Lesefähigkeiten und Rollenklischees

Ein Bericht über eine Studie wie sich Vorurteile auf die Lesefähigkeit von Jungen und Mädchen auswirken:

Es wird Leser dieses Blogs nicht überraschen, dass ich die Erklärung etwas einfach finde. Sie passt natürlich ganz gut in den alten Spruch, dass das Patriarchat auch Jungen schadet und ist vermutlich in diese Richtung zu lesen.
Die vorgefundenen Ergebnisse scheinen mir aber genau so gut mit Biologie erklärbar:

Hier erst einmal ein Überblick zu Artikel dazu hier im Blog:

Hier wird deutlich, dass die Gehirnzentren, die für Sprache, Lesen, Fremdsprachen lernen, zuständig sind, unter dem Einfluss von Testosteron anders ausgeprägt sind.
Frauen schneiden auch durchgängig im Schnitt in sprachlichen Bereichen besser ab als Jungs.

Es spricht damit vieles dafür, dass der Unterschied schlicht vorhanden ist (im Schnitt). Anzunehmen ist auch, dass Jungs, die schlechter lesen, dieser Unterschied eher auffällt oder dieser von ihnen eher akzeptiert und ggfs auch als Entschuldigung akzeptiert wird.

Auch das finde ich etwas wackelig als Vermutung. Es mögen zwar Mütter eher vorlesen, aber auch genug Väter/Opas etc werden gerne eine Geschichte vorlesen oder von den Kinder dabei gesehen werden, das sie ein Buch lesen.

Es wäre interessant wie man diese These testen kann: Lesen mehr Jungs, wenn ihnen ihr Vater vorliest? Liegt das dann aber vielleicht daran, dass beide eher gute Lesefähigkeiten haben, weil sie eben verwandt sind? Bewirkt ein „männlicher Vorleser“ etwas, der sagen wir mal in eine bestimmte Schule kommt? Oder hilft dieser dann vielleicht nur männlichen Kindern interessante Lesematerialen zu finden?

Die Empfehlung ist aus meiner Sicht richtig. Sie hat aber abgesehen von dem Punkt, dass Männer mehr vorlesen sollten, wenig mit dem Obigen Thema zu tun.
Lesen ist im Grundsatz etwas einfaches. Jeder kann Spass daran haben ein Buch zu lesen. Problem vieler Jungs wird sein, dass ihnen Computerspiele ebenso interessante Geschichten und mehr Interaktion und Aktion bieten und daher die größere Konkurrenz sind.  Da finde ich gerade den letzten Tipp wichtig: Kinder genug Bücher geben, die sie interessant finden und aus denen sie das Richtige für sich entdecken können. Natürlich wird auch das wieder sehr stereotyp werden: Jungs werden eher Abenteuerbücher lesen wollen, die dann wieder die Geschlechterklischees stärken.

 

 

21 Gedanken zu “Lesefähigkeiten und Rollenklischees

  1. Ist immer wieder interessant. Alleinerziehend oder lesbische Doppelmütter sollen dem Kind nicht zum Nachteil gereichen, aber dann will man herausgefunden haben, dass der Papa mehr vorlesen soll.

  2. Da sich jeder seine Kausalität aussuchen kann, sage ich: Jungs, die nicht lesen können oder mögen, reden sich mit dem von den Lehrerinnen vermittelten Klischee raus, dass Jungs das nicht so gut können.

    • Aus der Studie, S. 10, meine Hervorhebung: „The present findings are in line with previous research showing that gender stereotypes can affect students’ competence beliefs (e.g., Steffens & Jelenec, 2011). Interestingly, we found no relation to reading achievement, which was the only objectively measured outcome—neither for the boys nor for the girls.
      https://srcd.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/cdev.13359

      Noch Fragen?

      Ich habe mir das Lesebuch für die 5. Klasse, Schleswig-Holstein des Cornelsen Verlags angeschaut.
      Es werden 33 Autoren gelistet, davon konnte ich 32 via einem Geschlecht Vornamen einem Geschlecht zuordnen. Von diesen 32 waren 5 Männer und 27 Frauen – Männeranteil also = 15,6%.
      Was Pi Mal Daumen auch der Frauenanteil an Lehrerinnen ist, den Jungen bis zu dieser Klasse erlebt haben. Eine Frauenfrauenfraueninstitution fragt sich, wie die Gender Stereotypen in die Köpfe der Kinder kommt. Es kann definitiv nichts mit Frauen zu tun haben. Bitte gehen Sie weiter!

      Wollen wir nicht irgendeine Forschungsinstitution gründen und solche Papiere mit öffentlicher Förderung verfassen? Ich schreibe so einen Quatsch an zwei Tagen und dann haben wir den restlichen Monat frei.

      • „Es kann definitiv nichts mit Frauen zu tun haben. Bitte gehen Sie weiter!“

        Den Eindruck habe ich aus den Kausalitätsbildungsversuchen auch gezogen. Jungen lesen schlechter, also müssen wohl Väter unzureichende Rollenvorbilder sein und einfach endlich mal mehr lesen und vorlesen.

        Für mich ist der einzig wirklich sinnvolle Satz aus den hier zitierten: „Lehrer sollten mehr Texte mit Themen einsetzen, die auch für Jungs spannend sind.“

        Wenn Schulliteratur in erster Linie daraus besteht, Geschichten von gefühlsduselnden Frauen für gefühlsduselnde Mädchen über gefühlsduselnde Mädchen zu lesen, ja wie können da die Jungen bloß einfach irgendwann abschalten?

        • Ja, das ist der eine Punkt, der andere ist, wie die Tests gestaltet sind (kursiv von mir):
          „One of the characteristics of PISA and PIRLS is that these tests contain numerous ‚continuous texts‘. This means long texts, which may be descriptive, narrative, explanatory, etc. Previous research has shown that girls and women are generally better at reading such texts than boys and men. Boys and men are better at reading ’non-continuous texts‘, such as graphs, forms, advertisements, etc. A number of studies also show that the differences are greater in favour of girls when pupils have to read fictional texts, than when they read factual texts.

          In PIRLS, i.e. the tests for 10 year olds, the vast majority of texts are continuous, and the distribution of fictional texts and factual texts is the same. In PISA, 60 per cent of the texts are continuous, and 15 per cent of the texts are fictional. However in PIAAC, there are equal numbers of continuous texts as non-continuous texts, and the participants only have to read factual texts.

          Since we know that it is an advantage for girls to read long, fictional texts, it could be giving them an advantage to provide them with this type of text in the reading tests, which could affect the results in terms of measuring pupils‘ skills,“ says Solheim.“
          https://www.sciencedaily.com/releases/2017/01/170118103354.htm

          Warum interessiert das überhaupt? (gleiche Quelle)

          „But something happens when we measure the reading skills of adults. When the reading skills of 16-24 year olds are tested, the gender differences have suddenly become imperceptibly small — or have disappeared altogether.“

          Merkwürdig, nicht?

          Ich habe es nun bereits öfter geschrieben: In den SAT-Tests, die nach der highschool in den USA von über 90% des Jahrgangs absolviert werden und deren Daten nach Geschlechtern getrennt seit 1967 vorliegen gibt es
          – seit 1972,
          – bis zum heutigen Jahr,
          nicht ein einziges Jahr, in dem die jungen Frauen bei „Verbal“, später „Critical Reading“+“Writing“
          – besser abgeschnitten haben als die jungen Männer.
          – In allen untersuchten Jahren hingegen waren die jungen Männer im Schnitt besser.

          Wenn Christian schreibt: „Die vorgefundenen Ergebnisse scheinen mir aber genau so gut mit Biologie erklärbar“, dann habe ich mit dieser Art der Erklärung ein Problem. Um so mehr, als sich diese politisch nutzen lässt, um eine Benachteiligung von Jungen zu rechtfertigen – die als „natürlich“ erscheint.

          Zum SAT-Test muss man wissen, er ist der Eingang zu den Universitäten und bestand zunächst nur aus zwei Blöcken: Verbal + Mathematics, die zu 50% zählten. Dann wurde er geändert in: Critical Reading, Writing, Mathematics, die zu jeweils 33% ins Resultat eingingen. Preisfrage: Welchem Geschlecht sollte das nützen?

  3. „Frauen schneiden auch durchgängig im Schnitt in sprachlichen Bereichen besser ab als Jungs.“

    Im Schule-Sport gab/gibt es meines Wissens unterschiedliche Anforderungen für Jungen und Mädchen, wobei Mädchen weniger leisten müssen, wie Jungen (obwohl sie körperlich weiter entwickelt sind). Im Lesen ist noch niemand auf die Idee gekommen es hier für Jungen auch ähnlich zu handhaben, obwohl die Unterschiede auch hier biologisch begründet werden könnten.

    „Problem vieler Jungs wird sein, dass ihnen Computerspiele ebenso interessante Geschichten und mehr Interaktion und Aktion bieten und daher die größere Konkurrenz sind.“

    Das stimmt, aber die Bücher, die in der Schule gelesen werden, sind für Jungen oft uninteressant und eher auf Mädchen zugeschnitten. Das gibt der Motivation hier schon einen Dämpfer.

  4. Ist eh ein Hoax.
    Wir wissen doch, was passiert, wenn einer sagt Jungs sind durch die Bank besser.

    „Lesen ist im Grundsatz etwas einfaches. Jeder kann Spass daran haben ein Buch zu lesen. Problem vieler Jungs wird sein, dass ihnen Computerspiele ebenso interessante Geschichten und mehr Interaktion und Aktion bieten und daher die größere Konkurrenz sind.“

  5. „Frauen schneiden auch durchgängig im Schnitt in sprachlichen Bereichen besser ab als Jungs.“

    Das überrascht mich jetzt nicht. Frauen sind schließlich erwachsen. Jungs nicht.

  6. Falls es noch jemanden gibt, der diese Story nicht kennt:

    In-class Assignment for Wednesday
    Today we will experiment with a new form called the tandem story. The process is simple. Each person will pair off with the person sitting to his or her immediate right. One of you will then write the first paragraph of a short story. The partner will read the first paragraph and then add another paragraph to the story. The first person will then add a third paragraph, and so on back and forth. Remember to reread what has been written each time in order to keep the story coherent. The story is over when both agree a conclusion has been reached.

    * * * * * *

    Rebecca: At first, Laurie couldn’t decide which kind of tea she wanted. The camomile, which used to be her favorite for lazy evenings at home, now reminded her too much of Carl, who once said, in happier times, that he liked camomile. But she felt she must now, at all costs, keep her mind off Carl. His possessiveness was suffocating, and if she thought about him too much her asthma started acting up again. So camomile was out of the question.
    Meanwhile,

    William: Advance Sergeant Carl Harris, leader of the attack squadron now in orbit over Skylon 4, had more important things to think about than the neuroses of an air-headed bimbo named Laurie with whom he had spent one sweaty night over a year ago. “A.S. Harris to Geostation 17,” he said into his transgalactic communicator. “Polar orbit established. No sign of resistance so far…” But before he could sign off a bluish particle beam flashed out of nowhere and blasted a hole through his ship’s cargo bay. The jolt from the direct hit sent him flying out of his seat and across the cockpit.

    Rebecca: He bumped his head and died almost immediately, but not before he felt one last pang of regret for psychically brutalizing the one woman who had ever had feelings for him. Soon afterwards, Earth stopped its pointless hostilities towards the peaceful farmers of Skylon 4. “Congress Passes Law Permanently Abolishing War and Space Travel,” Laurie read in her newspaper one morning. The news simultaneously excited her and bored her. She stared out the window, dreaming of her youth — when the days had passed unhurriedly and carefree, with no newspapers to read, no television to distract her from her sense of innocent wonder at all the beautiful things around her. “Why must one lose one’s innocence to become a woman?” she pondered wistfully.

    William: Little did she know, but she has less than 10 seconds to live. Thousands of miles above the city, the Anu’udrian mothership launched the first of its lithium fusion missiles. The dim-witted wimpy peaceniks who pushed the Unilateral Aerospace Disarmament Treaty through Congress had left Earth a defenseless target for the hostile alien empires who were determined to destroy the human race. Within two hours after the passage of the treaty the Anu’udrian ships were on course for Earth, carrying enough firepower to pulverize the entire planet. With no one to stop them they swiftly initiated their diabolical plan. The lithium fusion missile entered the atmosphere unimpeded. The President, in his top-secret mobile submarine headquarters on the ocean floor off the coast of Guam, felt the inconceivably massive explosion which vaporized Laurie and 85 million other Americans. The President slammed his fist on the conference table. “We can’t allow this! I’m going to veto that treaty! Let’s blow ’em out of the sky!”

    Rebecca: This is absurd. I refuse to continue this mockery of literature. My writing partner is a violent, chauvinistic, semi-literate adolescent.

    William: Yeah? Well, you’re a self-centered tedious neurotic whose attempts at writing are the literary equivalent of Valium.

    Rebecca: A$$h@le

    William: B*tch

    Rebecca: F*** YOU – YOU NEANDERTHAL!

    William: In your dreams, ho. Go drink some tea.

    • Erstaunlich! Diejenigen, die vom ewigen Frieden durch Gesetz träumen, sind komischerweise oft selber am Schnellsten dabei, andere durch Ausgrenzungen („I refuse“) und Abwertungen zw. Beleidigungen („violent, chauvinistic, semi-literate“) aufzuhetzen bzw. Streit (Kriege) anzustacheln, nur weil andere andere nicht die eigenen Wünsche zufrieden stellen. Und sie merken es in der Regel nicht einmal. Das ist ähnlich wie der Slogan „Keine Toleranz gegenüber Intoleranten“. Diese Leute merken auch nicht, dass sie damit genauso intolerant und keinen Millimeter besser sind.

  7. Dann muss ich mir bei meinem Sohn keine Sorgen machen.
    Fürs Vorlesen bin ich zuständig. Ich lese ihm zum Einschlafen Astrid Lindgren vor (Michel ist schon durch, jetzt sind es die Kinder von Bullerbü). Wenn meine Frau ihn ins Bett bringt, doziert er ihr lieber aus seinen Dino-Büchern.

  8. Was sind denn eigentlich Lesefähigkeiten? Schnell etwas durch optische Aufnahme von vielen Buchstaben und mentale Übersetzung im Inhalt zu erfassen? Oder es gründlich zu verstehen? Es zu erinnern? Flüssig vorlesen zu können? Vorgelesenes nachvollziehen zu können? Was hat es überhaupt mit Lesen zu tun, wenn man Geschichten vorgelesen bekommt? Ist doch eher so eine Art Podcast.

    Das wird hier alles zusammengerührt zum unterschwelligen Männer-Bashing „Wenn ihr Typen euren Jungs nicht regelmäßig vorlest, dann lernen die nicht vernünftig lesen“.

    Wenn also Frauen ihren Jungs vorlesen, weil sie ja meist die alleinige Hoheit über deren Tagesablauf besitzen, warum werden die Jungs dann nicht zu begeisterten Lesern und Schreibern? Lesen die Mütter, Erzieherinnen und Lehrerinnen etwa so schlecht vor, penetrieren sie die Jungs etwa mit Romanzen und feministischen Standardwerken, dass die dabei nur noch von der Ballerkonsole träumen? Oder gendern die womöglich beim Vorlesen in ihren übermenschlichen Multi-Tasking-Fähigkeiten?

    Da werden Schulkinder, die in einer reinen Frauenwelt großgezogen werden, in der alles Weibliche rein und hold ist, mit weiblichem Vorlesen konfrontiert. Dann muss das doch Glücksseligkeit pur sein im Kopf des Jungen. Stattdessen wird behauptet, die Jungen übernähmen diese Kompetenzen nicht, weil sie weiblich verortet seien. Wer hat denn diese Kinder erzogen, wer sorgt denn in seiner Herrschsucht dafür, dass Kontakte zum Vater nur punktuell sein dürfen, wer verfügt in der Regel über die Kinder wie über das persönliche Eigentum? Wer stimmt denn immer wieder in den Gesellschaftskanon ein, Kinder kämen auch ohne Väter gut oder gar besser zurecht? Genau, die Vorleserinnen.

    Während sie den Jungs Stories aus dem Pferdestall mit Bibi & Tina präsentieren, knallt ihnen der Vater einfach den Ausdruck der wichtigsten Hints im angesagtesten Ballerspiel auf den Tisch. Und huch, der Junge studiert bis in die tiefe Nacht jedes Wort, bis sich der Akku der Lampe unter der Bettdecke verabschiedet. Und plötzlich kann er lesen.

    Ich habe auch lesen gelernt durch meine intrinsische Neugier. Ich wollte verstehen, was bei Lucky Luke in den Sprechblasen stand. Und wenn ich vorgelesen bekam, war das immer eher wie Fernsehen im Kopf. Und Fernsehen war damals schon ziemlich verrucht…

    • Man könnte die Klischees so zusammenfassen:
      * Mädchen sind folgsam und tun was man ihnen sagt. Wenn der Befehl „Lesen“ lautet, dann wird der eben befolgt. Manche lernen es dann auch einigermaßen vernünftig.
      * Burschen sind rebellisch, neugierig, und lehnen sich prinzipiell gegen Obrigkeiten auf. Wenn der Befehl „Lesen“ lautet, dann werden Burschen den Teufel tun und ihn befolgen. Aber wehe, sie verstehen nicht was in den Sprechblasen bei Lucky Luke steht, so schnell kann man gar nicht schauen und die Racker können auf einmal flüssig lesen.

      Und solche Klischees enstehen ja nicht ohne Grund… 😉

  9. Dazu kann ich beitragen, wie meinem Sohn das Lernen der französischen Sprache so ausgetrieben wurde, dass er das nur noch nach dem Motto ‚Woamnötigsten‘ minimalistisch betrieben hat: ein Französischbuch, das der Grundfarbe rosa folgte, Kapitel, die die Jungs grundsätzlich anödete. Am laufenden Band wurde sich in diesem Machwerk in Supermärkten rumgetreiben und eingekauft. Themen, die Jungs auch nur ansatzweise hätten ansprechen können – Fehlanzeige. Und das war nur die Spitze des Einbergs, die anderen Fächer ebenfalls auf dem besten Weg sich so zu präsentieren. Unsere Bildungseinrichtungen inzwischen total durchweibt (da werden sie jetzt wieder aufjaulen!). Fehlverhalten des Pädagoginnenvolkes allerorten! Jungs, die nach drei Jahren Kindergarten und 4 Jahren Grundschule niemals eine männliche Bezugsperson erlebt hatten, die im Sportunterricht auf Gymnastikbänder, Hullahupreifen und Seilspringen konditiniert werden sollten, niemals aber einen Ball in die Hand bekamen, die im Musikunterricht eine Kleinkinder-CD der Zauberflöte vorgesetzt bekamen mit der Bemerkung, ‚damit auch mal die Jungs was lernen‘. Dramen um Petitessen und Stuhlkreise bis zum Umfallen.
    Ich kann mich erinnern, dass wir (3 Söhne) von unserem Vater (sic) reichlich und vielfältig mit vielfältigsten Lesestoff aller Art versorgt wurden, vielfältig und spannend, darunter auch viele sogenannte und heute sicher als total veraltet geltende Realienbücher, die die Welt abbildeten. Technik, Literatur, Naturwissenschaft, Geschichte. Das hat mich zu einem vielfältig interessierten Menschen gemacht.
    Wenn ich heute auf meine Söhne blicke (und deren Freundeskreis, dann springt ins Auge, wie die Kerle nach dem Abitur abgegangen sind, und nach kürzester Zeit ihre Studiengänge abgeschlossen hatten. Keine Genderstudies, kein Ruf nach Safespaces, sondern Wissenschaft und Technik. Mit den Steuern aus ihren gut bezahlten Jobs dürfen sie halt nun leider kaltprogressiv den ganzen anderen Scheiss berappen. In Schottland inzwischen ja auch die Damenhygiene, darauf brauchen wir hier nicht mehr lange warten.

  10. Es gibt seit 60 Jahren den bundesweiten Vorlesewettbewerb, an denen Sechstklässler aller Schulen teilnehmen. Vielleicht sollte man den Jungen raten, nicht auf ihre Lehrerinnen zu hören, sondern sich vielmehr mal die Liste der Bundessieger seit 1959 anzusehen.

    https://www.vorlesewettbewerb.de/der-wettbewerb/bundessieger-seit-1959/

    Von den Siegern, deren Geschlecht ich aufgrund des Namens zuordnen konnte, waren insgesamt:
    51 Jungen
    56 Mädchen

    Das ist doch recht ausgeglichen und sollte den Jungen gut aufzeigen, dass sie es genauso gut können, wenn sie nur wollen.

  11. Ihr habt das ja schon alles schön seziert, so dass dem nicht mehr allzuviel hinzuzufügen ist.

    Allerdings will ich doch noch mal auf etwas eingehen.
    Was ist das für eine dämliche Forschungsfrage:
    „Außerdem befragten die Forscher die Kinder zweimal im Abstand von rund eineinhalb Jahren. Sie sollten unter anderem bewerten, ob Mädchen oder Jungen besser lesen, wer von beiden mehr Spaß daran hat und welches der beiden Geschlechter mehr liest. Zudem sollten sie ihre eigene Lust am Lesen und ihr Können einschätzen. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift „Child Development“ veröffentlicht.“

    Es geht hier überhaupt nicht faktische Frage wie z.b. die Lesekompetenz (was immer das sein mag) vergleichend zu ermitteln, sondern wieder um so einen „ach diese Vorurteile und Rollen sind so böse und schlecht“ Narrativ, der durchgepeitscht wird.

  12. Also, ich würde für meine Seite behaupten, dass ich mich als nicht von derartigen angeblichen Klischees habe steuern lassen. Mein Vater hatte schon immer sehr viel und gerne gelesen, so dass ich ich in jungen Jahren auch nie auf die Idee gekommen wäre, dass das auch nur im geringsten Ansatz eine weibliche Tätigkeit wäre. Ich selber fand lesen aber insbesondere in jungen Jahren immer stinkelangweilig. Viel lieber wollte ich „Action“ und war quasi immer irgendwie beim Fußball, Basketball, Leichtathletik, auf dem Bauernhof gegenüber, … halt irgendetwas draußen und mit Bewegung.

    In Bezug auf Schule, Hausaufgaben, lesen, … musste ich mich hingegen zwingen, nur um Ziele zu erreichen, die mir wichtig erschienen. Irgendwo war einem halt bewusst, dass man die Schule schaffen sollte, um in seiner Zukunft sich die Möglichkeiten offener zu halten. Einen eigenen Antrieb hatte ich dazu Null. Und so waren Sprachen halt in der Schulzeit absolut nicht meine Welt.

    Und das oder so ähnlich dürfte meiner Überzeugung nach auch die Haupterklärung dafür sein, warum Jungen insbesondere in jungen Jahren eine geringere Schreib- und Lesekompetenz haben. Es liegt – wie viele Dinge – nicht daran, dass Jungen es nicht könnten, sie haben einfach an anderen Dingen viel mehr Spaß und Antrieb, so dass sie die anderen Sachen eher trainieren, während die Übung bei anderen Dingen vernachlässigt wird und fehlt.

    Wer nie ein Musikinstrument spielt, weil er lieber andere Dinge tut, wird es eben nicht bzw. nicht so gut können. Das liegt aber gewöhnlich nicht daran, dass man biologisch bzw. genetisch dazu weniger Fähigkeiten hätte (die man nicht durch regelmäßiges Training locker auszubügeln wären.). Es liegt vielmehr daran, ob man daran ein Interesse entwickelt bzw. nicht tausend andere Dinge hat, die man eben noch viel lieber macht.

    Ob man daran ein Interesse entwickelt, mag zwar irgendwann (so in der ab 12-20 Jahren) auch dadurch mitbeeinflusst werden, ob etwas als weiblich oder männlich gilt, weil man seine Identität gerne zu einer bestimmten Gruppe zugehörig sehen möchte. Aber es dürfte auch sehr viel genetisch bereits veranlagt sein, woran man mehr Interesse hat. Denn Lesen und Musikinstrumente spielen, habe ich eigentlich nie als typisch weibliche Fähigkeiten empfunden. Wie ich schon sagte, hat mein Vater lesen geliebt und Bücher verschlungen. Und alle Musikbands, die ich liebte, hatten fast ausschließlich Männer an den Instrumenten, so dass ich dass garantiert nicht als eine weibliche Tätigkeit empfand, z.B. in einer Metalband zu spielen. Ich hatte auch tatsächlich immer mal vor, endlich Gitarre zu lernen und Musik zu machen. Aber irgendwie hatte ich immer tausend andere Dinge, auf die ich noch viel mehr Lust hatte, so dass ich tatsächlich nie ein Musikinstrument gelernt habe.

    Und so ähnlich dürfte es eben vielen Jungen ergangen sein, dass sie lieber andere Dinge tun, so dass vermutlich Mädchen insbesondere in sehr jungen Jahren viel mehr Interesse an Instrumenten haben. Jungen bringen sich die Instrumente eher erst deutlich später selber bei, nicht unbedingt der Tätigkeit selber wegen, sondern weil sie irgendwie von darauf aufbauenden Ziele träumen bzw. erreichen möchten, z.B. Rockstar sein 🙂

    Männer tun manche Dinge (lesen, Musikinstrumente, …) daher wohl eher, um Ziele zu erreichen, während Frauen diese Tätigkeiten auch dann (wohl um Durchschnitt häufiger) gerne tun, ohne von größeren Zielen motiviert zu werden. Der Klassiker in diesem Zusammenhang dürfte meiner Meinung nach reiten sein. Bei uns in der Gegend sind recht viele Reiterhöfe und wenn ich da vorbei radle, dann sehe ich gefühlt limes 100% nur Mädchen und Frauen. Wenn man sich die Weltelite in den Reitersportarten hingegen ausschaut, dann scheint dort gefühlt eine 50%/50% Verteilung in der Weltelite zu existieren. Das deutet darauf hin, dass es – entgegen meiner Wahrnehmung bei den Reiterhöfen – wohl tatsächlich auch Jungen geben muss, die reiten. Und da mir mal einer erklärte, dass bei den allermeisten Reitdisziplinen Männer keine körperlichen Vorteile hätten, weil es viel mehr ums Gefühl für das Tier gehe und nicht um Kraft, müssen die paar reitenden Jungs somit genauso trainieren, um an die Spitze der Sportler zu gelangen. Da die allermeisten Frauen aber eher reiten, weil sie reiten mögen ohne besondere Ziele zu verfolgen, während Männer vermutlich durchschnittlich mehr Spaß an Wettkämpfen, Kräftemessen und Zielerreichung haben, werden die reitenden Jungen/Männer im Durchschnitt vermutlich eher reiten, um Ziele zu verfolgen (Wettkämpfe gewinnen und der Beste im Fach zu werden). So erkläre ich mir das jedenfalls, dass in der Reiterelite Männer und Frauen vorkommen, während ich auf den Reiterhöfen beim Vorbeiradeln noch nie einen Jungen (und erst recht keinen Mann) gesehen habe.

    Das dürfte im Übrigen auch ein gutes Beispiel sein, dass die geschlechtliche Vorbildfunktion zwar durchaus einen gewichtigen Einfluss hat, aber eben nicht den alleinigen. Denn Reiten/Pferde hatte ich als Kind als ein sehr typisch weibliches Hobby empfunden, so dass ich vermutlich in meinen Lebensjahren ab 8 Jahren auch deshalb deutlich weniger Interesse an Pferden hatte. Aber es gibt offensichtlich trotzdem in nahezu allen Bereichen genug Männer, die sich von derartigen Klischees nicht abhalten lassen, um diese Dinge trotzdem zu tun, um zu den besten der Welt gehören zu wollen.

    Zu bedenken ist dabei zudem, dass die Wirkmacht der geschlechtlichen Klischees auch nicht gleich ist. Ein Junge, der weibliche Hobbies und Fähigkeiten hat, schießt sich meiner Meinung gesellschaftlich eher ins Abseits, als umgekehrt ein Mädchen, welches männlichen Hobbies und Fähigkeiten nachgeht. Das ist ähnlich wie bei Kleidung. Ein Junge, der Rock und High-Heels trägt bzw. Ballett tanzt, wird größere Probleme haben, eine Partnerin und größere Anerkennung zu finden, als umgekehrt ein Mädchen, welches Männerhosen und Männerschuhe trägt bzw. Fußball spielt. Die Motivation, seine Interessen geschlechterstereotyp zu entwickeln, dürfte daher für Jungen noch ausgeprägter sein.

  13. Es gibt halt keinen stereotype threat. weder in eine richtung, die mädchen weniger mathe mögen lässt, noch eine, die jungen vom lesen abhält.

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