„Jeden dritten Tag…“

Eine beliebte populistische Maßnahme ist Vorfällen eine besondere Dringlichkeit zu geben, in dem dargestellt wird, dass diese beispielsweise jeden dritten Tag oder gar jeden Tag vor fallen. Bei einer Bevölkerung von 82 Millionen in Deutschland oder da einer Milliarde in Indien oder China und lediglich 365 Tagen im Jahr ist ein solches herunterbrechen allerdings tatsächlich relativ unbillig. Auch Taten, die vergleichsweise selten vorkommen, können dann mit einem Terminus wie jeden dritten Tag versehen werden, wodurch populistische Angst geschürt wird.

im Feminismus wurde dies zuletzt beispielsweise mit Tötungen von Frauen durch Partner versucht, aber auch in verschiedenen anderen Bereichen .

vielleicht wäre es ganz gut, wenn man ihm soweit eine Liste von Sachen erstellen könnte, die Männern im Negativen passieren, oder die allgemein negativ häufig passieren, um dies in ein rechtes Licht zu setzen und deutlich zu machen, dass die Zahlen immer noch vergleichsweise gering sind.

Ich hatte dies auf Twitter zb hier einmal angeführt:

 

Welche Zahlen könnte man da beispielweise noch mit reinnehmen?

 

Wird eine #HeToo Bewegung kommen?

Wie Arne auch bereits berichtete gab es anlässlich der Ausführungen von Johnny Depp zu von ihm erlittener Gewalt durch Amber Heart einen Artikel, der nachfragt, ob es eine He-Too Bewegung geben wird:

Eine Studie für die britische Wohltätigkeitsorganisation ManKind hat allerdings ergeben, dass inzwischen statistisch auf zwei weibliche Opfer körperlicher Gewalt durch den Partner ein männliches Opfer kommt. Ist es also an der Zeit für einen neuen Hashtag? Auf Twitter halten einige tatsächlich eine #HeToo-Bewegung für überfällig, um gegen Frauen, die falsche Anschuldigungen erheben, vorzugehen. Sie sehen sich durch die neuste Veröffentlichung über den mögliche Missbrauch Johnny Depps bestätigt.

Aus meiner Sicht ist die Wahrscheinlichkeit gering. Johnny Depp als Prominenter könnte etwas Bewegung in die Sache bringen, aber Männer können die Opferrolle nicht so positiv leben wie Frauen, weil eine schutzsuchende Frau etwas ist, was Unterstützung hervorruft, während ein Mann, der sich von einer Frau schlagen lässt eben erst einmal schwach wirkt. Und #Metoo ist ja eh im sexuellen Bereich gestaltet, wo es natürlich den Konflikt gibt, dass Casual Sex einen Wert darstellt, der Männer weit eher interessiert als Frauen und daher als „Gegenleistung“ für „Gefälligkeiten“ interessant ist, was in Machtverhältnissen zu brisanten Vorfällen führen kann. Aber selbst wenn es keine so große Bewegung wird wäre eine gewisse Aufmerksamkeit für das Thema ja durchaus hilfreich.

Wie stehen nach eurer Sicht die Chancen darauf, dass da eine größere Bewegung draus wird?

Miss Germany 2020: Leonie von Hase

Es war hier bereits Thema, dass die Miss Germany Wahl geändert worden ist, es jetzt nur noch weibliche Juroren gab und es zudem mehr auf die Persönlichkeit ankommen sollte.

Gewählt worden ist nunmehr Leonie von Hase aus Schleswig-Holstein

(Links mit der Krone)

Hier noch mal ein Bild von Instagram

Hier die Zweitplazierte Lara Rúnarsson:

 

und die Drittplazierte  Michelle-Anastasia Masalis:

 

Die Zeit nach Merkel: Der nächste Bundeskanzler wird wahrscheinlich ein Mann und was hat Merkel eigentlich den CDU-Frauen gebracht?

Nachdem AKK ihren Rücktritt angekündigt hat sind in der CDU nur noch männliche Kanzlerkandidaten im Gespräch.

Die FrauenUnion mahnt an, dass man keinen Rückschritt vornehmen soll:

Derzeit sind Kanzleramt, Parteivorsitz und die EU-Kommission in der Hand von CDU-Frauen“, sagte Widmann-Mauz. „Schlagzeilen wie ‚Genug von der Damenriege‘ zeigen allerdings, dass das auch 2020 noch keine Selbstverständlichkeit ist.“ Die Strukturen in Partei und Gesellschaft müssten weiter verändert werden. „Wir sind noch längst nicht da, wo wir hinmüssen.“

(…)

An den künftigen Kanzlerkandidaten der Union richtete Widmann-Mauz Forderungen: „Natürlich kann es auch männliche Kanzlerkandidaten geben, aber Inhalte und Stil sind entscheidend“, sagte sie. Der Kandidat müsse sich darüber im Klaren sein, dass die CDU bislang überdurchschnittlich von Frauen gewählt worden sei. Die CDU müsse also für Frauen attraktiv bleiben.

Tatsächlich verknüpft sie da etwas als selbstverständlich, was keineswegs selbstverständlich ist: Nämlich Frauenanteil in der Partei und Attraktivität der Partei für weibliche Wähler.
Beides muss nicht in einem Zusammenhang stehen.

Auch jüngere Frauen aus der CDU melden sich zu Wort:

„Wir haben einen Plan. Und bis zum Sommer hoffentlich auch eine Kanzlerkandidatin, die das wieder verkörpert (oder der).“ Was Jenna Behrends, Bezirksverordnete für die CDU in Berlin-Mitte, kurz nach der Rücktrittankündigung von Annegret Kramp-Karrenbauer twitterte, war optimistisch. Denn faktisch sind ausschließlich Männer als Nachfolger im Gespräch.

Behrends bedauert selbst, keine Frau aus der CDU für das Amt des Parteivorsitzes vorschlagen zu können. „Ich wünschte, es wäre anders, aber ich kann keinen Namen guten Gewissens in den Raum werfen“, sagt die 29-Jährige. Es brauche für den Posten viel Rückhalt in der Partei. Auf diesem Level gebe es in der CDU aktuell keine Frauen.

Woran das liegt? Für Jenna Behrends ist das ziemlich klar. Die Versäumnisse sieht sie in der Vergangenheit. Und sie selbst hat bereits öffentlichkeitswirksam auf diese Versäumnisse hingewiesen. 2016 veröffentlichte sie einen offenen Brief an ihre Partei, in dem sie Sexismus und sexistische Strukturen in der CDU kritisierte. Ein „Scheinargument“ habe sie seitdem immer wieder gehört: Die Partei hätte doch zwei Frauen an der Spitze. „Aber zwei Frauen an der Spitze reichen nicht, wenn dahinter nur Männer stehen“, sagt Behrends heute.

Auch Sophia Nückel fällt keine CDU-Politikerin ein, die jetzt infrage käme für den Parteivorsitz und damit für eine mögliche Kanzlerinnenkandidatur. „Die CDU hat definitiv ein Nachwuchsproblem“, meint die 22-Jährige. Sie selbst ist schon mit 16 der Jungen Union beigetreten und seit einem Jahr Mitglied in der CDU. Aus dem Impuls, sich engagieren zu wollen, etwas zu bewegen. „Im Sauerland macht man das dann in der Jungen Union“, sagt sie.

(…)

„Frauen werden in der Politik noch immer anders betrachtet als Männer“, sagt Nückel. So werde Frauen Führungsschwäche zugeschrieben, während bei Männern Führungsqualitäten gar nicht hinterfragt würden. Auch Merve Gül sieht immer wieder, wie über Führungsqualitäten von Frauen gestritten werde. „Dann frage ich mich: Habt ihr euch mal Andreas Scheuer angeschaut?“

Eine weitere Erklärung für das personelle Loch in der Partei von Frauen zwischen Mitte 20 und Mitte 40 sieht Jenna Behrends in der gesellschaftlichen Aufteilung von Care-Arbeit und der gleichzeitigen Unvereinbarkeit von Politik und Familie. Behrends selbst ist Mutter von zwei Kindern. „Da muss ich dann entscheiden, ob ich am Wochenende mit meinem Kind in den Zoo gehe oder zu einer Parteiveranstaltung“, sagt sie.

Ein politischer Abendtermin bedeutet dann, die Wäsche liegen zu lassen oder einen Babysitter bezahlen zu müssen. Vor allem für Alleinerziehende ist das ein Problem. „Und dann kommt noch dazu, dass man weniger präsent ist – so wird man bei der Vergabe von Posten auch mal vergessen.“

„Frauen sollen gefälligst genauso Karriere in einer Partei machen können, auch wenn sie statt zur Parteiveranstaltung lieber mit den Kindern in den Zoo gehen“ finde ich jetzt nicht so eine realitätsnahe These. Und auf einzelne Männer schauen bringt auch wenig, wenn man darüber die Frauen vergisst, wie etwa von der Leyen, die genug Skandale gegen sich hatte etc.

Aber was mich mal interessieren würde:

Was hat aus deren Sicht jetzt eigentlich Merkel als Frau an der Spitze für Frauen gebracht?
In den USA haben sie ja den Vorteil, dass noch nie eine Frau Präsident war und man daher immer noch alle Fantasien und das Ende des Patriarchats dort hineindeuten kann.

In Deutschland ist man da schon etwas weiter, aber dennoch sind Frauen anscheinend nicht in Scharen bei der CDU eingetreten.

Die übertreibende Mutter, das unselbständige Kind und der Feminismus: Die Suche nach dem zu beschützenden Kind

In einem Video führt Jordan Peterson aus, dass ein Archetyp der Frau die Frau ist, die ihr Kind beschützt. er verweist du dazu auf ein Bild einer Maria, die ihr Kind weit entfernt von einer Schlange hält.

Das sei natürlich auch die Aufgabe der Eltern und da Frauen die Kindererziehung eher übernehmen eben auch ein Bild der Weiblichkeit und der Frau

Er verweist dann darauf, dass die Übertreibung diese Rolle schädlich sein kann, etwa wenn die Mutter den Schutz übertreibt, wenn Sie also das Kind nicht erwachsen werden lässt und ihm seine eigenen Spielräume zugesteht. Die kontrollierende Mutter, braucht das unmündige Kind, damit dieses besonders auf seinen Schutz angewiesen ist. Sie hat insofern ein Interesse daran, dass das Kind gerade nicht erwachsen wird, wenn Sie diesen Einfluss und ihre Aufgabe möglichst groß halten will.

Das Baby ist insoweit unschuldig und gut, aber nicht in der Lage sich selbst um seine Angelegenheiten zu kümmern. Dies müssen andere für das Kind machen, gerade weit es in dieser hilflosen Lage ist, ohne etwas falsch gemacht zu haben.

Etwas spiegelt sich dies in den Theorien zur Privilegierung. Auch hier wird die Personen, die nicht privilegiert ist häufig idealisiert und in eine Rolle gedrängt, wo die anderen etwas für Sie tun müssen, beispielsweise die Privilegien aufgeben müssen und auch hier braucht ja nicht Privilegierte jemanden, der für ihn kämpft.

Das ist sicherlich nicht nur ein weiblicher Zug, allgemein ist es natürlich eine ehrenvolle Aufgabe für jemanden, der benachteiligt wird, zu kämpfen. Und dies gerade wenn dieser dies nicht selbst kann oder Unterstützung braucht.

Dass solche moralischen Bewegungen aber häufig gerade Frauen ansprechen, bei der Klimarettung als auch bei der Flüchtlingskrise, könnte damit zusammenhängen. Auch hier wird die erforderliche Unterstützung absolut gesetzt, es werden keine Gegenargumente zugelassen,die Nichtprivilegierten haben nichts falsch gemacht und müssen nichts selbst machen.

Sie sind unschuldig und gut und alles negative kann allenfalls von außen kommen.

Aus dieser Bewegung ergeben sich der natürlich auch Emanzipationsbewegungen, etwa beispielsweise der Konflikt, dass schwarze AktivistInnen anführen, das weiße AktivistInnen zu viel Raum einnehmen und damit selbst ihre Privilegien zu stark wahrnehmen und andere benachteiligen. Der „weiße Feminismus“ sei insoweit teilweise eben Teil der Unterdrückung.

Es ist insoweit wenig erstaunlich, dass niemand das unmündige Kind sein möchte, innerhalb der eigenen Gruppe wird das Problem durch Konstrukte wie internalisierter Rassismus oder Sexismus gelöst. Man selbst ist dann “ erwacht oder Vogue „alle anderen sind nach wie vor unmündige Kinder, die man aus dieser Lage befreien muss.

Es wäre insofern ein Suche nach etwas unschuldigen Reinen, aber schutzlosen, was man emotionalisieren kann und einem Kleinkind gleich absolut in seiner Schutzposition setzen kann.

Selbermach Samstag 277 (15.02.2020)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Klassische feministische Argumentationen warum man Frauen besonders fördern muss

In Diskussionen mit Feministinnen trifft man immer wieder auf bestimmte Gründe bzw Argumentationen warum eine besondere Förderung bzw Bevorzugung von Frauen gerechtfertigt ist.

1. Frauen werden benachteiligt durch die männliche Gesellschaft bzw das Patriarchat bzw die Männer bzw die hegemoniale Männlichkeit, die sich alle Macht sichert

Der Klassiker: Das Patriarchat oder welche männliche Verschwörung auch immer genannt wird unterdrückt die Frauen, hat alle Macht an sich gerissen und Frauen quasi ausgeschlossen.

Natürlich kann man dagegen verschiedenste Sachen anführen. Etwa das Frauen ja genug Möglichkeiten haben sich die Macht zu nehmen, es aber nicht machen und zudem eben diese „Macht“ häufig eine Menge Arbeit ist, die viele, Männer und Frauen, gar nicht wollen.

Das führt nicht selten zur zweiten Stufe

2. Frauen sind benachteiligt aufgrund der Erziehung und daran ist auch das Patriarchat schuld und sie müssen daher Hilfen bekommen

Das ist häufig die zweite Verteidigungslinie, wenn man oben alle Möglichkeiten für Frauen aufgezeigt hat die „Macht“ an sich zu reißen und nun erklärt werden muss, warum sie es nicht machen.

Da wird dann gerne gesagt, dass Frauen eben nicht dazu erzogen werden, dass sie weniger durchsetzungsfähig sind, weil ihnen das aberzogen wird, dass sie nicht 60+ Stundenwochen wollen, weil das böse Patriarchat das mit seiner Erziehung verhindert etc. Sie führen an, dass Frauen internalisierte Frauenfeindlichkeit haben, also selbst meinen, dass Frauen für höhere Positionen nicht geeignet sind etc

Auf den Gegeneinwand, dass sie damit ja aussagen, dass Frauen für bestimmte Jobs tatsächlich schlechter geeignet sind und es kein Wunder ist, dass Gesellschaften keine nicht durchsetzungsfähigen Geschäftsführer oder Vorstände haben wollen, die selbst  glauben, dass sie wegen ihres Geschlechts am falschen Platz sind, wird nicht gut aufgenommen. Der Hinweis, dass dann Frauen an sich arbeiten müssten und das ja immerhin Frauen die Frauen erziehen auch nicht.

3. Der Weibliche Weg ist besser für die Gesellschaft und muss daher nach vorne gebracht werden 

Von der zweiten Position geht es dann häufig dahin, dass die weiblichen Eigenschaften, die oft gerade noch durch das Patriarchat verursacht worden waren um Frauen auszubremsen, eigentlich besser sind. Frauen wären vorsichtiger, weniger aggressiv, würden eben nicht 60+ Stunden in eine Führungsposition stecken, was ja für alle dann mehr Work-Life-Balance geben würde

Plötzlich werden alle Nachteile schlicht Vorteile und an ihnen wird die Welt genesen. Die Frauen müssen sich nicht ändern, wir brauchen sie um die Welt zu ändern.

Toxic Masculinity wird Blumenwiesen weichen, auf denen wir alle Hand in Hand durch den Sonnenschein hüpfen.
Aber eben nur, wenn Frauen das System ändern können.

Film: „Weil du mir gehörst“

Hier ein paar Besprechungen des Films „Weil du mir gehörst“: (zur Eltern-Kind-Entfremdung an sich hier klicken)

Frankfurter Rundschau:

Ohne Hintergrundwissen wirkt „Weil du mir gehörst“ wie ein frauenfeindliches Pamphlet: einseitig, ungerecht und völlig übertrieben. Berechtigt wäre jedoch allenfalls der Einwand, dass die Menge der Männer, die sich keinen Deut für ihre Kinder interessieren und regelmäßig die Unterhaltszahlungen schuldig bleiben, deutlich größer sein dürfte als die Zahl der entsorgten Väter. Davon abgesehen hält sich das Drehbuch von Katrin Bühlig jedoch an die Tatsachen: Was Tom erlebt, deckt sich exakt mit den Erlebnissen, die Wolfspergers Leidensgenossen in dessen Film geschildert haben; mittlerweile gibt es zudem diverse Artikel über das Phänomen.

Taz:

taz: Frau Möller, am Mittwoch zeigt die ARD das Drama „Weil du mir gehörst“. Warum kommen Mütter darin aus Ihrer Sicht schlecht weg?

Sybille Möller: Ich denke, weil in diesem Film eindeutig die Mutter diejenige ist, die dem Kind etwas einredet, und weil der Film gleichzeitig in misogynen Gruppen exzessiv geteilt wird. Die Botschaft ist aber sehr verflacht, die Vielschichtigkeit so eines Konflikts kommt gar nicht heraus. So entsteht eine Welle an Vorurteilen gegen Mütter.

(..)

PAS ist stark umstritten. Die relevanten Wissenschaftsverbände lehnen es international als unwissenschaftlich ab. Es gibt Gruppen, die möchten PAS als psychische Erkrankung im ICD-Katalog definiert haben, was es nach bisherigem Stand nicht ist. Gleichzeitig warnen Fachleute davor, weil dies so viele Gefahren birgt.

Zum Beispiel?

Fremdsein zwischen zwei Menschen kann sich ja auf ganz verschiedene Weise entwickeln. Es kann am nicht betreuenden Elternteil liegen, an Desinteresse. Oder die Bindungsqualität zum Kind ist zu wenig ausgeprägt, weil ein Elternteil zu wenig feinfühlig ist oder zu kontrollierend. Die Mutter kann Gewalt erfahren und Angst haben. Die Forschung belegt eine große Bandbreite an Gründen. Manipulieren ist nur eine Erklärung von vielen.

 dafür, dass ein Kind den Papa nicht sehen will.

Es kommt auch vor, dass eine Mutter die Trennung nicht verarbeitet hat und das Kind instrumentalisiert. Aber: Wie gewichtet man das in der Öffentlichkeit beim Thema Trennung? Installiert man da jetzt pauschal ein Feindbild? Oder schaut man passgenau bei jeder Familie nach den Ursachen? Die Ursache für die Ablehnung kann auch beim Kind selbst liegen. Es kann den eigenen Konflikt damit vermeiden wollen, eine schlechte Beziehung zum Elternteil haben oder misshandelt worden sein.

Spielt PAS bei Gerichten eine Rolle?

Nicht direkt, es gibt dafür Synonyme. Jugendämter, Richter und Gutachter sprechen gerne von „Bindungsintoleranz“. Die Mutter soll „Bindungsfürsorge“ zeigen. Selbst bei Gewalt verlangen manche Verfahrensbeteiligte, dass die Mutter in der Wohnung Bilder vom Vater aufstellt. Teils müssen Mütter Strafe zahlen, weil ihr Kind den wegen Missbrauch verurteilten Vater nicht sehen will.(…)

Ist der Film Väter-Lobbyarbeit?

Zumindest einseitig beraten. Derjenige, der die Drehbucharbeiten beraten hat, arbeitet nachweislich mit der Szene zusammen. Das merkt man auch an der verengten Perspektive des Films, der sich objektiv gibt, aber nur eine einseitige Sicht darstellt. Selbst die strategischen Wordings und vermeintlichen Lösungen dieser Lobby sind bewusst in dem Film platziert worden.

Was will die Väter-Lobby?

Die Väterverbände möchten bei strittigen Trennungen das Wechselmodell als Regel und preisen es als Pauschallösung gegen das Schreck­szenario „Entfremdung“ an. Demnach sollen Kinder im Streitfall immer hälftig bei beiden Eltern wohnen, egal unter welchen Bedingungen. Will eine Mutter das nicht, hätte sie zu beweisen, warum das für das Kind nicht gut wäre. Der Film passt also gut zur populistischen Strategie, weil er Ängste schürt und Feindbilder pusht.

Wie sähe Ihr Film aus?

Wir erleben, dass Müttern, die sehr bindungsfördernd sind, trotzdem vor Gericht PAS unterstellt wird. Schon wenn sie sagen, „meinem Kind geht es nicht gut“, wird ihnen Bindungsintoleranz zur Last gelegt. Es gibt zunehmend Forschung aus den USA darüber, dass PAS einen Genderbias hat, der Männer bevorzugt und Frauen benachteiligt.

Wieso ist PAS so präsent?

Es gibt eine starke, international vernetzte Väterrechtsbewegung. Diese hat viele Jahre Vorlauf gegenüber den Müttern. Auf Genderkongressen war das immer Thema: Trennungskinder sollen nicht mehr so viel bei den Müttern wohnen. Da hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die schwer zu bremsen ist. Man sucht nach Schablonen und nach Schuldigen.

Trifft es Alleinerziehende?

Ja. Bei Gericht und im Jugendamt ist das Klima mütterfeindlicher geworden. Jugendämter werden auch von Lobby-Akteuren weitergebildet, die auf die PAS-Ideologie ausgerichtet sind.

Weser Kurier:

Selten hat man einen härteren Einstieg in einen psychologischen Film gesehen als in Alexander Dierbachs ARD-Drama „Weil du mir gehörst“: „Anni, wie ist dein Verhältnis zu deinem Vater?“, fragt da ein Richter ein achtjähriges Kind. Anni antwortet darauf mit versteinerter Mine: „Nicht gut. Ich hab‘ Angst vor ihm“, sagt sie und fügt hinzu, dass der Papa jähzornig und egoistisch sei, „das weiß ich genau.“ Als sei das alles noch nicht genug, fügt Klein-Anni auch noch hinzu: „Er schlägt die Mama, und mich auch.“

(…)

Katrin Bühlig, die Drehbuchautorin, berichtet, sie habe die Geschichte anfänglich nur aus der Sicht des Kindes erzählen wollen. Der Gedanke wirkt äußerst einsichtig. Schade, dass die Umsetzung nicht möglich erschien, weil – Zitat – so „die ganzen juristischen Auseinandersetzungen der Eltern und die daran gut verdienende Scheidungsindustrie“ weggefallen wäre. Die kindliche perspektive hätte sicher für mehr Empathie gesorgt. So aber werden einem die zwielichtigen, am Gesetz orientierten Verhaltensmaßregeln und die schlauen Richtersprüche auf Dauer etwas zu viel. Dennoch ist „Weil du mir gehörst “ ein wichtiger und aufrüttelnder Beitrag darüber, was Erwachsene sich – und vor allem ihren Kindern – antun können, wenn sie von ihren Gefühlen aus der Bahn geworfen werden. Das Phänomen einer Eltern-Kind-Entfremdung („Parental Alienation Syndrom“, PAS) nach einer Scheidung wird niemand, der diesen Film gesehen hat, mehr unterschätzen.

Mann-Tau:

Anni, enorm verletzt, möchte schließlich gar nichts mehr mit dem Vater zu tun haben, und Tom wird erst von einer Mitarbeiterin des Jugendamtes aufgeklärt, dass sie offenbar unter dem Eltern-Entfremdungs-Syndrom (PAS – Parental Alienation Syndrome) leide. Julia aber setzt vor Gericht das alleinige Sorgerecht durch, weil dort nicht geklärt werden kann, ob sie selbst die Verantwortung für die Vater-Tochter-Entfremdung trägt.

Als sie aber auch noch die Besuche Toms ganz unterbinden möchte, schreitet der Richter ein, den wir in der ersten Szene des Films kennengelernt haben. Er widerspricht einem Aussetzen des Umgangs, setzt wieder beide Eltern als Sorgeberechtigte ein und verpflichtet sie zu einer gemeinsamen Beratung. Auch wenn der Richter reale Vorbilder hat, vor allem wohl den Entwickler des Cochemer Modells Jürgen Rudolph, wirkt er hier wie ein Deus ex machinaaus dem klassischen Drama, der die Handlung zu einem versöhnlichen Ende führt, das nicht mehr zu erwarten war.

(…)

„Weil du mir gehörst“ konterkariert die gängigen, auch politisch gern genutzten Bilder der fürsorgenden und aufopferungsvollen Mutter und des desinteressiert-egoistischen Vaters, indem es diese Bilder aufgreift und dann seine eigene Geschichte dagegen erzählt. Allein dieses Aufbrechen von Geschlechterklischees ist ein großes Verdienst, und ein noch größeres ist es, dass die Schädigung der Tochter durch die Entfremdung vom Vater überzeugend und einprägsam sichtbar wird.

Nachvollziehbar zeigt der Film auch die Hilflosigkeit des Vaters, der wütend ist – der nicht versteht, warum er nicht einfach bei seiner Tochter sein kann – und der einsehen muss, dass jeder offene Konflikt seine und seiner Tochter Situation nur noch schlimmer macht. Das wird hier so präsent, dass ich beim Anschauen in der Mediathek die Handlung öfter einmal anhalten musste, weil sie mich zu sehr an meine eigene Geschichte mit unserem Sohn und seiner Mutter erinnerte.

Und noch ein paar Twitterstimmen: