Christian Drosten als Sexsymbol

In der Süddeutschen schreibt ein Mann ein Porträt über die Virologin Brinkmann, in der ihre positive Ausstrahlung gelobt wird, dann schreibt eine Frau über den Virologen Drosten:

Christian Drosten

Christian Drosten

Die Zeiten ändern sich und damit die Sex-Symbole! Seit Wochen hängen wir dem Virologen Christian Drosten an den sinnlichen Lippen und fragen uns, warum der eigene Gatte nichts Anständiges gelernt hat und waschlappenartig über Börsenverluste jammert.

An Drosten würden rein optisch sicherlich die meisten jetzt nichts besonderes finden, aber führender Virologe und Autoritätsfigur in einer Krise verleiht im „sinnliche Lippen“ und es wird klischeehaft kombiniert mit einer ökonomischen Abwertung des eigenen Gatten. Der ist anscheinend kein echter Mann, sondern ein Waschlappen, und hat „nichts anständiges gelernt (im Vergleich zum Virologen).

Das ist interessant, weil sie eine Lobrede auf einen bestimmten Mann gleich mit einer Abwertung eines anderen, wenn auch eines abstrakten Mannes, verbindet.

Das Gegenstück wäre wohl, dass ein männlicher Journalist über eine sehr schöne Forscherin schreiben würde, dass man auf ihre perfekten Rundungen schaut während man sich fragt, warum die eigene Gattin nicht auch mal zum Sport gehen kann und sich beständig Süßigkeiten in den Mund stopft. Die Resonanz wäre wohl wohl auf einen solchen Text wenig erfreulich.

Den Drosten kann man schon aus dem Labor rauslassen: Seine Jacketts von der Stange sind nicht ganz so breitschultrig verschnitten, wie man das von einem Wissenschaftler erwarten würde; trotzdem verbreitet er beflissen den Eindruck, dass er nur mal eben schnell den weißen Kittel gegen die Notjacke ausgetauscht hat, die im Labor für den Fall im Schrank hängt, dass die Regierung ruft. Er flitzt da sogar mit dem Fahrrad hin, hat er mal erzählt! Ob er bei diesem Abenteuer einen Helm trägt? Ist der Fahrradhelm gar die neue Superheldenmaske? Und die Haare! Geradezu lausbübisch wirkt dieser Kurz-vor-rausgewachsen-Schnitt, den sonst nur Italiener tragen.

Der Held im Einsatz! Und das ganz modern, mit Fahrrad unterwegs. Dazu diese lausbübischen Haare! Ein südländisches Flair!

Wirklich gerne wüsste man, ob er sich im normalen Leben verwegen die Strähnen aus der Stirn streicht und damit Doktorandinnenherzen zum Schmelzen bringt.

Auch wieder klassischer Aufbau als begehrter Mann: Er ist verwegen und andere Frauen schmelzen dahin.

Aber ins Gesicht fassen ist ja leider grade verboten. Bleibt also die Frage, warum einer, der im Moment viel damit beschäftigt ist, mit Podcast-Timbre seine Meinungen vom Vortag zu revidieren (und zu erklären, warum man revidieren muss), der Posterboy der Stunde ist. Ganz einfach: Er zeigt uns, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne entgegen allen kulturpessimistischen Theorien doch ein bisschen länger ist als die eines Goldfischs. Fühlt sich geradezu sexy an. (Julia Werner)

Gehend wir mal die klassischen Attraktivitätsmerkmale durch:

  • Pre-selected by women („Von anderen Frauen für gut befunden): Er lässt Doktorandinnenherzen höher schlagen und Frauen hängen an seinen sinnlichen Lippen und finden ihren Mann plötzlich unsexy
  • Leader of men. (Anführer anderer Menschen): Er führt den Kampf gegen das Coroanvirus
  • Protector of loved ones (Beschützer von ihm Nahestehenden): Er schützt ganz Deutschland vor dem Coronavirus und eben auch die Frauen, die an seinen Lippen hängen
  • Willing to emote (In der Lage gesunde Gefühlsbindungen einzugehen): Er nimmt sich Zeit für uns!

Ich habe schon von einigen Frauen Tweets in diese Richtung gelesen, also ein Schwärmen für Drosten als Mann. Natürlich ist das auch in der Übertreibung eine klassische Art weibliche Bewunderung etc spielerisch darzustellen in dem ein Mann als ganz besonders toll dargestellt wird.

Aber es ist dennoch interessant, wie es passiert und welche Seiten dabei hervorgehoben werden um dieses Bild zu malen. Eben die, die man evolutionär erwartet.

 

59 Gedanken zu “Christian Drosten als Sexsymbol

  1. »Aber ins Gesicht fassen ist ja leider grade verboten.«

    »leider«
    Im umgekehrten Falle schreien Feministen sofort „sexualisierte Gewalt“, wenn ein Mann auch nur die Hand einer Frau ungefragt anfassen würde.

    Und das nicht nur »grade«!

    Allgemein würden Feministen bei solch einem Bericht gegenüber einer Frau „Sexismus“ rufen, jammern, daß eine Frau „auf äußere Merkmale reduziert“ werden würde.

    Von daher wieder mal ein Beispiel für Doppelmoral und Verlogenheit des Feminismus.

    • Reicht da nicht auch einfach ein Voicerekorder in seiner dicken Brieftasche für die Frauen aus?
      Immer wenn sie einen Hunderter zückt, ertönt die „angenehme“ Stimme.

  2. Alleine der erste Absatz, der sich nur auf Äußerlichkeiten bezieht, würde zu einem Aufschrei der Empörung führen, wagte es ein Mann, so über eine Frau zu schreiben.

          • ihre gesamte Schönheit und ihr Geschlechtsteil macht sie göttlich. Geh du mal als Mann mit sichtbar nackten erregierten Penis durch die Stadt. Frauen machen das. Auch wenn sie nur das notdürftigste bedecken.

        • In alten Filmen gibts das hin und wieder… „Ich hab dir meine besten Jahre geopfert! Warum habe ich nur nicht auf meine Mutter gehört?“ – „Wieso? Was hat sie gesagt?“ – „Ich weiß es nicht, ich hab nicht hingehört!“

  3. Das ist jetzt das erste Mal, das ich überhaupt ein Foto von ihm sehe.
    Ich hatte ihn einige Male im Radio gehört. Stimme, Sprachfärbung und Diktion in Ordnung. Es störte mich jedoch seine umständliche Art zu reden, ohne auf den Punkt zu kommen (pun not intended) – typisch Mediziner eben.

    Optisch wäre er OK, hätte er nicht offensichtlich verpasst, zum Friseur zu gehen, solange es noch ging.
    Einen sexy Blick hat er aber ..

    • Nervt mich auch, dieses ellenlange Rumschwadronieren, wahrscheinlich will er damit die manchmal unvermeidliche Härte aus dem Thema herausnehmen.

      Besser ist der tägliche MDR-Podcast Kekulés Corona-Kompass. Kekulé hat eine wesentlich klarere Sprache und scheint mir auch verlasslicher.

    • Ich hatte ihn zusammen mit meiner Frau vor vier/fünf Wochen das erste Mal im Radio gehört, Radio 1 (RBB) in Berlin, von einer Frau interviewt. Wir beide waren uns einig, nach dem Interview wussten wir auf Anhieb nicht, was er wirklich zum Ausdruck bringen wollte. Er hat eine völlig umständliche Art zu reden, und in dem Interview hat er seine zwei/drei Aussagen immer wieder relativiert. Klare Aussagen und klare Schlussfolgerungen aus seinem Gerede waren nicht zu ziehen.

      Danach habe ich ihn noch mal ein zweites Mal im Radio gehört, diesmal sehr kurz. Da war er wieder widersprüchlich in seinen Aussagen. Aus meiner Sicht der falsche Medienexperte.

      PS: Ich persönlich hatte den Eindruck, die Moderatorin wäre dem Mann am liebsten sofort auf den Schoß gehopst. Vielleicht geht mir auch einfach die aktuell so populäre Art der emotionalen, mitfühlenden Interviewtechnik einzelner Moderatorinnen (hier auf Radio 1/RBB) auf den Senkel.

  4. „Das ist interessant, weil sie eine Lobrede auf einen bestimmten Mann gleich mit einer Abwertung eines anderen, wenn auch eines abstrakten Mannes, verbindet.“

    Frauen werten Männer ständig ab. Auch ihre eigenen. Kann man bei jedem Frauengespräch erleben.

    • Nachm Likörchen unter Freundinnen gerne über ihre Männer (Rentner), die sich für sie krummgebuckelt haben: „Nutzlose Esser! *kicher*“.

  5. Der Teil des Artikels über Drosten bedient nicht nur hemmungslos jedes Klischee über Frauen (oberflächlich, sex-besessen und immer am hypergamen aussortieren), er ist auch im gesamten, also mit dem ersten Teil wo über eine Virologin geschrieben wird ein echtes Statement. Denn auch der erste Teil ist lesenswert – vor allem bei den Passagen die komplett fehlen…

      • Nein, „sexbesessen“ meint nicht es immer tun zu wollen oder es gar zu machen. Sondern in erster Linie bedeutet es, immer daran zu denken 😉

    • Und wieso eigentlich oberflächlich? Was ist oberflächlich daran, auf Status und bestimmte Berufe abzufahren? Ist es oberflächlicher, als auf Aussehen abzufahren, so wie es Männer tun?

      • Es ist gleich oberflächlich. Wer sagt denn hier, dass Männer besser sind? Sie sind nur anders 😉

        Wobei: Beim Anblick einer attraktiven fremden Frau die eigene Frau öffentlich abzuwerten käme einem Mann wohl eher nicht in den Sinn…

  6. Endlich haben wir Wissenschaftler es geschafft! Wir sind nicht länger die uncollen, unsexy Nerds, die als mad scientists im Keller nur Pestilenz und Riesenspinnen ausbrüten, sondern sind endlich die neuen Mick Jaggers der Corona-Zeit, denen die Frauen zu Füssen liegen 😀

  7. Ich könnte mir vorstellen, dass die Verfasserin des Artikels ihre eigenen Fantasien beim Schreiben in Drosten hineinprojiziert hat. Ich habe mich schon immer gefragt, welcher Typ Frau diese billigen, romantisch-kitschigen Groschenromane kauft, die beim Rewe an der Kasse stehen. Genau DIESER Typ Frau. Würde mich nicht wundern, wenn die im echten Leben auch einen Waschlappen hat und sich beim Schreiben gedacht hat: „Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen, hach…“

  8. „Das ist interessant, weil sie eine Lobrede auf einen bestimmten Mann gleich mit einer Abwertung eines anderen, wenn auch eines abstrakten Mannes, verbindet.“

    Ohne geht es wohl nicht mehr. Interessant zu sehen, wie Frauen ständig ihre Maske fallen lassen.
    Es muss natürlich auch gleich der Oberchef Virologe von Deutschland sein. Drunter machen sie es einfach nicht. Der einfach Arzt, der täglich Leben rettet, reicht da nicht. Auch allein schon wegen des langweilig-durchschnittlichen Arztgehaltes. pfff

    • „Der einfache Arzt, der täglich Leben rettet, reicht da nicht.“

      Nebenbei, heute Morgen war ich beim Arzt. Ein unansehnlicher, uncooler Mann, der gründlich seine Arbeit macht. Bin ihm sehr dankbar.

    • A Billion Wicked Thoughts

      Piraten, Vampire, Werwölfe, Milliardäre und Chefärzte.

      Es gibt Leute, die glauben, Frauen seien mysteriös 🤣

    • „Es muss natürlich auch gleich der Oberchef Virologe von Deutschland sein. Drunter machen sie es einfach nicht.“

      Ich fragte mich angesichts des Textes eher, ob sie ihn auch so sehen würde, wäre er nur Laborant in der Pathologie eines Kreiskrankenhauses?
      Ich erspar mir mal ne Prognose.

  9. „trotzdem verbreitet er beflissen den Eindruck“

    Da war ihr Wortschatz aber aufgebraucht, nix ist abtörnender als „beflissen“ zu sein, Diederich Heßling war beflissen.

  10. „warum der eigene Gatte nichts Anständiges gelernt hat und waschlappenartig über Börsenverluste jammert.“

    Eine Frage die sie sich selbst wohl nicht stellen.

  11. Die Frau kann ihm geistig nicht folgen, also schweifen ihre Gedanken ins Sexuelle ab.

    > Wirklich gerne wüsste man, ob er sich im normalen Leben verwegen die Strähnen aus der Stirn streicht und damit Doktorandinnenherzen zum Schmelzen bringt.

    Tja, dann könnte man ihn feuern wg. unverlangt nonverbaler sexueller Aufdringlichkeit.

    Aber mit Feuchtigkeit im Höschen wird selbst das Mansplaining übersehen.

  12. Zumindest Enten irren nicht, wie in dieser Geschichter. Ein Mann beobachtet eine junge Frau beim Wasservögelfüttern: Enten, Schwäne, Möwen scheinen richtig in die junge Frau verliebt zu sein. Als sie fertig ist, will der Mann auch füttern und seine Semmel mit den Enten teilen. Diese aber zeigen ihm die kalte Schulter, ein Schwan pupst ihn gar an, die Vögel überqueren den Teich, denn am anderen Ufer steht eine andere junge, hübsche Frau, von der sie sich lieber füttern lassen.

  13. Geradezu rührend und überdies überraschend, dies in der Taz zu lesen!

    … Mathe ist inklusiv, nicht exklusiv. Genau deshalb sind die sogenannten MINT-Fächer, Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, im deutschen Bildungsbürgertum verpönt, weil man über sie keine soziale Abgrenzung herstellen kann.

    Die Corona-Katastrophe könnte etwas Gutes haben: dass man die Nerds aus dem Keller holt und in die oberen Etagen lässt, weil dort gerade Chaos und Überforderung herrschen.

  14. Es lebe die Freiheit von dem „Totalitarismus der Epidemiologen“!
    Lang lebe die grenzenlose Freiheit, wie sie nur die links-progressive Identitätspolitik erreichen kann!

    Augstein ist auch nicht anders wie der Hindupriester, der Kuhpisse gegen Corona anpreist. Es ist die Stunde der Kurpfuscher, Wunderheiler, Schlangenöl-Verkäufer und des Irrationalismus im Allgemeinen.

    Wir warten auf die Kolumne der Stokowski wo sie uns die Corona-Panik als Verschwörung des Patriarchats erklärt!

  15. Ist eigentlich außer mir noch niemandem die Verwandtschaft zu Professor Snape aus den Harry Potter-Büchern aufgefallen? Der war auch schon vor und unabhängig von den Filmen, in denen er von Alan Rickman verkörpert wurde, ein Magnet für eine bestimmte Art Frauen. Dunkle Haare und Augen, blasse Haut,hagerer Typ mit kantigen Gesichtszügen, seidige Stimme, hohe Intelligenz, „Laborratte“, Wissenschaftler und Lehrer.

  16. Pingback: #Maennerwelten – das neue #metoo bzw eine Untervariante | Alles Evolution

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