Sind Erbschaften gerecht?

Auch eine alte Debatte dreht sich darum, inwiefern Erben gerecht ist.

Die eine Seite führt an, dass es Ungleichheiten zementiert und einigen Leuten einen ungerechten Vorteil gibt, da sie dann über Millionen oder gar Milliarden verfügen, für die sie selbst nichts getan haben.

Die andere Seite führt an, dass (zumindest bei jüngeren Vermögen) das Erbe aus versteuerten Einkommen stammt und insofern der Staat da schlicht schon zugelangt hat.

Gerade aus linkeren Kreisen kommen immer wieder solche Ideen hoch wie:

  • Erben total abschaffen
  • allenfalls geringe Summen, der Rest geht an den Staat etc

Natürlich würde das teilweise zu erheblichen Problemen führen, etwa wenn sagen wir mal Eheleute ein Haus gemeinsam haben und einer der beiden stirbt. Dann müsste der andere zwangsläufig das Haus verkaufen, indem er mit seinen Kindern lebt.

„Na gut, dann geben wir für Häuser eben großzügigere Freibeträge“ wird da die Gegenseite erwidern.
Aber auch ansonsten kann es zu erheblichen Problemen kommen, etwa wenn Gesellschaften verkauft werden müssen um die Erbschaftsteuer zu zahlen oder man diese eben nicht auf seine Kinder übertragen kann.

Ich neige eher der Ansicht zu, dass der Staat Erbschaften nicht zu hoch besteuern sollte und halte es für eine reine Neiddebatte. Sicher mag es ungerecht für viele erscheinen, aber dennoch sollte der Staat nur begrenzt in fremdes Eigentum eingreifen können. Das ist aus meiner Sicht einer der Grundpfeiler einer zivilisierten Gesellschaft. Alles andere, gerade die Lösungen, bei denen man quasi gar nichts vererben kann, produzieren dann eben auch nur Verschwendung, Schattenwirtschaft, Vermögensverlagerungen etc.

Wenn jemand sagen wir mal ein Vermögen von 200 Millionen hat und davon nichts vererben kann, zumindest nicht in einem bestimmten Staat, dann wird er es eher außer Landes schaffen wollen oder ggfs sogar dazu neigen es in den letzten Jahren auszugeben oder anderweitig beiseite zu schaffen, wenn er es irgendwie kann.

Interessant ist es sich insoweit natürlich mal die deutsche Regelung anzuschauen:

Jedem unbeschränkt steuerpflichtigen Erwerber (§ 2 Abs. 2 Nr. 1 ErbStG) steht ein persönlicher Freibetrag zu, der sowohl für Erwerbe von Todes wegen als auch für Schenkungen unter Lebenden gilt (§ 16 ErbStG). Der Schenkungsfreibetrag kann alle zehn Jahre erneut genutzt werden. Die Freibeträge gelten nicht für beschränkt steuerpflichtige Erwerbe, das sind solche, bei denen weder der Erblasser oder Schenker noch der Erwerber in Deutschland wohnen (und nicht innerhalb der letzten fünf Jahre dort gewohnt haben) und es sich bei dem Erwerb um inländisches Vermögen handelt (§ 2 Abs. 2 Nr. 3 ErbStG). Der Europäische Gerichtshof hat jedoch für die Schenkungsteuer festgestellt, dass die Anknüpfung an die Ansässigkeit in Deutschland eine unzulässige Beschränkung der Freiheit des Kapitalverkehrs darstellt und gegen das Gemeinschaftsrecht verstößt.[10]

Der Freibetrag beträgt für

  1. den Ehegatten/Lebenspartner: 500.000 €;
  2. jedes Kind/Stiefkind: 400.000 €;
  3. jedes Kind eines verstorbenen Kindes/Stiefkindes: 400.000 €;
  4. jedes Kind eines lebenden Kindes/Stiefkindes: 200.000 €;
  5. jede sonstige Person aus Steuerklasse I: 100.000 €;
  6. jede Person aus Steuerklasse II (z. B. Geschwister, Neffen) oder III (z. B. Lebensgefährten, Freunde): 20.000 €.

Zusätzlich wird beim Erbfall dem überlebenden Ehegatten/Lebenspartner und den Kindern ein besonderer Versorgungsfreibetrag gewährt (§ 17). Dieser Freibetrag ist jedoch um den Kapitalwert (Barwert) erbschaftsteuerfreier Versorgungsbezüge für Hinterbliebene zu kürzen, soweit deren Zahlung erst durch den Tod des Erblassers ausgelöst wurde. Darunter fallen u. a. Hinterbliebenenrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und sämtliche Versorgungsleistungen zugunsten Hinterbliebener aus einem Dienstverhältnis (betriebliche Altersversorgung). Für Erwerbe von Todes wegen steht dem Erben ein Versorgungsfreibetrag in folgender Höhe zu:

  1. Ehegatte/Lebenspartner: 256.000 €;
  2. Kind bis zu 5 Jahren: 52.000 €;
  3. Kind von mehr als 5 bis 10 Jahren: 41.000 €;
  4. Kind von mehr als 10 bis 15 Jahren: 30.700 €;
  5. Kind von mehr als 15 bis 20 Jahren: 20.500 €;
  6. Kind von mehr als 20 bis 27 Jahren: 10.300 €.

Ab dem 27. Geburtstag haben erbende Kinder keinen Versorgungsfreibetrag mehr.

Wie man sieht sind Eheleute untereinander hier sehr großzügig bedacht, Kinder  und Enkelkinder können ebenfalls sehr gut von den Eltern erben, danach geht es mit den Freibeträgen steil bergab. Kinderlose Menschen haben schon erhebliche Probleme etwas zu vererben.

Die Steuerklassen machen das auch noch einmal deutlicher:

Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
Ehegatten,
Lebens-
partner
Kinder,
Stiefkinder,
Enkel
(wenn deren
Eltern verstorben), …
Kinder
der Kinder
(Enkel)
Eltern
(bei Erbfall)
Geschwister,
Eltern
(bei Schenkung), …
alle
übrigen
500.000 € 400.000 € 200.000 € 100.000 € 20.000 €
Steuersatz bei einem Vermögen
bis 75.000 € 7 % 15 % 30 %
bis 300.000 € 11 % 20 %
bis 600.000 € 15 % 25 %
bis 6.000.000 € 19 % 30 %
bis 13.000.000 € 23 % 35 % 50 %
bis 26.000.000 € 27 % 40 %
über 26.000.000 € 30 % 43 %

Dazu gibt es noch Sonderregeln für als Ehewohnung genutzte Immobilien und Schutzvorschriften für weitergeführte Gesellschaften.

Wie steht ihr zur Erbschaftssteuer?
Sollte sie höher sein, damit alle gleich starten?
Oder sollte man das vorhanden Eigentum achten und die Unterschiede sind hinzunehmen?