Geschlechterunterschiede in der Work-Life-Balance bzw der unterschiedlichen Gewichtung von Arbeitsaspekten, die auf Kosten anderer Punkte gehen

Eine interessante Untersuchung zu der verschiedenen Einstellung der Geschlechter zum Job:

Es ging um Japaner beiderlei Geschlecht in den Dreißigern mit einem Jahreseinkommen von höchstens  3 Millionen Yen oder 28.000 Dollar bzw 23.000 € und ihre Anforderungen an ein höheres Gehalt wenn dafür auch bestimmte Aspekte des Jobs sich verändern.

he working paper’s findings are increasingly relevant in planning a more inclusive economic recovery. What aspects of a job improve work-life balance, and how much income should the job offer? In answering this question for workers in Japan we investigated the tradeoffs men and women would accept between earning more pay or having more time at home.

An analysis is drawn from an experiment that surveyed nearly 1,000 working-age Japanese men and women on their preference for varying levels of job attributes affecting work-life balance, including overtime, job insecurity, risk of departmental transfer, and risk of geographical relocation.

First: it was found that women are more willing than men to sacrifice a significant amount of salary in exchange for greater work-life balance.

For instance, for certain age and salary ranges, mothers are willing to sacrifice approximately $3,000 more in annual salary than men to avoid relocation risk; they would forego roughly $6,500 more than men to avoid 45 + hours of overtime per month. Men who do not have children are on average more willing to trade wages for work-life balance than those with children.

Man hat also gefragt wie viel man ihnen in einem Job mehr zahlen müsste, damit er erhebliche Überstunden (45 oder mehr im Monat), eine geringere Jobsicherheit, das Risiko verpflichtend in einem anderen Bereich zu arbeiten oder an einem anderen Ort arbeiten müsste.
Und Frauen sind nur dazu bereit das zu machen, wenn dafür mehr Geld bei rausspringt als es Männer nehmen würden.

Sie würden beispielweise bei den Überstunden nur mitmachen, wenn sie 15.000 Dollar mehr verdienen würden, während Männer es für etwas mehr als die Hälfte (8600 Dollar) machen würden.
Bei der Jobsicherheit sind die Unterschiede noch größer, 864 Dollar zu 3.827 Dollar, also mehr als das 4fache.

Das würde erklären, warum Männer weitaus mehr Überstunden machen 

Es erklärt auch, warum Männer sich in der Konkurrenz um bessere Jobs eher durchsetzen: Sie messen der „Work-Life-Balance“ im Schnitt ein geringeres Gewicht zu und sind damit eher bereit für das gleiche Mehr an Gehalt mehr zu machen.

Es passt auch ganz gut zu diesen zwei Grafiken aus dieser Studie:

Arbeitsstunden Bereitschaft idealer Job

Arbeitsstunden Bereitschaft idealer Job

Es würde auch erklären, warum Frauen lieber im öffentlichen Dienst arbeiten als Männer, auch wenn dieser mitunter weniger zahlt als die freie Wirtschaft. Es ist ein sehr sicherer Job. Und auch die Bereitschaft an einem anderen Ort zu arbeiten, etwa im Ausland, was eine wichtige Qualifikation für Führungsjobs sein kann oder das Risiko in einen anderen Bereich versetzt zu werden ist geringer.

In dem Artikel wird dazu noch folgendes angeführt:

Part of this gender difference in willingness to pay for better work-life balance can be explained by a greater sense of guilt among women than men. Women reported higher feelings of guilt than men for missing not just child-related activities (e.g., school events), but also cooking and taking care of parents, because of work.

These feelings of guilt were then run against preferences. Overall, higher levels of guilty feelings correspond to greater willingness to pay for more work-life balance. For example, these feelings of guilt translate to high willingness to pay to avoid overtime. Women who would feel highly guilty for missing a child’s event or not caring for their parents are willing to sacrifice $12,000 in their annual wage to avoid 45+ hours a month of overtime.

Es einfach nur auf ein Schuldgefühl im Sinne einer Verpflichtung anderen gegenüber runterzubrechen finde ich etwas schwierig. Denn meist geht damit ja auch ein einher, dass man selbst lieber da wäre, weil man es schön für einen selbst findet. Aber natürlich kann das stärkere Gefühl, dass man etwa für das Kind oder Verwandte da sein muss, auch entsprechend dazu beitragen.

 

7 Gedanken zu “Geschlechterunterschiede in der Work-Life-Balance bzw der unterschiedlichen Gewichtung von Arbeitsaspekten, die auf Kosten anderer Punkte gehen

  1. „Es würde auch erklären…“

    Ja, würde es. Würde es schon seit über 10 Jahren. Aber die Frauen-sind-Opfer Industrie wird diese Erklärung erst akzeptieren, wenn sie nicht mehr darum herum kommen einzusehen das ihr Gegenaufklärung versagt hat. Bis dahin werden sie weiterhin behaupten das die freien Entscheidungen von Frauen als Erklärung für Ungleichgewichte nicht gültig sind und das diese Frauen vom Patriarchat indoktriniert wurden oder sowas.

  2. Nun ist es aber so, dass japanische Kultur über dieses Schuldgefühl funktioniert.
    Du hast da Verpflichtung dafür zu sorgen, dass es anderen in ihren Gefühlen gut geht indem du dich richtig verhältst. Das ist als Europäer nur begrenzt in dem Maße nachzuvollziehen.
    Aber es ist absolut plausibel, dass japanische Frauen so ticken.
    Insofern halte ich es auch nicht bes geeignet als Beispiel, weil Japan besonders strikte gesellschaftliche Rollen pflegt und Emanzipation dort eher nicht gelebt wird.
    Hier wäre fast 100 Prozent Sozialisation möglich (auch wenn ich das nicht glaube), weil Japan wirklich ziemlich speziell ist.

  3. So, so, Frauen fühlen sich also der Familie gegenüber verpflichtet. Auf die Idee, daß Männer sich verpflichtet fühlen könnten, ein höheres Einkommen für die Familie zu erzielen, kommen die Autoren natürlich nicht.

  4. Äußerst interessant. Auch der Unterschied zwischen Single Männern und Männern mit Kind ist sehr aufschlussreich. Dass Männer mit Kind eher arbeiten gehen, als daheim beim Kind zu sein.

    Und die Studie passt auch sehr zum Bild, das ja sehr gefestigt ist. Männer sind eher bereit, viel zu arbeiten. Frauen legen mehr Wert auf andere Dinge wie Geld und Status. Und das ist wörtlich zu nehmen. Sie fordern auf dem Markt einen höheren Wert für ihre Arbeitszeit.

    Was ich allerdings unstimmig empfinde, ist der Unterschied zwischen Gehaltsforderungen ggü dem Arbeitgeber vs Preisen, die selbständige Frauen verlangen. Hier ist es ja eher so, dass Frauen geringere Preise als Männer verlangen.

    • „Was ich allerdings unstimmig empfinde, ist der Unterschied zwischen Gehaltsforderungen ggü dem Arbeitgeber vs Preisen, die selbständige Frauen verlangen.“

      Ich denke das muss man etwas anders verstehen. Es geht darum wie viel mehr ein selbständiger Job sicher zahlen müsste, damit Frauen dafür einen sicheren Job ablehnen würden. jetzt haben natürlich nicht alle Frauen die Möglichkeit auf einen sicheren Job und müssen dann auf einen selbständigen Job ausweichen. Und natürlich ist das nur eine Angabe zum steht. Es gibt natürlich Frauen, die die Risiken gerne eingehen und dafür die Freiheit der Selbständigkeit mögen, weil sie dann zu einem Zeitpunkt arbeiten können, der Ihnen am besten passt.

      • Ich empfinde diesen Bereich als ungeheuer spannend. Man erhält bei der Beschäftigung damit das Gefühl, dass hier ungeklärte Fragen schlummern, die der Beantwortung harren.

        Eine Vielzahl an Faktoren fallen mir da ein, die eine Rolle spielen könnten:
        – unterschiedliche weibliche Nutzenfunktion
        – Risikobereitschaft
        – Extrovertiertheit/Selbstdarstellung
        – unterschiedliche Arbeitsbereitschaft für Geld / Familie / Spass (die berühmten 4 F Fun, Fortune, Fame, Family – 3 von vier machen einen hervorragenden Job aus, 2 einen ordentlichen)
        – unterschiedliches hierarchisches Verhalten
        – Bereitschaft, in Konflikte am Arbeitsplatz zu gehen, u. A. in Geld fragen (das jährliche Fragen nach Gehaltserhöhung)
        – Geschlechtsbezogene Diskriminierung

        Leider steht das feministische Narrativ – insbesondere das konstruktivistische – hier einem weiteren Erkenntnisgewinn im Weg. Da es Diskriminierung als einzige Ursache zulässt, biologische Ursachen von vornherein ausschließt und andere Ergebnisse aktiv bekämpft.

  5. Geschlechterunterschiede in der Work-Life-Balance bzw der unterschiedlichen Gewichtung von Arbeitsaspekten, die auf Kosten anderer Punkte gehen

    Manchmal zimmerst du Sätze zusammen …

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