Rassismus, Sexismus etc: Wie Lösungen finden wenn die gegenwärtigen keine Erfolge bringen?

Flin schrieb in dem Artikelideenartikel (leicht neu formatiert):

Es gibt rassistische Diskriminierung von Farbigen und sexistische Diskriminierung von Frauen. Wie sehen Lösungen aus, die nicht im Gegenzug Weisse und Männer diskriminieren? Also wirkliche Lösungen, die funktionieren können, und nicht bloß die Behauptung, es gäbe dies alles nicht oder es wäre nicht so schlimm.

Das ist ein Punkt, bei dem ich in letzter Zeit immer wieder ankomme, aber bei dem ich keine zufriedenstellende Antwort gefunden habe.

  • Das Gerede von Privilegien und Quoten von links fällt schon bei oberflächlicher Betrachtung in sich zusammen.
  • Die Marktradikalität, der Dschungelkapitalismus und
  • das Beschwören des grenzenlosen Individualismus aus der libertären Ecke ebenso.
  • Von rechts kommt ebenfalls nichts sinnvolles, das die Situation Fakten basiert anerkennt und demokratisch aufgeklärte Lösungen für freie und gleiche Bürger statt Untertanen anbietet.

Aus meiner Sicht ist der einzig sinnvolle Ansatz sich von Gruppenschuld zu lösen und gleichzeitig von univarianten Erklärungsansätzen wie „Rassistische oder sexistische Diskriminierung“.

Statt dessen ist in der Betrachtung zu differenzieren nach Gruppen und Individuen.

  • Auf der Gruppenebene ist wichtig, dass man Unterschiede nicht absolut versteht („alle weißen sind privilegiert“), sondern allenfalls als Unterschiede im Schnitt. Des weiteren ist nach Gründen zu fragen, die zu diesen Unterschieden führen.
  • Auf der individuellen Ebene sollte man sich davor hüten alles was schlecht oder gut läuft vorschnell auf bestimmte Gruppenzuordnungen zu treffen, sondern fragen, welche Elemente bei dem Einzelnen tatsächlich zum tragen kommen und welche anderen Elemente daneben eine Rolle spielen können
  • Dann sollte man die konkreten Gründe, die zu Unterschieden führen, untersuchen und fragen, was man an ihnen ändern kann und welchen Preis das hat.

Zum letzten Punkt wäre beispielsweise der klassische Gender Pay Gap anzuführen. Ihn zu beseitigen erfordert Druck auf die Frauen, dass diese weniger Zeit mit Kindern verbringen und möglichst umfassend und auch in technischen Berufen arbeiten gehen. Also müsste man eine frühe Kinderbetreuung einführen, flächendecken und über die typischen Arbeitszeiten und dafür Werbung machen, dass man sie auch nutzt. Wollen Frauen aber diesen Preis zahlen?

Bei den Rassismusproblemen ist das etwas schwieriger. Dazu ein interessanter Ausschnitt aus einem Artikel, in dem eine Frau entdeckt, dass sie genetisch zu einem gewissen Teil weiß ist:

I have never identified as white. In my family, being called white is the ultimate insult. I’ve heard the phrases “you’re acting white” and “that’s some white people shit” many times, and the reason it’s difficult to hear is because it denies my Latinidad, it denies my Blackness, my Indigenousness, and it denies who I feel that I truly am. The idea behind it is that if you speak like a white person or do things that white people do, then you are shirking all of your other identities and turning your back on your culture. This piece isn’t about why this particular issue is a problem in communities of color, but it does play a significant role in how I feel about my DNA test results.

Anderen Artikeln war zB zu entnehmen, dass sich „acting white“ auch darauf bezog, dass man ein eifriger und braver strebsamer Schüler war. Natürlich ist das eine sehr schädliche Kultur. Insoweit bringt es nichts gegen Rassismus zu wettern, wenn gleichzeitig innerhalb der Gruppe erhebliche Hausaufgaben zu machen sind, etwa die Bekämpfung eines Gangwesens, der Gangsterkultur und der Ablehnung positiver Eigenschaften als „weiß“. Gleichzeitig wäre eine Bekämpfung dieser auch der beste Weg negative Vorurteile abzubauen. Denn Stereotype, die immer wieder beobachtet werden, kann man nicht überwinden.

Wer immer nur Faktoren von Außen für sein Schicksal verantwortlich macht, der verliert wichtige Handlungsmöglichkeiten. Rassismus an sich kann man nicht bekämpfen. Man kann aber ein besseres Bild errichten. Man kann eine Kultur des Lernens, der Bildung und der Förderung schaffen. Man könnte es „New black way“ oder etwas in der Art nennen und es wäre wahrscheinlich wesentlich effektiver als einfach nur Rassismus zu brüllen (oder gar Geschäfte zu plündern).

Im Gegenzug müssten dann Ghettos beseitigt, Jobangebote geschaffen und Schulen verbessert werden. Aber all das sind konkrete Punkte, die nicht einfach nur über Parolen zu erfüllen sind.