Der Mietdeckel zeigt: Der Markt lässt sich nicht so einfach regulieren

Berlin hatte einen Mietendeckel eingeführt und die Erfolge scheinen eher das Gegenteil von dem zu sein, was man damit erreichen wollte:

Was würde passieren, wenn in einer Boomstadt wie Berlin die Mieten gedeckelt würden? Die Antworten waren vielfältig – aber sie liefen immer auf eines hinaus: Für die meisten Leute wird die Wohnungssuche schwieriger.

Denn: Es gibt weniger Wohnungen zu mieten. Statt zu vermieten, verkaufen einige Eigentümer ihre Wohnungen lieber als Eigentumswohnungen. Wo noch vermietet wird, werden die Wohnungen seltener modernisiert – die Folgen sieht man langfristig. Kurzfristig steigen schon mal die Ablöseforderungen für Küchen und andere Möbel. Auf der anderen Seite verstärkt sich der Run in die Innenstadt. Schließlich locken gedeckelte Mieten mehr Leute an. Dazu kommt: Wer das nötige Kleingeld hat, nimmt angesichts des Mietendeckels gerne mal eine größere Wohnung, zum kleineren Quadratmeter-Preis kann man sich die ja leisten.

Vor fast genau einem Jahr hat der Berliner Senat die Eckpunkte für seinen Mietendeckel beschlossen, vor vier Monaten trat er in Kraft. Jetzt sind die ersten Ergebnisse sichtbar. Deutlich sichtbar, muss man sagen – und sie sehen genau so aus, wie es die Ökonomen vorhergesagt hatten. In Berlin werden immer mehr Eigentumswohnungen angeboten, so zeigt es eine Analyse des Immobilienportals „Immobilienscout 24“. Gleichzeitig geht der Trend bei den Mietwohnungen nach unten. Der Trendwechsel fällt in den Sommer 2019, kurz nachdem sich der Berliner Senat auf den Mietendeckel geeinigt hat.

Das sind zwar derzeit noch keine wissenschaftlich unanfechtbaren Beweise, aber immerhin sehr deutliche Zeichen: Der Preisdeckel hat die Berliner Mieter Auswahl gekostet. Das wäre nicht so schlimm, wenn das geringe Angebot auf ein geringeres Interesse stoßen würde. Doch das Gegenteil ist der Fall: Während sich also die Zahl der angebotenen Wohnungen je nach Zählung fast halbiert hat, hat sich die Zahl der Anfragen pro Inserat innerhalb des Jahres mehr als verdreifacht.

Eine Wohnung zu finden wird unter solchen Umständen zum Glücksspiel. Es ist eine Frage der Zeit, bis deutlich werden wird, dass einige Vermieter unter solchen Umständen noch wählerischer werden: Sie suchen sich zahlungskräftige Mieter mit sicheren Arbeitsstellen aus, die vielleicht so ähnlich aussehen wie sie selbst, und möglicherweise nicht so gerne Familien mit kleinen Kindern, die Unruhe ins Haus bringen können.

So nützt der Mietendeckel zwar allen, die jetzt schon eine Wohnung haben – den Übrigen aber schadet er: Zuzüglern zum Beispiel, aber auch Paaren, die zusammenziehen oder sich trennen wollen. Jungen Leuten, die endlich von zu Hause ausziehen wollen. Selbst alte Leute, die zu viel Platz haben und sich eigentlich verkleinern wollen, werden sich diese Tortur einer Wohnungssuche nur ungern antun.

Am Ende steht leider nur eine Erkenntnis, die nicht furchtbar neu ist: Probleme auf Märkten löst man nicht, indem man die Preise manipuliert, sondern indem man das Übel an der Wurzel packt. Wo es an Wohnungen fehlt, braucht man keinen Mietendeckel und keine Enteignungen, sondern neue Wohnungen und im Zweifel mehr sozialen Wohnungsbau.

Warum sollte auch jemand Wohnungen bauen oder vermieten, wenn es sich immer weniger lohnt? Dann lieber verkaufen.

Wer billigere Mieten und mehr Wohnungen möchte, der muss wenig überraschend das Bauen und Anbieten von Mietswohnungen attraktiver machen. Aber das ist für viele, gerade linke Politiker natürlich eine Zwickmühle:

Mehr Wohnungen wären schön, aber man erreicht sie nur, indem man Leute Vermögen aufbauen lässt. Reiche nicht zu fördern wäre schön, aber dann investieren die weniger in Wohnungen in denen Leute dann wohnen können. Bleibt nur selber bauen. Aber dann muss man es natürlich plötzlich auch finanzieren. Schlecht für eine Stadt, die pleite ist.

Der glaube man kann es einfach anordnen und dann klappt es auch hat etwas planwirtschaftliches. Aber merkwürdigerweise klappt es eben nicht.