„Warum Frauen sich auf Verlegenheitssex einlassen“

Die jetzt schreibt etwas dazu, warum Frauen mitunter Sex haben, obwohl sie ihn eigentlich gar nicht wollen:

Aline Halhuber-Ahlmann ist Politologin und Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums Salzburg, das Frauen und Mädchen zu Themen rund um Sexualität, Gesundheit und Frauenpolitik informiert. Sie erklärt sich Verlegenheitssex so: „Wir Frauen werden oft Opfer unserer Erziehung: Wir fühlen uns besonders stark für das Wohlbefinden unseres Umfeldes verantwortlich. Denn Frauen werden als soziale, einfühlsame und hilfsbereite Wesen erzogen. Viele von uns sind stolz, wenn sie Wünsche anderer erahnen.“ Dieses Verhalten bringe Frauen manchmal in Situationen, in denen sie über die eigenen Bedürfnisse hinweggehen. Vielleicht erklärt das auch, warum einige Frauen auch dann noch vaginalen oder analen Sex haben, wenn sie dabei Schmerzen empfinden.

Ob es Erziehung oder Veranlagung ist, ist eine andere Sache. Vieles spricht auch dafür, dass es eben nicht die Erziehung ist.

Mitunter ist es aber auch schlicht ein Selbstbelügen weil man irgendwie mitgeschwommen ist, es einfach hat geschehen lassen und es hinterher bedauert. Und nicht unbedingt das einfühlsame und hilfbereite.

Vielen Frauen fällt es laut Halhuber-Ahlmann außerdem schwer, den Sex abzulehnen, wenn sie und ihr Gegenüber sich bereits geküsst oder intime Berührungen ausgetauscht haben. „Sie fürchten, den Mann damit zu kränken oder sogar aggressiv zu machen. Sie halten es für einfacher, ja zu sagen.“

Würde man das gleiche einwerfen bei Frauen als Managerinnen, etwa „sie wollte den Vertrag nicht ablehnen, sie fürchtete den anderen zu kränken oder aggressive zu machen“, dann wäre man wahrscheinlich ein Sexist.

Und es dürfte das auch wieder davon abhängen wer der jeweilige Mann ist: Um so mehr Status sie ihm zugesteht, um so schwieriger wird es wahrscheinlich.

Victoria hatte mehrmals Sex, den sie so eigentlich nicht wollte – mit ihrem damaligen Freund, kurz vor der Trennung. Sowohl sexuell als auch emotional fühlte sie sich ihm zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nahe. „Weil er ja mein Freund war, hatten wir Sex. Ich wollte ihn nicht verletzen“, erzählt sie. Heute kommt sie zu dem Schluss, dass sie das nicht hätte tun sollen: „Ich habe mich ihm ja damals sozusagen unterworfen.“ Mittlerweile hat Annika sich verziehen, nicht nein gesagt zu haben. Ein Rest an Misstrauen ist aber geblieben: Gegenüber sich selbst und gegenüber Männern. Neben einem Mann im Bett kann sie bis heute nicht durchschlafen. Und beim Sex versucht sie immer, selbst die Initiative zu ergreifen und dem Gegenüber zuvorzukommen. „Ich möchte nie wieder in so eine Drucksituation kommen“, sagt sie.

Finde ich irgendwie eine merkwürdige Beschreibung, jedenfalls da in dem Text nichts enthalten ist, was einen besonderen Druck des damaligen Freunde nahelegt. Sex mit einem Freund ist ja keine große Sache, auch Höflichkeitssex nicht. Muss man sich das verzeihen nicht nein gesagt zu haben? Muss daraus Mißtrauen folgen? Haben sie einfach vergessen die Drucksituation zu schildern oder reicht es, dass sie sich innerlich bereits aus der Beziehung verabschiedet hatte, was er ja anscheinend nicht wußte?

Wenn man allein deswegen neben einem Mann – der einem bisher auch nichts getan hat dem Text nach – nicht durchschlafen kann, dann läuft doch irgendetwas falsch.

Und auch Mona, die im echten Leben anders heißt, hat sich auf Sex eingelassen, „weil das Ja einfacher als das Nein war“, wie sie später sagt. Der Mann, den sie erst an diesem Abend zum dritten Mal traf, lud sie zu einem teuren Geburtstagsessen ein. Das Date fand, für Mona überraschend, in einem Nobelrestaurant statt, einem von jenen, in denen jeder Gang mit einem eigenen Wein begleitet wird. Die Rechnung betrug am Ende mehrere Hundert Euro. Mona fühlte sich in eine Abhängigkeitssituation gebracht. Selber bezahlen konnte sie ihren Teil der Rechnung nicht. „Also hab ich mich betrunken und mir gedacht: Okay, du musst heute Sex haben“, erzählt sie heute. „Das fühlte sich wie die einzige Möglichkeit an, mich bei ihm zu revanchieren.“

Dann hat Mona einfach ein sehr schlechtes Selbstbild und wenig Selbstbewußtsein. Oder rationalisiert etwas, was vielleicht mit Status bei dem Mann zu tun hatte.

Es wäre ja so gesehen recht einfach gewesen zu fragen, ob er sie einlädt und sonst vorzuschlagen das Restaurant zu wechseln. Und natürlich verpflichtet sie eine solche Einladung natürlich auch nicht zum Sex. Es ist erstaunlich, was da als Drucksituation empfunden wird.

Oft machen sich Frauen wie Mona noch lange Vorwürfe, nachgegegeben zu haben – eine Mitschuld bei ihrem Partner oder Date sehen sie dagegen selten.

Ich verstehe bereits nicht warum sie sich lange Vorwürfe machen. Sex ist ja nichts, was man nur begrenzt haben kann. Es nimmt einem nichts weg, wenn man Sex mit jemanden hatte. Aber es wäre, wenn das repräsentiv ist, ja zumindest ein interessanter Einblick in die Psyche einiger Frauen (und würde Falschbeschuldigungen gleich wieder häufiger machen)

Dabei tragen die mindestens genauso viel Verantwortung dafür, dass Sex immer einvernehmlich geschieht. „Männer sollten sich der Zustimmung zum Sex immer wieder zu versichern – besonders dann, wenn es sich um einen One-Night-Stand oder ein erstes Date handelt“, sagt Halhuber-Ahlmann. „Der Mann sollte immer mal wieder nachfragen, ob das, was man gerade macht, noch in Ordnung ist.“ Durch das Nachfragen könnten Frauen innehalten und das eigene Empfinden überprüfen.

Tatsächlich bestand hier in allen geschilderten Fällen aus dem klassischen Empfängerhorizont Einverständnis. Da jetzt eine Pflicht zum beständigen Nachfragen einzurichten – wenn man auch immer auf den anderen achten sollte und ihm dem Raum geben sollte – ist doch etwas weitgehend.

Und auch dieses „durch das Nachfragen können Frauen innehalten und das eigene Empfinden überprüfen“ rückt diese Frauen eher in eine komisches Licht. Sie sollten doch entscheiden können, ob sie Sex haben wollen oder nicht ohne das man sie wie kleine Kinder oder unmündige behandeln muss.

Spätestens, wenn ein Partner oder eine Partnerin beim Sex Ekel empfindet, wird es problematisch

Grundvoraussetzung dafür, dass das dann auch hilft, sei allerdings, dass Frauen sich über ihre Bedürfnisse klar werden. „In Gesprächsrunden und bei Vorträgen beobachte ich eine große Diskrepanz zwischen technischem Wissen und der Kenntnis über die eigenen Bedürfnisse. Viele Frauen können nicht genau sagen, was ihnen beim Sex gefällt.“ Kommt es zum Geschlechtsverkehr, können Frauen ihren Standpunkt aber eben nur vertreten, wenn sie diesen auch kennen: „Will ich Sex, Analsex, Oralsex? Ist Kondom für mich ein Muss? Wenn ich diese Fragen vorher für mich abgeklärt habe, kann ich das dem Partner auch besser kommunizieren.“

Echt? Die meisten Frauen die ich kenne hatten da durchaus eine Meinung, was nicht bedeutet, dass man über bestimmten Sachen nicht auch reden kann. Das in der heutigen Zeit eine Frau keine Meinung zu Analsex hat scheint mir sogar eher fernliegend.

In langjährigen Beziehungen kommt häufig ein Phänomen auf: „Manchmal willigt man auch zu Sex ein, obwohl man nicht unbedingt Lust darauf hat. Man will dem Partner aber einen Gefallen tun“, sagt Halhuber-Ahlmann. In der Ehe diene Sex darüber hinaus auch oft dem Beziehungserhalt. Zu groß sei bei vielen Paaren die Sorge, dass sie das Konzept der Monogamie sonst nicht mehr leben könnten.

Die Frage, die sich für Halhuber-Ahlmann in diesem Kontext aber stellt, ist, wie dieses Nicht-Wollen und die Unlust bewertet werden. Manchmal könne man sich als Paar ja auch von der Lust des oder der anderen überzeugen lassen, das nimmt sie als unproblematisch war. Spätestens, wenn ein Partner oder eine Partnerin Ekel empfindet, sei es aber problematisch, das zu ignorieren. Frauen rät Halhuber-Ahlmann deshalb, zu lernen, den seelischen Ekel zu erkennen – und auf ihn zu hören: „Manchmal probieren wir aus Interesse kurz und verneinen dann.“ Und das ist in Ordnung.

Irgendwie ein recht sinnloser Artikel, der aus meiner Sicht kein gutes Licht auf Frauen wirkt und sie erneut sehr passiv darstellt. Immerhin mit der Aufforderung sich selbst aktiv Gedanken zu machen.