Arnd Diringer zu verpflichtender gegenderter Sprache an den Universitäten

Über Arne bin ich auf den Artikel von Arnd Diringer gestoßen, der sich damit befasst, ob eine Hochschule gegenderte Sprache für Studienarbeiten vorschreiben darf. Aus dem Text:

„Einfach so ein Zeichen zu erfinden und dann auch noch die Leute dazu zu zwingen, es zu verwenden“, so der Sprachwissenschaftler im Deutschlandfunk Kultur, „das geht in einer demokratischen Gesellschaft gar nicht.“ Und es ist umso problematischer, wenn ein Studium nur noch durch eine solche Unterwerfungsgeste absolviert werden kann.

„Klar ist“, so der bekannte Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Fiete Kalscheuer, dass „solche Vorgaben nur aufgrund von Satzungen ergehen dürfen, für die die Hochschulen der Ermächtigung des parlamentarischen Gesetzgebers bedürfen“.

Ob der allerdings „überhaupt dazu berechtigt ist, derartige Sprachvorgaben zu machen oder zu ermöglichen“, ist, wie der Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen weiter ausführt, „im Hinblick auf die Grundrechte von Studenten und Professoren ebenso problematisch wie im Hinblick auf die weltanschauliche Neutralität des Staates“.

Tatsächlich wird durch solche Vorgaben massiv in Grundrechte eingegriffen – von der Berufsfreiheit bis zur Freiheit der Lehre. Eine Rechtfertigung dafür gibt es nicht.

Die „Zwangsbeglückung seiner Bürger durch ideologische Vorgaben“ ist, wie Professor Säcker es in der Zeitschrift für Rechtspolitik einmal formuliert hat, jedenfalls nicht „Aufgabe des Staates“. Und sie gehört erst recht nicht zu den Aufgaben der Hochschulen – zumindest nicht in einer freiheitlichen Demokratie.

„Der Staat kann die Sprache“ aber auch unabhängig davon „nicht beliebig regeln“. Das hat das Bundesverfassungsgericht bereits 1998 ausgeführt, und darauf hat jüngst auch der Bundesgerichtshof nochmals hingewiesen: „Begrenzende Wirkungen ergeben sich aus der Eigenart der Sprache für Art und Ausmaß einer Regelung“, so die obersten Zivilrichter.

Ich würde auch denken, dass man da gute Klageaussichten hat. Ich kann aber auch jeden Studenten vertreten, der nicht das Risiko eingehen will, dass er in 4 Jahren abschließend Recht bekommt und bis dahin wegen Fehlens eines Grundlagenscheins nicht weiterkommt.

In der Sache ist eine Abweichung von der üblichen Sprache, die eben das Gendern in dieser Form nicht kennt, dennoch nicht hinnehmbar.

Rechtlich spricht also viel gegen die Zulässigkeit eines „Gender-Zwangs“. Aber es gibt eine einfache Lösung – und zwar eine, mit der Befürworter der „Gender-Sprache“ ebenso gut leben können müssten wie deren Gegner: Man stellt den Studenten einfach frei, ob sie ihre Arbeiten nach den Regeln der deutschen Grammatik und Rechtschreibung verfassen oder sie „durchgendern“.

Wenn, wie von den Befürwortern behauptet, ein großes gesellschaftliches Bedürfnis nach gegenderter Sprache besteht, werden sehr viele Studenten diese verwenden. Handelt es sich bei den Verfechtern der Gender-Ideologie, wie ihre Gegner oftmals behaupten, nur um eine kleine radikale Minderheit, werden es sehr wenige sein.

(…) Angst vor Freiwilligkeit müssen nur diejenigen haben, die das Ergebnis fürchten. Aber genau deshalb wird wohl auf Zwang gesetzt.

Das ist natürlich keine Lösung für die Befürworter dieser Theorien. Die gehen ja davon aus, dass man es gegen das Patriarchat erzwingen muss und das es eben der richtige Weg ist die Welt besser zu machen. Und damit darf davon eben auch zum Wohle aller keiner abweichen.

 

23 Gedanken zu “Arnd Diringer zu verpflichtender gegenderter Sprache an den Universitäten

  1. „Das ist natürlich keine Lösung für die Befürworter dieser Theorien. Die gehen ja davon aus, dass man es gegen das Patriarchat erzwingen muss und das es eben der richtige Weg ist die Welt besser zu machen.“

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass sich viele Befürworterinnen der Gendersprache einerseits im „Widerstand gegen das Patriarchat“ verorten, aber andererseits nicht merken, dass sie selbst zu den privilegiertesten Menschen überhaupt gehören. Mir fällt jedenfalls kaum ein angenehmeres Berufsbild ein, als von der Verbreitung der eigenen Meinung den Lebensunterhalt bestreiten zu können und andere Menschen – oder generell die „öffentliche Meinung“ – beeinflussen zu können. Die Unterdrückungsmechanismen des Patriarchats sind schon manchmal wirklich raffiniert…

    • Das ist, so glaube ich, normal. Viele hierzulande fühlen sich ja auch in Bezug auf Asylbewerber massiv schlechter behandelt. Von diesen Typen hat aber noch niemand mal ein Asylbewerberheim besucht. Im Laufe meines Arbeitslebens habe ich oft Asylbewerberheime besucht und auch mit den Bewohnern gesprochen. Dort wo die untergebracht werden, würde ich selbst nicht leben wollen.
      Das nur als Beispiel, solange du nicht ein paar Meilen in den Stiefeln der anderen Person gehen musstest, malt man sich in seiner Fantasie immer aus, dass es einem im Vergleich zu anderen schlechter geht. Man sieht ja meist auch nur die Menschen an der Spitze und glaubt, das alle so leben wie diese Leute. Andersrum ist es übrigens auch so, gibt ja auch viele, die glauben, dass alle Afrikaner in Lehmhütten hausen, weil sie ein paar Dokus im Fernsehen gesehen haben.

      Ist vermutlich menschlich, gerade bei Personen die eher eine niedrige Intelligenz besitzen. Die können nämlich oft nicht abstrahieren. Bei den Frauen die im Bildungssystem arbeiten denke ich aber, dass die notwendige Intelligenz vorhanden ist. Ich gehe davon aus, dass das bei denen System hat und sie es aus Machtstreben machen.

  2. Ein Zeichen für den von Links-Grünen angestrebten Umbau der Gesellschaft. Deutschland soll nicht nur als Gesellschaft, sondern auch sprachlich aus dem Bewusstsein getilgt werden.

        • Jein.
          Wenn ich dran denke, wie oft ich erst Worte und Sätze suchen muss, um einen bestimmten Gedanken auszudrücken, dann sehe ich, dass das Denken primär ist (zumindest oft genug).
          Andererseits hast aber auch recht, Sprache bildet auch einen entsprechenden „Kanal“, aus dem raus zu denken manchmal recht anstrengend ist

      • „Sie glauben ja, dass die Sprache das Denken bestimmt, also wenn man anders spricht wird man auch anders denken.“

        Der Akt der sichtbaren Unterwerfung unter neue Sprachregelungen von oben verändert tatsächlich das Denken.
        Und die sich Unterwerfenden sind, wie Konvertiten, auf einmal hochmotiviert, alle anderen zu unterwerfen.

        • Ist wohl anders gemeint. Nach der postmodernen Sprachphilosophie konstituiert Sprache überhaupt erst Realität (So konnte man z.B. sagen, der Pharao Ramses könne 1200 v. Chr. nicht an Tuberkulose gestorben sein, da der Tuberkulose-Erreger erst im 19. Jahrhundert entdeckt wurde).

          Ebenso wenig wird man durch genderneutrale Bezeichnungen den Menschen die Auffassung eintrichtern können, es gäbe mehr als zwei Geschlechter.

          Die Realität ist von Bezeichnungen durch Menschen unabhängig.

        • Sprache und Denken stehen in Wechselwirkung zueinander. Einerseits beruht die Sprache auf den Gedanken, andererseits formt das Sprechen auch die Gedanken weiter aus.

          Damit muss man unter Umständen vorsichtig sein. Ein kompetenter Schuldirektor hat während der Lehrerausbildung den angehenden Lehrern dringend geraten, sich bewusst zu sein, wie sie über ihre Schüler sprechen. Wenn man Schüler zu oft sprachlich abwertet (in deren Abwesenheit, natürlich 😉 ) – „Pappnasen, Trottel, Idioten“ – , wozu sie einem ja doch manchmal Anlass geben, schlägt das eben auch auf das Denken und dann den generellen Umgang mit den Schülern durch. Deshalb sollte man auch in seiner Sprache auf ausreichend Respekt gegenüber den Schülern achten, sonst verliert man diesen Respekt irgendwann auch im Denken, und das ist schlecht in dem Beruf.

  3. Ist von 2015, daher vielleicht schon bekannt:

    „Der Verkehrswesenstudent Sebastian Zidek hat durchgesetzt, dass er seine Prüfungs- und Seminararbeiten an der Technischen Universität Berlin nicht mit Binnen-Is, Sternchen oder Unterstrichen in Personenbezeichnungen versehen muss.
    (…)
    Die Lehrkraft schrieb ihm zurück, das Gendern sei „eine Vorgabe seitens der TU Berlin“, deren Nichtberücksichtigung einen Punktabzug zur Folge habe. Außerdem habe es sich „inzwischen als gesellschaftlicher Konsens auch in wissenschaftlichen Ausarbeitungen niedergeschlagen“. Und wenn er sich entschließe, eine Prüfung oder Seminararbeit stattdessen nur auf Wissenschaftlichkeit und Lesbarkeit hin auszurichten und dafür eine schlechtere Note bekomme, dann werde ihm „alles diskutieren“ nichts helfen.
    Darauf hin wandte sich Zidek an die Rechtsabteilung der TU-Berlin, die ihm mitteilte, dass es die von der Lehrkraft behauptete Vorgabe der Universität zur Verwendung einer „gendergerechten Sprache“ gar nicht gibt. “

    https://www.heise.de/tp/features/Lehrkraft-darf-Studenten-nicht-zum-Gendern-zwingen-3373930.html

    Meiner Erinnerung nach hieß es in einem anderen Artikel, die Lehrkraft habe grundsätzlich mit der schlechtesten Note gedroht, völlig unabhängig von inhaltlicher Qualität.
    Sind solche Leute Überzeugungstäter, oder bringt sowas Fördergelder? Gendergerechte Schreibweise iüberprüfen st ja nochmal Zusatzaufwand, zumal die meisten Dozenten sie selber nicht wirklich beherrschen.

    • „zumal die meisten Dozenten sie selber nicht wirklich beherrschen.“

      Sprachwissenschaftlich gesehen wäre mal eine umfangreiche Analyse von großen aktuellen Textmengen interessant unter der Fragestellung: Wie oft wird der Begriff „Täter“ gegendert? Meine These: Das Ergebnis wird zeigen, dass Genderfreunde das Gendern vorwiegend nur positiv konnotiert einsetzen. Und damit hat es eindeutig einen anderen Zweck als die Feministen behaupten.

  4. Es ist mir recht schleierhaft, wie in MINT-Arbeiten gegendert werden soll.
    Wird aus dem elektrischen Leiter dann die Leiterin? Aus dem Hamilton-Operator die -Operator*in?
    Sind kontravariante Tensoren dann als Tensorinnen zu bezeichnen, die kovarianten aber nicht? Oder umgekehrt?
    Werden die virtuellen Maschinen zu RechnerInnen, und die Server zu RechnerAußen?
    Fragen über Frag:innen ..

  5. Soweit ich weiß, gibt es überhaupt keine verpflichtende Rechtschreibung. So darf ich eine Arbeit auch in der alten Rechtschreibung verfassen. Ggf muss ich es voher anmerken, wenn es von der sonst allgemein üblichen Rechtschreibung abweicht: „Diese Arbeit ist vollständig in der alten Rechtschreibung verfasst, mit Ausnahme von Zitaten, welche buchstäblich übernommen werden“.

    Anders ist es allerdings mit Arbeitgebern, ein Arbeitgeber kann seinen Angestellten natürlich eine bestimmte Rechtschreibung vorschreiben. Das dürfte dann auch für Behörden gelten. Allerdings sind Studenten keine Angestellten an einer Universität, also jedenfalls in der Funktion als Studenten. Professoren wiederum sollten auch als Angestellte einer Universität eine gewisse Freiheit genießen. So sollte ein Professor nicht gezwungen werden dürfen, einer politischen Ideologie zu folgen. Das verbietet die grundrechtliche Freiheit der Wissenschaft und Lehre.

    Was ist eigentlich mit lokalen grammatikalischen Unterschieden? Darf man zB in Süddeutschland „wie“ und „als“ verwechseln? Ich denke ja.

  6. Warum sind eigentlich Feministinnen als Lobbygruppe so viel erfolgreicher geworden in den letzten Jahren?

    Ist man in der Politik der Meinung dass Frauen sich von den Themen angesprochen fühlen und sie als Wählerblock entscheiden?
    Nutzen Feministinnen Social Media als Einflussinstrument besser?
    Wollen andere Parteien die derzeit erfolgreichen Grünen, die ja die Feminismus-Partei par excellence sind, kopieren?
    Mehr Frauen in der Politik bedeutet mehr Feminismus?

    • Mehr Frauen in gesellschaftlichen Positionen bedeutet schlicht mehr Feminismus. Denn der Feminismus ist keine Abirrung. Er ist lediglich eine spezifische Ausprägung des Wesens der Frau und ihrem Bedürfnis nach Erziehung einerseits und Bevorzugung andererseits.

  7. Pingback: Many Shades of Gender (12): Wieso müssen die Gender Studies alles gendern? | Alles Evolution

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.