„Medien, die sagen, dass Frauen ihre Meinung ändern und sich doch auf einen Mann einlassen könnten, der sie lange umwirbt, sind schuld am Frauenhass der Incels“

Arne hat auf einen Artikel hingewiesen, der von Incels handelt und welche kulturellen Einflüsse den bei diesen bestehenden Frauenhass bewirkt haben.

Schuld ist natürlich Pickup, weil es suggeriert, dass Frauen auf bestimmte Techniken reagieren (was natürlich falsch ist). Das es nicht funktioniert würde man ja bereits daran sehen, dass es ein Forum namens PickupHate gab, indem sich Leute gesammelt haben, bei denen es nicht klappte (Meiner Meinung nach zeigte Elliots Rodgers Manifest gerade, dass er Pickup abgelehnt und gerade eben nicht versucht hat, weil er wollte, dass Frauen auf ihn stehen ohne das er dafür etwas macht, aber gut)

Dann aber wird es eigentlich viel interessanter, denn sie legt sich auch noch mit sehr beliebten Serien an:

Ich glaube, eine große Rolle spielen aber auch generell so popkulturelle Tropen, die einfach suggerieren, dass man der Richtige für eine Frau sei, obwohl sie anfangs nein sagt. So klassische Beispiele dafür sind Serien wie „Friends“ oder meine persönliche Hass-Serie „The Big Bang Theory“. Das sind alles so popkulturelle Produktionen, in denen es darum geht, dass der männliche Protagonist das Projekt der Begierde hat, sie weiß das halt nicht, sie sagt anfangs nein, aber er lässt nicht locker, weil es ist ja seine Traumfrau, und das Narrativ gibt ihm Recht.“

Die Darstellungen von männlichem Begehren, das ein mögliches Nein der Frau im Prinzip ignoriert, sind bei genauerem Hinsehen in der Popkultur in der Vergangenheit omnipräsent. Sie prägen eine weitverbreitete toxische Männlichkeit, in der Männer zum Beispiel nicht mit Frauen befreundet sein können, oder nicht über ihre Gefühle reden, und die überhaupt die Grundlage bildet für eine spätere Radikalisierung hin zum Incel.

Das hörte man ja im Feminismus schon häufiger und es ist im Prinzip eine Ausprägung von „Nein heißt nein“: Wenn eine Frau nein sagt, dann hat er es zu lassen und nichts weiter zu machen.

Im Fall von Friends muss ich aber erst einmal gleich protestieren:

Rachel und Ross verläuft keineswegs so, dass er ihr einfach hinterher läuft:

Zu Beginn der Serie werden die sechs Freunde vorgestellt: Rachel, Monica, Phoebe, Joey, Chandler und Ross. Rachel ist von ihrer Hochzeit mit ihrem Verlobten Barry ins Café Central Perk geflohen, wo sie Monica, ihre beste Freundin von der Highschool, vorfindet und um eine Mitwohngelegenheit bittet, woraufhin sie tatsächlich bei ihr einziehen darf. Monicas Bruder Ross, der schon seit Highschool-Zeiten eine Schwäche für Rachel hat, versucht ebenso beständig wie erfolglos, ihr dies mitzuteilen, während seine lesbische Ex-Frau Carol ein Kind von ihm erwartet. Der Junggeselle Joey ist ein erfolgloser Schauspieler, wohingegen Phoebe als Masseurin arbeitet. Chandler beendet seine Beziehung mit Janice, die auch in späteren Staffeln immer wieder auftaucht. Am Ende der Staffel verrät Chandler versehentlich, dass Ross in Rachel verliebt ist, die dann begreift, dass sie genauso für Ross empfindet. In der letzten Szene der Staffel erwartet Rachel den von einer Reise zurückkehrenden Ross am Flughafen.
Am Anfang der zweiten Staffel wartet Rachel am Flughafen auf Ross, um ihm ihre Liebe zu gestehen. Er erscheint jedoch in Begleitung seiner neuen Freundin Julie, sodass es nun Rachel ist, die über mehrere Folgen Ross ihre Gefühle verschweigt, woraufhin die beiden dann aber doch zusammenkommen.

Hier haben wir also weniger einen Mann, der alleine hinter einer Frau herläuft, die ihn bereits abgelehnt hat, sondern beide tanzen umeinander herum, beide verpassen Chancen und beide bemühen sich zu gewissen Zeiten um den anderen. Das geht immer so weiter und es ist keineswegs Ross alleine, der da mit Tricks arbeitet. Die Zeugung ihres Kindes immerhin erreicht sie mit einem Trick, den sie direkt von Joey, dem alten Aufreißer übernommen hat:

Years ago, when I was backpacking across Western Europe, I was just outside Barcelona, hiking in the foothills of mount Tibidabo. I was at the end of this path, and I came to a clearing, and there was a lake, very secluded, and there were tall trees all around. It was dead silent. Gorgeous. And across the lake I saw, a beautiful woman, bathing herself. but she was crying…

Und auch bei der Big Bang Theory kann man anführen, dass sich etwas entwickelt und es aus der Geschichte heraus verständlich ist, dass sie etwas miteinander anfangen. Auch hier ist es nicht nur Lennard, der ihr hinterher rennt, sondern auch Penny macht das ihre.
Aber bereits der Gedanke, dass ein Nein für immer Nein bedeuten muss und es sich nicht lohnen kann dran zu bleiben und um jemanden in einem normalen, nicht stalkerischen Umfang zu werben ist ja schon reichlich lebensfern. Ich kenne lang anhaltende Beziehungen und Ehen, die so entstanden sind und das gleich mit Attentaten und Incels in Verbindung zu bringen ist schon ein starkes Stück.

Weiter in dem Text:

Aber es tut sich etwas, meint Veronika Kracher. Sie sagt: Viele aktuelle Serien wie beispielsweise „Adventure Time“ zeigen ein viel diverseres und vielschichtigeres Gesellschaftsbild und damit auch eine andere Sicht auf Männlichkeit. Neue männliche Protagonisten wie in den Serien „Sex Education“ oder „The End of the fucking world“ sind keine Übermänner, sondern sie zeigen ihre Unsicherheiten, sie sprechen über ihre Gefühle und zeigen damit, dass auch nicht-toxische Männlichkeit möglich und erzählenswert ist.

In „Adventure Time“ sind die Hauptprotagonisten ein 12jähriger Junge und sein magischer (sehr menschlicher) Hund.  Er wäre gerne ein Held und hat vor langer Zeit geschworen, jedem zu helfen, der in Not ist, und gute Taten zu vollbringen.

Die anderen Serien kenne ich nicht.

Allerdings hat weder Friends noch The Big Bang Theory Übermenschen. Im Gegenteil, Ross hat sehr viele Schwächen und ist eher zu Gefühlsbetont in vielen Bereichen und die Hauptdarsteller bei BBT sind Nerds, sozial stark eingeschränkt und weit davon entfernt besonders männlich zu sein (jedenfalls in dem klassischen Sinne des großen starken Helden).

Insgesamt kommen mir die Theorien dort sehr unausgereift vor. Irgendwie einfach mal Incels etc bashen und das noch irgendwie mit weiterer Kultur verbinden: Alte Serien schlecht, neue ausgewählte Serien gut.

Deutschlandfunk“ als öffentlich rechtlicher Sender scheint sowie ein Hort intersektionaler Theorien zu sein. Oder kommt mir das nur so vor?