Pierre Bordieu, der Kampf um Macht und Habitus

Ein interessanter Beitrag zu Bordieu:

Es gibt keine „reinen“, von sozialen, machtstrategischen oder sonstigen Interessen befreiten Geschmacksurteile, wie Kant es uns einst weismachen wollte. Kunst und Kultur, egal wie erhaben, verfeinert und „zweckfrei“ sie daherkommen, werden niemals nur „um ihrer selbst willen“ geschätzt. Unser vermeintlich individueller Geschmack, so Bourdieu, ist letztlich alles andere als Ausdruck unserer Individualität, sondern entscheidend im sozialen Milieu, dem wir angehören, verankert. Wobei hier mit „Geschmack“ nicht nur Musik- und Lektürepräferenzen gemeint sind, sondern auch Dinge wie Ernährungsgewohnheiten, Bekleidungsstil, Freizeitverhalten und letztlich auch moralische und weltanschauliche Überzeugungen. Hinter jeder noch so harmlos daherkommenden Alltagsroutine oder Konsumentscheidung wie etwa Frau D.s Entschluss, sich eine graue Wohnzimmercouch zu kaufen („bei dem Farbton kann man sich getrost draufsetzen“), scheint die hierarchische Gesellschaftsstruktur durch.

(…)

Zunächst einmal ist der Habitus für Bourdieu das Produkt der Geschichte und milieuspezifischen Prägung einer Person. Habitus ist „Natur gewordene Gesellschaft“, die dem Menschen buchstäblich in die Knochen fährt, um all seine geistigen und körperlichen Ausdrucksformen zu prägen.(…)

Der Habitus ist nicht nur maßgeblich dafür, wie ein Mensch seine Umwelt wahrnimmt, wie er handelt und wie er sich selbst verortet. Sondern auch dafür, wie ein Mensch von seiner Umwelt wahrgenommen, behandelt und verortet wird. Als eine Art Stallgeruch ist der Habitus ein System von Möglichkeiten, vor allem aber eines von Grenzen. „Wer den Habitus einer Person kennt, der weiß intuitiv, welches Verhalten dieser Person verwehrt ist“, meint Bourdieu. Sag mir, was du trägst, hörst, kaufst, isst, und ich sag dir nicht nur, wer du bist, sondern auch, ob aus dir noch etwas werden kann.

Im Wesentlichen unterscheidet Bourdieu drei Ausprägungen des Klassenhabitus. So bringt, erstens, der Habitus der Oberschicht einen Geschmack beziehungsweise eine Alltagspraxis hervor, bei der sich alles um Luxus, Verfeinerung und Distinktion dreht. Neben allen offenkundigen Privilegien nimmt man sich hier auch noch das Vorrecht heraus, die eigenen Upperclass-Vorlieben zum „legitimen“ Geschmack zu erklären. Bourdieu zufolge geschieht das, indem man die soziale Bedingtheit des Geschmacksurteils verleugnet und Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt. Der Hut, den Jackie Kennedy-Onassis trug, während sie im Blitzlichtgewitter einem Flugzeug entstieg, wurde umgehend als Modeklassiker kanonisiert. Ob man nun zur Schicht der herrschenden Trendsetter gehört, ist für Bourdieu keine ausschließliche Frage des Geldes. Neben dem ökonomischen Kapital, um das sich bei Marx noch alles drehte, spielt in Bourdieus Klassenkampf-Szenerie das „kulturelle Kapital“ (Bildung, akademische Titel, einwandfreie Tischmanieren) eine entscheidende Rolle. Es ist eine der wirksamsten Waffen, um eine gesellschaftliche Machtposition zu festigten, zu verteidigen oder sie sich zu erstreiten. Der Klassenkampf ist für Bourdieu stets auch ein Kampf um Anerkennung und Mitbestimmung der öffentlichen Meinung.

Wer weder über die eine noch die andere Kapitalsorte verfügt, muss sich anderweitig behelfen. Das gilt für den typischen Unterschichtshabitus, der den „Geschmack der Notwendigkeit“ hervorbringt. Funktionalität und Praktikabilität sind gefragt. Bedürfnisse wollen befriedigt, nicht verfeinert werden. Schön und erstrebenswert ist, was unmittelbaren Nutzen oder spontanes Vergnügen verspricht. Die Grenze zwischen Hedonismus und Exzess verläuft ießend. Fast-Food-Orgien kombiniert mit Alkohol- und Nikotinsucht sind zu plakativen Symbolen dieses Habitus’ geworden. Die Freuden des Augenblicks sind tatsächlich unendlich verlockend, wenn die Zukunft aussichtslos erscheint. Hinzu kommt: Ganz unten auf der gesellschaftlichen Stufenleiter wirkt sich eine generelle Eigenschaft des Habitus, amor fati genannt, besonders tückisch aus. Damit ist jene eigentümliche Schicksalsergebenheit gemeint, die dazu führt, dass man „mag, was man hat, weil man hat, was man mag“. Man neigt dazu, sich abzufinden. Aus Nöten macht man Tugenden, dazu zählt auch die demonstrative Verachtung, mit der ein Hauptschüler das Bildungssystem mitsamt der von ihm produzierten Weicheier (Gymnasiasten, Studenten) abstraft. So bleibt man seiner Herkunftsschicht verhaftet und überlässt das Bildungsprivileg den Bessergestellten.

Entgegen einem zählebigen Vorurteil hat Bourdieu nie bestritten, dass es sozialen Aufstieg tatsächlich gibt, nur zahlt man dafür einen hohen Preis. Er geht dieser Frage in den „Feinen Unterschieden“ vor allem am Beispiel der mittleren Gesellschaftsschicht nach – dem Kleinbürgertum, zu dem er Handwerker, kleine Unternehmer und Grundschullehrer zählt. Der kleinbürgerliche Klassenhabitus – idealtypisch von Frau D. verkörpert – bringt einen eißigen, strebsamen, in jeder Hinsicht bescheidenen Menschenschlag hervor. Ehrfurchtsvoll schielt man nach oben, panisch grenzt man sich nach unten ab, um das kleine bisschen Wohlstand, das man sich so hart erarbeitete hat, nicht zu gefährden.

Nicht viel besser geht es jenen, die durch den Zugewinn von kulturellem Kapital zum Klassenüberläufer werden. In dem Kapitel „Der Autodidakt und die Schule“ skizziert Bourdieu die Irrungen und Wirrungen des Bildungsaufsteigers. Dieser zeichnet sich durch grenzenlosen Respekt aus gegenüber allem, was als „Kultur“ daherkommt, durch Akribie und übertriebene Ernsthaftigkeit, durch die Unfähigkeit, zwischen „wichtigen“ und „unwichtigen“ Kenntnissen zu unterscheiden. Er läuft folglich stets Gefahr, „zu viel oder zu wenig“ zu wissen. Vor allem aber hat er keine Ahnung vom Recht aufs Nicht-Bescheid-Wissen, das sich ein Professorensohn ganz selbstverständlich herausnimmt.

Bourdieu wusste, wovon er sprach. Er – Sohn eines Hilfsarbeiters, der sich zum Postbeamten hochgearbeitet hatte – schaffte es gegen alle Wahrscheinlichkeiten durch das elitäre französische Schulsystem bis ganz an die Spitze der akademischen Welt. In der Folge hatte er unter dem gespaltenen Habitus (habitus clivé) zu leiden, der alle rasanten Aufsteiger befällt. Als junger Mann plagten ihn Schuld- und Verrätergefühle, weil er an den Pariser Elite-Kaderschmieden den bildungsseligen „Müßiggang junger Bürgersöhne geteilt“ hatte. Selbst als unangefochtene Größe im intellektuellen Establishment fühlte er sich diesem niemals zugehörig.

Die Gesellschaft heute ist eine andere als die französische der 1960er-und 1970er-Jahre, die in den „Feinen Unterschieden“ nach allen Regeln der soziologischen Kunst auf ihre geheimen Machterhaltungsstrategien hin durchleuchtet wird. Die Trennmauer zwischen „legitimer“ Hochkultur und der einst von oben naseberümpften populären Kultur ist porös geworden. Das Bewertungsmonopol hat heute keine soziale Schicht, kein Experte mehr inne. Der traditionelle Bildungskanon hat drastisch an Verbindlichkeit eingebüßt. Ehedem Hochkulturelles wird heute umstandslos popularisiert, durch Hobbytenöre beispielsweise, die in Castingshows Verdi-Arien schmettern. „Populäres“, das in Seriengestalt auf Netflix läuft, wird zum Gegenstand intellektueller und akademischer Betrachtungen. Der Lebensstil der mittleren Schichten ist selbstbewusster und selbstbezüglicher geworden. Street-Credibility gilt als schick. Ganz generell hat Bourdieus Grenzziehung zwischen den gesellschaftlichen Klassen an Bedeutung verloren. Nicht etwa, weil Ungleichheiten seither verschwunden wären. Allerdings verlaufen sie heute entlang anderer Trennlinien. Verantwortlich für diese Frontverschiebung sind etliche Ereignisse und Effekte, die sich pauschal unter dem Stichwort „Globalisierung“ zusammenfassen lassen. Dennoch wäre nichts falscher, als Bourdieu in die Mottenkiste der Theorie zu stecken. Nach dem Schriftsteller Didier Eribon, der seine autobiogra sche Analyse „Rückkehr nach Reims“ (2009) in die Tradition seines Lehrers Bourdieu stellt, hat unlängst auch die Soziologin Cornelia Koppetsch nachgezogen. In ihrem Buch „Gesellschaft des Zorns“ (transcript, 2019) befasst sie sich mit dem Phänomen des grassierenden Rechtspopulismus. So diagnostiziert Koppetsch einen Klassenkampf, allerdings keinen, der sich primär zwischen Arm und Reich abspielt. Es geht um den neuen Klassenkampf zwischen „liberalen Kosmopoliten“ und selbst ernannten oder tatsächlichen Globalisierungsverlierern. Zu Letzteren zählt beispielsweise der Familienvater, der mit der Entwertung des traditionellen Männlichkeitsideals nicht klarkommt, der Hölderlin-Experte, der seinen Prestigeverlust im globalisierten Wissenschaftsbetrieb betrauert, oder die Ostdeutsche, die ihre Biogra e entwertet sieht. Der Kampf zwischen liberal-weltoffenen und rechten Protest- und Überzeugungswählern ist – hier schließt Koppetsch explizit an Bourdieus Habitusbegriff an – immer auch ein Kampf um die Aufwertung des eigenen Lebensstils, um Deutungsmonopole, um kulturelles und symbolisches Kapital. Selbstverständlich geht es auch um ökonomische Verteilungskämpfe, aber eben nicht ausschließlich. Damit wird der beliebte Erklärungstrend entkräftet, dem zufolge AfD, Trump und Co. nur deshalb so erfolgreich seien, weil sie sich als „Anwälte des kleinen Mannes“ für jene einsetzen würden, die seit der Flüchtlingskrise unter massiver Elendskonkurrenz zu leiden hätten.

Ich fand den Text interessant, weil er einige Ideen von Bourdieu noch einmal zusammenfasst und auch auf die „Aktuelle Lage“ übertragen möchte.

Die Ideen selbst – alles als Kampf um Macht anzusehen ist ein sehr einfaches Bild, welches für mich wenig überzeugend ist. Sicherlich haben Menschen ein Interesse an Macht, aber sie führen es nicht per se als Gruppenkampf und sie haben auch an vielen andern Dingen noch Interesse, die dabei unter den Tisch fallen

Was auch nicht beachtet wird ist natürlich die menschliche Natur.

Vergleiche auch:

26 Gedanken zu “Pierre Bordieu, der Kampf um Macht und Habitus

  1. Gut, beim Habitus-Konzept von Bourdieu muss beachtet werden, dass es ein rein soziologisches Konzept bzw. Konstrukt ist und somit eben schon mal reduktionistisch, zumal es eben insbesondere ontogenetische, phylogenetische, idiosynkratische bzw. intrapersonale Prozesse einfach mal negiert bzw. ausgeklammert und somit kann er die unterschiedlichen Präferenzen von Menschen innerhalb eines sozialen Milieus mit seinem Konzept nicht mehr erklären oder Konvergenzen/Gemeinsamkeiten zwischen Akteuren in unterschiedlichen sozialen Milieus etc. Er hat ja das sicherlich auch schnell bemerkt und dann das Habitus-Konzept so ausgestaltet, dass es ja nur noch die Grenzen aufzeigt, innerhalb sich eine soziale Position quasi deterministisch auswirkt. Nur denke ich mir, auch hier ist die Sache komplexer und zu undifferenziert.
    Das Gleiche gilt auch für den Machtbegriff. Bourdieu muss dann quasi seinen Machtbegriff so ausweiten, dass quasi jegliche Alltagshandlung unter Macht subsumiert wird, sodass der Machtbegriff quasi entleert wird. Wenn natürlich Anerkennung, Selbstwert, Selbstzweifel, Zugehörigkeit, sich wohlfühlen, geliebt zu werden etc. auch unter Macht subsumiert wird, dann ist wirklich fast alles nur noch Macht. Also der Machtbegriff wird m.E. bei Bourdieu viel zu fest ausgeweitet, sodass er quasi überhaupt keinen Wesenskern mehr hat und gleichsam alles hyperinflationär zur Macht wird.

    • @mark

      Ja, ich finde das Konzept auch nicht sehr gelungen. Irgendwie scheint es ja nur die reinen Machttheorien zu geben, die zu stark vereinfachen, und dann die Systemtheorien, die für alles eine Unterkategorie haben (wenn ich das richtig verstehe).
      Ist aber auch verständlich: Das verbindende ist eben die evolutionäre Geschichte des Menschen. Nichts in der Biologie (und damit beim Menschen) macht Sinn außer im Lichte der Evolution.

      • @Christian:

        »Nichts in der Biologie (und damit beim Menschen) macht Sinn außer im Lichte der Evolution.«

        Der Satz ist natürlich so allgemein formuliert, dass man auch nicht viel damit anfangen kann. Zur Frage, wie Biologie und Kultur beim Menschen zusammenwirken, gibt es inzwischen ein neues Hauptwerk von Michael Tomasello, Becoming Human, auf Deutsch geplant für Mai 2020 als Mensch werden. Hab aber noch keine Zeit gehabt, das zu lesen.

        Das Versprechen des Klappentextes lautet jedenfalls: »Mit seiner radikalen Neubewertung der Ontogenese zeigt Tomasello, wie die Biologie die Bedingungen schafft, unter denen die Kultur ihre Arbeit verrichtet.«

  2. Die Autorin schreibt übrigens auch für den Cicero – das ist mal grundsätzlich positiv. Allerdings schreibt sie da über Handtaschen – hätte sie mal dabei bleiben sollen; die „Schlüsse“ sind schon sehr gewagt, freundlich ausgedrückt.
    Das schöne, aber, an den bekloppten französischen Philosophen ist immer, dass sie halt nicht gänzlich doof waren, nur zu zugedrogt. Wenn man das nämlich zuende denkt, hätten wir „Germany’s Next Bundeskanzler“, moderiert von Dieter Bohlen. Ist das jetzt eine gute oder eine schlechte Idee? Kann ich bitte noch eine Kiste Wein haben?

  3. „wäre nichts falscher, als Bourdieu in die Mottenkiste der Theorie zu stecken.“

    Genau das gehört er hin: in die Mottenkiste des Kommunismus. *Plonk*

    Das eingebildete, arrogante Geschwurbel mit den „liberalen Kosmopoliten“ kann man auch nicht mehr ertragen.

    • 1. Die „liberalen Kosmopoliten“ sind keine Erfindung von Bourdieu sondern von Cornelia Koppetsch.

      2. Das „Geschwurbel“, das du von Danisch geklaut hast, dienen ihm und dir zur (allerdings ahnungslosen) Abgrenzung von dem, was Danisch und du nicht für „Geschwurbel“ haltet.

      Du betreibst damit a. eine Abwertung und b. eine Abgrenzung gegenüber allen, die sich mit dem – aus deiner Sicht – minderwertigen „Geschwurbel“ befassen.
      Während du dich damit c. gleichzeitig als höherwertig charakterisierst, denn du beschäftigst dich d. mit höherwertigen Dingen, die per Definition kein „Geschwurbel“ sind.

      Genau diese Mechanismen und solche Aussagen hat Bourdieu wissenschaftlich untersucht.

    • Einen Punkt würde ich Alex oben zugestehen – sofern er diesen im Sinn hatte. Bourdieu hat sich gegen Ende seiner Laufbahn mehr und mehr in Richtung auf sozialen Aktivismus hin bewegt. Damit hat er sich und seinen Theorieansätzen keinen guten Dienst erwiesen.

      Psychologisch würde ich Bourdieus späte Entwicklung deuten als eine Reaktion auf seine zunehmende theoretische Inproduktivität oder Impotenz – eine simple Konsequenz seines Alters: Alte Männer erfinden keine neuen Dinge mehr. Dennoch wollte er weiterhin relevant bleiben, brisant, weiter „hot“. Psychologisch verständlich, aber dennoch traurig: der Abstieg zum Ruhm.

      • @Jochen Schmidt:

        Ich spekuliere jetzt mal nicht über psychologische Hintergründe, aber ich habe ja selbst schon mal angemerkt, dass ich Bourdieus Habitus-Thorie dort für am schwächsten halte, wo er einen »männlichen Habitus« und eine »männliche Herrschaft« zu identifizieren sucht – im Grunde fällt er da hinter Differenzierungen zurück, die er in (unter anderem) den Feinen Unterschieden selber schon gezogen hatte: dass man nämlich die Geschlechterkategorie gar nicht anwenden kann, ohne sie zur Klassenkategorie in Beziehung zu setzen.

  4. Ein wesentlicher (und einfacher) Grundgedanke von Bourdieu ist, dass Klassenkämpfe nicht nur im Bereich der Ökonomie und Politik stattfinden, sondern auch auf dem Gebiet der Kultur, weil (a) Wohlstand zur Schau gestellt wird und (b) Bildung in moralische Hierarchien übersetzt wird. »Habitus« bezeichnet nicht mehr als die Art und Weise, wie Menschen Wohlstand und Bildung symbolisch verkörpern und ggf. moralisch aufladen und auf diese Weise miteinander in Statuskonkurrenz treten.

    Wie treffend das Modell ist, können wir beispielsweise sehr schön an der moralischen Auf- und Überladung alternativer Lebensstile sehen, mit der sich (zum Beispiel) Prenzelberger Latte-Macchiato-Familien für etwas besseres halten als die Zielgruppen des »Unterschichten-Fernsehens«. Oder an dem Standesdünkel, mit dem sich bildungsgesättigte Angehörige der Akademikerklasse für etwas Besseres halten als mittelständische Unternehmer.

    Für unser Verständnis davon, wie eine solche moderne »Moralökonomie« funktioniert, hat Bourdieu Pionierarbeit geleistet.

    Ansonsten reagiere ich auf die allfälligen Bemühungen, mal wieder einem Soziologen Tiernamen zu geben, mit einem ausgedehnten, herzhaften Gähnen …

    • Natürlich hast du recht, dass das Lesen Bourdieus das Verständnis des äffischen Sozialverhaltens der Menschen erleichtert. Aber er tut so, als ob es das ewige Schicksal der Menschen wäre, ohne dass irgendwelche Schönheitsideale oder Ideale überhaupt erreichbar oder auch nur erstrebenswert wären. Das finde ich geradezu unmenschlich. Man muss dem Menschen zubilligen, dass er das Gute, Wahre, Schöne, Blah auch wirlich aufrichtig mögen kann und danach strebt, auch wenn noch so merkwürdige Ideale dabei rauskommen, die diese ursprüngliche Idee zur Unkenntlichkeit karrikieren. Der Hut von Jackie Kennedy oder Lady Di zu einem gewissen Moment, kann natürlich kein Massstab aller Dinge sein. Aber eine Kritik eines mutmasslichen Ästhetizismus bei der Bewertung dieser Moden kann weiterhelfen! Habe ich schmerzlich vermisst, als eine Michelle Obama zur Modeikone hochgejazzt wurde, zB.

      • @Alex:

        Wie crumar soeben anmerkte, hat sich Bourdieu für den empirischen Tatbestand interessiert, dass soziale Milieus ihre Ideale des Wahren, Schönen und Guten faktisch in Distinktionskämpfe investieren, sie also außerhalb ihres ideellen Werts und Gehalts zum Einsatz bringen. Die Menschen tun das, bevor es zum Bestandteil einer soziologischen Theorie wird.

        Wenn Du nun meinst, dass diese Theorie in anderen Hinsichten defizitär ist, hast Du vermutlich recht – Pro-Tipp: lies einen anderen Theoretiker. Aber wer immer das auch ist: lies ihn zusätzlich, nicht stattdessen! Bourdieu war so kreativ, wie er es vermochte, weil er sich auf die Werke von Marx, Weber und Lévi-Strauss (um nur die wichtigsten zu nennen) gleichermaßen gestützt hat.

        Schlechte Theorie entsteht vorzugsweise dann, wenn der akademische Nachwuchs sich einen bestimmten Lehrer zur Guru erwählt und dann bloß seinen Jargon kopiert, anstatt selbständig weiterzudenken.

        • Zum Verständlichmachung gesellschaftlicher Strukturen ist das natürlich ok, man muss das Prinzip verstehen und dann weiterdenken. Diese stratifizierte französische Gesellschaft war bestimmt kein Pappenstiel und wir haben heute keine Vorstellung mehr davon, wie vorgefertigt die zu funktionieren pflegte. Insofern ist das auch historisch zu sehen, die Linse, mit der Bordieu die Gesellschaft erfasst hat. Insofern hat das einen sehr grossen Wert!

  5. Ich möchte zunächst betonen, Bourdieus Theorie ist nicht vom Himmel gefallen, sondern Resultat seiner empirischen Sozialforschung zu seiner Zeit. Bevor man eine Theorie sozialer Unterschiede des Geschmacks entwirft, sollte man untersuchen, inwiefern und wo diese existieren. In „Die feinen Unterschiede“ geht er diesen bis zur Frage nach, inwiefern sich dies im Konsum des Frühstücks niederschlägt (tut es), welche Lieblingsmusik, welche -gemälde, Kleidung usw. usf. – das alles wurde erfragt.

    Zu sagen: „Die Gesellschaft heute ist eine andere als die französische der 1960er-und 1970er-Jahre, die in den „Feinen Unterschieden“ nach allen Regeln der soziologischen Kunst auf ihre geheimen Machterhaltungsstrategien hin durchleuchtet wird.“ ist daher eine Binsenweisheit.
    Die Notwendigkeit, die Theorie weiterzuentwickeln, ergibt sich aus der Art und Weise wie sie entstanden ist und alleine wie hier „Theorie“ verhandelt wird, lässt tief blicken.

    Der nächste Satz ist notwendig falsch: „Das Bewertungsmonopol hat heute keine soziale Schicht, kein Experte mehr inne. Der traditionelle Bildungskanon hat drastisch an Verbindlichkeit eingebüßt.“
    Dass der traditionelle Bildungskanon an Verbindlichkeit eingebüßt hat, ist ebenfalls von einer sozialen Schicht durchgesetzt worden.
    Die nicht etwa „Bildungskanon“ an sich abgeschafft hat, sondern ihren an die Stelle des alten gesetzt hat.

    Dass es bspw. ein „weißes Privileg“ gibt, das „Patriarchat“, sich alles in Verhältnissen von „Dominanz“ und „Unterdrückung“ ausdrückt und zu analysieren ist, IST der neue Bildungskanon.
    Man muss heute nur eine Filmkritik in der „New York Times“ lesen, um zu begreifen, dass der Anspruch auf das „Bewertungsmonopol“ – oder meinetwegen die „Deutungshoheit“ – in kulturellen Fragen/Fragen des Geschmacks ungebrochen existiert.

    Nur muss man heute keine Ahnung mehr von Drehbuch, Schnitt, Ton usw. haben, sondern die Qualität des Films bemisst sich daran, ob die Besetzung „divers“ genug ist oder „repräsentativ“ für die Bevölkerung.
    Es handelt sich um nichts anderes, als eigene Bewertungsmaßstäbe durchzusetzen (die mit dem kritisierten Gegenstand nichts zu tun haben – das ist das eigentliche Kunststück).

    • Nachtrag und zur Evolution der sozialen Unterschiede:
      Wer Kenntnis von den gesellschaftlichen Verhältnissen in den USA hat wird feststellen, die soziale Mobilität hat in den letzten drei Jahrzehnten drastisch abgenommen und die Grenzen zwischen den sozialen Schichten sind undurchlässiger geworden.
      Der soziale Aufstieg eines Bourdieu wäre in diesen Verhältnissen unwahrscheinlicher; er hat sich mit Fleiß und kreativer Aneignung von Wissen nach oben gearbeitet.
      Klassisch „sozialer Aufstieg durch Bildung“.

      Nun zur Herkunft des Begriffs des „weißen Privilegs“: https://nationalseedproject.org/Key-SEED-Texts/white-privilege-unpacking-the-invisible-knapsack
      Es sind erbärmliche 7 DIN A4 Seiten anekdotischer Evidenz.
      Keine dahinter stehende Theorie, keine Forschung, keine Empirie – nada.
      Es ist wissenschaftlich wertloser Unsinn.
      Die logischerweise ausklammert, aus welchen privilegierten sozialen Verhältnissen die Autorin stammt.
      Dazu hier: https://quillette.com/2018/08/29/unpacking-peggy-mcintoshs-knapsack/

      Bourdieus „Die feinen Unterschiede“ – als Text – umfasst hingegen 783 (eng gesetzte) Seiten, es folgen weitere 80 Seite zur Methode, dem Fragebogen und den statistischen Daten.
      Wenn beide Konzepte – also das des „weißen Privilegs“ und das des „Habitus“ – vor diesem Hintergrund gleich viel wert sind, dann entwertet sich das Wissen und die Anstrengung Bourdieus radikal.

      Spank my ass and call me Peggy McIntosh, aber ist es nicht ein merkwürdiger Zufall, dass soziale Herkunft für die Bildung eine größere Rolle spielt, hingegen Bildung als Mittel des sozialen Aufstiegs eine geringere?
      Es ist irrelevant, welchen inhaltlichen Beitrag man in welchem Umfang zur Wissenschaft leistet, wichtig ist die soziale Herkunft, das Geschlecht, ggf. die Hautfarbe, das moralische Bekenntnis und der (politische) Jargon – welcher wiederum charakteristisch ist für die soziale Herkunft.

      Sie haben m.E. nicht nur den „traditionellen Bildungskanon“ geschliffen, sondern Bildung an sich entwertet und leugnen (Kompetenz-) Hierarchien aus gutem Grund – weil es ihnen die lästige Konkurrenz (aus den unteren Schichten) vom Hals schafft.

        • Ja, ist er!
          Erst auf dessen Grundlage hatte ich mir den Text von Peggy M. ausgedruckt und dachte, jetzt würde mein Drucker aber wirklich etwas zu tun haben.
          Kannst du dir mein Gesicht vorstellen, als ich diese kümmerlichen sieben (7) Seiten entdeckte?
          Gleiches Spiel mit Kimberle Crenshaws „Demarginalizing the Intersection of Race and Sex“.
          Ich hatte gedacht, ich erhalte etwas in der Größenordnung einer Diplom-Arbeit oder Dissertation – es sind 28 Seiten eines Artikels im Buchformat, auf DIN A4 gebracht.

    • Ich greife hier mal einen der angesprochenen Aspekte auf: soziale Mobilität.

      Wir hätten somit eine Verhinderung von sozialem Aufstieg durch die folgenden Mittel:

      – Entwertung von Mitteln, mit denen früher sozialer Aufstieg bewerkstelligt werden konnte. Hier crumars Beispiel oben: die Bildung und der Bildungskanon, über die / den früher der soziale Aufstieg erreicht wurde (2. Bildungsweg u. dgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Bildungsweg ), aber auch Entwertung von Arbeit und von Arbeitstugenden (Fleiß, Pflichtbewusstsein usw.).

      – Entwertung und Behinderung jenes Geschlechts, das herkömmlicherweise den sozialen Aufstieg aus eigener Kraft bewältigt: Männer. Sozial niedere Frauen steigen mittels sozial höher stehender Männer auf (Heirat nach oben u. dgl.) – Männer steigen in der Regel selbständig auf.

      – Entwertung und Behinderung jener ethnischen Gruppen, die für den sozialen Aufstieg vergleichsweise gut geeignet sind (Asiaten, Weiße, …).

      – Aufwertung und Förderung von ethnischen Gruppen, die für den sozialen Aufstieg vergleichsweise schlecht geeignet sind, so dass deren Mitglieder nun Funktionsstellen in der Gesellschaft besetzen, die dann für den Aufstieg besser geeigneter Leute nicht mehr zur Verfügung stehen („diskriminierte“ und „marginalisierte“ Ethnien).

      Ja, ist das nun ein Marshallplan oder eine Verschwörungstheorie? Hauptsache, es funktioniert.

      Unten. Die ist unten.
      Zurecht.
      Und das hat mit Zufall nix zu tun.
      Oder Pech.

      Oben, und das wissen auch die Vögel,
      Fliegt sich’s einfach viel entspannter.
      Oben, das sagen alle, die mal dort waren,
      Laufen die Dinge von selbst.

      • Ok, für D zuerst: Die Entwertung der formalen Qualifikation, also Abitur und Studium, läuft seit 30 Jahren durch Vermassung, die man natürlich auch als Demokratisierung sehen kann.
        Nur ist seit der ersten PISA-Studie klar, die soziale Herkunft hat noch immer großen Einfluss auf Bildungschancen und wir wissen, Jungen werden in der Schule systematisch schlechter bewertet.
        Indem sie bei besseren Leistungen gleich und bei gleichen Leistungen schlechter bewertet werden.

        Intersektional gedacht haben Töchter aus den Mittel- und Oberschichten (egal welcher Ethnie) die besten Chancen in ihrer Bildungslaufbahn und Jungs (egal welcher Ethnie) aus den Unterschichten die schlechtesten.

        Es gibt drei „Vorteile“, alles durch die Geschlechterbrille einer feministischen Läuterungsagenda zu sehen: 1. Die ungerechte Beurteilung der Jungen wird verkauft als nachträgliche Wiedergutmachung. D.h. Ungerechtigkeit ist Gerechtigkeit. 2. Die sozioökonomischen Verhältnisse, die tatsächliche Benachteiligungen erklären sind verschwunden. 3. „Indem sie bei besseren Leistungen gleich beurteilt“ werden bedeutet, es ist völlig egal, ob du als Junge (egal welcher Ethnie) aus den Unterschichten exzellente Leistungen erbringst, das „outcome“ ist identisch zu den Mädchen aus den Mittel- und Oberschichten (egal welcher Ethnie).

        Das ist der Kommunismus, bei dem jeder mit muss (bzw. insbesondere Frauen)! 😉
        Die offizielle Politik hieß „leave no child behind“, die tatsächliche Politik war: „leave no (rich) girl behind!“

        In den USA äußert sich die faktische Gleichmacherei als „grade inflation“ – wenn über die Hälfte aller Schüler sich zwischen A+ und B befinden ist nicht nur die Differenzierung nach Noten sinnlos, sondern es ist unmöglich geworden, sich mit exzellenten Leistungen zu differenzieren. Wenn ALLE mehr oder weniger exzellent sind, dann fällt dieses Kriterium aus. Und, oh wie überraschend: „The wealthier the high school, the higher the grades.“
        https://www.insidehighered.com/admissions/article/2018/09/24/new-study-shows-widespread-grade-inflation-high-schools

        D.h., da alle wissen, wie wertlos Noten sind, wird nun erst echt nach den Namen der Universitäten gefragt, auf denen die Abschlüsse getätigt worden sind. Und – Überraschung! – der Median der Noten in Harvard ist ein A.
        Ich gebe dir 1,234 Sekunden, um dir zu überlegen, welches Geschlecht welcher sozialen Herkunft damit begünstigt wird.

        Kommen wir nun zu einer These, die radikal falsch und feministisch extrem beliebt ist: „Entwertung und Behinderung jener ethnischen Gruppen, die für den sozialen Aufstieg vergleichsweise gut geeignet sind (Asiaten, Weiße, …).“

        Wenn „asian“ (bitte schaue auf die Landkarte) daran gehindert werden, gemäß ihren Testresultaten an die Elite-Universitäten aufgenommen zu werden, dann profitieren davon nicht die „blacks“ oder „hispanics“, sondern die „whites“
        Die tatsächlichen Konkurrentinnen der weißen Frauen sind nicht schwarze Frauen, deren „Repräsentavität“ sie fordern, sondern die asiatischen Frauen – die aber besser qualifiziert und besser sind.

        Geh zu Pew Research und schau dir spaßeshalber die ethnische Zusammensetzung des Managements im „health sector“ an und vergleiche dies mit den Klagen zur ethnischen Zusammensetzung des „tech sectors“. Der feministische Schwanz wedelt mit dem Hund.

      • In diesem Zusammenhang vielleicht von Interesse: James Brown, von 1969.

        Text: „I don’t want nobody
        To give me nothing
        Open up the door
        I’ll get it myself“

        Das ist die Einstellung, die es heute nicht mehr gibt. Alle wollen nur noch entschädigt werden für Diskriminierung.

      • @ crumar

        Ich hab‘ nicht alles verstanden. Du schreibst z. B.:

        „Kommen wir nun zu einer These, die radikal falsch und feministisch extrem beliebt ist: „Entwertung und Behinderung jener ethnischen Gruppen, die für den sozialen Aufstieg vergleichsweise gut geeignet sind (Asiaten, Weiße, …).““

        Welche „These“? Die Entwertung und Behinderung bestimmter Leute ist keine These, sondern eine Maßnahme, oben habe ich geschrieben „ein Mittel“ zu dem Zweck, sozialen Aufstieg zu verhindern.

        Und was heißt jetzt „falsch“? Dass diese Maßnahme verkehrt ist: also nicht zum gewünschten Ergebnis führt, oder dass sie irgendwelche schlimmen Nachteile mit sich bringt? Oder aber dass die These falsch ist, die Entwertung und Behinderung von Asiaten, Weißen, usw. sei ein Mittel, um sozialen Aufstieg zu verhindern?

        Betrachten wir mal das Beispiel, das Du im folgenden Absatz anführst: Asiaten und Weiße, die exzellente Leistungen erbringen, werden durch verschiedene Maßnahmen daran gehindert, an Elite-Universitäten aufgenommen zu werden. Eine dieser Maßnahmen ist „affirmative action“, die z. B. Bewerbern „diskriminierter“ oder „marginalisierter“ Gruppen zugute kommt. Wobei natürlich nicht alle exzellenten Asiaten, nicht alle exzellente Weiße gehindert werden, sondern eben nur etliche: die Zahl ihrer Bewilligungen zum Studium wird deutlich reduziert, aber nicht auf Null.

        Diese abgewiesenen Bewerber müssen den sozialen Aufstieg noch hinkriegen. Von den Maßnahmen profitieren die bereits angenommenen Studenten, welche den sozialen Aufstieg auch noch hinkriegen müssen, aber schon ein gutes Stück weiter sind als die abgewiesenen Bewerber. Zu diesen angenommenen Studenten zählen auch diverse Mitglieder „diskriminierter“ oder „marginalisierter“ Gruppen, deren Eignung für den sozialen Aufstieg aber im Durchschnitt weniger gut ist. Somit profitieren überwiegend weiße Studenten, auch wenn die noch nicht ganz oben angekommen sind.

        Soweit ich das sehe, stimmt diese Analyse mit Deinem Kommentar halbwegs überein. So, und jetzt könnte man einen logischen Einwand formulieren: „Wenn Du oben schreibst „Entwertung und Behinderung“ dann müssten sich die sozial hochstehenden Weißen ja selbst entwerten und behindern – aber das machen sie doch gar nicht!“ Nun, sehr vereinfacht gesprochen: die sozial hochstehenden Weißen betreiben Entwertung und Behinderung aller Weißen, aber so, dass sie selbst diese Entwertung und Behinderung leicht kompensieren können (weil sie als sozial Hochstehende über entsprechende Ressourcen verfügen) – wogegen die Entwertung und Behinderung der sozial niederen Weißen eben sehr wohl ins Gewicht fällt.

        Und ja, natürlich, die sozial hochstehenden Weißen versuchen auch nicht, jeden sozialen Aufstieg zu verhindern. Das schaffen sie gar nicht – sie wollen es aber auch gar nicht, weil sie ja noch andere Interessen haben, die sie teilweise mittels sozialer Aufsteiger verwirklichen. Insofern sind die Maßnahmen, die ich oben aufgelistet habe, immer „cum grano salis“ zu verstehen.

        Eine weitere Maßnahme habe ich übrigens vergessen:
        – Etablierung von Werten und Normen im öffentlichen Diskurs, die es erlauben, soziale Aufsteiger jederzeit ins soziale Aus zu manövrieren, weil die sich irgendwelcher Vergehen schuldig gemacht haben (z. B. haben sie geltend gemacht, dass es nur zwei Geschlechter gebe, oder sie haben darauf hingewiesen, dass Trans-Frauen keine echten Frauen seien).

        • „Betrachten wir mal das Beispiel, das Du im folgenden Absatz anführst: Asiaten und Weiße, die exzellente Leistungen erbringen, werden durch verschiedene Maßnahmen daran gehindert, an Elite-Universitäten aufgenommen zu werden. Eine dieser Maßnahmen ist „affirmative action“, die z. B. Bewerbern „diskriminierter“ oder „marginalisierter“ Gruppen zugute kommt.“

          Um auf Elite-Universitäten angenommen zu werden, ist nicht die Masse aller potentiell Studierenden interessant, sondern besonders diejenigen, die u.a. einen besonders gutes Ergebnis im SAT-Test hingelegt haben.
          Dabei wird geschaut, wer mehr als 1550-1590 Punkte (von aktuell 1600) erreicht hat. In dem Bereich tummeln sich „exzellente Leistungen“.

          Der Klassiker ist durchscheinen zu lassen, „affirmative action“ nehme irgendwem aus dieser Gruppe die Studienplätze weg, dem ist aber gar nicht so. Alle wissen, unter diesen Spitzenleistern werden proportional Weiße und überproportional asians vertreten sein.
          Ein Viertel alle Studienplätze entfällt auf diese Gruppe.
          Beschränke ich den Anteil der asians in der Auswahl aus dieser Gruppe, dann nützt das den Weißen – man kann das einfach so stehen lassen.
          Auch wenn man ein Anforderungsprofil aus der kompletten Gruppe der oberen 25% erstellen würde, welches für die nachfolgenden 50% heruntergerechnet wird, gilt das ebenso.
          Wobei Asien ein ganzer Kontinent ist (inkl. Indien).

          Nachher noch einmal etwas mehr zum Thema

  6. wirr

    erst ist die citychickeria als übergrifflich authoritär abschottend beschrieben
    nur um mit ihr als die
    liberalen weltoffenen
    zu enden

    sehr wirr

  7. @crumar
    Das mit dem „Kosmopoliten“ oder „Weltbürger“ ist ein alter Hut, ein modernistischer Mythos aus der Zeit als der technische Fortschritt noch den Anspruch auf Weltgeltung hatte. Ein schöner Ausdruck des allgemeinen Universalismus. Eine ziemliche Frarce, was heute draus wurde.
    „Geschwurbel“ habe ich aufgeschnappt und zu meinem Wortschatz addiert, als es um Kritik an dem Verbreiter der 9-11-Verschwörungstheorie in D, Bröckers, ging, vor fast 20 Jahren.

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