„Meins, meins, meins“ – Ein Verständnis von Eigentum: Angeboren oder gelernt

Fräulein Schmidt hat ein Konzept von Eigentum entwickelt: „Mein“, verkündet sie, und hält diverse Sachen fest, einen Ball oder einen Kugelschreiber, an den sie herangekommen ist oder was auch immer.

Wenn sie am Spielplatz in der Sandkiste mit Eimer, Schaufel und ein paar Förmchen spielt, dann ist sie sehr kritisch, wenn ein anderes Kind sich etwas „ausleihen“ will. „Meins“ hört man zuerst, und man muss ihr erst einmal versprechen, dass das Kind es ja wieder gibt und sich nur kurz leiht, so wie sie auch, wenn sie selbst mal kein Spielzeug dabei hat.

Ihre Eigentumsvorstellung erstreckt sich mitunter auch recht weit: Wenn wir am Spielplatz zuerst auf der Schaukel waren und dann zu einem anderen Spielgerät gehen, dann schaut sie auf, wenn ein anderes Kind sich der Schaukel nährt und möchte dann auch dorthin zurück. Es ist schließlich ihre Schaukel!

Ich denke andere Eltern werden gleiche Erfahrungen gemacht haben ohne das sie ihre Kinder nun zu einem besonderen Egoismus erzogen haben oder sie Angst haben müssen zuwenig zu haben oder das man ihnen wirklich etwas wegnimmt.

Es ist auch durchaus nicht so, dass sie nicht teilt. Sie ist nur vorsichtig damit, gerade bei Sachen, denen sie eine hohe Bedeutung zuspricht.

Evolutionär wäre eine Vorstellung von Eigentum auch sehr verständlich: Ressourcen zu besitzen ist nützlich. Sie nicht zu einfach abzugeben kann sehr vorteilhaft sein. Sie mit den richtigen zu teilen ebenso. Aber nicht einfach mit jedem und nicht so, dass man den Eindruck erweckt, dass man derjenige ist, dem man leicht etwas leicht wegnehmen kann.

 

57 Gedanken zu “„Meins, meins, meins“ – Ein Verständnis von Eigentum: Angeboren oder gelernt

    • Angeboren. Nimm einem Hund „sein“ Stöckchen weg oder versuch dich mal im Revier eines Gorillas (seins) an seinen Harem zu kuscheln. 😂 Wie Adrian sagt. Kapitalismus steckt in uns drin. Und jetzt trinke ich weiter MEINEN Kaffee.
      Achja genau deswegen ist es so ein tief verwurzelter shit test von Frauen von deinem Bier zu trinken bspw

      • Ist es ein Shittest oder ist es nicht eher ein Beispiel der Anspruchshaltung von Frauen, dass alles was einem Mann gehört prinzipiell auch ihr Eigentum ist?

      • Ist dieses Verhalten so verbreitet?
        Ich würde nie auf die Idee kommen, mich einfach so zu bedienen, ohne dass es mir angeboten wurde.
        Mangelnder Respekt gegenüber dem Eigentum anderer ist IMHO nicht geschlechtsspezifisch, sondern schlechte Erziehung oder Sozialismus.

        • Naja, Bier wegtrinken hat bei mir noch keine gewagt, aber ich würds auch eher für ne sexuelle Anmache halten. So wie Zigarettenrauch ins Gesicht blasen (dürfen auch nur Frauen), hat mal vor Jahren eine innem Club bei mir gemacht, ich kannte aber die Bedeutung da noch nicht.

          • Es geht um Grenzüberschreitung. Wie weit kann sie gehen? Wie weit kann sie in deinen Intimbereich eindringen, ohne dass du abwehrst? Eine kecke Übergriffigkeit, ein indirektes Machtspielchen.

            Denn wenn du all das zulässt, ist sie dir wichtiger als dein Bier oder deine Gesundheit. In der zweiten Stufe musst du das dann durch Geschenke und Einladungen beweisen. Und so geht es bis zum Beziehungsende Stufe für Stufe immer weiter…

            Ich hab ja erst hier die aktuelle Bedeutung der Grimmschen Doku „Von dem Fischer und seiner Frau“ gelernt.

          • @ Freya und Anne:
            Bin doch etwas überrascht ob eurer drastischen Reaktion.
            Wuerde ich rauchende (oder biertrinkende) Frauen ekelhaft oder übergriffig finden, müsste ich mich ja an Nonnen ranmachen. Ausserdem ist dieses Zigarettenrauchblasen ins Gesicht n ziemlicher Klassiker in älteren französischen Filmen, femme fatale und so. Wenn einen die richtige anhaucht, ist man als Mann durchaus entzückt. 😉

          • Ja, das habe ich mir gedacht, dass es um dieses verruchte Vamp-Image geht.
            Naja, ich komme aus der Metalszene, trinke ganz gern Bier und habe auch einige Zeit gerne geraucht – im Alltag wenig, auf Festivals eher viel – trotzdem ist es kackdreist jemanden den Schmodder direkt ins Gesicht zu pusten.
            Mein Mann lässt sich damit nicht verführen, der hat das gehasst und ist glücklich darüber, dass ich aufgehört habe.

        • @anne, aus meiner Erfahrung geradezu der Normalfall. Selber kein Bier wollen aber dann welches abhaben wollen. (besondere beliebt ist es dann die Flasche in der Hand zu behalten, am besten beiden, und so auf Körpertemperatur zu bringen). Da muss man eigentlich in der Regel eher einschreiten. Ich habe das bislang bei so gut wie jeder Frau erlebt. (auch bei Essen verbreitet)

          • Hm .. dann wollen sie wohl wirklich checken, wie weit sie gehen können.

            Ich hab mir ja auch schon Bier mit meinem Mann geteilt, aber nur nach vorheriger Absprache. Und er leckt umgekehrt auch an meinem Eis.

  1. Interessant ist doch, dass sie Dinge in der eigenen Familie oder in der eigenen Sippe den anderen gerne überlässt. So war es zumindest in dem Alter bei meinem Kind. Sie hilft sicher auch gerne. Aber nicht Fremden, sondern Mama und Papa und ggf. den Geschwistern, der Oma oder dem Onkel.
    Das heißt, Besitzdenken und Egoismus beziehen sich auf die eigene Gruppe.

    „Meins“ bedeutet also: Das ist etwas, das in ihrem Fokus steht und zur Sippe gehört. Sie hört sowas ja ständig: „Wo ist mein Handy?“, „Hast du meine Kaffeetasse gesehen“.

    Man könnte fast glauben, die Familie habe eine ganz besondere Bedeutung für ein Kind. Denn das soziale Verhalten in der Ganztagsbetreuung ist vollkommen anders. Da müssen erst Freundschaften aufgebaut und Vertrauen gewonnen werden, da herrscht kein Urvertrauen.

    Es ist sehr traurig für viele Kinderseelen, dass Feminsten und Linke den besonderen Wert der Familie oft in Zweifel ziehen und durch professionelle Ganztagsbetreuung für ersetzbar halten.

  2. Fräulein Schmidt hat ein Konzept von Eigentum entwickelt: „Mein“, verkündet sie, und hält diverse Sachen fest, einen Ball oder einen Kugelschreiber, an den sie herangekommen ist oder was auch immer.

    Im hyperkapitalistischen Haushalt der Schmidts war das ja zu erwarten. Nächstens verlangt sie Zins, wenn sie ihr Spielzeug in der Krippe mal ausleiht.

  3. Wenn Fräulein Schmidt aufs Familienauto zeigt, und ihren Anspruch geltend macht, muss wie aus der Pistole geschossen der Papa- Spruch „Eigentum verpflichtet!“ kommen, dann Polierwachs und Lappen in die Händchen drücken.

  4. Wenn man sich darauf einlassen will, können Kinder ein immens spannendes Abenteuer des Lebens sein. Als mein Erster geboren war, war ich jedenfalls abends immer gespannt auf den nächsten Tag.

    Ich glaube, ich habe meine Jungs relativ streng erzogen, war aber auch sehr darauf bedacht, so fair wie möglich zu sein. Die Maßstäbe, die ich an die Zwerge legte, musste ich auch an mir gefallen lassen.
    Das scharfe Abgrenzen von Besitz und dessen Einforderung habe ich auch sehr oft bei Kleinkindern beobachtet, allerdings nicht bei meinem Großen. Der hatte ohne elterliche Intervention sehr früh verstanden, dass er mit anderen Kindern nur spielen konnte, wenn er seinen Besitz teilte. Dafür entwickelte er aber eine bemerkenswerte Fertigkeit darin, die anderen Kinder zu überzeugen, ihm die Dinge freiwillig zu überlassen, die er haben wollte. DA habe ich irgendwann interveniert, weil er seinen kleineren Bruder damit total überforderte und unterbutterte.

    An eine Lehrstunde in Selbstbescheidenheit, wo der kleine Zweieinhalbjährige seinen Vater beschämte, erinnere ich mich noch sehr gut.
    Wir hatten zu Ostern in einem abgelegenen Waldstück Ostereier an verschiedenen Bäumen in kleinen Nestern zu zwei bis drei Eiern abgelegt und den Kleinen dann „suchen“ lassen. Er tappste mit heiligem Ernst zwischen den Bäumen hin und her und sammelte seine Funde in ein Körbchen, das ich ihm hinhielt.
    Damit er nicht durch die schiere Menge dem Zuckerschock erlag, begann ich nach einiger Zeit, einzelne Eier aus dem Körbchen wieder zu verstecken. Ich erwartete, dass er so lange weitersuchen würde, bis er auch noch das letzte Ei gefunden hätte. Aber nach einiger Zeit kam er mit dem letzten Fund zum Körbchen, schaute hinein und beschloss: „Das ist genug!“
    In dem Körbchen lagen fünf Eier und ein kleiner Schokohase.
    Wir Alten mussten dann auf dem Rückweg heimlich die anderen versteckten Eier selbst einsammeln.
    Selbstbescheidenheit war nie meine Stärke, ich hätte so lange gesucht, bis auch das allerletzte Ei in meinem Körbchen gelandet wäre. Und wenn ich für die ca. 70 ha Wald ne Woche gebraucht hätte.

    Ich bin überzeugt, dass die „Meins!“-Strategie in dem Alter normal ist, sie scheint aber nicht zwingend zu sein. Und obwohl wir mit Sicherheit beide Jungs gleich erzogen, hat sich der Zweite total anders entwickelt.

    • Wirklich schön. Vielleicht hat er aber auch im Wald gemerkt, dass da was nicht stimmt. Dass in dem Körbchen wohl ein Loch sein muss. Egal, wie viele er reintut, es sind immer nur fünf plus Hase drin. Und daher war das „Das ist genug!“ eher diplomatisch gemeint, damit keiner merkt, dass er gemerkt hat, was da nicht stimmt. Er wollte euch den Spaß an seiner Freude nicht verderben.

      Das macht mein Kind übrigens immer, wenn wir mit Fakenews wie Osterhase, Christkind, Weihnachtsmann kommen. Es spielt das Spiel wunderbar mit. Wenn ich dann zu verdutzt schaue, kriege ich ein Augenzwinkern. Dann weiß ich, dass mein Kind klug genug ist, die Welt zu verstehen, auch wenn die von allen anderen verdreht wird.

      • „Und daher war das „Das ist genug!“ eher diplomatisch gemeint, damit keiner merkt, dass er gemerkt hat, was da nicht stimmt.“

        Nee, dazu war er nun wirklich zu klein. Fünf Eier waren für ihn tatsächlich genug 🙂 .

        In dem Gelände waren wir oft spazieren gegangen, weil es für Kinder wegen seiner Vielfältigkeit und Abgeschiedenheit ein aufregender und geheimnisvoller Spielplatz war. Und wir Alten konnten die Kleinen laufen lassen, weil sie nirgendwo auf Straßen oder sonst welche gefährlichen Orte treffen konnten.

        Ein Jahr später waren wir – inzwischen zu viert – wieder in der Umgebung des magischen Wäldchens, ein Stück Kiefernhochwald von vielleicht 50×50 m, wo der Osterhase üblicherweise seine Preziosen versteckt.
        Irgendwie ritt mich der Teufel und ich erinnerte meinen Kleinen daran, dass er hier seine Ostereier gefunden hatte. Daraufhin wollte er sofort mit dem Suchen beginnen. Ich wies ihn darauf hin, dass außerhalb von Ostern dort keine Eier versteckt würden und Ostern erst in vierzehn Tagen sein würde. „Wieviel sind 14 Tage, Papa?“
        „14x Schlafen“, versuchte ich, ihm Zeit zu erklären.
        Daraufhin legte er sich auf eine moosige Stelle und verkündete, er wolle jetzt 14x schlafen.
        So bekam ich gleich die nächste Lehrstunde in Kinderdenken.

        Es war eine wundervolle Zeit und ich bin noch heute froh, an der Welt meiner kleinen Kinder teilhaben gedurft zu haben.
        Wer das nicht nutzt, verpasst unendlich viel.

        Den Weihnachtsmann fanden übrigens beide Jungs nicht besonders beeindruckend, obwohl er die wirklich großen Geschenke brachte, während der Osterhase nur ein paar Eier versteckte.
        Beide Figuren nahmen sie nur als mythische Wesen wahr, die sie nie sahen und nur über ihre Hinterlassenschaften erlebten.
        Es bedarf also keines Studenten, oder des Opas, der sich verkleidet und den Weihnachtsmann spielt.
        Was fehlt, können die Kinder mit ihrer Phantasie problemlos ersetzen 🙂

        • „Nee, dazu war er nun wirklich zu klein. Fünf Eier waren für ihn tatsächlich genug 🙂 .“

          Und warum hast Du dann mehr versteckt? 🤔

          • Auch ich lerne dazu.
            Dass fünf Eier gereicht hätten, wusste ich erst hinterher.

            Aber im darauffolgenden Jahr war er dann schon etwas anspruchsvoller – und trug sein Körbchen selbst. Da war Schummeln nicht mehr drin 😀

          • „Manchmal denke ich über das Vater sein nach. Manchmal.“

            Nun, die Wahrscheinlichkeit, dass Du durch „Unfall“ zum Papa wirst, dürfte wohl eher gering sein.
            Meine Jungs waren beide „Unfälle“. Aber als sie sich dann ankündigten, beschloss ich, eben das Beste draus zu machen. Ich habe mich voll und ganz auf sie eingelassen und die Zeit mit ihnen genossen.
            Und ich kann Dir sagen, dass das vielleicht die erfüllendste Zeit meines Lebens war.

            Vielleicht wirst Du ja Onkel. Auch da ergeben sich riesige Möglichkeiten. Und wenn Du Glück hast, sind die Eltern ganz froh, wenn ihnen die Blagen mal für ein paar Stunden abnimmt.
            Es muss nicht teuer sein. 95% Phantasie, gewürzt mit ein bisschen Wirklichkeit genügen.
            Ich bin mit meinen Jungs mal losgezogen, Zwerghöhlen zu suchen. Der Wald war nur knapp zweihundert Meter breit entlang einer Hanglage, aber fünf Kilometer lang. Für die Kinder war er damit unendlich tief und beeindruckend. Und an jedem Kaninchenbau standen wir dann zu dritt mit der einschlägigen Literatur und fachsimpelten, ob das nun eine Zwergenhöhle wäre, oder nicht.
            Ein aufregender Tag.

          • Ich habe keinen großen Bezug zu Kindern. Ich fürchte sie ein wenig und bin unsicher ihnen gegenüber. Meistens bin ich froh, wenn sie mich in Ruhe lassen.

            Kannst Du mir erklären, wie man heutzutage durch Unfall Vater werden kann?

          • „Ich habe keinen großen Bezug zu Kindern. Ich fürchte sie ein wenig und bin unsicher ihnen gegenüber. Meistens bin ich froh, wenn sie mich in Ruhe lassen.“

            Geht wohl jedem so. Ist also nicht ungewöhnlich.
            Aber der Mensch wächst in seine Aufgaben hinein, kann ich Dir versichern und man kann kaum was falsch machen.
            Und manchmal hat man auch das Glück, von so einem Zwerg adoptiert zu werden. Beide tasten sich dann sozusagen in eine neue Beziehung. Ich kenne mehrere, die wie Du dachten und die später „ihre“ Kinder genauso umsorgten, wie die eigentlichen Eltern.
            Auch die Elternschaft lernt man nur am lebenden Objekt, nie über Bücher. Alles, was Du vorher gelesen hast, hält genau bis zur Geburt. Dann hast Du einen Menschen vor Dir, der sich an keine geschriebene Regel hält.

            „Kannst Du mir erklären, wie man heutzutage durch Unfall Vater werden kann?“

            Also heutzutage ist schon 25 Jahre her. Und wenn die Frau die Pille nicht nehmen will, beide aber über den ganzen Monat rallig sind, dann passiert sowas nun mal 🙂
            Tüte wollte ich nicht, weil Ohne nun mal um Potenzen intensiver ist.
            Wenn ich etwas bereue, dann, dass ich die beiden Jungs mit DER Mutter hatte.
            Aber die Vaterschaft (soweit ich sie leben konnte/durfte) habe ich keine Sekunde bereut.

          • Aber die Vaterschaft (soweit ich sie leben konnte/durfte) habe ich keine Sekunde bereut.

            Das kann ich mehr als nachvollziehen. Deshalb verstehe ich auch das ganze Gejammer nicht, wenn die Kinder durch die Eltern betreut werden müssen. Eigentlich ist das ein Gewinn, kein Verzicht. Verzicht ist für mich eher, bis 20:00 Uhr im Büro zu sitzen und von meinen Kindern nichts mitzubekommen.

          • Das habe ich auch gemacht: Mehr versteckt, als ein gesundes Kind verkraftet. Der Grund war, dass es für das Kind toller ist, die Eier zu finden, als sie zu essen.

            Geht mir auch so. Der Triumpf über mein Handeln fühlt sich stärker an, als die Ernte schmeckt.

        • „Dann hast Du einen Menschen vor Dir, der sich an keine geschriebene Regel hält.“

          Das ist wirklich geil. Dann ist plötzlich alles anders. Jede Konstante in deinem Leben wabert. Aber du bleibst frisch durch die Verantwortung für etwas wirklich Wichtiges.

        • Ich habe neulich abends mal wieder ewig einschlafstillend durch die Eltern-Rubrik eines dieser hippen Online-Magazine gescrollt … und es hat mich echt deprimiert. Die Themenauswahl war so einseitig negativ, als wäre die Zeit mit Kindern ein ewiges Jammertal voller Last und Bürde, für einen normalsterblichen Menschen eigentlich nicht zu schaffen. Wäre ich eine junge, noch kinderlose Frau, hätte mich das komplett desillusioniert.
          Ich bin das erste Mal mit 24 gewollt Mama geworden und natürlich bin ich keine pastellfarbene, dauergrinsende Supermutter, kenne die tiefe, dunkle Erschöpfung, das Zerren & Zanken, die langen Tage auf dem Zahnfleisch, die blanken Nerven und den leeren Akku, aber über all dem lagert noch etwas anderes, der Frohsinn dieser Kinderschar, eine helle, pure Liebe, die man niemanden erklären kann, der nicht selbst so ein Bündelchen begleitet hat, sie sind ein quicklebendiges Flirren, durchströmen alles damit, ein großes Glück.
          Mir erscheint der Fokus sehr verrutscht.

          • „… aber über all dem lagert noch etwas anderes, der Frohsinn dieser Kinderschar, eine helle, pure Liebe, die man niemanden erklären kann, der nicht selbst so ein Bündelchen begleitet hat, sie sind ein quicklebendiges Flirren, durchströmen alles damit, ein großes Glück.“

            Sehr gut beschrieben.

            „Die Themenauswahl war so einseitig negativ, als wäre die Zeit mit Kindern ein ewiges Jammertal voller Last und Bürde, für einen normalsterblichen Menschen eigentlich nicht zu schaffen.“

            Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Das ist aber nichts Neues. Die erste junge Frau, die in meinem direkten Umfeld schwanger wurde, war eine Kommilitonin, mit der ich eine Wohnung teilte.
            Sie erzählte eines Tages ziemlich verärgert von demselben Phänomen, wie Du. Sie hatte es sich irgendwann verbeten, ihr Schwangerschaft, Geburt und Säuglingszeit in den düstersten Farben zu malen.
            Meine Erklärung für diese Art von Geschichten, die fast ausschließlich von Frauen für Frauen verbreitet werden ist, dass sie die eigene Leistung ins Übermenschliche erhöht und die Mutter als solche adelt.
            Der Kraftakt rechtfertigt all die Privilegien, die die sie von ihrem Partner und der Gesellschaft erwartet und verschafft ihr die bedingungslose Anerkennung, auf die ein Vater nie hoffen dürfte.

            „… kenne die tiefe, dunkle Erschöpfung, das Zerren & Zanken, die langen Tage auf dem Zahnfleisch, die blanken Nerven und den leeren Akku, …“

            Ich habe jeden Tag als eine sportliche Herausforderung gesehen. Ziel war, mich von meinen Jungs nie so weit provozieren zu lassen, dass ich die Beherrschung verliere.
            Und wenn dann die kleinen Bündel abends tief schlafend in ihren Bettchen lagen, habe ich nicht ohne eine gewisse Selbstzufriedenheit festgestellt, dass ich auch diesen Tag als Sieger über die Ziellinie kam.
            Wobei ich vielleicht auch relativ pflegeleichte Kinder hatte. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, im Gegensatz zur Mutter auch nur einmal in die Nähe des Kontrollverlustes geraten zu sein.

      • Dann noch eine Anekdote hinterher:
        Ostereiersuche mit Eltern in den Seelower Hoehen, ich war grad so weit, dass ich nicht mehr an den Osterhasen (und den Weihnachtsmann) geglaubt habe.
        Das Versteckspiel hat mir aber Spass gemacht. Bis ich den Trick (wie haben meine Eltern die Eier versteckt, oder gibts den Osterhasen etwa tatsächlich?!)
        trotz intensiven Nachdenkens nicht durchschauen konnte.
        Mutter hats mir dann Jahre später lachend erklärt

        • „Mutter hats mir dann Jahre später lachend erklärt“

          Bei uns war es einfach. Als die Jungs noch sehr klein waren, hatten sie auf dem langen Weg in den magischen Wald gar nicht registriert, dass Papa vorübergehend nicht da war. Sie waren vollkommen auf das Ziel fixiert.
          Und nach der Trennung von der Mutter hatte mein Bruder die Eier versteckt, während ich und meine Jungs das Wäldchen suchten.

          Und ihr Papa stellte sich wirklich dumm an und lief immer wieder falsch 😀

          Mein Großer hat schon verkündet, dass er das mit seinen Kindern genauso machen würde, wenn er welche hätte.

          • Bin schockiert. Ich dachte bis eben noch (also ernsthaft), dass sich meine Eltern die Nummer ausgedacht hätten…sie wussten, dass ich einen schlechten Orientierungssinn hatte, und haben mich 2mal im Kreis geführt…und das machen andere Eltern auch so? Naechste Woche gibts Familienpalaver!:-(

          • Muss ne schöne Gegend sein für Ostereier.
            Das magische Wäldchen meiner Jungs hat nämlich auch eine explosive Vergangenheit. Einen Rest habe ich dort gefunden und dem Museum vermachen wollen. Die dürfen aber keine Explosivstoffe ausstellen. 🙂

    • „Ich bin überzeugt, dass die „Meins!“-Strategie in dem Alter normal ist, sie scheint aber nicht zwingend zu sein. Und obwohl wir mit Sicherheit beide Jungs gleich erzogen, hat sich der Zweite total anders entwickelt.“

      Ja, auch wenn das Klischee was anderes sagt, ist tatsächlich jedes Kind sehr eigen. Man könnte manchmal meinen, die kommen schon mit vorgeprägten Charakter auf die Welt (tun sie ja vielleicht).

      Mein Sohn hätte vermutlich auch keine Schokolade liegen lassen, bei meiner Tochter ist es mittlerweile so, dass man ihr mit Naschereien kaum noch eine Freude machen kann. Vielleicht sind wir da auch zu großzügig gewesen, aber sie isst die meisten Sachen gar nicht, sondern hortet sie in ihrer Schublade und verschenkt im Laufe der Zeit das meiste, außer die Sachen, die sie wirklich mag. Ein eher ungewöhnliches Verhalten. Ich hatte drei Geschwister und wir haben uns das Zeug immer gegenseitig weggefuttert, aber wir bekamen auch vergleichsweise wenig.

      Geschwister beeinflussen sich aber ohnehin sehr stark. Die Jüngeren suchen sich meist Hobbies, die noch nicht von den Älteren besetzt sind (von denen sie dennoch viel lernen). Die Älteren sind oft selbstständiger, weil ihnen das große Vorbild fehlte, dafür haben sie meist mehr Aufmerksamkeit der Eltern bekommen und wurden oft auch noch strenger erzogen (i.d.R. lässt sich das nicht durchhalten, weil man in der Praxis schlecht dem Kleinen alles verbieten kann, was der Große schon darf).

      • „Man könnte manchmal meinen, die kommen schon mit vorgeprägten Charakter auf die Welt (tun sie ja vielleicht).“

        Da bin ich mir sicher. Die Unterschiede gibt es – mindestens – ab Geburt.

        „… aber sie isst die meisten Sachen gar nicht, sondern hortet sie in ihrer Schublade und verschenkt im Laufe der Zeit das meiste, …“

        … oder der Kleine frisst sie sukzessive weg, … 😉

        Mein Großer war auch nie wirklich ein Süßer. Das Ostereiersuchen war für ihn ein Happening, aber aufgegessen hat die Süßigkeiten fast ausschließlich der Kleine.
        Ich habe mich später darauf verlegt, neben den süßen Ostereiern auch diese Miniwürste, die damals von Rügenwalder in verschiedenen Geschmacksrichtungen (Teewurst, Leberwurst, …) angeboten wurden, zu verstecken.
        Das verdoppelte die Freude des Großen 😀

        „Die Älteren sind oft selbstständiger, weil ihnen das große Vorbild fehlte, dafür haben sie meist mehr Aufmerksamkeit der Eltern bekommen und wurden oft auch noch strenger erzogen (i.d.R. lässt sich das nicht durchhalten, weil man in der Praxis schlecht dem Kleinen alles verbieten kann, was der Große schon darf).“

        Das stimmt, ist aber ein unlösbares Dilemma. Jedes Kind nach dem ersten KANN nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie das erste erhalten.

  5. Nach meiner Erfahrung ist ein Kleinkind am Anfang noch gar nicht in der Lage, kooperative Spiele zu spielen. Wenn die Kinder (so bis drei Jahren) zusammen spielen, dann kam mir das eher wie ein Nebeneinanderher als wie ein Miteinander vor. Und „Meins“ im Sinne von „Ich“ ist der erste Entwicklungsschritt hin in die Abstraktion. Ich weiß nicht, ob ihr mal mit der ganz kleinen Frl. Schmidt ein „Spiegelspiel“ gemacht habt: Einen größeren Spiegel hinhalten, so dass das Kind sich im Spiegel selbst sehen kann. Als unser Sproß ca. 6 Monate alt war und beweglich wurde, hat er hinter den Spiegel geschaut um zu sehen, wo denn das Kind aus dem Spiegel ist. Das war sehr lustig. Mit einem Jahr wusste er, er sieht sich selbst. Diese Entwicklung mitzuerleben war sehr interessant.

    Das Kleinkinder zunächst an sich selbst denken und Dinge auf sich beziehen (Essen, Spielzeug, elterliche Zuwendung) ist vermutlich ihren Instinkten geschuldet und sinnvoll für das Überleben. Die Vorstellung von der Welt ist ja auch noch sehr simpel: Da bin ich und …. Mama und Papa (die für mich da sind). Waren da noch andere? Vielleicht, aber solange ich sie nicht sehen kann, existieren sie eigentlich nicht.

    Das später die Vorzüge des kooperativen Verhaltens erkannt werden, liegt vermutlich in der Erziehung begründet. Es ist eine wunderschöne Zeit, finde ich, weil sich permanent etwas Neues entwickelt, die Dinge aber noch nicht so komplex sind, dass sie von außen nicht nachvollzogen werden können.

    • Es ist einer der bedeutendsten Entwicklungsschritte, wenn Kinder das Ich entdecken, wenn sie also zwischen ihrer Umgebung und sich selbst klar abgrenzen lernen. Denn am Anfang ist alles eins.
      Die Anthroposophen verfolgten mal die Auffassung (bis die vom Mainstream zertrümmert wurde), dass Kinder erst die Kindergartenreife erlangen, wenn sie diesen Schritt vollzogen haben. Das ist in der Regel so um das vierte Lebensjahr. Erst dann greifen Sozialisationsprozesse.

      Ich fand diese Ansicht sehr schlüssig angesichts der Entwicklung meines Kindes. Das haben die Waldis aber schnell aufgegeben und doch Kleinkindgruppen eingeführt, damit die Mütter entlastet werden.

  6. Ich warte immernoch auf eine Gelegenheit, einer dieser übergriffigen „es gibt nicht ‚meins‘, du musst teilen!“-Mamas ihr Handy aus der Hand zu reißen und wenn sie protestiert genau diesen Spruch zu bringen. Immer alles Teilen müssen ist keine sinnvolle Lektion.

  7. Der Hinweis ist durchaus wichtig, ich habe schon Diskussionen geführt (meist mit Alternativen oder Kommunisten) in denen die Meinung vertreten wurde, die Eigentumsdenke sei nur antrainiert und von Natur aus seien Kinder die perfekten Altruisten.

    Meine Erfahrung ist das auch nicht. Wäre auch irgendwie unlogisch, das Entschwinden eines geliebten Spielzeuges dürfte einen Verlustschmerz erzeugen, den das Kind zu verhindern trachtet. Das Entdecken eines neuen tollen Spielzeuges ist dagegen ein starker Anreiz, weshalb sich mehrere Kleinkinder meist auch alle auf dasselbe Spielzeug stürzen (interessant ist immer das, was die anderen gerade spielen).

    Vielleicht ist das bei eingeborenen Urwaldvölkern (die werden ja gern als Referenz genommen) noch anders, möglich ist das. Entweder genetisch anders oder von der Erfahrung her (wer weiß, mit was die Kinder dort spielen und irgendwie sind die ja auch alle wie eine größere Familie).

    • Das Spielzeug, mit dem ein anderes Kind spielt, ist dann interessant, wenn die Handlungen, die damit ausgeführt werden, interessant erscheinen. Das sich der Fokus darauf richtet und ein „Ich auch“ durch das kleine Köpfchen schießt, scheint mir plausibel. (Gibt’s später ja auch noch … „Approved by other women“)

      Bei Urwaldvölkern muss man, glaube ich, sehr genau hinschauen. Es gibt Völker, wo die Konditionierung der Kinder schon sehr früh einsetzt – ich erinnere mich dunkel an ein Volk, in dem die Jungen ab ca. 9-10 Monaten schon zum Kampf gegeneinander angeleitet wurden, da konnten sich noch nicht einmal stehen und mussten von Erwachsenen gehalten werden – oder vielleicht völlig ausbleibt, die Kinder also unangeleitet interagieren. Damit lässt sich, richtig ausgewählt, alles und nichts beweisen.

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