„Strukturell“

Blue Jaw schrieb

Ich schlage einen Extra- Faden zum Begriff „strukturell“ vor.

Meiner Erfahrung nach wird er von regressiven Linken als Wieselbegriff mißbraucht, ganz nach Bedarf bedeutet „strukturell“ bei ihnen „staatlich“ oder „gesellschaftlich“. Meinem Verständnis nach das hier viel zitierte Motte & Bailey- Prinzip.

Angeblich kommt der Begriff der strukturellen Diskriminierung tatsächlich von einem der alten Recken der Frankfurter Schule.

Da ich da theoretisch nicht fit bin, bitte ich die Experten um Rat.

Gunar schrieb:

@Blue Jaw

Wie so oft lohnt ein Blick in mein „Schwarzbuch Feminismus“ 🙂
1971: „Der Norweger Johan Galtung formuliert das Konzept der »strukturellen Gewalt«, das von Feministinnen dankbar aufgenommen wird, um jede erlebte Frustration zur Unterdrückung zu erklären.“

Renton schreibt:

Nein, nein, die Strukturen sind (auch und vor allem) überlieferte Verhaltensregeln, umgangssprachlich „Traditionen“ genannt.

Das schöne an diesen Traditionen ist, sie werden immer als Nachteil für Frauen ausgelegt.
Klassisches Beispiel: Wer einer Frau in den Mantel hilft, ist ihr nicht be-hilflich, sondern erzieht sie zur Unmündigkeit.
Und wer von seiner Frau, mit der er ausgemacht hat, dass sie sich ums Kind kümmert, während er das Geld ranschaffen geht, erwartet, die mentale Last der Alltagsorganisation des Kindes zu tragen, erzieht sie nicht etwa zur Mündigkeit, sondern verweigert ihr die ihr zustehende Unterstützung.

Catch-22 eben.

El Mocho schreibt:

Hier heißt es:

„Von struktureller Diskriminierung wird gesprochen, wenn die Benachteiligung einzelner Gruppen in der Organisation der Gesellschaft begründet liegt. Die über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsene Art des Zusammenlebens (Arbeitsteilung, Verteilung der Entscheidbefugnisse etc.) geht in der Regel mit patriarchalen, postkolonialen, homophoben, religiösen oder wie auch immer gearteten und begründeten Konventionen, Gebräuchen und Traditionen einher, welche die Privilegierung einzelner Gruppen bzw. die Schlechterstellung anderer Gruppen als «normal» und vorgegeben erscheinen lassen. Diese allen Gesellschaften immanente Form der Diskriminierung ist ebenfalls nicht immer einfach zu erkennen, da bestehende und vertraute Strukturen häufig nicht hinterfragt und auch von den Betroffenen selber nicht als diskriminierend erkannt werden.“

Wirklich sehr unklar. Was heißt das, dass Diskriminierung „in der Organisation der Gesellschaft begründet liegt“? Die Diskriminierung muss doch nachweisbar sein, es muss einen konkreten Nachteil für jemanden geben, der auf einen Urheber zurückführbar ist, ansonsten kann man wohl nicht von Diskriminierung reden. Dass ich in Kolumbien mir schnell einen Sonnenbrand hole während meine Frau sich noch nicht mal einreiben muss, dass ich Milch und Käse essen kann und sie davon Magenbeschwerden bekommt (genetisch bedingte Laktose-Unverträglichkeit), das sind sicher Nachteile, aber man würde sie nie als Diskriminierung bezeichnen, weil niemand dafür verantwortlich ist.

„Organisation“ ist ein genauso unklarer Begriff wie Struktur, das erklärt wenig. Wer ist für die Organisation der Gesellschaft verantwortlich?

Und das die Betroffenen die angebliche Diskriminierung selber nicht erkennen, spricht auch eher gegen die Realität des Phänomens.

Ich halte das alles nur für Gerede, das vorgeschoben wird, um politische Forderungen zu begründen, für die man keine vernünftigen Argumente hat.

Und ich greife noch mal Gunar auf und zitiere dazu auch die Wikipedia:

Structural violence is a term commonly ascribed to Johan Galtung, which he introduced in the article „Violence, Peace, and Peace Research“ (1969).[1] It refers to a form of violence wherein some social structure or social institution may harm people by preventing them from meeting their basic needs. Institutionalized adultism, ageism, classism, elitism, ethnocentrism, nationalism, speciesism, racism, and sexism are some examples of structural violence as proposed by Galtung.[2][3] According to Galtung, rather than conveying a physical image, structural violence is an „avoidable impairment of fundamental human needs“.[4] As it is avoidable, structural violence is a high cause of premature death and unnecessary disability. Because structural violence affects people differently in various social structures, it is very closely linked to social injustice.[5] Structural violence and direct violence are said to be highly interdependent, including family violence, gender violence, hate crimes, racial violence, police violence, state violence, terrorism, and war.[6]

In his book Violence: Reflections on a National Epidemic, James Gilligan defines structural violence as „the increased rates of death and disability suffered by those who occupy the bottom rungs of society, as contrasted with the relatively lower death rates experienced by those who are above them“. Gilligan largely describes these „excess deaths“ as „non-natural“ and attributes them to the stress, shame, discrimination, and denigration that results from lower status. He draws on Sennett and Cobb, who examine the „contest for dignity“ in a context of dramatic inequality.[7]

Bandy X. Lee wrote in her textbook Violence: An Interdisciplinary Approach to Causes, Consequences, and Cures, „Structural violence refers to the avoidable limitations that society places on groups of people that constrain them from meeting their basic needs and achieving the quality of life that would otherwise be possible. These limitations, which can be political, economic, religious, cultural, or legal in nature, usually originate in institutions that exercise power over particular subjects.“[8] She goes on to say that it „is therefore an illustration of a power system wherein social structures or institutions cause harm to people in a way that results in maldevelopment and other deprivations.“[8] Rather than the term being called social injustice or oppression, there is an advocacy for it to be called violence because this phenomenon comes from, and can be corrected by human decisions, rather than just natural causes.[8]

101 Gedanken zu “„Strukturell“

  1. „strukturell“ wird hier im Sinne eines verschwörungstheoretischen Ansatzes gebraucht, der axiomatisch von einer KOLLEKTIVSCHULD der betreffende Gruppe ausgeht — von „Männern“ („Patriarchat“) und der „weissen Rasse“ („Antirassismus“) oder von „Kolonialisten“, etc

  2. „Strukturell“ ist ein gewöhnlicher soziologischer Fachbegriff und hat per se erstmal nichts mit der „regressiven Linken“ zu tun.

    Und in herrschaftskritischen Analysen aller traditionell-linken – und gerade nicht-regressiven – Theorieströmungen kommt der Begriff „strukturell“ manchmal dann vor, wenn der Einfluss soziologischer Strukturen auf das persönliche Verhalten kritisch analysiert werden soll, wenn es also um eine nicht-rein-personalisierte Kritik geht. Die leitende Fragestellung ist dann also:

    Warum verhalten sich Menschen unter dem Einfluss bestimmter soziologischer Strukturen im Schnitt so, wie sie es tun?

    oder

    Wie beeinflussen bestimmte (konkret beschreibbare und empirisch erforschbare) soziologische Strukturen das Verhalten von Menschen?

    Typisch für sogenannte regressive Linke ist daher nicht, dass sie den Begriff „strukturell“ verwenden, sondern, dass die von ihnen behaupteten Strukturen oft nicht konkret beschrieben und belegt, sondern einfach vorausgesetzt werden.

    Die von der sogenannten regressiven Linken verwendete Art des Umgangs mit dem Begriff „strukturell“ ist in den USA entstanden und nimmt in der Regel weder Bezug auf die Frankfurter Schule, noch auf den Friedensforscher Johan Galtung, die im übrigen sehr lesenswert sind.

    Der Politikwissenschaftler Mathias Hildebrandt bemerkt zu den ideengeschichtlichen Kontexten des Konzepts der strukturellen Diskriminierung, wie es in den USA entwickelt wurde, in seinem wissenschaftlichen Standardwerk zur Entstehung der postmodernen Political Correctness in den USA:

    „Insbesondere folgende Arbeiten legten den Grundstein dieser Theorien („Institutional Racism“ und „Structural Oppression“): Frantz Fanons „The Wretched of the Earth“ (1963), Stokeley Carmicheals und Charles V. Hamiltons „Black Power“ (1967), Albert Memmis „The Colonizer and the Colonized“ (1967) und “The Dominated Man“ (1968), Louis L. Knowles´ und Kenneth Prewitts “Institutional Racism in America” (1969), William Ryans “Blaming the Victim” (1971) und Robert Blauners “Racial Oppression on America” (1972).”

    (aus: Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA, VS Verlag, 2005, 2. Kapitel: Die Theorien des „Institutional Racism“ und der „Structural Oppression“, S. 98 f.)

    Das Konzept wurde also wesentlich aus den Werken bestimmter Rassismus- und Kolonialismus-Theoretiker abgeleitet. Aber Vorsicht: Das muss nicht heißen, dass die von Hildebrandt genannten Autoren mit dem, was politisch korrekte Linke aus einigen ihrer Theorien abgeleitet haben, tatsächlich übereinstimmen. Politisch korrekte Linke neigen bekanntlich zu Verkürzungen und Trivialisierungen.

    Weitere Informationen zu den ideengeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Hintergründen und theoretischen Grundlagen der Konzepte „Institutional Racism“ und „Structural Oppression“ finden sich in dem angegebenen Kapitel des ausgezeichneten Buches von Mathhias Hildebrandt.

    • Typisch für sogenannte regressive Linke ist daher nicht, dass sie den Begriff „strukturell“ verwenden, sondern, dass die von ihnen behaupteten Strukturen oft nicht konkret beschrieben und belegt, sondern einfach vorausgesetzt werden.

      Was wäre denn ein Beispiel für einen Beleg? Wie kann man z.B. strukturelle Gewalt belegen?

    • Den Begriff „regressive Linke“ benutze ich lediglich aus Flaps und Bockigkeit, ich seh halt nicht ein, dass Leute, die Geschlechter- und Rassenhass predigen, sich mit „progressiv“ schmücken dürfen.

    • @Leszek

      War mein Beitrag missverständlich formuliert? Ich habe damit keine Aussage über Galtung getroffen (und auch nicht treffen wollen), sondern lediglich gesagt, dass sich Feministinnen seiner Definition bedienten. Und dafür gibt es zahllose Beispiele. Wahllos herausgegriffen durch kurze Suche im Netz:

      Gewaltdefinitionen und Formen von Gewalt gegen Frauen
      Für die zweite Frauenbewegung war es ein zentrales Anliegen, einen möglichst weit gefassten, feministischen Gewaltbegriff zu etablieren. Eine nützliche Differenzierung, um Gewalt gegen Frauen in all ihren Ausprägungen zu erfassen, wurde dabei vom schwedischen Friedensforscher Johan Galtung übernommen.
      http://blog.sektionacht.at/2014/11/16-tage-3-gewaltdefinitionen-und-formen-von-gewalt-gegen-frauen/

      Gewalt gegen Frauen – und ihre Auswirkungen
      Bei der Ausübung von Gewalt spielt die eingebildete oder tatsächliche „Befugnis zu herr(!)schen“ eine nicht unerhebliche Rolle. Der Soziologe Johan Galtung: „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflußt werden, daß ihre aktu- elle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“6 Strukturelle Gewalt, heißt danach der Typ von Gewalt, bei dem die Beeinflußung nicht alleine von einem handelnden Subjekt ausgeht, sondern im gesellschaftlichen System eingebaut ist. Dies äußere sich in ungleichen Macht- und Besitzverhältnissen und davon abhängig, in ungleichen Lebenschancen. In diesem Sinne ist Gewalt im Rahmen dieser Arbeit definiert.
      https://www.grin.com/document/96455

      Gewalt und Frieden.Eine Analyse der Gewalt- und Friedensentwicklungen im ehemaligen Sudan nach Johan Galtungs “Gewaltdreieck”mit Fokus auf den Einflüssen und Wirkungen kultureller Gewalt und tiefenkultureller Komponenten
      In den feministischen Diskursen (jedenfalls in den „westlichen“) beziehen sich die Gewaltdefinitionen auf Galtungs „Gewaltdreieck“ und haben folglich die Absicht, ganzheitliche Herangehensweisen zu praktizieren und „alles, was die Identität einer Person ausmacht“408 einzubeziehen, um ungleiche Geschlechterverhältnisse aus der Welt zu schaffen.

      Klicke, um auf 2013-08-30_0207214.pdf zuzugreifen

      Frauenmorde als Verdichtung der männlichen Gewalt: „Ehrenmorde“ oder Frauenmorde. Die aktuellen Diskurse und Kämpfe der Frauenbewegung in der Türkei
      Einen anderen Beitrag leistet Galtungs Gewaltbegriff für die Gewaltforschung. Galtung (1975) differenziert Gewalt nach vier Dimensionen: Erstens akteurlose strukturelle bzw. indirekte Gewalt, zweitens personale bzw. direkte Gewalt, drittens intendierte und nicht-intendierte Gewalt und viertens manifeste und latente Gewalt. Nach Galtungs Definition hat personale oder direkte Gewalt eine/n AkteurIn. Gewalt ohne eine/n AkteurIn bezeichnet Galtung stukturelle oder indirekte Gewalt. Strukturelle „Gewalt ist in ein System eingebaut und äußert sich in ungleichen Machtverhältnissen und folglich in ungleichen Lebenschancen“(ebd. 12), das heißt strukturelle Gewalt zeigtsich in sozialer Ungerechtigkeit (ebd. 13). Macht- und Unterdrückungsverhältnisse stehen bei Galtungs Gewaltkonzept im Mittelpunkt. Dies machte Galtungs Gewalt- und Strukturbegriff für einen feministischen Gewaltbegriff für die ktivistinnen sowie für die emanzipatorische Gewaltforschung nützlich und anschlussfähig (Dackweiler, Schäfer 2002, 11; Schröttle 1999, 23).

      Klicke, um auf 2013-05-23_9918879.pdf zuzugreifen

      (Monika Schröttle ist einer der 3 „Forscherinnen“ mit „parteilichem Ansatz“, die fürs BMFSFJ Gewaltstudien … nun, sagen wir: parteilich interpretieren)

      usw.

    • Das ist jetzt echt frustrierend. Offenbar muss ich in Zukunft lange Texte auf meinem PC sichern, bevor ich sie abschicke, für den Fall, dass sie verlorengehen. Ok, ich versuche mich zu erinnern, was ich vorhin geschrieben habe.

      @ Leszek
      War mein Text so missverständlich formuliert? Ich habe kein Werturteil über Galtung gefällt (und dies auch nicht beabsichtigt), sondern darauf hingewiesen, dass seine Theorien von Feministinnen gekapert wurden. Das allerdings ist hinreichend dokumentiert, da braucht man bloß mal kurz im Internet zu recherchieren. Hier wahllos einige Beispiele herausgegriffen:

      Gewaltdefinitionen und Formen von Gewalt gegen Frauen
      Für die zweite Frauenbewegung war es ein zentrales Anliegen, einen möglichst weit gefassten, feministischen Gewaltbegriff zu etablieren. Eine nützliche Differenzierung, um Gewalt gegen Frauen in all ihren Ausprägungen zu erfassen, wurde dabei vom schwedischen Friedensforscher Johan Galtung übernommen.
      http://blog.sektionacht.at/2014/11/16-tage-3-gewaltdefinitionen-und-formen-von-gewalt-gegen-frauen/

      Gewalt gegen Frauen – und ihre Auswirkungen
      Bei der Ausübung von Gewalt spielt die eingebildete oder tatsächliche „Befugnis zu herr(!)schen“ eine nicht unerhebliche Rolle. Der Soziologe Johan Galtung: „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflußt werden, daß ihre aktu- elle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“6 Strukturelle Gewalt, heißt danach der Typ von Gewalt, bei dem die Beeinflußung nicht alleine von einem handelnden Subjekt ausgeht, sondern im gesellschaftlichen System eingebaut ist. Dies äußere sich in ungleichen Macht- und Besitzverhältnissen und davon abhängig, in ungleichen Lebenschancen.
      https://www.grin.com/document/96455

      „Gewalt und Geschlecht.Entwicklungen und Perspektiven des feministischen Diskurses.“
      Als Beispiel führt er hier an, dass Sprachen wie Deutsch Frauen dadurch unsichtbar machen, dass sie zur Bezeichnung der Gesamtheit der Menschheit dasselbe Wort verwenden wie zur Bezeichnung des männlichen Geschlechts (Galtung 1998: 358).
      und
      Galtungs Konzept der strukturellen Gewalt fand gegen Ende der 1970er bis Mitte der 1980er-Jahre insbesondere in der Friedens-, Ökologie- und Frauenbewegung große Resonanz, da es die theoretischen Grundlagen lieferte, um gesellschaftliche Problemlagen und Missstände aufzuzeigen und zu skandalisieren

      Klicke, um auf 2015-06-25_8103872.pdf zuzugreifen

      Frauenmorde als Verdichtung der männlichen Gewalt: „Ehrenmorde“ oder Frauenmorde. Die aktuellen Diskurse und Kämpfe der Frauenbewegung in der Türkei
      Macht- und Unterdrückungsverhältnisse stehen bei Galtungs Gewaltkonzept im Mittelpunkt. Dies machte Galtungs Gewalt- und Strukturbegriff für einen feministischen Gewaltbegriff für die Aktivistinnen sowie für die emanzipatorische Gewaltforschung nützlich und anschlussfähig (Dackweiler, Schäfer 2002, 11; Schröttle 1999, 23).

      Klicke, um auf 2013-05-23_9918879.pdf zuzugreifen

      (Monika Schröttle ist eine der 3 „Forscherinnen“ mit „parteilichem Ansatz“, die für das BMFSFJ immer Gewaltstudien … sagen wir: parteilich interpretieren)

      etc.

      • „Offenbar muss ich in Zukunft lange Texte auf meinem PC sichern, bevor ich sie abschicke, …“

        Du solltest alle Deine Postings vorher auf dem PC sichern.

  3. „Strukturelle Gewalt“ wird doch gerne benutzt, wenn Gewalt nicht einzelnen Personen oder einer Gruppe zugeordnet werden soll oder kann, Wobei sich der Gewaltbegriff in diesem Kontext meist aus gefühlter Gewalt speist. Der Begriff „strukturell“ steht hier synonym für „schlimm“.

    „Strukturelle Gewalt“ will also sagen, dass die Zustände ziemlich schlimm seien und sich für manche zarten Gemüter wie Gewalt anfühlten – und in der Fortleitung, dass die Gesellschaft erheblich umgekrempelt werden müsste, damit dieses Gefühl verschwindet.

    So empfindet das der Küchensoziologe in mir. „Strukturelle Gewalt“ ist ja der große Bruder von „Mikroaggression“. Ich finde den Gewalt-Begriff viel spannender, vor allem den der gefühlten Gewalt, bei der Gewalt ohne Täter und ohne Gewaltausübung nur durch die Empfindung des Opfers entsteht. Aber das wurde hier sicher schon oft diskutiert.

  4. Lemma »Struktur« im Lexikon zur Soziologie:

    »Struktur, die Elemente, aus denen ein Gegenstand (System) aufgebaut ist, und die Art und Weise, in der sie zusammenhängen. Wesentlich für den S.begriff ist nicht das Vorhandensein oder die bloße Anordnung, wohl aber eine bestimmte Ordnung der Elemente, durch welche Systeme als identisch charakterisiert werden können. In Analogie zur Sprache kann man S. auch als Syntax verstehen, nach der die Elemente geordnet auftreten. S. impliziert keine vollständige Abbildung der Realität, sondern dasjenige Beziehungsnetz ausgewählter Elemente, das dem Gegenstand eine relative Stabilität und Konstanz verleiht.«

    Es kommt am Ende alles auf die Qualität der empirischen Beweisführung an. So, wie der Begriff hier kritisiert wird, bezeichnet er eine »Sprachpolitik«, die die Dürftigkeit des empirischen Arguments gerade verschleiern soll.

  5. Institutionalized adultism, ageism, classism, elitism, ethnocentrism, nationalism, speciesism, racism, and sexism are some examples of structural violence as proposed by Galtung.

    „Institutionalisierter Adultismus, Ageismus, Klassizismus, Elitismus, Ethnozentrismus, Nationalismus, Speziesismus, Rassismus und Sexismus sind einige Beispiele für strukturelle Gewalt, wie sie von Galtung vorgeschlagen wird.“

    Soweit Diskriminierungen nicht im Recht verankert sind, zielt der Begriff strukturell (Gewalt, Benachteiligung etc.) auf geselllschaftliche Normen als Ursache oder behauptet diese Normen zumindest. Etwas konkreter behauptet das die bevorzugte Behandlung des Mannes gegenüber der Frau, des Heterosexuellen gegenüber dem Homosexuellen, des Weissen gegenüber dem Nichtweissen, dem Gutaussehenden gegenüber dem Hässlichen etc. So zumindest behauptet in etwa die Theorie der „strukturellen Gewalt“ die Verhältnisse.
    Das ist ziemlich grobschlächtig, finde ich. Jedem sein Schublädchen. Naja.

    • Der „Ableismus“ fehlt in der o.a. Liste noch. Da fällt zum Beispiel die „Tatsache“ darunter, daß Blinde diskriminiert werden, weil sie keinen Führerschein machen können.
      (Wobei „Speziesismus“ ja recht ähnlich ist.)

  6. Strukturell meint m.E. dasselbe wie die Phrase „vom System gefi*kt“ 🙂

    Das Große und Ganze, die Struktur halt, der Sachzwang, ohne, dass jemand konkret dahinter steckt.

    Natürlich gibt es sowas, das Geldsystem schafft z.B. strukturelle Zwänge, die sehr schmerzhaft werden können, etwa wenn Arbeitswillige keinen Job finden, weil eine Liquiditätskrise herrscht. Oder der Globalismus/Freihandel/Kapitalfreizügigkeit schafft welche, indem er spezialisierte lokale Arbeitskräfte in einen globalen Unterbietungswettlauf oder zum Umlernen zwingt usw.

    Mal sind solche Zwänge gut, um etwa verhärtete Strukturen aufzubrechen, mal sind sie schlecht, weil sie gut funktionierende Strukturen eben auch zerstören können oder positive Entwicklungen untergraben. Jedenfalls sind sie oft schwer vorherzusagen und schlecht an einer konkreten Entscheidung oder gar Person festzumachen. Was nicht heißt, dass nicht genau diese Eigenschaft von den großen Playern bewusst zum Steuern einer gewünschten Entwicklung ausgenutzt wird…

    „Struktureller Zwang“ bietet auf jeden Fall Projektionsfläche, an der man sein persönliches Elend festmachen kann, ob zu Recht, darüber kann man von Fall zu Fall streiten. Mir scheint, als ob sich das deswegen zum bequemen pauschalen Argument von Unzufriedenen gemausert hat und jede Menge „Systemfeinde“ gebiert, die glauben, sie müssten nur alles umkippen, um den ungeliebten Zwängen zu entkommen. Eine gefährliche Denkfalle, man bekommt Strukturen und Systeme nicht weg, man kann sie nur austauschen oder ändern und sollte dabei sehr genau wissen, was man tut!

    • Eine gefährliche Denkfalle, man bekommt Strukturen und Systeme nicht weg, man kann sie nur austauschen oder ändern und sollte dabei sehr genau wissen, was man tut!

      Das sehe ich genauso: Wenn sich allzu oberflächlich auf „die Strukturen“ zurückgezogen wird, dann ist man nicht in der Lage die Auswirkungen der geforderten Veränderungen wirklich abschätzen zu können – weil, in Ermangelung eines Modells, gar keine Vorstellung von den Zusammenhängen existiert. Allerdings ist auch mit Modell keine gute Lösung garantiert: Alle Großdemiurgen des letzten Jahrhunderts, die Gesellschaftsentwürfe vom Reißbrett in die Realität bringen wollten, sind grandios gescheitert (Lenin + Stalin, Hitler, Mao, Pol Pot) und als rücksichtslose Schlächter in die Geschichte eingegangen. Zu denken, man hätte verstanden, wie eine Gesellschaft funktioniert und könne sie, kraft der eigenen Wassersuppe, großflächig umkrempeln, ist in meinen Augen ein sicherer Ausdruck bornierter Hybris.

    • Passt. Beim Studentenstreik „Unimut“ 1988/89 haben die selbsternannten Rädelsführer jeden 2. Satz mit dem Wort Struktur aufgefüllt, damit es besser klingt. Damals dachte ich noch, hui, die wissen, wovon sie reden. Taten sie nicht. In meiner Gruppe der wackeren Streikbrecher war ein Germanist, der uns darüber, daß diese Leute den ganzen Tag so eine Sch**** labern.
      Und ganz besonders derjenige, der sich in den Asta eingekratzt hatte und besonders laut plärrte, aber wenig durch Leistung auffiel, wurde später als Kandidat auf einer Wahlliste für die NPD wiederentdeckt.
      Ist ein strukturelles Problem bei Pseudolinken. Die Hirnstruktur ist so strukturiert, daß sie strukturell nicht in der Lage sind, Strukturen zu strukturieren. Is halt so.

  7. Es ist natürlich wichtig, solche Kampfbegriffe wie „strukturelle Diskriminierung“ usw. zu klären, zu prüfen, zu kritisieren.

    Aber ihr verpasst, glaube ich, den entscheidenden Punkt: Warum können Feministen solche dubiosen Schlagworte zu ihrem Vorteil nutzen – Männer aber nicht?

    Analog für die anderen Kampfbegriffe, z. B. Mikroaggression: Warum ist es eine Mikroaggression, wenn man die Staatssekretärin Sawsan Chebli in englischer Sprache anspricht – aber es ist keine Mikroaggression, wenn eine Frau sagt: „My body, my choice“? So eine Äußerung von einer Frau erfüllt klar den Tatbestand einer Mikroaggression, ebenso wie die Parole „Black Lives Matter“.

    Ich will sagen: eigentlich müsste es möglich sein, dass Männerrechtler alle Kampfbegriffe der Feministen in ihrem eigenen Sinne in Anschlag bringen: Natürlich leiden Männer unter struktureller Diskriminierung – und wie! Natürlich werden Weiße strukturell diskriminiert, ebenso wie Christen. Was den Feministen recht ist, sollten den Männerrechtlern billig sein.

    Aber irgendwie funktioniert da etwas nicht: Wer von der strukturellen Diskriminierung von Männern spricht, erhält nicht etwa Zustimmung, sondern helle Empörung oder aber völliges Unverständnis.

    Und das ist die entscheidende Frage: Warum funktionierten all diese verbalen Tricks für den Feminismus gut, fast wie von selbst – aber für die Männerrechtler überhaupt nicht? Dieses Rätsel müsste man auflösen.

    • „Und das ist die entscheidende Frage: Warum funktionierten all diese verbalen Tricks für den Feminismus gut, fast wie von selbst – aber für die Männerrechtler überhaupt nicht? Dieses Rätsel müsste man auflösen.“

      Das ist einfach zu beantworten, wir werden in der Opferpyramide an oberster Stelle, als Täter eingereiht, als diejenigen, die strukturelle Zwänge schaffen. Mit dem Versuch uns unterhalb einzuordnen, bricht die ganze interne Logik dieses mühsam propagierten Denkschemas zusammen, natürlich können die das nicht akzeptieren.

      Wenn ich von mir ausgehe, will mich auch gar nicht in dieser Opferpyramide einreihen. Ich halte es für den falschen Weg diesen verlogenen Irrsinn mitzumachen. Man kann durchaus bestehende Benachteiligungen beklagen, aber diesen pauschalen Opfer-Unsinn sollte man bekämpfen, nicht versuchen darauf mitzureiten…

    • Weil Männern Beleidigtsein nichts nützt.

      Alain de Botton hat in einem Vortrag über übertriebene romantische Vorstellungen eine Szene beschrieben, wo ein Paar einen Konflikt hat aber keinen Ansatz findet ihn auszutragen: Sie hat sich über irgendetwas geärgert und schließt sich schmollend im Bad ein, er steht vor der Badezimmertür und versucht die Situation zu begreifen. Auf seine Fragen bekommt er aber nur die Antworten „Es ist nichts!“ oder „Das musst Du doch selber wissen!“. Diese Situation ist vielen sofort plastisch vor Augen. Mit umgedrehten Rollen ist das aber nahezu undenkbar. Wendet ein Mann diese Strategie an, wird die Frau in der Regel schulterzuckend abwarten, bis der Gute wieder aus dem Badezimmer zurückkommt. Diese Strategie wird weder von Frauen, noch von anderen Männern akzeptiert. Bei beiden Parteien sinkt der Anwendende sofort im Ansehen. Deshalb hört Dir auch kaum jemand zu, wenn Du auf dieser Schiene fährst.

    • Warum können Feministen solche dubiosen Schlagworte zu ihrem Vorteil nutzen – Männer aber nicht?

      Analog für die anderen Kampfbegriffe, z. B. Mikroaggression:

      Mikroaggression ist nicht nur dubios, sondern geradezu lächerlich und wird nur noch getoppt von der „gläsernen Decke“, die ja angeblich die beruflichen Aufstiegschancen der Frau verhindert. Diese Art der Argumentation ist geradezu kindlich naiv und das die Gesellschaft erwachsenen Frauen so etwas durchgehen lässt und Männern eben nicht, spricht auch für sich. Es ist tatsächlich kein positives Bild über Frauen.

      Unabhängig davon finde ich, sollten wir die Kampfbegriffe der Feministen ruhig mehr verwenden. So würde ich z.B. den Kampfbegriff Gleichstellung aufnehmen und vor allem die rechtliche Gleichstellung von Männern, Vätern und Jungen fordern. Bei der Gelegenheit kann man dann auf die tatsächliche rechtliche Benachteiligung von Jungen, Männern und Vätern hinweisen, weil ich davon ausgehe, dass den meisten Menschen gar nicht bewusst ist, wie einseitig Frauen bevorzugt und Männer benachteiligt werden.

  8. Ich bin zum Thema gekommen, weil ich ja als „Weisser“ und „Mann“ angeblich von „struktureller Diskriminierung“ nicht betroffen sein kann (was ich für den feigen und hinterhältigen Versuch halte, dem Lynchmob einen Freibrief auszustellen).

    Meine aktuelle Gegenargumentation geht in etwa so:

    Der Staat mit seinen Institutionen (Schulen, Universitäten, Ministerien, Behörden) bildet eine Struktur.
    Die Medienlandschaft ist eine Struktur (die auch immer stärker vom Staat abhängig wird).
    Parteien und NGOs bilden eine Struktur.

    Von all diesen Strukturen bekomm ich Dauerfeuer aufgrund meiner Hautfarbe und meines Geschlechts.

    Also warum kann ausgerechnet ich nicht strukturell diskriminiert werden?

    Meine Frage an die Blog Mitglieder hier: Ist diese Argumentation korrekt, oder steckt da irgendwo der Wurm drin?

    • M.E. vollkommen richtig argumentiert. Die Antwort würde mich interessieren, aber Leute die trotz der aktuellen Propaganda nicht sehen, dass die Behauptungen Unsinn sind, können eh meist nur rabulistisches Geschwurbel.

    • Absolut richtig. Du wirst aufgrund deiner Hautfarbe und deines Geschlechts beurteilt. Was du machst oder sagst, ist weitgehend egal.

      Und deswegen sind ja Genderwahnsinn und Rassismusbekämpfung an sich das Problem. Menschen bewerten sich nach diesen Äußerlichkeiten, wobei der Blick auf das Individuum nachgeordnet wird.

      Mich erinnert das immer an die Filme, die ich in der Schulzeit sehen musste, aus den KZs. Dort wurden die Menschen auf der Rampe selektiert, ihre Köpfe wurden vermessern, ihre Äußerlichkeiten aufgenommen – und danach wurde ihr Schicksal verhängt.

      Heute ist es so: Bist du weiß und mit Penis auf die Welt gekommen, dann trägst du Schuld und wirst zeitgemäß entsprechend behandelt.

      Irgendwie sind die Menschen nicht wirklich weitergekommen, obwohl mir und vielen anderen sowas als Kind gezeigt wurde. Das ist sehr, sehr traurig.

      • P.S.
        Das Thema Geschlechtliche Schuld ist sogar im jüngsten Dossier des Familienministeriums über Männer und Jungen unter der Bezeichnung „Erbschuld“ benannt worden und somit verewigt.

        Wenn es das nicht gäbe, stünde es dort nicht.

  9. Ich finde das hier recht aufschlussreich: https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturalismus#:~:text=Strukturalismus%20ist%20ein%20Sammelbegriff%20f%C3%BCr,funktionierenden%20Mechanismen%20kultureller%20Symbolsysteme%20untersuchen.

    Da heißt es: “ Der Strukturalismus behauptet einen logischen Vorrang des Ganzen gegenüber den Teilen und versucht, einen internen Zusammenhang von Phänomenen als Struktur zu fassen. Strukturen organisieren formal und inhaltsleer die Wirklichkeit, sie sind gegenüber den einzelnen strukturierten Elementen und konkreten Subjekten unabhängig.“

    Das charakterisiert diese Denkweise ganz gut. Frauen (Schwarze, Transsexuelle usw.) sind diskriminiert, auch wenn es keine Gesetze oder Vorschriften gibt, die sie diskriminieren (und auch ein Anti-Diskriminierungsgesetz ändert offenbar nichts daran). Die strukturelle Diskriminierung existiert unabhängig von der Realität. Man fragt sich nur, wie man sich denn der Existenz dieses Phänomens versichern kann, wenn es nicht real ist? Offenbar kann es aber gefühlt werden, aber nur, wenn man sein Opfer ist.

    Ich halte das alles für vollendeten Unsinn. Man kann nicht Strukturen untersuchen unabhängig von den realen Phänomenen zwischen denen sie existieren. Wie soll das gehen?

  10. Der Elefant im Raum, den die Feministas partout nicht benennen möchten und deswegen holprig umschreiben heißt: Biologische Benachteiligung.

    Definitiv ist die Frau unter dem Aspekt der autonomen Lebenserhaltung und der Selbstverwirklichung biologisch aufgrund ihrer Rolle beim Fortpflanzungsprozess gegenüber den Männern benachteiligt.

    Nur, dies zu benennen würde den Diskurs stark abkürzen: Ist halt so *schulterzuck*. Sie könnten dann lediglich darauf hoffen, dass es Teilkompensationen auf Mitleidsbasis gebe, um die sie auch noch betteln müssen. Oder die auf konkrete Gegenleistungen aufsetzen. Nach dem Motto „Wenn Du aufgrund Deiner Gebärfähigkeit anders behandelt werden möchtest, dann gebär gefälligst auch“

    Daher sind Feministas zwingend darauf angewiesen dies als menschengemachte also strukturelle und damit veränderbare Benachteiligungen zu framen.

    • Ja, das trifft es tatsächlich ganz gut auf den Punkt, zumindest was den Feminismus und „strukturelle Gewalt“ angeht, der Begriff wird ja von mehreren Lagern benutzt.

      • Die anderen Lager (BLM?) haben das Problem, dass sie keinen Elefanten haben. Umso wirkschwächer sind ihre Argumentationen. Sie können nur in ein Vakuum vorstoßen welches der Gegner aus eigener Schwäche heraus selber schafft.

        • Ich kenne das ursprünglich aus dem linken Lager. Ist in dem Zusammenhang ja auch nicht unbedingt falsch, es gibt sowas (siehe meinen Kommentar oben), nur ist halt nicht jede gefühlte Benachteiligung darauf zurückzuführen und die Frage, wie man sowas beseitigt, alles andere als trivial.

    • „Definitiv ist die Frau unter dem Aspekt der Selbstverwirklichung biologisch benachteiligt.“

      Du machst Witze?

      Frauen haben einen der goldensten Wege zur Selbstverwirklichung, den je ein Mensch gefunden hat, fest eingebaut. Es gibt kein größeres Privileg, als Mutter zu werden.

      Und das nennst du „Nachteil“?

      Apex Fallacy, ick hör dir trappsen.

      Sicher, der Prinz, der Dornröschen wach geküsst hat, hatte es vielleicht ein Quentchen besser als die durchschnittliche Frau, aber die 20, die in der Dornenhecke hängen geblieben sind, sicherlich nicht.

      Das also ist der große biologische Vorteil des Mannes: Sein Pfad ist weit weniger vorgezeichnet als der der Frau, aber dafür ist seine Wahrscheinlichkeit, komplett zu scheitern, drastisch größer.
      Was für ein Vorteil.

      Ignore the losers, focus on the Top 5%.
      Feministische Gesellschaftsanalyse in Reinform.

      • Logisch, um die Motivlage und die Ursachen zu analysieren muss man versuchen die Perspektive zu wechseln.

        Also versetz dich als Gedankenexperiment doch mal in die Lage einer Frau und nimm die Welt aus dieser Perspektive wahr.

        Dass die Hypergamie der Frauen ihren Blick auf das Ganze sehr selektiv werden lässt, geschenkt. Das ist hier eine Rahmenbedingung.

        • „Also versetz dich als Gedankenexperiment doch mal in die Lage einer Frau und nimm die Welt aus dieser Perspektive wahr.“

          Was willst du mir damit sagen? Dass ich all den Frauen, von denen ich gehört habe, dass Mutter-Sein das Beste überhaupt ist, nicht richtig zugehört habe?

      • „Frauen haben einen der goldensten Wege zur Selbstverwirklichung, den je ein Mensch gefunden hat, fest eingebaut. Es gibt kein größeres Privileg, als Mutter zu werden.“

        Selbstverwirklichung besteht also darin sich zu vermehren? Toll, das schafft jedes Tier und sei es noch so dumm und primitiv.

        Und warum ist es eigentlich ein Privileg Mutter zu sein? Rein biologisch betrachtet geht damit wirklich eine grosse Unsicherheit einher. Nicht umsonst hat die Evolution Frauen dazu getrieben, sich nicht mit jedem x-beliebigen Mann einzulassen, sondern sehr genau zu selektieren, wer als Partner überhaupt in Frage kommt.

        „Sein Pfad ist weit weniger vorgezeichnet als der der Frau, aber dafür ist seine Wahrscheinlichkeit, komplett zu scheitern, drastisch größer“
        Ich würde mal behaupten, dass jeder – egal ob Mann oder Frau in der modernen Wohlstandsgesellschaft die Wahl hat, was er oder sie anstreben will und die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns viel eher von der individuellen Person beeinfluss wird als durch das Geschlecht.

        • „Und warum ist es eigentlich ein Privileg Mutter zu sein?“

          Nimm einfach das Feedback der meisten Mütter… Denn das lautet üblicherweise, dass ein Kind zu bekommen und groß zu ziehen mit Abstand das Beste ist, was in ihrem Leben je passierte.

          Vater sein soll ähnlich sein, aber Vater werden ist an wesentlich mehr Bedingungen geknüpft. Human Doing vs Human Being.

          • „Nimm einfach das Feedback der meisten Mütter… Denn das lautet üblicherweise, dass ein Kind zu bekommen und groß zu ziehen mit Abstand das Beste ist, was in ihrem Leben je passierte.“

            Jedem Tierchen sein Plaisierchen – wem’s gefällt und wer darin die grosse Erfüllung sieht, bitte…. Ich kenne aber auch genug Männer, die dir das identische das gleiche Feedback geben würden.
            Was ist denn die Bedingung, die nur an die Väter geknüpft wird und nicht an die Mutter?

            Und was hat das alles überhaupt mit ‚Privilegien‘ zu tun?
            Wenn ich Erfüllung in was auch immer finde (das ist das beste was mir je passiert ist), bin ich dann nach deiner Argumentation genauso privilegiert?

          • „Ich kenne aber auch genug Männer,“

            Ah, das „Männer sind größer als Frauen“ – „Das kann nicht sein, ich kenne eine, die ist 1.80m“ Argument.

          • Ich halte das für einen wichtigen Punkt.
            Allerdings ist es wohl so, dass die Selbsverwiklichung als Mutter erst mit dem Alter erwacht. Aufgrund der allgegenwärtigen Propaganda meint Frau zunächst sie müsse Karriere machen. Erst so ab dem Alter von 30 Jahren, nach den ersten ernüchternden Berufserfahrungen, wenn sie sieht, das ist nicht so toll endlose Stunden im Büro zu verbringen und mit anderen zu konkurieren, wechselt das Lebensziel zu Mutterschaft.
            Und in meinen Augen ist es die goldene Möglichkeit für Frau sich selbst zu verwirklichen. Gleichzeitig kann Frau in aller Regel die Verantwortung für die Versogrung der Familie dem Mann oder der Gesellschaft aufbürden.

      • Tja, so weit sind wir im Westen also gelangt: Es ist ein Nachteil für eine Frau, Kinder kriegen zu können.

        In Anbetracht derartiger Einsichten würde ich sagen: Deutschland hat ein paar zu wenige Immigranten aufgenommen: ein paar Dutzend Millionen zu wenige Immigranten.

        Aber vielleicht sind solche Einsichten ja einfach nur konsequent: Krieg ist Frieden, Schweigen ist Gewalt, Kinder sind Altlasten. Stimmt eigentlich.

        • „Tja, so weit sind wir im Westen also gelangt: Es ist ein Nachteil für eine Frau, Kinder kriegen zu können.“

          Eine Schwangerschaft ist nun mal eine Belastung, die Männer nicht haben. Insofern sind Frauen schon biologisch benachteiligt.

          • Joah! Man kann wohl schon sagen, dass, als der liebe Gott die Reproduktion aufteilte, die Damen gerade mal wieder auf dem Klo waren… alle gemeinsam, wie immer.

            Und Gott sprach: „So, wer will denn ausschließlich das Ficken haben?“ und alle Männer wie aus einem Munde so „ICH!“. Und die Frauen in den sanitären Einrichtungen unterbrachen kurz ihren Klotratsch und fragten: „Habt ihr da draußen grade was gehört?“

            Ja, so wird’s wohl gewesen sein… 😉

          • Insofern sind Frauen schon biologisch benachteiligt.
            Inwiefern? Die ganze Gesellschaft ist darauf ausgerichtet, Mütter zu versorgen. Wäre es anders, es gäbe keine Alleinmächtigen, da sie verhungern würden. Das gleicht es mehr als aus.

    • „Definitiv ist die Frau unter dem Aspekt der autonomen Lebenserhaltung und der Selbstverwirklichung biologisch aufgrund ihrer Rolle beim Fortpflanzungsprozess gegenüber den Männern benachteiligt.“

      Ich denke, Du brauchst diese starke These gar nicht, um Deinen Punkt oben zu machen. Lassen wir das mit der Benachteiligung von Frauen doch einfach mal offen, und sagen wir vorsichtig:

      Viele Frauen – vor allem Feministinnen – fühlen sich heute biologisch benachteiligt, weil sie sich auf eine bestimmte Rolle beim Fortpflanzungsprozess festgelegt sehen: Kinder kriegen.

      So, und jetzt können wir weitermachen, so wie Du das oben scharfsinnig zu Ende gedacht hast: Diese angebliche Benachteiligung können die Feministinnen nicht klar benennen, weil: „dies zu benennen würde den Diskurs stark abkürzen: Ist halt so *schulterzuck*. Sie könnten dann lediglich darauf hoffen, dass …“ usw.

      So, und wenn wir diese Analyse akzeptiert haben, dann können wir uns darüber streiten, ob das nun wirklich eine biologische Benachteiligung von Frauen ist, wenn sie Kinder kriegen können … 😉

      • Das hängt von dem äußeren Maßstab ab. Ich hatte in meinem Beitrag zwei Maßstäbe benannt:

        „…unter dem Aspekt der autonomen Lebenserhaltung und der Selbstverwirklichung“

        Zugegeben, etwas stark komprimiert, aber eine Zusammenfassung auf meine beliebte Fragerunde an Frauen aller Art „Was stört dich am frausein?“

        Rein biologisch ist der Frauenkörper sehr viel stärker auf die Reproduktionsrolle ausgerichtet als der männliche Körper (mit dem freudespendenden Anhängsel). Das lernt jede Frau schmerzhaft mit der Menarche und prägt ihre Wahrnehmung bis zur Menopause mehr oder weniger stark.

        Gleichzeitig sieht sie Männer (Ihre Hypogamie ist der Filter dabei, also bitte nicht mit obdachlosen Alkoholikern kommen…die sind in den Augen der Frau keine Referenzsubjekte) abseits sexueller Attraktivitätsmuster und vergleicht sich mit diesen. Was Frauen eben so gerne hormongetrieben machen, wenn auch meistens mit anderen Frauen.

        Eigentlich reicht schon der „ewige Menstruationszyklus“ und die damit verbundenen Einschränkungen um voller Neid auf die Männer zu schauen. Alles andere aufzuzählen und zu beschreiben hätte schon Artikellänge (und gibts bestimmt hier auch schon im Archiv)

  11. Aus dem verlinkten Paper:
    „Als “Strukturen” sind im galtung‘schen Sinne nicht nur institutionell gefestigte Gesetze und Regeln oder Institutionen zu verstehen, sondern vielmehr sämtliche Permutationen sozialer Interaktion, die durch menschliches Zusammenleben entstehen. Nicht nur innerhalb eines Nationalstaates oder internationaler
    Organisationen auf der Makroebene, sondern auch auf der Mesoebene, innerhalb von Gesellschaften oder Gruppierungen und auch auf der Mikroebene, zwischen Individuen, sind diese Permutationen beobachtbar“
    Das ist so vage damit kann man alles erfassen:
    „Kräht der Hahn auf dem Mist ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist!“
    Und damit wird das Modell sinnlos.
    Peinlich auch die sichtbare Ahnungslosigkeit von Geschichte:
    „Durch die Einführung und Durchsetzung von europäischen Landeigentumsbegriffen auf dem afrikanischen Kontinent ist diese spezifische, historische Erscheinungsform der strukturellen Gewalt heute auf dem gesamten Kontinent beobachtbar. Verschiedene Gruppierungen konnten sich zuvor verhältnismäßig nomadisch, frei in ihrer Umgebung bewegen und sich somit niederlassen, wo sie mochten.“
    Es gab sehr wohl schon vor Ankunft der Europäer mächtige Imperien (z.B. Mali, Simbabwe) und die Vorstellung, dass alle Afrikaner nomadisch umherzogen bis die Europäer kamen grenzt an Rassismus.

      • Permutationen sind Vertauschungs-, Anordnungs- oder Variationsmöglichkeiten. Beispiel aus der Mathematik: Die Permutationen der drei Zahlen 1,2,3 sind
        (1,2,3) ; (1,3,2) ; (2,1,3) ; (2,3,1) ; (3,1,2) ; (3,2,1)

        • Aber ich verstehe immer noch nicht, was „Permutationen sozialer Interaktion, die durch menschliches Zusammenleben entstehen“ sein sollen. Könnte es sein, dass wieder mal jemand einfach sehr gestelzt drauflos schwatzt, um den Leser zu beeindrucken?

          • Nimm die Personen Vater, Mutter, Kind und die Handlungen „Ins Bett schicken“ und „Taschengeld geben“. Dann sind die Permutationen:
            1. Vater schickt Kind ins Bett
            2. Vater schickt Mutter ins Bett
            3. Kind schickt Vater ins Bett
            4. Kind schickt Mutter ins Bett
            5. Mutter schickt Kind ins Bett
            6. Mutter schickt Vater ins Bett
            7. Vater gibt Kind Taschengeld
            8. Vater gibt Mutter Taschengeld
            9. Kind gibt Vater Taschengeld
            10. Kind gibt Mutter Taschengeld
            11. Mutter gibt Kind Taschengeld
            12. Mutter gibt Vater Taschengeld

            Ich weiß nicht, ob 1-6 Beispiele für Gewalt sind. Jedenfalls wird der ins Bett geschickte daran gehindert, sich zu entfalten, insofern ja. Aber das ins-Bett-schicken kann ja auch geschehen, weil der ins-Bett-schicker weiß, dass der ins-Bett-geschickte andernfalls am nächsten Tag nicht in der Lage sein wird, sich angemessen zu entfalten. Ist jemanden-hindern-Gewalt-gegen-sich-auszuüben auch Gewalt?
            Wie ist das zu werten?
            Vielleicht kann das einer der Soziologen hier aufdröseln.

            Strukturell wird das ganze, wenn ich es richtig verstehe, dadurch, dass 1, 5, 6, 7, 11 und 12 durchaus übliche Vorgänge sind, aber 2, 3, 4, 8, 9 und 10 kaum jemals vorkommen.

    • OMG, ist das peinlich und dumm. Also genauso, wie ich es mir gedacht habe. Der Begriff „Struktur“ wird so weit gefasst, daß er praktisch alles bedeuten kann. Dann ist natürlich auch alles, wo man „Gewalt“ vermutet oder sieht, als „strukturelle Gewalt“ betitelbar.

      Im Detail:

      Ole Whm: „Der Norweger Johan Galtung formuliert das Konzept der »strukturellen Gewalt«, das von Feministinnen dankbar aufgenommen wird, um jede erlebte Frustration zur Unterdrückung zu erklären.“

      @JohanGaltung: „Unfug. Erst lesen, dann reden bzw. twittern: https://galtung-institut.de/papers/G-I-WP-2016-06-SG.pdf

      Liest man das pdf Paper, so stellt sich bereits im ersten Satz heraus, daß Ole’s Theorie („jede erlebte Frustration zur Unterdrückung zu erklären“) stimmt.

      Erster Satz im Paper:

      „Als “Strukturen” sind im galtung‘schen Sinne nicht nur institutionell gefestigte Gesetze und Regeln oder Institutionen zu verstehen, sondern vielmehr sämtliche Permutationen sozialer Interaktion, die durch menschliches Zusammenleben entstehen.

      Bis zu „verstehen“ ist noch alles ok, denn „Struktur“ ist ein FORMbegriff. Und Gesetze und Regeln strukturieren (formen) natürlich unser Verhalten, jedenfalls zum Teil. In Gesetze und Regeln „Gewalt“ hineinzustecken ist leicht möglich. Etwa in ein Gesetz, das geschiedene Väter gegenüber ihren Ex-Frauen benachteiligt, was Kinder und Unterhalt betrifft.

      Ab „sondern“ geht es dann los: denn „Permutationen sozialer Interaktion, die durch menschliches Zusammenleben entstehen“ passt auf so ziemlich alles, was innergesellschaftlich passiert. Es kann mit dieser Begrifflichkeit in der Tat die Quelle jeder erlebten Frustration zur „strukturellen Gewalt“ erklärt werden.

      Der Galtungsche Einwand gegen diese Kritik besteht nun darin, zu sagen, daß mit der „Struktur“ ja keine Individualfälle (in diesem Fall von erlebten Frustrationen) gemeint sind, sondern „Formen“ derselben, d.h. MUSTER solcher Fälle („Structure = Pattern of interaction“). Diese erhält man, wenn man die konkreten Akteure eines „Gewaltaktes“ durch Variablen ersetzt, die für beliebige Akteure stehen können. Das ändert an der Kritik von Ole aber nichts, weil hinter jeder konkreten Instanz eines solchen Aktes trivialerweise ein entsprechendes Muster gesehen werden kann. Der Zaubertrick ist dann, dieses abstrakte Muster als AKTEUR zu sehen, der die konkrete Instanz verursacht, und nicht bloß konstituiert oder begünstigt. Abrakadabra, Strukturen erzeugen Gewalt! Unterdrückung, ggf. sogar ohne Unterdrücker. Wir kommen darauf zurück.

      Bemerkenswert ist, daß nach dieser Einleitung praktisch nie wieder von „Struktur“ geredet wird (nur 2 mal), sondern nur noch von „struktureller Gewalt“ (61 mal). In den 2 Fällen, in denen „Struktur“ noch einmal vorkommt, erscheint sie im Sinne von „(Macht-)Hierarchie“. Es geht also darum, den Leser mit dem Wort „Gewalt“ (insgesamt 92 mal) zuzubomben, damit er lernt, „Gewalt“ automatisch mit „Struktur“ zu assoziieren.

      Ein rhetorischer Trick, so einfach wie effektiv, für alle, die gern auch mal an die Kiiiiinder denken.

      Im selben Stil geht es weiter. Galtung will „die Gewalt aus den Strukturen nehmen“:

      Eine Politik der Gewaltlosigkeit im Sinne Gandhis oder der Konflikttransformation im Sinne Galtungs
      kann die zutreffende Antwort sein, Gewalt aus den Strukturen zu nehmen.

      Dies ist der oben erwähnte Zaubertrick: Strukturen sind laut Galtung Träger von Gewalt, obwohl sie nur abstrakte Formen (sozialer Interaktionen) sind. Die Gewalt ist in der Struktur, der konkrete Schlag ins Gesicht ist nur die Manifestation der unterliegenden Form und damit nicht das Hauptproblem. Daher die wichtige Miene in den Gesichtern der Verkünder struktureller!!! Gewalt. Man hat die geheime Macht hinter den Kulissen verstanden. Wahre Gewalt, ihre Natur, liegt „hinter dem Vorhang“, den nur die schlauesten und wokesten erkennen und beiseite ziehen können.

      Weiter geht’s:

      Das Konzept der strukturellen Gewalt beschreibt vielschichtig und umfassend, in welchen Ausprägungen Gewalt in Strukturen sozialer Interaktion gefunden werden kann.

      Der Begriff „strukturelle Gewalt“ wird durch das bisher gesagte noch nicht als „beschreibend“ operationalisiert oder gerechtfertigt, denn soziale Interaktionen, bzw. deren abstrakte Blaupausen, die entstehen, wenn man konkrete Akteure durch Akteursvariablen ersetzt, sind zunächst nicht notwendigerweise Strukturen (Formen) der Gewalt, sondern (nur) sich wiederholende Interaktionsmuster. Welche dieser Muster „Ausprägungen von Gewalt“ sind, klärt man so noch nicht.

      Die „Operationalisierung“ des Gewaltbegriffs nimmt das Paper daher normativ vor (nicht „beschreibend“, wie oben im Zitat behauptet):

      Kurzform auf Twitter: „Violence = Negation of 4 #BasicHumanNeeds“.

      Im Paper die „Archetypen“ 1.-4. (die aber nicht den „4 Needs“ entsprechen).

      Im Paper heißt es: „Strukturelle Gewalt kann in diesen vier strukturellen Archetypen auftreten, muss sie aber nicht.“ Zum einen ist dies eine potentiell zirkuläre und unvollständige Definition, die beliebig ergänzbar ist (was Absicht ist), zum anderen hätte man das ganze Paper auch mit „Alles kann, nichts muß“ übertiteln können. Wir kommen darauf zurück.

      Nun kommt Zaubertrick Nummer zwei. Gewalt ist laut Paper das, was die Autoren als Gewalt wahrnehmen bzw. definieren, und zwar auf SUBJEKTIVER Basis.

      Hierfür ein Beispiel (aus „3 Strukturelle Gewalt in der Equiarchie“):

      Strukturelle Gewalt taucht in Equiarchien dann auf, wenn diese Gleichstellung als Ungerechtigkeit empfunden wird, weil sie aufoktroyiert wird.

      Warnglockenbegriff ist hier natürlich „empfunden“. Es ist der alte „offense taken is offense given“ Trick. Ungerecht ist das, was ich ungerecht finde. Weil „Macht“ über mich ausgeübt wird. Der feuchte Traum des SJWs.

      Zuletzt noch einmal zur Zirkularität und damit zur Beliebigkeit des Begriffs der „strukturellen Gewalt“:

      (das heißt, das ein Austauschen bestimmter Akteure in einem “strukturell” gewaltsamen sozialen Beziehungszusammenhang dieses Interaktionsmuster nicht hinreichend ändert) und kann sowohl physische wie psychische Formen der Einschränkung der freien Entfaltung der menschlichen Grundbedürfnisse aufweisen

      Ist der Begriff „strukturell“ präzise und „beschreibend“ defniniert, wie behauptet? Nein. Es handelt sich um eine weitgehend konturunscharfe Benennung, um eine Invokation, die etwas signalisieren soll, nämlich daß alles irgendwie ganz schlimm ist und „bis ins Mark verrottet“, nur weil man „strukturell“ GESAGT hat. Denn was a) eine „hinreichende Änderung“ und b) die „freie Entfaltung“ menschlicher Grundbedürfnisse sind, bleibt offen und vage. JEDER „soziale Beziehungszusammenhang“ eines „Interaktionsmusters“ kommt in Frage, dem a) und b) IRGENDWIE zugeschrieben werden können.

      Ich bin also physisch und/oder psychisch voll durchbeleidigt und schreie „Die Struktur bringt mich um!“ Und ich darf das, weil Galtung mir die Lizenz zum beliebigen Ausleben meiner Galtungssucht ausgestellt hat. Die Theorie passt auf jede Beschwerde. Jede noch so kleine „Einschränkung der freien Entfaltung der menschlichen Grundbedürfnisse“ ist Anlaß genug.

      Weitere unscharfe Konzepte im Paper zur „theoretisch-konzeptionellen Dekonstruktion der strukturellen Gewalt„:

      5. Marginalisierung
      6. Penetration
      7. Segmentierung
      8. Fragmentierung
      9. Acts of ommission
      10. Politische Unterdrückung
      11. Wirtschaftliche Ausbeutung
      12. Zwang räumlichen Zusammenlebens
      13. Aufoktroyierte räumliche Trennung

      Diese angeblich „empirisch erfassbaren Phänomene“ (für Empirie wären Quantifizierungen nötig, die das Paper natürlich nicht leistet) sind laut Paper „Merkmale“ von „struktureller Gewalt“, also das, was der Begriff „entdecken“, d.h. nachweisen kann. Dies ist schon deswegen Unsinn, weil es sich nur um leicht spezifischere Formen von „Ungerechtigkeit“, „Unterdrückung“, etc. handelt. Genauso gut hätte man 5.-11. zur Definition von „s. G.“ dazunehmen können (also zu 1.-4. im Paper).

      Die Kapazität zur „Aufdeckung“ ist dann aber vergleichbar mit der Behauptung, die Newtonsche Definition für „Kraft“, also F=m*a (Masse mal Beschleunigung) , könne zur Entdeckung der „Existenz von Kräften“ beitragen. Tatsächlich muß sich zeigen, ob die Definition nützlich ist, ob es also von Nutzen ist, über gewisse Phänomene in der Welt mittels „F=m*a“ zu reden. Exakt das gleiche gilt für „s. G.“. Die Autoren sind konzeptionell verwirrt bezüglich ihres eigenen Begriffs. Sie werfen Empirie und Konzeptionalisierung in illegitimer und unnützer Weise zusammen.

      Die Behauptung im Paper

      Das Konzept der strukturellen Gewalt beschreibt vielschichtig und umfassend, in welchen Ausprägungen Gewalt in Strukturen sozialer Interaktion gefunden werden kann. Um diese zu erkennen, kann dieses Instrumentarium nach Johan Galtung angewandt werden und hilft explizit dabei die Gewaltförmigkeit zu benennen

      ist daher heiße Luft. Weder hilft Galtungs „strukturelle Gewalt“ dabei, konkrete Fälle von Gewalt oder Ungerechtigkeit aufzudecken, dafür ist sie viel zu abstrakt definiert („vielschichtig und umfassend“ sind ein PROBLEM, kein Vorteil der Theorie), noch hindert die NICHTverwendung des Galtung-Strukturbegriffs irgendjemanden daran, etwa „Marginalisierung“ (mittels einer eigenen Definition) zu identifizieren.

      All dies belegt Ole’s Eingangsthese. Der Konzeptrahmen von Galtung ist so unscharf und offen, daß die Anwender JEDEN Aspekt ihrer individuellen „culture of grief“ darin einbetten können. Galtungs „Theorie“ ist die Stringtheorie der Sozialjustiz. Eine „Theorie“ mit genügend vielen offenen und beliebig justierbaren Parametern läßt sich überall anwenden und sagt daher nichts. Aber „strukturell“ KLINGT halt bedeutsam und ominös. Das Wort spiegelt das Gefühl des „umzingelt seins von Ungerechtigkeiten“ wieder. Daher ist es unter den Freunden der Angst so beliebt.

        • „die These stammt nicht von Ole, sondern von Gunnar Kunz“

          Danke für die Korrektur, das habe ich übersehen.

          „kannst du daraus evtl. einen Gastartikel machen?“

          Kann ich gern tun, muß ich das dann an Christian mailen?

          Wollt Ihr speziell die Kritik an dem Galtung Paper? Ich könnte auch was allgemein zum Unwort „Struktur“, so wie es im social justice Bereich verhunzt wird, schreiben. Mir spukt das schon länger im Kopf rum, weil „Struktur“ kein trivialer Begriff ist und mir der mittlerweile allgegenwärtige Gebrauch gewaltig auf den Geist geht. (Ich bin strukturell genervt von Leuten, die nicht wissen, wovon sie reden.)

          • Praktische Fragen zuerst: christianallesevo@gmail.com ist die Adresse.

            Ich würde gerne zuerst etwas lesen zum Begriff der „Struktur“ in social justice-Kreisen.
            Mir schwant allerdings bei der bisherigen Lektüre des originalen Textes von Galtung, dass die Anleihen offensichtlich sind.

            Das geht so: „Violence without this relation (Subjekt und Objekt) ist structural, built into structure. Thus, when one husband beats his wife there is a clear case of personal violence, but when one million husbands keep one million wives in ignorance there is structural violence.“ S. 171

            Liest sich zunächst so, als würde er persönliche physische Gewalt im Einzelfall zu „persönlicher Gewalt“ machen und die Quantität von „in ignorance“ zur eigenen Qualität machen.
            Er bindet jedoch vorher die „power to decide over the distribution of ressources“ an die Korrelation von Erziehung, Gesundheit und Einkommen.

            Der später suggestiv und manipulativ hergestellte Zusammenhang einer „Männerherrschaft“ scheitert spätestens bei der männlichen Lebenserwartung und erst recht bei dem hälftigen weiblichen Anspruch auf die männlich erarbeiteten Ressourcen (seit Code Civil).

            Wie ich schon öfter geschrieben habe: In traditionellen Familienverbänden verlassen die Töchter diese und können nicht mehr auf das Wohlergehen der Herkunftsfamilie verpflichtet werden, weshalb Bildungsinvestitionen unterbleiben. Das ist zweckrational für „Eltern“ und 50% von Eltern sind „Mütter“.
            Der Fokus auf Söhne – die in den Herkunftsfamilien verbleiben, an deren Ressourcen „Eltern“ partizipieren – ist logisch. Es ist keine Form der Gewalt gegen Frauen, sondern eine Form der Ausbeutung der Söhne, indem ein Teil der von ihm erarbeiteten Ressourcen den „Eltern“ zugute kommen, wenn sie selber nicht mehr per Arbeit zur Verfügung stehen, solche zu erarbeiten.
            = Lebende Renten.

            Die Ausbeutung und der Anspruch auf diese Ressourcen von Männern erscheinen beim ihm als Gerechtigkeit, die Vernachlässigung von Frauen als Ungerechtigkeit.
            So funktioniert der bürgerliche default-Modus „männlicher Herrschaft“.
            Sein Begriff von „Gewalt“ und „Struktur“ verfehlt eigentlich alles.
            Wirklich alles in der realen Welt und ihrer Geschichte.

            Galtung vermeidet den (marxistischen) Begriff der „Ausbeutung“ wegen der vielen „poltical and emotional overtones“ – der Begriff der „Gewalt“ ist latürnich vor diesem emotionalen Missbrauch gefeit /sarcasm
            Und „in order not (!!!) to overwork the word violence we shall sometimes refer to the condition of structural violence as social injustice.“ (kursiv im Original)

            Daher leitet sich diese spezielle Sichtweise leider ab.
            Soziale Ungerechtigkeit ist, was ich als „strukturelle Gewalt“ empfinde.
            Dieser Subjektivismus ist kein Zufall.
            Aus ihm ist – notwendig – getilgt, was gesellschaftlich tatsächlich stattgefunden hat.

          • Praktische Fragen zuerst: christianallesevo@gmail.com ist die Adresse.

            Danke, ich habe den „Gastbeitrag“ Link inzwischen auch gefunden.

            Er bindet jedoch vorher die „power to decide over the distribution of ressources“ an die Korrelation von Erziehung, Gesundheit und Einkommen.

            Es ist genau solches unspezifisches Zeug („power to decide …“), was derartige „Theorien“ glitschig wie gebuttertet Aale macht. Man kann sich daran ewig kritisch abarbeiten und die Verteidiger kriegen immer noch irgendwo was dazwischengegrätscht. Solche „Diskurse“ laufen seit Jahrzehnten, ohne jedes greifbare Resultat.

            Sein Begriff von „Gewalt“ und „Struktur“ verfehlt eigentlich alles. Wirklich alles in der realen Welt und ihrer Geschichte.

            In der Tat. Leute wie Galtung hassen Fakten. Vielleicht sieht er sie auch nicht, weil es in Norwegen so früh und lange dunkel wird. Irgendwie schon fast lustig, daß er es trotz maximaler Unterdetermination seiner Begrifflichkeiten nicht hinkriegt, wenigstens Teile der Realität einzufangen.

            Ich würde gerne zuerst etwas lesen zum Begriff der „Struktur“ in social justice-Kreisen.
            Mir schwant allerdings bei der bisherigen Lektüre des originalen Textes von Galtung, dass die Anleihen offensichtlich sind.

            Ich habe mich für den geplanten Gastbeitrag, u.a. aus diesem und dem weiter oben genannten Grund der Gefahr einer Endloskritik, die inhaltlich nicht wirklich interessant ist, entschieden, Fehler und Probleme im Galtung Papier aufzuzählen, die universellen Charakter haben, die also nicht spezifisch für Galtung sind, sondern genereller logischer und konzeptioneller Natur. Dies eingebettet in Versuche der Klarstellung von Aspekten von Basisbegriffen, die überall eine Rolle spielen, aber selten explizit diskutiert werden. Also z.B. sowas wie „was sind überhaupt Theorien und was sollen Theorien leisten“ (ich denke nämlich, daß Galtung gar keine Theorie hat, weil er nichts erklärt), „was ist eine Erklärung“, „was ist Struktur und welche Denkfehler begehen Opferkulturfans im Umgang damit“.

            Ich will mal versuchen, das auch für Leute verständlich zu machen, die nicht 20 Jahre Philosophie auf dem Buckel haben. Weil ich denke, daß sowohl öffentlich Debatten als auch Texte von „Fachleuten“ sehr oft an Mißverständnissen bezüglich besagter Grundbegriffe kranken.

            Ich werde zusehen, daß ich das am Wochenende fertig kriege. Eine Gliederung habe ich schon. Geht ja nur um die absoluten Grundlagen von Sprache, Form und Realität. Wie schwer kann das sein? Mein Penny hat bis Sa 22 Uhr auf, falls mir der Alkohol ausgeht. Das ist die Art struktureller Unterstützung, von der Galtung nur träumt.

          • Ich kündige schon mal an, dass ich einen Gegen-Artikel zu dem angekündigten Artikel von Widerstandsverweigerer schreiben werde.

            Zuvor werde ich die vier Bücher von Johan Galtung, die ich besitze, nochmal lesen. Mein Artikel wird Johan Galtungs Konzept der strukturellen Gewalt verteidigen und auch zeigen, wie es für einen linken Maskulismus nutzbar gemacht werden kann.

            Dort wo Johan Galtung sich einseitig feministisch äußert, werde ich ihn kritisieren – allerdings im Sinne immanenter Kritik – also ausgehend von seinen eigen theoretischen Grundlagen.

            Des Weiteren beabsichtige ich die zentralen Anliegen der Männerrechtsbrewegung, wie sie z.B. in den folgenden beiden von mir mehrfach verlinkten Texten dargestellt werden

            http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

            https://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

            in Johan Galtungs Gewalt-Konzeptualisierung analytisch einzuordnen, also begründet aufzuzeigen, wo personale Gewalt, wo strukturelle Gewalt und wo kulturelle Gewalt gegen Jungen und Männer vorliegt.

            Meine Überzeugung ist, dass sich mit Hilfe von Johan Galtungs Gewalt-Konzeptualisierung die berechtigten Anliegen der Männerrechtsbewegung, nicht nur analytisch besser verstehen, sondern auch kommunikationspsychologisch besser vermitteln lassen.

            Ob Johan Galtung selbst meiner Nutzbarmachung seiner theoretischen Werkzeuge zustimmen würde, weiß ich nicht, ist mir aber auch egal. Mich interessieren stets die Teilwahrheiten der Klassiker der Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften und Johan Galtung hat seinen Status als Klassiker der Politikwissenschaft m.E. zu Recht. Die Teilwahrheiten seines Werkes für einen linken Maskulismus nutzbar zu machen ist daher, völlig unabhängig davon, ob Galtung zustimmen würde oder nicht, m.E. ein wichtiges Anliegen für die Weiterentwicklung eines Maskulismus von links, der darauf abzielt, die Einseitigkeiten von Feminismus und Maskulismus in einem integral-antisexistischen Ansatz zu transzendieren.

      • Ähh, ich habe gerade seinen originalen Artikel „Violence, Peace and Peace Research“ am Start.
        Es wird dich sicher nicht wundern, dass seine Definition von violence: „as the cause of the difference between the potential and the actual, between what could have been and what is“ lautet (kursiv im Original).
        Ich wusste gar nicht, von wie viel Gewalt ich schon betroffen geworden bin. /sarcasm

        • @ Crumar

          „Es wird dich sicher nicht wundern, dass seine Definition von violence: „as the cause of the difference between the potential and the actual, between what could have been and what is“ lautet (kursiv im Original). Ich wusste gar nicht, von wie viel Gewalt ich schon betroffen geworden bin.“

          Ich bin Anhänger von Johan Galtungs Gewalt-Definition (und habe dies auf diesem Blog und anderen im Laufe der Zeit übrigens hin und wieder auch erwähnt).

          Auch wenn du hier anderer Ansicht bist als ich, finde ich allerdings, es wäre angemessen, Johan Galtungs Definition von Gewalt zumindest zutreffend darzustellen.

          Nach Johan Galtung liegt Gewalt dann vor, wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle körperliche, psychische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung – wenn dieser Einfluss vermeidbar ist.

          Letzteres betont Galtung sehr deutlich:

          „Ebenso wenig ließe sich die Tatsache, dass Menschen infolge von Erdbeben sterben, durch eine Analyse rechtfertigen, die von dem Begriff der Gewalt ausgeht, sollten Erdbeben aber eines Tages vielleicht zu verhindern sein, dann kann diese Todesart als die Folge von Gewalt angesehen werden.

          Mit anderen Worten, wenn das Potentielle größer ist als das Aktuelle und das Aktuelle vermeidbar ist, dann liegt Gewalt vor.

          Wenn das Aktuelle nicht vermeidbar ist, liegt keine Gewalt vor, selbst wenn das Aktuelle sich auf einem sehr niedrigen Stand bewegt. Eine (durchschnittliche) Lebenserwartung von nur 30 Jahren war in der Steinzeit kein Ausdruck von Gewalt, aber dieselbe Lebenserwartung heute (…) wäre nach unserer Defintion als Gewalt zu bezeichnen.“

          (aus: Johan Galtung – Gewalt, Frieden und Konfliktforschung, in: Johan Galtung – Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung, Rowohlt Verlag, 1981, S. 9)

          Der Begriff der „Verwirklichung“, von dem Johan Galtung ausgeht, entspricht dabei natürlich weitgehend dem Begriff der „Selbstverwirklichung“ der sich aus der klassischen ideengeschichtlichen Linie von Aristoteles und Thomas von Aquin zu Karl Marx zu Carl Rogers und Abraham Maslow – um nur einige wenige zu nennen – entwickelt hat und den ich manchmal mit der Formulierung „Befriedigung der Grundbedürfnisse und Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und Begabungen in sozialer Verantwortung“ kurz zusammenfasse.

          Meine persönliche Kritik an Galtungs Gewalt-Definition betrifft einen ganz anderen Aspekt: den Ausschluss von Tieren. Die genannte Gewalt-Definition ist speziesistisch. (Ich schließe nicht aus, dass Galtung, dies später korrigiert hat.)

          • wenn das Potentielle größer ist als das Aktuelle und das Aktuelle vermeidbar ist, dann liegt Gewalt vor

            Das Problem ist hier erneut, daß sich sowas leicht hinschreiben läßt, aber in der konkreten Umsetzung von Gewaltreduktion kaum weiterhilft. Wie bestimmt man denn „das Potentielle“ in einem konkreten Fall? Und wie bewertet man es? Was gilt als „vermeidbar“? Liegt „Gewalt“ vor, wenn ich, obwohl ich Zeit hätte, den Bart meines Nachbarn nicht trimme (also sein Potential, besser auszusehen, nicht aktualisiere)? Tut sich mein Nachbar selbst Gewalt an, wenn er sich nicht rasiert? Was ist, wenn er selbst sich mit Bart schöner findet, seine Frau aber nicht? Fragen über Fragen.

            Der Begriff der „Verwirklichung“, von dem Johan Galtung ausgeht, entspricht dabei natürlich weitgehend dem Begriff der „Selbstverwirklichung“ der sich aus der klassischen ideengeschichtlichen Linie von Aristoteles und Thomas von Aquin zu Karl Marx zu Carl Rogers und Abraham Maslow

            Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Was „Verwirklichung“ ist und wie man zu ihr kommt, hat aber viele Aspekte. Aristoteles etwa setzt da ganz andere Schwerpunkte als Galtung.

            Bei Aristoteles bezieht sich „Verwirklichung“ nicht speziell auf „Gewalt“. Es geht zunächst um grundsätzliche Fragen des Seins und Werdens, also um Ontologie und Kausalität („Akt“ und „Potenz“). Der Begriff „Telos“ bei Aristoteles wird sehr oft mißverstanden als „Dinge ‚wissen‘ kraft ihrer Natur, wo sie hinwollen/müssen“, und die „Entelechie“ bzw. die „Eudaimonie“ sind Versuche, zu klären, worin ein „gutes/erfülltes/selbstverwirklichtes/glückliches“ Leben besteht.

            https://de.wikipedia.org/wiki/Eudaimonie

            „Der wichtigste Aspekt der Glückseligkeit ist die Eigenleistung des Menschen, der sich die Eudaimonie verschafft, indem er lernt, übt, ethisch handelt und sich mit Sorgfalt um Tüchtigkeit bemüht. Allerdings ist die Fähigkeit, Tüchtigkeit oder Tugend zu erlangen und einzuüben, keine selbstverständliche Gegebenheit. Sie ist auch von äußeren Umständen abhängig, insbesondere von einer Erziehung, welche die Charakterbildung fördert. Daher fordert Aristoteles eine Gesetzgebung, die für die richtige Erziehung und für die Gewöhnung an ethische Tüchtigkeit sorgt.“

            Im Gegensatz zu Ansätzen wie dem von Galtung betont Aristoteles das eigene Bestreben des Subjekts, nicht seine Eingrenzung oder Unterdrückung durch andere. Die Abhängigkeit von „äußeren Umständen“ wird anerkannt, aber ebenfalls in positiv gewendeter Form. Es gibt keinen Opferkult bei Aristoteles, ihn interessiert Förderung von Eigenkapazität und Verantwortung.

    • Das ist so vage damit kann man alles erfassen:
      „Kräht der Hahn auf dem Mist ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist!“

      Ganz genau. Ich hab’s aus Spaß unten mal aufgedröselt.

    • Noch geiler unter „10 Politische Unterdrückung als Merkmal struktureller Gewalt“ S. 7, meine Herv.:
      „Der Iran des Schahs vor der iranischen Revolution etwa ist ein gutes konkretes Beispiel – um nur dieses zu nennen.“
      Viele der iranischen Genossen sind partout der Meinung, dass sie danach nicht aufgehört hat. Wenn sie denn noch am Leben sind.

  12. Johan Galtung:

    „Die Gesamtheit all dieser Interaktionssysteme einer gegebenen Gruppe von Akteuren kann nun als Struktur bezeichnet werden. Und innerhalb einer Struktur KANN EIN AKTEUR IN DEM EINEN SYSTEM EINEN HOHEN RANG EINNEHMEN, IN DEM ANDEREN EINEN NIEDRIGEN, UND IM DRITTEN WIEDER EINEN HOHEN; oder es kann Akteure geben, die ständig einen hohen, und solche, die ständig einen niedrigen Rang haben.“

    (Aus dem lesenswerten Buch des Politikwissenschaftlers und Begründers der Friedensforschung Johan Galtung – Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung, Rowohlt, 1981, S. 20)

    • Ist die Möglichkeit, in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Quellen von Bestätigung (z.B. positives Feedback durch hohen Status) zu bekommen, nicht früher ein Allgemeinplatz gewesen? Gab es in der Soziologie nicht einmal eine Denkschule, die Personen als Lebewesen sah, die sich in mehreren Sphären bewegen (z.B. einer privaten Sphäre, einer zivilen Sphäre und einer beruflichen Sphäre). Sphären die sich gegenseitig durchdringen oder überschneiden? War die Erkenntnis nicht, dass wenn sich Bestätigung finden lässt in einer dieser Sphären (in unserem Fall z.B. als Vater und Ehemann, als Bürger oder im Arbeitsprozess), dass dann die Selbstachtung gestützt und Zufriedenheit erreicht werden kann oder anders herum – wenn die Bestätigung in allen drei Sphären entzogen wird, dass eine Person dann sehr schnell den Halt verlieren kann?

      Erst durch das neuzeitliche Zusammenklappen der Betrachtung auf eine Dimension (Macht) und das Auflösen des Individuums in einer Gruppenidentität scheint diese Betrachtungsweise ungeheuer klug. Früher war das common sense.

    • „Die Gesamtheit all dieser Interaktionssysteme einer gegebenen Gruppe von Akteuren kann nun als Struktur bezeichnet werden.

      Genau so etwas ist eben KEINE Struktur. Ein Konglomerat von Objekten (seien es „Systeme“ oder sonst was) ist UNSTRUKTURIERT, solange es keine Relationen zwischen den Objekten gibt.

      Eine Ansammlung Z (von „Zeug“) nennt man in der Mathematik einen „Raum“ oder eine „Grundgesamtheit“. Struktur gibt’s erst, wenn noch weiteres an Information dazukommt, etwa eine Topologie, eine Metrik, oder andere Regeln/Beziehungen zwischen den Elementen von Z.

      Und innerhalb einer Struktur KANN EIN AKTEUR IN DEM EINEN SYSTEM EINEN HOHEN RANG EINNEHMEN, IN DEM ANDEREN EINEN NIEDRIGEN, UND IM DRITTEN WIEDER EINEN HOHEN; oder es kann Akteure geben, die ständig einen hohen, und solche, die ständig einen niedrigen Rang haben.“

      Und genau diese Unabhängigkeit der Ränge des Akteurs (innerhalb der verschiedenen Systeme) zeigt, daß es keine Relationen zwischen den Systemen gibt. Also ist die angebliche „Struktur“ keine. Außer z.B. wenn der hohe Rang des Akteurs in System 1 BEDINGT ist durch seinen niedrigen Rang in System 2.

      • Sehe ich auch so.

        Kleine Einschränkung: theoretisch könnte es sein, dass es zwischen diesen Systemen Relationen gibt, die mit den Positionen / Rängen der Akteure in diesen Systemen nichts zu tun haben. Doch darüber wird nichts weiter gesagt. Somit können wir davon ausgehen, dass es solche Relationen nicht gibt – sonst hätte man sie irgendwie spezifiziert.

        • dass es zwischen diesen Systemen Relationen gibt, die mit den Positionen / Rängen der Akteure in diesen Systemen nichts zu tun haben

          Richtig, diesen Fall kann es geben. Dann hätte aber die entsprechende Struktur nach Voraussetzung keinen Einfluß auf die Akteure, und sie wären erneut nicht „strukturell unterdrückt“.

  13. Ich habe den Artikel des Politikwissenschaftlers und Begründers der Friedensforschung Johan Galtung „Gewalt, Frieden und Konfliktforschung“, in dem Johan Galtung den Begriff „strukturelle Gewalt“ geprägt hat, gerade noch einmal gelesen. Einer der besten Artikel zum Thema Gewalt, die ich kenne.

    Ich kann Männerrechtlern nur empfehlen den Artikel zu lesen. Viele Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind,

    http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

    https://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

    lassen sich mit Johan Galtungs Konzept der strukturellen Gewalt besser verstehen und besser vermitteln.

    Folgende Begriffe, die Christian in seinem Blog-Beitrag erwähnt hat, kommen in dem Artikel von Johan Galtung übrigens nicht vor:

    „Institutionalized adultism, ageism, classism, elitism, ethnocentrism, nationalism, speciesism, racism, and sexism“

    Es gibt m.E. noch einen zweiten Grund für Männerrechtler Johan Galtung zu lesen. Johan Galtung ist auch Experte für gewaltfreie Aktionsformen.

    Ich versuche ja schon seit längerem (bisher leider vergeblich) Männerrechtler zu gewaltfreien Aktionen zu ermutigen. Ohne diese wird es m.E. keinen Erfolg für die berechtigten Anliegen der Männerrechtsbewegung geben.

    Das Anbiedern an eine widerliche neoliberale Partei wie die FDP, die völlig zu Recht in der Mehrheitsbevölkerung unbeliebt ist und dies sehr wahrscheinlich auch immer bleiben wird, bietet für die Männerrechtsbewegung als emanzipatorische soziale Bewegung m.E. keine realistische Perspektive.

    Nur gewaltfreie direkte Aktionen, aus einem humanistischen Geiste heraus ausgeführt, können m.E. zum Ziel führen.

    • Nur gewaltfreie direkte Aktionen, aus einem humanistischen Geiste heraus ausgeführt, können m.E. zum Ziel führen.

      Es wäre schön, wenn das so wäre.
      Allerdings würde vermutlich – ohne wirkliche Gewalt anzuwenden – die einzige tatsächlich etwas verändernde „Aktion“ darin bestehen, dass sämtliche Männer nur für eine einzige Woche ihre Arbeit niederlegten und auch ansonsten keinerlei Tätigkeiten für Frauen ausübten.

      Aber selbst dann würden sich die meisten Feministen nach Ablauf der Woche (wenn dann noch etwas vom Planeten übrig ist) wohl nicht entsinnen, das Männer doch mehr als nur Monster sind, sondern sich vermutlich noch beklagen, dass man ihnen bisher ja nie eine Chance gegeben habe, zu lernen was sie vorübergehend selber machen mussten bzw. hätten machen müssen.

      Man könnte natürlich auch dem ganzen feministischen Klüngel einfach ganz gewaltfrei jegliche Finanzierung entziehen, aber das wird vermutlich ohne einen gewaltsamen Staatsstreich in unserer Lebenszeit nicht mehr möglich sein, ohne dass es VORHER aus anderen Gründen Krieg und Hungersnot gegeben hat.

    • Viele Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind, lassen sich mit Johan Galtungs Konzept der strukturellen Gewalt besser verstehen und besser vermitteln.

      Behauptung ohne Beweis. Galtungsjournalismus ist das letzte, was hier sinnvoll ist. Man drückt sich besser mit Begriffen aus, die konkret und klar verständlich sind, und die auf konkrete Probleme zugeschnitten sind. Eine abstrakte Theorie der Unterdrückung ist pseudointellektueller Nonsens. Statt „strukturell“, dem nichtssagenden Allesreferierer unter den Kampfbegriffen, zu huldigen, sollte man Zusammenhänge explizit benennen. Das ist im Einzellfall mehr Arbeit, aber sie lohnt sich.

      Negativbeispiel:

      Ich bin Linkshänder. Mit Galtung kann ich mich zum strukturell Unterdrückten erklären, weil ich einer Minderheit angehöre, also marginalisiert bin. Weiter werde ich sprachlich durch die negative Konnotation des Wortes „sinister“ strukturell psychisch terrorisiert. Denn „recht(s)“ ist unmittelbar verwandt mit „richtig“. Als Kind wurde mir der Stift in die „richtige“ Hand gedrückt. (Physische Gewalt!) Mein Leben war also ein „falsches“ im „richtigen der anderen“. Die Gesellschaft hasste meine Hirnkonfiguration!

      Damals war ich also „Underdog in der Hierarchie“, heute darf ich aber nun doch mit links schreiben. Nun bin ich in einer „zu eng integrierten, horizontalen Struktur einer Equiarchie“ gefangen, in der „Ungleiches gleich behandelt wird“: Meine Linkshändigkeit wird unsichtbar gemacht!

      Usw. usf. Man kann das den ganzen Tag so weiterspinnen. Betonung auf „spinnen“.

  14. Jetzt ist es wieder passiert! Offenbar verschwindet mein Text immer dann im Nirwana, wenn ich versuche, ihn als direkte Antwort auf Leszek zu posten. Hier also 3. Versuch, ohne direkte Antwort:

    @ Leszek
    War mein Text so missverständlich formuliert? Ich habe kein Werturteil über Galtung gefällt (und dies auch nicht beabsichtigt), sondern darauf hingewiesen, dass seine Theorien von Feministinnen gekapert wurden. Das allerdings ist hinreichend dokumentiert, da braucht man bloß mal kurz im Internet zu recherchieren. Hier wahllos einige Beispiele herausgegriffen:

    Gewaltdefinitionen und Formen von Gewalt gegen Frauen
    Für die zweite Frauenbewegung war es ein zentrales Anliegen, einen möglichst weit gefassten, feministischen Gewaltbegriff zu etablieren. Eine nützliche Differenzierung, um Gewalt gegen Frauen in all ihren Ausprägungen zu erfassen, wurde dabei vom schwedischen Friedensforscher Johan Galtung übernommen.
    http://blog.sektionacht.at/2014/11/16-tage-3-gewaltdefinitionen-und-formen-von-gewalt-gegen-frauen/

    Gewalt gegen Frauen – und ihre Auswirkungen
    Bei der Ausübung von Gewalt spielt die eingebildete oder tatsächliche „Befugnis zu herr(!)schen“ eine nicht unerhebliche Rolle. Der Soziologe Johan Galtung: „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflußt werden, daß ihre aktu- elle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“6 Strukturelle Gewalt, heißt danach der Typ von Gewalt, bei dem die Beeinflußung nicht alleine von einem handelnden Subjekt ausgeht, sondern im gesellschaftlichen System eingebaut ist. Dies äußere sich in ungleichen Macht- und Besitzverhältnissen und davon abhängig, in ungleichen Lebenschancen.
    https://www.grin.com/document/96455

    „Gewalt und Geschlecht.Entwicklungen und Perspektiven des feministischen Diskurses.“
    Als Beispiel führt er hier an, dass Sprachen wie Deutsch Frauen dadurch unsichtbar machen, dass sie zur Bezeichnung der Gesamtheit der Menschheit dasselbe Wort verwenden wie zur Bezeichnung des männlichen Geschlechts (Galtung 1998: 358).
    und
    Galtungs Konzept der strukturellen Gewalt fand gegen Ende der 1970er bis Mitte der 1980er-Jahre insbesondere in der Friedens-, Ökologie- und Frauenbewegung große Resonanz, da es die theoretischen Grundlagen lieferte, um gesellschaftliche Problemlagen und Missstände aufzuzeigen und zu skandalisieren

    Klicke, um auf 2015-06-25_8103872.pdf zuzugreifen

    Frauenmorde als Verdichtung der männlichen Gewalt: „Ehrenmorde“ oder Frauenmorde. Die aktuellen Diskurse und Kämpfe der Frauenbewegung in der Türkei
    Macht- und Unterdrückungsverhältnisse stehen bei Galtungs Gewaltkonzept im Mittelpunkt. Dies machte Galtungs Gewalt- und Strukturbegriff für einen feministischen Gewaltbegriff für die Aktivistinnen sowie für die emanzipatorische Gewaltforschung nützlich und anschlussfähig (Dackweiler, Schäfer 2002, 11; Schröttle 1999, 23).

    Klicke, um auf 2013-05-23_9918879.pdf zuzugreifen

    (Monika Schröttle ist eine der 3 „Forscherinnen“ mit „parteilichem Ansatz“, die für das BMFSFJ immer Gewaltstudien … sagen wir: parteilich interpretieren)

    etc.

  15. „Strukturell“ macht eine symmetrische Situation willkürlich asymmetrisch.

    Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Jedem wirderfahren hin und wieder… Herausforderungen.

    Sei nun A|B eine Partitionierung der Bevölkerung. OBdA sei A axiomatisch (also nicht falsifizierbar) „strukturell“ benachteiligt.

    Jede Situation, in der das Leben für jemanden aus der Gruppe B kein Zuckerschlecken ist, ist ein Einzelfall der nichts beweist.

    Jede Situation, in der das Leben für jemanden aus der Gruppe A kein Zuckerschlecken ist, ist Beweis für die strukturelle Benachteiligung der Gruppe A.

    Eh voilà, ein Zirkelschluss!

  16. Vierter Versuch, etwas zu posten. Vielleicht klappt’s heute.

    @ Leszek
    War mein Text so missverständlich formuliert? Ich habe kein Werturteil über Galtung gefällt (und dies auch nicht beabsichtigt), sondern darauf hingewiesen, dass seine Theorien von Feministinnen gekapert wurden. Das allerdings ist hinreichend dokumentiert, da braucht man bloß mal kurz im Internet zu recherchieren. Hier wahllos einige Beispiele herausgegriffen:

    Gewaltdefinitionen und Formen von Gewalt gegen Frauen
    Für die zweite Frauenbewegung war es ein zentrales Anliegen, einen möglichst weit gefassten, feministischen Gewaltbegriff zu etablieren. Eine nützliche Differenzierung, um Gewalt gegen Frauen in all ihren Ausprägungen zu erfassen, wurde dabei vom schwedischen Friedensforscher Johan Galtung übernommen.
    http://blog.sektionacht.at/2014/11/16-tage-3-gewaltdefinitionen-und-formen-von-gewalt-gegen-frauen/

    Gewalt gegen Frauen – und ihre Auswirkungen
    Bei der Ausübung von Gewalt spielt die eingebildete oder tatsächliche „Befugnis zu herr(!)schen“ eine nicht unerhebliche Rolle. Der Soziologe Johan Galtung: „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflußt werden, daß ihre aktu- elle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“6 Strukturelle Gewalt, heißt danach der Typ von Gewalt, bei dem die Beeinflußung nicht alleine von einem handelnden Subjekt ausgeht, sondern im gesellschaftlichen System eingebaut ist. Dies äußere sich in ungleichen Macht- und Besitzverhältnissen und davon abhängig, in ungleichen Lebenschancen.
    https://www.grin.com/document/96455

    „Gewalt und Geschlecht.Entwicklungen und Perspektiven des feministischen Diskurses.“
    Als Beispiel führt er hier an, dass Sprachen wie Deutsch Frauen dadurch unsichtbar machen, dass sie zur Bezeichnung der Gesamtheit der Menschheit dasselbe Wort verwenden wie zur Bezeichnung des männlichen Geschlechts (Galtung 1998: 358).
    und
    Galtungs Konzept der strukturellen Gewalt fand gegen Ende der 1970er bis Mitte der 1980er-Jahre insbesondere in der Friedens-, Ökologie- und Frauenbewegung große Resonanz, da es die theoretischen Grundlagen lieferte, um gesellschaftliche Problemlagen und Missstände aufzuzeigen und zu skandalisieren

    Klicke, um auf 2015-06-25_8103872.pdf zuzugreifen

    Frauenmorde als Verdichtung der männlichen Gewalt: „Ehrenmorde“ oder Frauenmorde. Die aktuellen Diskurse und Kämpfe der Frauenbewegung in der Türkei
    Macht- und Unterdrückungsverhältnisse stehen bei Galtungs Gewaltkonzept im Mittelpunkt. Dies machte Galtungs Gewalt- und Strukturbegriff für einen feministischen Gewaltbegriff für die Aktivistinnen sowie für die emanzipatorische Gewaltforschung nützlich und anschlussfähig (Dackweiler, Schäfer 2002, 11; Schröttle 1999, 23).

    Klicke, um auf 2013-05-23_9918879.pdf zuzugreifen

    (Monika Schröttle ist eine der 3 „Forscherinnen“ mit „parteilichem Ansatz“, die für das BMFSFJ immer Gewaltstudien … sagen wir: parteilich interpretieren)

    etc.

  17. Aha, kurze funktionieren … Dann versuche ich’s mal häppchenweise:

    @ Leszek
    War mein Text so missverständlich formuliert? Ich habe kein Werturteil über Galtung gefällt (und dies auch nicht beabsichtigt), sondern darauf hingewiesen, dass seine Theorien von Feministinnen gekapert wurden. Das allerdings ist hinreichend dokumentiert, da braucht man bloß mal kurz im Internet zu recherchieren. Hier wahllos einige Beispiele herausgegriffen:

    Gewaltdefinitionen und Formen von Gewalt gegen Frauen
    Für die zweite Frauenbewegung war es ein zentrales Anliegen, einen möglichst weit gefassten, feministischen Gewaltbegriff zu etablieren. Eine nützliche Differenzierung, um Gewalt gegen Frauen in all ihren Ausprägungen zu erfassen, wurde dabei vom schwedischen Friedensforscher Johan Galtung übernommen.
    http://blog.sektionacht.at/2014/11/16-tage-3-gewaltdefinitionen-und-formen-von-gewalt-gegen-frauen/

  18. (ff)

    Gewalt gegen Frauen – und ihre Auswirkungen
    Bei der Ausübung von Gewalt spielt die eingebildete oder tatsächliche „Befugnis zu herr(!)schen“ eine nicht unerhebliche Rolle. Der Soziologe Johan Galtung: „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflußt werden, daß ihre aktu- elle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“6 Strukturelle Gewalt, heißt danach der Typ von Gewalt, bei dem die Beeinflußung nicht alleine von einem handelnden Subjekt ausgeht, sondern im gesellschaftlichen System eingebaut ist. Dies äußere sich in ungleichen Macht- und Besitzverhältnissen und davon abhängig, in ungleichen Lebenschancen.
    https://www.grin.com/document/96455

    „Gewalt und Geschlecht.Entwicklungen und Perspektiven des feministischen Diskurses.“
    Als Beispiel führt er hier an, dass Sprachen wie Deutsch Frauen dadurch unsichtbar machen, dass sie zur Bezeichnung der Gesamtheit der Menschheit dasselbe Wort verwenden wie zur Bezeichnung des männlichen Geschlechts (Galtung 1998: 358).
    und
    Galtungs Konzept der strukturellen Gewalt fand gegen Ende der 1970er bis Mitte der 1980er-Jahre insbesondere in der Friedens-, Ökologie- und Frauenbewegung große Resonanz, da es die theoretischen Grundlagen lieferte, um gesellschaftliche Problemlagen und Missstände aufzuzeigen und zu skandalisieren

    Klicke, um auf 2015-06-25_8103872.pdf zuzugreifen

  19. (ff)

    Gewalt gegen Frauen – und ihre Auswirkungen
    Bei der Ausübung von Gewalt spielt die eingebildete oder tatsächliche „Befugnis zu herr(!)schen“ eine nicht unerhebliche Rolle. Der Soziologe Johan Galtung: „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflußt werden, daß ihre aktu- elle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“6 Strukturelle Gewalt, heißt danach der Typ von Gewalt, bei dem die Beeinflußung nicht alleine von einem handelnden Subjekt ausgeht, sondern im gesellschaftlichen System eingebaut ist. Dies äußere sich in ungleichen Macht- und Besitzverhältnissen und davon abhängig, in ungleichen Lebenschancen.
    https://www.grin.com/document/96455

  20. Gewalt gegen Frauen – und ihre Auswirkungen
    Bei der Ausübung von Gewalt spielt die eingebildete oder tatsächliche „Befugnis zu herr(!)schen“ eine nicht unerhebliche Rolle. Der Soziologe Johan Galtung: „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflußt werden, daß ihre aktu- elle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“6 Strukturelle Gewalt, heißt danach der Typ von Gewalt, bei dem die Beeinflußung nicht alleine von einem handelnden Subjekt ausgeht, sondern im gesellschaftlichen System eingebaut ist. Dies äußere sich in ungleichen Macht- und Besitzverhältnissen und davon abhängig, in ungleichen Lebenschancen.
    https://www.grin.com/document/96455

  21. (ff)

    „Gewalt und Geschlecht.Entwicklungen und Perspektiven des feministischen Diskurses.“
    Als Beispiel führt er hier an, dass Sprachen wie Deutsch Frauen dadurch unsichtbar machen, dass sie zur Bezeichnung der Gesamtheit der Menschheit dasselbe Wort verwenden wie zur Bezeichnung des männlichen Geschlechts (Galtung 1998: 358).
    und
    Galtungs Konzept der strukturellen Gewalt fand gegen Ende der 1970er bis Mitte der 1980er-Jahre insbesondere in der Friedens-, Ökologie- und Frauenbewegung große Resonanz, da es die theoretischen Grundlagen lieferte, um gesellschaftliche Problemlagen und Missstände aufzuzeigen und zu skandalisieren

    Klicke, um auf 2015-06-25_8103872.pdf zuzugreifen

    Frauenmorde als Verdichtung der männlichen Gewalt: „Ehrenmorde“ oder Frauenmorde. Die aktuellen Diskurse und Kämpfe der Frauenbewegung in der Türkei
    Macht- und Unterdrückungsverhältnisse stehen bei Galtungs Gewaltkonzept im Mittelpunkt. Dies machte Galtungs Gewalt- und Strukturbegriff für einen feministischen Gewaltbegriff für die Aktivistinnen sowie für die emanzipatorische Gewaltforschung nützlich und anschlussfähig (Dackweiler, Schäfer 2002, 11; Schröttle 1999, 23).

    Klicke, um auf 2013-05-23_9918879.pdf zuzugreifen

    (Monika Schröttle ist eine der 3 „Forscherinnen“ mit „parteilichem Ansatz“, die für das BMFSFJ immer Gewaltstudien … sagen wir: parteilich interpretieren)

    etc.

    • es war einiges in den Spam einsortiert worden, keine Ahnung warum. Hast du vielleicht mit der Emailadresse irgendwo kommentiert, wo sie es dann in den Spamfilter schmeißen?

      Habe jetzt mal alle rausgeholt. Kommentiere einfach „Löschen“ unter denen, die weg sollen.

      Wenn was nicht klappt gerne einfach in einem Kommentar darauf hinweisen, der Spamordner ist leider zu unübersichtlich und zu voll um ihn manuell gegenzuprüfen

      • Danke! Und sorry für die Extraarbeit.
        Ich verwende die Mailadresse nur sehr sparsam, ich wüsste daher nicht, dass sie irgendwo im SPAM gelandet ist.
        Viele Grüße

  22. „Strukturell“ kann es ja schon sein, wenn man als europäischer Plattenboss:

    – „zu wenig“ farbige Künstler hat
    – „zu wenig“ weibliche oder gar „diverse“ Künstler hat
    – sich nicht für #blacklivesmatter engagiert

    https://www.fazemag.de/rassismus-vorwuerfe-gegen-rs-gruender-renaat-vandepapeliere/

    Solche Vorwürfe sind schnell rausgeballert und bringen „Priviligierte“ (obwohl grundlos) schnell in Bedrängnis.

    Vielleicht ein extra Blogartikel dazu, Christian?

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