Kamala Harris als potentielle Vizepräsidentin und die Tücken der Identitätspolitik auf der individuellen Ebene

Kamala Harris wird in den USA die Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin neben Joe Biden. Es war in jedem Fall klar, dass er eine schwarze Frau zum Vizepräsidenten machen wollte, damit eben diese Gruppe auch vertreten ist.

Jetzt wo sie ernannt ist ist eine interessante Kontroverse losgetreten:

Einmal die Frage ob sie überhaupt „schwarz genug“ ist, also afro-amerikanisch. Harris ist die Tochter des aus Jamaika stammenden Wirtschaftsprofessors Donald J. Harris (* 1938) und der tamilischen Krebsforscherin Shyamala Gopalan (1938–2009) aus Indien. Also eine Jamaikanisch-tamilische Herkunft.

Ihre Familie sieht so aus:

Allerdings sind die beiden Kinder wenn ich es richtig verstehe die Kinder ihres Mannes aus erster Ehe.

Aber wie es auch schon der Tweet andeutet werden sie einige da nicht als „schwarz genug“ ansehen. Mit zwei Wissenschaftlern kommt sie auch aus einer sehr „privilegierten Familie“ und das wird sicherlich auch irgendwie zur Sprache kommen und in den Wahlkampf eingebracht werden

Den zweiten Punkt finde ich noch interessanter, denn er berührt einen der Kernpunkte der Identitätspolitiken, die strikte Einteilung in Gruppen, die Unterdrückte und Unterdrücker sind und auch die Theorie, dass die Gruppen eben an sich die Vorteile ihrer Vorfahren nach wie vor zugute kommen und sie davon profitieren. Gerade in den USA gibt es dazu die Debatte um Reparationen, also Ausgleichszahlungen von den weißen Sklavenhalterabkömmlinge an die schwarzenSklavenabkömmlinge.

Harris soll nämlich jamaikanische Plantagenbesitzer in ihrer Ahnengalerie haben:

In June and July 2019, social media users shared reports that claimed one of the ancestors of 2020 presidential Democratic primary candidate and U.S. Sen. Kamala Harris (D-Calif.) was a slave owner on the Caribbean island of Jamaica.

Such claims were shared widely in the aftermath of the first round of Democratic primary debates, during which Harris brought racial issues to the fore by criticizing primary rival and former Vice President Joe Biden’s legislative record on busing, which she called “hurtful” to her as a black woman.

The focus on racial issues and Harris’ racial identity intensified after Donald Trump, Jr., son of President Donald Trump, briefly shared a tweet that averred: “Kamala Harris is *not* an American Black. She is half Indian and half Jamaican.” The source of that tweet, the @ali account, has consistently promulgated the claim that Harris is descended from “Jamaican Slave Owners.”

Amid the renewed scrutiny of Harris’ family history, the right-leaning website “Big League Politics” posted what it said were the names of the “slaves Kamala Harris’ ancestor owned,” adding:

“Democrat presidential candidate Kamala Harris is descended from Irish slave owner Hamilton Brown, the namesake of Brown’s Town in Jamaica, who recruited massive numbers of Irish migrants to Jamaica to work on his sugar plantations after the British empire abolished slavery.”

Ihr Vater soll beispielsweise zur Familiengeschichte das Folgende veröffentlicht haben:

“My roots go back, within my lifetime, to my paternal grandmother Miss Chrishy (née Christiana Brown, descendant of Hamilton Brown who is on record as plantation and slave owner and founder of Brown’s Town) and to my maternal grandmother Miss Iris (née Iris Finegan, farmer and educator, from Aenon Town and Inverness, ancestry unknown to me). The Harris name comes from my paternal grandfather Joseph Alexander Harris, land-owner and agricultural ‘produce’ exporter (mostly pimento or all-spice), who died in 1939 one year after I was born and is buried in the church yard of the magnificent Anglican Church which Hamilton Brown built in Brown’s Town (and where, as a child, I learned the catechism, was baptized and confirmed, and served as an acolyte).” [Emphasis is added].

There is no doubt that Hamilton Brown was a prominent plantation owner in Jamaica during the first half of the 19th century, owned slaves, and also advocated against the abolition of slavery and sought to downplay the difficult working and living conditions of slaves in Jamaica.

However, we have been unable to verify that a line of descent exists between the modern-day Harris family and the 19th-century slave owner. As such, the claim that an ancestor of Sen. Harris owned slaves in Jamaica remains unproven. If evidence emerges that verifies that line of descent, we will update this fact check accordingly.

Gegenwärtig ist noch unklar ob die Abstammung tatsächlich richtig ist und in welcher Weise sie abstammt: Verteidiger von Harris führen an, dass viele Sklavinnen vergewaltigt worden sind und eine Abstammung von dem Sklavenhalter auf diese Weise sie noch eher zu einem klassischen Opfer der Sklaverei machen würde, die Gegenseite meint, dass die Abstammung über eine weiße Frau nachzuweisen sei, es ist aber alles noch im Streit.

Was nun war oder falsch ist ist mir da eigentlich egal. Mich würde aber theoretisch interessieren, wie man in den intersektionalen Theorien damit umgehen will, wenn die grobe Einteilung in Rassen nach dem äußeren nicht mehr hinhaut, weil es eben Vermischungen gibt.

Ist das Kind einer „gemischtrassigen“ Ehe (auf der einen Seite direkte Abstammungen nur von Sklaven auf der anderen Seite nur von Plantagenbesitzern um mal etwas zu übertreiben) nun ein Opfer oder ein Täter?

Die Vermischungen lassen sich hier ja in jede Richtung verschieben, es kommen Leute aus anderen Ländern mit einer anderen Vergangenheit dazu, wie etwa Harris evtl.

Eine Aufschlüsselung zerstört hier schnell die Pseudorechtfertigungsbasis für die Vorhalte. Es müssen neue Begründungen gefunden werden.
Etwas einfacher ist es einfacher nur auf „Privilegien aufgrund von Vorurteilen“ abzustellen, die dann eben am äußeren Erscheinungsbild festmachen. Aber selbst dann kann man fragen ob das auf „PoCs“ auf solch privilegierten Familien wie bei Harris noch zutrifft oder es nicht doch eher eine Klassen. statt eine Rassenfrage ist. Harris ist nicht in Slums aufgewachsen, ihre Eltern haben gut verdient. Sie hat studiert und schnell Karriere gemacht. Sie kann kaum ernsthaft vermitteln diskriminiert worden zu sein. Dennoch steht sie ja gerade als Kandidatin für die Einbeziehung der schwarzen Bevölkerung.

 

127 Gedanken zu “Kamala Harris als potentielle Vizepräsidentin und die Tücken der Identitätspolitik auf der individuellen Ebene

  1. Ich könnte mir vorstellen, dass zur definitiven Klärung solcher Sachverhalte irgendwann ein Dokument eingeführt wird, mit dem Bewerber für öffentliche Ämter ihre Politisch erwünschte Abstammung nachweisen müssen.
    Gab es sowas nicht in Deutschland auch mal?

    • Ich bin mir sicher, daß der Gedanke an Ahnentafeln die IdPols schon länger umtreibt, nicht nur bezüglich Bewerber für öffentliche Ämter.
      Nur dürften bisher immer noch ein paar hellere Kerzen in der Szene rechtzeitig die Notbremse gezogen haben: „Psst, seid ihr verrückt, die Nazis!! …“

      Aber ich bezweifle, daß sie in ihrem Reinheitswahn der Idee vom Opfernachweis noch lange widerstehn.

    • Klarer Fall: Amerika muss den Strafbestand der „Rassenschande“ einführen. Schwarze und Weiße, Juden und Arier, Muslime und Christen und natürlich – nicht zu vergessen – Frauen und Männer, dürfen sich ab sofort nicht mehr paaren, damit in Zukunft klar ist, ob man gemäß seiner Abstammung zum Volk der Privilegierten oder zum Volk der Diskriminierten gehört.

      Anmerkung an Christian: Schöner Artikel, aber ich empfehle dir, ein bisschen mehr auf Tippfehler/Grammatikfehler etc. zu achten. Normalerweise geb ich darauf nicht viel, aber hier bin ich über einige Dinge gestolpert

      • Cool: »Frauen und Männer dürfen sich ab sofort nicht mehr paaren« Damit wird das »Problem der Abstammung« dann doch recht radikal gelöst! 😀

          • Flächendeckende künstliche Befruchtung erst im Jahre 6565 😀 Das war wohl arg optimistisch gedacht, ziehen wir mal ein paar tausend Jahre ab. Schon jetzt arbeiten die Progressiven mit Kräften daran, Ehe und Familie überflüssig zu machen, um „den Menschen“ endlich von der Last sozialer Bindung zu „befreien“ und endgültig zum individualisierten, abhängigen Subjekt von Staat, Medien und Kapital zu machen. Diese Entwicklung läuft seit der Industrialisierung stetig voran.

    • In Israel gibt’s das auch heute noch. Da gibt’s so ein Rückkehrprogramm dass man nach Israel einwandern kann, wenn man jüdisches Blut nachweisen kann.

  2. „Ist das Kind einer „gemischtrassigen“ Ehe (auf der einen Seite direkte Abstammungen nur von Sklaven auf der anderen Seite nur von Plantagenbesitzern um mal etwas zu übertreiben) nun ein Opfer oder ein Täter?“

    Intersektionale gehen immer von der schlimmst möglichen Auslegung aus, also ein Täter.
    Wer heute den früher üblichen Begriff Colored People verwendet, anstatt People of Color, muss ein Rassist sein und verdient einen Shitstorm, denn undenkbar das er sich einfach nur irrt oder verspricht.

    und es ist Wahnsinn. Die behaupten gegen Rassismus und Diskriminierung zu sein, wollen aber verhindern das bestimmt Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder dessen Helligkeit und dem was irgendwelche Vorfahren getan haben und das nach heutigen moralischen Maßstäben schlecht war, politisch Ämter einnehmen dürfen.

    Was lässt sich glauben das nicht auch irgendein Internet-Archäologe Dreck in ihrer Vergangenheit findet? Vielleicht waren sie ja mal fies zu irgendeinem Kind ihn ihrer eigenen Kindheit und diese Kind erinnert sich da noch dran.

  3. Ihr Opferstatus dürfte dadurch gesichert sein, dass das Patriarchat sie gezwungen hat, sich hochzuschlafen, nur weil sie nicht kompetent genug war.

  4. Vielleicht sollten wir die NPD als Berater rüberschicken. Die führen dann einen Test ein, ob man auch wirklich braun genug ist. Anschließend gibt es einen Pass…

  5. Als intensiver Beobachter amerikanischer Politik finde ich die Wahl von Kamala Harris als VP Kandidatin etwas bedauerlich. Insbesondere im Primary Wahlkampf hat sie nicht durch besonders grosse Fähigkeiten geglänzt. Sie war unauthentisch und hat es nicht verstanden, eine gute Kampagne zu führen. Das beschränkt sich nicht nur auf ihre politische Botschaft, sondern auch auf Strategie und den Umgang mit ihrem Team.

    Nachdem sie anfangs sehr gutes Fundraising hatte, hat sie es nicht geschafft, diese gute Position auf die Straße zu bringen und fiel im Verlauf der Kampagne hinter Biden, Sanders, Warren und auch Buttigieg zurück. In den Debatten hatte sie ein paar starke Momente, schaffte es aber nicht, sich selbst ein Profil zu geben. Die Kampagne war in Grüppchen zersplittert und die Mitarbeiter waren unzufrieden ( siehe https://www.google.com/amp/s/www.nytimes.com/2019/11/29/us/politics/kamala-harris-2020.amp.html
    ).

    Als Kalifornierin kommt sie aus einem Staat, den Biden sowieso in der Tasche hat. Ihre Beliebtheit bei afroamerikanischen Wählern war unter aller Kanone, da war sie meist nur auf Platz 4.

    Mir ist die Wahl dieser Kandidatin unverständlich. Den Jubel der linksorientierten Medien kann ich nicht nachvollziehen. Auch die Eignung für ein eventuelles Präsidentenamt – beim Alter von Biden ja durchaus ein Thema – muss ich nach den Berichten, wie ihre Kampagne in den Sand gesetzt wurde, kritisch beurteilen. Dazu kommt, dass sie das „Outsider“ Narrativ als Senatorin und ehemalige General-Staatsanwältin von genau null anspricht. Insofern habe ich meine Schwierigkeiten mit dieser Wahl und es fällt mir schwer, den politischen Sinn darin zu erkennen.

    Die identitätspolitischen Details halte ich für Käse, die Äußerungen über ihre Abstammung als bezeichnend für das Niveau des momentanen Diskurses.

    Meine Favoritinnen wären Tammy Duckworth oder Stacey Abrams gewesen. Die eine als badass Ex-Soldatin mit der Möglichkeit, wechselwillige Republikaner zu überzeugen. Allerdings aus einem stark demokratischen Staat. Die andere als schwarze Frau, die einen extrem guten Wahlkampf zur Gouverneurin von Georgia gemacht (aber verloren) hat. Und das aus einem Staat, in dem 2 Senatorensitze zur Wahl anstehen.

    Auch Gretchen Whitmer hätte mir gefallen, aber kam als Weisse wohl nicht in Frage. Was ich allerdings aufgrund der Wählerzusammensetzung auch für akzeptabel halte.

    Harris hielt ich von den Kandidatinnen, über die ich zumindest ansatzweise Bescheid wusste, tatsächlich für die schlechteste.

    • „Als intensiver Beobachter amerikanischer Politik finde ich die Wahl von Kamala Harris als VP Kandidatin etwas bedauerlich.“

      Die maßgeblichen Kriterien von Biden für seinen running mate waren: weiblich und schwarz. Und von denen gibts nur 6- 7 % in den USA. Also ein denkbar kleiner Bewerberpool.

      Muß man sich mal überlegen, wenn der Chef einer Handwerksklitsche sagt: „Hauptsache, die neue Sekretärin ist hübsch.“, handelt er verantwortungsvoller als der POTUS in spe.

      • Aber sie ist halt gar nicht schwarz.
        Deshalb sind Schwarze auch nicht zufrieden mit der Wahl. Er hätte ja stattdessen Barack Obamas Ehemann Michael nehmen können. Der ist doch ganz beliebt bei schwarzen Wählern.

  6. Mal abgesehen von der Idiotie der Fragestellung ist es doch unerheblich ob in ihrem Stammbaum afrikanische Sklaven in Georgia oder Jamaika vorkommen, oder?
    Die schwarzen Einwohner Jamaikas sind ja nicht die Urbevölkerung.
    Also nicht dass ich das für relevant hielte.

    • Geht nicht darum, ob in ihrem Stammbaum Sklaven vorkommen, sondern Sklavenhalter. 😉
      Ansonsten: Interessanterweise sind die Nachfahren jamaikanischer Sklaven in den USA deutlich erfolgreicher als die Nachfahren von US-amerikanischen Sklaven. Das führt gelegentlich auch zu Ressentiments der „alten“ Afro-Amerikaner ggü. den schwarzen Einwanderern, weil die sie im Vergleich schlecht dastehen lassen und im Falle der Jamaikaner die bei Afro-Amerikanern so beliebte Erklärung „Wir sind noch heute so schlecht dran wegen der Sklaverei“ ihrer Überzeugungskraft berauben.
      (Auch Obama wurde in gewissen Teilen der schwarzen Bevölkerung der USA skeptisch gesehen, nicht nur wegen seiner weißen Mutter, sondern weil er kein Nachfahre amerikanischer Sklaven ist und somit „nicht schwarz genug“.)

      • @Klopfer

        Mir ist dazu was Interessantes aufgefallen. Es scheint zumindest auf Twitter eine starke Diskrepanz zwischen Afrikanern und Afroamerikanern zu geben.

        Afrikaner foppen Afroamerikaner und umgekehrt. Die Afrikaner machen sich darüber lustig, dass ihre Vorfahren die Vorfahren der Afrikaner für ein paar Flaschen Whiskey verkauft haben und dass die Nachffahren von Westafrikanern sich für Nachfahren von König Tutenchamun halten, die Afroamerikaner machen sich lustig, dass Afrikaner „keinen Strom“ haben.

        Und dann wurde ich vor einigen Tagen Zeuge eines Twitter Disputes in dem eine Afroamerikanerin zornig wurde, weil ein somalischer Twitterer sich nicht als „black“ definierte, sondern als ‚cushitic‘

        „Can’t deny geography, I come from Africa but I’m not Black just like not everyone in Asia is the same race cause they Brown or Yellow.I don’t owe Sub-Saharans or New world blacks any loyalty cause we are racially and genetically extremely different“

        Das ist mir schon seit Längerem aufgefallen, aber ich habe ein paar Beispiele aus den letzten tagen.

        „The Bantus are still begging Somalis to be considered our racial kin even though we still despise them for their qslave status and features. I’m not ashamed of what my ancestors have done and never will be!“

        Sie machen sich auch lustig über George Floyd und bezeichnen Afroamerikaner als N-Wort. https://twitter.com/warsame_young/status/1293724535091585026

        Das kommt wohl daher dass Afroamerikaner traurigerweise meist gar nicht wissen, woger genau sie kommen. Vielleicht sind manche Auswüchse auch darauf zurück zu führen. Afrikaner, die ihre Identität und Geschichte kennen und von den Urgroßeltern noch was hören, sind da scheinbar anders.

        Es gab in Afrika auch keine BLM Demos, sonst berall auf der Welt von Island bis Japan. Interessantes Phänomen jedenfalls.

        Ich werde immer angegriffen von weißen Linken und „woken“ „PoC“ wenn ich sage, dass es „schwarz“ für mich nicht gibt bzw mir das nicht ausreichend ist, genausowenig wie weiß, weil die verschiedenen Kontinente dazu in sich selbst viel zu verschieden sind.

  7. „Mich würde aber theoretisch interessieren, wie man in den intersektionalen Theorien damit umgehen will, wenn die grobe Einteilung in Rassen nach dem äußeren nicht mehr hinhaut, weil es eben Vermischungen gibt.“

    Man geht damit um wie immer: Man sucht sich das jeweils gerade Passende raus. War doch auch so, als die Vorwürfe gegen Biden nicht mehr zu vertuschen waren. Belief the women? „Äh …“ Belief the victims? „Nöö … Wir haben ja die Unschuldsvermutung, und dann noch die Beweislast … weil wir leben immer noch in einem Rechtsstaat … ist ja auch voll wichtig!“

    Und so wird man es diesmal auch wieder hinbiegen. Und wenn die gute Kamela früher nicht genug unterdrückt war, dann erfindet man eben noch ihre Vergewaltigung im Jahre 1934 – das reicht dann dicke für ihr Präsidentenamt.

  8. „Mich würde aber theoretisch interessieren, wie man in den intersektionalen Theorien damit umgehen will, wenn die grobe Einteilung in Rassen nach dem äußeren nicht mehr hinhaut, weil es eben Vermischungen gibt.“
    Logische Konsistenz ist irrelevant. So jemand ist immer das was gerade passt. Und wenn er äußerlich ein Vorzeige-Arier wäre solange er auf „unserer“ Seite ist. Dann wird die Existenz von Rassen eben ganz abgeleugnet.
    Ist sie nicht auf Linie ist sie ein Auntie Tom und, wenn sie Glück hat, Opfer des Rassismus. Hat sie Pech ist sie eine Rassenverräterin und die AntiFa kommt vorbei.
    Merke: Wir waren schon immer im Krieg mit Ozeanien.

        • Köstlich! So ungefähr stelle ich mir die Reaktion eines überzeugten Nazis und stolzen „Ariers“ vor, der in seinem Ahnenpass in seiner Linie vor vier Generationen einen gewissen Levi Goldbach entdeckt… XD

          • Yep,absolut köstlich Billy Coen
            Wobei das Video auch gekürzt und redigiert ist.
            Das Original geht über 37 Minuten und Sie hat die
            wirklich peinlichen Stellen weggelassen.Ich erinner
            mich da an Rotz und Tränen und wilde Vorwürfe an die
            Familie.Nichtsdestotrotz ein schönes Beispiel dafür,warum die
            ganze Identitätspolitik für mich die protofaschistische Phase
            bereits hintersich gelassen hat und nun offen faschistisch agiert.
            Wer sich immer gefragt hat: Wie konnte das damals in den 1930er
            Jahren passieren das alle so brav mitgemacht haben,bekommt so
            seine Antwort und die Gewißheit das es jederzeit wieder passieren kann.
            Ich bin froh das ich ein alter weißer Mann bin und den Faschoscheiss
            nicht als junger woker Mitläufer mitmachen muss.
            Gruß Sense

  9. „… wie man in den intersektionalen Theorien damit umgehen will, wenn die grobe Einteilung in Rassen nach dem äußeren nicht mehr hinhaut, weil es eben Vermischungen gibt.“

    Deshalb sind die (neuerdings?) feindlich und ablehnend gegenüber gemischten Beziehungen! Das stellt ihr Weltbild komplett in Frage!

    Wenn man sich es konsequent überlegt, dann kann man nur zu folgendem Schluss kommen: wenn sie es ehrlich meinten, dann würden sie zur Löschung der weissen Kollektivschuld fordern, dass alle Weissen sich mit Schwarzen verpartnern. Aber sie wollen diese Kollektivschuld ja ausnutzen und haben damit gar kein Interesse an einer möglichen Tilgung.

  10. Ehrlich gesagt halte ich es für verschwendete Zeit, sich in allzu tiefgehender Weise mit der Sinnhaftigkeit intersektionaler Thesen auseinanderzusetzen. Die Thesen ergeben keinen Sinn, sind, für jeden, dessen IQ über dem einer Küchenschabe rangiert, erkennbar, dutzendfach selbstwidersprüchlich und vor allem: es handelt sich um eine in hohem Maße menschenfeindliche, faschistoide Ideologie. Das einzig wichtige ist, wie man es schaffen kann, möglichst viele Menschen davon abzuhalten, diesem geistigen Gift anheimzufallen.

    „Aber wie es auch schon der Tweet andeutet werden sie einige da nicht als „schwarz genug“ ansehen. Mit zwei Wissenschaftlern kommt sie auch aus einer sehr „privilegierten Familie“ und das wird sicherlich auch irgendwie zur Sprache kommen und in den Wahlkampf eingebracht werden“

    Süß! Du glaubst nicht wirklich, dass Intersektionalisten DAS SO bemerken würden? Wir reden hier von einer Ideologie, die dazu führt, dass sich schwarze Frauen in hohen politischen Ämtern oder in einflussreichen Positionen landesweit verbreiteter Medienanstalten ohne Ironie und aus tiefster Überzeugung von weißen, männlichen Unterschichtlern unterdrückt fühlen. Die ganze intersektionale Identitätspolitik dient in erster Linie dazu, dass sich hochprivilegierte Menschen, wohlgemerkt sehr viele aus akademischen Kreisen, wie die Eltern besagter Dame, trotz all ihrer offenkundigen sozialen Privilegien aufgrund willkürlicher, meist biologischer Merkmale als Unterdrückte inszenieren und ohne jede Scham noch mehr Privilegien fordern können. Die durch die intersektionale Identitätspolitik geschaffene, vollständige Blindheit für soziale Verhältnisse und Schichten ist KEIN Bug, es ist ein beabsichtigtes Feature.

    Du bringst doch selbst ein Beispiel: das mit den Reparationen. Wozu würde das denn zwangsläufig führen, wenn Weiße Schwarzen Reparationen zahlen müssten? Da würden dann weiße Fabrikarbeiter auf Mindestlohnniveau ihrem schwarzen CEO Geld zahlen müssen, weil es lange vor ihrer Zeit einzelne Menschen gegeben hat, mit denen sie nicht mehr als die Hautfarbe gemein haben, die Menschen, mit denen ihr CEO nicht mehr als die Hautfarbe gemein hat, als Sklaven hielten. Hier zeigt sich ein derart radikalisiertes kollektivistisches Denken, davon hätten selbst die Nazis noch lernen können.

    • „Die durch die intersektionale Identitätspolitik geschaffene, vollständige Blindheit für soziale Verhältnisse und Schichten ist KEIN Bug, es ist ein beabsichtigtes Feature.“

      Sehe ich auch so. Es wurde eine Blindheit für die soziale Benachteiligung ganzer Bevölkerungsschichten geschaffen: The retreat from class. Allerdings: die böse Absicht müssten wir dann schon nachweisen oder zumindest plausibel machen. Das dürfte ziemlich schwierig werden.

      Aber ich denke, nur so kann man die Gleichzeitigkeit zweier Phänomene angemessen erklären: Einerseits den immer stärkeren Rückfall der einkommensschwachen Schichten seit den 1980er Jahren, und andererseits die Abkehr nicht nur der Politik (Parteien usw.), sondern auch der links-liberalen Öffentlichkeit (also z. B. der Akademiker) von eben diesen benachteiligten Schichten.

      Und hier bietet sich die intersektionale Identitätspolitik als die ideale Rechtfertigungsstrategie an: das Feigenblatt der immer noch Privilegierten für ihre Verachtung der einfachen Menschen.

      • „Allerdings: die böse Absicht müssten wir dann schon nachweisen oder zumindest plausibel machen. Das dürfte ziemlich schwierig werden.“

        Ich schätze, dass das als Prozess und unbeabsichtigt und unreflektiert geschah. Ich verstehe den Impuls hier Absicht zu vermuten, denn die Aussicht darauf, dass es aus Dummheit geschah ist erst mal absolut desillusionierend und enttäuschend. Dann allerdings wird einem klar, dass die Werte, die man für selbstverständlich hielt und die heute so schändlich verraten werden, umso wichtiger sind, als sie eben nicht und wohl niemals selbstverständlich waren.

      • „Allerdings: die böse Absicht müssten wir dann schon nachweisen oder zumindest plausibel machen. Das dürfte ziemlich schwierig werden.“

        Das „beabsichtigt“ in meinem Kommentar soll nicht verstanden werden im Sinne von „da haben sich welche hingesetzt und sinistere Gedanken ausgetauscht“. Vielmehr läuft das, so würde ich vermuten, sehr subtil und unterbewusst ab.

        Ich kann mir vorstellen, dass sich in den Kreisen der nicht wenigen linken Akademiker bzgl. der eigenen Position und Rolle in der Gesellschaft ein Unwohlsein eingenistet hatte. Auf der einen Seite fand man Marx toll, sah aber auch, dass man selbst zu denen gehörte, die über Einfluss und nicht selten Wohlstand verfügten. Eine „linke“ Ideologie, die dann darauf abhebt, dass viel wichtiger als die Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Klassen / Schichten in Wahrheit die Zugehörigkeit zu irgendwelchen mehr oder weniger willkürlichen Gruppen ist, aus denen sich angeblich individuelle Privilegien oder auch Diskriminierungserfahrungen ergeben, kann da als persönlich sehr entlastend wirken. Entweder kann man sich so auf einmal sogar selbst als ganz doll unterdrückt darstellen (Ich habe zwar zig Millionen auf dem Konto und für mich arbeiten 20 000 Menschen, aber ich bin eine schwarze, lesbische, muslimische Rollstuhlfahrerin; bitte unterstützt mich in meinem harten Los!) oder sich wesentlich einfacher, weil oft nur rein virtuell stattfindend, als tugendhafter Unterstützer inszenieren, ohne sich dabei selbst existentieller Bedrohung ausgeliefert sehen zu müssen.

        Ein Einfallstor, zumindest in Europa, dürfte dabei tatsächlich die irrige Ansicht gewesen sein, Feminismus sei links, so dass sich mit dieser Ideologie erstmals im linken Lager eine eindeutig auf biologistischem Essentialismus aufbauende Weltsicht ausbreiten konnte (Männer unterdrücken Frauen). Schon damals wurde dabei standhaft der offensichtliche Widerspruch dieses Gemeinplatzes zur traditionell linken Klassenfrage ignoriert, gewiss nicht ohne teils erhebliches Bewältigen kognitiver Dissonanzen. Die Frage, wie ein männlicher Tagelöhner denn bitte die Gattin eines Bankchefs unterdrücken solle, war so naheliegend und derart entwaffnend, dass sie einfach nicht mehr gestellt werden durfte, sobald es um die „Geschlechterfrage“ ging.

        Durch die nunmehr nahezu vollständig stattgefundene Importierung weiterführender intersektionalistischer Biologismen aus den USA, stehen Identitätslinke endgültig nicht mehr vor der Aufgabe, diesen Widerspruch verleugnen zu müssen. In ihrem Weltbild wurde die traditionell linke Klassenfrage unter derart viel Bullshit begraben, dass sie quasi nonexistent geworden ist. Identitätslinke müssen keine kognitiven Dissonanzen mehr auflösen, um die offenen Widersprüche ihres biologistischen Essentialismus‘ zur Klassenfrage zu bewältigen, sie sehen diese Widersprüche einfach nicht mehr, weil das Konzept von Klasse in ihren Überlegungen gar nicht mehr auftaucht.

        Es ist also wohl eher keine „böse Absicht“, sondern eher eine Entwicklung aus Bequemlichkeit heraus. Der Intersektionalismus ist ein klares Kind elitärer Kreise. Auch in diesen Kreisen ist es schick, sich selbst als links zu bezeichnen, weil links irgendwie allgemein als „gut“ gelabelt wird. Der Intersektionalismus als „linke“ Ideologie bringt nun aber direkt mit sich, dass sich Leute, die nach traditionell linker Sichtweise klar zu den „Privilegierten“ zählen, sich nicht mehr als solche fühlen und hinterfragen müssen. Der Intersektionalismus hält für viele Dinge bereit, dank derer sie sich an sich selbst etwas suchen können, um sich trotz allem Wohlstands und gesellschaftlichem Einflusses als irgendwie doch eigentliches Opfer darstellen zu können. So kann man sich auch als reiche Bankierstochter links fühlen, ohne sich aufgrund der eigenen Überzeugungen hinterfragen zu müssen.

        Und selbst jene, für die der intersektionale Opferkatalog kein Kriterium bereithält, können Abbitte leisten, ohne wirklich schmerzhaft ans Eingemachte gehen zu müssen. Zumindest bis jetzt reicht es für jene aus, sich einfach ab und zu via Twitter ob ihrer weißen Männlichkeit verbal zu geißeln, um sich auch weiterhin als einer von den Guten fühlen zu können.

        Früher haben Intellektuelle die linke Arbeiterbewegung philosophisch mit Ideen unterstützt, heute haben sie sie auf dem politischen Parkett weitgehend hingerichtet und ersetzt durch eine „linke“ Ideologie, mit der sie sich in erster Linie selbst aufgrund ihres eigenen gesellschaftlichen Status‘ reinwaschen können, sich nicht ob ihrer eigenen Privilegien „schämen“ müssen.

          • Tu dir keinen Zwang an. Die Erklärung dürfte zwar keinen weiteren Gehalt haben, aber zumindest sehe ich Potential für den einen oder anderen (unfreiwilligen) Lacher… 😉

          • „Soll ich Euch die Motive und die Gründe erklären?“

            Na los, nicht lange auf die Folter spannen! Hic Rhodos, spring!

          • Die Gründe liegen ganz einfach im tief verwurzelten Trauma der Linken, dass ihre Kernideologie – der Sozialismus – in jeder praktischen Ausführung gescheitert ist. Diese Traumatisierung begann bereits vergleichsweise früh; als die ersten Berichte über Massenmorde in der Sowjetunion, nach Ende des WK 2 einer breiteren Öffentlichkeit bewusst wurden. Seitdem rechtfertigt die Linke ihre Ideologie, indem sie die ihrer Ideologie überlegene Wirtschaft und Gesellschaft des Westens als Hort der Repression dekonstruieren möchte. Dieses Trauma wurde natürlich 1990 intensiviert und seitdem erleben wir das verstärkte Abgleiten der Linken in Irrationalität und Wahnsinn.
            Deshalb die verzweifelten Bemühungen, die am wenigsten rassistischen und sexistischen Gesellschaften weltweit beständig des Rassismus und Sexismus anzuklagen. Deshalb das Bündnis mit dem Islam. Deshalb das Bekenntnis, die westliche Welt des weißen Mannes durch Migration zu entwestlichen. Deshalb die neue Rassenlehre.
            Es ist der Versuch, den Feind durch Sabotage von innen heraus zu zerstören. Dies ist selbstredend nicht Teil einer Verschwörung und eines Plans. Es ist eine Bauchreaktion, eine tief sitzende Aversion gegen die 1990 siegreiche westliche Welt des weißen Mannes.

          • Ergänzung: Den Einfluss von Frauen würde ich auch erwähnen. Ich halte es für keinen Zufall, dass mit steigender Beteiligung von Frauen am gesellschaftlichen Diskurs, Emotionen und Instinkte einen immer größeren Raum einnehmen.

          • „Dieses Trauma wurde natürlich 1990 intensiviert“

            Ja.
            Wie bei allen apokalyptischen Bewegungen kommt die grosse Enttäuschung nachdem der erwartete Weltuntergang – hier die finale, kataklysmatische Krise des Kapitalismus – ausgefallen ist und aus Enttäuschung wählt man den kollektiven Selbstmord als Ausweg. Das ist der Grund für die Allianz mit dem Islamismus und ganz besonders für die tiefen Sympathien den Palästinensern und dem Iran gegenüber. Als demonstratives Aushängeschild für diese Selbstvernichtsphantasien dient natürlich der Traum vom ökologischen Weltkollaps durch Klimawandel.

          • @Adrian:

            Als Arbeitshypothese ist das immerhin konsistent formuliert, aber ich denke doch, dass der Ansatz ideengeschichtlich nicht aufgeht. Die klassische Linke war ökonomiekritisch, das heißt, sie hat mit einem bei Marx entlehnten Instrumentarium aufgezeigt, auf welche Weise eine kapitalistische Ökonomie systematisch soziale Ungleichheit produziert. Zu derselben Zeit dieser klassischen Linken, sagen wir grob, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, hat es auch eine Gesellschaftskritik von rechts gegeben, aber diese Gesellschaftskritik war kulturkritisch, das heißt, sie hat Rationalismus und Aufklärung angeklagt, die zerrissene, individualisierte, gottlose moderne Gesellschaft hervorgebracht zu haben. Für diese Richtung der Kritik stehen Namen wie Richard Wagner, Nietzsche, Stefan George, Martin Heidegger, auf der Grenze zur Vulgärform dieser Kritik Houston Stewart Chamberlain, von der präfaschistischen Esoterik mal zu schweigen.

            »1968« war aber in erster Linie eine Kulturrevolution, das heißt, der Versuch, die klassische Linke noch einmal als Radikalisierung der Ökonomiekritik neu zu beleben, war von Anfang an ein Selbstmißverständnis der damaligen Akteure, die sich minderheitlich in die Sackgassen des Terrorismus und des politischen Sektenwesens verrannt haben, mehrheitlich aber in bürgerliche Karrieren eingeschwenkt sind. Und indem damals die »ökologische Frage« in der Vordergrund gerückt ist, wurde das kulturkritische Denken der früheren Rechten nunmehr von links beerbt: die Poststrukturalisten sind Leute, die in erster Linie Nietzsche und Heidegger gelesen haben, nicht Marx. Und seither wurde in verschiedenen Spielarten, darunter eine feministische, versucht, den rationalen Vernunftmenschen der Moderne zur Ursache aller zivilisatorischen Übel zu erklären.

            Wobei die ältere Kritische Theorie, also Adorno/Horkheimer/Marcuse, eine Zwischenstellung einmimmt, weil sie den Weg in die Kulturkritik auf dem Weg über Sigmund Freud eingeschlagen hat (der Ansatz wurde auch mal »Freudomarxismus« genannt), der Begriff des Patriarchalen in der Dialektik der Aufklärung z. B. ist freudianisch gemeint.

            Eine These vom »Trauma des Scheiterns« unterschätzt m. E. daher, in welchem Maße die »68er«-Linke (die eben nicht nur aus stalinistischen und maoistischen Sekten bestand), sich längst von diesem orthodoxen Marxismus gelöst hatte und ihr die hedonistische Revolte viel wichtiger als die »revolutionäre Disziplin« war, und wie wenig sie den »real existierenden Sozialismus« als Vorbild gesehen hat. Insbesondere dem von den Grünen repräsentierte Milieu kann man keine rein linke Genealogie verpassen: die heutige politische Nähe zur CDU (und das Phänomen, daß das traditionell »schwarze« Baden-Württemberg einen Grünen zum Präsi gewählt hat) ist dem Umstand geschuldet, dass die Ökologiebewegung von Anfang an mit Kulturkritik aufgeladen war, auch wenn manifest politisch »rechte« Exponenten bei den Grünen früh ausgeschieden wurden.

            Dass die aktuelle, postmoderne und identitäre, Linke so hohldreht, liegt meines Erachtens daran, dass sie an ihrer eigenen (uneingestandenen) Unfähigkeit zur Gesellschaftskritik verzweifelt, die entstanden ist, weil, etwas plakativ gesagt, dort niemand mehr weiß, was Ökonomiekritik und Klassenanalyse bedeutet. Das gilt a fortiori für die USA, wo traditionell jeder, der »Klasse« gesagt hat, als Kommunist verdächtig war.

          • „Die klassische Linke war ökonomiekritisch, das heißt, sie hat mit einem bei Marx entlehnten Instrumentarium aufgezeigt, auf welche Weise eine kapitalistische Ökonomie systematisch soziale Ungleichheit produziert.“

            Das heißt doch de facto, die Linke war ungleichheitskritisch. Und das ist sie auch heute noch. Und ja, auch auf ökonomischer Ebene. Oder sind Forderungen nach mehr Frauen und PoC in Führungspositionen nicht ökonomisch? Oder die Forderung nach Reparationen für PoC?

          • Adrian, hört sich zunächst plausibel an was du sagst, aber das mag nur auf einige ältere Linke zutreffen (jene die ich eher als ‚Intellektuelle‘ bezeichnen würde), die die Geschichte kennen.

            Irgendwelche jungen grün/linken Gören (welche ich als ‚Aktivisten‘ bezeichnen würde) haben aber keine Ahnung vom Sozialismus und seiner stetigen Scheiterung an der Realität in der Vergangenheit.

          • @EinLeser
            Dass die Jungen keine Ahnung haben, bedeutet längst nicht, dass sie nicht von marxistisch-sozialistischen Ideen geprägt sind! Diese Ideen sind allgegenwärtig und sie werden typischerweise nicht mit den Fussnoten mit den Quellen dran weitergereicht. Ein Artikel aus dem Internet und schon bist du mitten in dieser Gedankenwelt. Die linke Gedankenwelt Europas kreiste immer grösstenteils um den „Klassenkampf“ und die Utopie einer besseren Welt, wie sie der Kommunismus bieten hätte können, auch wenn dies im liberalen und demokratischen Rahmen verfolgt wurde.

          • @djadmoros

            immer, wenn ich von dir oder crumar so einen Satz lese: „Die klassische Linke war ökonomiekritisch, das heißt, sie hat mit einem bei Marx entlehnten Instrumentarium aufgezeigt, auf welche Weise eine kapitalistische Ökonomie systematisch soziale Ungleichheit produziert.“, knartscht es in mir zwischen dieser Definition von „Linke“ und dem, was Haidt ausgemacht hat, dass die Linke und die Rechte sich weniger in ihren konkreten Theorien unterscheiden als in ihren in der Persönlichkeit fundierten Moral-Vorstellungen.

            Was nebenbei ja konform mit der Beobachtung „Kapitalismus produziert systematisch soziale Ungleichheit“ geht, eine Beobachtung, die bei Linken spontan ein „Das ist nicht gut“ auslöst und bei Rechten ein „Es ist fair, wenn Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten sozial unterschiedlich sind“.

            Wenn ich nicht von deiner Definition ausgehe, sondern von Haidts, dann stellt es sich mir so dar, dass Ökonomiekritik mehr oder weniger zufällig der erste große relevante Umsetzungbereich einer bestimmten Mentalität war.

            „Die mitunter weit voneinander entfernten Strömungen der politischen Linken eint dabei, dass sie von der Gleichheit der Menschen ausgehen. (…) Bereits unmittelbar vor der ersten Französischen Revolution (1789–1799) angewandt, hat sich der Begriff der politischen „Linken“ während der sogenannten „Julimonarchie“ in Frankreich nach der Julirevolution von 1830 für die Einteilung der parlamentarischen Sitzordnung etabliert.“ (wiki)

            Die „ursprünglichen“ Linken hatten demnach weniger Ökonomiekritik auf dem Zettel als Monarchiekritik. Erst als klar wurde, dass Kapital für weit größere Ungleichheiten sorgen wird als Adel, drehte sich das. Konstituierend für die linke ist in meinen Augen also nicht der wirtschaftliche Fokus, sondern der Fokus auf die am stärksten empfundenen Ungleichheiten im Status Quo.

            Und in genau diesem Sinne ist der Feminismus links und es ist gar kein Wunder, dass er den linken Jargon mit nur ganz geringen Reibungsverlusten aneignen konnte.

            Da du sicherlich 33 Bücher über das Thema fertig verdaut hast, würd ich gern die Frage stellen: Wie ist es zu rechtfertigen, „Links“ auf ewig an dem einen Thema festzumachen statt am zeitlosen moralischen Kompass (für den es kein Problem darstellt, das Thema an der jeweiligen Situation auszurichten)?

          • @ djadmoros

            Ja, so ungefähr habe ich mir das vorgestellt von dir. Danke, dass du meiner „Einladung“ weiter oben gefolgt bist, wenn auch eventuell ohne es zu wissen… 😉

          • @djad
            „Die klassische Linke war ökonomiekritisch, das heißt, sie hat mit einem bei Marx entlehnten Instrumentarium aufgezeigt, auf welche Weise eine kapitalistische Ökonomie systematisch soziale Ungleichheit produziert.“

            Diese Linke war immer nur an der Ökonomie als Klassenkampfinstument interessiert. Deshalb ist sie der auch komplett ignorant gegenüber geblieben und versteht nicht mal einfachste Zusammenhänge wie „Angebot und Nachfrage“. Weil Ökonomie unrein und kapitalistisch und igitt ist. Das „ökonomiekritisch“ zu nennen, ist euphemistisch, das ist handfeste Ökonomiephobie.
            Überhaupt bedeutet der linke Kritik-Begriff lediglich: wie machen wir die Dinge jetzt für unsere aktuelle Ideologie passend?

          • Das sehe ich auch so. Die Ökonomiekritik der Linken ist ein Witz. Die Realität hat das belegt. Die Linke schmollt – und stänkert. Mehr ist es im Prinzip nicht.

          • @10. Ochse
            „statt am zeitlosen moralischen Kompass“

            Das ist doch der Teufel für alle irgendwie marxistischen Linken: das „Ahistorische“, bzw der „spekulative Idealismus“. Es gibt für die keine menschliche Konstante, ausser dass man dem Menschen alles einbleuen und überstülpen kann, vor allem um ein paradiesisches Utopia zu erlangen. Deshalb darf der Mensch auch kein natürliches Wesen sein, welches den Unzulänglichkeiten der Evolution unterliegt. Dass sie dabei selbst „ahistorische“ Konzepte verfolgen („unbeschriebenes Blatt“) merken sie so wenig, wie die Progressiven, die nackten Biologismus vertreten und das für soziale Konstruktion halten.

          • @Alex,

            das ist Polemik und wird djadmoros nicht gerecht.

            Mich wundert, dass ich bei ihm nicht den Unterschied zwischen „Marxismus ist links“ und „Links ist Marxismus“ nicht sehe.
            Ersteres ist ohne Zweifel korrekt.
            Letzteres finde ich sehr anmaßend, scheint aber seine und crumars Position zu sein.

          • @zehnter_ochse:

            »Wenn ich nicht von deiner Definition ausgehe, sondern von Haidts, dann stellt es sich mir so dar, dass Ökonomiekritik mehr oder weniger zufällig der erste große relevante Umsetzungbereich einer bestimmten Mentalität war.

            (…)

            Die „ursprünglichen“ Linken hatten demnach weniger Ökonomiekritik auf dem Zettel als Monarchiekritik. Erst als klar wurde, dass Kapital für weit größere Ungleichheiten sorgen wird als Adel, drehte sich das. Konstituierend für die linke ist in meinen Augen also nicht der wirtschaftliche Fokus, sondern der Fokus auf die am stärksten empfundenen Ungleichheiten im Status Quo.

            Das ist auf jeden Fall dahingehend ein interessanter Gedanke, als die Auflösung der Verbindung zwischen »links« und »ökonomiekritisch« auch die Kritiker der Linken betrifft, die den Startpunkt bei Marx und der sozialistischen Ideologie ansetzen.

            Ich glaube aber, dass der Gedanke darum kaum zu verteidigen ist, weil ja die gesamte bürgerliche Gesellschaft in diesem Sinne monarchiekritisch ist. Die bürgerlichen Revolutionen (die englische, französische und amerikanische) sind ja nur das Endresultat einer (von Fall zu Fall unterschiedlich) lange vorauslaufenden Kritik am Absolutismus, die schon in der Frühaufklärung beginnt, John Lockes »Zwei Abhandlungen über die Regierung« (zugleich übrigens ein Text, der eine patriarchale Herrschaftslegitimation zurückweist) erscheinen schon 1689, also hundert Jahre vor der Französischen Revolution, und auch die Amerikanische Revolution steht wohl kaum im Verdacht, im heute landläufigen Sinne »links« gewesen zu sein.

            Wenn man also definiert: »links« ist alles, was das Ancien Régime angreift, dann muss man alle Liberalen – und zwar die Wirtschaftsliberalen inbegriffen, weil sie den paternalistischen Staat ablehnen – der Linken zuschlagen. Das ist wiederum eine Kritik, die man meinem Eindruck nach tatsächlich auf der heutigen Neuen Rechten findet (z. B. bei Manfred Kleine-Hartlage), aber was davon der analytische Gewinn sein soll (sofern man der Stoßrichtung der neurechten Kritik nicht ausdrücklich folgen will), ist mir nicht ersichtlich.

          • @Alex:

            »Weil Ökonomie unrein und kapitalistisch und igitt ist.«

            Das ist schlicht dummes Zeug! Für Marx und Engels war die Ökonomie nicht »unrein«, sondern in den falschen Händen! Weder der Produktionsfetischismus der sowjetischen und chinesischen Entwicklungsdiktaturen, noch auch der Proletkult, hätte sich jemals etablieren lassen, wenn die Ökonomie als solche für »igitt« gegolten hätte.

          • @Billy Coen:

            »Danke, dass du meiner „Einladung“ weiter oben gefolgt bist, wenn auch eventuell ohne es zu wissen…

            Nachdem Adrian tatsächlich mal ein vollständiges Argument präsentiert hat, wollte ich mich nicht lumpen lassen! 🙂

          • @djad
            „Das ist schlicht dummes Zeug! Für Marx und Engels war die Ökonomie nicht »unrein«, sondern in den falschen Händen!“

            Das bezog sich auf die heutige Feld-Wald-und-Wiesen-Linke, die marxistisch inspiriert ist ohne dass es ihr bewusst wäre. Die bekommen alle antikapitalistischen Hautausschlag, wenn nur das Wort „Ökonomie“ fällt. Der Begriff des „Neoliberalen“ ist ihr Fetisch. Klar jetzt?

          • Das alte Modell mit all den tollen Theorien für den besseren Menschen, was ja unverzeihlicherweise nicht von der Arbeitklasse angenommen wurde:

            Und das neue Modell

          • Wie bei allen apokalyptischen Bewegungen kommt die grosse Enttäuschung nachdem der erwartete Weltuntergang – hier die finale, kataklysmatische Krise des Kapitalismus – ausgefallen ist

            Die quasireligiöse Mär, dass mit dem Kapitalismus die Geschichte ihr Endziel erreicht habe, weil diese Gesellschaftsform die einzig natürliche sei, sie sich ganz von selbst ergebe, wo keine pööhsen Menschen, Linke genannt, ihr in die Parade fahren.
            Was die grosse Enttäuschung über den Weltuntergang – aka. Scheitern des Kapitalismus – anbelangt, ist etwas Geduld erforderlich. Die gesellschaftlichen Auflösungstendenzen in den USA lassen ein Scheitern des zur Plutokratie degenerierten politischen Systems zumindest denkbar erscheinen. Dabei werden die Symptome des Zerfalls als Ursache missdeutet.

          • @Pjotr
            „Die gesellschaftlichen Auflösungstendenzen in den USA lassen ein Scheitern des zur Plutokratie degenerierten politischen Systems zumindest denkbar erscheinen.“

            Jede Krise kann theoretisch zum Untergang ausarten, natürlich. Problem ist, wenn man da seine Hoffnung dran knüpft und sich auch noch sicher ist, dass der Untergang bald kommen muss. Warum es jetzt die USA oder auch nur „den Westen“ treffen sollte, ist mir aber schleierhaft. Viel eher würde ich Europa als Schauplatz eines grossen Scheiterns annehmen.

          • Die Migration ist vollkommen unerheblich. Wichtige Faktoren wären die gigantischen Sozialstaatskosten, die schon jetzt untragbar sein dürften und der verrottet-korrupte Zustand der Wirtschaft (Banken!, Bilanzen) und dann der grassierende Hirnkrebs.

          • @Alex
            Migration ist insofern „mitschuld“, weil der Prozentsatz an alimentierungsbedürftigen zu hoch ist.
            Gelichzeitig Globalisierung und Auslagerung von Arbeitsplätzen in Gefilde mit niedrigeren Löhnen und weniger Kosten für Arbeitsschutz, AN Rcehte usw.

            Ich habe neulich gelesen, irgendwo in Rumänien oder Albanien oder sonstwo gehen ihnen die Pfleger aus, weil die im Westen mehr verdienen. Also holen sie Philippinos o.ä. weil für die offenbar der ehemalige Ostblock ein Upgrade ist. Und wenn dann auf den Philippinen die Pfleger ausgehen, dann holt man vielleicht von woanders Ersatz.
            Ich finde Globalismus ziemlich krank. Nordkoreanischer Isotioalismus ist auch nicht richtig, aber ein Mittelweg wäre gut (gewesen).

          • @djadmoros,

            „…weil ja die gesamte bürgerliche Gesellschaft in diesem Sinne monarchiekritisch ist.
            (…)
            Wenn man also definiert: »links« ist alles, was das Ancien Régime angreift“

            Wer definiert das so?
            Ich?
            Nicht doch.

            Mein Denkvorschlag ist, dass Linke jene sind, die zwischen Menschenteilmengen, die durch klare Kriterien zu unterscheiden sind, starke Unterschiede wahrnehmen und das, per se, moralisch falsch finden.
            Ob die Teilmengen Adel-Pöbel oder Bourgeoisie-Proletariat oder Eingeborene-Migranten oder Männer-Frauen sind, ist ausgesprochen sekundär. Das ergibt sich aus den jeweilig aktuellen gesellschaftlichen Zuständen und ein wenig Zufall, welche der Ungleichheiten es schafft, in den Zeitgeist aufzusteigen.
            Das Vokabular und die zu Grunde liegenden Gedanken sind dann leicht angepasst.

            Alle Menschen sind gleich, also sind Unterschiede im Ergebnis klares Anzeichen für Ungerechtigkeit.

            Dass Menschen eben nicht gleich sind, Bürgerliche eben nicht gleichermaßen in der Lage sind, respektierte Projektionsflächen abzugeben, das Proletariat eben nicht in der Lage ist, mit den Produktionsmitteln sinnvoll umzugehen, Frauen eben nicht vergleichbar in der Lage sind, unter männlichen Opfern Gesellschaft und Infrastruktur am Laufen zu halten etc.pp. das ist der Grund, weswegen die Kritiker der Linken das alles gleichermaßen als zum Scheitern verurteilt ansehen, wenn Ungleiches top-down gleich gemacht werden soll.

            Dass jeder linke Zeitgeist einen immensen intellektuellen Überbau erzeugt, sorgt nicht zuletzt dafür, dass Wald und Bäume nicht mehr auseinander zu halten sind.

          • Ist euch mal aufgefallen, dass dieser ganze Kram erst seit ein paar Jahren so läuft? Ich kann es nicht belegen aber von Occupy Wallstreet und dieser Bewegung gegen das globale Geld- uns Schuldsystem, Ausbeuter wie Lehman brothers und so weiter hört man gar nichts mehr.
            Das war bis 2011, 2012.
            Dann ab 2013 sah man überall Refugee Welcome Sticker und Gamer Gate. Das wirkt auf mich so, als hätte „jemand“ die öffentliche Aufmerksamkeit auf was anderes gelenkt, was anderes wofür die Leute auf die Strasse und sich streiten können.
            Ich habe auch einen Graph gesehen dass es einen fast exponentiellen Anstieg von Key Words wie „Racism“ in den US Medien gab den finde ich aber auf die Schnelle nciht.

          • @zehnter_ochse:

            »Mein Denkvorschlag ist, dass Linke jene sind, die zwischen Menschenteilmengen, die durch klare Kriterien zu unterscheiden sind, starke Unterschiede wahrnehmen und das, per se, moralisch falsch finden.«

            Meine Frage an diese Definition wäre: an welchen Beispielen lässt sich das historisch dingfest machen? Welche Beispiele qualifizieren sich für »starke Unterschiede per se moralisch falsch finden«?

            Erste Eingrenzung: »Alle Menschen sind gleich, also sind Unterschiede im Ergebnis klares Anzeichen für Ungerechtigkeit.«

            Dieses Gleichheitspostulat muss überhaupt einmal existieren. Dafür kommen die Philosophen der Radikalaufklärung in Frage, also seit der Mitte des 17. Jahrhunderts, und zum Teil geht das auf puritanische Wurzeln zurück, wo die »Gleichheit aller Menschen vor Gott« radikal ausgelegt wurde. Abschaffung aller Hierarchien, der Sklaverei, Bildung für alle, Gleichberechtigung der Geschlechter. Dem Historiker der Aufklärung Jonathan Israel zufolge kann man das auf die Philosophie Spinozas (1632-1677) zurückführen. »Links« wäre vor dem 19. Jahrhundert also die Radikalaufklärung.

            Das führt dann freilich auch dazu, dass man die Linke weder mit dem Sozialismus identifizieren noch dem Sozialismus vorwerfen kann, die Linke erfunden zu haben. »Links« und »sozialistisch« fallen dann historisch auseinander. Das muss kein Fehler sein, zumal es auch dazu passt, dass es Linksliberale gibt.

            Macht es darum aber keinen Unterschied, ob man das Gleichheitspostulat unter den Bedingungen der Ständegesellschaft des 17. Jahrhunderts mit ihren extremen Unterschieden von Armut und Reichtum oder aber unter den Bedingungen der heutigen Wohlstandsgesellschaft vorbringt? Und ab wann erklärt man Ungleichheit für inakzeptabel?

            Jenseits der intersektionalen Sekten ist das gewichtigste Argument in meinen Augen das Größerwerden der Einkommensschere, ohne dass insgesamt die von den Marktradikalen erwarteten trickle down-Effekte eintreten, also der Umstand, dass sich das »neoliberale« Versprechen eben nicht erfüllt. Mit den Begriffen einer postmodernen Linken lässt sich dieses Problem aber weder analysieren noch bearbeiten.

        • @ Adrian

          „… im tief verwurzelten Trauma der Linken …“

          Interessante Erklärung.

          Nur als Info: Im Buch von Helen Pluckrose and James Lindsay: „Cynical theories : how activist scholarship made …“ (2020) spielen Linke und ihr Marxismus / Sozialismus / Kommunismus / … praktisch keine Rolle.

          Ich glaube, zweimal im ganzen Buch wird Marx erwähnt, beiläufig – und irgendwo wird auch gesagt, dass Identity Politics irgendwie links ist oder so, aber diesen Infos wird überhaupt kein Gewicht beigemessen. Links spielt für die Entwicklung von Identity Politics, Intersectionality usw. praktisch keine Rolle, jedenfalls in der Analyse von Pluckrose und Lindsay.

        • @Adrian:

          »Das heißt doch de facto, die Linke war ungleichheitskritisch. Und das ist sie auch heute noch. Und ja, auch auf ökonomischer Ebene. Oder sind Forderungen nach mehr Frauen und PoC in Führungspositionen nicht ökonomisch? Oder die Forderung nach Reparationen für PoC?«

          Ja, diese Linke ist ungleichheitskritisch, aber ihre Paradoxie, die zu der von mir behaupteten Verzweiflung führt, liegt darin, daß sie progressiv sein will, aber »nicht mehr weiß, wie das geht«. Das heißt, wenn sie Positionen und Reparationen fordert, dann plündert sie Bestände, die sie nicht selbst hervorgebracht hat und hat mit Ökonomie im Sinne von Produktivität nichts mehr zu tun.

          Denn der ursprüngliche Ansatz der marxistischen Ökonomiekritik war ja: eine Form der Ökonomie zu finden, in der man die Produktivität des Industrialismus erhalten kann, ohne sich damit die Ungleichheitseffekte des Kapitalismus einzuhandeln (die ja erst im Zeitalter der Kompromisse zwischen Kapital und Arbeit gemildert wurden).

          Die identitäre Linke kann aber nicht einmal mehr die Frage stellen, wie eine solche Ökonomie aussehen könnte. Sie verschiebt das Problem auf kulturelle Faktoren: Rassismus, Sexismus, Vorherrschaft des weißen Mannes, und kann sich darum gar nicht mehr auf die Frage einlassen, wie die schwarze Unterschicht und der »poor white trash« als gleichermaßen ökonomisch Deklassierte gemeinsam auf Reformen drängen könnten. Die klassenanalytische Erkenntnis, dass sie beide das konstituieren, was mal Arbeiterklasse genannt wurde, ist aus dieser Perspektive denkunmöglich geworden.

          Also wird, anstatt eine win-win-Situation für alle zu schaffen, versucht, den »Privilegierten« die vermeintlichen Privilegien wegzunehmen, woraufhin man es dem faktisch unterprivilegierten »white trash« kaum verdenken kann, wenn er Trump wählt.

          • @djad
            „Also wird, anstatt eine win-win-Situation für alle zu schaffen, versucht, den »Privilegierten« die vermeintlichen Privilegien wegzunehmen“

            Die Marxisten haben das Soziale immer als hartes Nullsummenspiel gesehen, wie auch die Klasse der Kapitalisten als Art sozial klar abgegrenztes Stratum. Daher der andauernde Mythos der „gläsernen Decken“, die Denunziation des „Jeder ist seines Glückes Schmied“ als neoliberalem Lügenmärchen und die Obzession die Gesellschaft bis in letzte mikromanipulieren zu müssen. War auch immer der Grund für alle Massenmorde, killing fields, etc.

        • Ich für meinen Teil glaube, dass die gesamte Linke (nicht nur die Sozialisten) v.a. deswegen degeneriert ist, weil sie nach zwei Weltkriegen, dem Aufstieg des Faschismus und dessen Verbrechen (und teils auch wegen Stalins Verbrechen) und durch den drohenden Atomkrieg (und bei den Kommunisten durch die ausbleibende Revolution) einen gesellschaftlichen Pessimismus entwickelt hat* und dadurch auch eine negative Grundeinstellung zur eigenen Bevölkerung entwickelt hat, die zur politischen Korrektheit führte, zumal man immer noch jemanden haben wollte, für den man kämpfen konnte. gerade der zweite Weltkrieg und der drohende Atomkrieg führten auch zu technologischem Pessimismus* und damit zu einer negativen Grundeinstellung zur Technik, die zum Ökologismus führte. Erfunden wurden politische Korrektheit und Ökologismus zwar zuerst von den Kommunisten, aber nur so erklärt es sich, warum sie sich über die Kommunisten hinaus verbreiteten. Die anderen von euch genannten Faktoren können noch hinzukommen, aber sie erklären allein nicht, warum die Degeneration der Linken nicht schon früher begann.

          *Es ist die übliche Denke: Weil es bisher immer scheiße war, muss es auch so bleiben (und deshalb könne auch Missbrauch der Technik nicht verhindert oder eingestellt werden), was ein Denkfehler ist, da es heute vieles gibt, was es früher nie gab, etwa Autos. Auch die Evolutionstheorie kann keinen gesellschaftlichen und technologischen Pessimismus rechtfertigen, da Lernen viel schnellere Anpassungen ermöglich als die Evolution selbst, so dass sich eine hohe Umweltflexibilität lohnt. Studien beweisen nur, dass ca. 50% der UNTERSCHIEDE zwischen Individuen auf UNTERSCHIEDE zwischen deren Genen zurückgehen. Da meist nur Leute aus den reichen Ländern untersucht wurden, aber es große Unterschiede in den Lebensbedingungen zu den armen Ländern gibt und es auch Selbstverstarkungseffekte gibt (z.B. bei Intelligenz höhere Intelligenz > mehr Erfolgserlebnisse > mehr Motivation > höhere Intelligenz durch Training; so etwas kann auch bei anderen Sachen als Intelligenz auftreten), kann so die Umweltflexibilität stark unterschätzt sein.

          • Die Blank-Slate-Theorie ist natürlich trotzdem Schwachsinn, weil zwar vieles, wenn nicht genetisch bedingt, trotzdem automatisch erlernt würde und das auch schnell genug, aber eben nicht alles. Außerdem muss irgendetwas festlegen, wie man auf welche Umweltbedingungen bzw. Gelerntes reagiert.

          • Ich wüsste nicht, dass ich dem Lamarckismus das Wort geredet hätte. Meine Aussage war, dass die Umweltflexibilität beim Menschen auf normalem evolutionärem Wege zugenommen hat, weil das einen Selektionsvorteil hat. Wobei natürlich auch eine Rolle spielte, dass ein großes Gehirn viel mehr und abstraktere Informationen aufnehmen kann.
            Im übrigen haben ich (bei Rolf Degen glaube ich) gelesen, dass die Gene v.a. die grobe Struktur bestimmen und die Umwelt die Feinere, so dass die Umwelt durchaus größeren Einfluss haben könnte (was ich oben ja nicht ganz ausgeschlossen habe (ich sagte ja, dass die Umweltflexibilität stark unterschätzt sein KÖNNTE)), aber nur die groben Sachen bestimmt (etwa Anfälligkeit für Religion, Konservatismus, Ängstlichkeit etc.). Dies bedeutet aber nicht, dass gesellschaftlicher Pessimismus gerechtfertigt wäre, da die groben Sachen gesellschaftliche Verbesserungen nicht unmöglich machen müssen, zumal sie durchaus auch von der Umwelt mitbestimmt werden könnten, sie aber unter den gleichen Lebensbedingungen und somit bei den Untersuchten Menschen immer oder fast immer zum selben Ergebnis führen, nicht aber bei nicht konstanten Umweltbedingungen.

          • @Antidogmatiker:

            »gerade der zweite Weltkrieg und der drohende Atomkrieg führten auch zu technologischem Pessimismus* und damit zu einer negativen Grundeinstellung zur Technik, die zum Ökologismus führte. Erfunden wurden politische Korrektheit und Ökologismus zwar zuerst von den Kommunisten, aber nur so erklärt es sich, warum sie sich über die Kommunisten hinaus verbreiteten.«

            Dem ersten Satz würde ich zustimmen, dem zweiten nicht. Wobei der Ökologismus weniger der Erfahrung von Krieg von nuklearer Vernichtungsdrohung entstammen dürfte als der Wahrnehmung, dass der Mensch in der Lage ist, in großem Stil ökologische Zerstörungen anzurichten. Aber er fügt sich natürlich in die Erschütterung des Fortschrittsoptimismus ein, der aus den ersten beiden Erfahrungen stammt.

            Dass politische Korrektheit und Ökologismus von den Kommunisten erfunden wurden, halte ich dagegen für ein Gerücht. Zum einen war der Glaube an die Technologie auch auf Kosten der natürlichen Umwelt in den sozialistischen Staaten bis praktisch zum Schluss ungebrochen (oder wenigstens bis Tschernobyl), zum anderen ist die »Politische Korrektheit« eine weiche Kontrolltechnik, wohingegen im Ostblock eine harte und klare Zensur herrschte.

            Ich halte daher die These für plausibler, dass die Aufklärungsskepsis viel älter ist, aber ursprünglich eher auf der rechten Seite des politischen Spektrums verortet war, bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund obengenannter Erfahrungen für Linke anfing, plausibel zu werden, nur dass sie, ihren ideologischen Wurzeln treu, die Aufklärung nicht verwerfen, sondern im Sinne einer »Dialektik der Aufklärung« über sich selbst aufklären wollten. Das ist einem Teil der Linken geglückt, aber leider nicht dem Teil, der heute politisch den Ton angibt.

          • „… Wobei der Ökologismus weniger der Erfahrung von Krieg von nuklearer Vernichtungsdrohung entstammen dürfte als der Wahrnehmung, dass der Mensch in der Lage ist, in großem Stil ökologische Zerstörungen anzurichten. Aber er fügt sich natürlich in die Erschütterung des Fortschrittsoptimismus ein, der aus den ersten beiden Erfahrungen stammt. …“

            Ja, so ähnlich habe ich das eigentlich auch gemeint (nur den gedanklichen Zwischenschritt vergessen, was mir manchmal passiert). Ich meinte es so:
            Drohende Atomapokalypse -> negative Grundeinstellung zur Technik -> Umweltverschmutzung kommt gerade recht, um diese zu rechtfertigen und verstärkt sie noch -> Ökologismus

            Wobei die Bewegung gegen Kernkraftwerke aber direkt aus der Bewegung gegen Kernwaffen entstanden ist, da (viel zu) viele nicht zwischen Kernwaffen und Kernkraft unterscheiden konnten oder wollten (wohl wegen der negativen Grundeinstellung zur Technik).

  11. Tja. Vernünftige Leute meinen:

    Ein Mensch kann für die Taten seine Vorfahren nichts.
    Die Hautfarbe sagt über einen einzelnen Menschen nur aus, wie leicht er Sonnenbrand kriegt.

    Und dabei würde ich es auch belassen und mir nicht den Kopf von Leuten zerbrechen, die bescheuert sind.

      • Sicher? Wenn ich am Ende des Sommers dunklere Hautfarbe habe, bin ich deutlich weniger anfällig für Sonnenbrand.
        Selbst wenn du recht haben solltest: Ich halte meine Aussage aber für schöner und plakativer als „Die Hautfarbe sagt über einen einzelnen Menschen nur aus, wie hoch der Durchdringungsgrad von UV-Strahlen in der Epidermis ist.“ Denn im Kern geht es ja darum, der Hautfarbe nicht die vielen falschen Bedeutungen beizumessen, die Rassisten ihr geben.

        • Vom Standpunkt von uns Bleichgesichtern ist es natürlich vorteilhaft über eine Bräunung zu verfügen, die schützt ein wenig. Aber ob du nun 10 oder 30 min aushälst ohne Sonnenbrand finde ich nichts so den gewaltigen Unterschied. Auch mit schwarzer Haut würde ich keinen Augenblick länger in der Sonne bleiben als notwenig. Die Bedeutung der Hautfarbe könnte in erster Linie in der Vitamin D-Produktion liegen, möglicherweise ist das ein tuning dafür.

  12. Wahlwerbung in der SZ, inklusive Foto als süsser Fratz mit Zöpfen, Botschaft: Man muß sie einfach lieben…

    „Fünf Dinge, die Sie über Kamala Harris wissen sollten
    (…)
    Die rote Zwiebelhälfte kreuzweise ein- und dann scheibchenweise abschneiden – so gelingen die perfekten Zwiebelwürfelchen für ein Tunfisch-Sandwich. Wer Kamala Harris in den sozialen Medien folgt, bekommt neben politischen Botschaften auch solche Tipps. Harris gilt als ausgezeichnete und leidenschaftliche Köchin. Auf Instagram finden sich Videos und Fotos mit selbstgebrutzeltem Truthahn oder Aufläufen, gerne indisch oder mediterran angehaucht. Auf YouTube gab es eine eigene Kochshow mit ihr. Wer mal VP-style nachkochen möchte: In Speck gebratene Äpfel auf Pfannkuchen à la Kamala Harris – ein Traum. Kochen ist für sie Stressbewältigung, sagte sie einmal. „Ich liebe, es auf Märkte zu gehen, Kochbücher zu lesen und Menschen zu bekochen. Und Gott sei Dank, meine Familie liebt es, zu essen“, erklärte sie 2011 Harper’s Bazaar.“

    https://www.sueddeutsche.de/politik/us-wahl-2020-kamala-harris-1.4996982?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

  13. Frag mich, ob es überhaupt zu einer Wahl kommt. Trump hat angeblich die Mittel für die Post eingefroren, damit die (manipulationsanfällige) Briefwahl nicht ungestört stattfinden kann. Hab ich sogar Verständnis dafür, bei uns ist die Briefwahl m.E. auch nicht sicher.

    Da laufen wirklich schräge Sachen in den USA. Da wird ein korrupter, mutmaßlich pädophiler, wahrscheinlich beginnend seniler alter Kerl wie Biden als Führungsfigur angepriesen, offensichtlich, damit man im Windschatten dieses tollen Zugpferdes (und am Wähler vorbei) eine POC-Frau installieren kann, die aber natürlich auch der „Elite“ angehört (und sicher in der gleichen Loge ist).

    Wer zur Hölle findet das irgendwie überzeugend? Das wählt man doch nur, um Trump eins auszuwischen, aber auch nur mit geballter Faust in der Tasche. Die westliche „Demokratie“, zumindest die angeblich „repräsentative“ hat wirklich fertig!

    Bin gespannt wie es weitergeht.

    • Da laufen wirklich schräge Sachen in den USA. Da wird ein korrupter, mutmaßlich pädophiler, wahrscheinlich beginnend seniler alter Kerl wie Biden als Führungsfigur angepriesen,

      Ich halte ja nicht allzu viel von Biden, aber die Behauptung, er sei pädophil ist Teil der Schlammschlacht. Sein Verhalten ist seltsam, aber pädophil?

      • Das Video, wo er einem Mädchen ins Ohr flüstert, wird mittlerweile bei youtube wegzensiert, hier findest du noch die Screenshots und was er sagte:
        http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2016/09/ist-joe-biden-ein-padophiler.html

        Ist natürlich, wie Bill Clintons „Lolita Express“-Flüge kein Thema in den Mainstreammedien. Ebensowenig wie die Tatsache, dass der seinen Sohn in einem ukrainer Gasunternehmen geparkt hat und anschließend dafür sorgte, dass der ermittelnde Staatsanwalt rausgeworfen wurde (er brüstete sich sogar noch damit).

        Biden ist ein verkommenes widerliches Subjekt, das klebrige Abziehbild des Washingtoner Sumpfes. Zumindest ist das mein Stand, könnte auch alles gelogen sein, man kann niemandem trauen, aber dem Mainstream am Wenigsten.

        Ich halte auch den ganzen Pizzagate-Kram noch nicht für erledigt, man tut so, als ob das ein großer Fake gewesen wäre, aber die gruseligen Pizza-Mails liegen immer noch bei Wikileaks und ausreichend verstörende Fotos kursieren auch nach wie vor:
        http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2016/11/was-ist-pizzagate-und-wer-ist-involviert.html

        Angeblich von Alefantis:

        uvm:
        http://1nselpresse.blogspot.com/2016/11/aktuelles-zum-padophilenring-der.html

        Vermutlich hat man hier die übliche dienstliche Zersetzungsstrategie gefahren und Lügen unter die Wahrheiten gemischt. Widerlegt man dann eine Lüge (z.B. mit „die Pizzeria hat gar keinen Keller“) sind die meisten Leute spontan davon überzeugt, dass auch der Rest Fake ist und haken die Sache ab. Funktioniert immer, die meisten Menschen sind einfach zu dumm, um die einfachsten psychologischen Tricks zu durchschauen…

        • Diese Instagram Bilder hjabe ich auch schon gesehen. Da gibt es noch mehr. Ich erinnere mich noch an ein kleines Baby das ein Stück Pizza aß und eine komische Beschreibung dazu und ein Baby in komischer Pose auf einer Hollywoodschaukel Sehr merkwürdig um es höflich auszudrücken.
          Überhaupt finde ich es merkwürdig, Kidner auf Social Media so zu zeigen einfach. da sind mir promis die ihre Kinder nur von hinten zeigen oder verpixelt so wie Heidi Klum das lange gemach hat, fast besserr.

          Es gibt auch accounts oft von den Müttern verwaltet wo kleine Mädchen so 8 -10 Jahre oder 12 gezeigt werden in Bikini usw. klar Kinderbademode gabs immer, aber das ist auch sehr mekwürdig und die Kommentare erst Recht. Ich kanns nicht verlinken weil ich mir die accountnamen nicht gemerkt habe und der rechte Twitter Account der das gepostet hat wurde von Twitter gebannt und zwar genau dafür. Aber auf Instagram ist es legal. Kommt mir anders vor als früher Badehosen für Kinder im Otto Katalog.
          hier habe ich aber einen Artikel über das Phänomen gefunden wo man ein paar Beispiele sieht.
          https://rolliequaid.com/2019/05/20/disgusting-mother-pimps-out-daughter-for-illuminati-on-instagram/

      • @Androsch Kubi
        Glaube ich auch nicht. Pizza Gate als solches (Kidner werden geopfert und missbraucht im Keller von bestimmten Pizzerias) vielleicht nicht, obwohl manche der Emails schon an Code Sprache denken lassen.

        Aber dass Eliten sowas tun auf irgendeine Weise, ist nicht unwahrscheinlich. Im Zuge dessen finde ich merkwürdig, dass kaum über Jimmy Savile geredet wird. Das war ja eine Art englisches Pizza Gate.

  14. 1. Es geht uns nichts mal wieder nichts an, was da drüben abgeht.
    2. Schwarz oder PoC wurscht.
    3. Jeder ja jeder hier auf der westlichen kapitalistischen westlichen Welt hat Skalven! Seht euch mal die letzten Dokus auf arte an, über Plastik und Wasser. Das geht echt nicht mehr klar!

    • Wäre schön wenn die Politik in den USA keinen Einfluss auf uns und den Rest der Welt hätte, die Realität ist leider nicht so.

      rockbertus, du hast vielleicht Sklaven. Ich habe keine.

    • Ich habe keine Sklaven.
      Ich schmeiße mein Plastik in den gelben Sack und wenn irgendeine windige chinesischen Firma Geld nimmt und das Zeug dann in den Jangtse schmeißt ist das nicht meine Schuld.
      Der arte Unsinn über Wasser ist so abseitig, dass es keine Erklärung rechtfertigt

    • Ist der Kern der moralisierenden Linken. Es geht darum ein Gegner zu schaffen der so böse ist, dass man selber die Sau raus lassen kann und trotzdem „der Gute“ ist. Deshalb diese Fixierung auf Schuld und Schuldrituale. Man möchte mal der gute sein, aber nur im Mob oder mit der Maske über dem Kopf, sonst ist man zu feige dazu.

        • Und dann kommt die doofe Erkenntnis: Die Linke ist auch nicht besser, nur noch dümmer und verlogener.
          Dabei wäre es so einfacher, um nicht all zu sehr in das komplexe zu verfallen zitiere ich hier eine Deutsch-Rock Band, der bisher noch keiner zu tiefes Denken nachgesagt hat: „Diese Welt ist euer Erbe, und wenn sie euch nicht gefällt, werdet bessere Menschen und ihr kriegt eine bessere Welt.“ Aber moralisch überheblich auf dem hohen Ross auf einzelene eintreten, ist halt einfacher…

          • Ich habe lange glauben können, dass die Kritikfähigkeit so gross ist, um sich auch selbst im Griff zu haben und zu korrigieren.

  15. Die öffentliche Meinung über Prominente wird ja praktisch ausschließlich medial konstruiert (man kann ausführlich darüber streiten, ob es so etwas wie „Demokratie“ gibt, in der durch öffentliche Debatten eine eigenständige fundierte öffentliche Meinung entsteht). In diesem Kontext fand ich den folgenden politico-Artikel sehr interessant, der den plötzlichen Schwenk der Beurteilung von Harris in den wichtigen Medien beschreibt:
    https://www.politico.com/news/magazine/2020/08/13/media-crush-kamala-harris-395020
    The Media’s Sudden Crush on Kamala Harris
    By Jack Shafer
    08/13/2020

  16. Verteidiger von Harris führen an, dass viele Sklavinnen vergewaltigt worden sind und eine Abstammung von dem Sklavenhalter auf diese Weise sie noch eher zu einem klassischen Opfer der Sklaverei machen würde

    Wieso sollte sie Opfer der Sklaverei sein? Sie wurde ja nicht vergewaltigt, sondern wenn überhaupt, ihre Mutter. Ihre Mutter ist dann ein mögliches Opfer der Sklaverei, sie hingegen ist ein Produkt.

    Und spätestens seit #metoo sollte sich jeder Mann darüber klar sein, dass eine Vergewaltigung nicht unbedingt eine Vergewaltigung gewesen sein muss.

  17. Meine Güte, dass ist ja eine sehr detaillierte Ahnenrecherche, bei der ein für Ariernachweise zuständiger Beamter vor 85 Jahren im Dreieck gesprungen wäre. Gut, mit unserer Vergangenheit im Kopf lässt sich das leicht sagen, nur, was geht in den Köpfen dieser Leute vor, die so die vermeintliche Identität ihrer Mitmenschen in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns stellen?

    Abgesehen davon, da ich in meiner Familie verschiedene Angehörige haben, die nicht typisch deutsch aussehen, sich vom Dialekt kein bißchen von den anderen Eingeboren dort abheben, frage ich mich: Zwingen mich diese Leute tatsächlich, meine Verwandtschaft als „Schwarze“ zu sehen?

    So werden vermeintliche Minderheiten produziert.

  18. Via Nachdenkseiten:

    „Zumindest verbal setzt sich Harris für den Kampf gegen Rassismus und für Frauenrechte ein.“

    Wie sieht das in der Praxis aus? Etwa so:

    „1999 wurde der Elektriker George Gage angeklagt, mehrere Jahre zuvor seine Stieftochter Marian sexuell missbraucht zu haben. Die Anklage gründete sich auf die Aussage Marians. Gage, der über keinerlei Vorstrafen verfügte, wies die Vorwürfe vehement zurück und wurde schließlich von einer Jury zu 70 Jahren Haft verurteilt. Im Anschluss an das Verfahren entdeckte der zuständige Richter, dass die Staatsanwaltschaft unrechtmäßig entlastende Beweise zurückgehalten hatte, darunter medizinische Gutachten, die dokumentierten, dass Marian in der Vergangenheit mehrfach vor Strafverfolgungsbehörden die Unwahrheit gesagt hatte, sowie eine Stellungnahme der Mutter, die erklärte, Marian sei „eine pathologische Lügnerin“ und „lebt in ihren Lügen“. Ein Berufungsrichter verwarf das Urteil daraufhin, jedoch blieb Gage hinter Gittern.

    Jahre später landete der Fall 2015 beim US-Berufungsgericht in San Francisco – unter Jurisdiktion der Generalstaatsanwaltschaft von Kalifornien. Deren Vorsitzende damals: Kamala Harris. Harris‘ Team verteidigte das Urteil gegen den Unschuldigen vehement, doch nicht aufgrund von Beweisen, sondern wegen einer unbedeutenden Formalität, die darauf gründete, dass sich Gage ohne Recht auf einen Pflichtverteidiger selbst verteidigen musste. Gage ist heute 80 und sitzt als Unschuldiger weiter hinter Gittern.“

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=63810

    Wenn das so stimmt, gehört die wegen Freiheitsberaubung selbst hinter Gittern.

    • Wie kann sowas überhaupt passieren. Kriegen die Beteiligten alle Gehaltserhöhungen wenn sie möglichst unmoralisch handeln?

      Und wie kann Marian mit sowas leben? Die glaubt wahrscheinlich ihre eigene Lüge.

      • „Wie kann so was passieren“ ist die falsche Wortwahl. Wie können Leute so etwas machen, ist die angebrachte Formulierung. Und da teile ich Dein Entsetzen.

  19. Asian-Americans verdienen ja im Schnitt mehr als weiße Amerikaner (und schneiden auch bei Intelligenztests etwas besser ab). Ich finde es befremdend, dass alle immer nur von der ersten schwarzen möglichen Vizepräsidentin sprechen, als käme es nur auf 50% ihrer Gene an, bzw. als seien indische Gene weniger gut oder wichtig als afrikanische.

    Das Verhältnis zwischen Schwarzen und Asian-Americans ist wohl auch nicht ganz spannungsfrei; ich kann mich an eine Klage von Asiaten gegen Affirmative Action für Schwarze erinnern.

    Ich denke das könnte auch in die Hose gehen.

    Bemerkenswert finde ich ach die Reaktionen unserer Medien auf Harris; Verliebtheit ist wohl noch untertrieben. Ähnlich war es bei Obama.

    • Freude über den Erlöser und jetzt über eine mögliche Erlöserin. Da schwingt klar was Messianisches mit (und damit sich jetzt nicht die Messies gemeint, die Abfall sammeln).

  20. Never Biden / Harris, lieber einen Elefanten im Porzellanladen 😀

    https://www.jns.org/opinion/did-the-charlottesville-quote-define-donald-trump/

    After a summer of Black Lives Matter protests, the Charlottesville debate has taken on new importance. While the death of George Floyd caused Americans to think more about law enforcement and racism, the demonstrations—and the riots that followed them—have made some of Trump’s comments seem prophetic. …..

    The debate about what was said about Charlottesville is now bound up in a conflict about American history and racism that has divided the nation far more than it was three years ago. Trump is part of that story, but unfortunately, we’re no longer merely talking about a few Nazis. Rather, we’re engaged in a bitter culture war that is not so much about Trump, but over the false and far more important charge that the United States is an irredeemably racist nation. It will take more than an accurate quote or even an election to heal that festering wound.

  21. lol — „from Lotus to Potus“

    Vielleicht wird der indische Aspekt von Harris auch deshalb so ignoriert, weil man sich dann mit der anderen prominenten Amerikanerin indischer Abstammung auseinandersetzten müsste, der beliebten Nikki Haley ….

  22. Pingback: Billy Coen: Verdrängung der Klassenfrage durch Intersektionalismus, oder wie Privilegierte mit gutem linken Gewissen privilegiert werden | uepsilonniks

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