„Unternehmerfamilien bevorzugen Söhne als Chefs“

Der Spiegel hat einen interessanten Artikel:

71 der 100 größten deutschen Familienunternehmen werden von Männern geleitet. In Firmen, die in Familienbesitz sind, spielen Frauen kaum eine Rolle, zeigt eine Studie – selbst Töchter kommen nicht zum Zug.

Der Chef heißt Thomas oder Michael. Das gilt für 34 der 100 größten Familienunternehmen in Deutschland. In ihren Geschäftsführungen gibt es sogar mehr Thomasse und Michaels als Frauen. Nur knapp sieben Prozent der Mitglieder in den Geschäftsführungen der größten deutschen Familienunternehmen sind weiblich. 71 der 100 Firmen werden ausschließlich von Männern geleitet.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der deutsch-schwedischen AllBright Stiftung über die Zusammensetzung der Geschäftsführungs- und Kontrollgremien der 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen, die an diesem Mittwoch erscheint. Das Fazit der Autoren: „Das Führungsverständnis erscheint zuweilen so alt wie die Unternehmen selbst.“

Nach meiner Sicht wird weitaus eher andersrum ein Schuh draus:

Söhne bevorzugen es eher als Töchter ein Familienunternehmen als Chef zu leiten

Dazu ein ein mir bekannter Fall:

Die Familie hat ein millionenschweres Unternehmen, vom Vater geleitet. Es sind zwei Kinder vorhanden, ein Sohn und eine Tochter.

Die Tochter entschied sich Sonderschulpädagogik zu studieren, der Sohn studierte BWL und die technische Fachrichtung des Unternehmens, wurde immer mehr in das Unternehmen eingebunden und dazu aufgebaut es dann später zu übernehmen.

Sie wird ein finanziell sorgenfreies Leben leben, schon aufgrund ihrer Beteiligung an der Famlien-KG und dort übertragenen Vermögenswerten, muss keinen Job nachgehen wenn sie es nicht will, kann aber natürlich auch als Sonderschulpädagogkin gute und wertvolle Arbeit leisten oder dann eben später für eigene Kinder aussetzen, während ihr Mann vielleicht auch ins Unternehmen eingebunden wird, wenn er aus der Fachrichtung kommt.

Der Sohn wird, wenn alles gut geht und er sich als geeignet erweißt dann eben in der Firma aufsteigen, sich aber auch beweisen müssen, viel Arbeit haben, seine Studien erst einmal schaffen müssen und aus dem Schatten seines Vaters herauswachsen müssen. Wenn er das Unternehmen voll leitet, dann wird er sicherlich reicher werden als seine Schwester, aber wird es wirklich so gewaltig darauf ankommen? Er wird auch mehr Macht haben als sie und mehr Einfluss bei Politikern etc aber eben alles verbunden mit einer 60+ Stundenwoche.

Ob das nun typisch ist wäre etwas für eine Studie. Sicherlich gibt es auch Eltern, die sexistisch sind und ihre Tochter auch bei hinreichenden Qualifikationen nicht nach oben lassen würden. Oder solche, die einen nicht bereiten Sohn quasi dazu drängen. und natürlich mögen auch die Geschlechterrollen etwas dazu beitragen (oder der Umstand, dass Status für Männer interessanter ist als für Frauen).

Mir ging es eher darum, dass ich die Kausalität und die Richtung der Entscheidung nicht so klar finde und es auch nicht per se die beste Entscheidung sein muss eine Firma zu leiten.

Es kann ein besseres Leben sein genug Geld zu haben ohne den Stress und die Verantwortung eines Führungsjobs. Deswegen finde ich diese Betrachtungen, die gleich darauf abstellen, dass die Tochter nicht darf, etwas sehr einseitig. Es sollte zumindest gefragt werden ob sie denn überhaupt will und was sie bzw der Bruder dafür tut.

Mehr als die Hälfte der 100 untersuchten Firmen sind mehr als 100 Jahre alt, die meisten werden von angestellten Geschäftsführern oder gemeinsam von Familienmitgliedern und externen Managern geleitet – die sich aber erstaunlich ähnlich sind: Das durchschnittliche Geschäftsführungsmitglied ist männlich, Mitte der sechziger Jahre in Westdeutschland geboren und hat Wirtschaftswissenschaften studiert.

Insgesamt 43 Familienmitglieder arbeiten in den Geschäftsführungen der 100 größten Familienunternehmen – nur drei von ihnen sind Frauen. Weibliche Familienmitglieder sind vor allem in den Gremien von Unternehmensstiftungen präsent, dort liegt ihr Anteil bei 52 Prozent.

Unternehmensstiftungen haben eben auch einen ganz anderen Inhalt als Unternehmen. Man muss keinen wirklichen Gewinn erzielen, man muss kein Unternehmen leiten, man entscheidet häufig mit über wohltätige Zwecke.

Das soll man dann auch den Einfluss und die Macht haben, gerne auch noch ein Gehalt beziehen um abgesichert sein.

Firmen, die vollständig in Familienbesitz sind, schneiden im Vergleich des Frauenanteils in den Geschäftsführungen am schlechtesten ab: Chefposten sind dort zu mehr als 95 Prozent mit Männern besetzt, der Frauenanteil liegt bei 4,8 Prozent.

Interessant wäre natürlich ob es Auswirkungen hat, wenn die Erben auf die das Unternehmen übergeht überwiegend weiblich sind. Aber auch da geht es dann eben um Effktivität, um nachhaltigen Gewinn und Wertsteigerungen auch im Interesse der eigenen Kinder und Enkelkinder. Da will man einen Chef, der die Firma an erste Stelle stellt und sein Leben entsprechend gestaltet. Und die sind eben eher männlich.

Bei Firmen, die an der Börse notiert sind und in denen Manager, die nicht zur Familie gehören, einflussreiche Positionen innehaben, ist der Frauenanteil deutlich höher: In den 20 betreffenden Unternehmen, zu denen etwa die Autohersteller BMW und Volkswagen, der Autozulieferer Continental, der Konsumgüterhersteller Henkel und der Pharmakonzern Merck gehören, liegt der Frauenanteil in den Geschäftsführungen bei 10,3 Prozent.

Wäre interessant woran das liegt. Vielleicht weil man dort eher auf das öffentliche Image achten muss.