Der „Diversity DAX“-Index – Ist die Verteilung der Geschlechter in Vorstand und Aufsichtsrat ein Renditetreiber? (Gastbeitrag)

Gastbeitrag von Michael

Die Deutsche Börse möchte zusammen mit dem Beratungsunternehmen Bosten Consulting Group (BCG) und der Technischen Universität (TU) München einen „Diversity Dax“-Index kreieren, der später als Grundlage für sogenannte Indexfonds oder ETFs dienen könnte, wie im Manager Magazin berichtet wurde.

Als Basis für die Zusammensetzung des „Diversity Dax“-Indexes dienen die Daten des „BCG Gender Diversity Index 2018“. Aus der BCG Gender Diversity Studie wurden die Top 30 Unternehmen (von 100 betrachten Unternehmen) für den Index ausgewählt („Für den BCG Gender Diversity Index 2018 wurden die 100 größten börsennotierten Konzerne Deutschlands analysiert. Dabei stand sowohl die Verteilung der Geschlechter in Vorstand und Aufsichtsrat im Mittelpunkt wie auch die Vergütung der Mitglieder in beiden Gremien und nach der Diversity Gesamtbewertung gewichtet, d.h. desto höher die Bewertung je höher auch die Gewichtung im Indexportfolio. Die Unternehmen die im „Diversity Dax“ vertreten sind, sind auch entweder im DAX (große deutsche börsennotierte Unternehmen), MDAX (mittelgroße deutsche börsennotierte Unternehmen), SDAX (kleine deutsche börsennotierte Unternehmen)
und/oder im TecDax (deutsche börsennotierte „Technologiewerte“) vertreten.

Nun zeigte sich, dass in einem zwei Jahreszeitraum (März 2017 bis März 2019) der „Diversity Dax“ den DAX um rund 4,3 Prozentpunkte übertroffen hatte. In der Süddeutschen (SZ) war dazu folgendes zu lesen: „Die Deutsche Börse spielt gerade mit der Idee eines „Diversity Dax“, eines Index, für den sie die Aktien nach der Vielfalt der Manager der Unternehmen aussucht. Er hätte den normalen Dax innerhalb der vergangenen zwei Jahre um 4,3 Prozent übertroffen. Es ist beachtlich, dass der Chauvinismus der Entscheider bisher sogar ihren kapitalistischen Profittrieb übersteigt.“
Und auf Twitter las man: “Männer sind zu emotional für die Börse

Beruhen nun folgende Aussagen auf einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema oder doch eher auf dem Phänomen des “Confirmation Bias“? Also der Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen/bestätigen

Ich möchte dabei vier Punkte zu bedenken geben:
1. Ist der Vergleich mit dem DAX fair?
Die Performance des „Diversity Dax“ wird mit der Performance des DAX verglichen. Allerdings stammen die Unternehmen/Aktien die im „Diversity Dax“ vertreten sind nicht nur aus dem DAX, sondern auch aus dem MDAX, dem SDAX und dem TecDAX.

Welche Performanz hatten diese Indizes also vom 1. März 2017 bis zum 1. März 2019:
 DAX: -3,3%
 MDAX: +5,1%
 SDAX: +9,2%
 TecDAX: +36,8%

Wie man erkennt, hatte der DAX die schlechteste Rendite in dem genannten Zeitraum. Ein Vergleich mit dem DAX lässt den „Diversity Dax“ besonders gut aussehen. Ein Vergleich mit dem DAX wäre jedoch nur redlich, wenn alle Werte aus dem „Diversity Dax“ auch aus dem DAX stammen würde und nicht auch aus den anderen Indizes.

2. Ist die Überrendite des „Diversity Dax“ überhaupt signifikant?

Der „Diversity Dax“ hat eine Überrendite von 4,3% im Vergleich zum DAX. Aber ist dieser Wert überhaupt außergewöhnlich? Wenn man rein zufällig 30 Aktien aus dem DAX, MDAX, SDAX und TecDAX zusammenstellen würde, wie viele der Portfolios würden eine bessere Rendite als der DAX aufweisen? Wie viele der Portfolios hätten eine Überrendite von mehr als 4,3% gegenüber dem DAX? Ohne eine solche Angabe ist eine Bewertung der Überrendite überhaupt nicht möglich.

3. Ein zu kurzer Zeitraum.

Um beurteilen zu können, ob der Diversity-Faktor tatsächlich eine Überrendite liefert, benötigt man Daten von deutlich mehr als zwei Jahren. Zugegeben wird eine Verlängerung der Studie auf fünf Jahre angestrebt („zufolge bietet sich auf Basis der Ergebnisse gemeinsam mit BCG und TU München eine Ausweitung der Studie auf weitere drei Jahre an, um das Konzept über einen längeren Zeitraum zu testen“ .

Aber auch ein fünf Jahres Zeitraum bleibt ein zu kurzer Zeitraum. In der Regel werden Zeiträume von deutlich mehr als 20 Jahren betrachtet, um zu beurteilen ob ein Faktor eine Überrendite produziert (siehe zum Beispiel Fama  French „The Cross-Section of Expected Stock Returns“, The Journal of Finance, 1992).

4. Ein internationaler Vergleich.
Ein recht bekannter weltweiter Aktienindex ist der „MSCI World“. Weniger bekannt ist der „MSCI World Womans Leadership Index“, welcher ein ähnliches Ziel verfolgt wie der „Diversity Dax“ (“The index aims to include companies which lead in their respective countries in terms of female representation in Board and in leadership positions”).

Wenn man nun die Performanz des „MSCI-World“ mit dem „MSCI-World Womens Leadership Index“ vergleicht, so zeigt sich im Zeitraum Mai 2016 bis März 2020, dass der „MSCI World“ eine bessere Performanz hatte als der „MSCI-World Womens Leadership Index“ (da alle Aktien im „MSCI-World Womens Leadership Index“ auch im „MSCI World“ enthalten sind, ist der Vergleich hier legitim/fair).

Das gleiche Ergebnis erhält man, wenn man den „MSCI Europe“ mit dem „MSCI Europe Womens Leadership Index“ vergleicht. Der „MSCI Europe“ hat eine bessere Performanz als der „MSCI Europe Womens Leadership Index“.

Bei beiden ist der Unterschied in der Performanz jedoch noch nicht so groß, als dass man von einem eindeutigen Ergebnis sprechen könnte. Aber beide Ergebnisse stützen nicht die These, dass mehr „Women Leadership“ auch mit einer höheren Rendite korreliert.

Schluss:
Wenn man in Unternehmen/Aktien investieren möchte, die nach dem „BCG Gender Diversity Index“ einen hohen Wert aufweisen, kann ein solcher „Diversity-Dax“-Index natürlich helfen, aber ob man damit auch eine Überrendite erzielt…da wäre ich sehr skeptisch.

43 Gedanken zu “Der „Diversity DAX“-Index – Ist die Verteilung der Geschlechter in Vorstand und Aufsichtsrat ein Renditetreiber? (Gastbeitrag)

  1. Insgesamt wurden 14 Unternehmen neu im Index aufgenommen – keines davon ist ein DAX-Unternehmen, darunter fällt auch das auf Platz 2 gelistete Unternehmen!

    Was für ein Zufall!

  2. Christian, kannst du bitte Bosten gegen Boston austauschen? Mein innerer Monk dreht gerade frei. Auch bei Facebook….

    Danke

  3. Ein sinnvoller Vergleich wäre der der „Top10“ mit den „Worst 10“. Den machen sie aber nicht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

    „Null Punkte“ haben Delivery Hero (03/17) noch nicht an der Börse (?!), ab danach plus ~30%, die Nemetschek-Gruppe (+147%) und United Internet (-14%).

    Spitzenreiter im Tussi-Ranking ist die Aareal-Bank. 03/17 – 03/19: minus 17%.

    Was sagt uns das? Gar nichts sagt uns das; aber die „Studie“ ist mal für die Katz.

  4. Interessanter Beitrag. Die Bewertung des Gender Dax durch die Presse, zeigt mal wieder, dass Gender Journalisten vor allem ihr Narrativ transportieren möchten, und ihre Sachkenntnis eher überschaubar ist. Eine Rendite/Dividende Betrachtung ist ohne Risikobewertung immer nur die halbe Wahrheit. Und 4% sind zwar nicht nichts, aber bei der Zusammensetzung auch nicht unbedingt signifikant oder außerhalb normaler Schwankungsbreiten. Auch wird mal wieder eine Korrelation festgestellt und daraus eine Kausalität abgeleitet.

    Schade nur, daß solche Produkte sinnvolle nachhaltige Investmentstrategien kontaminieren werden. Das wird die Anlage in solche Produkte nochmal schwieriger machen, als sie ohnehin bereits ist.

    Wer schon einmal versucht hat, ohne Beteiligungen an Öl, Kohle oder Waffen zu investieren, wird wissen, was ich meine.

    • Für mich war das damals ein Grund, mich von den ESG-Fonds zu verabschieden, weil ich keinen Bock hatte, dass man mit „Milliionärstochter und Ex-Politikerin mit richtigem Geschlecht im Aufsichtsrat“ Ausgleichspunkte für Atomwaffen „sammeln“ konnte.

    • Gab es nicht mal sogenannte vice depots in die nur Aktien gekauft wurden, die zu Unternehmen aus übel beleumundeten Branchen (Tabak, Alkohol, Waffen, Öl, …) gezählt werden. Und hatten diese Depots nicht eine signifikante Überperformance?

      Was würde sich ergeben, wenn dieselbe Argumentation auf diese Depots angewendet werden würde?

      • Kann sein, weiss ich nicht.
        Zumindest im Bereich Klima gehen die Versicherer und Rückversicherer dazu über, nicht mehr in Kohle oder Öl zu investieren.

        Mir persönlich ist der Gedanke auch völlig fremd, aus reiner Gier bewusst das Leid von Menschen in Kauf zu nehmen. Und da sind ja gerade Öl und Waffenproduzenten vorne mit dabei.

        Es gibt sicher Menschen, die so etwas tun, mir ist das fremd. Meiner Ansicht nach ist Wirtschaft kein Nullsummenspiel. Je besser es allen geht, je mehr Freiheit, Demokratie und Menschenrechte herrschen, je mehr Reichtum in der Welt existiert, desto mehr Kunden hat man, mit denen man gute Geschäfte zum beiderseitigen Nutzen machen kann.

        Andere Handlungsweisen empfinde ich als dumm und kurzsichtig, wenn nicht sogar schlicht bösartig. Und die bösartigen enden oft genug auch entsprechend, und sei es nur, weil es spieltheoretisch sinnvoll ist, negative Verhaltensweise ebenso zu vergelten oder zu sanktioniert. .

        • Mir geht es nicht um Moral, sondern um die Tatsache, dass Portfolios nach beliebigen Tatsachen – liebsamen und unliebsamen – zusammengestellt werden können und dann eine Aussage über die Performance relativ zu einer Benchmark getroffen werden kann. Daraus lässt sich meines Erachtens nichts oder alles ableiten. … Nur die Rendite zu betrachten ist ohnehin sehr kurzsichtig.

  5. Geil Genderforschung mitten im und aus dem Leben. Und es wäre reine Gehässigkeit und Hass-Propaganda, die als einziges Ziel die Entwertung der redlichen Arbeit dieser Wissenschaftlerinnen hätte, wenn man fragen würde ob und in wiefern „The great crash of 2020“, oder auf gut deutsch die größte Wirtschaftskrise seit bestehen der kapitalistischen Weltordnung in dieser Studie berücksichtigt wurde ? Und ob sie Einfluss auf das Ergebnis „Frauen werden daran gehindert erfolgreich zu sein. Ursache: Männer (wahrscheinlich zu über 90Prozent Mitglied der Geheimgesellschaft des Patriarchats, das nur alte weisse Männer aufnimmt. Mit freundlichen Grüßen ihr Patriarchat, wir diskriminieren Frauen seit über 5 000 Jahren…

  6. Was noch gar nicht angesprochen wurde: Korrelation ist nicht Kausalität.

    Der Zusammenhang dürfte genau andersrum sein: Profitable Unternehmen können sich Luxus wie Frauen im Vorstand leisten. Unternehmen denen es schlechr geht haben kein Geld für solchen Blödsinn.

    Das hat durchaus ernsthafte Auswirkungen, nämlich wenn ein Unternehmen was in eine Krise geschlittert ist, anstatt die Ursachen der Krise anzugehen stattdessen mehr Frauen in Führungspositionen einstellt. Weil das ja angeblich Renditetreiber sei. Und dann endgültig den Bach runtergeht. Ich konnte das bei meinem Arbeitgeber genau so direkt beobachten.

    Letztendlich ist „Frauen sind gut für die Rendite“ magisches Denken.

    • Gibt es wirklich im Management einen Glauben daran, dass es vom Geschlecht abhängt, wie gut die Firma läuft? Ich dachte bislang immer, diese Haltung wäre ein reiner Popanz, der medial von eifrigen Funktionärinnen aufgebaut worden ist.

      • „Gibt es wirklich im Management einen Glauben daran, dass es vom Geschlecht abhängt, wie gut die Firma läuft?“

        Nicht, dass ich wüsste.
        Es gibt aber in einigen dieser Firmen die Gewissheit, dass man von öffentlichen Aufträgen abgeschnitten wird, wenn man den Frauenanteil nicht erhöht – egal, wie strunzdumm, unmotiviert und desinteressiert dieser Anteil auch sein mag.

        Wenn Du Dein Geld mit dem Bau von Straßen verdienst, kannst Du Dich dem Diktat nicht entziehen.

  7. Gut zerpflückt, was soll man da noch sagen. Nur eine Frage hätte ich noch: Hat der Diversityindex den DAX um 4,3% oder 4,3 Prozentpunkte geschlagen? 4,3% könnte schließlich auch statt eines Minus von 3,30% eines von 3,16% bedeuten. Den Unterschied könnte man dann fast mit der Lupe suchen; und es wäre bei der unterschiedlichen Zusammensetzung großer Zufall, wenn die Indizes sich quasi gleich bewegt hätten.

    • Guter Blogpost!

      Welche Performanz hatten diese Indizes also vom 1. März 2017 bis zum 1. März 2019: # DAX: -3,3% # MDAX: +5,1% # SDAX: +9,2% # TecDAX: +36,8%

      Wenn man jetzt die Anteile des Diversity Dax in diesen Indizes gemäß Factsheet nimmt und danach gewichtet, kommt man auf

      0.63*(-3.3) + 0.2*5.1 + 0.1*9.2 + 0.07*36.8 = 2.437

      Wenn ich auf die Entwicklung des DAX in diesem Zeitraum (-3.3%) die Outperformance des Diversity DAX von 4.26% addiere, komme ich auf -3.3 + 4.26 = 0.96

      Ein per Zufall ausgewähltes Portfolio mit der gleichen Gewichtung von Aktien aus den 4 Indizes wie der Diversity DAX hätte also eine um 1.477 (=0.437 – 0.96) Prozentpunkte bessere Performance als der Diversity DAX erzielt!!

      Wenn der Diversity Dax überhaupt etwas beweist, dann allenfalls, daß Diversity schädlich für die Performance ist. Tatsächlich sind solche kleinen Differenzen (unter 10%) nichtssagend.

  8. Dieser Beitrag erinnert mich an einen Artikel aus dem Manager Magazin über die Entlassung von Jennifer Morgan als CEO von SAP (dem wertvollsten DAX-Konzern) und sie war die erste weibliche CEO überhaupt. Vor wenigen Monaten wurde eine Doppelspitze Mann/Frau installiert, die jetzt zu einer Ein-Mann-Spitze geworden ist. Interessant ist die Begründung dazu. Offensichtlich fehlte es Frau Morgan an Durchsetzungsfähigkeit und Führungsstärke.

    https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/sap-co-ceo-jennifer-morgan-hat-machtkampf-verloren-a-1306429.html

  9. Die Überschrift des verlinkten Artikels lautet:

    „So können Anleger mit Gleichberechtigung Geld machen“

    Welche Berechtigung fehlt den Frauen und Diversen denn, die es Männern ja so leicht macht, in Führungspositionen zu gelangen? Keine? Dann kann dieser Gap ja nur dadurch erklärt werden, dass es nicht genügend Frauen gibt, die bereit UND befähigt sind, solche Posten zu besetzen.
    Nehmen wir doch mal an, der Gesellschaft wäre es nicht egal, welche Geschlechtsorgane an den Vorständen und Aufsichtsräten baumeln (oder eben nicht): welcher Anteil an Frauen wäre denn gerecht? Die Antwort „min. 50%“ ist dann ein schöner Indikator für geistige Umnachtung. Wäre die Antwort „so viele, wie prozentual zu Männern gesehen überhaupt in der Lage und bereit dazu sind“, kommt man der Sache schon näher. Diese Quote kann man auch relativ leicht herausbekommen. Man muss einfach nur mal schauen, wie viele weibliche Unternehmensgründer es gibt und wie deren Unternehmen finanziell so da stehen. Da sieht man die Bereitschaft und Befähigung zu erfolgreichen unternehmerischem Denken und Handeln.
    Ich habe da so eine Ahnung, dass diese Quote längst übererfüllt ist.

    • Das lag aber keinesfalls an der Qualität dieser Bonds, sondern einzig und allein am Boykott der bösen, männlichen Anleger! Das ist wie mit den feministischen Versionen von Star Wars, oder Ghostbusters. Diese Filme sind einfach genial, aber die männlichen Zuschauer (die weiblichen übrigens auch, aber egal) sind nur noch nicht soweit.

    • Du kritisierst in Deiner Aufzählung (siehe Link) das Frauenstatut der Grünen als Verstoß gegen die Chancengleichheit.
      Das mag so sein, verstößt aber gegen kein Gesetz.
      Du kannst eine Partei gründen und per Statut festlegen, dass nur blonde, blauäugige Jünglinge und entsprechende Maiden dort Funktionen übernehmen dürfen.
      Wer dort als Schwarzhaariger trotzdem aufgenommen werden will, akzeptiert mit seinem Aufnahmeantrag die Statuten.
      Entsprechendes gilt bei den Grünen.
      Das mag für die undemokratisch sein, die schon vor Inkrafttreten des Statuts Mitglied waren, aber die können dann ja notfalls austreten. Schließlich wurde das Frauenstatut mit der Mehrheit der Mitglieder beschlossen.
      Ist wie mit dem Vereinsrecht, wahrscheinlich sogar liberaler.

      • .Das führt hier etwas vom Thema weg, die obige Seite behandelt Frauenquoten in verschiedenen Kontexten, das Frauenstatut betrifft die Struktur von Parteien.

        Du kannst eine Partei gründen und per Statut festlegen, dass nur blonde, blauäugige Jünglinge und entsprechende Maiden dort Funktionen übernehmen dürfen.

        Nach meinem Verständnis des GG durchaus nicht. Nach GG Art. 21 (1) muß die innere Ordnung einer Partei demokratischen Grundsätzen entsprechen. Das wäre hier nicht der Fall, und bei den Grünen ist es das ebenfalls nicht. Mehr dazu hier: Das Frauenstatut von B90/die Grünen

        • “ Nach GG Art. 21 (1) muß die innere Ordnung einer Partei demokratischen Grundsätzen entsprechen.“

          Das tut sie, sobald das Statut demokratisch mit Mehrheit beschlossen ist. Es darf nur nicht sozusagen einen „Führer“ geben, der die Regeln festlegt.

          Niemand ist gezwungen, in eine solche Partei einzutreten, noch, sie zu wählen. Da gibt es keinen Verfassungsbruch.

          • „Das tut sie, sobald das Statut demokratisch mit Mehrheit beschlossen ist.“

            Das unterstellt einen absurden, entkernten Demokratiebegriff, wonach alles „demokratisch“ ist, was irgendwann eine Mehrheit beschlossen hat. Demokratie ist mehr als daß bei Abstimmungen die Mehrheit gewinnt. Das GG definiert viele Details, wie eine Demokratie auszusehen hat, u.a. uneingeschränktes aktives und passives Wahlrecht (wogegen das Frauenstatut ebenfalls verstößt). Demokratie ist ohne Gleichberechtigung und freie Meinungsäußerung nicht denkbar. Für mich is offensichtlich, daß der Demokratiebegriff des GG diese Merkmale beinhaltet.

          • „Das unterstellt einen absurden, entkernten Demokratiebegriff, wonach alles „demokratisch“ ist, was irgendwann eine Mehrheit beschlossen hat. Demokratie ist mehr als daß bei Abstimmungen die Mehrheit gewinnt.“

            Demokratie ist die Herrschaft des Volkes.
            In einer Partei sind es die Parteimitglieder – und nur die. Dass Nichtmitglieder vom Mitspracherecht ausgeschlossen sind, ist nicht undemokratisch.
            Auf einer Gründungsversammlung gibt sich die Partei eine Satzung, die mit der Mehrheit der anwesenden Mitglieder beschlossen wird – Herrschaft des Volkes.
            Das mag der Eine oder Andere als ungerecht empfinden, steht aber solide auf rechtsstaatlichen Füßen.
            Wie schon geschrieben, steht es Dir frei, die Partei zu verlassen, wenn sie von den Grundsätzen abweicht, für die sie mal gegründet wurde und eine neue Partei zu gründen mit eigener Satzung.

            „Das GG definiert viele Details, wie eine Demokratie auszusehen hat, u.a. uneingeschränktes aktives und passives Wahlrecht (wogegen das Frauenstatut ebenfalls verstößt).“

            Auf Staatsebene ist das ja auch richtig und wird so gehändelt.
            Noch.
            Semi möchte ja gern die Axt an diesen Teil des GG setzen, aber noch hält der Grundsatz.

            Auch das GG kannst Du als eine mehrheitlich beschlossene Satzung betrachten, die unter dem Vorbehalt lebt, dass sich auch eine spätere Mehrheit an sie hält. Wie man am Familienrecht sieht, kann man sich nicht drauf verlassen.
            Die Väter (und die Mutter) des GG haben sich sogar darin verstiegen, einige Grundrechte als nicht aufhebbar zu definieren, wie die Todesstrafe, oder das Gleichbehandlungsgebot.
            Das ist edel und unterstützenswert, steht aber wie alle Grundrechte immer unter dem Vorbehalt, dass eine folgende Generation sich auch daran hält. Wie wenig solche „essenziellen“ Grundrechte wert sind, sehen wir täglich bei der Auslegung der Artikel 2, 3 und 6, wenn Du als Mann vor ein Familiengericht gezerrt wirst.

            Du siehst, jede Satzung muss ständig verteidigt werden, so wie auf Staatsebene auch auf Parteiebene.
            Und die Grünen haben – für mich essenzielle – Teile der Satzung für andere Ziele aufgegeben. Deshalb würde ich dort nicht eintreten.

          • @carnofis:

            Dass Nichtmitglieder vom Mitspracherecht ausgeschlossen sind, ist nicht undemokratisch.

            Das hat auch mitm nicht behauptet und darum geht es auch gar nicht. Was du hier versuchst, ist ein typisches Strohmann-Argument Es geht darum, dass mitm, genauso wie ich und viele andere auch, insbesondere das Frauenstatut der Grünen als verfassungsfeindlich einstuft. Ich finde es schon beschämend, dass man darüber überhaupt diskutieren muss. Ich habe jahrelang die Grünen gewählt, war aber immer immer davon ausgegangen, dass es den Grünen um Gleichberechtigung ging. Als ich das erste Mal das Frauenstatut gelesen habe, hat es mich fast vom Hocker gehauen. Ich hätte niemals gedacht, dass es möglich ist, das eine Partei etwas so extrem undemokratisches und menschenfeindliches zu Papier bringt. Ich gehe auch davon aus, dass im umgedrehten Fall einer Partei mit „Männerstatut“, diese Partei niemals zur Bundestagswahl, oder Landagswahl zugelassen würde und alle Gerichte inkl. Verfassungsgericht diesen Auschluss dieser Partei als rechtmässig beurteilt hätten.

            Die Grünen haben in Wirklichkeit parteiintern wieder den Feudalismus eingeführt mit dem Adelsgeschlecht der Frauen als aristokratischen Oberschicht und den Männern als Pöbel bzw. Volk, dass die eigentliche Arbeit zu erledigen hat. Das Adelsgeschlecht der Frauen kann jederzeit jeden Beschluss per „Frauenvotum“ ablehnen. Themen der Oberschicht (Frauen) dürfen in unbegrenzten Umfang, insbesondere durch die Frauen diskutiert werden. Die Themen der Unterschicht (Männer) dürfen nur diskutiert werden, wenn es das Adelgeschlecht es erlaubt.

            Mir ist schleierhaft, wie du auf die Idee kommst, dass damit der Forderung des GG Art. 21, nach dem die innere Ordnung einer Partei demokratischen Grundsätzen entsprechen muss, bei den Grünen erfüllt sein soll.

          • „Mir ist schleierhaft, wie du auf die Idee kommst, dass damit der Forderung des GG Art. 21, nach dem die innere Ordnung einer Partei demokratischen Grundsätzen entsprechen muss, bei den Grünen erfüllt sein soll.“

            Und wenn es Dir 10x nicht gefällt, so ist das Frauenstatut dennoch grundgesetzkonform.
            Ich war früher sogar auf kommunaler Ebene für die Grünen im Rathaus tätig und habe für das Frauenstatut überhaupt kein Verständnis. Dennoch ist es grundgesetzkonform, da beißt die Maus keinen Faden ab.

            Worüber wir gern reden können, wäre die Debattenregelung, wonach kein Mann mehr zu einem Thema etwas sagen darf, wenn keine Frau mehr etwas dazu sagen möchte. An der Stelle habe ich in der Tat Zweifel an einer GG-Konformität.
            Dennoch darf eine Partei völlig GG-konform eine Geschlechterparität, sogar den kompletten Ausschluss eines Geschlechts als Parteisatzung festlegen, so dieser Entscheid per demokratischen Mehrheitsentscheids zustande kam.

            Gründe eine reine Männerpartei und Du wirst sehen, das geht problemlos durch.

          • Die Diskussion bzgl. GG ist, meines Erachtens müßig, weil eine Partei in ihrer Selbstorganisation nicht an das GG gebunden ist. Einzig an den Punkt der demokratischen Parteiordnung, der sich explizit darauf beruft, kann man anschließen. Das Frauenstatut bzgl. Redeverboten für Männer etc. dürfte tatsächlich sogar schwerer anzugreifen sein, als ungleiche Chancen von Parteimitgliedern durch geschlechterparitätische Listen (wobei diese ja auch nur solange paritätisch sind, solange man mehr Männer als Frauen im Aufgebot hat; ein deutlicher Frauenüberschuss ist bekanntlich ausdrücklich erlaubt). Aber auch hier ist es wohl schwierig, einen GG-Verstoß herzuleiten, wenn nach der Aufstellung der Listen, welche im Übrigen nie demokratisch sondern immer zuvorderst durch Kungeleien zustande kommen, die Wahlverfahren selber demokratisch ablaufen.

            Das GG regelt das Verhältnis des Staates zum Bürger. Der wesentliche Faktor, warum das so wichtig ist, ist das Abhängigkeitsverhältnis und Kräfteungleichgewicht von Bürger und Staat. Für eine Partei und ihre Mitglieder gilt das so nicht. Jeder ist frei darin, einer Partei bei- oder auch wieder auszutreten. Und wem es als Mann nicht passt, in dieser Partei als Mensch dritter Klasse behandelt zu werden, dem stehen halt alle Möglichkeiten offen, sich dieser Situation zu entziehen.

          • „Aber auch hier ist es wohl schwierig, einen GG-Verstoß herzuleiten, wenn nach der Aufstellung der Listen, welche im Übrigen nie demokratisch sondern immer zuvorderst durch Kungeleien zustande kommen, die Wahlverfahren selber demokratisch ablaufen.“

            Ich weiß jetzt nicht, was Du unter „Kungeleien“ verstehst, aber die Listenplätze werden sehr wohl diskutiert und demokratisch abgestimmt. Sogar bei dem Handstreich der „Frauenfraktion“ Ende der 80er Jahre in Hamburg wurde die Liste – wenn auch nachträglich – von der Partei bestätigt.
            Könnte man die Listenplätze auskungeln, dann hätten wir damals in den frühen 90ern schlicht schon die Geschlechterparität beschlossen. Allein, die Frauen wehrten sich mit Händen und Füßen gegen einen erfolgversprechenden Listenplatz. Eine Frau MUSSTE aber dran glauben, weil es nun mal die Satzung gab, dass der erste Listenplatz mit einer Frau zu besetzen sei.
            Die Verteilung der Listenplätze war immer Gegenstand langer Diskussionen. Aber ganz sicher nicht, weil sich alle um den ersten Platz drängelten.

            „Das GG regelt das Verhältnis des Staates zum Bürger. Der wesentliche Faktor, warum das so wichtig ist, ist das Abhängigkeitsverhältnis und Kräfteungleichgewicht von Bürger und Staat. Für eine Partei und ihre Mitglieder gilt das so nicht. Jeder ist frei darin, einer Partei bei- oder auch wieder auszutreten. Und wem es als Mann nicht passt, in dieser Partei als Mensch dritter Klasse behandelt zu werden, dem stehen halt alle Möglichkeiten offen, sich dieser Situation zu entziehen.“

            Eben.

          • @carnofis:

            Worüber wir gern reden können, wäre die Debattenregelung, wonach kein Mann mehr zu einem Thema etwas sagen darf, wenn keine Frau mehr etwas dazu sagen möchte. An der Stelle habe ich in der Tat Zweifel an einer GG-Konformität.

            Du solltest ersteinmal versuchen Klarheit in deine Gedanken zu bekommen. Hier hast du Zweifel an der GG-Konformität und nur einen einzigen Satz vorher sagst Du, das Frauenstatut sei grundgesetzkonform, „da beißt die Maus keinen Faden ab.“

          • @Billy Coen:

            Für eine Partei und ihre Mitglieder gilt das so nicht. Jeder ist frei darin, einer Partei bei- oder auch wieder auszutreten.

            Klingt für mich ein wenig nach dem alten „Geh doch nach drüben“-Argument. In der Tat sollte es eigentlich kein Problem sein, Deutschland zu verlassen und z.B. nach Österreich zu ziehen. Ist vielleicht jetzt gerade wegen Corona schwierig, aber grundsätzlich möglich. Insofern gilt dein Argument bzgl. der Parteien auch auf Staatsebene.

            Die Teilhabe und Beteiligung der Bürger an der politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen erfolgt in erheblichen Teilen in Deutschland über die Parteien, insofern habe ich erhebliche Zweifel, dass die Parteien grundsätzlich „nicht an das GG gebunden“ sind.

  10. Die Einschätzung der Rendite einer Anlage ist nicht pauschal vergleichbar. Selbst wenn wir ein einfaches Modell anwenden, sollte auf jeden Fall auch das Risiko (Varianz des Titel) mit einbezogen sein.

    Es macht einen Unterschied, ob ich sicher 3% erwirtschafte oder in dreißig Prozent der Fälle 10% und in siebzig Prozent der Fälle -1%.

    Die verwendete Rendite sagt eigentlich nicht viel aus – nicht umsonst haben MDAX und SDAX in der Regel eine höhere Performance als der DAX. Das liegt am Risiko der Investition.

    Darf man diese einseitige Interpretation bedenkenlos als Propaganda bezeichnen?

    • Es müssen in der Aufteilung natürlich 4/11 und 6/11 sein, damit auch bei der risikoreicheren Variante im Schnitt 3% Rendite entstehen.

  11. Wäre es nicht auch rechnerisch möglich, dass die nach den Herkunftsindizees augespalteten „Dax-Diversity“ „MDax-Diversity“ usw. allesamt von den jeweiligen Originalen Dax, MDax geschlagen werden?

    Das wäre doch lustig, und könnte plakativ den Manipulationsversuch verständlich machen.

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