Was ist eigentlich Identitätspolitik?

Identitätspolitik ist ein gerne verwendeter Begriff, aber was genau damit gemeint ist bleibt häufig unklar. Gerne wird auch angeführt, dass eigentlich alles Identitätspolitik ist, weil jeder irgendwie Teil einer Gruppe ist.

Aus meiner Sicht liegt eine Identitätspolitik vor, wenn man davon ausgeht, dass es ausreicht die Gruppenidentität(en) von jemanden zu bestimmen um seine Interessen etc zu kennen. Die Identität wird also wichtiger als das Individuum und die Gruppe hat ein Interesse, eine gemeinsame Lage, die es zu gestalten gibt, sie sind ein einheitlicher Blog, der Individualinteressen uninteressant macht.

Identitätspolitiken müssen daher üblicherweise erst eine bestimmte Identität bestimmen, die die „richtige“ Identität ist und nach der dann die Interessenvertretung ausgerichtet wird. Mitglieder der Gruppe werden also nur dann vertreten, wenn sie dieser „richtigen“ Gruppenidentität folgen und deren angenommene Ziele teilen. Ansonsten sind sie eben „Verräter“ der Gruppe und nicht eine Untergruppe, deren Interessen ebenfalls zu berücksichtigen sind.

Das Gefährliche an einer Identitätstheorie ist aus meiner Sicht, dass man wenn man erst einmal so weit ist, dass sie nur eine gemeinsame Einheit bilden, dass sie alle aus bestimmten Interessen handeln und es keinen Individualismus mehr gibt, wenn man also nicht mehr Interessen im Schnitt annimmt, sondern die Gruppe als ein Individuum sieht, es auch nicht mehr weit ist bis zur Zuweisung bestimmter Eigenschaften oder einer bestimmten Schuld zu dieser Gruppe.

Bei Rechten wäre das zB „die Erhaltung der weißen Rasse“ oder „die Überlegenheit des arischen Volkes über die Untermenschen“ und auf der anderen Seite Zuweisungen wie der „Geizige Jude“ oder die Zuweisung einer Schuld an alle Juden (oder heute etwa Flüchtlinge) an einer bestimmten als schlecht bewerteten Situation, die es rechtfertigt gegen diese vorzugehen.

Bei Linken wäre es früher der Gedanke gewesen, dass die „Kapitalisten“ alle Ausbeuter sind und die Arbeiter benachteiligen, heute ist es eben die Zuweisung bestimmter Interessen an Frauen (Führungspositionen haben und genau das gleiche Geld zu verdienen wie Männer bzw die gleiche „Macht“ zu haben) und an Männer („Die Führungspositionen für sich alleine zu haben und mehr Geld für die gleiche Arbeit zu erhalten als Frauen“) verbunden mit dem Zuweisen negativer Eigenschaften wie „Toxische Männlichkeit“, der Verantwortung für Vergewaltigungen etc.

Hier noch mal die Definitionen aus der deutschen Wikipedia:

Der Begriff Identitätspolitik (englisch identity politics) ist eine Zuschreibung für politisches Handeln, bei dem Bedürfnisse einer jeweils spezifischen Gruppe von Menschen im Mittelpunkt stehen. Angestrebt werden höhere Anerkennung der jeweiligen Gruppe, die Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Position und die Stärkung ihres Einflusses. Um die Mitglieder einer solchen Gruppe zu identifizieren, werden kulturelle, ethnische, soziale oder sexuelle Merkmale verwendet. Menschen, die diese Eigenschaften haben, werden zu der Gruppe gezählt und häufig als homogen betrachtet. Menschen, denen diese Eigenschaften fehlen, werden ausgeschlossen.

(…)

Daniela Klimke definiert im Lexikon zur Soziologie Identitätspolitik als einen Begriff der Cultural Studies, der die emanzipatorischen Bewegungen diskriminierter sozialer Gruppen bezeichne, wie etwa die Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement) in den Vereinigten Staaten. Identitätspolitik werde durch die Betroffenen (beispielsweise Frauen, Schwulen, Hindus) auch dadurch betrieben, dass sie stigmatisierende Zuschreibungen (wie etwa „Nigger“ oder „Kanake“) übernehmen, um deren Bedeutung umzukehren. Identitätspolitik könne zur Assimilation an die Identität der Mehrheit führen, wie zum Beispiel die „Homo-Ehe“, sie kann aber auch durch die Überhöhung kultureller Besonderheiten segregierende und fundamentalistische Züge annehmen. Oft werde die Geltungskraft sozialer Unterscheidungsmerkmale (wie etwa Geschlecht oder Hautfarbe) von der Identitätspolitik verstärkt, was dann die unterdrückende gesellschaftliche Hierarchie und die Opferrolle bestätigt.[7]

Allgemeiner definiert Michael Schönhut: Nach seiner Auffassung besteht Identitätspolitik aus Bemühungen, die Wahrnehmung einer kulturellen Kategorie oder Gruppe bei ihren Mitgliedern zu beeinflussen oder die Wahrnehmung seitens anderer zu steuern. Meist gehe es dabei um Ansprüche oder Interessen, die von einer homogenen Gruppe innerhalb nationalstaatlicher Verteilungskonflikte leichter durchzusetzen sind. Identitätspolitik bedeute immer eine bewusst gesetzte Grenzziehung zwischen dem Eigenen (die dazu gehören) und dem Anderen (die ausgeschlossen sind, vgl. Othering). Ein wichtiges Element sei dabei die Festschreibung des Anderen auf seine Andersartigkeit bzw. des Eigenen auf seine ursprüngliche Wesenheit, wobei innere Differenzen nivelliert werden.[8]

Unter Einbeziehung „rechter Identitätspolitik“ definiert Lorenz Abu Ayyash: Der Begriff stehe zunächst für die Ausrichtung politischen Handelns an Interessen von Menschen, die anhand von Kategorien wie Klasse, Geschlecht, Herkunft oder sexuelle Orientierung zu einer Gruppe zusammengefasst werden. Derartige Kategorien bedeuteten immer auch eine bewusste Grenzziehung, die den Ausschluss des „Anderen“ impliziere. Mit einer solchen Grenzziehung zwischen dem „wahren Volk“ und der „korrupten Elite“ sei rechte Identitätspolitik zuletzt in vielen Ländern bei Wahlen erfolgreicher gewesen als linke

Und aus der englischen Wikipedia:

Identity politics is a term that describes a political approach wherein people of a particular religion, race, social background, class or other identifying factor form exclusive socio-political alliances, moving away from broad-based, coalitional politics to support and follow political movements that share a particular identifying quality with them. Its aim is to support and centre the concerns, agendas, and projects of particular groups, in accord with specific social and political changes.

The term was coined by the Combahee River Collective in 1977.[1] It took on wide-spread usage in the early 1980s, and in the ensuing decades has been employed in myriad cases with radically different connotations dependent upon the term’s context.[2][3] It has gained currency with the emergence of social activism,[clarification needed] manifesting in various dialogues within the feminist, American civil rights, and LGBT movements, as well as multiple nationalist and postcolonial organizations.[4][5]

In academic usage, the term identity politics refers to a wide range of political activities and theoretical analyses rooted in experiences of injustice shared by different, often excluded social groups. In this context, identity politics aims to reclaim greater self-determination and political freedom for marginalized peoples through understanding particular paradigms and lifestyle factors, and challenging externally imposed characterizations and limitations, instead of organizing solely around status quo belief systems or traditional party affiliations.[6] Identity is used „as a tool to frame political claims, promote political ideologies, or stimulate and orient social and political action, usually in a larger context of inequality or injustice and with the aim of asserting group distinctiveness and belonging and gaining power and recognition.“[4]

Contemporary applications of identity politics describe peoples of specific race, ethnicity, sex, gender identity, sexual orientation, age, economic class, disability status, education, religion, language, profession, political party, veteran status, and geographic location. These identity labels are not mutually exclusive but are, in many cases, compounded into one when describing hyper-specific groups (a concept known as intersectionality)—for example: African-American, homosexual women constitutes a particular hyper-specific identity class.[7]

 

Wie würdet ihr Identitätspolitik definieren?

37 Gedanken zu “Was ist eigentlich Identitätspolitik?

  1. Identitätspolitik ist m.E. eine Interessenspolitik für eine ganz klar begrenzte Gruppe, die in der Regel mindestens ein Merkmal bzw. ein Identitätsmerkmal gemeinsam teilt.
    Das heisst: Identitätspolitik, und das scheint mir einer der wichtigsten Merkmale zu sein, ist PARTIKULARISTISCH. Sie macht also nicht Interessenspolitik für alle Menschen, sondern nur für eine ganz klar begrenzte Gruppe: Man könnte hier also den Gegensatz von PARTIKULARISMUS VS UNIVERSALISMUS als ein charakteristisches Hauptmerkmal nennen.
    Das heisst auch: Diese Identitätsgruppen sind in der Regel nicht durch umfassende Werte, Ziele etc. verbunden, sondern quasi nur durch ihr Identitätsmerkmal und die damit verbundene Interessenspolitik.
    Das hat jedoch auch zur Folge, dass diese eine Identitätsgruppe klar von anderen Menschen, die nicht dazugehören, abgegrenzt wird. Man könnte auch sagen: Diese Politik verbindet die Menschen nicht, sondern sie schafft eher Gegensätze, Gräben etc.
    Da der Mensch ja aus vielen Identitäten besteht (wie beispielsweise Mann, Deutscher, Europäer, weiss, heterosexuell, Bayer, Jude etc.), wendet sich eine Politik, die keine Identitätspolitik betreibt, gewöhnlich an diese Menschen, die in ihren multiplen Identitäten angesprochen werden wollen.
    Man sieht hier eigentlich schon die Schwächen des Konzepts der Identitätspolitik: Sie trennt die Menschen eher, als dass sie diese vereint. Sie isoliert Menschen auch voneinander, weil nicht mehr multiple Identitäten angesprochen werden, sondern meist nur noch eine einzige Identität. Und vor allem ist sie nicht durch gemeinsame Werte und Normen verbunden. Identitätspolitik spricht ja alle Menschen an, wenn sie nur die richtige Identität haben: Das können dann auch Nazis sein oder Stalinisten oder Islamisten oder Extremisten oder was weiss ich.

    M.E. ist Identitätspolitik dann höchstens sinnvoll, wenn sie sich in einem Verein, einem Verband, einer NGO etc. organisiert, jedoch nicht, wenn es darum geht, allgemeine Politik zu betreiben, wie dies Parteien in der Regel machen. Eine Partei, die also primär und vor allem Identitätspolitik betreibt, scheint mir nicht sehr sinnvoll zu sein.

    Interessant wär natürlich auch die Frage, weshalb in der heutigen Zeit und ca. seit Ende der 1960er Jahren Identitätspolitik vermehrt aufkommt. Das hat m.E. auch damit zu tun, dass wir vermehrt mit einem Individualisierungs- und Pluralisierungsschub zu tun haben, wo gemeinschaftliche Bezüge immer wie mehr aufgelöst werden (Verlust von einer Art wie Heimat), sodass neue Identitätsmilieus gesucht werden, die eben Gemeinsamkeit, kollektive Identität und Gemeinschaftlichkeit neu entstehen lassen. Der Mensch sucht also auch Halt, Sicherheit, Geborgenheit etc. in solchen neuen kollektiven Identitäten.

    • Einige, der von Dir genannten Aspekte finde ich sehr zutreffend, allerdings auch teilweise unscharf bzw. teilweise widersprüchlich:

      „..Identitätspolitik: Sie trennt die Menschen eher, als dass sie diese vereint. Sie isoliert Menschen auch voneinander, weil nicht mehr multiple Identitäten angesprochen werden, sondern meist nur noch eine einzige Identität. Und vor allem ist sie nicht durch gemeinsame Werte und Normen verbunden. Identitätspolitik spricht ja alle Menschen an, wenn sie nur die richtige Identität haben: Das können dann auch Nazis sein oder Stalinisten oder Islamisten oder Extremisten..“

      Fehlende gemeinsame Werte und Normen sind tatsächlich ein Charakteristikum für die Aspiranten der (neuen) „Identitätspolitik“, wobei sich zuindest darüber streiten läßt, ob Nazis, Stalinisten oder Islamisten je über „gemeinsame Werte und Normen“ verfügen.

      Zentral kennzeichnend für die neue „Identitätspolitik“ ist aber genau das Fehlen jedweder Bestandteile, die die Geborgenheit-vermittelnde menschliche Kleingruppe bietet.
      Als Surrogat für diese, zunehmend zerstörte essentielle Gesellungsform für den Menschen, werden neue, KATEGORIALE „Identitäten“ kreiert, die aber mangels fehlender zentraler Kleingruppnmerkmale, wie z.B. eine Regelmäßigkeit der persönlichen face-to-face-Kontakte, die Verpflichtung und die erlebbare Verantwortungsübernahme für gemeinsame Ziele, letztlich zu einer ENTWURZELUNG des Menschen führen.
      Wi fragil diese neu geschaffenen „Identitäten“ sind, sieht man bei der erfolgreichen Implementierung für KG-Ersatz in Form von Identifizierungs-Möglichkeit mit „der eigenen Fußball-Mannschaft“, die im Regelfall jedes Jahr neu durch Ein- und Verkauf zusammengesetzt wird, und die ein Surrogat für „Heimat“ vermitteln soll.

      ——————————————
      An der Stelle muß ich vorerst unterbrechen, und kann erst später wieder thematisch einsteigen…

  2. Ein paar Anmerkungen: Solche Zuschreibungen von Identität können sich erst in Gesellschaften entwickeln, in denen der gesellschaftliche Status eines einzelnen Menschen oder eines Kollektivs nicht mehr per Geburt in einen Stand, eine Zunft feststeht und gesichert ist.

    Auffällig ist m.E. in der Diskussion um „Privilegien“, dass es sich per Definition um „ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugeteilt wird“ (Wiki) handelt, welches in einer formal egalitären Gesellschaft nicht existieren kann (dass dies nur formal gilt, ist eine Binse).

    Wenn man Männern per Geburt also „Privilegien“ zuschreibt, dann imitiert diese die Zuschreibung von Vorrechten per gesellschaftlichem Stand, in die sie per Biologie hinein geboren werden den Adel.
    Wobei die Seite des „Adel verpflichtet“ zu analysieren ebenso komplett entfällt, wie der konkrete gesellschaftliche Status des Individuums und auch der Gruppe.

    Nur existiert diese und aristokratische und ständische Gesellschaft nicht mehr.
    Die Konstruktion und Zuschreibung einer männlichen Identität über die Biologie macht nur Sinn, weil sie einer theoretischen Zuschreibung folgt, in der Männer die Rolle des Adels spielen und Frauen den Dritten Stand.
    Es ist quasi die Wiederauferstehung all dessen, was der Kapitalismus verdampft hat als Zuschreibung der Theorie.

    Auch die anderen „Identitätspolitiken“ kranken an einer ständigen Vermischung von „an sich“ und „für sich“ und der Frage, was sie vor lauter „Zuschreibungen“ eigentlich tatsächlich sind und warum sie das sind.

    Dieser Satz: „Menschen, die diese Eigenschaften haben, werden zu der Gruppe gezählt und häufig als homogen betrachtet. Menschen, denen diese Eigenschaften fehlen, werden ausgeschlossen.“

    In der Tat werden in einem System „männlicher Herrschaft“ alle Männer homogen den Herrschenden zugeschlagen.
    Sie existieren „an sich“ als biologische Gruppe und haben ein Bewusstsein ihrer eigenen Lage, ihrer Absicht zu herrschen und Mittel entwickelt, ihre Herrschaft samt ihrer Privilegien „für sich“ zu sichern.

    Leider entspricht das weder dem gesellschaftlichen Status der Gruppe „Mann“, noch ihrer gesellschaftlichen Lage.
    Die Homogenisierung von Mann als Gruppe folgt also dem Interesse der Zuschreibung, dass es eine „männliche Herrschaft“ gibt.

    Umgekehrt entsteht die Identitätspolitik der „Frauenpolitik“ als Politik der Unterdrückten, in der die Frauenpolitik von sich behauptet ein „für sich“ zu sein, welches sich aus dem „an sich“ der Frau als Unterdrückte (Identität) ergibt.

    Womit eigentlich alles „Zuschreibung“ ist – die Identität, die Interessen, Herrschaft, Unterdrückung, gesellschaftlicher Status und gesellschaftliche Lage. Aber nichts davon ist real.

  3. Identitätspolitik ist ein Euphemismus für Totalitarismus. Der Mensch wird nicht als Individuum betrachtet, sondern ausschliesslich als Kollektiv. Das Kollektiv wird auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, wie zB in der Feststellung, „Frauen“ würden 20 % weniger verdienen als „Männer“. Die im eigentlichen Sinne so zu nennende Identitätspolitik will gravierende Veränderungen der Lebensbedingungen für Kollektive von Menschen herbeiführen. Üblicherweise nimmt das Formen eines Suprematismus an. Prominente historische Beispiele sind der Kommunismus, der das Kollektiv „Proletarier“ zur herrschenden Schicht machen wollte und das berüchtigste Nazitum, das dem Kollektiv „Arier“ zur Weltherrschaft bringen wollte.

    Andere Definitionen von Identitätspolitik, die nicht den Suprematismus, Kollektivismus und Totalitarismus herausstellen, verwischen und verwässern gerne die Grenzen zur ordinären Politik, die typischerweise partikularistische Interessenpolitik ist. Der entscheidene Unterschied liegt in der kollektivistischen Grundhaltung der Indititätspolitik, währendhingegen die ordinäre Politik individualistisch ist. Die Schwierigkeit der Abgrenzung ist dadurch gegeben, dass Identitätspolitik vom Prinzip her wegen der geschichtlichen Erfahrung mit Kommunismus und Faschismus verpönt ist und deren Vertreter die Indentitätspolitik daher gerne als wahren Individualismus hinstellen und verkaufen! Dies müssen sie auch tun, da im freien Wettbewerb der Ideen in einem demokratischen System immer der Einzelne von seinen individualistischen Interessen her die Wahl bestimmen wird, Die Indentitätspolitik versucht daher die Wahlfreiheit des Individuums zu neutraliesieren und aufzuheben, per Wahlquoten zB (für Frauen). Ein andere Vorangehensweise der Identitätspolitik ist die Errichtung von undemkratischen Institutionen, die demokratische Prozesse „top-down“ aussetzen und abkürzen („Räte“, „NGOs“, etc).

    Identitätspolitik geht immer von einer gravierenden Benachteiligung der daher zu bevorzugten Gruppe aus. So wurden etwa die „Proletarier“ von den „Kapitalisten“ und die „Arier“ von den „Untermenschen“ unterdrückt. Identitätspolitik geht davon aus, dass die Unterdrückung ein ganzes Kollektiv betrifft und von einem unterdrückenden Kollektiv ausgeführt wird.

  4. Ich finde, es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Identitätspolitik und gruppenorientierter Politik. Identitätspolitik richtet sich erstmals an Menschen, die sich aufgrund ihrer subjektiven Empfindungen einer Gruppe zugehörig fühlen. Diese Gruppe muss nicht einmal physisch existent sein.

    Politik für sich benachteiligt fühlende Frauen, Politik für vor Geflüchteten Angst habenden Menschen, Politik für sich aufgrund ihrer Hautfarbe benachteiligt Fühlender. Politik für wegen Klimaveränderungen Beunruhigter.

    Identitätspolitik basiert stets auf einem zentralen emotional Faktor, meist Angst oder dem Empfinden von Benachteiligung. Klassische politische Faktoren wie rechts, links, konservativ, progressiv spielen erst nachrangig eine oder gar keine Rolle.

    Diese emotionalen Faktoren des Individuums werden heutzutage durch Soziale Medien omnipräsent, sie führen zu den heftigsten verbalen Auseinandersetzungen, zu denen fast jeder eine Meinung hat.

    Durch die Dominanz der emotionalen Diskussionen neigen Organisationen, Parteien, sogar Unternehmen dazu, sich zu positionieren. Spätestens dann betreten die Gefühle die Bühne der etablierten Medien.

    Die Folge ist Identitätspolitik, deren Programm letztlich nur darin besteht, gegen das zu kämpfen, das in vielen lauten Menschen Wut, Angst, Missgunst oder Frust verursacht.

    Die Betreiber der Identitätspolitik versuchen dann, den Emotionen einen rationalen und durch Forschung belegten Rahmen zu geben. Es entstehen so genannte Beweise, empirische Werte, die die gesellschaftliche Brisanz der Emotionen belegen sollen.

    Und dann bekommen wir halt Frauenparkplätze. Oder Maßnahmen gegen den teutonischen Alltagsrassismus gegen Schwarze.

    Identitätspolitik entsteht da, wo die Emotion über den Geist gesiegt hat.

  5. Da der Mensch verschiedene Identitäten hat, kann auch eine darauf aufbauende Politik vollkommen unterschiedlich sein.

    Identitätspolitik der „neuen Rechten“ zielt m.E. auf die Erhaltung der Funktionsfähigkeit des nationalstaatlichen „Kollektivs“ (im weitesten Sinne also der Kultur, der Religion, des Rechtsempfindens usw.). Es soll also die Identität des Staatsvolkes geschützt werden (die in sich aber sehr zerklüftet sein kann).

    Aktuelle „linke“ Identitätspolitik zielt (zumindest in meiner Wahrnehmung) genau auf das Gegenteil, sie will jegliche nationalstaatliche Identität zugunsten von Partikularidentitäten auslöschen. In erster Linie wird das darüber erreicht, dass man nationale Identitäten rundheraus abstreitet und als „Konstrukt“ ablehnt.

    Beides mal Identitätspolitik, jedoch mit diametraler Ausrichtung.

    Interessant sind immer die Folgen:

    Eine neurechte Identitätspolitik sieht den Staat (auch) als identitätsbildend und erkennt an, dass dieser als Schutz für die Bürger und ihre Partikularidentitäten notwendig ist. Konflikte entstehen entsprechend eher nach außen, hin zu anderen Staaten (der Klassiker, weshalb manche meinen, man müsse Staaten auslöschen).

    Was aber ist die Folge linker Identitätspolitik? Auch hier muss die Gruppe den Schutz übernehmen, allerdings ist diese i.d.R. sehr viel kleiner. Da der Nationalstaat als schützende und interessenvermittelnde Entität abgelehnt wird, führt das zu der Situation, dass zahlreiche Kleingruppen verbissen miteinander um Privilegien und Ressourcen kämpfen. Eine steigende Zahl von Kleingruppen, weil ja von außen immer neue hinzukommen. Mit steigender Aggressivität, je weniger der Staat regulierend eingreift, denn es geht ja immer gleich ums Ganze, ums Überleben der eigenen Gruppe. Im Klartext: es passiert eine Evolution: das fruchtbarste, skrupelloseste, schlauste Kleinkollektiv wird schlußendlich die anderen unterjochen. Ich schätze, dass in wenigen Jahren von den westlichen Spinnerkollektiven (der wir die Situation verdanken) keines mehr nennenswerten Einfluß hat, sie werden verdrängt von Clan- und Rassekollektiven, weil diese Identität, unterhalb der Nationalstaatsebene, einfach die genetisch am stärksten verankerte ist…

    • Nachtrag: bei Staaten findet diese Evolution natürlich auch statt, deshalb gibt es ja Imperien, wie die USA, die noch eine übergeordnete Identität oben drauf setzen (bei uns die „westliche“). Es hängt viel davon ab, ob und wie man dieses Gerangel minimieren kann, ohne dabei kleinere Identitäten zwangsweise aufzulösen.

    • Mit Verlaub: Bullshit.

      Es war genau der westdeutsche Staat als „Nationalstaat“, der die ostdeutschen Kolonien ermöglicht hat.
      Die Ermöglichung eines Niedriglohnsektors in der Fläche, die Ausweitung der Leiharbeit, die Minderung der Tarifbindung, die Entstehung der „working poor“, die für 6 Euro pro Stunde brutto arbeiten durften.
      Die ungleichen Lebensverhältnisse folgten eben NICHT der Hautfarbe der Zugewanderten, sondern die Hautfarbe war identisch mit denen der im Westen Einheimischen.
      Diese „Partikularinteressen“ haben das möglich gemacht – und zwar parteiübergreifend und DU gehörst dazu.

      Mich kotzt diese Suspendierung der Verantwortung von euch Rechten mit jedem Jahr mehr an.
      Seit 1990 gab es präzise 7 Jahre, an denen ihr NICHT mit an der Regierung wart – das sind 7 Jahren von 30 und in irgendeiner Form hat „Verantwortung“ etwas mit „der Linken“ zu tun?!
      Werde erwachsen.

      • @Crumar

        „Mit Verlaub: Bullshit.“

        Was genau?

        „Es war genau der westdeutsche Staat als „Nationalstaat“, der die ostdeutschen Kolonien ermöglicht hat.“

        Inwiefern widerspricht das meiner Darstellung?

        „Die Ermöglichung eines Niedriglohnsektors in der Fläche, die Ausweitung der Leiharbeit, die Minderung der Tarifbindung, die Entstehung der „working poor“, die für 6 Euro pro Stunde brutto arbeiten durften.
        Die ungleichen Lebensverhältnisse folgten eben NICHT der Hautfarbe der Zugewanderten, sondern die Hautfarbe war identisch mit denen der im Westen Einheimischen. Diese „Partikularinteressen“ haben das möglich gemacht – und zwar parteiübergreifend und DU gehörst dazu.“

        In Wirklichkeit widerspricht deine Darstellung meiner überhaupt nicht. Es gibt im Wesentlichen zwei Gruppen die den Nationalstaat loswerden wollen: die (weniger klugen unter den) Linken und das Großkapital. Letzteres hat sich primär durchgesetzt, erstere geben Schützenhilfe. Statt für den Erhalt eines nationalen Regelungsrahmens zu kämpfen, liegen sie mit dem Großkapital im Bett und träumen davon, es demnächst mit Handschellen am Bettgestell zu fesseln, obwohl es ungefähr zehnmal so stark und schlau ist. Willst du das abstreiten?

        Die Opferpyramidenschei**e ging ebenfalls massiv aus dem linken Lager aus (ja, ja, ich weiß, keine echten Schotten und so), wenn man zu VTs neigt, kann man auch eine bewusste Manipulation durchs Kapital vermuten. Wer weiß, jedenfalls bekämpfen beide solche Leute wie mich.

        Dass es Gruppen gibt, die den Staat auflösen wollen, ist selbstverständlich, problematisch wird es, wenn dieser zu schwach und schlecht organisiert ist, um das zu unterbinden. Auch wenn ich das nicht angeschnitten habe, wüsste ich nicht, wo das meinen Hypothesen widerspricht.

        Mit der Hautfarbe von irgendwem habe ich an keiner Stelle argumentiert, sondern lediglich die Entwicklungsrichtung aufgezeigt, wenn der Nationalstaat weiter schwächelt und die (übrigen) Einzelgruppen vermehrt Macht an sich reißen. Gefällt dir offenbar nicht, dabei kannst du es in den USA doch schon in der Entstehung beobachten. Das Großkapital wird an den Orten für Ruhe sorgen, wo es welche braucht, den Rest wird es fallen lassen. Dumme Linke (also ungefähr 80-90% aus dem linken Lager) werden sich dabei gefallen, weiter Strukturen zu zerstören, auf die Polizei zu schimpfen usw. bis ihnen irgendein Clanchef die Kehle durchschneidet, weil er Ruhe in seinem Revier haben will…

        „Mich kotzt diese Suspendierung der Verantwortung von euch Rechten mit jedem Jahr mehr an.
        Seit 1990 gab es präzise 7 Jahre, an denen ihr NICHT mit an der Regierung wart – das sind 7 Jahren von 30 und in irgendeiner Form hat „Verantwortung“ etwas mit „der Linken“ zu tun?!“

        Ich war nie an der Regierung, du scheinst mir eine Nähe zur CDU zu unterstellen, die nicht existiert. Der Rest ist auch Projektion. Dieses Land ist nicht demokratisch und ich bin kein Politiker, sondern genauso ein wirkungsloser Schwafelbruder wie du. Jetzt wisch dir den Schaum vom Mund und komm wieder von deiner Palme runter…

      • Jetzt wird mal wieder alles schön zusammengemixt, was nicht zusammengehört!
        Solche Vermischungen dienen letztlich nur der Verharmlosung HEUTIGER Identitätspolitik!

        Bei „den Griechen“, und auch vorher und nachher, bis heute, ging und geht es um ein BASIERTES WIR-Gefühl, das sich auf gemeinsame Sprache, Abstammung und iwS gemeinsame Kultur zurückführen läßt.
        Das ist etwas fundamental anderes, als das, um was es in der heutigen, NEUEN Identitätspolitik geht.
        Kennzeichnend für die NEUE Identitätspolitik ist das EHLEN ERFAHRBARER GEMENSAMKEITEN, auf der Basis geteilter Werte, Normen und Ziele.
        Es genügt heute, sich als Anhänger einer abstrakten Idee (z.B. Welt-„Rettung“) zu erklären, und man gehört heute zu „den Guten“ vs. „die Bösen“.
        Weltweit „top down“ vorgegeben ist GenderMainstreaming. Wer diese „Spielregel“ befolgt, kann „Karriere“ machen, vs. demjenigen, der widerspricht; der gilt als überholt-bekämpfungswürdig, notfalls „mit allen Mitteln“…

        • „Bei „den Griechen“, .. geht es um ein BASIERTES WIR-Gefühl, das sich auf gemeinsame Sprache, Abstammung und iwS gemeinsame Kultur zurückführen läßt.“

          Ok, letzteres wäre der Nationalismus. Auch der wäre sehr wohl unter Identitätspolitik zu stellen, sofern es um die Exzesse geht (Chauvinismus), der deutsche Nationalismus ist ja ein Paradebeispiel.
          Die Griechen waren auch gar nicht so harmlos, wie das immer dargestellt wird. Im Wesentlichen war das eine ultrabrutale Sklavenhaltergesellschaft von Kleinstaaten, die nichts anderes tat als Beutekriege zu führen, sehr gerne auch gegeneinander.

          „Kennzeichnend für die NEUE Identitätspolitik ist das EHLEN ERFAHRBARER GEMENSAMKEITEN, auf der Basis geteilter Werte, Normen und Ziele.“

          Was soll daran dann so schlimm sein? Das hört sich jetzt aber wesentlich besser als die Exzesse von Nationalismus und Griechentum ….

          • „Was soll daran dann so schlimm sein? Das hört sich jetzt aber wesentlich besser als die Exzesse von Nationalismus und Griechentum ….“

            These: Exzesse lassen sich leichter in Gruppen etablieren, die keine wesentlich erfahrbaren Gemeinsamkeiten haben, weil man stets das Unglück auf eine kleinere Gruppe oder Individuen „auslagern“ kann wie auf Sündenböcke. Das wiederum hat zur Folge, dass die anderen Individuen sich diesem Exzess leichter anschließen („Puh, Schwein gehabt. Hat nicht mich und meine Familie getroffen.“).

            „Verachtung menschlichen Lebens“ war sehr selten ein WERT, auf den man sich tatsächlich EINIGEN MUSSTE. Es reicht vielmehr, sich einfach nicht auf „Respekt“ einigen zu wollen.

          • @Alex, zunächst mich zitierend:
            „„Bei „den Griechen“, .. geht es um ein BASIERTES WIR-Gefühl, das sich auf gemeinsame Sprache, Abstammung und iwS gemeinsame Kultur zurückführen läßt.“

            „Ok, letzteres wäre der Nationalismus. Auch der wäre sehr wohl unter Identitätspolitik zu stellen, sofern es um die Exzesse geht (Chauvinismus), der deutsche Nationalismus ist ja ein Paradebeispiel.“

            Ich weiß nicht, ob man bei den Griechen schon historisch-korrekt von „Nationalismus“ sprechen kann; und ob damals wirklich schon IDENTITÄTS-POLITIK betrieben worden ist, wage ich zu bezweifeln!
            Aber selbstverständlich ging und geht es doch schon immer um terretoriale und sonstige Ressourcen-„Sicherung“/-Generierung, und Verteidigung derselben, wobei auch Exzesse nicht ausgeblieben sind.

            „Was soll daran dann so schlimm sein? Das hört sich jetzt aber wesentlich besser als die Exzesse von Nationalismus und Griechentum ….“

            Der Unterschied zur Identitätspolitik der „Schönen Neuen Welt“ ist aber, daß es bei der herkömmlichen sozialen Gruppen-Identität/Identitätspolitik immer um ein basiertes, und BELASTBARES Wir-Gefühl ging und geht, demgegenüber für die neue Identitätspolitik kennzeichend ist, daß jederzeit beliebig andere Kategorien als SUGGERIERTES Identifikations-Merkmal herausgepickt werden (können).

            Das ist aber wie Nahrung ohne die Versorgung mit den vom Organismus benötigten vitalen Inhaltsstoffen: einem von seinen natürlichen sozialen Kleingruppen depriviertes Individuum werden neuerdings die beliebig einsetzbaren und absetzbaren „Identifikationsmerkmale“ angeboten, um ihm die Befriedigung seiner benötigten sozialen Bedürfnisse zu suggerieren. Und DAS ist SCHLIMM!

          • @Sabrina
            Du meinst also, die Identitätspolitik heute ist nur deshalb von Übel, da sie keine echte, heimelige Wir-Identität schafft?
            Ich denke, dass jeder Identitätspolitik das Individuum und seine Bedürfnisse schnuppe ist, sofern es nicht der Gemeinschaft dient. Eine Illusionspolitik, die den Individuen dient, das halte ich für illusionär. Aber es ist diese Illusion, die die Anhänger der Identitätspolitik brauchen, um ihr hinterherzulaufen. Und dann stellen sie fest, dass sie von ihren Erwartungen enttäuscht werden… Kein Wunder, es ging ja auch nie um sie selbst und die kollektive Chimäre diente nur dem Machterhalt der kollektivistischen Elite.

            Natürlich hatten die Griechen einen chauvinistischen Nationalismus. Der bestand eben darin, auf alle Nichtgriechen als Barbaren herabzusehen. Dieser Nationalismus ist daher bemerkenswert als dass die Griechen nichts lieber getan haben, als sich zu bekriegen. Die Römer als die absolut gelehrsamen Schüler der Griechen haben ausgerechnet diesen griechischen Chauvinsimus nicht übernommen – und sie konnten zu einer Weltmacht werden, die Griechen aber natürlich nicht! Weil sie, in heutigen Jargon, wesentlich internationalistischer waren.

          • @Alex:
            “ Die Römer als die absolut gelehrsamen Schüler der Griechen haben ausgerechnet diesen griechischen Chauvinsimus nicht übernommen – und sie konnten zu einer Weltmacht werden, die Griechen aber natürlich nicht! Weil sie, in heutigen Jargon, wesentlich internationalistischer waren.“

            Die Römer also gewissermaßen als die Vorläufer der modernen Globalisten, und damit die „Urväter“ (?) der heutigen „Schönen Neuen Identitätspolitik“, die hier von Dir mit dem glorreich-hilfreichen (für wen?) INTERNATIONALISMUS gefeiert wird/werden?!

          • @Sabrina
            Nur keine Angst, Internationalismus bedeutet in der Realität immer und zuerst Handel. Und der schafft den „Wohlstand der Nationen“, was sonst?!
            Ich weiss aber immer noch nicht, warum die moderne Identitätspolitik von dir aus betrachtet so schlimm sein soll.

          • @Alex:
            „Nur keine Angst, Internationalismus bedeutet in der Realität immer und zuerst Handel. Und der schafft den „Wohlstand der Nationen“, was sonst?!
            Ich weiss aber immer noch nicht, warum die moderne Identitätspolitik von dir aus betrachtet so schlimm sein soll.“

            Vielleicht hast Du ja meine Ausführungen dazu übersehen?!:
            Der Mensch ist nicht (nur) das heute ausschließlich als „homo oeconomicus“ bis ins Letzte (?) durchkalkulierte Lebewesen, welches unter „Kosten-/Nutzen“-Gesichtspunkten „gehandelt“ wird.
            Menschen haben auch SOZIALE BEDÜRFNISSE. Und die können angemessen oder strukturell zunehmend verunmöglicht befriedigt werden, was heutzutage der Fall ist.
            Die Suggestion von entsprechender Bedürfnis-Befriedigung vermag aber die nach wie vor bestehenden Sozialen Bedürfnisse von Menwchen nicht angemessen befriedigen, bzw. wie ich schon schrieb:

            „Das ist aber wie Nahrung ohne die Versorgung mit den vom Organismus benötigten vitalen Inhaltsstoffen: einem von seinen natürlichen sozialen Kleingruppen depriviertes Individuum werden neuerdings die beliebig einsetzbaren und absetzbaren „Identifikationsmerkmale“ angeboten, um ihm die Befriedigung seiner benötigten sozialen Bedürfnisse zu suggerieren. Und DAS ist SCHLIMM!

          • @Sabrina, deine Vorstellungen von Identitätspolitik bleiben schwammig und unklar für mich. Bisher ist ja wenig konkret passiert, man hat Gleichstellungspolitik und Förderung von Frauen, das Wahlrecht soll sogar geändert gegendert werden. Daher ist Identitätspolitik vielleicht ein eher leerer Begriff, was die Anwendung angeht. Ich bevorzuge ein theoretisches Vorgehen, eine Definition im breitesten Sinne und eine möglichst umfassende geschichtlliche Einordnung, um auch aufzeigen zu können, wo der Zug hinfährt. Und das sieht ja nicht gut aus.

  6. „Divide et impera(…) empfiehlt, eine zu besiegende oder zu beherrschende Gruppe (wie z. B. ein Volk) in Untergruppen mit einander widerstrebenden Interessen aufzuspalten. Dadurch soll erreicht werden, dass die Teilgruppen sich gegeneinander wenden, statt sich als Gruppe vereint gegen den gemeinsamen Feind zu stellen.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Divide_et_impera

    Die Frage ist natürlich, ob sich die obersten Spalter und Nutznießer auf dem Gipfel der Macht überhaupt mit den Zielen der von ihnen protegierten Gruppen identifizieren. Oder ob sie bei fortgesetzter Unbotmäßigkeit ihrer Hilfstruppen eine Nacht der langen Messer in Betracht ziehn.

    Würde zBsp. Angela Merkel den Feminismus zwecks Machterhalt absägen?

    Werden die Demokraten im Falle eines Wahlsiegs dem BLM- Mob entgegentreten?

  7. Das Entscheidende an „Identitätspolitik“ ist, dass die gemeinsamen Gruppeninteressen anhand von biologischen Merkmalen (Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität usw) bestimmt werden, statt anhand sozialer Merkmale (Einkommen, Klasse, Status). Insofern gibt es gar keinen Unterschied zur rechten Identitätspolitik, höchstens noch welche Hautfarben die „guten“ und welchen die „bösen“ sind, sonst ist es das gleiche.

    • Bezogen auf die ganz andere „Qualität“ neuer Identitäts-Politik greift Deine Skizzierung zu kurz.
      Das Merkmal der Neuen Identitäts-Politik ist nicht daß Gruppeninteressen jetzt „nur“ an biologischen Merkalen vs. angeblich „bedeutungslos“ gewordener sozialer Merkmale. Vielmehr geht es „wahllos“ kreuz und quer: mal ist es EIN (!) biologisches Merkmal (BLM; Geschlecht), was aber nicht bedeutet, daß der vom Steuerzahler erheblich mitfinanzierte E-Karren nicht eine ganz besondere Identitäts-bekundende „gute“ Botschaft aussendet vs. öfter auch schon mal abgefackelter SUWs, etc…

      Nein! Es wird IRGENDEIN (kategoriales) Merkmal herausgepickt, das in der „Schönen neuen Welt“ identitätspolitisch gewünscht soziale Gruppenidentität suggerieren soll.
      Die BELASTBARKEIT findet aber schnell ihre Grenzen in individualistisch-hedonistischen Partikular-Interessen!

  8. Die Identitätspolitik des 21ten Jahrhunderts verfolgt mitnichten noch eine „Identität“, die sie stiftet und bewahren will. Stattdessen zeigt sich das Ziel deser Politik darin, welche Identitäten alles abgelehnt werden und warum. Sowohl auf der ‚linken‘ als auch der ‚rechten‘ Seite, wobei allein die Reduktion des politischen Spektrums auf eine Dimension bereits begünstigt, dass es eine „gute“ und eine „böse“ Seite gibt, und völlig außer acht lässt, was die wahren Interessen sowohl eines Individuums als auch *einer* Gruppe sind.

    Beispiel: Freiheit, wie sie die Anarchen verfolgen vs Freiheit, wie sie die Liberalen verfolgen vs Freiheit, wie sie die Progressiven verstehen vs Freiheit, wie sie die Konservativen verstehen. Ein Begriff, unzählige Bedeutungen. Da sich die Identitätspolitik des 21ten JH. auf Dekonstruktion versteift hat, ist es ein leichtes, den Begriff „Freiheit“ – so, wie auch alle anderen „Großen Worte“ – neu zu definieren und zwar so, dass einerseits die eigene Vorstellung darunter passt. ABER VIEL WICHTIGER: Die des Feindes nicht mehr.

    Insofern verkommen die Identitäten, die diese Politik hervorbringt, zu Karikaturen, die nur noch kleinste Überschneidungsmengen haben und nur noch lose Bande, die durch eben diese schwammigen, undefinierten „Großen Worte“ wie „Freiheit“, „Loyalität“, „Solidarität“, etc. geknüpft werden.

    Im Grunde rekrutieren sich die Lager der Identitätspolitik des 21. JH vielmehr aus denen, die „das andere Lager“ ablehnen, als aus denen, die tatsächlich die Identität „ihrer“ Gruppe verfolgen. (Bspw: Für wieviele bezeichnet „queer“ etwas anderes und greifbareres als „nicht dem Lebensentwurf des ’normalen Menschen‘ folgend“? Für wieviele ist bzw. war die AfD ein „Gegen Staatswillkür und Selbstbereicherung“?) Dadurch vollzieht sich jedoch eine rasantere Agglomeration der einzelnen Identitäten zu einem großen Cluster, in dem die Identität der einzelnen, kleinen Cluster wiederum ebenso verloren geht, wie das Individuum selbst.

    Deswegen – so in den USA zu sehen – ist die Identitätspolitik wiederum sehr anfällig für Intersektionalität, sowohl als Brandbeschleuniger („Opfer-Olympiade“) als auch durch Im-Zaum-Halten. Andere Denkschulen würden auch in der Identitätspolitik des 21. JH einen modernen Kolonialismus sehen, bei dem sich die Neuen Kolonialherrscher an den Kopf vermeintlicher oder tatsächlicher marginalisierter Identitäten stellen und deren Forderungen vertreten. Die Identitätspolitik bietet jedoch – glaube ich – keine Werkzeuge, mit denen solche Interessenskonflikte zwischen großem Cluster und Sub-Identität bzw. (Sub-)Identität und Individuum harmonisch und kooperativ gelöst werden können.

  9. Das Problem ist, dass Identitätspolitik innerhalb einer Gruppe, die äusserlich die selben Merkmale besitzen, bzw um das Kind bei seinem, heutzutage politisch nicht korrekten, Namen zu nennen: zur selben Rasse Mensch gehören.

    Weil Verräter MÜSSEN hart bestraft werden, aber bei „Fremden“ greift „gehört nicht zu meiner Gruppe, nicht mein Krieg…“

    Vllt geht das so „tief“, dass man das evolutionär ins kollektive Gedächtnis + Unterbewusstsein „gehievt“ hat. Ich mein für Kriegsgefangenschaft gilt,(theoretisch) die genver konvention und der Gefangene hat Rechte.

    Bei „verrättern“ ? Die USA =’Todesstrafe, Deutschland vllt nicht, aber Deutschland ist nach den 2 Weltkriegen und so, in vielerlei Hinsicht ein „sonderfall“….

    Deshalb bedeutet Identitätspolitik in die Gruppe tragen eine Art „worst case “ scenario, beide Seiten halten die anderen für „traitors“ aka Abschaum der Menschheit, dem egtl nicht mal die „basisrechte“ zustehen, voll doof, voll schlau und irgendwie voll depprimierend….

  10. statt viel Gerede zu machen bringt es Ali Utlu auf den Punkt, was Identitätspolitik ist:

    Ist ja nicht nur Rassismus, auch sonstige -ismen sind dabei, wie Sexismus

    Alle Dinge, nach denen man Menschen künstlich in Gruppen einteilen kann, am besten wenn man ihnen noch einen wissenschaftlichen Anstrich geben kann.

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