Mit dem süßesten Kind der Welt böse schimpfen

Fräulein Schmidt ist ein in großen und ganzen ein nettes Kind. Sie gibt gerne ab, sie lacht viel und wir wollen uns gar nicht beschweren.

Aber natürlich macht sie auch gerne Blödsinn. Nach wie vor spielt die gerne mit Wasser und verteilt es in der Wohnung und natürlich gibt es auch sonst einiges, was man ihr zu ihrem Schutz ist weil es schlechtes soziales Verhalten ist nicht durchgehen lassen will.

Also setz Papa Schmidt eine böse Miene auf und schimpft etwas. Mitunter klappt das und sie merkt, dass sie etwas falsch gemacht hat. Mitunter schaut sie aber auch nur kurz betroffen und merkt irgendwie, dass ich nicht so böse bin. Dann geht ein schelmisches Grinsen über ihr Gesicht und sie setzt das süßeste Lachen auf. Und schon hat sie mich. Ich schaue in diese großen lachenden Augen und bin hin und weg. Dann ärgere ich mich über mich selbst und kämpfe gegen meine Mundwinkel an, aber sie hat das leichte Zucken schon gesehen und lacht noch breiter.

Und damit bin ich natürlich auch verloren. Ich muss mit ihr lachen, zumindest kurz.

Und damit ist meine Autorität in diesem Fall weg.

 

59 Gedanken zu “Mit dem süßesten Kind der Welt böse schimpfen

  1. Sach ma: kannst Du Dich noch grob an Jordan Petersons Erziehungsratschlag erinnern? Ich glaub, er rekurierte auf eine Situation, wo ein Kleinkind Blumenerde durchs Zimmer verteilte, jedenfalls beschrieb er, wie man in solchen oder ähnlichen Fällen immer und immer wieder „nein“ sagen müsse, bis das Kind „verstanden“ habe, was das Wort bedeute…

    • Mr. Lobster beweisst, dass er auch eine Kapazität hinsichtlich 🙋‍♂️🐩ähm.. Kindererziehung ist 👏🏼
      Brav, Platz, Sitz.. 🧑🏻

      • Well, see for yourself (2. Video hier: https://allesevolution.wordpress.com/2018/08/24/jordan-peterson-dazu-wie-man-kinder-erzieht/)

        Ich find schon allein den Ansatz „do not let your children do anything that makes you dislike them“ fragwürdig. Umso mehr, als dass ich gerad noch las, Peterson habe seinem Sohn damals wortwörtlich den Krieg erklärt, als dieser ne zeitlang als Kleinkind s.A.n. nicht genug aß. Eines Tages also will er es konsequent durchgefochten haben:

        „Time after time, Peterson would try and feed him. His son would dodge the spoon of food. He would try little techniques like poking him in a playful manner that would annoy him and get his attention while he tried to put the spoon in his mouth. Of course, the child would resist, but eventually, he would open his mouth admitting outrage and emotion at the annoyance of being poked, and so Peterson put the spoon in his mouth.

        Of course, the child then tried to reject the food and push it out of his mouth, so Peterson put his finger up to his mouth and of course, some came out but not all of it didn’t and some was swallowed. Good, we’ve had a good win, but at this point, he didn’t just repeat it over and over again, he positively reinforced his son. He gave him a pat on the head and told him he was a good boy and he meant it — if someone does something for you and you’re trying to get them to do, reward them.

        He would repeat this process and after an hour later, it was all done. Yes, there was outrage. Yes, there was emotional over-spill. Yes there was stress, but the food was eaten by the child. His son collapsed on him exhausted and they napped. Then when they woke up, his son liked him a lot better than he had before he was disciplined.“

        Auf Medium.com ansehen

        Und wir sollen glauben, dass das Problem damit für immer aus der Welt war… hm.

        Gut, dass er nicht unsere Mittlere zu disziplinieren hatte. Die hat bis 2 nämlich das Spiel geliebt, bei jeder Mahlzeit wenn sie satt war (fairerweise erst) „Fertig!“ zu rufen und dann nacheinander Löffel/Gabel, Teller und Becher durch die Gegend zu werfen, wenn Du nicht schnell genug dazwischengegangen bist. Es war wirklich eine Katastrophe, Nichts half. Sie aber hatte einen Mords-Spaß! Es war, als würde sie denken: „ja klar seid ihr/bist du wütend, ihr habt/du hast ja auch verloren, verloren, ihr seid/du bist einfach zu langsam!“

        Bei einer Gelegenheit hat mein Mann ihr aus Verzweiflung sogar mal auf die Fingerchen gehauen, aber er sah sofort ein, dass das der falsche Weg ist. Hatte sie ja auch gar nicht beeindruckt… und ernsthaft Schmerzen zufügen ist halt ein no-go. Dieser Spuk war glücklicherweise vorbei mit dem Moment, wo sie in die Kita kam.

        Essen ist aber immernoch ein etwas schwierigeres Thema bei ihr. Sie mag Vieles nicht, ändert ihre Meinung bezogen auf manche Lebensmittel aber auch gelegentlich. Im Großen und Ganzen bedeutet das für uns, dass wir stets Dinge vorrätig haben, die sie auf jeden Fall liebt und die wir ihr notfalls anbieten können, wenn sie Hunger hat, aber was wir essen nicht haben will. Ich habe keinen Zweifel, dass Peterson das komplett falsch fände.

        • „Dieser Spuk war glücklicherweise vorbei mit dem Moment, wo sie in die Kita kam.“
          Warum? Weil die Tante im Kindergarten von Anfang an klar machte, dass das ein No-Go ist?

          • Nö, gesagt haben die wohl gar nichts (obwohl sie von mir vorgewarnt waren). Das lag also eher daran, dass auch andere Kleinkinder mit am (Kinder-)Tisch saßen. (Aber das: sie isst so schlecht… war speziell die Kita-Jahre über ein Dauerbrenner-Gesprächsthema, gerade auch, weil sie sehr dünn ist)
            Ich war vorallem positiv überrascht, dass wir ab da auch zuhause wirklich keinerlei Rückfälle mehr zu beklagen hatten. Als wäre ein Schalter umgelegt. Das war halt nur eine Phase. Die wohlgemerkt fieseste, die wir je zu bewältigen hatten. (fingers crossed)
            Obwohl: „Engelchen Bengelchen“ nannte ich sie allgemein öfter in den Anfangsjahren.^^

        • „Of course, the child then tried to reject the food and push it out of his mouth, so Peterson put his finger up to his mouth and of course, some came out but not all of it didn’t and some was swallowed.“

          Als Vater hat er gerade bei mir sämtliche Sympathiepunkte eingebüßt.
          Kinder gewaltsam zu stopfen ist für mich eine indiskutable Grenzüberschreitung schwerster Art.
          Haben die Alten bei mir auch versucht – und mich mit einer veritablen Essstörung ins Leben entlassen, die ich erst mit Mitte 30 überwinden konnte.

          • Es gibt Punkte bei anderen Themen, da gebe ich ihm durchaus Recht, aber das ist tatsächlich vollkommen daneben. Wenn ein Kind nichts mehr essen will, dann kann man das bestenfalls dadurch aussteuern, indem man die tatsächliche Überzeugung davon, nichts mehr essen zu wollen, auf die Probe stellt. Denn wer satt ist, ist nun einmal satt und dann gibt es eben nicht gleich den dann kurz nach dem „ich mag nicht mehr“ eingeforderten „Nachtisch“. Es war schon das eine oder andere Mal überraschend, wie unser Kleiner dann auf einmal seine Meinung wieder änderte und ohne erkennbare Übersättigung auch den Rest vom Essen noch vertilgte. Wobei wir bei unserem auch eh kaum mal Probleme damit haben, etwas in ihn reinzukriegen. Wir sind eher bemüht, darauf zu achten, dass er nicht den ganzen Tag ununterbrochen was in sich reinschaufelt.

            Aber solche Druckbetankung, wie im Zitat beschrieben, geht ja mal echt gar nicht.

          • Finde ich auch, sowas geht mal gar nicht. Fand es scgon hart überhaupt zu lesen. Das kann ganz schlimm nach hinten losgehen. Übrigens auxh, zweifelhafte Ansagen oder böse/streng sein, während man grinst. Das Vertrauen wackelt dann. Genauso wie irgendwas versprechen, wenn das und das gemacht wird. Wort halten, sonst wird man unglaubwürdig und/oder ärgerlich fies und das Kind hat schnell keinen Bock mehr wirklich, da kein Vertrauen und kein Einschätzungsvermögen wie und warum Papa reagieren wird.
            Madig eine Essstörung… Welche denn? Bei mir war es sehr sehr lange, das totale Unwohlfühlen in Gegenwart anderer mit zu essen, und auch lieber alleine in Ruhe zu essen. Auf jeden Fall den Tick oder fast Zwang den Teller immer leer zu essen und so gut wie nichts wegzuschmeissen.

          • Ich fands auch hart zu lesen. Sollte Peterson – den Psycho-Fritzen! – echt noch niemand damit konfrontiert haben, dass sich so ein Verhalten verbietet?

        • Das Kind macht Nickerchen komplett exhauset und mag den fiesen strengen Vater danach noch mehr? Kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Würde hier nicht funktionieren. Dann wäre Mama wieder die Liebste und Beste. Keine Ahnung… man sollte einfach intuitiv handeln, aber nie aggressiv, negativ, verarschend oder niedermachen oder zwingen. Das merken die schon, Kinder sind feinfühlig, da s verlernen Erwachsene zwangsläufig leider, sollten es aber nicht aufobtruieren.

          • So ganz erkenn ich den Zusammenhang zum Zitat leider nicht…

            Der laissez-faire-Erziehungsstil (mit seiner ausgeprägten Tendenz zur Normalisierung sexualisierter Gewalt) wurde aber bereits in meinem nineties Päda-LK damals stark problematisiert, falls es Dir darum ging.

        • „Bei einer Gelegenheit hat mein Mann ihr aus Verzweiflung sogar mal auf die Fingerchen gehauen, aber er sah sofort ein, dass das der falsche Weg ist.“

          Wie alt war sie denn und was habt ihr (außer wirkungslosem Schimpfen) noch an Strafen probiert? Irgendwas geht ja meistens, zumindest wenn die Kinder schon alt genug sind, die Zusammenhänge zu erkennen.

          • Also ich hab kein Buch geführt oder so… das Spiel (genau das war es ja für sie) hat sie sich irgendwann nach dem ersten Geburtstag einfallen lassen, vielleicht war sie da aber auch schon etwas älter. Dann hätte das Problem nur einige Monate angedauert…
            Was für Reaktion hättest Du denn da womöglich Alles gezeigt, wenn ich fragen darf?

  2. Pass auf, Christian, sie scheint dich ja bereits ziemlich um den Finger zu wickeln.
    Vielleicht wäre es zweckmäßiger, Südländerin solche Disziplinierungen übernehmen zu lassen, wenn sie sich nicht von einem süßen Lächeln entwaffnen lässt.

        • Naja, es ist schwer vorstellbar, dass jemand annimmt, die Kindsmutter stünde stets als Backup bereit für den Fall, dass der Papa kindliches Fehlverhalten durch sie sanktioniert sehen wollte.
          „Warte nur, wenn deine Mutter nach Hause kommt…“?

          • Funktioniert schon sowas wie „wenn der Papa nach Hause kommt und das sieht… Oh je, der wird richtig sauer werden.“ oder ansersrum mit der Mama. Aber sauer heißt nicht psychisch oder physische Gewalt. Sondern ernste schlechte Laune gegenüber dem Kind.

          • Was soll dieser Strohmann?
            Ich hatte das Szenario im Kopf, dass Fräulein Schmidt eine Überschwemmung angerichtet hat, und während Südländerin zähneknirrschend aufwischt, versucht Christian dem Töchterchen ins Gewissen zu reden.
            Da wäre es doch sinnvoller, wenn die Person, die die Sauerei wieder in Ordnung bringen muss, ihren Unmut gegenüber dem Kind zum Ausdruck bringt.

          • Möchtest Du also sagen, Dir erschiene der Gedanke, ein Mann wie Christian würde Böden wischen, als abwegig?^^

            „wenn der Papa nach Hause kommt und das sieht… Oh je, der wird richtig sauer werden.“

            Früher soll es eher die Regel als die Ausnahme gewesen sein, dass Mütter mit handfester Gewalt seitens der Väter gedroht haben (insofern sie nicht selbst zulangten). Das Recht auf gewaltfreie Erziehung ist eigentlich noch sehr jung, und mir scheint es wie einer der vielen Erfolge des Feminismus.

          • Sorry, aber das ist nicht ein ‚Erfolg des Feminismus‘ so einen Bockmist habe ich hier lange nicht gelesen! Frechheit. Erklär das mal meiner aggressiven Mutter. Feminismus ist ja wohl ganz bestimmt nicht Pazifismus. Viele viele Mütter sind sehr aggressiv, verbal, psychisch, physisch. Den blöden Feminismus hier in den Raum zu stellen ist großer Bockmist! Die Weiber schlagen mindestens genauso zu.

          • „Die Weiber schlagen mindestens genauso zu.“

            Wenn die Väter häufiger zugeschlagen haben, dann weil sie von den Müttern beauftragt wurden.
            Denen war nämlich bewusst, dass sie für eine richtige Tracht Prügel nicht kräftig genug sind. Da wurde also der Papa heranzitiert, das Strafbedürfnis der Mutter zu vollziehen.
            Ich bin in einer schlagfertigen Familien aufgewachsen und es gab keinen Unterschied in der Bereitschaft, sich mit Kochlöffeln, Stöcken und ähnlichem abzureagieren. Nur waren die Schläge meines Vaters – Schwerarbeiter – wirkungsvoller, als die meiner Mutter. Daher blieben sie länger in Erinnerung.

          • Mein Vater hat uns nie geschlagen. Das war immer allein die Mutter. Also Mutterliebe ist was ganz was anderes. Verstehe ich bis heute nicht. Mein Vater wurde leider emotional selbst wohl sehr vernachlässigt von beiden Elternteilen. Daher Alki und depri. Eingelenkt hat er nicht wirklich. Da aber „die Mutter erzieht“ v. a. weil Vater in der Arbeit war, wurde es von allen so hingenommen.
            Grauenvoll. Und alles unter den Teppich gekehrt, wenn man sich an Weihnachten oder so trifft. Mich ärgert es,dass ich trotzdem meine Mutter lieben muss, soll nur weil ich aus ihr herausgeboren wurde. Grauenvoll. Und meine schwersten Depressionen, mein Selbsthass… Bis heute… Böse Frau. Und die merkt das nichtmal.

  3. Ich möchte erstens die Frage in den Raum stellen, ob emotional „um den Finger“ wickeln etwas ist, was männliche Kleinkinder genauso machen, dann natürlich auf eine für mich offensichtliche politische Botschaft hinweisen.

    Noch am 7. Juni fragte Christian in seinem Artikel: „Meins, meins, meins“ – Ein Verständnis von Eigentum: Angeboren oder gelernt?“, etwas über eine Woche später: „Sie gibt gerne ab, sie lacht viel und wir wollen uns gar nicht beschweren.“

    Dieser deutliche Entwicklungsfortschritt des Kleinkindes vom kapitalistischen Eigentumsbegriff hin zum kommunistischen soll nicht unerwähnt bleiben und ja, es liegt in den Genen.
    Was sind schon 500 Jahre Kapitalismus gegen 250.000 Jahre Ur-Kommunismus? 🙂

    • Ich finde das einen guten Plan zur Umsetzung einer kommunistischen Gesellschaft, in der alles geteilt wird: Wir suchen einfach nach einer externen Vatergesellschaft, die dafür sorgt, dass die kommunistische Mädchengesellschaft immer genug Ressourcen zum Verteilen vorrätig hat.

      Mein Vorschlag wäre allerdings, dass wir ERST die Gesellschaft suchen, die bereit ist, die Vaterrolle zu übernehmen, bevor wir aus unserer eine kommunistische Mädchengesellschaft machen, die alles teilt.

      • Diese Gesellschaft gibt es schon.
        Sie heißt bürgerliche Gesellschaft und du lebst darin – du profitierst nur nicht davon.
        Colttaine hat die bürgerliche Ehe in seinem Video „Communism For Two“ ansatzweise als das identifiziert, was sie ist: Eine legalisierte und institutionalisierte Umverteilung männlich erarbeiteter Ressourcen, eine Einrichtung eines permanenten materiellen Transfers von Mann Richtung Frau.
        Das sieht auf der gesellschaftlichen Ebene (u.a. Steuern) und der Sozialversicherungssysteme genauso aus.
        Wie glaubst du eigentlich kommt das Bewusstsein zustande, dass via feministischem „Gender Budgeting“ peinlich genau geachtet wird, die Ausgaben der Institutionen mögen Frauen gefälligst wenigstens zur Hälfte zugute kommen? Weil sie gelernt haben, sie sind für die Einnahmen nicht verantwortlich – sie stehen ihn aber hälftig zu.
        Der (klein-) bürgerliche Feminismus perpetuiert die Erfahrung und die Ansprüche (klein-) bürgerlicher Frauen. D.h. Colttaines Video sollte eher lauten: „Communism For One Gender“ und das andere lebt im vollem Umfang im Kapitalismus.

    • „Ich möchte erstens die Frage in den Raum stellen, ob emotional „um den Finger“ wickeln etwas ist, was männliche Kleinkinder genauso machen.“

      Meiner Erfahrung nach beherrschen das Mädchen intuitiver. War zumindest bei meiner Tochter so, die kann besser lügen und Mitleid erregen, der Bub hat eher einen Wutanfall bekommen.

      „Was sind schon 500 Jahre Kapitalismus gegen 250.000 Jahre Ur-Kommunismus?“

      Seltsame historische Sichtweise. Den „Ur-Kommunismus“ gibt es ja immer noch, allerdings umfasst er heute nicht mehr eine ganze Dorfgemeinschaft, sondern nur noch die Familie. Die kleinste altruistische Organisationseinheit ist als unverzichtbarer gesellschaftlicher Bestandteil übrig geblieben (komischerweise ruft genau dieser bei überzeugten Kommunisten und vielen Linken oft Unwohlsein hervor, warum?).

      Darüber gibt es abstrakteren, steuerfinanzierten Ersatz, von der Schule bis zum Gesundheitswesen und das, obwohl wir angeblich kapitalistisch sind.

      Auch wenn du es vermutlich witzig gemeint hast, ist das Abgeben auf persönlicher Ebene psychologisch gesehen kein Schritt zum kommunistischen Eigentumsbegriff, der ja die (Befriedigung stiftende) persönliche Entscheidung ausschalten will und zudem auch Fremden den Zugriff gestattet.

      Was du als Ur-Kommunismus bezeichnest, die Gemeinschaft aus Menschen die sich kannten, oft miteinander verwandt und durch Schicksal und soziale Zwänge aneinandergekettet waren, lässt sich nicht ohne Weiteres auf heutige Gesellschaften übertragen. Würde von vielen vermutlich auch als Rückschritt gesehen, Linke fliehen ja oft schon die Enge und Spießigkeit heutiger Dörfer. Damit sind auch die (vermutlich evolutionär entstandenen) Verhaltensweisen nur noch im kleinen privaten Rahmen wirksam.

      • Meiner Erfahrung nach beherrschen das Mädchen intuitiver. War zumindest bei meiner Tochter so, die kann besser lügen und Mitleid erregen, der Bub hat eher einen Wutanfall bekommen.

        Bei meinen jüngeren Geschwistern (zweieiige Zwillinge) war es den Überlieferungen meiner Eltern, Großmutter bzw. Kinderfrau (nix „Herrschaftliches“, die war halt angestellt solange noch nicht alle vier Blagen im Kindergarten/der Schule waren, beide Eltern berufstätig un die Großeltern mehrere Autostunden entfernt) zufolge recht oft so, dass die kleine Schwester ihren Zwilling hartnäckig zu grobem Unfug angestiftet hat und dann anschließend selber unschuldig tat. Das wurde zwar schnell durchschaut, hat sie aber für die ersten Jahre dennoch recht konsequent weitergemacht…

        • „dass die kleine Schwester ihren Zwilling hartnäckig zu grobem Unfug angestiftet hat“

          Eine gute Schule für den Bub 🙂

          Meine etwa gleich alte Cousine hat mich mal beschwatzt, einen Schluck Klosterfrau Melissengeist zu trinken und sich dann vor Lachen gekugelt, als mir die Luft wegblieb. Seitdem kann ich „Nein“ sagen und auch durchhalten 🙂

          Hätte ich mehr solche Erfahrungen sammeln können, wäre mir gegenüber Frauen vermutlich einiges erspart geblieben, aber ich hatte „nur“ Brüder. Dafür manipulierte meine Mutter mich bis ins Erwachsenenalter hinein, was ich ihr immer noch ein bisschen übel nehme. Heute erkenne ich solche Versuche meist schon im Ansatz und wenn ich darauf eingehe, dann nur, weil ich es auch will.

  4. Wenn das Schimpfen durch ein Lächeln verschwindet, ist es eigentlich gar kein richtiges Schimpfen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass selbst Kleinkinder verstehen, wenn es wirklich ernst ist. Und zwar ohne besonders lautes Schimpfen oder monotones Nein-Nein-Nein-Gesäusel.

    Wenn das erste Mal in der Wohnung untendrunter das Wasser von der Decke tropft und es eben nicht nur darum geht, etwas mal eben aufzuwischen oder mit einem Handtuch aufsaugen zu lassen, dann erlebt das Kind eine besondere Ausstrahlung der Eltern. Ähnlich wie die, wenn es einfach mal so auf die viel befahrene Fahrbahn rennen will.

    Da steckt dann auch das süße Lächeln unter den Kulleraugen den Pappi nicht mehr an, bei dem herrscht dann nackte Panik und Angst – und die spürt das Kind. Egal wie laut man ist oder welche Worte man wählt. Da hilft ein ernster klarer ehrlicher Blick in die Kulleraugen viel mehr als stundenlages Dauergezeter.

    War zumindest in dem Alter bei meinem Kind so (zum Glück!).

    Wie sollte ein Kind sonst auch lernen, zwischen Default-Schimpfen und wirklich Ernstem zu unterscheiden?

    • Eigentlich ist das doch ein Problem unserer Zeit, dass wirklich Wichtiges auch von sog. Erwachsenen nicht mehr richtig erkannt wird. Wenn eben nicht mehr primär die Besten, Erfahrensten und Mutigsten die in einer Höhle eingeschlossenen Kinder retten sollen, sondern gleichviel Männer und Frauen.

      Dann sind die Kinder nicht mehr uneingeschränkt wichtig, denn sie sterben womöglich als Folge einer gesellschaftlich erzwungenen Mittelmäßigkeit, dann sind sie Gender-Opfer.

  5. Wichtig ist, dass man nur schimpft und verbietet, wenn es wirklich nötig ist, man sollte niemals reflexhaft meckern, sondern immer überlegen, ob die Erfahrung für das Kind wichtig ist. Erstaunlich viele Eltern tun das nicht!

    Denn viele Sachen sind ja gut, wenn sie Kinder ausprobieren und man muss normalerweise auch keine Angst haben, dass die das bis zum Erwachsenenalter beibehalten, sie verlieren fast immer irgendwann von selbst das Interesse. Wenn der Schaden zu groß zu werden droht, kann man ja ein Ausweichspiel anbieten, wenn sie z.B. überall mit Wasser herummatscht, kann man es ihr im Bad erlauben, dort ist es schnell mal aufgewischt und kein Problem, das erhöht auch die Akzeptanz der Verbote durch das Kind.

    Wer reflexhaft verbietet, weil ihm etwa Arbeit durch etwas entsteht oder er einfach genervt ist, verspielt hingegen seine Autorität und es führt zur Gewöhnung bei den Kindern. Wenn es einem selbst eigentlich nicht so wichtig ist, merken die das natürlich auch, am Tonfall, am Gesicht usw. besser selten und dann aber mit vollem Ernst und Konsequenz.

    Und man sollte seine Prioritäten checken, wir haben z.B. die Kinder immer auf dem Sofa springen und toben lassen, ich kenne viele Eltern, die das verbieten. Uns war es wichtiger, dass sie ihren Bewegungsdrang ausleben können, was heutzutage und hierzulande (Winter, Straßenverkehr, beengte Wohnverhältnisse) sehr schwierig ist. Eine neue Couch kostet hingegen nicht die Welt, wenn man nicht gerade die Leder-Luxusversion sein Eigen nennt (dann kann man vielleicht im Kinderzimmer mit einer Matratze aushelfen etc. da fehlte bei uns der Platz)…

    • Denn viele Sachen sind ja gut, wenn sie Kinder ausprobieren und man muss normalerweise auch keine Angst haben, dass die das bis zum Erwachsenenalter beibehalten, sie verlieren fast immer irgendwann von selbst das Interesse.

      Papi, ich will Pubertätsblocker! Alle anderen coolen Trans-Kids in meiner Klasse haben die auch schon bekommen!

      • Pubertierende fallen für mich nicht mehr in die Kategorie „kleines Kind“ und selbstverständlich sollte man seinen Kindern nicht jeden Wunsch erfüllen, schon gar nicht, wenn sie sich damit selbst schaden würden.

        Aber Wünsche sind sowieso nochmal ein eigenes Thema und haben nur am Rande mit „Ausprobieren“ und „Ausschimpfen“ zu tun. Davon abgesehen ist das Trans-Kid-Gedöns vermutlich eine Ausnahmeerscheinung, ich kenne kein einziges, das wird nur immer medial hochgekocht.

        Entweder du meintest das witzig oder du verstehst mich vollkommen falsch, jedenfalls hast du den Kontext komplett ignoriert.

  6. Ach was waren das noch Zeiten, als es noch legitim war, sein Kind mit einem daumendicken Gartenschlauch zu verprügeln. Da haben die Rotzgören wenigstens noch gehorcht und ihren Eltern den nötigen Respekt entgegengebracht.

    Heute ist wohl nicht mehr vorstellbar, dass der BGH noch 1986 der Ansicht war, dass Eltern ihre Kinder mit einem stabilen Wasser-/Gartenschlauch verprügeln dürfen. 😉

    • Ja, wobei das in den 80igern vermutlich kaum noch jemand praktiziert hat. Zumindest der deutsche Teil der Gesellschaft hat eine erstaunliche (physische) Gewaltlosigkeit in der Erziehung erreicht. Ich habe meine Kinder noch nie geschlagen (außer sie schlugen mich, das Prinzip von Aktion und Reaktion lernen sie ziemlich schnell 🙂 ) und halte sie trotzdem für (bisher) ganz gut erzogen.

      • Kaum ist relativ. Ich bin Mitte der 80er zu alte gewesen, um mich noch verprügeln zu lassen.
        Und so wirklich extrem waren (hoffentlich) auch vor und in den 80ern vermutlich die wenigsten Eltern.
        Ich habe allerdings auch letztes Jahr in der Nachbarschaft miterleben dürfen, wie ein Vater ausgetickt ist. Und die Mutter ist natürlich nicht eingeschritten, sondern hat noch mitgemotzt.
        Offenbar hat aber ein kurzer Telefonanruf gereicht, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen und bisher war zumindest nicht mehr zu hören, dass es zu Prügelattacken gekommen ist.

        Ich hätte aber auch kein Problem damit, im Falle eines Falles nicht nur anzurufen, sondern auch mal vorbeizuschauen. Ggf. mit Anzeige und/oder Meldung ans Jugendamt.

        Ich finde die überantiautoritäre Erziehung zwar auch nicht richtig, weil (kleine) Kinder eben keine „kleine Erwachsene“ sind, mit denen man alles ausdiskutieren kann und sollte. Aber Gewalt geht natürlich gar nicht.

        • Klar, ganz los wird man Gewalt nie. Aber sie ist m.E. eine Randerscheinung. Ich bin 76 geboren und in der DDR groß geworden, ich weiß von einem Kind (Sitzenbleiber, Sohn von Alkoholiker usw.) dass er regelrecht verprügelt wurde und entsprechend auch einen Schaden weghatte (war selbst ziemlich gewalttätig, dafür starb der Vater früh und vererbte ihm ein Grundstück, dass ihn ziemlich wohlhabend gemacht haben dürfte).

          Außerdem weiß ich von einem Mädchen, was wohl hin und wieder mal ziemlich grobe Schläge einstecken musste. Von den anderen ist mir nie was zu Ohren gekommen. Der „Klaps“ war natürlich noch üblich, aber dass jemand seine Kinder mit Gegenständen verdroschen hätte oder systematisch gedemütigt, wüsste ich nicht. Natürlich bekommt man nicht alles mit, aber gängige Praxis war es sicher nicht und heutzutage sind Schläge, zumindest in der gebildeten Schicht, eigentlich tabu. Ich meine, dass das in vielen anderen Ländern durchaus noch nicht so ist.

          • Naja… Ich kenne paar und ich selbst habe in den 80ern sehr viele Schläge meiner Mutter (!) erleben dürfen, leider. Kalte Dusche bis der Atem wegblieb. Prügel mit Gürtel bis man nicht mehr weinen und schreien konnte. In die Ecke getrieben und zusammengekrochen embryonal stundenlang regungslos bleiben. Kaum Luft. Gefühle tot geprügelt. Kleinkind (!) stellt sich selbst in Frage.
            Bis heute kann ich ihr nicht verzeihen. Was ist das für Mutterliebe? Zum Glück sehe ich es ein und tue es meinen Kindern nicht an. Weil es nur schadet: am Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Vertrauen sich selbst und anderen gegenüber. War hart da raus zu kommen. Vater Alki. Nie geschlagen aber auch nicht eingegriffen. Wurde selbst in der Schule mit Stock erzogen.
            Zum Glück bin ich abstinent. Sonst wäre der Alk meine Lösung. Und Gewalt vielleicht auch noch.
            Ja, Kindern Aufmerksamkeit schenken. „Handy weg!“ sagen meine und Recht haben sie. Und alles mögliche an Zeit ihnen schenken. Handy erst, wenn die penmen.
            Und schimpfen nur wenn es wirklich ernst ist. Und ja, Mann! die merken intuitiv, ob du es ernst fühlst oder nicht.

          • Ich hab keine Quelle rausgesucht jetzt, aber ich glaube, ungefähr jedes fünfte Kind erlebt hierzulande noch körperliche Gewalt in der Familie. Jungen etwas häufiger als Mädchen, speziell bei bestimmten Migrationshintergründen, aber im Prinzip gilt wohl immernoch: kommt in allen Schichten vor; in gehobeneren wirds vorallem stärker verleugnet.

          • @rockbertus

            Das würde ich als Kindesmisshandlung betrachten, was du durchgemacht hast. Wie hoch schätzt du den Anteil an Personen, die sowas in den 80igern noch erlebt haben? Du hast dich da vielleicht konkreter ausgetauscht?

            Und nicht ganz unwichtig: hat eines deiner Eltern Migrationshintergrund? Die Doktorin der Philosophie, bei der ich mal zur Untermiete wohnte, hatte einen jugoslawischen Mann, der ihre Kinder wohl (vor der Scheidung) mit dem Stock verprügelte. Eine Bekannte mit spanischen Wurzeln erzählte ähnliche systematische Demütigungen (wie bei dir) von ihren Eltern (hat das bei ihren Kindern zum Glück nicht mehr praktiziert, aber das Feingefühl fehlte ihr m.E. trotzdem noch, hat sie halt selber nie erfahren). Die Entwicklung, hin zu Gewaltlosigkeit, ist irgendwie nicht in allen Ländern gleich schnell.

          • Meine Mutter wurde selber in einer erz katholischen Nonnenschule in Kolumbien „erzogen“. Sie stellt das gar nicht in Frage. Im Gegenteil „viele werden geschlagen und keiner ist depressiv geworden oder leidet im Selbstbewusstsein wie Du. Du bist eben sehr sensibel.“ tja, das wird wohl für immer so bleiben und ich kann ihr nicht verzeihen. Mein eigenes zwei oder drei Jähriged Kind so zu schlagen oder bsi zur Atemnot unter kaltes Wasser zu stellen, abzuduschen und mit dem Gürtel zu peitschen… macht mich schaudern und wütend. Wie kann man nur?!
            Zum Glück sehe ich es ein, nach alk/drogenmissbrauch und Depression und Therapie und gebe es nicht weiter.
            Habe zwischendurch echt Angst, dass die das mit den Enkelkindern jetzt auch macht.
            Ist es Demütigung wie Du sagst?
            Wir sind zum Glück weggezogen. Mulmiges Gefühl bleibt. Diese Strenge empfinde ich nicht als Liebe.
            Kenne noch eine Freundin, dessen Vater rumänisch ist. Da gab es Prügel. Serbischer Vater auch mit Prügel. Deutsche sind wohl sehr sehr rational, geduldig, vorsichtig, aller Gefahren gewahr und erklären den Kindern viel etc. Da ist vielleicht mal Alkohol im Spiel, aber nicht unbedingt Prügel. Deutsche Eltern sind übervorsichtig (immer mit Helm fahren, immer anschnallen im Buggy, Schnuller und halts maul, Holzspielzeug, bioessen, ökowindeln, genau abgemessene Beikost) dann kommen eher ‚weiche‘ Kinder raus (v.a.die Jungs die Mädls a la Zoe, Emma sind starke fast spoiled Prinzessinnen) und ausländermänner wollen ihre Jungs als ‚harte starke Männer‘ erziehen.

          • @ semikolon

            „kommt in allen Schichten vor; in gehobeneren wirds vorallem stärker verleugnet.“

            Ist nicht mein Eindruck, ein stärkeres Verleugnen lässt ja auch ein gewisses Schuldgefühl vermuten und impliziert damit die Tendenz, es nicht mehr oder weniger zu praktizieren.

            Was ich eher beobachte (insgesamt aber auch nicht so oft), ist die Kehrseite der Gewaltlosigkeit: damit überforderte Eltern und entsprechend dann ebenfalls gestörte Kinder. Meines Erachtens einer der Gründe für den hohen Ritalin-Absatz usw., (in obigem Kommentar erwähnte) spanisch-wurzelnde Bekannte hatte sich Hyperaktivität für ihren ersten Sohn diagnostizieren lassen. Zufällig war der aber der beste Kumpel von meinem Sohn und mit ziemlicher Sicherheit nicht hyperaktiv (der Unterschied ist ziemlich auffällig, wenn man mal wirklich ein solches Kind erlebt hat). Nach einem fatalen Selbstversuch (bei sich selbst) mit Ritalin (bei dem sie fast den Notarzt gerufen hätte) hat sie das mittlerweile aber wieder abgesetzt 🙂

            Und natürlich: psychologische Hilfe, hat sie m.W. auch in Anspruch genommen und kenne ich mittlerweile von mehreren, sogar in der weiteren Verwandtschaft, etwa bei einer Schwägerin.

            Bleibt natürlich eine positive Entwicklung, besser Ritalin und Psychologe, als ein Trauma, denke ich.

          • „Ist nicht mein Eindruck“

            Seperate Befragungen von Eltern und Kindern sollen wohl eine Diskrepanz im Antwortverhalten aufzeigen: ärmere Erziehungsberechtigte wären demnach ehrlicher.
            Las ich mal.

            Ich war z.B. sehr überrascht, vergangenes Jahr erst zu erfahren, dass der ältere Bruder einer Uralt-Freundin früher regelmäßig Dresche erhielt (von seinem Vater) für seine schlechten Noten. Hätt ich nie gedacht! Mir kamen die sogar sehr fortschrittlich vor! Da hat auch mal der Vater den Kochlöffel geschwungen (im Sinne von Nahrungszubereitung) oder Hausarbeit erledigt. Undenkbar bei uns zuhause (jedenfalls damals), wo meine Ma sogar jeden Tag vor meinem Vater aufstand, um ihm Frühstück und Lunchbox herzurichten.

            Beim ADHS/Ritalin-Thema verorte ich mich übrigens auch mehr auf der Seite der Kritiker. Eine Schülerin stand mal vor mir und meinte: „Ich kann nicht denken, ich brauch meine Pille“… denn es war eine Nachmittagsstunde. Nun gab es zu dem Zeitpunkt da aber noch kein schulisches Mittagessen und manche Kinder hatten nichtmal was zu Trinken dabei – für den ganzen Tag. Sie z.B.

          • AK
            Mich nervt dieses Gequatsche von Migrationshintergrund und Gewalt. Du scheinst eine richtige Obsession an Migranten und schwarzen Menschen gefunden zu haben. Egal um welches Thema es geht musst du deine Gesinnung einbringen.

            Meine super biodeutschen Eltern haben mit allem, auch mit Gegenständen jahrelang auf mich eingeprügelt und sind nur in der Massivität und Brutalität des Übergriffs von den anderen biodeutschen Eltern in ihrem Umfeld abgewichen!

          • @Matthias:

            „Mich nervt dieses Gequatsche von Migrationshintergrund und Gewalt.“

            Ist mir ziemlich schnuppe, was dich nervt.

            „Du scheinst eine richtige Obsession an Migranten und schwarzen Menschen gefunden zu haben. Egal um welches Thema es geht musst du deine Gesinnung einbringen.“

            Es ist meine Erfahrung, die ich wiedergegeben zu haben, was von einer Gesinnung zu faseln, die ich angeblich habe, ist Unsinn. Dafür bist du anscheinend der „alle sind gleich“-Gesinnung verfallen, eine aktuell weit verbreitete geistige Störung.

            Ich zitiere mal, damit wir von den bloß persönlichen Eindrücken wegkommen (ohne Statistik gehts halt mal wieder nicht):
            „In den USA werden beispielsweise fast 80 Prozent der Vorschulkinder von ihren Eltern geschlagen. Die Art der Gewaltanwendung und deren Häufigkeit variieren sowohl zwischen den sechs untersuchten Ländern als auch innerhalb.“
            https://www.focus.de/familie/erziehung/weltweit-herrscht-pruegelstrafe-gewalt-gegen-kinder_id_1869814.html

            Und, oh Wunder:
            „In der im Juni veröffentlichten Studie hatten Forscher um Adam Zolotor, Familienmediziner an der School of Medicine der University of North Carolina, bereits festgestellt, dass jegliche körperliche Züchtigung von Kindern in zwölf Prozent der Länder weltweit verboten ist. Von diesen 24 Ländern befinden sich 19 in Europa. In Asien und Nordamerika hingegen gibt es keinerlei Verbote. Die Forscher konnten dabei einen direkten Zusammenhang zwischen der geringeren Gewaltanwendung und den Gesetzen gegen körperliche Gewalt nachweisen: „Dies unterstreicht die wichtige Verbindung zwischen sozialem Wandel und gesetzlichem Wandel“, sagt Zolotor.“

            Länder sind unterschiedlich, na sowas!

            Tut mir leid, dass du so erzogen wurdest, wie ich ja schon darlegte, kenne ich das aus meinem Umfeld nur als absolute Ausnahme.

          • @Semikolon:

            Der Focus-Text ist hinsichtlich Bildung irgendwie Rumgepansche:

            „Mütter mit geringer Bildung griffen den Forschern zufolge öfter auf körperliche Bestrafungen zurück. Es zeigte sich jedoch auch, dass das Einkommen keinen direkten Einfluss auf die Prügelstrafen hatte: Sowohl Familien mit hohen Einkommen als auch solche mit geringem Verdienst wendeten körperliche und verbale Gewalt gegenüber ihren Kindern an.“

            Zum einen wird mal „Bildung“ angeführt, dann aber „Einkommen“ verglichen, zum anderen wird körperliche und verbale Gewalt nicht auseinandergehalten.

            Leider war Deutschland bei der Studie nicht dabei, sondern mehr oder weniger Entwicklungsländer und die USA.

            Allerdings scheint der kulturelle Einfluß enorm zu sein, das gibt sogar der politisch korrekte Deutschlandfunk zu:

            „Außerhalb Europas finden wir auch drastische Beispiele, zum Beispiel die USA, wo wir sehr hohe Raten finden von Misshandlungen oder auch von einfacher Gewalt, doppelt so hohe wie bei uns in Deutschland oder in Europa. Aber auch so Länder wie Australien oder Japan, Kanada, Südkorea oder Russland sind Länder, in denen elterliche Gewalt immer noch als selbstverständlich angesehen wird oder auch dafür gestritten wird regelrecht.“
            https://www.deutschlandfunk.de/pruegeln-verboten-vom-langen-kampf-fuer-die-kinderrechte.724.de.html?dram:article_id=457216

            und

            „„Gewalt ist in Ländern sehr stark verbreitet, in denen ein hohes Konfliktpotential da ist, in denen die sozialen Gegensätze groß sind. Aber es gibt natürlich auch kulturelle Traditionen. Wir wissen aus Untersuchungen, dass etwa ein Drittel der Erwachsenen körperliche Züchtigungen weltweit als ganz normales Erziehungsmittel ansieht, auch harte Schläge, zum Beispiel ins Gesicht oder auf den Kopf. Und dazu gehören eben so Länder wie zum Beispiel der Jemen, aber auch einige Staaten des Nahen Ostens.““

            Meine Hypothese ist, dass ein höherer (allgemeiner) Bildungsstand Erziehungsgewalt tendentiell verringert. Und es braucht kulturelle Vorstreiter, der DLF-Artikel bringt z.B. das oft gehörte Astrid Lindgren-Beispiel. Diese Frau hat m.E. einen sehr großen Einfluß auf Europa gehabt, nicht umsonst steht Schweden als Vorreiter dar und nicht umsonst wird die Geschichte in Deutschland bei dem Thema immer gebracht. Die Gesetze dazu gibt es m.E. aber immer erst dann, wenn es im Volk bereits überwiegend akzeptiert ist, die Politik ist selten Vorreiter bei echten gesellschaftlichen Veränderungen.

  7. „Mitunter schaut sie aber auch nur kurz betroffen und merkt irgendwie, dass ich nicht so böse bin. Dann geht ein schelmisches Grinsen über ihr Gesicht und sie setzt das süßeste Lachen auf. Und schon hat sie mich. Ich schaue in diese großen lachenden Augen und bin hin und weg.“

    Kenn ich. Und ich hab diesem Zwiespalt immer widerstanden. Entweder war ich böse, dann hab ich mich auch nicht durch ein süßes Lachen korrumpieren lassen, oder ich war es nicht, dann habe ich es auch nicht geheuchelt. Kinder haben da sehr empfindliche Antennen für die Stimmung der Alten. Und es ist nicht gut, wenn man zweideutige Signale sendet.
    Die Wasserplanscherei habe ich natürlich auch mitgemacht und eben dahingehend gelöst, dass die Jungs im Bad planschen durften, aber nicht außerhalb. War immer noch ne große Sauerei, aber ein guter Kompromiss, der Stress für beide spart.
    Wenn Papa also böse geguckt hatte, war Papa böse 🙂
    Wobei böse eigentlich das falsche Wort ist, denn eigentlich waren die Zwerge ja nie wirklich gehässig, sondern haben wirklich sich verspielt, oder ihnen ist ein Malheur passiert. Deshalb gab es eigentlich nicht wirklich Krach.
    Authentizität ist in meinen Augen sehr wichtig für die Kleinen, damit sie so früh wie möglich lernen, was wichtig ist und was nicht.
    An der Straße kann es lebensrettend sein, wenn der Nachwuchs plötzlich die Fahrbahn überqueren will und Papas donnerndes „Nein!“ erschallt.

    • Wie wahr!
      Allerdings ist der Zug des Von-vornherein-Authentischseins für Christian abgefahren; er muss sich jetzt was überlegen, wie er damit gut umgeht.
      Authentisch wäre es doch, wenn er, falls er wieder in so einer Situation ist, das Lachen zwar zulässt und zugibt, dass er nicht richtig böse ist, aber dann doch schnell wieder ernst – und zwar diesmal eben angemessen ernst – wird, und dem Kind zu verstehen gibt, dass er es eben schon auch ernst meint. Da könnte der Umstand, dass nach dem ersten Schreck-/Betroffenheitsmoment( = letztlich Angst vor Liebesverlust/Verstoßung/Aggression) dann doch eine wohlwollende Haltung zu erkennen ist, dazu beitragen, dass das Gesagte dann dennoch befolgt wird, und zwar weniger aus Angst,* aber mehr Liebe zu dem Papa. Man sollte auch nicht unterschätzen, wie Kinder es wertschätzen und einem Respekt entgegenbringen dafür, dass man ihnen etwas erklärt – oder es versucht; selbst wenn sie es noch nicht (ganz) verstehen – allein schon dass man erstens sich die Zeit dafür nimmt, zweitens als verständig/wissend erscheint, und drittens ihnen zutraut es (möglicherweise) schon zu verstehen, schafft ein auf gegenseitigem, positivem/konstruktiven Respekt basiertes Beziehungsmoment. Und so jemandem zu gehorchen und/oder einen Gefallen zu tun, ist doch gleich viel einfacher/schöner. 🙂
      Ich bin übrigens nicht für Angst-Verteufelung (oder -„Delegitimierung“/-Nichternstnahme), auch (oder besonders) nicht in Hinblick auf Beziehung, denn Angst ist immer irgendwie da – ob man sich dessen bewusst ist oder nicht; allerdings ist auch gerade das der Schlüssel zu einem gesunden (ernstnehmenden, aber nicht unbedingt die eigene Vorstellung dominieren lassenden) Umgang mit Angst/Ängsten: sie (an)zu erkennen (und im Falle eigener, m.E. psychotraumabasierter, Angst vor Erleben von (einer starken bestimmten) Furcht/Angst: die Furcht/Angst zuzulassen (meint erst mal nicht: herbeizuführen), denn nur so verschwindet Angst vor dem Erleben von (einer starken bestimmten) Furcht/Angst – das versteht aber wohl nur, wer davon betroffen und schon bereit dazu ist, sich das bewusst zu machen, oder natürlich wer davon betroffen war, also es schon überwunden hat … denn ansonsten – also einem Nichtbetroffenen – erscheint es wohl paradox/widersprüchlich; ist es aber nicht, denn es geht um zwei verschiedene Qualitäten bei diesen beiden Angst-Ebenen, derer nur eine – nämlich „Furcht/Angst“ – der Nichtbetroffene kennt, wobei sich diese wiederum (übrigens relativ analog, nur eben auf anderem, sehr viel besserem oder überhaupt vorhandenem Wahrnehmungs-/Bewusstseinsniveau) in zwei aufteilt, nämlich in – psychologisch: – Furcht und – psychologisch: – Angst).

      * = Angst ist übrigens immer eine Form des Re-spekts (auch wenn das unangenehm ist zuzugeben, auch vor sich selbst**), denn was jemanden ängstigt, das be-rück-sichtigt/be(ob)achtet er auch (je nach Intensität der Angst entsprechend stark/schwach) – das hat Angst so an sich. Daher ist die Dichotomie: „Ich will nicht, dass sie Angst vor mir haben, sondern Respekt“, eine falsche. Bloß ist nicht jede Form von Respekt Angst vor dem Respektierten. Und die Formulierung ist ungenau (was zu dem Miss[ing-]Verständnis beiträgt), denn eigentlich hat man ja nicht Angst vor jemandem, sondern vor einer als nicht unwahrscheinlich möglich erachteter Wirkung auf einen, die von der Person ausgeht oder ausgehen könnte. Und auch beim Respekt ist es ähnlich: Man hat nicht unbedingt Respekt vor der Person, sondern vor einem Attribut/ einer Eigenschaft dieser Person, das/die eine bestimmte, eben Respekt hervorrufende Wirkung auf einen hat; aber natürlich ist es/sie direkt mit der Person verbunden. Man sollte vielleicht noch zwischen aktivem und passivem Respekt unterscheiden (ich nenne es jetzt einfach mal so). Passiver Respekt wäre das, was ich hier bei den Sternchen-Anmerkungen eigentlich beschreibe/bespreche; aktiver Respekt wäre der Wille zum Erhalt des Respektierten zwecks Erlangung eines erhofften Vorteils oder Vermeidung eines befürchteten Nachteils.
      ** = Übrigens ist auch Verachtung eine Form von (Be-)Achtung (früher gab es noch: „jemanden mit einer Acht belegen“, z.B. der Reichsacht; das Wort „Ächtung“ hat sicher auch den gleichen Ursprung). Alles, was einem irgendwie relevant erscheint – egal ob mit positiver oder negativer Bedeutung – wird von einem auch entsprechend der Relevanz/Bedeutsamkeit für einen beachtet.

    • „Das muss dieses Patriarchat sein, von dem alle reden.“

      Ja, schrecklich 😦

      Und wieder entsteht eine traumatisierte junge Frau 😀

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