58 Gedanken zu “Brexit: Ein paar Fragen

  1. Ein Artikel in diesem Zusammenhang, der mir wieder mal gefällt:

    „Großbritannien tritt aus der EU aus – aber warum bloß?
    Am 31. Januar, sage und schreibe 1.320 Tage nachdem die Mehrzahl der britischen Wähler für den Austritt aus der EU gestimmt hatte, ist es jetzt tatsächlich soweit. Meine deutschen Freunde sagen mir, dass man sich in Deutschland diese Entscheidung nicht erklären kann.“
    https://makroskop.eu/2020/01/grossbritannien-tritt-aus-der-eu-aus-aber-warum-bloss/

    • Da Deutschland keine lange demokratische Tradition hat und Deutsche ihrem Land eh skeptisch gegenüber stehen, wird man die Gründe auch weiterhin nicht verstehen.

  2. … aaaber die Kinder!

    Bleiben natürlich bei Stahlhelm-Uschi, wo sonst …. kommt mir aber vor, als wären da keine vorhande …

  3. Als auf „Alles Evolution“ 2017 der Jahresrückblick erfolgte, fiel Christian auf, er hatte den Brexit vergessen.
    So wichtig war er uns tatsächlich.
    Demzufolge fehlt in der Abstimmung eine Option: „Der Brexit ist mir scheißegal.“

    • Das Gedächtnis ist der größte Feind der Eliten.
      Für’s große Rauschen gibt’s Gründe.

      Welch Gelegenheit mal wieder Hypernormalisation zu verlinken.

  4. „Die EU muss den Brexit als Anlass nehmen um an sich zu arbeiten“

    Jaha, Guy Verhofstadt ist der selben Meinung:

    https://mobile.twitter.com/guyverhofstadt/status/1222553258633441281

    „#Brexit is a failure of the Union. There is a lesson to learn from it: to deeply reform the Union. To make it into a real Union, a Union without opt-in, without opt-outs, without rebates, without exceptions. Only then we can defend our interests and defend our values“

    Wie klingt das?

    • Naja, man munkelt ja, dass es zu viele Nichtwähler gegeben habe, die den Brexit hätten verhindern können. Was lernen wir daraus? Wenn dir etwas wichtig ist, tu etwas, (in diesem Fall) geh wählen.
      Sonst hat du hinterher zumindest nicht das Recht, dich über eine Entscheidung zu beschweren, weil sie dir nicht in den Kram passt.

        • Jepp, wählen gehen lassen, bis das Ergebnis passt.
          Die Wahlmöglichkeit war gegeben, die Wahl ist erfolgt, auch wenn einige lieber mit dem dicken Hintern auf der Couch abgestimmt haben.
          Warum sollte man eine Wahl wiederholen, nur weil ein paar Trottelinnen zu faul (oder dumm) waren, gleich die erste Möglichkeit zu nutzen? Es wurde ja niemand gezwungen, nicht wählen zu gehen.

          • Da hat du mich falsch verstanden: Die vorgezogene Neuwahl erfolgte, weil die letzte Regierung weder die Umsetzung noch eine Revision des Brexit durchkriegte und dadurch bei beiden Seiten unbeliebt war. Die Briten hätten an der Stelle die Gelegenheit gehabt, eine Anti-Brexit-Parlamentsmehrheit zu wählen und damit das Referendum faktisch in letzter Sekunde zu stoppen. Sie haben aber das genaue Gegenteil gemacht: Einer „Jetzt-erst-Recht“-Regierung ins Amt verholfen. Was die Mehrheit will kann seitdem nicht mehr in Zweifel stehen.

          • Man kann die Parlamentswahl aber nicht auf ein einziges Thema wie den Brexit beschränken. Es ging dabei ja auch um die nicht ganz unwesentliche Frage, wer Premierminister wird (oder bleibt). Insofern warne ich davor, in dieses Ergebnis zuviel hinein zu interpretieren.

          • @JC Denton: Das ist eine Schwäche der parlamentarischen Demokratie, die Meinung der Bevölkerungsmehrheit zu einem einzelnen Sachthema kann man nur selten genau daraus ableiten, weil sie ja nur einem Gemischtwarenladen zustimmen kann. Aber es gibt Ausnahmen. Das Brexit-Thema hat die Stimmung in UK 2019 dominiert, so wie die deutsche Einheit die Wahl in der DDR 1990. In diesen Fällen kann man die Meinung der Mehrheit zu einem wichtigen Thema ausnahmsweise doch ableiten.

  5. Und das sind auch gewichtige Vorteile, eigene Gesetze machen zu können. Ist doch Diversity! Wer Shithole will mit Islam und Klimatütensekten, der kann das auch.

  6. Ich denke der Ausstieg der Briten kann sowohl zu ihrem als auch zum Vorteil der EU sein. Die Briten erlangen ihre Souveränität zurück, die durch Brüssel und die Abkommen in einer immer engeren Union über ein Maß hinaus eingeschrenkt wurde, dass die Subsidiarität keineswegs mehr in einem gesunden Verhältnis stand. Darüber hinaus hat die EU, obwohl sie allen Staaten innerlich offene Grenzen verordnet hat (und sich furchtbar empört, wenn etliche Länder vorrübergehend ihre Grenzen wieder selbst kontrollieren wollen) darin versagt die Außengrenzen konsequent zu schließen und die Migration zu steuern (und darunter nicht nur die Zwangsweise Umverteilung der Asylschleicher in der EU zu verstehen) und wollte diese Lasten dann aber eben den Staaten aufbürden, denen sie verbietet, sich selbst zu schützen.
    Hier ist es auch egal, wenn die Briten zunächst wirtschaftlich draufzahlen, denn zu fragen ist, wieviel ist einem die eigene Selbstbestimmung wert?

    Wie erkennbar ist, bin ich der ansicht, dass die EU hier sich seit Jahren nun in eine politisch-ideologische Richtung entwickelt, die weit von der Idee einer Föderation gleichberechtigter Staaten, die für den gemeinsame Nutzen zusammenarbeien, entfernt ist und sich immer weiter entfernt und ausdrücklich – dies ist die einzige Vision die in Brüssel beschworen, gedacht und überhaupt zulässig ist, von einem europäischem Bundesstaat schwadroniert, in dem die Staaten und Völker sich auflösen sollen und zu reinen Verwaltungseinheiten degradiert werden, denen – so wurde bereits als nächstes angedroht – auch noch die Finanzhoheit entzogen werden soll. Brüssel wird zu einer Zentralinstanz die letztlich (man sieht es eben in der Organisation des Außengrenzschutzes) einen zunehmenden Verfall der gesellschaftlichen Strukturen in den Ländern, den sie maßgeblich mit verursacht, zu verwalten.

    Ich sehe die Union nach wie vor nicht nur als ein notwendiges Übel sondern eben in Form einer Föderation gleichberechtigter aber souveräner Staaten als auch ein anzustrebendes Gut, aber eben wenn die Union – ihrem ursprünglichen Zweck folgend – Vehikel für diese Staaten ist, dass deren gemeinsamen Interessen dient, nicht als ein eigenes Subjekt, dessen Interesse den Staaten übergeordnet und aufgezwungen wird.
    In der Auseinandersetzung mit Mächten wie den USA, China oder Russland sind wir auf Zusammenhalt in Außenwirtschafts- und Militärfragen angewiesen um mit diesen Nationalstaaten in Kontinentalgröße auf Augenhöhe verhandeln und uns gegen sie behaupten zu können.

    Unter diesem Aspekt ist es mir lieb und wichtig, wenn wir die Union beibehalten (die Alternative wäre die Union zu verlassen/ zu warten bis sie an ihrer totalitären Zentrierung zugrunde geht, um dann von vorne anzufangen, was viel wertvolle Zeit kostet) und sie eben in national-patriotischer, subsidiärer und souveräner Weise umzubauen und zu reformieren. Aus dieser Warte ist der Austritt Groß-Britanniens womöglich gut für die EU, weil sie das Meinungsklima in Brüssel ändert und die Verhandlungsposition jener (rechten) Kräfte stärkt, die diese andere Union zum Wohle der Staaten wollen, in dem sie ihnen den Exit als Drohstrategie an die Hand gibt. Und sollte die EU sich als reformunwillig erweisen, bleibt der Exit als Rettungsboot jederzeit eine Möglichkeit.

    Allerdings deuten die Zeichen gerade auf völlige arrogante Starrsinnigkeit. Es wird nicht darüber nachgedacht, wie man die EU attraktiver machen, wie man sie reformieren und ihre Probleme beheben kann. Eine Rückkehr zur nationalen Souveränität wird nicht einmal in Erwägung gezogen. Stattdessen sind es die Briten die einen unverzeihlichen Fehler begehen, die Demokratie nicht verstanden haben. Und die Lösung sei es, nun durch eine Änderung der Verträge den Austritt unmöglich zu machen, wie Guy Verhofstadt vorschlug.

    Durch den Austritt der Briten, ich beschrieb dies auf meinem Blog:
    https://theneonative.wordpress.com/2016/06/24/brexit-ein-knieschuss-fuer-die-nationale-sache/

    Wird sich – sollte sich eben mit der Drohgebärde kein Umdenken in Brüssel verbinden – die Situation des nationalen Lagers verschlechtern, ebenso wie die Position der Hartwährungsländer gegen die Weichwährungsländer. Groß-Britannien war lange Zeit eher Teil der Staaten, dass die EU föderalistisch und dezentral halten wollte. Seine Stimmen wären also eigentlich essentiell für eine Reformierung der EU in Richtung der angesprochenen Föderation. Gleiches gilt – und dies trifft primär Länder wie Deutschland – für die Frage nach dem Euro und den Haushalten. Deutschland führt jetzt allein die Länder in der EU, die für eine harte Währungspolitik und gegen die Staatsfinanzierung durch die Notenbank, gegen eine Vergemeinschaftung der Schulden und gegen direkte Geldtransfers in der EU sind. Eine Politik die die sogenannten Weichwährungsländer unter Führung von Frankreich ablehnen und aufzuweichen versuchen, sehr zum Schaden von Deutschland, das in dieser Konstellation zum Zahlmeister Süd- und Südosteuropas werden könnte.
    Doch Zahlmeister wird es jetzt schon und das wird die direkte negative Auswirkung des Brexit sein. Statt das EU-Parlament und die Institutionen zu verkleinern, wie es nach dem Wegfall eines solchen großen Mitgliedstaates eigentlich logisch wäre und damit auch den EU-Haushalt zu reduzieren, soll dieser wenigstens stabil bleiben, wenn nicht sogar – zur Finanzierung von Ursula von der Leyes Großem Sprung nach vorne – noch wachsen, ebenso wie das Parlament in genau dieser Größe erhalten werden soll. Die durch das Ausscheiden Groß-Britanniens entstandende Finanzierungslücke sollen die anderen Staaten und natürlich allen voran Deutschland übernehmen.

    Auch wenn ich den Brexit mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehe und inzwischen zu der Meinung gelangt bin, dass die Briten für sich als auch für uns alle richtig gehandelt haben, denn Brüssel ist scheinbar gar nicht mehr anders erreichbar als durch monumentale Signale und politische Ohrfeigen, so sehe ich in dem ganzen Vorgang auf kurze und mittelfristige Sicht große Kosten und Probleme speziell auf Deutschland zu kommen und eine mittelfristige Schwächung des politischen Lagers zur Reformierung der EU.

    • Ich finde es immer wieder lustig, wenn Konservative und Wirtschaftsliberale Jahrzehnte die Politik bestimmen und für deren Folgen nicht verantwortlich sein wollen.

      Die Austeritätspolitik hat Wolfgang Schäuble (CDU) nach der Finanzkrise durchgesetzt, die folgende Staatsverschuldung verdankt sich den nationalstaatlichen Versuchen, den eigenen Bankensektor zu retten. Die wirtschaftliche Stagnation des Südens der EU im letzten Jahrzehnt Folge dieser ideologischen Borniertheit.
      Die einzige Ausnahme in diesem Debakel ist Portugal – welches sich von dieser Ideologie befreien konnten und eine tatsächlich nationale Wirtschaftspolitik im Interesse seiner Bürger durchsetzt.
      Notwendig keine Rechten an dieser Regierung beteiligt.

      Die größte Gruppe von „Migranten“ in England stammt aus Polen, also aus einem Land in der EU.
      Die permanente Vermischung von EU-Migration, Flucht und Wirtschaftsmigration von Ländern außerhalb der EU ist der Klassiker in dieser Debatte.
      Selbstverständlich wird diese Lügerei von beiden Seiten des politischen Spektrums befeuert.

      In den Irak-Krieg im Lager der „Willigen“, die zugleich für „das neue Europa“ stehen sollten fanden sich u.a. GB, Polen und Ungarn. Es sind die gleichen Länder, die kräftig an den Ursachen der Massenflucht vor kriegerischen Auseinandersetzungen mit zündelten, die dann von Rechten gefeiert worden sind, als sie sich weigerten, für die Folgen gerade zu stehen. Facepalm.

      Fluchtursache in Syrien ein gescheiterter regime change-Versuch durch die USA, Fluchtursache Libyen ein erfolgreicher regime change durch USA, GB, Frankreich, die jeweils zerfallene bzw. failed states hinterlassen haben.
      Die humanitäre und ökonomische Verantwortung für die Folgen dieser Desaster wurden elegant nach (Gesamt-) Europa outgesourct und Trump wird für seine harte Haltung in der Flüchtlingsfrage von den Rechten gefeiert. Facepalm zum Quadrat.
      Selbstverständlich haben Rechte keine Lust über Fluchtursachen (auch nicht über die ökonomischen Gründe) zu reden, sondern nur über die Flüchtlinge.

      Die EU leidet erstens unter einer mangelnden Demokratisierung und zweitens einer neoliberalen Agenda, welche die sozialen Verhältnisse in den EU-Staaten nicht etwa perspektivisch an ein Mittel anpasst, sondern alle Nationalstaaten in einen ruinösen Wettkampf gegeneinander zwang.
      Ob es Löhne oder Steuern oder Staatsausgaben sind – die Ideologie, wonach diese sich bis zum Bodensatz nach unten korrigieren lassen, hat zu der heutigen Situation geführt.
      Betrieben wurde diese EU-Agenda inklusive des Vertrags von Lissabon gerade von Deutschland, Frankreich, England und Italien.

      Ich finde die englische Version der Geschichte, als wäre die EU in irgendeiner Form „die da“ gewesen, an deren Ausgestaltung und Zielsetzung man seltsam unbeteiligt war dummdreist.

      • Wie ist das eigentlich zu interpretieren, wenn du z.B. die Austeritätspolitik nicht Deutschland, sondern der CDU zuschreibst, aber den Irakkrieg nicht Labour, sondern dem UK?

        • @ crumar

          Danke, dass es Dich hier im Blog gibt. Ich weiß immer gar nicht, wo ich bei solchen Statements, wie dem von Seldis anfangen soll, Geschichte richtig zu stellen – und lass es ob der Mammutaufgabe dann oft gleich.

          @ only me

          „Wie ist das eigentlich zu interpretieren, wenn du z.B. …“

          Crumar hat nicht geschrieben, dass die Linken besser sind, sondern darauf verwiesen, dass es genau die Länder waren, die die Hauptverantwortung für die Probleme tragen, an denen sich die EU seit Jahren – genau wegen dieser Länder – vergeblich abarbeitet. Und wenn ein Rechter die gute alte Zeit der Nationalstaaten preist, dann darf natürlich nicht der Verweis fehlen, dass es eben zu einem nicht unerheblichen Teil die Rechten sind, die das Debakel zu verantworten haben, das sie ebenso lautstark wie verlogen beklagen.

          • „Die Rechten haben in anderen Ländern für Chaos gesorgt und dürfen jetzt deswegen nicht befürchten, dass ihre eigenen Länder im Chaos versinken.“

            Das ist dein Argument?

            Und das, obwohl ebenso viele Linke an dem Chaos in den anderen Ländern beteiligt waren, was crumar elegant unter den Tisch fallen lässt.

            Ich kann euch nicht ernst nehmen.

          • „„Die Rechten haben in anderen Ländern für Chaos gesorgt und dürfen jetzt deswegen nicht befürchten, dass ihre eigenen Länder im Chaos versinken.“

            Das ist dein Argument?“

            Nein.
            Ich will nur darauf hinweisen, dass die stetig wiederholte Behauptung, die Linken seien schuld an der EU-Misere, vor der Realität nicht standhält.
            Und dass der Brexit – also die Rückkehr zum Nationalstaat – eben KEINE Lösung für eine immer enger zusammenwachsende Welt ist.
            Wir leben nicht mehr in Spyris „Heidi“-Teletubby-Welt des 19. Jahrhunderts. Das Corona-Virus scheint der Himmel geschickt zu haben 😉 , uns daran zu erinnern.

          • „Und dass der Brexit – also die Rückkehr zum Nationalstaat – eben KEINE Lösung für eine immer enger zusammenwachsende Welt ist.
            Wir leben nicht mehr in Spyris „Heidi“-Teletubby-Welt des 19. Jahrhunderts. Das Corona-Virus scheint der Himmel geschickt zu haben 😉 , uns daran zu erinnern.“

            Das Coronavirus erinnert uns vor allem auch daran, dass internationale Zusammenarbeit und nationale „Abschottung“ keine Gegensätze sind.

          • Vielleicht sollt man sich auch daran erinnern, dass Nationalstaatlichkeit eine effektive und natürliche Form der Demokratieausübung ist. Und daran, dass diktatorische und imperialistische Regimes Internationalität am allermeisten schätzen …

          • „Vielleicht sollt man sich auch daran erinnern, dass Nationalstaatlichkeit eine effektive und natürliche Form der Demokratieausübung ist.“

            Klar. Als Referenz sei auf das Deutschland von 1933 verwiesen.

            „Und daran, dass diktatorische und imperialistische Regimes Internationalität am allermeisten schätzen …“

            DIR glaube ich gern eine andere Definition von „imperialistisches Regime“. Nach allgemeinen Vorstellungen dürfte es Dir aber schwerfallen, auch nur ein einziges diktatorisches Regime zu nennen, das Internationalität schätzt – egal, ob links, oder rechts.

          • @carnofis
            Deutschland ist ein Extrembeispiel und nicht repräsentativ für den Nationalismus.
            Genausowenig ist dieser Feminismus heute repräsentativ für den Feminismus als Emanzipation.

            „ein einziges diktatorisches Regime zu nennen, das Internationalität schätzt“

            Die Sowjetunion war absolut internationalistisch ausgerichtet und hielt sich für den Gralshüter des Internationalismus schlechthin.
            Der Internationalismus der Nazis war natürlich durch deren Rassenideologie stark eingeschränkt, aber Allierte sah man überall auf der Welt. Deren Haltung lässt sich nicht als „Nationalismus“ beschreiben.

            Ich bin restlos davon überzeugt, dass der Antinationalismus nur eine Hilfskonstruktion für Antisemtismus und Antiamerikanismus ist. Ideologische Starthilfe gab es vom Kommunismus und der Sowjetunion.

          • @Alex

            Diese russische Propaganda: „Die Sowjetunion war absolut internationalistisch ausgerichtet und hielt sich für den Gralshüter des Internationalismus schlechthin.“ ist nett, aber leider fast wortwörtlich zutreffend.
            Wenn nämlich eine einzige Nation für sich beansprucht, ein „Gralshüter“ zu sein, dann hat das mit dem Glauben zu tun, im Besitz des heiligen Grals zu sein.

            Genauso ist die Sowjetunion ab Stalin aufgetreten, der den russischen Nationalismus vertreten hat. Noch in den 30ern gab es den Vorschlag, jeder Bürger in der SU möge eine weitere Sprache der Unionsstaaten lernen – davon war danach keine Rede mehr, es wurde konsequent russifiziert.
            Die dort Herrschenden haben nie einen Zweifel daran gelassen, sie hielten sich für überlegen und auserwählt. Auch gegenüber den „Bruderstaaten“.

            „Der Internationalismus der Nazis war natürlich durch deren Rassenideologie stark eingeschränkt, aber Allierte sah man überall auf der Welt. Deren Haltung lässt sich nicht als „Nationalismus“ beschreiben.“

            Ich habe noch nie einen solchen Stuss aus deinem Mund gehört.
            Das Konstrukt einer „deutschen/germanischen Rasse“ hat selbstverständlich den Bezug zur Nation.
            Du kannst negativ erst ausgrenzen, wer nicht zur Nation gehört, wenn du vorher positiv bestimmt hast, wer diese Nation bildet.
            Wie verlogen konstruiert die „germanische Rasse“ war, siehst du an der Verpflichtung, Judensterne tragen zu müssen. Hätten sie die nicht getragen, wären Juden von Germanen in 99,9% der Fälle nicht zu unterscheiden gewesen.

            Die Sortierung der ganzen Welt nach Über- und Untermenschen, über- und unterlegenen „Rassen“ und Völkern ist natürlich kein „Internationalismus“ gleichberechtigter (nicht gleichartiger) Staaten/Völker, sondern dienten den die Nazis als Rechtfertigung, die jeweils als unterlegen skizzierten zu überfallen und auszuplündern. Dumm gelaufen, wenn die slawischen Untermenschen den Krieg gewinnen.
            Diese biologistische Elite-Ideologie brauchten sie jedoch nicht zu erfinden, das hatten die Kolonialstaaten bereits vorher getan – sie brauchten sie „nur“ noch mörderisch zuspitzen.

            „Ich bin restlos davon überzeugt, dass der Antinationalismus nur eine Hilfskonstruktion für Antisemtismus und Antiamerikanismus ist. Ideologische Starthilfe gab es vom Kommunismus und der Sowjetunion.“

            Jeder Nationalstaat brauchte einen spezifischen Gründungsmythos und musste beschreiben, wer nun zur Nation gehört und wer nicht; mit unterschiedlichen Konsequenzen (von Konflikten bis zum Genozid).
            Es sind anti-nationalistische Haltungen nicht vom Himmel gefallen, sondern Ergebnis von historischen Erfahrungen.

            Den Antisemitismus gab es hingegen lange, bevor es Deutschland und die USA als Nationalstaaten überhaupt gab. Ironisch wird deine Argumentation, wenn man sich das Label anschaut, unter dem Juden in der SU als abweichend stigmatisiert worden sind: Kosmopoliten. Als diejenigen, bei denen fragwürdig war, ob sie sich dem nationalistischen Projekt in Gänze verschreiben – also klammheimlich Internationalisten.

            Es gibt gute Gründe gegenüber einem triumphalistisch auftretenden Nationalismus skeptisch zu sein, vor allem wenn dieser dazu dient, in der Gesellschaft existierende Konflikte und Widersprüche zu kaschieren.
            Ich hatte bereits geschrieben, noch habe ich mich nicht daran gewöhnt, dass ältere Menschen beiderlei Geschlechts die Mülleimer nach Pfandflaschen durchsuchen.
            Was inzwischen Normalzustand in Berlin ist, für den wir uns schämen sollten – aber noch vor 30 Jahren gab es das nicht.
            Alles was klingt wie: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch deutsche Flaggen essen.“ werde ich für immer verachten.

          • Zur Aufklärung wie die Briten darüber denken, eine Pointe aus „Yes Minister“: Der Minister soll den „Napoleon-Preis“ wegen Engagement für das Vereinte Europa erhalten. Der Preis ist nach Napoleon benannt, weil er die letzte Person war die die Einheit Europas erreicht hat, Hitler nicht gerechnet.

          • „Genauso ist die Sowjetunion ab Stalin aufgetreten, der den russischen Nationalismus vertreten hat. Noch in den 30ern gab es den Vorschlag, jeder Bürger in der SU möge eine weitere Sprache der Unionsstaaten lernen – davon war danach keine Rede mehr, es wurde konsequent russifiziert.“

            Ist es dann auch Ausdruck des britischen oder US-Nationalismus, wenn wir alle in der Schule Englisch lernen?

            „Die dort Herrschenden haben nie einen Zweifel daran gelassen, sie hielten sich für überlegen und auserwählt. Auch gegenüber den „Bruderstaaten“.“

            Ja, überlegen und auserwählt, um den weltweiten Sieg des Sozialismus und die Verbrüderung aller Völker zu erreichen.

            „Ich habe noch nie einen solchen Stuss aus deinem Mund gehört.
            Das Konstrukt einer „deutschen/germanischen Rasse“ hat selbstverständlich den Bezug zur Nation.“

            Es gab kein Konstrukt einer „deutschen Rasse“, es gab das einer „arischen Rasse“. Diese war aber nicht auf die deutsche Nation beschränkt und damit in gewisser Weise internationalistisch. Nun kann man natürlich bemängeln, dass dies kein „wahrer Internationalismus“ war, weil Nichtarier ausgeschlossen wurden. Dann ist die EU allerdings auch kein Ausdruck des Internationalismus, weil sie keine nichteuropäischen Staaten aufnimmt.

          • „Der Internationalismus der Nazis war natürlich durch deren Rassenideologie stark eingeschränkt, …“

            (prust)
            😀 😀 😀

            …so eingeschränkt, dass er genau eine (in Zahlen „1“) Nation umfasste.

            Du schreibst genauso wirres Zeug, wie die Feministin Stokowski zum Geschlechterverhältnis.

          • „Ist es dann auch Ausdruck des britischen oder US-Nationalismus, wenn wir alle in der Schule Englisch lernen?“

            Was soll das, Denton?
            Willst Du Dich jetzt auch auf Semis Niveau hinab begeben?
            Ich bin nicht mal sicher, ob die Angelsachsen es selbst je gefordert haben, Weltsprache zu werden, oder ob sie schlicht aufgrund der Tatsache, dass ein großer Teil der Menschheit englisch spricht, oder zumindest versteht, eine Art normativen Zwang des Faktischen darstellte.
            Spanisch wäre vielleicht noch in Frage gekommen, aber angeblich ist die englische Syntax leichter aufgebaut.

          • „Was soll das, Denton?
            Willst Du Dich jetzt auch auf Semis Niveau hinab begeben?“

            Ähh, nein. Ich wollte durch meine Frage lediglich darauf hinweisen, dass die Russifizierung wohl eher aus pragmatischen Gründen (die Mehrheit der Sowjetbürger waren nunmal Russen) erfolgte und nicht Ausdruck des russischen Nationalismus war (Stalin war übrigens Georgier).

          • @crumar
            Wundert ja nicht, dass du als Marxist den sowjetischen Internationalismus verleugnest. Der Internationalismus war hier der Vorwand für den berüchtigten Imperialismus dieses diktaorischen Regimes, welches sich auf einer apokalyptischen Mission sah, welche ihn irgendein „Weltgeist“ beseelte. Und er war auch der direkte Grund für das Scheitern, das war einfach grössenwahnsinnig.

            „Ich habe noch nie einen solchen Stuss aus deinem Mund gehört.
            Das Konstrukt einer „deutschen/germanischen Rasse“ hat selbstverständlich den Bezug zur Nation.“

            Du sagst es: *Bezug*. Der deutsche Nationalismus nahm einen Sonderweg, indem die Idee des Nationalismus mit mit der der pseudowissenschaftlichen „Rasse“ verknüpft wurde. Dieser Nationalismus wurde dann imperial, chauvinistisch und führte direkt in den 2. WK. Leider wird die Geschichte des Nationalismus hierzulande nicht beachtet, vermutlich weil sich das als „Antinationalismus“ so schön politisch instrumentalisieren lässt.

            „habe ich mich nicht daran gewöhnt, dass ältere Menschen beiderlei Geschlechts die Mülleimer nach Pfandflaschen durchsuchen.“

            Das hat nun gar nichts mit Nationalismus zu tun. Man könnte eher den EU-Internationalismus dafür verantwortlich machen – oder muss man das mit der EU auch wieder als Nationalismus begreifen?

          • @carnofis
            „…so eingeschränkt, dass er genau eine (in Zahlen „1“) Nation umfasste.“

            Der „Gemanismus“ zielte auf Internationalismus, auf die „nordischen Länder“ und andere: Ungarn, Ukraine … alles „Arier ehrenhalber“. Dann zielte das natürlich auch auf das Kronjuweil GBs ab, Indien – woher das mit den Ariern überhaupt kommt. Das mit dem Hakenkreuz als Symbol lässt auch internationalistischen Weltmachtanspruch erkennen. Dieser deutsche Nationalismus ist von den anderen Nationalismen (zB GB, USA, natürlich insb Zionismus) so weit entfernt, wie der heute Feminismus von dem der Zivilrechts-Bewegung!

          • @crumar, Du bemühst selbst Tautologien, um Deine Ideologie zu verbreiten.
            „Du kannst negativ erst ausgrenzen, wer nicht zur Nation gehört, wenn du vorher positiv bestimmt hast, wer diese Nation bildet.“
            Das hat halt jede Begriffsbestimmung so an sich. Entweder es ist ein Topf oder ein Eimer, blau oder schwarz. Ob nun eine positive oder negative Beschreibung geeigneter ist, ändert nichts wesentliches, da man sich über unterschiedliches unterhalten möchte.
            Die folgenden 99,9% entspringen Deiner Fantasie und ignorieren die Realität Deutschlands und Europas Anfand des 20 Jahrhunderts.

          • @JCD @Alex

            @JCD
            „Ähh, nein. Ich wollte durch meine Frage lediglich darauf hinweisen, dass die Russifizierung wohl eher aus pragmatischen Gründen (die Mehrheit der Sowjetbürger waren nunmal Russen) erfolgte und nicht Ausdruck des russischen Nationalismus war (Stalin war übrigens Georgier).“

            1. In der SU lebten ca. 50 verschieden Völker und Russen stellten zwischen 50-60% der SU.
            Aus dieser einfachen Mehrheit das Recht auf eine komplette Russifizierung abzuleiten ist nicht „pragmatisch“.

            2. Ein Blick in die Wikipedia: „Korenisazija (russisch коренизация, Transliteration: Korenizacija, wörtlich übersetzt „Einwurzelung“) bezeichnet die Politik der Bolschewiki bzw. der Sowjetunion in den 1920er Jahren nach der Oktoberrevolution. Sie hatte zum Ziel, nichtrussische Völker in den neuen Staat einzubinden, indem Minderheiten explizit gefördert wurden, um diese in den KPdSU-Kader und damit in die Sowjetunion zu integrieren. Russen wurden dazu ermutigt, teilweise auch dazu gezwungen, sich in Gebieten, in denen sie eine Minderheit darstellten, an die regionale Kultur anzupassen und die jeweilige Sprache zu lernen. Insbesondere in der Ukraine führte die Korenisazija-Politik zu einer regelrechten Ukrainisierung. Spätestens ab 1931 kam die sowjetische Regierung jedoch wieder ab von dieser Politik und forcierte stattdessen wieder die Russifizierung.“

            Man könnte dagegen anführen, dass eine solch vorbildliche politische Position logisch durch ein Ein-Parteien-System und eine Zentralherrschaft mit zentralem Wirtschaftsplan konterkariert wird.

            Aber weiter: „Ein Zuzug russischer Facharbeiter und Funktionäre in die Minderheitengebiete wurde wieder gefördert, die Quoten für Minderheiten aufgehoben und die Bedeutung des Russischen in der Schulausbildung deutlich angehoben. Ergebnis war, dass am Ende der Sowjetunion bis auf wenige Restgebiete (Südtschetschenien, Osttadschikistan) praktisch die gesamte Bevölkerung auch fließend russischsprachig war. Besonders auffällig war die Ersetzung lateinischer Alphabete für Minderheitensprachen durch neue kyrillische Alphabete 1937/38.“

            Das wiederum, nämlich die sukzessive Ersetzung nationaler Sprachen und Kulturen macht bspw. die Abwehrreaktion der baltischen Staaten nach der Unabhängigkeit und den problematischen Umgang mit den eigenen russischen Minderheiten immerhin nachvollziehbar. Aber nicht besser.

            Und: „Die nationalen Minderheitengebiete waren von den Säuberungen wegen des Misstrauens gegen Nationalisten besonders stark betroffen, den „Startschuss“ der großen Säuberung unter den KP-Funktionären der Minderheitengebiete gab der damalige georgische und transkaukasische KP-Vorsitzende Lawrenti Beria, als er am 9. Juli 1936 den armenischen KP-Vorsitzenden Aghassi Chandschian wahrscheinlich persönlich in seinem Büro in Tiflis erschoss. Parallel zu diesen Ereignissen wurde auch die Korenisazija 1932–38 schrittweise beendet.“

            Wohlbemerkt galt das Misstrauen gegen „Nationalisten“ allen anderen „Nationalisten“.
            Auffällig ist ebenfalls, dass der russische Nationalismus sich parallel zu der „großen Säuberung“ entwickelte.

            3. Stalins Trinkspruch beim Empfang zu Ehren der Truppenbefehlshaber der Roten Armee im Kreml, 24. Mai 1945: „Genossen, erlauben Sie mir, noch einen, den letzten Trinkspruch auszubringen.
            Ich möchte einen Trinkspruch auf das Wohl unseres Sowjetvolkes, und vor allem auf das des russischen Volkes ausbringen. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall, Hurrarufe.)
            Ich trinke vor allem auf das Wohl des russischen Volkes, weil es die hervorragendste Nation unter allen zur Sowjetunion gehörenden Nationen ist.
            Ich bringe einen Trinkspruch auf das Wohl des russischen Volkes aus, weil es sich in diesem Kriege die allgemeine Anerkennung als die führende Kraft der Sowjetunion unter allen Völkern unseres Landes verdient hat.
            Ich bringe einen Trinkspruch auf das Wohl des russischen Volkes aus, nicht nur weil es das führende Volk ist, sondern auch weil es einen klaren Verstand, einen standhaften Charakter und Geduld besitzt.“
            https://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0028_toa&object=translation&st=&l=de

            Die Historiker G. Bordjugov und V. Bucharev „wiesen darauf hin, daß die Bewertung des russischen Volkes als der führenden Kraft in der Sowjetunion, die Stalin in diesen Trinkspruch vornahm, bis dahin nur im Bezug auf die Partei und die Arbeiterklasse, jedoch nicht im Bezug auf ein Ethnos verwendet wurde.“
            Was Angesichts der vorher erfolgten Russifizierung und Unterdrückung anderer Nationalitäten nur in klarer Sprache ausdrückt, was Stand der Dinge war.

            „Ein Bestandteil dieser „neuen Strategie“ (Anm.: einer ethnopolitischen) war es, die Russen den anderen Völkern des Landes gegenüber zu stellen. Somit machte der Führer den Versuch, sich auf die Autorität des russischen Volkes zu stützen, in seinem Namen aufzutreten und es auf diese Weise zu „einer Art Vermittler in seinen Beziehungen zu anderen Nationalitäten“ zu machen.“
            Womit anders herum „die hervorragendste Nation“ und „das führende Volk“ mitStalin als Führer einen geeigneten Vermittler gefunden hätte (s.o.). Rhetorisch clever.

            Stalin war ein gewiefter Machttaktiker, seine Herkunft ist zweitrangig.

            @Alex
            Ich wiederhole deinen Satz mit meiner Hervorhebung: „Wundert ja nicht, dass du als Marxist den sowjetischen Internationalismus verleugnest. Der Internationalismus war hier der Vorwand für den berüchtigten Imperialismus“ – genau das habe ich gesagt.

    • @Seldis
      „von einem europäischem Bundesstaat schwadroniert“

      Das ist der Kernfehler dieser Union. So zu tun als sei man ein Staat, es aber nicht sein WILL.

      Der Hybrid, aus Staat und Staatenbund vereint nur die negativen Aspekte beider. Am schlimmsten ist die gemeinsame Währung, die ganz und alleine zum Vorteil Deutschlands ist, wenn auch die Propaganda etwas anderes behauptet! (siehe die Disk. um „Target“, das „Schuldenmachen“.)

      Noch ignoranter (man würde meinen das geht nicht) allerdings sind die Linken und ihre „öffentliche Meinung“, die instinktiv kapiert haben müssen, dass der Fremdwährungscharakter des Euro ihren totalitären Phantasien eines allmächtigen Staates perfekt in die Hände spielt.

      Ob Europa nun ein Staat oder ein Staatenbund wird, würde ich eher für eine Geschmacksfrage halten. Wichtig ist nur, dass einem ganz genau klar ist, was man will und sich entscheidet!

      Und da sind die Briten als wahre Europäer vorangegangen und haben sich entschieden!

      Europa hat sich zum Nicht-Funktionieren und Scheitern entschlossen, als es das Mitglied Griechenland zum Vasallen gemacht hat. An dieser Stelle wären „Eurobonds“ (= gemeinsame Staatsanleihen) und ein gemeinsames EU-Finanzamt unumgänglich gewesen, aber man hat sich dagegen entschieden! Als Konsequenz daraus hat GB sich zurückgezogen. Ob es ihnen ohne eigene Währung auch geglückt wäre, erscheint mir fraglich.

      • „Am schlimmsten ist die gemeinsame Währung, die ganz und alleine zum Vorteil Deutschlands ist“

        Die ist zu niemandes Vorteil, sie schadet allen beteiligten Volkswirtschaften. Der Euro ist ein politisches Projekt, das wirtschaftlich keinen Sinn macht. Einzelne Nutznießer sind die Arbeitgeber der nordischen Länder, aber die sind nicht synonym mit „Deutschland“.

        • Hier will ich auch ergänzen, dass es mir gänzlich egal ist, ob Griechen, Portugiesen, Spanier oder Italien zum Wohle ihrer Volkswirtschaften Schulden machen oder die Währung schwächen, wenn uns die über das interdependente Zwangskonstrukt Euro auferlegte Wechselwirkung nicht eben selbst treffen würde. Der Grund also warum wir uns überhaupt gezwungen sehen, hier auf zwischenstaatlicher Ebene, in die Volkswirtschaften und Wirtschaftspolitiken anderer Länder hineinzureden ist, weil diese Länder eben über den Euro/EU-Hebel diese Politik nicht (mehr) allein für sich machen.

          Ich bin tatsächlich ein Anhänger einer Staatenverbundslösung, denn ein reiner Staatenbund würde Mechanismen vermissen, die konsequent kollektive Entscheidungen ermöglichen, die eine gewisse einigende Verbindlichkeit herstellen.
          Das Problem der EU ist die zunehmende Machtakkumulation, einschließlich des Elitenbewusstseins in Brüssel und des elitären Denkcharakters, der nationalen Regierungen, die aus der EU quasi ihr privates Projekt machen und sich vom volke und von nationalen Interessen entfremden, was dazu führt, dass der bundesstaatliche Charakter zunehmend die Linie ist, die verfolgt wird, einschließlich des Anspruches alles politisch regeln zu wollen, statt den Zuständigkeitsbereich der EU auf die wesentlichen Interessen zu beschränken, in denen der Zusammenschluss unser politisches Gewicht vermehren soll, wie im Außenhandel und in der Außen- und Sicherheitspolitik sowie der Organisation des Binnenhandels.

          Dieser Zwischenzustand wurde nie als wirkliches Ziel definiert – und da würde ich hier zustimmen – sondern beschreibt eher verschämt den Ist-Zustand, der aus einem bisher unentschiedenen Kampf dieser zwei Prinzipe geronnen ist, aber stark in Richtung der Bundesstaatslösung kippt, womit wir aus meiner sicht eindrücklich sehen, wie dysfunktional das ist, denn nichts wird automatisch dadurch besser, dass man es auf einer höher angesiedelten noch volksferneren Ebene regelt also sowie schon.

        • „Die ist zu niemandes Vorteil, sie schadet allen beteiligten Volkswirtschaften. “

          Die Stelle war unpräzise und schlecht…. „Deutschland“ ist das politische Deutschland, also Kohl-Merkel und alles was davor war. Die Regierung, die Gelder verwaltet und umdirigiert. Und die haben sich selbst kastriert, Geld auszugeben, das sie selbst in die Welt setzen (das was das Phänomen starker Inflation verursacht). Jedes Land kann mit Staatsbanken tricksen, ein wenig mehr durch Kredite zu erzeugen, aber die Schuldenlast erdrückt dann tatsächlich schnell das System.
          Dieses System wird sich als unterlegen einem konventionellen erweisen. Jeder, der aussteigt aus dem Euro kann den Vorsprung für eine neue bessere, auf Wirtschaftswachstum ausgerichtete Währung nutzen. Eine Art „Game of Chicken“. Die EU macht das sicher nicht stabil.

    • zur Finanzierung von Ursula von der Leyes Großem Sprung nach vorne

      Haha, der ist gut!
      Wieviel will sie für den grossen Sprung ausgeben? 1 Billion vorerst? Tatsächlich aber wird einfach eine Menge umetikettiert und als grün gelabelt, was heute schon Realität ist.

      • oh, Stichwort:
        Diese eine Billion schiebt die USA mit ihrem Haushaltsdefizit einfach so rein, „out of thin air“. Das geht mit dem EUR natürlich nicht, weil das von vorne herein ganz bewusst ausgeschlossen wurde.

        Stattdessen führt die Regierung sich wie ein Wirtschaftsunternehmen auf, welches nach ungehemmter Profitmaximierung drängt, um seine Macht auszubauen.

        Die Regierung der USA schmeisst mit Geld um sich, die von D kassiert ab wie ein gewinnorientiertes Unternehmen. What could go wrong?

  7. Es ist zwiespältig. Ich bin auch euroskeptisch, aber im Vergleich zu manchen Radikalen in UK eher milde. Ich denke wir sollten als europäische Länder zusammenarbeiten, wirtschaftlichen und kulturellen Austausch pflegen, aber die Form der jetzigen EU ist eine Fehlentwicklung. Die EU verletzt wichtige Prinzipien demokratischer Verfassungen, und das ist ein Nogo. Und wir sollten keinen gemeinsamen Staat anstreben und auch keine Merkmale staatlicher Souveränität aufbauen wie etwa eine gemeinsame Währung, gemeinsame Gesetzgebung, gemeinsame Außenpolitik, udgl. Nicht nur weil das alles undemokratisch zustande kommt – das auch -, sondern weil es für weiterhin souveräne Staaten nicht angemessen ist.

    Ein Austritt ist aber eine zu radikale Antwort. UK braucht uns und wir brauchen sie. Lieber gemeinsam an einer Reform arbeiten, mit den schärfsten Kritikern an Bord ginge das viel besser als ohne sie.

    • Ein Austritt ist aber eine zu radikale Antwort. UK braucht uns und wir brauchen sie.

      Sie sind ja nur ausgetreten und nicht auf einen anderen Planeten ausgewandert. Handel treiben können wir ja immer noch mit GB, das hat sogar schon vor der EU bzw. der EWG funktioniert.
      Schon allein deshalb brauchen wir keinen Gemeinschaftsstaat, der eigene, nationale Interessen vernachlässigt.

      • Ja aber beide Seiten können nicht einfach wieder da anknüpfen wo sie 1974 aufgehört haben. In den fat 50 Jahren sind Strukturen gewachsen, die die Existenz der EG voraussetzen. Diese drohen nun kaputtzugehen. Beispiel Airbus: Die Werke sind auf die gesamte bisherige EU einschl UK verteilt, und das Geschäftsmodell basiert darauf dass Flugzeugteile zollfrei von einem Land zum anderen geflogen werden können. Ohne diese Voraussetzung ist das ganze Unternehmen gefährdet. Und dafür ist immer noch keine dauerhafte Lösung da, die muss erst noch verhandelt werden. Ob bei den Beteiligten beider Seiten Wille und Kompetenz vorhanden ist, das zu lösen, hab ich Zweifel. Im Moment basiert das Fortbestehen von Airbus auf Übergangsregelungen die Ende 2020 auslaufen. Und es gibt 1001 Beispiele die ähnlich auf der Kippe stehen.

        Übrigens heute it Palindrome Day, der letzte für über 100 Jahre: 02.02.2020

  8. Grossbritannien hat den ersten Schritt in eine bessere Zukunft gemacht — auch für ganz Europa. DANKE.

    Dieses Schlacht ist gewonnen, der Krieg ist es noch lange nicht. Die links-reaktionären Kräfte werden isoliert und abgeschnitten und der Corbynismus hoffentlich zum endemischen Inselaffenphänomen.

  9. @crumar, Du argumentierst unredlich, vergleichst Äpfel mit Birnen, stellst völlig unbegründete Behauptung zusammenhanglos in den Raum, nur um Deine Weltsicht zu verbreiten. Butter bei die Fische:

    Der zweite Absatz schließt mit „Notwendig keine Rechten an dieser Regierung beteiligt.“ ohne jeden inhaltlichen Bezug zum bisher gesagten.

    Im vierten Abschnitt beziehst Du Dich Eingangs auf den Iraq-Krieg und dann auf die aktuelle Migrationspolitik, die aber herzlich wenig mit dem Iraq zu tun hat. Das korrigierst Du im nächsten Abschnitt in dem Du die Regime-Changes in Syrien und Lybien ansprichst. Was das mit Trumps Flüchtlingspolitik gegenüber Mexiko zu tun hat, erschließt sich wohl nur Dir. Dafür dann gleich ein facepalm-quadrat und eine völlig unbegründete, noch dazu falsche Unterstellung: „Selbstverständlich haben Rechte keine Lust über Fluchtursachen (auch nicht über die ökonomischen Gründe) zu reden, sondern nur über die Flüchtlinge.“ Genau das Gegenteil stimmt. Die linken Gutmenschen wollen nur über die Menschen reden und weigern sich über die vielfältigen Rettungskosten zu diskutieren.

    • Ja, das zeigte sich schönst Anfang der „Krise“.
      Als Wagenknechts Argumente Richtung „Vor Ort investiert bringt’s einfach hundertmal mehr“ von der gesammten Linkenden als Nazisprech diffamiert wurden.

      Gedächtnis ist der Feind.

    • Schau mal, du kannst nicht nur so etwas behaupten: „Du argumentierst unredlich, vergleichst Äpfel mit Birnen, stellst völlig unbegründete Behauptung zusammenhanglos in den Raum, nur um Deine Weltsicht zu verbreiten.“ und dann keine Belege dafür liefern.
      Wenn du meinst, ich argumentiere „unredlich“, dann verlangt die Redlichkeit Nachweise für die Behauptung. Ansonsten ist es einfach ein substanzloser Vorwurf.

      „Der zweite Absatz schließt mit „Notwendig keine Rechten an dieser Regierung beteiligt.“ ohne jeden inhaltlichen Bezug zum bisher gesagten.“
      Oh doch, nämlich Portugals Ausstieg aus der verordneten Austeritätspolitik.
      Um dir zu zeigen, dass auch politisch rechte Zeitungen das so sehen, hier die „Welt“:

      „Wolfgang Schäuble, damals noch deutscher Finanzminister, schimpfte. Portugal mache einen großen Fehler, sagte er Mitte 2016. Wenige Monate zuvor hatte der Sozialist António Costa die Regierung übernommen, gestützt von den Kommunisten. Gemeinsam drehten sie einige der härtesten Sparmaßnahmen zurück. Das Land werde ein neues Rettungsprogramm beantragen müssen, wetterte Schäuble daraufhin. Und die Bedingungen würden hart.
      Heute, zweieinhalb Jahre später, glänzt Portugal mit dem niedrigsten Haushaltsdefizit seit 45 Jahren, mit einer stark wachsenden Wirtschaft und einer drastisch gesunkenen Arbeitslosenrate. Dazu leistete die Regierung mit ihrer Politik der vergangenen drei Jahre einen Beitrag, auch weil sie vom Spardiktat abwich.“
      https://www.welt.de/finanzen/article190949013/Portugal-ueberrascht-mit-niedrigstem-Haushaltsdefizit-seit-45-Jahren.html

      Sie gewichten die vorher getätigten „Strukturreformen“ anders als ich, bei der Kernaussage sind wir dennoch einer Meinung.

      „Im vierten Abschnitt beziehst Du Dich Eingangs auf den Iraq-Krieg und dann auf die aktuelle Migrationspolitik, die aber herzlich wenig mit dem Iraq zu tun hat. Das korrigierst Du im nächsten Abschnitt in dem Du die Regime-Changes in Syrien und Lybien ansprichst.“

      Es heißt erstens auf Deutsch immer noch Irak und Libyen und zweitens ging der Irak-Krieg den regime changes in Libyen und Syrien zeitlich voraus.
      Weshalb ich ihn als erstes benannt habe.
      Den Zusammenhang habe ich bereits genannt: Staaten, die kriegerische Auseinandersetzungen beginnen und an ihnen beteiligt sind, sind für die Folgen verantwortlich.
      Wenn sie Flüchtlingsströme produzieren, dann ist es ihr Job, für die humanitären Folgen aufzukommen.

      Wenn du hier in betrügerischer Absicht von dir gibst: „Was das mit Trumps Flüchtlingspolitik gegenüber Mexiko zu tun hat, erschließt sich wohl nur Dir.“ hat das etwas damit zu tun, dass ich die Folgen von regime change Politiken der USA weltweit auch den USA anlaste.
      Statt dass wir ausbaden, was die USA verbrochen hat.
      Nach meiner Meinung hätten wir die syrischen Flüchtlinge baldmöglichst in ein Flugzeug in die USA setzen und auch die Tickets den USA in Rechnung stellen sollen.
      Krieg anzetteln > Flüchtlinge > Verantwortung übernehmen.
      Das Konzept ist einfach zu verstehen.

      Was du logisch hier von dir gibst: „Genau das Gegenteil stimmt. Die linken Gutmenschen wollen nur über die Menschen reden und weigern sich über die vielfältigen Rettungskosten zu diskutieren.“ setzt auf der pragmatischen und humanitären Ebene an, dass wenn die Menschen erst einmal geflüchtet, die Aufnahmeländer für diese zuständig sind.

      Der springende Punkt ist aber, dass wir in Deutschland weder den IS, noch irgendwelche Al-Qaida-Abkömmlinge herangezüchtet oder finanziert haben mit dem Ziel, eine Regierung zu beseitigen, die uns aus Geo-strategischen Gründen nicht in den Kram passt.
      Aber wir die Folgen aufkommen sollen – egal ob linke oder rechte Deutsche, in dieser Frage gibt es einfach nur Steuerzahler.

      Das gesamte Gewäsch der (US-) Rechten soll davon ablenken, dass es ohne die Kriege und regime changes gar keine Flüchtlinge gegeben hätte.
      Auf diese Art und Weise wird die tatsächliche Verantwortung für die Fluchtursachen geleugnet auf die Sündenböcke „Flüchtlinge“ delegiert, als würde es die ohne Grund geben.
      Leicht durchschaubares Spielchen und klassische Leugnung von moralisch unterentwickelten Kleinkindern.

  10. „Abandoned by the entire political establishment, vilified, insulted and abused by the media and intellectual nomenklatura as racists, xenophobes and imbeciles, they have now learned they are not powerless against this vicious cultural behemoth. They defeated it, not through violence or extremism but through the simple power of their own voice and vote: through democracy, decency, and rationality.“

    https://www.melaniephillips.com/goodbye-demoralised-past-hello-world/

    V

  11. @crumar, tröste Dich, Du stehst in der Tradition der kulturmarxistischen „Frankfurter Schule“, die die Grundrechenarten aka die reine Vernunft kritisiert. verwirklichst Du Dich damit selbst oder hängst Du Deinen kulturmarxistischen Hirngespinsten nach? Das ist Dir unbelassen, aber es müsste Dir klar sein, dass Du Dir dabei in die Tasche lügst und ich frage mich, ob Du missionieren möchtest und was Dich antreibt?

    • Es sind inhaltsleere Begriffe wie „Kulturmarxismus“, die Leszek gefühlt 1000 mal widerlegt hat, die dich als Scharlatan entlarven. Ich brauche niemanden missionieren, diese Diskussionen hatten wir bereits.

    • Gönne mir doch die Freude diese treffenden Beschreibungen einzubinden. Inhaltlich ändert es nichts. Du, lieber @crumar, so wie unser werter @Leszek, versucht ein gleichheitsbewegtes linkes Gutmenschen Weltbild zu rechtfertigen, das mit der Realität so viel zu tun hat, wie das Jüngste Gericht. Auf den Kulturmarxismus-Vorwurf triggert ihr nur so schön. Zur Frankfurter Schule schweigt ihr glücklicherweise bereits 😉

      • Fein. Du bist dann eben ein braun verschlammter Schlechtmensch, moralisch und inhaltlich inkompetent und von der empirischen Realität so weit entfernt, wie es Religioten, die an das „Jüngste Gericht“ glauben nur sein können.
        Zufrieden?

        Mich triggert der „Kulturmarxismus“ Vorwurf nicht, weil ich weiß, es gibt keinen, sondern es handelt sich um eine klassische Lüge von Rechten.
        Mich nerven nur Lügen und Lügner.
        Das war es auch schon.

        Da ich mich nicht zu den Anhängern der Frankfurter Schule zähle, muss ich sie auch nicht verteidigen.
        Überraschung!
        Es gibt eine Reihe von wertvollen Studien und Einsichten (zu Fragen der Autorität bspw.), die unter deren Einfluss ermöglicht worden sind.
        Ansonsten ist mir das Anliegen und die Sprache dieser Schule eher fremd geblieben.

        Auch Leszek hat aus seiner politischen Tradition keinen Anlass, außer die Wahrheit zu verteidigen, sich für die Frankfurter Schule einzusetzen.
        Das Problem, die Frankfurter Schule und deren Kritische Theorie mit „der Linken“ gleichzusetzen ist nicht unser Problem und es wird auch nicht zu unserem Problem, wenn du die identischen Vorwürfe 1000 mal wiederholst.
        Weder Postmoderne, noch Intersektionalismus, noch irgendwelche Feminismen der dritten und der vierten Welle beziehen sich auf Adorno – er kommt im Hauptwerk von Butler exakt 0 (Null) mal vor.
        Auch kein Marx, kein Marcuse, nichts davon zu sehen in ihren Quellen.

        Die Ironie ist, die Frankfurter Schule existiert in den USA nur noch durch den Vorwurf der Rechten, es handle sich um irgendeinen „Kulturmarxismus“, praktisch ist sie dort seit 40 Jahren tot.

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