Folgen der Identitätspolitik und des Tätergruppe – Opfergruppe Schemas nach Thomas Sowell

Kamala Harris als potentielle Vizepräsidentin und die Tücken der Identitätspolitik auf der individuellen Ebene

Kamala Harris wird in den USA die Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin neben Joe Biden. Es war in jedem Fall klar, dass er eine schwarze Frau zum Vizepräsidenten machen wollte, damit eben diese Gruppe auch vertreten ist.

Jetzt wo sie ernannt ist ist eine interessante Kontroverse losgetreten:

Einmal die Frage ob sie überhaupt „schwarz genug“ ist, also afro-amerikanisch. Harris ist die Tochter des aus Jamaika stammenden Wirtschaftsprofessors Donald J. Harris (* 1938) und der tamilischen Krebsforscherin Shyamala Gopalan (1938–2009) aus Indien. Also eine Jamaikanisch-tamilische Herkunft.

Ihre Familie sieht so aus:

Allerdings sind die beiden Kinder wenn ich es richtig verstehe die Kinder ihres Mannes aus erster Ehe.

Aber wie es auch schon der Tweet andeutet werden sie einige da nicht als „schwarz genug“ ansehen. Mit zwei Wissenschaftlern kommt sie auch aus einer sehr „privilegierten Familie“ und das wird sicherlich auch irgendwie zur Sprache kommen und in den Wahlkampf eingebracht werden

Den zweiten Punkt finde ich noch interessanter, denn er berührt einen der Kernpunkte der Identitätspolitiken, die strikte Einteilung in Gruppen, die Unterdrückte und Unterdrücker sind und auch die Theorie, dass die Gruppen eben an sich die Vorteile ihrer Vorfahren nach wie vor zugute kommen und sie davon profitieren. Gerade in den USA gibt es dazu die Debatte um Reparationen, also Ausgleichszahlungen von den weißen Sklavenhalterabkömmlinge an die schwarzenSklavenabkömmlinge.

Harris soll nämlich jamaikanische Plantagenbesitzer in ihrer Ahnengalerie haben:

In June and July 2019, social media users shared reports that claimed one of the ancestors of 2020 presidential Democratic primary candidate and U.S. Sen. Kamala Harris (D-Calif.) was a slave owner on the Caribbean island of Jamaica.

Such claims were shared widely in the aftermath of the first round of Democratic primary debates, during which Harris brought racial issues to the fore by criticizing primary rival and former Vice President Joe Biden’s legislative record on busing, which she called “hurtful” to her as a black woman.

The focus on racial issues and Harris’ racial identity intensified after Donald Trump, Jr., son of President Donald Trump, briefly shared a tweet that averred: “Kamala Harris is *not* an American Black. She is half Indian and half Jamaican.” The source of that tweet, the @ali account, has consistently promulgated the claim that Harris is descended from “Jamaican Slave Owners.”

Amid the renewed scrutiny of Harris’ family history, the right-leaning website “Big League Politics” posted what it said were the names of the “slaves Kamala Harris’ ancestor owned,” adding:

“Democrat presidential candidate Kamala Harris is descended from Irish slave owner Hamilton Brown, the namesake of Brown’s Town in Jamaica, who recruited massive numbers of Irish migrants to Jamaica to work on his sugar plantations after the British empire abolished slavery.”

Ihr Vater soll beispielsweise zur Familiengeschichte das Folgende veröffentlicht haben:

“My roots go back, within my lifetime, to my paternal grandmother Miss Chrishy (née Christiana Brown, descendant of Hamilton Brown who is on record as plantation and slave owner and founder of Brown’s Town) and to my maternal grandmother Miss Iris (née Iris Finegan, farmer and educator, from Aenon Town and Inverness, ancestry unknown to me). The Harris name comes from my paternal grandfather Joseph Alexander Harris, land-owner and agricultural ‘produce’ exporter (mostly pimento or all-spice), who died in 1939 one year after I was born and is buried in the church yard of the magnificent Anglican Church which Hamilton Brown built in Brown’s Town (and where, as a child, I learned the catechism, was baptized and confirmed, and served as an acolyte).” [Emphasis is added].

There is no doubt that Hamilton Brown was a prominent plantation owner in Jamaica during the first half of the 19th century, owned slaves, and also advocated against the abolition of slavery and sought to downplay the difficult working and living conditions of slaves in Jamaica.

However, we have been unable to verify that a line of descent exists between the modern-day Harris family and the 19th-century slave owner. As such, the claim that an ancestor of Sen. Harris owned slaves in Jamaica remains unproven. If evidence emerges that verifies that line of descent, we will update this fact check accordingly.

Gegenwärtig ist noch unklar ob die Abstammung tatsächlich richtig ist und in welcher Weise sie abstammt: Verteidiger von Harris führen an, dass viele Sklavinnen vergewaltigt worden sind und eine Abstammung von dem Sklavenhalter auf diese Weise sie noch eher zu einem klassischen Opfer der Sklaverei machen würde, die Gegenseite meint, dass die Abstammung über eine weiße Frau nachzuweisen sei, es ist aber alles noch im Streit.

Was nun war oder falsch ist ist mir da eigentlich egal. Mich würde aber theoretisch interessieren, wie man in den intersektionalen Theorien damit umgehen will, wenn die grobe Einteilung in Rassen nach dem äußeren nicht mehr hinhaut, weil es eben Vermischungen gibt.

Ist das Kind einer „gemischtrassigen“ Ehe (auf der einen Seite direkte Abstammungen nur von Sklaven auf der anderen Seite nur von Plantagenbesitzern um mal etwas zu übertreiben) nun ein Opfer oder ein Täter?

Die Vermischungen lassen sich hier ja in jede Richtung verschieben, es kommen Leute aus anderen Ländern mit einer anderen Vergangenheit dazu, wie etwa Harris evtl.

Eine Aufschlüsselung zerstört hier schnell die Pseudorechtfertigungsbasis für die Vorhalte. Es müssen neue Begründungen gefunden werden.
Etwas einfacher ist es einfacher nur auf „Privilegien aufgrund von Vorurteilen“ abzustellen, die dann eben am äußeren Erscheinungsbild festmachen. Aber selbst dann kann man fragen ob das auf „PoCs“ auf solch privilegierten Familien wie bei Harris noch zutrifft oder es nicht doch eher eine Klassen. statt eine Rassenfrage ist. Harris ist nicht in Slums aufgewachsen, ihre Eltern haben gut verdient. Sie hat studiert und schnell Karriere gemacht. Sie kann kaum ernsthaft vermitteln diskriminiert worden zu sein. Dennoch steht sie ja gerade als Kandidatin für die Einbeziehung der schwarzen Bevölkerung.