Nina Power zur digitalen Streitkultur und

Arne hatte auch schon über ein sehr interessantes Interview mit Frau Nina Power berichtet, welches ich auch sehr interessant finde:

Power: Weil ich glaube, dass es ein Fehler ist, Menschen auf der Grundlage dessen, was sie zu wissen glauben, zu verurteilen. Es ist viel nützlicher, mit Menschen über ihre Beweggründe und seine eigenen zu sprechen. Wir kommen dadurch verschiedenen Positionen viel näher, die wir verstehen können. Und ich denke, es ist möglich, die Meinung eines Menschen zu verändern. Es ist nicht sinnvoll, Menschen zu ächten und zu sagen, diese Person hat Ansichten, die so unerträglich sind, dass ich nicht mit ihr sprechen kann. So etwas treibt die Menschen noch weiter auseinander. Sie fühlen sich dadurch noch mehr entfremdet und isoliert von dem, was wir sozialen Austausch nennen.

Einen Dialog zu eröffnen ist auch aus meiner Sicht häufig sehr konstruktiv. Und das auch mit sehr extremen Personen.
Ein Beispiel, welches mir da einfällt, ist zB Daryl Davis, ein Schwarzer, der sich mit KKK-Mitgliedern angefreundet hat und nach seinen Angaben 200 davon überzeugt hat, dass sie ihre Roben an den Nagel hängen.

Das wäre aus meiner Sicht ein ganz extremes Beispiel, aber es zeigt, dass es sinnvoll sein kann miteinander zu reden, Argumente auszutauschen und den anderen merken zu lassen, dass da auf der anderen Seite ein Mensch ist.
Das war und ist ja durchaus einer der Vorteile dieses Blogs, dass hier teilweise Leute mit sehr unterschiedlichen Ansichten zusammen kommen, die dennoch diskutieren. Sicherlich sind inzwischen nicht mehr so viele Feministinnen hier, die die Diskussion suchen, wie zu den besten Zeiten, aber es treffen dennoch immer noch ganz unterschiedliche Positionen aufeinander.

Smarzoch: Es gibt auch diese seltsame Tendenz online, jeden innerhalb kürzester Zeit einen Nazi oder Faschisten zu nennen, der konservative oder rechtsgerichtete politische Ansichten vertritt. Und ich spreche jetzt nicht einmal von rechtsradikalen Positionen. Was ist problematisch an diesem – wie Sie es sagen – gedankenlosen Gebrauch von Worten?

Power: Wenn Sie jemanden fragt, was die schlimmste Bezeichnung für jemanden anderen ist, dann wird wahrscheinlich dieses Wort sein: Nazi. In den meisten Fällen wird es also eher losgelöst vom historischen Nazitum verwendet. Wenn sich die Leute gegenseitig Faschisten nennen, dann beziehen sie sich nicht wirklich auf die Doktrin Mussolinis oder auf die korporatistische Politik Nazi-Deutschlands. Verstehen Sie, was ich meine? Es gibt eigentlich überhaupt keinen historischen Bezug. Sie sagen einfach: ‚Ich mag dich nicht.‘ Das ist extrem gefährlich, weil es das Spezifische an autoritären und mörderischen Regimen untergräbt. Es ist eine zu beiläufige Verwendung dieses Begriffs. Vielleicht befinden wir uns jetzt tatsächlich in der Postmoderne, weil es eine Art Zusammenbruch von Bedeutungen gibt – Begriffe werden sehr frei verwendet. Aber es kommt wirklich auf die Definition bestimmter Wörter an. Das Internet ermöglicht es, Wörter von ihrer eigentlichen Bedeutung loszulösen. Online sehen sich die Menschen nicht. Sie haben nicht wirklich Zugriff auf eine materielle Realität und können daher alles über sich behaupten. Das hat eine gnostische, religiöse Dimension. Menschen trennen sich völlig von ihrem Körper, auch in Bezug auf Fragen der Identität. Wir leben wirklich in einem Regime von Identitäten, in dem das, was die Menschen sagen, wichtiger ist als das, wie sie sich verhalten.

In der Tat kann man im Internet alles sein und es kann leicht dazu kommen, den anderen nicht mehr als Mensch zu sehen, sondern nur als Buchstaben, als Position, weil eben die Emotionen in Text weniger übertragen werden als in einem direkten Gespräch. Das kann auch vorteile bringen, eben weil es Emotionen herausnehmen kann und man sich auf Inhalte konzentrieren kann. Aber es erleichtert eben auch jemanden nur als Vertreter eine Position, als Stellvertreter einer Gruppe zu sehen.

Smarzoch: Damit geht auch die Tendenz einher, online Grenzen zu überschreiten, indem man unverschämte und provozierende Dinge sagt. Ich muss da zum Beispiel an die Hashtag-Kampagne „Men Are Trash“ denken, Männer sind Müll. Wie nützlich ist so etwas für die Etablierung eines Dialogs zwischen Männern, die gern dazulernen möchten und Frauen, die daran interessiert sind, dass Männer sich verändern?

Finde ich sehr interessant, dass das hier endlich mal kritisch aufgegriffen und nachgefragt wird.

Power: Auf der einen Seite würde ich sagen, wenn man Redefreiheit oder freie Meinungsäußerung ernst nimmt, wird sie auch Dinge beinhalten, die unangenehm, beleidigend oder beunruhigend sind. Es gibt keine Gruppe, die man nicht kritisieren oder über die man nicht lachen darf. Wenn wir anfangen zu sagen, dass man über bestimmte Gruppen nicht lachen darf, befinden wir uns auf gefährlichem Gebiet, weil wir Hierarchien und Privilegien aufbauen. „Über diese Gruppe darf gelacht werden, aber nicht über die andere…“

Das ist auch eines der Probleme in den intersektionalen Theorien: Sie sind zu fanatisch, nehmen die Hierarchien zu wichtig, sehen jeden Witz als Mikroaggression, die die große Unterdrückung stabilisiert.

Auf der anderen Seite sind aber weiße Männer zu einer massiven Zielscheibe geworden. Das zeigt der Hashtag, den Sie erwähnt haben. Es gab auch noch einen anderen, der viel ernster war, nämlich „Kill All Men“, „töte alle Männer“. Das ist in gewisser Weise natürlich ein Witz, weil er nicht der tatsächlichen Gewalt in der realen Welt entspricht. Frauen neigen nicht sehr oft dazu, Männer zu töten – es ist vielmehr umgekehrt. Es ist schon seltsam: Man muss die Möglichkeit verteidigen, diese aggressiven und unangenehmen Statements äußern zu dürfen. Und doch braucht man Zeit, um eine vernünftige Diskussion über gute und schlechte Maskulinität zu führen. „Das Medium ist die Botschaft“, sagte Marshall McLuhan. Ein Medium wie Twitter ist aber sehr schnelllebig. Es ermöglicht nicht wirklich diese Art von tiefgehender Untersuchung eines komplizierten Themas zum Beispiel darüber, wie sich Männer verhalten sollten. Was bedeutet es, ein „guter Mann“ zu sein? Es gibt viele gute Männer. Wir haben also eine Art Problem mit der Zerstreuung. Diese großen Themen werden mit einer gewissen Schnelligkeit behandelt, dabei gehen sie viel tiefer.

Die Verkürzung von Diskussionen auf Schlagworte, die irgendwie ein Scherz und nicht ernst gemeint sind, gleichzeitig aber sehr aggressiv angeführt werden und damit wieder Ernsthaftigkeit und Abwertung transportieren, die eigentlich eine Diskussion unmöglich machen ist in der Tat ein Problem.

Wichtig wäre es aus meiner Sicht in der Tat das ganze zu Individualisieren und von der Gruppenschuld zu lösen. Statt „was müssen Männer machen, damit die Männlichkeit aller Männer nicht mehr toxisch ist“, was letztendlich eine nicht lösbare Aufgabe in der Form, wie es angefragt und vertreten  wird, ist müsste man dazu kommen, was der Einzelne machen kann, damit sein Verhalten an sich „Gut“ ist. Also eine Loslösung von der „Erbschuld“ des Mannseins. Erst dann kann ein fairer Dialog stattfinden.

 

23 Gedanken zu “Nina Power zur digitalen Streitkultur und

  1. „Frauen neigen nicht sehr oft dazu, Männer zu töten – es ist vielmehr umgekehrt“

    Da es sehr sehr selten ist, dass Männer Frauen töten… Welche Umkehrung ist hier gemeint?
    Sie neigen nicht dazu und tun es trotzdem?
    Sie tun es nicht, sondern lassen es tun?

  2. Das Internet ermöglicht es, Wörter von ihrer eigentlichen Bedeutung loszulösen. Online sehen sich die Menschen nicht. Sie haben nicht wirklich Zugriff auf eine materielle Realität und können daher alles über sich behaupten. Das hat eine gnostische, religiöse Dimension. Menschen trennen sich völlig von ihrem Körper, auch in Bezug auf Fragen der Identität. Wir leben wirklich in einem Regime von Identitäten, in dem das, was die Menschen sagen, wichtiger ist als das, wie sie sich verhalten.

    Das ist eine sehr spannende Aussage, die die Virtualität des Internet und deren Abgründe schön zeichnet. Aber vor allem ist das Internet ein Raum der völligen Abstraktion, in dem nur noch Logik und Plausibilität gelten können und Erfahrung keinen Wert mehr hat. Man kann Erfahrung immer glauben, sie führt aber meistens nirgendwo hin — jeder weiss ja, dass die Erfahrung häufig wenig mit der Erwartungshaltung über sie zu tun hat. Schlichte Gemüter glauben, die anderen wollen es wissen. Und dann bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Dinge, die sie vorfinden zu hinterfragen, zu kritisieren, vorzuführen. Das ist die Welt des Internet. Sollen viele doch glauben, dass der flüchtige Schein das Internet regiert. Nein, das ist es nicht. Es ist ganz im Gegenteil die Stenge des Faktischen und des Logischen, die hier jeder für sich finden kann. Kann.

  3. Hier ist ein ähnlicher Ansatz wie der von der Nina Power:

    Allerdings: „sprachlich erreichen“ tut man den anderen immer. Man muss sich nur deutlich ausdrücken. Und dabei hilft ganz sicher die Überspitzung. Aber diese soll ja gleichzeitig kontraproduktiv sein.

    Nein, so wird das nix. Man muss auch anerkennen, dass üblicherweise aus einer Weltanschauung heraus argumentiert wird. Sicher wird den meisten nicht mal klar sein, was sie in dieser Weltanschsuung alles so zusammengegrabbelt und sich zu eigen gemacht haben.

    Es ist auch weniger das Problem, dass sich jetzt „gefährliche Rassisten“ gefördert werden! Sind denn die progressiven Rassisten und Antisemiten, die sich ua bei den Grünen breit gemacht haben, weniger gefährlich?!

    Palmer ist eben nur nicht ganz so blöd wie seine Glaubensgenossen. Und natürlich gilt der auch noch als „der Nazi“ seiner Melonen-Partei (aussen grün, innen rot und mit brauen Kernen, hahaha).

  4. Wir leben doch in einer Welt voller digitaler Verbalmimosen. Da kommt ein Aufschrei nach dem nächsten, wenn PoCs als Farbige bezeichnet werden, wenn Genderstern oder Binnen-I ausgelassen werden, wenn vermeintlich Rechte was zum Thema Volk absondern, etc.

    Die Klimax dieses Schwachsinns ist dann die Mikroaggression, bei der ich schon verurteilt werde für Dinge, die ich eben nicht gesagt habe – oder dass ich Dinge gesagt habe, die andere Implikationen von Hypersensiblen zulassen wie: „Ich habe nichts gegen Frauen“. Denn dadurch äußere ich ja, dass man was gegen Frauen haben könnte. Das wird immer skuriler.

    Entscheidend ist aber, dass dadurch umfangreiche Sprech- und in der Folge auch Denkverbote entstehen. Dass es nicht mehr ausschlaggebend ist, was jemand eigentlich meinte und ausdrücken wollte, sondern welche Wörter er benutzt hat und ob er seine Sätze politisch korrekt verkrüppelt hat.

    In der Tat entsteht hier eine massive Einschränkung der freien Meinungsäußerung. Wörter werden auf den Index gesetzt wie zu totalitären Zeiten ganze Publikationen. Das führt zu einer besonderen Nutzung dieser verbotenen Begriffe. Sie werden als Beschimpfungen eingesetzt. Bei mir auf dem Schulhof war das früher der Begriff „schwul“. Der war so schlimm, dass die Gegenseite das nicht mehr toppen konnte.

    In den virtuellen Wutblasen haben wir also ohne Ende Nazis, Männerschweine, Asyltouristen, Klimahysteriker… – und wir haben die gipfellose Empörung darüber.

    Dann kommt unser Bundespräsident Steinmeier und formuliert, dass es doch von der Wut- und Hassrede zum Amoklauf oder zum realen Verbrechen nur ein kleiner Schritt sei. Dass also reale Gewalt eine Folge von geäußerten Worten sei.

    Und da wird’s gefährlich. So wie in den 1960er Jahren Demos gegen Westernfilme stattfanden, da die Menschen glaubten, Gewalttaten in der Gesellschaft seien die direkte Folge des Anschauens von Comboy- und Indianerfilmen, so sollen heute Hassreden und politisch unkorrekte Äußerungen bekämpft und bestraft werden.

    Ich glaube aber, diese Ableitung ist ein Fehlschluss, denn die Taten nehmen nicht adäquat zur verbalen Aggression und virtuellen Wut zu. Also verfehlen die Sprech- und Schreibverbote ihr Ziel. Es bleibt lediglich die Repression auf das Denken und Ausdrücken. Und damit gibt unsere Gesellschaft den Anspruch auf, freiheitlich zu sein.

    Ich würde eher in die andere Richtung gehen, in denen den Menschen eben nicht das Reden und Schreiben reglementiert wird: Sollen sie doch sagen, was sie wollen. Sollen sie doch Gruppen und Menschen beleidigen. Sollen sie doch zu was auch immer aufrufen. Entscheidend für die Sanktionierung sollte immer die Tat sein – und bei der sollte es kein Pardon geben.

    Wer etwas Gesellschaftsschädliches tut, der sollte ordentlich auf die Pfoten bekommen – wer lediglich rumblökt, der soll das eben machen dürfen. Die Angeblökten müssen das aushalten. Das ist sicherlich hart für die Beschimpften.

    Aber ich glaube, anders lässt sich die freie Meinungsäußerung nicht mehr retten.

    • Kann ich unterschreiben, was du sagst.

      Lass mich noch hinzufügen: Die Political Correctness ist als Instrument zu betrachten. Momentan hat die nenne wir es einfach mal „Linksprogressive Seite“ die Deutungshoheit und nutzt diese um ihre eigenen Ansichten durchzusetzen und die Gegenseite mundtot zu machen. Hätte die „konservative Rechte“ diese Deutungshoheit würde höchstwahrscheinlich ebenfalls eine Political Correctness verwendet werden, nur eben umgekehrt.

      Es ist übrigens auch wahnsinnig faszinierend, dass wir nach dem Anschlag in Hanau exakt das gleiche Muster der Diffamierung und Instrumentalisierung antreffen, wie es in den 70er Jahren auf der anderen Seite war. Damals war es halt ein Heinrich Böll, dem man vorwarf der intellektuelle Helfershelfer der RAF zu sein und eine Mitschuld an deren Terroranschlägen gab (siehe etwas Bildzeitung damals oder Abgeordnete der FDP/CDU). Gibt auch ein ganz interessantes Video dazu von Gunnar Kaiser:
      https://invidio.us/watch?v=5dMkfVFLn40

      Wie immer sind das Problem die Ideologien, die sich gegenseitig tatsächlich hassen und die Gegenseite im Prinzip im übertragenden Sinn vernichten möchten (durch etwa Einschränkung ihrer Redefreiheit, durch Messen mit zweierlei Mass etc). Ich finde es traurig, dass die Menscheit einfach nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernt. Immerhin hat der damalige Innenminister der FDP zugeben, dass sie damals Fehler gemacht haben. Da gabs noch Reflexion. Ich frage mich ja ob das bei den heutigen Politikern überhaupt noch der Fall ist.

      Für mich stellt sich immer wieder die Frage:
      Wen soll ich eigentlich noch wählen in diesem Zirkus?
      Links und rechts fallen für mich raus, aber die zeitgeist-opportune CDUCSUFDP ist für mich ebenfalls unwählbar geworden…

  5. Ich finde das Interview insgesamt sehr schön, weil es zeigt, dass Menschen zur Einsicht kommen können und ich kann mir vorstellen, dass sie mit ihrer Haltung in GB ein echtes Problem mit der dortigen Linken hat.

    Sie hat aber m.E. ein weiteres Problem und das ist ihre (politische) Naivität.
    Sie sagt: „Wenn wir anfangen zu sagen, dass man über bestimmte Gruppen nicht lachen darf, befinden wir uns auf gefährlichem Gebiet, weil wir Hierarchien und Privilegien aufbauen. „Über diese Gruppe darf gelacht werden, aber nicht über die andere…“

    Das war die logische Folge des linksliberal verwursteten Intersektionalismus und seiner Opfer-Olympiade inkl. Hierarchien und Privilegien.
    Nicht „wir fangen an“, sondern das war der jahrelang zurück liegende Anfang und der aktuelle Zustand seine Konsequenz.

    Sie meint: „Vielleicht befinden wir uns jetzt tatsächlich in der Postmoderne, weil es eine Art Zusammenbruch von Bedeutungen gibt – Begriffe werden sehr frei verwendet. Aber es kommt wirklich auf die Definition bestimmter Wörter an. Das Internet ermöglicht es, Wörter von ihrer eigentlichen Bedeutung loszulösen.“
    Tatsächlich haben die postmodernen Autoren bereits in den 70ern – also lange vor der Durchsetzung des Internet – diesem Subjektivismus und Voluntarismus bei der Verwendung von Begriffen den Weg bereitet. Und das feministische Konzept der „Definitionsmacht“ ist auf dieser Welle geritten. Das Internet – präziser die sozialen Medien – waren der Brandbeschleuniger dieser Entwicklung, aber nicht deren Ursache.

    Beim diesem Beitrag: „Es ermöglicht nicht wirklich diese Art von tiefgehender Untersuchung eines komplizierten Themas zum Beispiel darüber, wie sich Männer verhalten sollten. Was bedeutet es, ein „guter Mann“ zu sein? Es gibt viele gute Männer.“ merkt man, wie sehr wir in einer solchen Diskussion fehlen.

    Es wäre einfach, ihr es so zu verdeutlichen: „Es ermöglicht nicht wirklich diese Art von tiefgehender Untersuchung eines komplizierten Themas zum Beispiel darüber, wie sich Frauen verhalten sollten. Was bedeutet es, eine „gute Frau“ zu sein? Es gibt viele gute Frauen.“, dass es diesen Satz in dieser Form gibt, weil es ihn notwendig nicht geben kann.

    Ja, lasst uns alle hier im Forum einmal zusammen setzen und darüber reden, „was es bedeutet eine gute Frau“ zu sein.
    Jeder so formulierte Anspruch wäre in kürzester Zeit als patriarchale Zumutung entlarvt. Wenn hingegen Verhaltenserwartungen an alle Männer gerichtet werden, handelt es sich um den Normalzustand.
    Warum haben eigentlich nicht lediglich Männer das Recht und die Defintionsmacht darüber, was es bedeutet, ein „guter Mann“ zu sein?!

    Sie merkt nicht, welcher doppelte Sexismus darin enthalten ist – nämlich sowohl gegen unser Geschlecht, über das gesellschaftlich frei verfügt werden kann und gegen das weibliche Geschlecht, an das gefälligst keine Erwartungen zu richten sind.

    Es werden einige Gesichtszüge entgleiten, wenn wir bei diesen „komplizierten Themen“ mitreden werden. 😉

    • @crumar,

      hast du den „Make Women Great Again“ Bruhaha Anfang Januar gar nicht mitbekommen?

      Es wird eine Konferenz unter dem Motto geben, auf der Männer darüber diskutieren, was mit Frauen heutzutage schief geht.

      Und erwartungsgemäß haben einige Frauen einen australiengroßen Knoten im Schlüpfer deswegen.

        • „Aber Molyneux? Weiß ja nicht…“

          Ist eine im allgemeinen angemessene Reaktion. Dieser Film ist aber recht lustig,

          Und sicher willst du nicht bestimmen, dass nur genehme Männer anfangen über Gute Frauen zu reden, wenn Männer anfangen über Gute Frauen zu reden, oder?

          • Weil du so gequengelt hast, habe ich mir den Film im Schnelldurchlauf angesehen. 😉

            Molyneux ist einfach lahm, aber hat einen Punkt: Sehr auffällig ist die völlig unterschiedliche Wertung von feedback und Kritik. Molyneuy streicht heraus, wie wichtig ihm konstruktive Kritik ist, weil er den Anspruch hat, im umfassenden Sinn besser zu werden. Während die feministisch inspirierte Mutter jedwede Form der Kritik quasi als Göttinnenlästerung versteht.

            Man kann über das Motiv streiten, aber dem liegt doch die Überzeugung zu Grunde, man wäre bereits die beste Version seiner selbst.
            Vielleicht erklärt die Übernahme dieser Grundüberzeugung auch, warum männliche Filme über Frauen dazu neigen, völlig langweilige Mary Sues zu präsentieren (s. Rey in Star Wars).
            Das verrät m.E. eine gehörige Portion Unsicherheit und Angst auf weiblicher Seite und auf männlicher, beide Augen ganz fest zuzudrücken.
            Denn wenn Frauen as is perfekt sind, dann existiert keine Entwicklungsmöglichkeit, weil auch keine solche Notwendigkeit besteht, bzw. gesehen wird.

            Einfach so ins Blaue hinein würde human being somit eine doppelte Bedeutung haben und sich auf die endlose Gegenwart beschränken.
            Vielleicht auch ein Ansatz, um diesen Bohei, der um „Identität“ gemacht wird zu verstehen und warum es so wichtig oder überhaupt möglich ist, sich „neu zu erfinden“, statt sich einfach nur als Individuum weiter zu entwickeln.

            Keine Ahnung, wie es dir geht, aber ich finde diese „identitären“ Spielchen langweilig und ich bin mit dieser „Schubladität“ nicht identisch.

      • Das wird erstens nicht wirklich zielführend, weil wir sowieso völlig unterschiedliche, weil individuelle Ansichten haben – und Adrian wird nur trollen. 😉
        Dann werden unsere Ansichten zweitens eher eine Reaktion auf den lunatic fringe der Frauen sein, mit dem wir uns hier täglich auseinander setzen.
        Leider.
        Nina Power ist eine erfrischende Ausnahme.
        Aber man merkt ihr an, dass es keinen echten Austausch zwischen feministischen und maskulistischen Positionen gegeben hat.
        Ist aber nicht ihre schuld.

        • „Nina Power ist eine erfrischende Ausnahme.“

          🙂

          Vor zwei Jahren schrubst du noch:

          Erinnert ihr euch noch an diesen verlogenen Artikel „Die Schmerzensmänner“ von Nina Pauer aus dem Jahr 2012?
          http://www.zeit.de/2012/02/Maenner

          Zitat: „Denn auf die junge Frau wirkt die neue männliche Innerlichkeit, das subtile Nachhorchen in die tiefsten Windungen der Gefühlsregungen schrecklich kompliziert. Und auf die Dauer furchtbar unsexy.“

          Selbstverständlich kann dieser Mann gar nicht existieren, denn Männer haben keine Gefühle, keinen Kontakt zu ihrer Innenwelt und können ihnen daher auch nicht „subtil Nachhorchen“/sarcasm off.

          Frau Bauer hat Facetten. Auch gut.

          • Ich hatte auch erst gedacht, es handelte sich um Nina Pauer von der Zeit, sie kommt jedoch aus GB und heißt Power.

            Sie scheint ein komplett anderes Kaliber zu sein:

          • Wie kann es sein, dass das Patriarchat es erlaubt, dass zwei nur auf den zweiten Blick unterscheidbare Feministinnen fast identische Namen haben?

            Das werde ich aber auf der nächsten Vollversammlung zur Sprache bringen, aber hallo.

          • Ich unterstütze deinen Antrag und nach kurzer Recherche habe ich herausgefunden, Nina Power hat ein Buch mit dem Titel „One Dimensional Woman“ geschrieben und sich damit des Titelklaus bei Herbert Marcuse (One-Dimensional Man) schuldig gemacht.

            Daher beantrage ich ihre bei der nächsten VV des Patriarchats auch sofort ihre Umbenennung in Pauer.
            Denn Strafe muss sein!

        • Schade. Ich dachte, heute sind alle bisschen in Laberlaune. Dann halt nicht.
          ((theatralische Schmollgusche))

          Jedenfalls hat eure HumanDoing vs. Human Being Litanei dazu geführt, dass ich grad ekligen Sanitärkram mit YouTube-Tutorial repariert habe, um dem Kerl nicht wieder damit auf die Ketten zu gehen. Ha!

          • „dass ich grad ekligen Sanitärkram mit YouTube-Tutorial repariert habe, um dem Kerl nicht wieder damit auf die Ketten zu gehen.“ – Das ist zumindest von meiner Seite ein sehr wichtiges Merkmal einer „guten Frau“.
            Ich mache schon das meiste körperliche, logisch, 30cm größer und 30kg schwerer – aber meine Frau würde sich nie um irgendwelche körperlichen oder handwerklichen Arbeiten drücken „weil sie das nicht kann, als Frau“. Im Gegenteil, da kann sie sehr ehrgeizig sein, und das liebe ich sehr an ihr.

          • Ich finde es gut, dass unsere hinterhältigen, miesen, baer subtilen shaming tactics bei dir gewirkt haben! 🙂

            Bei meiner Ex-ex habe ich jede Anwandlung von ihr, Werkzeug in die Hand zu nehmen sofort unterbunden. Sie hätte die Wohnung in eine Schlachtfeld verwandelt und ich sie umgehend ins Krankenhaus fahren müssen.
            Ich habe nie in meinem Leben einen so ungeschickten Unglücksraben kennen gelernt.
            Bei ihr ging einfach alles schief.

      • >„Ja, lasst uns alle hier im Forum einmal zusammen setzen und
        >darüber reden, „was es bedeutet eine gute Frau“ zu sein.“
        Keine Ahnung, aber Grundvorraussetzung sollte wohl sein: „Geht Kerlen nicht wegen jedem Fliegenfurz auf den Sack.“

        • Guter Song zum Thema: „A Good Woman Is Hard To Find“ von Morphine.

          Irgendwas zwischen Jazz und Rock, herrlich abgeklärt, kann es aus technischen Gründen nicht verlinken.

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