Fake Studie: Weibliche Influenza viral benachteiligt auf Instagram

Ein Gastbeitrag von Crumar

Die Schlagzeile am 20.1.20 auf Meedia (1):

„Frauen im Nachteil: Männliche Influencer verdienen deutlich mehr auf Instagram“,

Deutschlandfunk

„Auch Influencerinnen verdienen offenbar deutlich weniger Geld als Influencer“,

Tagesspiegel

„Männliche Influencer verdienen deutlich mehr auf Instagram“.

Die Nachricht machte die Runde bei den üblichen Verdächtigen und ich erlaubte mir am 23.1., einen Kommentar auf meedia.de zu verfassen. Er wurde nicht veröffentlicht, ich hatte ihn nicht kopiert; deshalb hier nicht der tatsächliche Wortlaut, sondern sinngemäß.

Der Artikel auf Meedia endete mit der uns bekannten Aussage: „Der unbereinigte Gender Pay Gap in der “realen” Arbeitswelt liegt in Deutschland bei 21 Prozent. Bereinigt, das heißt unter Berücksichtigung von Umfang der Beschäftigung, die Verteilung auf unterschiedliche Branchen und Berufsgruppen sowie Ausbildung, Berufserfahrung und Position, beträgt der Unterschied noch sechs Prozent.“

Wobei die Aussage von Destatis  unterschlagen wird, „dass der ermittelte Wert eine
Obergrenze (!!!) ist“ und „weitere Informationen über lohnrelevante Einflussfaktoren für die Analysen“ einfach nicht zur Verfügung standen.
Auch dass „die Wirtschaftsabschnitte „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“, „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung“, „Private Haushalte mit Hauspersonal“ und „Exterritoriale Organisationen und Körperschaften“ sowie Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten“ von dieser Analyse ausgenommen worden sind steht natürlich nicht da. Und war auch nicht zu erwarten.

Die schwach ausgeprägten Kenntnisse von Journalisten in Sachen Statistik erkennt man daran, es kann ihnen jeder Blödsinn kritiklos auf die Nase gebunden werden.

Es muss nur den eigenen Glauben bestätigen.

Denn was heißt es eigentlich, den „Gender Pay Gap“ zu „bereinigen“? Wiederum Destatis:

„Hier wird jener Teil des Verdienstunterschieds herausgerechnet, der auf strukturelle Unterschiede zwischen den Geschlechtergruppen zurückzuführen ist, wie Unterschiede bei Berufen, Beschäftigungsumfang, Bildungsstand, Berufserfahrung oder der geringere Anteil von Frauen in Führungspositionen.“

Lassen wir das Wieselwort „Struktur“ beiseite, haben „Berufe“, „Berufserfahrung“ usw.
überhaupt nichts mit dem Geschlecht zu tun. „Berufserfahrung“ haben Frauen und Männer weniger oder mehr, wenn ich einen frauentypischen Beruf ergreife, ist damit nicht gesagt, ich verdiene auf der Basis meines Geschlechts mehr oder Frauen verdienten weniger in einem männertypischen.
Dass 6% – als Obergrenze – der 21% Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen etwas mit dem Geschlecht zu tun haben, heißt anders herum 15% von 21% haben es nicht. Prozentual ausgedrückt: 71,5% des „Gender Pay Gaps“ haben nichts mit dem Gender zu tun.

Meine Frage demzufolge: Ist eine „Fleischwurst“, die zu 71,5% KEIN Fleisch enthält eine „Fleischwurst“?
Die „Bereinigung“ des „Gender Pay Gap“ heißt nichts anderes, als den Begriff „Gender Pay Gap“ zu retten, gegen den jeder Verbraucherverband Sturm laufen würde, ginge es die „Fleischwurst“.

Zurück zur Studie, die auf Meedia so angerissen wird: „Männer verdienen im Durchschnitt sieben Prozent mehr für einen Post auf Instagram als ihre weiblichen Pendants. So stehen 1.411 US-Dollar im Vergleich zu 1.315 US-Dollar. Das ist das Ergebnis einer Studie der Influencer-Analytics-Firma Hype Auditor.“

Zu diesem Zweck wurden: „Bei der Studie (…) 1.600 Influencer aus mehr als 40 Ländern befragt.“
Klickt man auf den Link zur Studie  und scrollt, fällt auf, es wird detailliert über die Resultate der Studie informiert – „HypeAuditor defined the average prices for four types of advertising formats: a regular post; a story; one story and a post; one post, one story and an Instagram video (up to 1 minute).“ die Beträge werden in Dollar ausgewiesen und diese den Geschlechtern zugeordnet.
Kleiner Schönheitsfehler: Dort steht nicht nicht, wie die Resultate zustande gekommen sind. Zwar wird geschrieben: „HypeAuditor has conducted a survey (Umfrage) among 1600 influencers from over 40 countries“ und diese setzten sich zusammen aus „4 Tiers“: „Mega- influencers & Celebrities (over 1M followers); Macro-influencers (100K – 1M followers); Mid-tier influencers (20K-100K followers); Micro influencers (5K-20K followers)“.

Sie haben für eine Umfrage also 1600 Menschen angeschrieben – wie viele haben
geantwortet?

Keine Angabe.

Die Anzahl derjenigen, die tatsächlich vollständig an der Umfrage teilnahmen?

Keine Angabe.

Wie verteilt sich die Anzahl auf die Geschlechter, die Länder und Tier?

Keine Angabe.

Sie behaupten:

„According to HypeAuditor data, there are 50,5% of female creators in the world and 49,5% of creators are men.“

Aber:

„Overall, women account for 69% of the respondents of the survey and men – for 31%.“

Was die Studie in diesem Zustand nicht einmal repräsentativ für den Gegenstand der
Untersuchung macht.
Die zweifelhafteste Vorannahme ist jedoch, in allen 40 Ländern gäbe es

  • a) die gleichen „Werbepartner“, die zudem
  • b. identisch bezahlen und
  • die Vereinheitlichung der Verdienste in Dollar c. sei angemessen (siehe Kaufkraft) und demzufolge vergleichbar.

Zusammengefasst haben wir also 1. keine Ahnung, wer an dieser Studie teilgenommen hat. Weder wissen wir a. die Anzahl der Teilnehmer, noch die Zusammensetzung nach b. Land oder c. Tier. Aber immerhin, die 2. Zusammensetzung nach Geschlecht ist nicht repräsentativ. Wir haben 3. keine Ahnung, ob die Verdienstmöglichkeiten in den verschiedenen Ländern 4. überhaupt auf Dollarbasis vergleichbar sind.
Diese Studie glänzt vor allem durch offensichtliche Mängel und mangelnde Vergleichbarkeit. Nur im La-la-Land unseres Journalismus lässt sich ganz klar schließen, dass Frauen auf Instagram benachteiligt sind. Wegen „Studie“.
Die Recherche zum tatsächlichen Gehalt dieser Studie hat mich 5 Minuten gekostet, diesen Beitrag zu verfassen natürlich länger. Das ist aber nicht mein Job, das sollten Journalisten tun. Der Bedarf an „Journalistendarstellern“ wird m.E. überschätzt.

 

Selbermach Samstag 274 (25.01.2020)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

„Was haben die Deutschen nur dagegen, dass man sie Kartoffel nennt?“

Im Spiegel erschien ein Artikel zur „Kartoffelproblematik“ und er enthält die klassische intersektionale/identitätspolitische  Argumentation, weswegen ich ihn für eine Besprechung interessant finde:

„Immer dieses ihr und wir, muss man das so betonen?“ Diesen Satz höre ich in letzter Zeit oft – interessanterweise von weißen Deutschen, nachdem ich sie als „weiße Deutsche“ bezeichnet habe. „Hautfarbe und Herkunft spielen für mich keine Rolle“, erklären sie. Guter Punkt. Nur warum fällt ihnen das nicht ein, wenn sie Leute mit Zuschreibungen wie „Russlanddeutsche“ oder „Deutschtürken“ versehen? Wer diese Begriffe verwendet, müsste sich selbst konsequenterweise auch als Deutschdeutsche(r) bezeichnen. Aber die meisten finden, sie selbst seien einfach nur Deutsche.

Da ist erst einmal das typische Unbehagen, wenn „Privilegierte“ meinen, dass sie der „Normalfall“ sind. Wie schon bei Cis und Trans kann das in den intersektionalen Theorien nicht ertragen werden.

Dabei ist es ein sehr weit verbreitetes Phänomen. Wer etwa als (weißer) Deutscher nach Namibia ausreist wird selbst dann, wenn er inzwischen die namibianische Staatsbürgerschaft angenommen hat, immer „der Deutsche“ sein. Und nicht „der Namibianer“. Und Und man wird von den Nambianern auch nicht erwarten, dass sie von sich als den „schwarzen Nambianern“ sprechen.

Das Konzept, dass ein Zusatz etwas erklärt, eine Zusatzinformation bereitstellt, und das nicht notwendig ist, wenn es schon der Standard ist, dass wird man in den Theorien wohl nie verstehen.

Offenbar tun sich viele Germanennachfahren schwer damit, eine Fremdzuschreibung für ihre eigene Gruppe anzunehmen – etwas, das „ausländischen Mitbürgern“, „Migranten“ und „Personen mit Migrationshintergrund“ am laufenden Band zugemutet wird. Die Anderen werden ständig nach Wurzeln, Religionen und Stämmen sortiert. Aber wenn Deutsche ohne Migrationshintergrund in eine Gruppe eingeordnet werden, reagieren viele empfindlich. Sehr empfindlich sogar.

Auch da passt das Beispiel eigentlich nicht, denn Russlanddeutscher und Deutschtürke sind ja durchaus nicht lediglich Fremdbezeichnungen. Viele mit solchen Hintergrund sehen das ja gerade als wichtigen Teil ihrer Identität, leben eben in einer Mischung beider Kulturen, mit aller Zerrissenheit und Abgrenzung, die das mit sich bringen kann.

Aber was eigentlich der wichtigere Unterschied ist, dass hier wieder nur in Gruppen gedacht wird.

Wenn bestimmte Deutsche von Russlanddeutschen oder von Deutschtürken sprechen, dann spricht nicht jeder davon und kann sich damit auch genauso dagegen verwehren, dass andere ihn mit einer nicht gewünschten Fremdbezeichnung ansprechen. Genauso wie Deutscher mit russischen oder türkischen Familienhintergrund sich dagegen verwehren kann, kann es eben auch ein Deutscher.

Aber in Identitätspolitiken denkt man eben nicht auf das Individuum bezogen. Man denkt in „Machtstrukturen“ und da ist der Alman oder die Kartoffel eben der mit Macht und dagegen muss man kämpfen, ihn abwerten, verächtlich werden, weil das dann die Lage schlagartig besser für alle macht.
Immerhin, das dann ohne Sarkasmus, macht es die Lage vielleicht besser für den, der mit solchen Bezeichnungen provozieren kann, um so mehr, wenn der andere sich nicht wehren darf. Dann kann man sich groß fühlen, als Kämpfer für die gerechte Sache. Narzissmus eben.

„Ich will nicht als weiße Deutsche bezeichnet werden, das ist auch Rassismus“, schreiben mir Leute auf Twitter. Das ist inhaltlich Quatsch und relativiert strukturelle Benachteiligung. Aber selbst Zeitgenossen, die sich als weltoffen und liberal sehen, mutieren mitunter zu dünnhäutigen Emodeutschen, wenn sie als Weiße*rAlman oder Kartoffel bezeichnet werden. Erstaunlich viele werten das als beleidigende Diskriminierung. Warum nur?

Natürlich ist eine Form des Rassismus jemanden auf seine Hautfarbe zu reduzieren und deutlich zu machen, dass man diese Gruppe nach Hautfarbe meint abwerten zu können.

Wenn das jemand in einem Zeitungsartikel kann, aber ein Deutscher nicht schreiben könnte, dass die Autorin sich mal nicht so anstellen sollte, wenn er sie als Kanakin bezeichnet, dann ist Macht auch so eine Sache und strukturelle Benachteiligung auch.

Das Ferda Ataman aus ihrer gehobenen sozialen Stellung (sie ist Referentin für NRW-Integrationsminister Armin Laschet und war Referatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dazu Mitbegründerin und Ko-Vorsitzende des Vereins „Neue Deutsche Medienmacher) heraus meint, dass sie unterdrückt wird geht wohl auch eben nur in der intersektionalen Theorie.

An den Begriffen selbst kann es eigentlich nicht liegen. „Alman“ ist das türkische Wort für Deutsche*r und Kartoffel ein international beliebtes Gemüse. Nimmt man noch Biodeutsche und die altmodischen Krauts und Piefkes dazu, sind die Nachfahren der Teutonen vermutlich mit den harmlosesten und niedlichsten „Schimpfwörtern“ versehen, die ein Volk bekommen kann.

Wirklich? Ist ihr das Argument (welches man aber immer wieder hört) echt nicht selbst zu dumm? N*gger ist ja auch nur eine Beschreibung der Hautfarbe, Kanake bezeichnet nur den Angehöriger einer anderen, fremden Ethnie, historisch gesehen von den Ureinwohner der Südseeinseln hergeleitet, und das sind ja ganz feine Menschen, so dass es nicht beleidigend sein kann, Froschfresser kann nicht beleidigend sein, weil Froschschenkel eine Delikatesse sind und Itaka betont doch gerade die Kameradschaft, also die Verbundenheit. Kümeltürke verweist auch nur auf ein international beliebtes Gewürz und „Nafri“ ist eine Verkürzung von Nordafrikaner. Selbst Maximalpigmentierte ist nur eine Beschreibung der Haut und im Geschlechtlichen Bereich ist Fotze auch nur das allseits beliebte Sexualorgan.

Schließlich wären Zuschreibungen wie Spargelfresser, Leberwurst oder Weißbrot kulinarisch und semantisch genauso naheliegend. Oder politisch fieser und ironischer: Deutsche mit Nationalsozialismusgeschichte oder germanische Ureinwohner oder Monokulturdeutsche – in logischer Anlehnung an die Begriffe, die man den „Anderen“ gibt. Aber nach zwei Weltkriegen will vielleicht niemand mehr Deutsche provozieren. Jedenfalls: Harmloser kann man es mit Fremdzuschreibungen kaum treffen.

„Wir könnten euch auch noch viel schlimmere Nammen geben“ ist das ernsthaft ihr Argument? „Wir sind ja gar nicht richtig ausfallend, wir könnten schlimmer sein“.

Auf dem Diskussionsniveau von:

„Was regst du dich über die Backpfeife auf, ich hätte dir auch beide Beine brechen können“.

Mitunter will man eben eine Welt auch ohne Backpfeifen. Und warum auch nicht?

Trotzdem meldete sich vor zehn Jahren die damalige Familienministerin Kristina Schröder und erklärte, wenn nichtbiodeutsche Kinder andere Kinder auf dem Schulhof „deutsche Kartoffel“ nennen, sei das Deutschenfeindlichkeit und ein bundespolitisch ernst zu nehmendes Thema. Spätestens seit damals steht die Knolle unter einem diskursiven Diskriminierungsverdacht. Zu unrecht, wie ich finde. Natürlich ist es völlig inakzeptabel, wenn Kinder so gemobbt werden. Aber es werden auch Schüler*innen als „Jude“, „Türke“ oder „schwul“ beschimpft und wir schreiben die Begriffe nicht gleich ab.

Meine Fresse, es wird immer bescheuerter. Natürlich kann man Begriffe nicht abschaffen. Schon gar nicht auf einem Schulhof. Aber deswegen muss man sie zum einen nicht als vollkommen okay darstellen und zum anderen nicht in einem Artikel in einem der größten Magazine Deutschlands verteidigen.

In beiden Fällen sollte man vielmehr das Trennende zu reduzieren versuchen und das verbindende Stärken. Mit einer Freigabe errichtet man aber nur neue Gräben.

Außerdem geht es nur um Alltagssprache. Niemand würde in einem amtlichen Papier oder Parteiprogramm „Almanis“ schreiben oder bei der Polizei „kriminelle Kartoffel“ vermerken. Anders bei den Fremdzuschreibungen, die Millionen von Menschen ungefragt zu Nafris, Flücht-„lingen“, Migranten  oder Muslimen erklären: sie sind oft amtlich und finden sich in Studien, Statistiken und den Medien wieder.

Da kann es ja auch sehr sinnvoll sein und da wäre in einigen Fällen die Unterscheidung zwischen Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund ja auch durchaus interessant. Aber das ist doch gar nicht das Problem um das es geht. Man scheibt in die Studien und Statistiken ja eben gerade nicht „N*ggerdeutsche“ oder „Deutsche mit Kümeltürkenhintergrund“.

Ich würde auch gern anmerken, dass ich Deutsche kenne, die sich selbst als Kartoffel oder Alman bezeichnen.

Klar, in den intersektionalen Theorien  muss man ja auch seine Schuld anerkennen und wer das machen will, der kann das machen.

 

Nicht nur privat, auch öffentlich, wie Sina und Marius vom extrem beliebten Instagram-Account „Alman Memes“ oder im aktuellen Werbespot von Edeka „Mach auch du Geschäfte mit Kartoffeln“, der für Ausbildungsplätze wirbt. Manche nennen sich doch selber so – dieses Argument kommt oft in Debatten über das N-Wort oder die „Zigeunersoße“. Aber es geht hier nicht darum, wie man sich selbst bezeichnet, sondern um Fremdzuschreibungen.

Eben.

Und wer schon ein Nachtschattengewächs als kränkende Zuschreibung empfindet, müsste eigentlich sofort verstehen, dass bei kolonialgeschichtlichen und anderen historischen Schimpfwörtern eine rote Linie überschritten wird. Trotzdem sind bei Kartoffel und Alman vor allem diejenigen schnell beleidigt, die sich sonst über die politisch korrekte „Moralkeule“ beklagen.

Da ist es wieder: Wir dürfen euch beleidigen, weil wir die Unterdrückten sind. Denn Kolonialzeit. Wobei Türken und Kolonialzeit wenig Sinn macht.

In der Tat hätte ich auch nichts dagegen, wenn jemand, der Abwertungen gegen andere Ethnien vornimmt, dann als Kartoffel bezeichnet wird. Aber zusammen mit „euch kann man nicht beleidigen, ihr habt die Macht“ macht es eben schlicht die Gräben tiefer und das auch bei vielen Leuten, die vorher gar keine Gräben hatten.

Bei der Empörung über „Kartoffeldeutsche“ geht es also um etwas anderes. Es geht um den inneren Widerstand, sich mit sich selbst und den eigene Privilegien zu beschäftigen. Und es geht um Macht: manche wollen einfach nicht die Deutungshoheit abgeben. Wer in Deutschland wen als was bezeichnen darf, soll immer noch die „Mehrheitsgesellschaft“ bestimmen, also die weißen Deutschen.

Es geht um die Macht jemanden abwerten zu können in der Tat. Ihm etwas vorhalten zu können, angebliche Privilegien und ihn dann zurechtstutzen zu können. Es geht um Rache, nicht um Verbesserung des Miteinanders. Es geht darum sich überlegen zu fühlen für etwas, für das der andere nichts kann.

Es ist eigentlich sehr einfach das von einer „Mehrheitsgesellschaft der weißen Deutschen“ zu trennen, weil man es als allgemeinen Grundsatz formulieren kann:

Niemand sollte den anderen wegen seiner Hautfarbe oder seiner Gruppenzugehörigkeit abwerten.

Ein sehr einfacher Grundsatz. Er umfasst den Kümmeltürken oder den Spaghettifresser genau so wie die Kartoffel.

Doch so läuft das nicht mehr. In einer Einwanderungsgesellschaft kann nicht eine Gruppe allein bestimmen, wie alle bezeichnet werden. Das Suppengemüse redet im Knollendiskurs jetzt mit und nennt die Kartoffeln auch mal Alman(i)s oder Biodeutsche. Sollte eines Tages endlich die „Zigeunersoße“ aus den Regalen verschwinden und ein Kartoffeldeutschendip reinkommen, können wir darüber nachdenken, ob wir lieber alle auf Zuschreibungen verzichten. Wegen politischer Korrektheit und so.

Euch zeig ich es, ich beleidige euch, weil einige immer noch Zigeunersoße sagen! Ha, das gibt mir das Recht stellvertretend euch abzuwerten. Denn ihr habt ja die Macht. Wenn der türkische Imbiss ein Schnitzel mit Zigeunersoße anbietet, dann liegt das übrigens auch nur an eurem Rassismus und gibt mir noch eher das Recht euch als Kartoffeln zu bezeichnen. Ach fühlt sich das gut an einfach eine Gruppe abwerten zu können! Kartoffeln, Kartoffeln, Kartoffeln! Har Har har, was bin ich für ein toller Widerstandskämpfer!

Demokratischer Repräsentationsbegriff und identitätspolitischer Repräsentationsbegriff

Auf dem Blog Homoduplex werden in einem interessanten Artikel noch einmal die Probleme einer Identitätspolitik und die Probleme des „richtigen Denkens“ und seiner Sicherstellung angesprochen:

Der Gedanke verläuft etwa so:

Ich bin gegen Herrschaft, gegen Hierarchie, gegen Unterdrückung und Ausbeutung. Ich will Gleichheit. Ich will, dass alle Menschen selbst über ihr Leben bestimmen können und nicht die Wenigen über die Vielen. Ich will eine Revolution, durch die die Vielen ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen.

Bis hierher scheint die Sonne in Utopia. Doch dann ziehen vom Realitätssinn her Wolken auf.

Wenn jetzt aber alle gleichberechtigt mitentscheiden würden … ich meine, wir haben ja Wahlen und Meinungsumfragen … dann würden sie sich nicht für meine Utopie entscheiden. Da wären Linke dabei, aber auch Rechte und viele relativ Indifferente, die im Wesentlichen nur ihre Ruhe wollen und gar nicht revolutionär denken. Wenn alle mitbestimmten, würde etwas Mittiges dabei herauskommen, wie wir es jetzt auch schon haben, oder sogar etwas gefährliches Rechtes.

An dieser Stelle wird kognitive Dissonanz fast unumgänglich.

Ich will die Menschen befreien, doch mir dämmert, dass die befreiten Menschen sich nicht so verhalten würden, wie ich mir die befreite Gesellschaft vorstelle.

Bevor mir nun weiter dämmert, dass ich ihnen die Freiheit eigentlich nicht geben will, ihre Freiheit anders zu nutzen, als mir vorschwebt, und bevor das die Frage aufwirft, ob es unter diesen Voraussetzungen überhaupt Freiheit ist, die ich ihnen geben will – Dissonanz! -, reiße ich das Steuer herum und zeichne ein anderes Bild.

Ich weiß ungefähr, wie eine befreite Gesellschaft aussehen würde, aber die Massen wissen es nicht. Die würden immer wieder zum selben Mist zurücksteuern. Aber Zwang und Gewalt kommen nicht in Frage. Wir brauchen also Aufklärung, Überzeugungsarbeit, zunächst einmal die Befreiung des Diskurses von Herrschaft. Wenn sie voll aufgeklärt und befreit sind, werden die Menschen von selbst ein System formen wollen, wie ich es mir vorstelle. Ganz ohne Zwang und Gewalt.

Das ist im Endeffekt zB die internalisierte Mysogynie im Feminismus, das Problem, dass innerhalb der Gruppe das „falsche Denken“ herrschen kann und natürlich die Idee, dass man die Leute noch umerziehen muss, sie noch „erwachen“ müssen (Woke werden müssen) bevor sie eigentlich überhaupt wirklich ihre Gruppe vertreten müssen

  • Die Frauen müssen lernen, dass sie unterdrückt werden und an allem die Männer schuld sind
  • Die PoCs müssen lernen, dass sie von den Weißen unterdrückt werden
  • etc

Und auch dieser Absatz fasst es noch einmal gut zusammen:

Der beschriebene Zielkonflikt ist auch in den Repräsentationsbegriff der Identitätspolitik eingebaut, der gebraucht wird, wenn es heißt, Frauen, Migranten oder andere Gruppen seien irgendwo nicht »repräsentiert«.

Zuerst müssen wir diesen sorgfältig von demjenigen Repräsentationsbegriff unterscheiden, der in »repräsentative Demokratie« vorkommt. Diese sieht vor, dass die Repräsentanten Interessen repräsentieren, die die Bürger durch Wahlen zum Ausdruck bringen. Repräsentation im Sinne von »Diversity« sieht vor, dass demographische Merkmale wie Geschlecht, Hautfarbe usw. repräsentiert werden. Das ist keine Fortschreibung, Verfeinerung oder Weiterentwicklung demokratischer Repräsentation, sondern eine völlig andere Idee.

Der demokratische Repräsentationsbegriff geht von mündigen Individuen aus. Du kannst deinen Willen äußern, und wenn du das getan hast, gilt die Äußerung als dein Wille.

Von der Warte des neuen Repräsentationsbegriffs aus gibt es keine autonome Willensbildung. Dein Wille ist Funktion deines Geschlechts und deiner Hautfarbe. Wir wissen von vornherein aufgrund deines Geschlechts und deiner Hautfarbe, was dein Wille ist und sein muss, und wenn er das nicht ist, dann bist du einer Täuschung aufgesessen oder geistig verwirrt und deine Willensäußerung ist ungültig.

Der Zielkonflikt sieht am Beispiel Frauen etwa so aus: Ich will, dass mehr Frauen politische Macht erhalten. Wenn es nun aber konservative Frauen sind, die nach Ämtern greifen, will ich das dann immer noch? Oder: Will ich immer noch Gendersprech durchsetzen und behaupten, das sei im Interesse der Frauen, während die Mehrheit der Frauen dagegen ist (was zufällig der Fall ist)?

Kann ich behaupten, zu wollen, dass Frauen ihre Meinung einbringen, wenn das nur gilt, solange ihre Meinung meiner Meinung entspricht?

In der Tat werden Repräsentanten in dieser Hinsicht von Individuen zu Platzhaltern von vermuteten Gruppeninteressen. Sie sind dort als Männer, als Frauen, als Schwarze oder Weiße. Ihre Meinung ergibt sich aus der Summe ihrer Gruppenzugehörigkeiten und ist nach diesen zu bewerten. Eine falsche Meinung ist nicht Ausdruck des Individuums, sondern Verrat an der Gruppe.

Ich finde es gut dargestellt. Schaut euch den Rest des Artikels auch noch an

Das ist nicht witzig!

 

Einfluss der Arbeitsstelle auf das Scheidungsrisiko

Eine interessante Studie hat untersucht inwieweit es einem Zusammenhang zwischen Jobstatus und Scheidungsrisiko gibt:

Despite a large literature investigating how spouses’ earnings and division of labor relate to their risk of divorce, findings remain mixed and conclusions elusive. Core unresolved questions are

  1.  whether marital stability is primarily associated with the economic gains to marriage or with the gendered lens through which spouses’ earnings and employment are interpreted and
  2. whether the determinants of marital stability have changed over time.

Using data from the 1968 to 2013 waves of the Panel Study of Income Dynamics, I consider how spouses’ division of labor, their overall financial resources, and a wife’s ability to support herself in the event of divorce are associated with the risk of divorce, and how these associations have changed between couples married before and after 1975. Financial considerations—wives’ economic independence and total household income—are not predictive of divorce in either cohort. Time use, however, is associated with divorce risk in both cohorts. For marriages formed after 1975, husbands’ lack of full-time employment is associated with higher risk of divorce, but neither wives’ full-time employment nor wives’ share of household labor is associated with divorce risk. Expectations of wives’ homemaking may have eroded, but the husband breadwinner norm persists.

Quelle: Money, Work, and Marital Stability: Assessing Change in the Gendered Determinants of Divorce

Also die wesentlichen Feststellungen noch einmal übersetzt:

Finanzielle Erwägungen – die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Ehefrauen und das Gesamteinkommen des Haushalts – sind in keiner der beiden Kohorten ein Vorzeichen für eine Scheidung.

Der Zeitaufwand ist jedoch in beiden Kohorten mit dem Scheidungsrisiko verbunden.

Bei Ehen, die nach 1975 geschlossen wurden, ist der Mangel an Vollzeitbeschäftigung der Ehemänner mit einem höheren Scheidungsrisiko verbunden, aber weder die Vollzeitbeschäftigung der Ehefrauen noch der Anteil der Ehefrauen an der Arbeit im Haushalt ist mit einem Scheidungsrisiko verbunden. Die Erwartungen an die Hausarbeit der Ehefrauen mögen sich zwar verringert haben, aber die Norm für den Brotverdiener des Ehemannes bleibt bestehen.

Die Norm für den „Brotverdiener“ des Ehemannes, also der der Hauptverdiener ist, bleibt bestehen.

Aus der Studie:

Und aus den Zahlen:

Dargestellt wird das Risiko, dass die Ehe im nächsten Jahr geschieden wird. Wie man sieht ist sie bei allen anderen Faktoren bei ca 2,5%, ist der Mann nicht in Vollzeit angestellt, dann steigt sie auf 3,3%

Bei lang anhaltender Arbeitslosigkeit summiert sich das dann wahrscheinlich noch auf. So gesehen „nur“ eine Erhöhung um 0,8 Prozentpunkte. Es wäre eine Erhöhung um das 1,32 fache.

 

Shell Studie, Geschlechterrollen und Vorstellung der Jugend (Anmerkungen von Crumar)

Wie erst uepsiloniks und dann auch Arne hatte ich mir den Kommentar von Crumar  zur Shell Studie auch vorgemerkt. Mein Artikel zu der Studie findet sich Hier

Die 18. Shell-Jugenstudie 2019 stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.572 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren, die zu ihrer Lebenssituation und ihren Einstellungen und Orientierungen befragt wurden.

Die hier dargestellten Ergebnisse entnehme ich der Zusammenfassung (Quelle unten), sie befinden sich auf den Seiten 25-26. Interessant ist, es handelt sich hier um die m.W. erste Zusammenfassung, die diese Themenkomplexe darstellt. Daher kann ich sie leider nicht im zeitlichen Verlauf präsentieren.
Alle Hervorhebungen und Kommentare sind von mir.

Einstieg: „Fragt man Jugendliche, wie sie sich die partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbstätigkeit wünschen würden, wenn sie 30 Jahre alt wären und ein zweijähriges Kind hätten, sind sich junge Männer und Frauen recht einig bezüglich der idealen Rollenverteilung: In einer Partnerschaft mit kleinem Kind sollte die Frau und nicht der Mann beruflich kürzer treten.
65 % der Frauen würden gerne maximal halbtags arbeiten – und 68 % der jungen Männer wünschen sich genau das von ihrer Partnerin.“

Womit dem immer wieder geäußerten Mantra, wonach „die verhaltensstarren Männer verhindern, dass Frauen mehr Erwerbsarbeit verrichten, um Karriere machen zu können“ eine Realität entgegensteht, in der knapp zwei Drittel der befragten Mädchen und jungen Frauen eine solche Option gar nicht wahrnehmen wollen.

Hier wird es merkwürdig: „Viele Männer wünschen sich eine Rolle als »aktiver Vater«, der sich an der Kinderbetreuung beteiligt, und nur 41 % von ihnen möchten in der beschriebenen Familiensituation in Vollzeit arbeiten. Von den jungen Frauen wünschen sich etwas mehr (51 %), dass der Vater in Vollzeit arbeitet.
Insgesamt haben beide Geschlechter also recht ähnliche Vorstellungen, was die Erwerbstätigkeit eines Vaters und einer Mutter angeht.“

Zunächst einmal wollen deutlich mehr junge Frauen von (!) Männern, sie mögen Vollzeit arbeiten, als diese es für sich selbst wollen, nämlich die Mehrheit dieser jungen Frauen (auffällig ausgelassen wird, wieviel Prozent der jungen Frauen sich einen „aktiven Vater“ wünschen).

59% der jungen Männer wollen in dieser familiären Situation demnach nicht (!) Vollzeit arbeiten, aber es bleibt unklar, wie die 68% der jungen Männer, die ihrerseits Frauen zugestehen, „maximal halbtags“ zu arbeiten es für möglich halten, ohne Vollzeit-Erwerbsarbeit familiär über die Runden zu kommen.

Ich strukturiere den Text folgend in Spiegelstrichen: „Insgesamt ist es mehr als die Hälfte (54 %) aller 12- bis 25-Jährigen, die ein »männliches Versorgermodell« favorisieren:
– 10 % bevorzugen das Modell eines »männlichen Alleinversorgers« (der Mann versorgt die Familie allein und arbeitet 30 oder 40 Stunden in der Woche), weitere
– 44 % präferieren das Modell eines »männlichen Hauptversorgers« (der Mann arbeitet mindestens 30 Stunden, die Frau maximal halbtags).“

Das traditionelle Familienmodell hat längst nicht ausgedient und es wird mehrheitlich auch gewünscht. Welche anderen Familienmodelle die – immerhin – 46% der Befragten sich vorstellen wird leider nicht dargestellt. Es wird leider auch nicht regional (siehe folgend) nach West und Ost aufgeschlüsselt.

Wenig erstaunlich „sind Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern zu sehen. Junge Menschen im Westen denken hier traditioneller:
– 58 % der Männer und 56 % der Frauen würden sich eine Familie mit männlichem Allein- oder Hauptversorger wünschen, während sich im Osten dem nur
– 38 % der Männer und 31 % der Frauen anschließen.“

Das sind erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West! Meine These, es gibt zwei Patriarchate in Deutschland, bzw. zwei Evolutionen wurde wieder glänzend bestätigt. 😉

Es folgt der feministisch inspirierte Euphemismus des Tages: „Der Vater als Ernährer der Familie ist – zumindest im Westen – offensichtlich keine rein männliche Vorstellung, dieses Modell wird auch von vielen jungen Frauen favorisiert.“

Wenn 56% der jungen Frauen sich dieser Vorstellung anschließen, dann handelt es sich nicht um „viele“, sondern um die Mehrheit der jungen Frauen. Damit hat sich die Ideologie, es handle sich um eine „rein männliche Vorstellung“ gründlich blamiert.
Nicht, dass die Forscher das daran hindern würde, den gleichen Quatsch immer wieder von sich zu geben. Natürlich nicht!

Die letzte Schlussfolgerung hat eine ähnliche Qualität: „In den neuen Bundesländern erfreuen sich dafür gleichwertiger aufgeteilte Modelle deutlich größerer Beliebtheit als im Westen.“

Man könnte nämlich auch sagen, 62% der jungen Männer und 69% der jungen Frauen lehnen den „Vater als Ernährer der Familie“ ab und nur die sogenannte Minderheit der jungen Männer und Frauen vertreten im Osten eine solche Ansicht.
Traditionelle Vorstellungen vom Vater als Ernährer der Familie: Westen = Mehrheit, Osten = Minderheit – das Konzept ist eigentlich ganz einfach zu verstehen.

Hier lassen sich die Erfolge des (West-) Feminismus besichtigen: Die Mehrheit der jungen Frauen (zumindest im Westen) strebt 2019 weder eine Beschäftigung über Teilzeit hinaus an, möchte, dass der Mann Vollzeit arbeitet und sieht den Mann als Haupt- oder Alleinversorger.
Das ist die ernüchternde Bilanz nach 50 Jahren Feminismus und es steht zu befürchten, die Einführung des Gendersternchen wird daran nichts ändern, weil auch das Binnen I seltsam wirkungslos blieb…

Zumindest wissen wir nun – und auch die jungen Männer sollten es wissen – was von all den schönen Umfragen über die „modernen Beziehungsvorstellungen“ junger Frauen zu halten ist.
Mehrheitlich gar nichts – ein Fall für das Altpapier.
Ermutigend nur der prozentuale Anteile von jungen Männern, die sich eine Rolle als aktiver Vater vorstellen können. Es bleibt viel Aufklärungsarbeit für uns zu leisten. Das steht fest!

Download hier: https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html

Natürlich ist das Ergebnis einer solchen Umfrage bei einer Altersspanne von 12-25 immer etwas skeptisch zu sehen. Mit 12 hat man eben auch teilweise noch keine Ahnung von irgendwas und insbesondere nicht davon, wie man sein Leben finanziert.  Ein 12-jähriger hat noch keine richtige Beziehung gehabt, er denkt auch noch nicht darüber nach, dass ein Statusberuf auch anderweitige Vorteile hat etc.

Insofern würde ich eine Übersicht über die Veränderung mit dem Alter sehr interessant finden.

Ähnlich auch bei den Frauen. Gerade junge Frauen haben gerne noch die großen Karrierepläne, aber sie sassen eben auch noch nicht in einem Büro und waren für die Umsatzzahlen ihrer Abteilung verantwortlich während der Einjährige im Kindergarten ist oder malen sich das auf diese Weise aus.

Ich vermute da werden viele eher noch konservativer werden.

Es wäre auch interessant eine Aufspaltung nach Alter, Schulbildung und Arbeit/nicht arbeit zu sehen. Und eine Langzeitstudie, wo die gleichen noch mal gefragt werden, wenn die Kinderplanung konkreter wird oder sich verwirklicht hat.

Aus den Angaben von Kindern auf ihre späteren Ansichten zu schlussfolgern ist nicht so einfach. Denn Kinder und Jugendliche und später dann Erwachsene denken natürlich auch anders, haben andere Erfahrungen gemacht, die die Perspektive verändern