„Um Orchester diverser zu machen sollte man“blindes Vorspielen“ abschaffen

Ein interessanter Artikel:

During the tumultuous summer of 1969, two Black musicians accused the New York Philharmonic of discrimination. Earl Madison, a cellist, and J. Arthur Davis, a bassist, said they had been rejected for positions because of their race.

The city’s Commission on Human Rights decided against the musicians, but found that aspects of the orchestra’s hiring system, especially regarding substitute and extra players, functioned as an old boys’ network and were discriminatory. The ruling helped prod American orchestras, finally, to try and deal with the biases that had kept them overwhelmingly white and male. The Philharmonic, and many other ensembles, began to hold auditions behind a screen, so that factors like race and gender wouldn’t influence strictly musical appraisals.

Blind auditions, as they became known, proved transformative. The percentage of women in orchestras, which hovered under 6 percent in 1970, grew. Today, women make up a third of the Boston Symphony Orchestra, and they are half the New York Philharmonic. Blind auditions changed the face of American orchestras.

Also nach dieser Ansicht erst einmal ein großer Erfolg. Wobei man davon ausgehen darf, dass seit den 60ern auch die Anzahl der weiblichen Berufsmusiker stark gestiegen ist. Es wäre interessant wie sich die Quote von „weiblichen Bewerbern zu weiblichen Mitgliedern im Ensemble“ verändert hat.

But not enough.

American orchestras remain among the nation’s least racially diverse institutions, especially in regard to Black and Latino artists. In a 2014 study, only 1.8 percent of the players in top ensembles were Black; just 2.5 percent were Latino. At the time of the Philharmonic’s 1969 discrimination case, it had one Black player, the first it ever hired: Sanford Allen, a violinist. Today, in a city that is a quarter Black, just one out of 106 full-time players is Black: Anthony McGill, the principal clarinet.

Interessanterweise fehlt auch hier die Angabe des Verhältnisses von Bewerbern zu Angenommen. Wenn eben Schwarze und Latinos eher in anderen Bereichen tätig sind als bei klassischen Instrumenten eines Orchesters, dann muss das ja keine Diskriminierung sein. Es kann schlicht ein Ausleben von Vorlieben sein oder ein Umstand, der auf ein anderes Verhältnis zu klassischer Musik in den jeweiligen Kulturen zurück zu führen ist. Vielleicht sind Schwarze etwa ganz klischeehaft lieber im Kirchenchor als Geige zu erlernen.

The status quo is not working. If things are to change, ensembles must be able to take proactive steps to address the appalling racial imbalance that remains in their ranks. Blind auditions are no longer tenable.

This well-intentioned but restrictive practice has prevented substantive action when it comes to the most essential element of maintaining an orchestra: hiring musicians. Musicians’ unions, which have in many ways valiantly worked to protect their members in an economically tenuous industry, have long been tenacious defenders of blind auditions, asserting that they are the best way to ensure fairness.

But in sticking so stubbornly to the practice, unions may be hurting themselves, their orchestras and their art form. Hanging on to a system that has impeded diversity is particularly conspicuous at a moment when the country has been galvanized by revulsion to police brutality against Black Americans — and when orchestras, largely shuttered by the coronavirus pandemic, are brainstorming both how to be more relevant to their communities and how to redress racial inequities among their personnel when they re-emerge.

If the musicians onstage are going to better reflect the diversity of the communities they serve, the audition process has to be altered to take into fuller account artists’ backgrounds and experiences. Removing the screen is a crucial step.

Wenn jemand auf Ergebnisgleichheit aus ist, dann darf er in der Tat keine blind auditions machen. Er muss gezielt die Personen heraussuchen, die er noch für sein Ergebnis braucht, egal ob sie sich rein aufgrund der Qualität durchgesetzt hätten.

 

25 Gedanken zu “„Um Orchester diverser zu machen sollte man“blindes Vorspielen“ abschaffen

  1. Kein Wort zu den Bewerber zahlen, keine Aussagekraft ausser

    Wieviele X von Y Bewerber sind schwarz oder Latinos, wieviele Bewerber sind Frauen. Klassische Konzertmusiker verbringen erstmal Jahre mit der Ausbildung, dass muss man sich leisten können UND was viel wichtiger ist man muss auch mit dem Scheitern leben können. UND nach der Investition ist garantiert nicht sicher dass man davon reich oder ein gutes Einkommen erzielt. Was verdient denn so ein Konzertgeiger?
    Ob das vielleicht für Töchter und Söhne der reichsten 5% einfacher ist? Und wieder sind wir beim großen Gleichmacher GELD!

  2. Die eigentliche Frage ist doch, warum, zum Kuckuck, überhaupt ein bestimmter Frauenanteil erreicht werden muß. Die Aufgabe eines Orchesters ist es, Musik zu spielen. Den meisten Zuhörern ist das Geschlecht der Akteure doch völlig schnurz, die wollen einfach nur eine hochwertige Darbietung genießen.
    Für mich einer der Grundwidersprüche des Feminismus: Erst heißt es, Geschlecht dürfe keine Rolle spielen, und dann achtet niemand so sehr auf das Geschlecht wie Feministinnen.

  3. Das ist so großer Unsinn… Vor allem weil einfach jeder ein Orchester gründen kann. Hier in Europa gibt es so viele tolle Jugendorchester, die was weiß ich an welchen tollen Locations auftreten und das Publikum verzaubern. Gründet halt euer „Black Synphony“ oder „New York Womens Orchestra“. Wenn ihr gut seid, werdet ihr gebucht.

    Von dem Screen-Zeugs halte ich definitiv nichts. Als Orchestermusiker ist man sowieso einer von vielen, und der Applaus muss ankommen. Ich finde, dass Orchestermusiker zu wenig gewertschätzt werden und sie dann hinter einen Screen zu sperren… Übel Übel…

    Und zum Schluss: Schonmal in einen X-beliebigen Chor geschaut? Die sind so divers, dass sie schon wieder undivers sind… Mit Glück zwei Männer und Gospel ist in US and A sowieso schwarz.

  4. Sehr interessanter Artikel, der gut zeigt, wie absurd eine Identitokratie gegenüber einer Meritokratie ist. Wenn man z. B. LBGT in die Gleichung mit einführt, wie soll das aussehen? Frägt man die Menschen dann beim Einstellungsgespräch nach ihren sexuellen Vorlieben? Und was ist eigentlich mit Nationalität? Spielt das auch eine Rolle?

    Und was soll das eigentlich heißen, „better reflect the diversity of the communities they serve“ (originalartikel)? Heisst das jetzt, die Diversität soll der Stadt angepasst werden? Oder vielleicht der Nation? Dem Staat? Oder den Zuschauern? Vielleicht den Abonnementinhabern?

    Die Beantwortung dieser Frage ist willkürlich. Und auch schwierig zu gestalten. Was macht man denn, wenn sich die Zusammensetzung der Zielgruppe ändert? In meinem Job nennt man so etwas over-engineered. Eine Lösung, die so komplex ist, dass sie unwartbar ist, unverständlich, und kaum umzusetzen. Dazu neigen politische Lösungen gerade der Linken ja oft, wenn sie solange gerecht für jeden sein wollen, bis sie ungerecht für alle sind (Die Rechten machen das anders, da nützt es am Ende den Reichen oder den eigenen Amigos).

    Am Ende sind in Orchestern aus dem gleichen Grund wenige Schwarze wie in der NBA ausschließlich Schwarze sind. Weil man, um in einem Orchester Profimusiker zu sein, oder in einem NBA Team Profi Basketballer zu sein, sein ganzes Leben darauf ausrichten muss. Und dazu noch talentiert sein. Und ehrgeizig. Und Glück haben. Ist das denn etwas, das Schwarze ausgiebig machen? Im Vergleich zu Weissen, Latinos oder Asiaten? Wieso sollte denn in klassischer Musik, die ein typisch europäisches Kulturerbe sein, ein signifikanter Schwarzen Anteil vorhanden sein? Ist das nicht cultural appropriation, kulturelle Aneignung? Und wieso sollten denn Schwarze, die Musik machen, klassische Musik machen, statt Jazz, Blues, oder Hiphop, die wesentlich mehr in ihrer Kultur verankert sind?

    Lauter unangenehme Fragen, deren Antwort wahrscheinlich aus einem Angriff auf den Fragenden bestehen würde.

    • Dazu neigen politische Lösungen gerade der Linken ja oft, wenn sie solange gerecht für jeden sein wollen, bis sie ungerecht für alle sind (Die Rechten machen das anders, da nützt es am Ende den Reichen oder den eigenen Amigos).

      Wie jetzt? Die SPD ist rechts?
      Mag sein, dass es über deinen politisch unkorrekten Horizont hinaus geht. Aber Klientelpolitik machen eigentlich alle Parteien, gleich welcher „Richtung“. Aber ohne ein Mindestmaß an AfD-Bashing, und mag es noch so Singerei sein, geht es nicht, oder?

  5. Hip Hop in den USA ist auch viel zu dominiert von Schwarzen. Wir brauchen dort unbedingt mehr Diverstiy! Ah nee, wenn Weiße Hip Hop machen, ist das cultural appropriation.

  6. Um etwas diverser zu machen, muss man schon ganz offen diskriminieren dürfen!

    Absolut enttäuschend zu sehen, dass die Rufe nach Gleichheit bei den Meisten über die letzten Jahrzehnte vermutlich immer darauf angelegt waren, bei der passenden Gelegenheit- jetzt – die Diskriminierung der anderen zu fordern. Was für eine epochale Lebenslüge der Linken ist das, ein ungeheuerlicher Ausblick. Statt die Lebenslüge ins Auge zu fassen und ehrlich damit aufzuräumen, laufen immer mehr wie die Schafe ihren falschen Idealen hinterher und bilden sich nun ein, ihre Ideale von Gleichheit würden am besten durch Diskriminierung sichergestellt, Meinungsfreiheit durch Zensur und Frieden durch Kriegstreiberei ….

  7. Es kann ja wohl überhaupt nicht angehen, den für das Erreichen einer wahrhaft humanen Gesellschaft so wichtigen woken Aktivismus durch das perfide Verstecken von Rasse- und Diskriminationsmerkmalen zu torpedieren! Da ist Klare Kante usw. gefragt!

  8. Also die blind Auditions haben zu entschieden mehr Frauen in den Orchestern geführt, aber nicht zu mehr rassischer Diversität? Und deshalb müssen sie abgeschafft werden, weil Nicht-Diskriminierung nicht ausreicht und durch positive Diskriminierung von PoC ersetzt werden muss?

    Es ist z.Z. generell festzustellen, dass der Focus der Linken sich von der Bekämpfung von Diskriminierung weg hinzu positiver Diskriminierung von Identitätsgruppen wendet, so auch z.B. 50% Frauen in den Parlamenten auch wenn sich weit weniger Frauen politisch engagieren.

  9. „Wenn jemand auf Ergebnisgleichheit aus ist, dann darf er in der Tat keine blind auditions machen.“

    Hm. Bei dieser Art von „Ergebnisgleichheit“ ist das Ergebnis bloß nicht gleich. Sondern tendenziell schlechter.

  10. Mir geht es so, dass mir völlig egal ist, wer im Orchester dazu beiträgt, dass das Dargebotene super ist, manchmal aber, wenn ‚Hurz‘ gespielt wird (man will ja auch als Orchester am Phänomen Regietheater teilhaben), schweifen meine Gedanken gerne ab und lassen sich von hübschen Frauen im Orchester inspirieren.

  11. Man muss aber wenigstens respektieren, dass der Autor der NYT davon ausgeht, dass es unter den wenigen Athleten der Spitzenklasse, die zu den Auditions antreten, kaum Unterschiede gibt. Insofern sei es sehr unwahrscheinlich, dass ein spürbarer Qualitätsverlust eintreten würde. Ob man den Ersten, Zweiten, Dritten oder Zehnten nimmt, macht, nach seiner Einschätzung, also keinen wirklichen Unterschied. Und darum sei es zulässig und wichtig, die bisherige Aller-allerbestenauslese zugunsten von Ergebnisgleichheit in Bezug auf Rassen zu beenden.

    • Wenn von den 1000 Besten nur 8 schwarz, pardon: Schwarz, sind und von den 10.000 Besten nur 100, und man will in jedem Orchester 12% schwarze, pardon: Schwarze, besetzen, dann wird das Nummernspiel aber schnell sehr, sehr knifflig.

      Denn es gibt über 1200 Symphonieorchester in USA. Und jedes Orchester hat rund 100 Musiker.

      Da ist man schnell in der 3. oder 5. Liga, um auch in Dallas noch einen Schwarzen zu finden, obwohl es eigentlich noch einige weiße oder asiatische Erstligisten unter den Bewerbern gibt.

      Dass BLM-Fanatiker längst nicht zufrieden sind, sobald alle 1200 Orchester exakt 13% Schwarze beschäftigen, weil dann sofort jemandem auffällt, dass in der 1. Geige ja nur 2% sitzen, ist bei dem ganzen Unsinn noch nicht mal betrachtet.

      Und die Begründung für das „wichtig“ im Satz „Und darum sei es zulässig und wichtig,“ steht auch noch aus.
      Wieso ist das wichtig?
      Ist das in dem gleichen Maße und Sinne wichtig, wie es wichtig ist, beim Sprechen des Wortes „Wohnungsinnenausbau“ eine kurze Pause vor „innen“ zu machen, i.e. gar nicht?

  12. Ich bin da ganz deiner Meinung.

    Dieses ganze überdrehte Equality- und Diversity- Gedöns, auf das der Autor seinen Standpunkt stützt, ist in der aktuellen Ausprägung ist nur ein einziger Witz.
    Der Autor geht aber, Kind seines elitären und sicherlich gutmenschlich voll auf Linie progrerssiven liberalen Ostküsten-IrgendwasMitMedien/IrgendwasMitKultur-Umfeldes, einfach davon aus, dass diese Equality/Diversity- Ziele nicht mehr hinterfragt und begründet werden müssen. Because reasons. Isso. Dogmen muss man nicht begründen. Die hat man, die glaubt man, und gut is.
    Und er glaubt darüber hinaus noch, dass es genügend nahezu gleich exzellente Top-Musiker gibt, die eine Abkehr von blind auditions und ein Ausweiten der Einstellungskriterien auf eben die genannten in Stein gemeißelten Diversity-und-Gedöns-Ziele zulassen. Ich glaube das nun nicht, aus den Gründen die du selbst ausgeführt hast. Die Rechnung geht nämlich einfach nicht auf.
    Man kann nur noch den Kopf schütteln.

    Allerdings – wir müssen hier in D verdammt gut aufpassen, dass diese Denke hier nicht überhand nimmt. Ansätze dazu gibt es bereits.

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