Fragen und Antworten zu Incels (Ronin)

Ronin hat angesichts eines Videos zu Inceln einen interessanten Kommentar geschrieben:

(…)

Fragen, die aus meiner Sicht hätten gestellt werden müssen, wären folgende gewesen:

Wie bzw. warum wird man „Incel“?

Jede Wette, der Großteil der Incels weist ein angeborenes geringes Selbstbewusstsein auf. Sie sind konfliktscheu, wollen gemocht werden und glauben, der Schlüssel dazu bestünde darin, zu allen nett zu sein. Sie sehen nicht, dass jemand, dessen einziges herausragendes Merkmal Nettigkeit ist, auf die meisten anderen Leute uninteressant und langweilig wirkt und eher gemieden wird – mit Ausnahme von denen, die seine Nettigkeit ausnutzen.
Um reale oder potenzielle Ablehnung zu vermeiden, ziehen sie sich oftmals zurück und flüchten sich in virtuelle Welten.

Ich vermute man müsste erst einmal zwischen „Incel“ im Sinne von „Menschen, die keinen Sex bekommen obwohl sie gerne welchen hätten“ und dem politisierten Begriff Incel „Männer, die noch nie was mit Frauen hatten und sie hassen, weil sie meinen, dass die Frauen ihnen Sex vorenthalten obwohl es  daran liegt, dass sie Frauenhasser sind, mit denen sich zurecht niemals eine Frau einlassen will“ unterscheiden bei der Frage. Ein Teil der Frager hatte wohl eher die zweite Definition vor Augen.

Aber die Frage, warum man Incel wird ist natürlich interessant. Bei Männern ist Schüchternheit sicherlich ein sehr großes Hindernis, schlechte soziale Fähigkeiten ebenfalls, mitunter auch zu hohe Ansprüche an die Frauen im Verhältnis zu ihrem Marktwert.

Das alles kann dann in den „zweiten Typ“ umschlagen, den das ganze verbittert.

Bei Frauen, die Incels sind, ist es schon schwieriger. Schüchternheit ist sicherlich ebenfalls ein großer Punkt. Aber selbst schüchterne weibliche Incels werden wahrscheinlich schon mal Typen abgelehnt haben, die was versucht haben. Die Erwartung, dass es etwas besonderes sein muss, dass es der Richtige sein muss, dass alles perfekt sein muss, könnte auch stark dazu beitragen.

Warum sind so viele „Incels“ verbittert?

Sie glauben, um gemocht zu werden, müssten sie „nett“ zu allen und jedem zu sein, alles vermeiden, was Ablehnung durch andere verursachen könnte, und um jeden Preis zu den „Guten“ gehören. Deshalb vermeiden sie alles, was irgendwie übergriffig sein könnte (googelt mal nach „hover hand“). Irgendwann stellen sie aber fest, dass sie dafür nicht mehr, sondern sogar weniger gemocht werden und Leute, die genau das Gegenteil machen, viel mehr Erfolg im Leben und bei Frauen haben. Deshalb verachten viele Incels auch Pickup Artists. Obwohl sie aus ihrer Sicht immer alles richtig gemacht haben und alle Forderungen der Mee-Too-Aktivistinnen erfüllt haben, müssen sie zusehen, wie andere, die das eben nicht tun, Erfolg haben.

Das kann ein Element sein. Und ich denke gerade die verbitterten sagen gerne solche Sachen wie „Die Schlampen ficken doch mit allen/den heißen Typen/den coolen/den bad Boys warum ficken die nicht mit mir??“ und eben auch „ich mache doch alles, warum nehmen die mich nicht war“? Ich könnte mir auch gut einen gewissen Narzissmus vorstellen, der sie einfach nicht akzeptieren lässt, dass Frauen nicht einfach so mit ihnen schlafen oder das sie etwas anderes machen müssten, damit Frauen sie interessant finden. Was dann wahrscheinlich auch zu einer Verachtung für Pickup führen kann, weil sie die Mechaniken nicht verstehen. Sie wollen die sein, die problemlos mit Frauen schlafen können, weil sie das bei einigen meinen so zu sehen (in Wahrheit verpassen sie meist viele wesentliche Elemente) und verachten alle, die keinen Erfolg bei Frauen haben und alle die dafür etwas tun müssen (Pickup Artist). In ihrem Narzissmus erwarten sie, dass Frauen so auf sie anspringen müssten, weil sie da sind. Sie zählen sich nicht zu denen, die keine Frau bekommen können, sondern zu denen die zu Unrecht von den Frauen mißachtet werden.

Der nette Junge mit der Erwartungshaltung, dass ihm sein Verhalten ein Recht auf Sex gibt, dass „die Frauen“ zu erfüllen haben

Sind „Incels“ an ihrer Lage selbst schuld?

Ja und nein. Ein Incel ist an seiner Situation genauso schuld wie z.B. eine Frau, die keinen Partner findet, weil sie hässlich ist (falls es so etwas gibt). Aber es ist falsch, wenn Incels der Gesellschaft oder den Frauen die Schuld dafür geben. Genau wie man Männern nicht vorwerfen kann, dass sie hübsche Frauen attraktiv finden, kann man Frauen nicht vorwerfen, dass sie selbstbewusste Männer mögen. Es ist einfach biologisch so in uns allen verdrahtet.

Das ist eine sehr aufgeladene Frage, weil Schuld ein sehr schwieriger Begriff ist. Und auch „Lage“ ist ein sehr schwieriger Begriff.

Was ist beispielsweise die „Lage“? Geht es einfach nur darum überhaupt Sex haben zu können? Dann ist jede weibliche Incel natürlich in der Lage sich aus dieser Lage zu befreien. Sie könnten sogar – vollkommen ungeachtet ihres Aussehens – Geld damit verdienen. Und natürlich könnte jede von ihnen irgendjemanden – nicht unbedingt jemanden Tolles – finden, der mit ihnen  – dann vielleicht keinen guten – Sex haben würde.

Und auch jeder männliche Incel, der die Lage als Gottgegeben und unabänderbar darstellt muss sich fragen welche Anforderungen er denn abseits „Sie muss weiblich sein und der Penis muss in die Vagina“ stellen würde (gibt es eigentlich schwule Incels?)

Und natürlich kann man sehr viel machen um auch im Bereich flirten und Aussehen besser zu werden. Sind die entsprechenden Versäumnisse eine „Schuld“? Geh ins Fitnessstudio, stemm richtig Gewichte, geh zum Friseur, lege dir bessere Kleidung zu, beschäftige dich damit, was Frauen interessant finden und was auf die anziehend wirkt, sorge dafür, dass sich überhaupt mehr Frauen in deinem Umfeld aufhalten und du Kontakt mit ihnen hast, senke deine Ansprüche ab, damit du zumindest einmal die Anspannung des „ersten Mals“ überwinden kannst und Erfahrungen sammeln kannst.

Dagegen könnte man anführen, dass einige Leute einfach nicht in der Lage sind, aus ihrem bisherigen Denkbild und ihrem Charakter auszubrechen, dass sie schon zu tief in einer Ideologie oder bestimmten Ansichten drin sind um sich zumindest allein daraus zu befreien

Noch erstaunlicher scheint mir, dass es Foren mit männlichen und weiblichen Incels gibt, die diskutieren. Noch nie war ein Problem so einfach über ein Gruppentreffen zu lösen.

Wie kann man „Incels“ helfen?

Incels müssen erkennen, dass das Problem in ihnen selbst liegt und nicht in allen anderen um sie herum. Ob man das Problem aber irgendwie lösen kann, ist fraglich. Seine Persönlichkeit zu ändern, ist schwierig. Selbstbewusstsein ist nach meiner Überzeugung angeboren und kann nachträglich nur geringfügig beeinflusst werden. Außerdem muss man sich im Klaren sein, dass es ganz einfach viel mehr Männer gibt als gesellschaftlich notwendig wären, dass also schon rein mathematisch nicht jeder Mann eine Partnerin bekommen kann.

Einige haben sicherlich einen schweren Stand. Aber man muss aus meiner Sicht auch nicht gleich seine gesamte Persönlichkeit ändern und natürlich kann einem ein gewisser Erfolg auf einem Gebiet auch Selbstvertrauen geben.

Rechnungen, nach denen nicht jeder Mann eine Partnerin bekommen kann, überzeugen mich jetzt als Gedanke nicht so. Der durchschnittliche Mensch hat meine ich zwischen 5-6 Sexpartner oder so. Man muss zudem ja auch nicht perfekt werden, es reicht interessanter zu sein als andere Bewerber um diese jeweilige Frau.

Man muss auch kein Leonardo DiCaprio sein und Victoria Secret Models der Reihe nach ins Bett bekommen, aber höchstens bis sie 25 sind. Es reicht, wenn man die Zuneigung eines Mädchens in seiner Schönheitskategorie oder darunter für sich begeistert.

Aber ob man tatsächlich helfen kann? Wohl nur, wenn derjenige bereit ist Sachen zu lernen und sie auszuprobieren und es als eine Reise der kontinuierlichen Verbesserung sieht.