Einer Gruppe die Verantwortung für schlechtes Verhalten Einzelner oder gesellschaftliche Probleme zuweisen: Wie reagiert die Gruppe?

Einer der größten Schwachpunkte von Identitätstheorien, die gesellschaftliche Gruppen in „Die Guten“ und „Die Schlechten“ einteilen und meinen, dass die „schlechte Gruppe“ sich aus Scham ändern sollte ist aus meiner Sicht, dass damit keineswegs zu rechnen ist, sofern nicht tatsächlich eine persönliche Schuld des Einzelnen zu sehen ist.

Wenn man eine Gruppe abwertet, und der Einzelne dort gar nicht einsieht, dass er sich den Schuh anziehen soll, weil er persönlich nichts falsch macht, dann stärkt das allenfalls die Gruppenidentität und lässt die Gegenpositionen attraktiver erscheinen.

Erst wenn man die Gruppenschuld als Eigene akzeptiert bleibt Raum für Scham. Aber dazu muss man bereits Mitglied der „Glaubensgemeinschaft“ sein. Die meisten werden die Vorwürfe und die Abwertungen schlicht als Angriff sehen und sich ungerecht behandelt fühlen.

Damit erreicht man insofern zwar eine Reaktion, aber keine positive.

Ich sehe nicht wirklich, wie diese Theorien etwas zum Besseren bewegen können, sie spalten im Wesentlichen und erzeugen ein Gefühl der Angegriffenheit.
Allenfalls dadurch, dass sie mit einer „Call Out Culture“ verbunden werden erzeugen sie eine gewisse Wirkung, weil jeder, der dagegen handelt Konsquenzen befürchten muss. Aber das verlagert die Gegenbewegung ja auch nur in den Untergrund.