Studien, die positive Sachen über Männer feststellen, werden eher angezweifelt – Das Klischee der guten Frau und des bösen Mannes

Eine interessante Studie:

Two studies investigated (1) how people react to research describing a sex difference, depending on whether that difference favours males or females, and (2) how accurately people can predict how the average man and woman will react. In Study 1, Western participants ( = 492) viewed a fictional popular‐science article describing either a male‐favouring or a female‐favouring sex difference (i.e., men/women draw better; women/men lie more). Both sexes reacted less positively to the malefavouring differences, judging the findings to be less important, less credible, and more offensive, harmful, and upsetting. Participants predicted that the average man and woman would react more positively to sex differences favouring their own sex. This was true of the average woman, although the level of own‐sex favouritism was lower than participants predicted. It was not true, however, of the average man, who – like the average woman – reacted more positively to the female‐favouring differences. Study 2 replicated these findings in a Southeast Asian sample ( = 336). Our results are consistent with the idea that both sexes are more protective of women than men, but that both exaggerate the level of same‐sex favouritism within each sex – a misconception that could potentially harm relations between the sexes.

Quelle: Reactions to male‐favouring versus female‐favouring sex differences: A pre‐registered experiment and Southeast Asian replication

Aus einem Bericht über die Studie:

Wie Psychologen um Steve Stewart-Williams im British Journal of Psychology berichten, werden solche für Männer positiven Studienergebnisse reflexhaft in Zweifel gezogen – von Männern wie Frauen gleichermaßen. Offenbart sich in vergleichbarer Forschung hingegen eine weibliche Überlegenheit, ergibt sich ein anderes Bild. Solchen Ergebnissen wird größeres Vertrauen entgegengebracht, die Methodik eher gelobt und die Aussagen als relevant bezeichnet. Auch hier gilt: Männer und Frauen reagieren gleichermaßen auf diese Weise auf Aussagen, die Frauen überlegen dastehen lassen.

Die traurige Nachricht für gequälte Männer also lautet: Sie lassen sich nicht einmal von positiven Nachrichten aus der Wissenschaft über ihr eigenes Geschlecht aufheitern. Da ist es erleichternd, dass die Studien über das Malen und Lügen erfunden sind: Stewart-Williams hat sie sich ausgedacht, um sie seinen Probanden vorzulegen – einmal in einer Version, die Männer in besserem Licht erscheinen ließ, und einmal so, dass Frauen günstiger wegkamen. Die Reaktion der Geschlechter unterschied sich dabei nur in Nuancen: Frauen bewerteten Ergebnisse sogar teils als gefährlich, wenn sie Männer besser dastehen ließen. Beide Geschlechter unterstellten dem jeweils anderen zudem, das eigene zu bevorzugen – was in diesem Fall aber nur auf Frauen zutraf.

(…)

Sie wiederholten die gleiche Studie nämlich noch einmal in Südostasien, wo aus westlicher Sicht oft eher überkommene Rollenbilder gepflegt werden. In diesem Kulturkreis ergaben sich die gleichen Ergebnisse: Positive Aussagen über Männer gelten im Vergleich als unglaubwürdig.

Frauen würden in den meisten Kulturen in einem positiveren Licht betrachtet, sagen die Psychologen, daher weckten im Vergleich bessere Aussagen über Männer Ablehnung. Diesen Punkt stützen sie sogar mit Verweis auf sehr viele (echte) Studien. Aber vermutlich provozieren auch diese nichts als Skepsis: Denn dass es Frauen irgendwie leichter haben könnten als Männer, darf doch wirklich nicht wahr sein!

Es scheint also nicht an einer bestimmten Kultur zu liegen, sondern eher etwas grundsätzliches zu sein.

Anscheinend steckt es in gewisser Weise in uns Frauen eher in Schutz zu nehmen. Und mißtrauischer bei Männern zu sein.