Tönnies, schlechte Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und der fehlende Geschlechteraspekt

In einem Bericht werden die Bedingungen für die Arbeiter bei dem Großfleischvearbeiter Tönnies geschildert:

Arbeiter: Zwei Jahre lang war ich bei Tönnies als Werksarbeiter. Wir waren selten nach den vereinbarten 8 Stunden fertig. Oft waren es 12 oder sogar 13. Wir haben die Überstunden aufgeschrieben. Doch auf dem Gehaltszettel war am Ende nichts davon zu sehen.

Wie waren die Arbeitsbedingungen?

Es war sehr kalt und feucht, die Fließbänder bewegten sich sehr schnell. Ich hörte Kollegen nachts weinen in der Unterkunft, weil sie so schlimme Schmerzen hatten, ihre Hände waren ganz geschwollen. Doch wir machten uns gegenseitig Mut, sagten zueinander: Halt durch.

Ein Freund von mir hat mich immer wieder gebeten, dass ich ihn mitnehme, er wollte unbedingt in Deutschland arbeiten. Ich sagte ihm: Nimm zumindest genug Taschengeld mit, um dir ein Ticket zurück nach Hause zu leisten. Das war ein guter Rat, denn nach einem einzigen Tag bei Tönnies hielt mein Freund es nicht mehr aus und kehrte nach Rumänien zurück.

Gab es regelmäßige Kontrollen?

Wenn Kontrollen kamen, wurde die Geschwindigkeit des Fließbandes verlangsamt, dann war unsere Arbeit leichter. Aber man wusste ja vorher, dass eine Kontrolle kommt. Wieso macht man das nicht unangekündigt? Nur dann könnten Kontrolleure sehen, wie die Lage wirklich ist.

Wurden Sie als Werksarbeiter auf solche Kontrollen vorbereitet?

Uns wurde nahegelegt, nichts zu sagen. Nach dem Motto: ”Wenn die Kontrolle kommt, sagt, dass ihr kein Deutsch sprecht.“ Auch wenn einige von uns die Sprache sprechen.

Wurde auf irgendeine Weise von Seiten der Firma Druck auf Sie ausgeübt?

Ja. Ganz schlimm war es, wenn wir krank waren: Die Vorarbeiter brüllten uns an, dass wir ihnen bloß nicht mit Krankmeldungen ankommen sollten! Als ich einmal stark erkältet war (was schnell passierte, weil wir immer in der Kälte arbeiteten) und angeschrien wurde, reichte es mir. Da habe ich aufgehört.

Waren Ihre direkten Vorgesetzten Deutsche oder Osteuropäer?

Der große Chef war Deutscher, aber der Vorarbeiter am Fließband war Rumäne, denn er musste ja übersetzen, die meisten Arbeiter sprechen kein Deutsch. Diese Vorarbeiter waren meistens Rumänen, die das Glück hatten, in der Schule Deutsch gelernt zu haben. Von ihren Vorgesetzten hatten sie die Anordnung, dafür zu sorgen, dass sich die Leute nicht krankmelden.

Wie waren die Bedingungen in Ihrer Unterkunft?

Einige Unterkünfte, in denen ich gewohnt habe, waren sehr sauber, aber es gab auch Ausnahmen. Es war immer sehr eng, manchmal waren 10, 12 oder zeitweise sogar 14 Leute in einer einzigen Wohnung. Die monatliche Miete lag bei 200 Euro pro Person. Die Gebäude gehörten den Subunternehmen. Ein rumänischer Subunternehmer hat zum Beispiel ein ganzes Gebäude mithilfe eines Kredits von der Bank gekauft und dann die Wohnungen an Arbeiter vermietet. Aber es ist einfach nicht fair, so viele Menschen in eine einzige Wohnung zu stecken!

Wenn irgendwo vergleichbar schlechte Arbeitsbedingungen in einer Firma aufgetreten wären, die ganz überwiegend polnische Gastarbeiterinnen beschäftigen würde, dann hätten wir denke ich ganz andere Überschriften gelesen, dann wäre der Aufschrei noch größer gewesen.

Hier fehlen Artikel darüber, dass die Arbeiter mit ihrer Arbeit Familien in Rumänien ernähren, dass sie es sich nicht erlauben können, den Job zu verlieren oder besser zu wohnen, weil dann eben weniger Geld für zuhause übrig bleibt etc.

Hier hätte man wunderbare Geschichten über die Leiden schreiben können, die Männer auf sich nehmen um ihre Familien zu ernähren.

„Nurturing Masculinity“ sozusagen.