Pierre Bordieu, der Kampf um Macht und Habitus

Ein interessanter Beitrag zu Bordieu:

Es gibt keine „reinen“, von sozialen, machtstrategischen oder sonstigen Interessen befreiten Geschmacksurteile, wie Kant es uns einst weismachen wollte. Kunst und Kultur, egal wie erhaben, verfeinert und „zweckfrei“ sie daherkommen, werden niemals nur „um ihrer selbst willen“ geschätzt. Unser vermeintlich individueller Geschmack, so Bourdieu, ist letztlich alles andere als Ausdruck unserer Individualität, sondern entscheidend im sozialen Milieu, dem wir angehören, verankert. Wobei hier mit „Geschmack“ nicht nur Musik- und Lektürepräferenzen gemeint sind, sondern auch Dinge wie Ernährungsgewohnheiten, Bekleidungsstil, Freizeitverhalten und letztlich auch moralische und weltanschauliche Überzeugungen. Hinter jeder noch so harmlos daherkommenden Alltagsroutine oder Konsumentscheidung wie etwa Frau D.s Entschluss, sich eine graue Wohnzimmercouch zu kaufen („bei dem Farbton kann man sich getrost draufsetzen“), scheint die hierarchische Gesellschaftsstruktur durch.

(…)

Zunächst einmal ist der Habitus für Bourdieu das Produkt der Geschichte und milieuspezifischen Prägung einer Person. Habitus ist „Natur gewordene Gesellschaft“, die dem Menschen buchstäblich in die Knochen fährt, um all seine geistigen und körperlichen Ausdrucksformen zu prägen.(…)

Der Habitus ist nicht nur maßgeblich dafür, wie ein Mensch seine Umwelt wahrnimmt, wie er handelt und wie er sich selbst verortet. Sondern auch dafür, wie ein Mensch von seiner Umwelt wahrgenommen, behandelt und verortet wird. Als eine Art Stallgeruch ist der Habitus ein System von Möglichkeiten, vor allem aber eines von Grenzen. „Wer den Habitus einer Person kennt, der weiß intuitiv, welches Verhalten dieser Person verwehrt ist“, meint Bourdieu. Sag mir, was du trägst, hörst, kaufst, isst, und ich sag dir nicht nur, wer du bist, sondern auch, ob aus dir noch etwas werden kann.

Im Wesentlichen unterscheidet Bourdieu drei Ausprägungen des Klassenhabitus. So bringt, erstens, der Habitus der Oberschicht einen Geschmack beziehungsweise eine Alltagspraxis hervor, bei der sich alles um Luxus, Verfeinerung und Distinktion dreht. Neben allen offenkundigen Privilegien nimmt man sich hier auch noch das Vorrecht heraus, die eigenen Upperclass-Vorlieben zum „legitimen“ Geschmack zu erklären. Bourdieu zufolge geschieht das, indem man die soziale Bedingtheit des Geschmacksurteils verleugnet und Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt. Der Hut, den Jackie Kennedy-Onassis trug, während sie im Blitzlichtgewitter einem Flugzeug entstieg, wurde umgehend als Modeklassiker kanonisiert. Ob man nun zur Schicht der herrschenden Trendsetter gehört, ist für Bourdieu keine ausschließliche Frage des Geldes. Neben dem ökonomischen Kapital, um das sich bei Marx noch alles drehte, spielt in Bourdieus Klassenkampf-Szenerie das „kulturelle Kapital“ (Bildung, akademische Titel, einwandfreie Tischmanieren) eine entscheidende Rolle. Es ist eine der wirksamsten Waffen, um eine gesellschaftliche Machtposition zu festigten, zu verteidigen oder sie sich zu erstreiten. Der Klassenkampf ist für Bourdieu stets auch ein Kampf um Anerkennung und Mitbestimmung der öffentlichen Meinung.

Wer weder über die eine noch die andere Kapitalsorte verfügt, muss sich anderweitig behelfen. Das gilt für den typischen Unterschichtshabitus, der den „Geschmack der Notwendigkeit“ hervorbringt. Funktionalität und Praktikabilität sind gefragt. Bedürfnisse wollen befriedigt, nicht verfeinert werden. Schön und erstrebenswert ist, was unmittelbaren Nutzen oder spontanes Vergnügen verspricht. Die Grenze zwischen Hedonismus und Exzess verläuft ießend. Fast-Food-Orgien kombiniert mit Alkohol- und Nikotinsucht sind zu plakativen Symbolen dieses Habitus’ geworden. Die Freuden des Augenblicks sind tatsächlich unendlich verlockend, wenn die Zukunft aussichtslos erscheint. Hinzu kommt: Ganz unten auf der gesellschaftlichen Stufenleiter wirkt sich eine generelle Eigenschaft des Habitus, amor fati genannt, besonders tückisch aus. Damit ist jene eigentümliche Schicksalsergebenheit gemeint, die dazu führt, dass man „mag, was man hat, weil man hat, was man mag“. Man neigt dazu, sich abzufinden. Aus Nöten macht man Tugenden, dazu zählt auch die demonstrative Verachtung, mit der ein Hauptschüler das Bildungssystem mitsamt der von ihm produzierten Weicheier (Gymnasiasten, Studenten) abstraft. So bleibt man seiner Herkunftsschicht verhaftet und überlässt das Bildungsprivileg den Bessergestellten.

Entgegen einem zählebigen Vorurteil hat Bourdieu nie bestritten, dass es sozialen Aufstieg tatsächlich gibt, nur zahlt man dafür einen hohen Preis. Er geht dieser Frage in den „Feinen Unterschieden“ vor allem am Beispiel der mittleren Gesellschaftsschicht nach – dem Kleinbürgertum, zu dem er Handwerker, kleine Unternehmer und Grundschullehrer zählt. Der kleinbürgerliche Klassenhabitus – idealtypisch von Frau D. verkörpert – bringt einen eißigen, strebsamen, in jeder Hinsicht bescheidenen Menschenschlag hervor. Ehrfurchtsvoll schielt man nach oben, panisch grenzt man sich nach unten ab, um das kleine bisschen Wohlstand, das man sich so hart erarbeitete hat, nicht zu gefährden.

Nicht viel besser geht es jenen, die durch den Zugewinn von kulturellem Kapital zum Klassenüberläufer werden. In dem Kapitel „Der Autodidakt und die Schule“ skizziert Bourdieu die Irrungen und Wirrungen des Bildungsaufsteigers. Dieser zeichnet sich durch grenzenlosen Respekt aus gegenüber allem, was als „Kultur“ daherkommt, durch Akribie und übertriebene Ernsthaftigkeit, durch die Unfähigkeit, zwischen „wichtigen“ und „unwichtigen“ Kenntnissen zu unterscheiden. Er läuft folglich stets Gefahr, „zu viel oder zu wenig“ zu wissen. Vor allem aber hat er keine Ahnung vom Recht aufs Nicht-Bescheid-Wissen, das sich ein Professorensohn ganz selbstverständlich herausnimmt.

Bourdieu wusste, wovon er sprach. Er – Sohn eines Hilfsarbeiters, der sich zum Postbeamten hochgearbeitet hatte – schaffte es gegen alle Wahrscheinlichkeiten durch das elitäre französische Schulsystem bis ganz an die Spitze der akademischen Welt. In der Folge hatte er unter dem gespaltenen Habitus (habitus clivé) zu leiden, der alle rasanten Aufsteiger befällt. Als junger Mann plagten ihn Schuld- und Verrätergefühle, weil er an den Pariser Elite-Kaderschmieden den bildungsseligen „Müßiggang junger Bürgersöhne geteilt“ hatte. Selbst als unangefochtene Größe im intellektuellen Establishment fühlte er sich diesem niemals zugehörig.

Die Gesellschaft heute ist eine andere als die französische der 1960er-und 1970er-Jahre, die in den „Feinen Unterschieden“ nach allen Regeln der soziologischen Kunst auf ihre geheimen Machterhaltungsstrategien hin durchleuchtet wird. Die Trennmauer zwischen „legitimer“ Hochkultur und der einst von oben naseberümpften populären Kultur ist porös geworden. Das Bewertungsmonopol hat heute keine soziale Schicht, kein Experte mehr inne. Der traditionelle Bildungskanon hat drastisch an Verbindlichkeit eingebüßt. Ehedem Hochkulturelles wird heute umstandslos popularisiert, durch Hobbytenöre beispielsweise, die in Castingshows Verdi-Arien schmettern. „Populäres“, das in Seriengestalt auf Netflix läuft, wird zum Gegenstand intellektueller und akademischer Betrachtungen. Der Lebensstil der mittleren Schichten ist selbstbewusster und selbstbezüglicher geworden. Street-Credibility gilt als schick. Ganz generell hat Bourdieus Grenzziehung zwischen den gesellschaftlichen Klassen an Bedeutung verloren. Nicht etwa, weil Ungleichheiten seither verschwunden wären. Allerdings verlaufen sie heute entlang anderer Trennlinien. Verantwortlich für diese Frontverschiebung sind etliche Ereignisse und Effekte, die sich pauschal unter dem Stichwort „Globalisierung“ zusammenfassen lassen. Dennoch wäre nichts falscher, als Bourdieu in die Mottenkiste der Theorie zu stecken. Nach dem Schriftsteller Didier Eribon, der seine autobiogra sche Analyse „Rückkehr nach Reims“ (2009) in die Tradition seines Lehrers Bourdieu stellt, hat unlängst auch die Soziologin Cornelia Koppetsch nachgezogen. In ihrem Buch „Gesellschaft des Zorns“ (transcript, 2019) befasst sie sich mit dem Phänomen des grassierenden Rechtspopulismus. So diagnostiziert Koppetsch einen Klassenkampf, allerdings keinen, der sich primär zwischen Arm und Reich abspielt. Es geht um den neuen Klassenkampf zwischen „liberalen Kosmopoliten“ und selbst ernannten oder tatsächlichen Globalisierungsverlierern. Zu Letzteren zählt beispielsweise der Familienvater, der mit der Entwertung des traditionellen Männlichkeitsideals nicht klarkommt, der Hölderlin-Experte, der seinen Prestigeverlust im globalisierten Wissenschaftsbetrieb betrauert, oder die Ostdeutsche, die ihre Biogra e entwertet sieht. Der Kampf zwischen liberal-weltoffenen und rechten Protest- und Überzeugungswählern ist – hier schließt Koppetsch explizit an Bourdieus Habitusbegriff an – immer auch ein Kampf um die Aufwertung des eigenen Lebensstils, um Deutungsmonopole, um kulturelles und symbolisches Kapital. Selbstverständlich geht es auch um ökonomische Verteilungskämpfe, aber eben nicht ausschließlich. Damit wird der beliebte Erklärungstrend entkräftet, dem zufolge AfD, Trump und Co. nur deshalb so erfolgreich seien, weil sie sich als „Anwälte des kleinen Mannes“ für jene einsetzen würden, die seit der Flüchtlingskrise unter massiver Elendskonkurrenz zu leiden hätten.

Ich fand den Text interessant, weil er einige Ideen von Bourdieu noch einmal zusammenfasst und auch auf die „Aktuelle Lage“ übertragen möchte.

Die Ideen selbst – alles als Kampf um Macht anzusehen ist ein sehr einfaches Bild, welches für mich wenig überzeugend ist. Sicherlich haben Menschen ein Interesse an Macht, aber sie führen es nicht per se als Gruppenkampf und sie haben auch an vielen andern Dingen noch Interesse, die dabei unter den Tisch fallen

Was auch nicht beachtet wird ist natürlich die menschliche Natur.

Vergleiche auch:

Warum leben Männer, die jüngere Frauen heiraten, länger, Frauen, die jüngere Männer heiraten aber nicht?

Ein Artikel wirft eine interessante Frage auf:

As was reported when his study first came out in 2010, Drefahl found that women with younger husbands – so-called “cougars” – die young, as do men with older wives and women with older husbands. (I use “cougar” for brevity: as I will explain later, it’s a horrible term.) The only lifespan winners in the Danish data were the men with younger wives.

The finding that cougars die young is odd – and Drefahl didn’t claim in his paper to be able to explain it. It’s odd because, in theory, the benefits of being married to someone younger than you should apply to both sexes. In the autumn or winter of your years, having a younger spouse is likely to mean having a higher standard of health and fitness to keep up with, and when it comes to it, a younger spouse is probably a more energetic caregiver than someone your own age.

To appreciate the disparity between the lifespans of men and women with younger spouses, let’s look at some numbers. Between 1990 and 2005, a Danish woman of 50 or above, married to a man about 16 years younger than her, was 40% more likely to die by the end of 2005 than a woman of her age in a same-age union. The same set of comparisons for a man of 50-plus gives the result that he was 4% less likely to die than a man of his age married to a woman of his age.

There is also a flicker of black humor in Drefahl’s study: in the case of very wealthy older men, the husband is not 4% more likely to survive but 5% more likely to die. So, according to Denmark’s national dataset – not just tabloid headlines – super-sugar daddies should watch out.

Wenn ich über eine Erklärung liefern sollte, dann würde ich sagen, dass die Wertigkeit des Partners eine erhebliche Bedeutung hat.

Jüngere Frauen mit älteren Partner spricht dafür, dass der Mann einen hohen Status hat und gut mit Frauen umgehen kann. Jüngere Frauen sind begehrt und sie mit einem höheren Alter zu bekommen ist dementsprechend schwieriger.

Eine ältere Frau zu bekommen ist hingegen für die meisten Männer weniger erstrebenswert. Und entspricht auch nicht dem klassischen Suchschema der meisten Frauen. Es ist insofern schlicht die Partnerschaft, die auf einem geringeren Partnerwert aufbaut und daher vielleicht auch andere Interessen daneben berücksichtigt (etwa das die Frau Geld hat)

Das gleiche würde sich bei den sehr reichen Männern zeigen, wenn man davon ausgeht, dass sie zu einem gewissen Teil Gold Digger anziehen, die nicht wirklich an ihnen sondern dem Lifestyle interessiert sind.

Aus dem Artikel zur Erklärung:

Since Drefahl’s research was originally published, he’s made some progress at figuring out why cougars snuff it early. He’s been looking at causes of death. The answer is that these women are far more likely to die of “external causes” than other married women – that is, they are more likely to die of accidents that are not suicides. (Consistent with the stereotype that older men stay fit and healthy because they are inspired by a younger partner,men with younger wives have low odds of dying from heart attacks, strokes and cancer.)

The elevated risk of accidents could be due to a mix of things. Like some cringeworthy stereotype of a risk-loving Mrs Robinson in a red convertible, it could be that women who generally do dangerous things are the ones who marry younger men. Or the high accident rate might reflect situations that develop as a result of the dynamic of these marriages: their young husbands might encourage activities like high-altitude mountaineering holidays, or perhaps even treat them unkindly.

Vielleicht sind die Frauen, die einen sexy Tomboy haben wollen auch eher näher am männlichen Spektrum als andere Frauen und daher von sich aus Risikobereiter.

Oder sie wollen eben gerade jung sein, besonders hart feiern, sind den direkten Bedürfnisbefriedigungen eher zugeneigt und leben damit auch ungesünder.

It could also have something to do with the way that society treats women who go against the traditional norm. There is little evidence either way on this, but it seems reasonable that differential treatment might somehow be prompting these women to take bigger physical risks. Consider, for example, how the term “cougar” unfairly implies predatory behavior, and “toyboy” connotes insubstantiality. On the other hand, “sugar daddy”, for all its blunt instrumentalism, sounds, well, a bit sweeter.

„Die Gesellschaft ist schuld weil sie Frauen anders behandelt als Männer“ und das ohne nähere Begründung, warum diese deswegen früher sterben sollen, erscheint etwas simpel.

 

Selbermach Samstag 278 (22.02.2020)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Andrew Doyle: Warum ich „anti-woke“ bin

Andrew Doyle, der unter anderem mit der Kunstfigur Titania McGrath bekannt geworden ist, begründet, warum er gegen die aktuellen „Social Justice“ Bewegung ist:

During 2019’s Last Night of the Proms, the audience was treated to a rendition of Daniel Kidane’s latest composition, ‘Woke’. Kidane had written the piece because he was concerned that the word had veered from its earlier definition – that is, to be ‘alert to injustice in society, especially racism’. This was how the word was understood when it originated in the various black civil-rights movements of the 20th century. If this is all it means to be woke, then count me in.

In der Tat wäre nichts dagegen zu sagen, wenn man auf Ungerechtigkeiten achtet, einschließlich Rassismus. Aber leider ist etwas ganz anderes daraus geworden.

Unfortunately, over the past few years the term has been appropriated and sloganised by the cult of social justice. ‘Woke’ is no longer simply a matter of standing up to racism, but is irrevocably connected to the authoritarian mindset of the identitarian left. Rather than confront bad ideas through discussion, debate, ridicule and protest, those who self-identify as ‘woke’ would sooner intimidate their detractors into silence through what has become known as ‘cancel culture’. More insidiously, they have sought to empower the state and strengthen hate-speech laws, which curb individual freedom. They do all this in the belief that theirs is a righteous cause, but their illiberal actions ultimately bolster the very ideas they purport to despise.

In der Tat wird von vielen dort eine Diskussion gar nicht mehr gesucht: Wer mit der anderen Seite redet, der gesteht ihr ja eine gewisse Position zu und das wird bereits als Verrat an der Sache gesehen.

Wer etwas falsches sagt, der wird ausgegrenzt und zum Feind erklärt. Die Bezeichnung als „Nazi“ wird geradezu inflationär gebraucht, Und Anti-Hate-Speech Gesetze erfreuen sich auch großer Beliebtheit bei den Politikern und Aktivisten (bei letzteren bis sie auf sie selbst angewendet werden)

Moreover, this monomaniacal need to expose an ever-expanding set of ‘phobias’ in society means that they end up detecting prejudice even where it does not exist. In the absence of evidence of racism the woke have a habit of simply concocting it; hence the continual emphasis on ‘unconscious bias’, ‘white privilege’ and ‘institutional power structures’. Such ideas have germinated over many years in academia – particularly in the postmodern branches of critical theory – and have since seeped into the mainstream.

Es ist in der Tat betrüblich, dass alles über Schlagworter geführt wird, die nicht weiter hinterfragt werden und quasi als Beweis gelten. Es muss einfach nur behauptet werden, dass es dort Machtstrukturen gibt und als Beleg wird angeführt, dass dort eben bestimmte Personen an der Spitze stehen. Es sind sehr einfache Erklärungen, die insbesondere klare Feindbilder zulassen.

This is why the public is routinely confronted with absurd articles in the media grounded in an extreme form of intersectionality. One, for instance, claims that white women are ‘evil’, another that white DNA is an ‘abomination’. Barely a day goes by without some frenzied denunciation of a movie or a television series for its lack of diversity and positive representation, as though the function of the arts is to send a message that accords with identitarian values.

Few members of the public are entirely familiar with the jargon (‘cisgender’, ‘mansplaining’, ‘toxic masculinity’), but are assured nonetheless that the premises are indisputable. There’s a very good reason why the Catholic Church resisted translating the Bible into the vernacular for so long. Those in power are always threatened when the plebeians start thinking for themselves and asking difficult questions.

Der Vergleich mit einer Religion passt durchaus, weil es in der Tat ein Kult ist. Und genau wie Religionen haben sie gar kein Interesse daran, ihre Ansichten klar zu belegen, denn der Gläubige zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass er nicht hinterfragt. Es wird so getan als wären die Begriffe gut abgesicherte wissenschaftliche Konzepte und viel mit Autoritätsargumenten gearbeitet. Das alles aus einer relativ abgehobenen, elitären Sicht, die für das normale Leben immer weniger Raum lässt.

Some commentators have recently raised concerns that ‘woke’ has been weaponised by the far right as a slur against anti-racist campaigners. Afua Hirsch, for instance, has claimed in the Guardian that anyone using the word is ‘likely to be a right-wing culture warrior angry at a phenomenon that lives mainly in their imagination’. This strikes me as particularly odd, given the Guardian’s own frequent use of the word, including in headlines such as ‘Can a woke makeover win Barbie and Monopoly new fans?’ and ‘My search for Mr Woke: a dating diary’. Perhaps Hirsch’s colleagues are further to the right than is generally supposed.

Es ist eben gleichzeitig in ihrem Kreis etwas positives und nach außen etwas über das man sich lustig macht. Und natürlich ist jeder, der es im negativen gebraucht sofort alt-right oder im deutschen eben ein Nazi.

The effect of the woke movement has been to cultivate a climate in which good people feel unable to speak their minds for fear of being misinterpreted and mischaracterised – wilfully or otherwise. Activists have managed to restrict the Overton Window to such an extent that much-needed discussions – such as how to deal with the challenges raised by gender self-identification – are often avoided entirely.

Es werden Tabu-Themen geschaffen, weil man befürchtet von linken Aktivistinnen zum Gegenstand einer Kampagne gemacht zu werden. Man schweigt also lieber zu bestimmten Themen.

As Helen Pluckrose and James Lindsay note in their forthcoming book, Cynical Theories, ‘many people are wondering what’s happening, how we got here, what it all means, and how (and how soon) we can fix it and restore some common ground, charity and reason’. Yet to make this point openly is to risk being decried in the most damaging terms. Indeed, the labels ‘racist’, ‘misogynist’, ‘homophobe’, ‘transphobe’ and ‘fascist’ – extremely serious allegations that should only be used when there is incontrovertible evidence to support them – are now so promiscuously applied that they have lost their impact. This not only provides cover for the far right, but also actively promotes the worst people in society by creating an illusion of widespread crypto-fascism.

Das war ja schon ein Effekt, der auch in der „Deplorables-Debatte“ so beschrieben wurde. Wenn jede Abweichung von der genehmigten Meinung einen zu einem Schwein macht und der Gefahr aussetzt beschimpft zu werden, dann verschiebt das in der Tat die Grenzen und erzeugt wiederum Feindbilder.

The bullying tactics of the woke were never likely to be persuasive, and have left many feeling resentful. This accounts for the collective sigh of relief that followed the actor Laurence Fox’s appearance on Question Time, in which he openly challenged these new orthodoxies. He pointed out that many are frustrated with being told that we live in a racist country, when studies repeatedly confirm that ours is one of the most tolerant countries on the planet. As Fox said, we need to be united in our opposition to genuine racism, not conjuring enemies out of thin air.

Auch etwas, was wenig verstanden wird, weil es in den woken Theorien nicht zutreffen darf: Wenn man die andere Seite beschimpft und sie generell den Bösen zuordnet, wenn etwa Mann sein ausreicht um an allem Unheil dieser Welt persönlich schuld zu sein, dann erzeugt das nicht etwa eine Besserung, sondern Widerstand. Und wenn Leute ihren Hass erkennbar unbegründet ausleben, dann erzeugt das noch mehr Widerstand. In der Tat sind die westlichen Ländern ja weltoffen und gleichberechtigt. Sie erscheinen aber im woken Zerrbild als die Hölle auf Erden.

The explanation for such overzealous behaviour probably lies in the woke movement’s rehabilitation of racialised thinking. It regards people primarily in terms of group identity determined by skin colour, and only secondarily through their qualities as individuals. The ideal of colour-blindness, a beautiful notion that emphasises the equality of all human beings, is itself now routinely dismissed as racist.

In der Tat: Das Denken in reinen Gruppen verseucht das Klima und macht so wunderbare Ansätze wie Hautfarbe nicht wahrzunehmen und jeden als Menschen zu behandeln unmöglich. Es erzeugt Trennung statt Gemeinsamkeit

If one were to deliberately construct an ideology intended to foster racial division and popularise the objectives of the far right, one could hardly do better than the social-justice movement in its current manifestation. It is for this reason that Pluckrose and Lindsay adopt a capitalised form of ‘Social Justice’ in their book to distinguish from the noble principles of ‘social justice’, the former inadvertently working against the aims of the latter.

Ich glaube auch, dass die „Social Justice“ Bewegung mit ihrer intoleranten Art einiges an Problemen verursacht hat. Weil man dort keine anderen Meinungen akzeptiert war letztendlich auch jede Debatte über etwa die Flüchtlingskrise sofort rechts. Was diese verschärft hat und Rechte nach oben gebracht hat und nach wie vor bringt.

This is also why Ellie Mae O’Hagan’s recent article for the Guardian – in which she describes the ‘anti-woke’ backlash as being in direct opposition to social liberalism – is so utterly wrongheaded, however well intentioned. Most of us who oppose wokeness do so precisely because it represents a direct threat to social liberalism. As I have argued previously on spiked, identitarians on the right and left have an interdependent relationship; each one nourishes and sustains the other.

If we are serious about true social justice we should take the woke to task for their ongoing trivialisation of important causes such as anti-racism, gender equality and rights for sexual minorities. It is the responsibility of true progressives to reassert the centrality of open debate as the cornerstone of any free society. In short, we need to robustly defend the liberal values that woke activists have foolishly rejected as forms of institutional oppression.

Es ist wirklich erstaunlich, dass sie überhaupt mit diesen Ideen durchkommen und diese so populär geworden sind.

Biologisches Geschlecht vs. sekundäre Geschlechtsmerkmale (und Fausto-Sterling)

Ein interessanter Twitter-Thread von Yeyo, hier als Text:

Much of the work of Fausto-Sterling and similar charlatans rests on a deliberate confusion of biological sex with secondary sex characteristics. The two are linked, but they are not synonymous.

Secondary sex characteristics, which are sometimes included under the ill -defined term „gender“, are indeed a spectrum and not a binary. These include things like facial hair, muscle mass, voice pitch etc. Characteristics which are linked to sex but don’t define one’s sex.

Bearded women might be unusual, at least compared to bearded men. But neither the bearded woman nor the beardless man constitute a third sex. They are simply males and females with sex atypical characteristics. Same for the male soprano and the female baryton.

Biological sex however refers to role in reproduction and more specifically gamete production. This is not a spectrum since there are only two type of gametes, egg and sperm. There is no intermediate form.

A peacock who never develops a flashy tail will probably remain a virgin for his entire life but if he has testicles for sperm production he is still a male, despite lacking the secondary sex characteristics typical for his species. Same with the bearded woman and beardless man.

As a biologist, Fausto-Sterling of course knows this, she is delibaretly confusing the two concepts in order to serve an ideological narrative. And there are plenty of people in the media and in gender studies departments willing to believe her intentional distortions.

She has devoted her entire scholarship to one of the cardinal sins of science. Deliberately misleading people and spreading falsehoods. In short, she’s a charlatan. She deserves to be remembered as such.

Fasst es noch mal ganz gut zusammen finde ich.

 

Terror in Hanau

der Spiegel berichtet:

Der Attentäter von Hanau tötete zehn Menschen. Bis auf ein Opfer – die Mutter des Mannes – hatten alle einen Migrationshintergrund. Der Vater wurde von der Polizei vorläufig festgenommen.

Etwas zum Manifest des Täters:

Tobias Rathjen: Das Hanau-Manifest eines paranoiden Psychopathen

Dass er denkt, dass DER Geheimdienst ihn überwacht und seine guten Serienideen sofort nach Hollywood liefert, der sie dann anscheinend im Auftrag dieses „Sondergeheimdienstes“ umsetzt, klingt in der Tat verrückt.

Es ist eine schreckliche Tat, vollkommen Unschuldige und unbeteiligte Leute sind  getötet oder verletzt worden. Mein Beileid allen Angehörigen und gute Besserung etwaigen Verletzten.

Ich vermute es wird eine Tat sein die erheblich politisiert und instrumentalisiert wird.

Ein weiterer Bericht zum Manifest:

In seinem Dokument beschreibt er in elf Unterpunkten seinen angeblichen Werdegang. Das Papier gibt Einblick in ein paranoides und radikales Weltbild. So fordert der Autor darin unter anderem einen Genozid an allen Völkern, in denen nicht-weiße Menschen leben. Zuallererst nennt er mehrheitlich muslimische Länder und Israel als „Völker“, die „komplett vernichtet werden müssen“.

Andere „Säuberungen“ sollten „die restlichen afrikanischen Staaten, Süd- und Mittelamerika, die Karibik und natürlich das eigene Volk“ umfassen. Der Verweis auf das „eigene Volk“ wird im Folgenden konkretisiert: „Nicht jeder der heute einen deutschen Pass besitzt [ist] reinrassig und wertvoll“. In Deutschland könne sich der Autor eine Halbierung der Bevölkerungszahl vorstellen.

Hass auf Frauen

In seinem Schreiben formuliert der Autor auch seine Misserfolge bei Frauen. Er habe keine Beziehung führen können, obwohl er das wollte. Für diesen Umstand macht er Geheimdienste verantwortlich. Hass auf Frauen ist vor allem in der rechten Online-Subkultur der sogenannten Incels (involuntary celibacy, zu Deutsch: unfreiwillig zölibatär lebend) weit verbreitet.

Verschwörungstheorie Überwachung

Eine Verschwörungstheorie, die sich in Schreiben, Video und in den weiterführenden Links auf der Homepage von Tobias R. findet, ist die massenhafte Überwachung und angebliche Lenkung von Menschen durch amerikanische Geheimdienste. Der Autor beschreibt sie als „Geheimorganisationen“.

In dem auf YouTube veröffentlichten Video spricht der Autor von unsichtbaren, geheimen und bösen Verbünden, die die Menschheit versklavten. Er ruft darin das amerikanische Volk auf, gegen diese angeblichen Bünde zu kämpfen.

Krieg für das Volk

Das Schreiben ist durchzogen von psychologisch auffälligen, paranoiden Stellen. Dennoch macht der Autor am Ende des Textes nochmals deutlich, worum es ihm geht: um einen „Krieg […] gegen die Geheimorganisationen und gegen die Degeneration unseres Volkes“.

Und noch eine Quelle:

Auch wenn nachträgliche Diagnosen ohne Aktenkenntnis immer schwierig sind, bergen allein das Video und die schriftlichen Ausführungen von Tobias R. für die forensische Psychiaterin Nahlah Saimeh Hinweise auf eine „sehr komplexe, schwere psychische Erkrankung“. Sie sieht den Täter nach aktuellem Kenntnisstand als einen Mann, der „schwerwiegend wahnhaft“ gestört war und nach einer „rechtsextremen narrativen Folie“ handelte. Offenbar litt er unter „akustischen Halluzinationen“, wenn er von „Stimmen“ schreibt, die er vernommen habe.

Und die gleiche Psychiaterin in der TAZ:

Kann man sagen, was zuerst da ist? Der Wahn – und dieser sucht sich eine Ideologie? Oder ist diese zuerst da? Und ist das überhaupt wichtig?

Das kann man nach jetzigem Kenntnisstand nicht sagen. Es kann sein, dass dieser Mann aufgrund seiner narzisstischen Persönlichkeitsstruktur für Rechtsextremismus anfällig war, es kann auch sein, dass er durch die Erkrankung aus dem bürgerlichen Leben gerissen wurde. Dazu braucht man viel mehr Hintergrundinformationen, auch zum Beispiel über psychiatrische Vorbehandlungen.

Birgt die Pathologisierung von Terroranschlägen und Gewalttaten nicht die Gefahr, dass Rassismus und Terrorismus verharmlost werden?

Völlig richtig. Terror hat erst einmal gar nichts mit Psychiatrie zu tun und Terroristen sind im Regelfall nicht psychisch krank. Sonst könnten sie die manchmal durchaus komplexen Anschläge auch gar nicht verüben. Diese Täter haben vielleicht eine schwierige Persönlichkeit, aber das sind keine psychischen Erkrankungen. Die Attentäter von 9/11 zum Beispiel waren nicht krank, auch wenn man in dem Testament von Mohamed Atta zum Beispiel sieht, dass der Mann schwere persönliche Probleme hatte. Bei Anders Breivik streiten sich die Gutachter, ob er krank ist. Täter mit einer psychischen Erkrankung sind eine kleine Gruppe, die meist zurückgezogen ist und sich oft selbst radikalisiert. In diesem konkreten Fall dieses Täters aber muss man feststellen: Der Mann war faktisch psychisch in einer sehr komplexen Weise schwer gestört.

Welche Rolle spielt die Männlichkeit? Der Mann aus Hanau, hatte keine Frau, es gibt Hinweise in Richtung Incel-Bewegung.

Männern, die sich radikalisieren, haben häufig Probleme mit Frauen, sie sind häufig misogyn. In diesem Fall hier wünschte sich der Täter eine Partnerin, aber einerseits stand ihm der Narzissmus im Wege und seine Äußerungen zeigen, dass er von einer Partnerin die Idee eines optimalen Objektes, eines tadellosen Produktes hatte. Zum anderen wird deutlich, dass der Verfolgungs- und Beobachtungswahn dazu geführt hat, dass er Intimität gar nicht leben konnte. Ein tragischer Fall. Aber das ist natürlich nicht der Grund, in Shisha-Bars Leute niederzuschießen.

„Jungs sind nicht böse und müssen auch nicht korrigiert werden“

Eine schöne Stellungnahme zu dem Konzept der „toxischen Männlichkeit“:

Boys are not bad. Boys do not need to be fixed. Boys do not need to be more like girls. And no matter how many lazy pieces of faux-journalism appear that shame our sons as inherently toxic and expendable, we will fight to ensure that they know that the culture is lying to them.

My life would not be what it is without the men who have and continue to bless it.

The loving heart of my father, still willing to drop everything if his girls need him, whose kindness and sense of humor makes the world a little better every day.

The department heads and colleagues who encouraged and supported me as an educator. My mentors through my twenties, thirties and still into my forties.

My friends.

My students.

My husband.

My sons.

Da würde eine Feministin vielleicht anführen, dass „toxische Männlichkeit“ da falsch verstanden wird und ja nur toxisches Verhalten beschreibt. Andererseits ist ja in deren Vorstellung auch keine „gesunde Männlichkeit“ vorhanden und sie werden wohl auch keinem Mann bescheinigen, dass er frei von toxischer Männlichkeit ist.

I never thought we would reach a point where it was commonplace to hear social commentators, journalists and presidential candidates awfulize boys and men — our fathers, brothers, husbands and sons — simply because they are male. There were always those fringe women’s studies professors and radical feminists who made their living by hating on men but I couldn’t have imagined that such ugliness would infect the public discourse and be lauded as brave, let alone enlightened.

It is not enlightened. In fact, it is woefully uninformed. And it is cruel.

Das ist in der Tat das eigentlich erschreckende. Das diese Konzepte als anerkannt dargestellt werden und unproblematisch verwendet werden können. Man kann damit als Weltverbesserer durchkommen, als jemand, der sich ja nur gegen das toxische wendet, die Welt für alle besser machen will.

Artikel, die den toxischen Anteil dieses Konzepts selbst thematisieren sind hingegen eher rar.

We hear the word “toxic” constantly, often followed by the word “masculinity.” Sometimes these men-haters throw in “problematic,” “misogyny” and “mansplaining” too. But having lived almost half a century, it is clear to me that toxicity has little to do with gender and everything to do with character and behavior.

Some men talk about and treat women terribly. So talk about those men. Some women are toxic from sun up to sun down. So include them in the conversation about toxicity.

But leave our sons alone and far away from the ugly stereotypes that feminists and media commentators immediately decry when they are applied to women.

Das ist natürlich innerhalb einer Identitätspolitik ein kaum zu vermittelnder Gedanke: etwas soll individuell zu betrachten sein und nicht einfach der Gruppe angelastet werden können?

Das gar andere Faktoren abseits des Geschlechts bereits negative Vorkommnisse erklären könnten ist da unvorstellbar. Aus meiner Sicht wäre ja schon der Anteil an Psychopathen in der Bevölkerung, die bei Männern eher auch zu Gewalt neigen, geeignet bestimmte Taten zu erklären.
Aber es muss eben etwas sein, was man der ganzen Gruppe als homogener Einheit anhängen kann. Alle Differenzierungen schaden da nur.