Jochen König: „Vätern, die nicht mindestens 7 Monate Elternzeit nehmen, das Sorgerecht aberkennen“

Der männliche Feminist Jochen König will Väter zwingen mal endlich nicht mehr faul zu sein und so etwas einfaches wie die Erwerbsarbeit zu machen, während die Frauen hart Kinder betreuen und plädiert dafür, dass man ihnen das Sorgerecht aberkennt, wenn sie nicht mindestens 7 Monate Elternzeit nehmen.

Zu seiner Situation führt er aus:

Meine kleine Tochter hat drei Eltern. Mit keiner der beiden anderen Elternteile war ich in einer Liebesbeziehung. Seit ihrer Geburt kümmern wir uns um sie zu dritt auf Basis unserer gemeinsamen Freundschaft. In der Krise verteilt sich die Last auf vielen Schultern. Trotzdem ist das alles auch für uns eine große Herausforderung. An vielen Tagen versuche ich verzweifelt, Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Ich bin Bereichsleiter in einem sozialen Unternehmen und wenn wir uns zur Leitungsrunde in der Videokonferenz treffen, bin ich der Einzige, bei dem Kinder im Hintergrund durchs Bild laufen. Die Kinder der anderen Väter werden in der Zeit von den jeweiligen Müttern betreut. Mütter mit kleinen Kindern sind auf dieser Hierarchieebene gar nicht erst vertreten. Mehr noch als vorher muss ich – wie die Mehrzahl der Mütter – beruflich mit Männern konkurrieren, die wesentlich mehr Zeit und Energie in ihre Karrieren investieren können als ich.

Wenn ich es richtig verstehe, dann hat er sich von seiner – anscheinend eher auf Karriere fixierten Freundin getrennt oder sie von ihm und zieht jetzt sein Kind zusammen mit einem lesbischen Paar groß. 

Drei Elternteile und ein Kind – da muss der Alltag gut organisiert sein, zumal die beiden Mütter nicht zusammen wohnen. Sechs Tage verbringt das Kind bei seinem Vater, sechs Tage bei der einen Mutter und zwei Tage bei der zweiten Mutter. Große Entscheidungen treffen sie gemeinsam: In welche Kita soll das Kind gehen, welche Schule soll es mal werden? Aber sie würden nicht alles ausdiskutieren, sagt Jochen. Kinder könnten es gut kompensieren, wenn nicht jeder Haushalt nach den gleichen Regeln liefe.

Er betreibt also eine Art Wechselmodell, bei dem er der einzige mit Sorgerecht sein dürfte, auch wenn es anders gelebt wird. Ein Modell, welches anscheinend für ihn klappt aber welches ja so für die allerwenigsten funktionieren dürfte.

Es ist eine gute Frage, warum es ihm so auf die Nerven geht, dass andere ihr Leben anders aufteilen, dass er sie bestrafen möchte. Er verlagert immerhin von 14 Tagen 8 auf Fremde, die mit dem Kind erst einmal nichts zu tun haben und bringt sie für seinen Vorteil sogar noch um Rente und Gehalt in ihrer Karriere. In einer Ehe bekommt der Partner immerhin für diese Freistellung einiges von dem anderen ab. Hier scheinen die anderen beiden leer auszugehen und er die Vorteile dieses Deals einzustreichen.

Er schreibt:

Vielleicht ist es an der Zeit, die Strategie zu wechseln. Statt Väter mit immer neuen Angeboten zu locken, könnten einfach diejenigen gestärkt werden, die sich tatsächlich um ihre Kinder kümmern. Die Familienpolitik könnte aufhören, einem Ideal von innerfamiliärer Gleichberechtigung hinterherzuhecheln, zu dem Väter seit Jahrzehnten ihren Anteil beharrlich verweigern. Vielleicht sind Väter in heterosexuellen Kleinfamilien einfach nicht immer dafür gemacht, Verantwortung zu tragen und ihren Teil der Arbeit zu übernehmen.

Wer Vollzeit arbeitet und nicht mindestens sieben Monate in Elternzeit geht, könnte beispielsweise grundsätzlich das Sorgerecht verlieren. Wer sich auf diese Weise unsolidarisch gegenüber dem anderen Elternteil und den eigenen Kindern verhält, hat nichts mitzuentscheiden. Vielleicht würde das etwas mehr Väter motivieren, in der Familie aktiver zu sein. Damit Mütter dann allerdings im wahrscheinlicheren Fall nicht allein dastehen, müssten zusätzlich größere Elternnetzwerke gefördert und gestärkt werden.

Allein aufgrund seiner eigenen Historie hätte er ja eigentlich den Artikel auch vollkommen geschlechtsneutral halten können. Aber er scheint einen gewissen Hass auf Leute entwickelt zu haben, die keine Kinderbetreuung übernehmen, sondern lieber die Versorgung übernehmen.
Das Männer ihren „Anteil beharrlich verweigern“ ist auch lustig wenn die meisten davon mit den betreuenden Frauen gemeinsame Kasse machen und über Unterhalt, Zugewinn und Versorgungsausgleich davon profitieren.

Statt mit der Ehe ungleiche Aufgabenteilungen staatlich zu subventionieren, könnten Zusammenschlüsse von Menschen gefördert werden, die sich solidarisch und gemeinsam kümmern. Neben der Investition in Zukunftstechnologien jenseits der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen könnte ein Corona-Konjunkturpaket eine Innovationsprämie für zukunftsfähige Familienmodelle jenseits der Abhängigkeit von Vätern enthalten.

Ah, er will also die Förderung seines Lebensentwurfes. Wäre interessant, wie er sich das vorstellt. Anscheinend soll ja der Staat was an die Betreuenden zahlen. Und nicht die blöden normalen Familien mit ihrem  Ausbeutern, die „nur“ das Geld (und die Betreuung nach der Arbeit und am Wochenende) einbringen. Ganz schlimm so etwas. Die haben echt kein Sorgerecht verdient. Sondern nur innovative Konzepte wie das seine.

Aber mal weg von seinem Fall:
Was geht es ihn tatsächlich an, wie Leute ihre Betreuung einteilen wollen? Uns geht es ja auch nicht an, wenn er eine Ko-Elternschaft mit Freunden betreibt, solange es dem Kind dabei gut geht.
Natürlich gibt es auch genug Konstellationen, bei denen es durchaus schwierig ist die 7 Monate zu nehmen. Von der Hausfrau, die Hausfrau sein möchte und bei denen dann wenn er lange aussetzt dann schlicht das Geld nicht reinkommt. Über den Selbständigen, der es sich schlicht nicht erlauben kann, dass er 7 Monate nicht arbeitet und damit sein Unternehmen gefährdet. Bis zu anderen großen Gehaltsunterschieden, die ein solches Aussetzen uninteressant machen.

Und mit welchem Recht überhaupt das Sorgerecht aberkennen und was soll das bringen? Ist es dann auf immer weg oder kann man danach einfach wieder eine Sorgeerklärung abgeben bzw einen Antrag bei Gericht stellen, bei dem der Partner vollauf einverstanden ist?
Aus meiner Sicht wäre so etwas noch nicht einmal verfassungsmäßig.

Insofern ein wenig durchdachter Artikel, der mir eher damit zusammen zu hängen scheint, dass jemand irgendwie eifersüchtig ist.