen „Journalistinnen“, natürlich niemals auf argumentativer sondern beständig auf übelster ad hominem Ebene. Sie sah sich umgehend genötigt, einen Kotau zu machen, sich von Leuten zu distanzieren, die sie angeblich nun als Gallionsfigur betrachteten (gemeint waren wohl diese bösen, bösen Maskus) und gestand öffentlich ihre Sünde und bat um Vergebung, wo doch ihre Gotteslästerung nur ihrer allumfassenden Unkenntnis bzgl. der Segnungen des Feminismus‘ geschuldet war. Und heute ist auch sie eine von unzähligen Multiplikatoren feministischer Mythen und Dogmen.

          Und, um den guten alten Godwin mal wieder zu seinem Recht kommen zu lassen: Die Nazis haben in Deutschland nicht ihre Allmacht erlangen können, weil alle Deutschen sie so toll fanden. Die meisten Deutschen hatten nur Angst vor den Konsequenzen, wenn sie nicht brav so taten, als fänden sie die Nazis voll knorke. Und so streckten auch sie bei jeder Gelegenheit pflichtbewusst den rechten Arm raus und wünschten Hitler sein Heil.

          • Deswegen bringt es nicht auf Frauen zu bauen. Das Problem ist, das diese Frauen es sich nur deshalb leisten können, dem Feminismus anzugehören, weil es ihnen so gut geht. Deswegen ist die beste Methode den Feminismus abzuschaffen, das Land vor die Hunde gehen zu lassen. Wenn wir auf dem Niveau Afghanistans angekommen sind, ist der Feminismus nur ein ferne Erinnerung.
            Also Hände in den Schoß gelegt und sein eigenes Ding gemacht. Nur an sich selber und an seine Leute denken.

        • „hat sie da gefordert, dass Arbeitgeber sich in den Arbeitsverträgen für weibliche Mitarbeiter verpflichten müssten, dass sie diese Mitarbeiterinnen vor sexueller Belästigung schützen.“

          Wieso fordern Frauen, oder sind es nur die Feministinnen, so gut wie immer das es einen Schutz nur für sie, die Frauen, geben soll, nicht für alle?

          • Das hat Hannah doch klar gemacht: NUR Frauen sind von Gewalt bedroht. Männer nicht.

            Dass Männer von Gewalt betroffen sind, ist in der selben Kategorie wie, dass Wasser bergab fließt. Man kann nicht sinnvoll davon reden, dass Wasser davon bedroht wäre, abwärts zu fließen. Das ist ein Zustand, der halt so ist, daran kann und sollte man nichts ändern.

            Aber der Naturzustand, auf den Frauen ein Recht haben ist, dass ihnen nichts passiert.

            Also ist jegliche Gewalt eine Verletzung des Naturrechts der Frau!

            Einfach.

          • Oder heute bei Genderama:

            2. Der ORF berichtet, wie sich Österreichs Grüne im Wahlkampf beim Thema Gemeindebau positionieren:

            In allen Bezirken soll es Frauen-Wohnprojekte geben, in denen Alleinerzieherinnen und ältere Frauen leben können. Das soll vor allem in Stadtteilen entstehen, die weniger von Hitze betroffen sind.

            Ältere und alleinerziehende Männer sind aus grüner Perspektive offenbar gegen Hitze immun.

            Und je mehr Frauen zu sagen, je mehr scheint es Recht und Leistungen nur für Frauen zu geben. Also immer weniger Gleichstellung und Gleichberechtigung. Behauptet wird natürlich genau das Gegenteil.

  2. Immer wenn von diesen mächtigen gesellschaftlichen Strukturen die Rede ist, die uns alle manipulieren und zu etwas zwingen, was wir eigentlich gar nicht wollen, fühle ich mich total als Held, weil ich diese Strukturen mutig ignoriere und einfach mein Leben lebe.

    • 🙂

      Es scheint tatsächlich viele zu geben, die sich sehr anpassen, an alle möglichen vermeintlichen Erwartungen, ich schätze mal, der überwiegende Teil davon ist weiblich. So im Rückblick kommt einem der ursprüngliche Feminismus, der sich emanzipierte, statt alle anderen umerziehen zu wollen, irgendwie sympathisch vor, da stimmte wenigstens die Stoßrichtung noch.

      Wahrscheinlich haben sie gemerkt, dass Frauen sich nicht umerziehen lassen, jetzt müssen sie das auch noch für Männer lernen… vielleicht ist das daher die letzte Feminismuswelle (schön wärs, würde mich aber wundern) oder sie fordern danach Genmanipulationen zur Erreichung ihrer Ziele 🙂

    • @Adrian

      Du bist halt männlich – ein geborener Held 🙂

      Ein guter Bekannter von mir hat die Frage „Was ist männlich?“ mal so beantwortet:

      „Männlich ist, wenn man mit einer Straßenkarte bewaffnet in den Urlaub nach Italien fährt, in den Alpen halt macht, weil man gemäß der Karte einen Tunnel erwartet hätte, aber keiner da ist, und dann anfängt, mit bloßen Händen seinen eigenen Tunnel durch die Alpen zu graben.

      Obwohl der eigentlich erwartete Tunnel nur 50 m weiter die Straße runter ist.

      Männlichkeit hat also nicht unbedingt etwas mit Cleverness zu tun, aber es ist eine Eigenschaft, die – auch und gerade – Frauen sehr gut steht.“ (Vielleicht, weil sie bei Frauen eher selten anzutreffen ist.)

  3. Zusammenfassend würde ich sagen, dass ich den Feminismus nutze/brauche um anerzogene/gesellschaftliche Strukturen zu hinterfragen, in denen ich mich bewege oder bewegt habe.

    Bin ich ein Antifeminist, wenn ich sage, dass es dazu keinen Feminismus, sondern nur gesunden Menschenverstand braucht? Allein schon mit dieser Aussage gibt Hannah ja zu, dass sie nicht selbstständig Dinge hinterfragen kann, sondern dass sie den Feminismus dazu braucht. Nun wissen wir natürlich alle, dass der Feminismus keine Wissenschaft ist, die Dinge kritisch und ergebnisoffen hinterfragt, sondern das genaue Gegenteil. Letztendlich lässt sie sich also vom Feminismus sagen, was sie zu denken hat, was ja auch ins Bild passt, da der heutige Feminismus die Frauen als unmündige Wesen betrachtet, die keine Verantwortung für sich selbst übernehmen können. Für Hannah übernimmt der Feminismus sogar das Denken. Ist ja auch anstrengend, dieses Denken.

  4. Ich bin immer wieder verwundert darüber, dass „Strukturen abschaffen“ völlig unkritisch als etwas Positives gesehen wird.

    Anomie
    The term was introduced by the French sociologist Émile Durkheim in his study of suicide. He believed that one type of suicide (anomic) resulted from the breakdown of the social standards necessary for regulating behaviour. When a social system is in a state of anomie, common values and common meanings are no longer understood or accepted, and new values and meanings have not developed. According to Durkheim, such a society produces, in many of its members, psychological states characterized by a sense of futility, lack of purpose, and emotional emptiness and despair. Striving is considered useless, because there is no accepted definition of what is desirable.
    (…)
    The only regulating agencies would be the desire for personal advantage and the fear of punishment. Social behaviour would thus become unpredictable. Merton defined a continuum of responses to anomie that ranged from conformity to social innovation, ritualism, retreatism, and, finally, rebellion. Delinquency, crime, and suicide are often reactions to anomie.

    Strukturen haben eine Funktion. Die kann man nicht einfach wegmachen, ohne negative Folgen.

    Gains in women’s rights haven’t made women happier. Why is that?
    Since the 70s, women in the US and Europe have reported feeling less satisfied with their lives

    • Oh, danke für den kurzen Ausschnitt. Das klingt definitiv nach etwas, was junge Leute heute umtreibt, gerade auch Zuellosigkeit ‚weil wofür denn?‘ und emotionale Leere. Da hbe ich fas Gefühl, dass dies in den letzten Jahren sehr viel stärker durchkommt, als davor. Kann aber genauso gut an Social Media Plattformen liegen, wo sowas gerne auch als cool breitgetreten wird.

      • Social Media sind als Welt/Gesellschaftsform so jung, dass sie auch noch relativ wenige Strukturen, Umgangsformen, Regeln ausgeprägt haben.
        Die Regeln vom IRL lassen sich nicht 1:1 übertragen.

        Daher wohl auch das Geschreie bezüglich Hassrede: Auf Twitter werden Frauen viel eher geschlechtsneutral behandelt als IRL. Das empfinden sie, an ein Leben in Wattebäuschen gewohnt, natürlich als frauenfeindlich.

  5. Ich denke auch, es gibt nicht den Feminismus – sonst stünden wir nicht vor der vierten Welle. Und jede Welle war in sich nicht schlüssig und abgrenzbar. Es ging im Kern immer darum, den jeweiligen Frauen das zu ermöglichen und zu geben, was die gerade wollten. Zwar gab es stets eine feministische Abneigung gegen das klassische „Heimchen“, diese war aber in Intensität und Aggressivität nie vergleichbar mit den Angriffen auf Männer, auf so genannte patriarchale Strukturen oder auf typisch männliche Verhaltensweisen, also Männlichkeit.

    So wie die meisten Frauen in meinem Umfeld nutzt auch Hannah die inhaltliche Beliebigkeit des Feminismus für ihre persönliche Sicht. Und diese Sicht ist geprägt durch gefühlte Ungerechtigkeiten, gefühlte Benachteiligungen und gefühlte Diskriminierungen. Bei sehr vielen explizit nicht feministischen Frauen erkenne ich genau diesen Mechanismus. Zum Beispiel gestehen sie zu, dass Frauen im Moment mehr Chancen und Wahlmöglichkeiten im Leben haben als Männer, setzen das aber in einen Kontext zur vorgeblich Jahrtausende langen Unterdrückung der Frau.

    Wenn ich dann mal nachbohre, wie denn diese Unterdrückung ausgesehen habe, warum es denn Unterdrückung war, wenn die Mutter das Kind in der Höhle am Feuer gesäugt hat, während der Mann bei Wind und Wetter auf der Jagd war oder die Bären abgewehrt hat unter Einsatz seines Lebens – dann können sie mir das auch nicht mehr so genau erklären. Trotzdem bleiben sie stoisch dabei, die Frau sei ewig die Unterdrückte gewesen.

    Diese Nicht-Feministinnen schildern mir eindringlich, wie grausam die Genitalverstümmelung sei, die Mädchen zugefügt wird. Wenn ich dann einwende, wie häufig und oft ebenso grausam die Jungs verstümmelt würden, höre ich nur, das sei etwas anderes.

    Für mich ist daher Feminismus im Grunde nur eine einzige riesige Welle, ein gesellschaftlicher Tsunami, mit dem Frauen in allen Lebensbereichen die Vorherrschaft gewinnen möchten, die sie schon immer im häuslichen Bereich und im Umgang mit Kindern, also der Zukunft, haben.

    Die Motoren für dieses Streben sind nicht rational erklärbar, nicht ideologisch, nicht nachvollziehbar und nicht für alle verständlich. Sie speisen sich aus den jeweilig aktuellen Wünschen der Frauen, die ich deswegen gerne Herrenfrauen nenne.

    Wenn ich all die faktischen Angriffspunkte ansehe, auf die Feministen losgehen, dann wird dort kein konkretes Ziel verfolgt, sondern es soll im Kern Vorherrschaft übernommen oder gefestigt werden.

    Das alles lässt mich zu dem Schluss kommen, dass Feminismus nur ein Sammelbegriff für die drei manchmal sehr ausgeprägten, aber urmenschlichen Verhaltensmerkmale Herrschsucht, Habgier und Missgunst ist.

    Während Männer seit ewigen Zeiten so geformt sind, dass sie Frauen und Kinder versorgen und beschützen, sind Frauen das nicht. Deswegen richten sich diese feministischen Tendenzen auf nicht darauf, einen inklusiven Weg für Frauen, Kinder und Männer zu entwerfen, sondern sind sehr egoistisch auf Frauen ausgerichtet. Die Mutter verklappt ihren Balg bis in den Abend in Krippe, Hort und Ganztagsbetreuung, um irgendeinen unnützen Quatsch zum Beispiel mit Medien zu machen. Selbst ohne Kinder tritt sie gerne beruflich kürzer, um sich um Garten und Pilates zu kümmern. Es entsteht sogleich ein Gender-Pay-Gap, eine innerpartnerschaftliche Ungerechtigkeit, gegen die es anzujammern und zu kämpfen gilt. Wie orientierungslos und einsam Kinder sein können, die nicht mit Eltern großwerden, wie scheiße es vielen Männern und Vätern geht, die nur noch als männlich-böse gelten, denen die Kinder genommen werden und die Schritt für Schritt aus diversen gesellschaftlichen Bereichen entfernt werden – es interessiert sie nicht. Das ist die hässliche und zutiefst menschenfeindliche Fratze dessen, das sich Feminismus nennt.

    Herrschsucht, Habgier und Missgunst sind Wesensmerkmale – die verschwinden nicht einfach, wenn du jemandem alle Forderungen und Wünsche artig erfüllst. Da entstehen neue – und zwar schneller, als du es merkst…

  6. Geil sind halt die vielen Fälle, wo feministische Gedankenlosigkeit nach hinten losgeht und ins ja zeitlich doch recht begrenzte Zeitfenster für’s persönliche Ewigkeitsprojekt reinfickt.

    Immer auch nett die unbedarften Helfershelfer, die dann Steigbügelhalten mit der Argumentation über die Ausnahme, wo ja gerade die weiblichen Tierchen ja sooooo berühmt dafür sind aus der Reihe zu tanzen.

    Wie immer der zu erwartende entartete Antihumanismus in Aktion.
    An allen Fronten.

    Vielleicht ließt’s ja mit.

    • ist doch immer so,
      was sollen sie auch schon groß sagen, wenn sie vom männlichen Scharfsinn ausgeleuchtet werden und im grellen Licht dastehen in ihrer ganzen geistigen und charakterlichen Erbärmlichkeit.

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