Shell Studie, Geschlechterrollen und Vorstellung der Jugend (Anmerkungen von Crumar)

Wie erst uepsiloniks und dann auch Arne hatte ich mir den Kommentar von Crumar  zur Shell Studie auch vorgemerkt. Mein Artikel zu der Studie findet sich Hier

Die 18. Shell-Jugenstudie 2019 stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.572 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren, die zu ihrer Lebenssituation und ihren Einstellungen und Orientierungen befragt wurden.

Die hier dargestellten Ergebnisse entnehme ich der Zusammenfassung (Quelle unten), sie befinden sich auf den Seiten 25-26. Interessant ist, es handelt sich hier um die m.W. erste Zusammenfassung, die diese Themenkomplexe darstellt. Daher kann ich sie leider nicht im zeitlichen Verlauf präsentieren.
Alle Hervorhebungen und Kommentare sind von mir.

Einstieg: „Fragt man Jugendliche, wie sie sich die partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbstätigkeit wünschen würden, wenn sie 30 Jahre alt wären und ein zweijähriges Kind hätten, sind sich junge Männer und Frauen recht einig bezüglich der idealen Rollenverteilung: In einer Partnerschaft mit kleinem Kind sollte die Frau und nicht der Mann beruflich kürzer treten.
65 % der Frauen würden gerne maximal halbtags arbeiten – und 68 % der jungen Männer wünschen sich genau das von ihrer Partnerin.“

Womit dem immer wieder geäußerten Mantra, wonach „die verhaltensstarren Männer verhindern, dass Frauen mehr Erwerbsarbeit verrichten, um Karriere machen zu können“ eine Realität entgegensteht, in der knapp zwei Drittel der befragten Mädchen und jungen Frauen eine solche Option gar nicht wahrnehmen wollen.

Hier wird es merkwürdig: „Viele Männer wünschen sich eine Rolle als »aktiver Vater«, der sich an der Kinderbetreuung beteiligt, und nur 41 % von ihnen möchten in der beschriebenen Familiensituation in Vollzeit arbeiten. Von den jungen Frauen wünschen sich etwas mehr (51 %), dass der Vater in Vollzeit arbeitet.
Insgesamt haben beide Geschlechter also recht ähnliche Vorstellungen, was die Erwerbstätigkeit eines Vaters und einer Mutter angeht.“

Zunächst einmal wollen deutlich mehr junge Frauen von (!) Männern, sie mögen Vollzeit arbeiten, als diese es für sich selbst wollen, nämlich die Mehrheit dieser jungen Frauen (auffällig ausgelassen wird, wieviel Prozent der jungen Frauen sich einen „aktiven Vater“ wünschen).

59% der jungen Männer wollen in dieser familiären Situation demnach nicht (!) Vollzeit arbeiten, aber es bleibt unklar, wie die 68% der jungen Männer, die ihrerseits Frauen zugestehen, „maximal halbtags“ zu arbeiten es für möglich halten, ohne Vollzeit-Erwerbsarbeit familiär über die Runden zu kommen.

Ich strukturiere den Text folgend in Spiegelstrichen: „Insgesamt ist es mehr als die Hälfte (54 %) aller 12- bis 25-Jährigen, die ein »männliches Versorgermodell« favorisieren:
– 10 % bevorzugen das Modell eines »männlichen Alleinversorgers« (der Mann versorgt die Familie allein und arbeitet 30 oder 40 Stunden in der Woche), weitere
– 44 % präferieren das Modell eines »männlichen Hauptversorgers« (der Mann arbeitet mindestens 30 Stunden, die Frau maximal halbtags).“

Das traditionelle Familienmodell hat längst nicht ausgedient und es wird mehrheitlich auch gewünscht. Welche anderen Familienmodelle die – immerhin – 46% der Befragten sich vorstellen wird leider nicht dargestellt. Es wird leider auch nicht regional (siehe folgend) nach West und Ost aufgeschlüsselt.

Wenig erstaunlich „sind Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern zu sehen. Junge Menschen im Westen denken hier traditioneller:
– 58 % der Männer und 56 % der Frauen würden sich eine Familie mit männlichem Allein- oder Hauptversorger wünschen, während sich im Osten dem nur
– 38 % der Männer und 31 % der Frauen anschließen.“

Das sind erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West! Meine These, es gibt zwei Patriarchate in Deutschland, bzw. zwei Evolutionen wurde wieder glänzend bestätigt. 😉

Es folgt der feministisch inspirierte Euphemismus des Tages: „Der Vater als Ernährer der Familie ist – zumindest im Westen – offensichtlich keine rein männliche Vorstellung, dieses Modell wird auch von vielen jungen Frauen favorisiert.“

Wenn 56% der jungen Frauen sich dieser Vorstellung anschließen, dann handelt es sich nicht um „viele“, sondern um die Mehrheit der jungen Frauen. Damit hat sich die Ideologie, es handle sich um eine „rein männliche Vorstellung“ gründlich blamiert.
Nicht, dass die Forscher das daran hindern würde, den gleichen Quatsch immer wieder von sich zu geben. Natürlich nicht!

Die letzte Schlussfolgerung hat eine ähnliche Qualität: „In den neuen Bundesländern erfreuen sich dafür gleichwertiger aufgeteilte Modelle deutlich größerer Beliebtheit als im Westen.“

Man könnte nämlich auch sagen, 62% der jungen Männer und 69% der jungen Frauen lehnen den „Vater als Ernährer der Familie“ ab und nur die sogenannte Minderheit der jungen Männer und Frauen vertreten im Osten eine solche Ansicht.
Traditionelle Vorstellungen vom Vater als Ernährer der Familie: Westen = Mehrheit, Osten = Minderheit – das Konzept ist eigentlich ganz einfach zu verstehen.

Hier lassen sich die Erfolge des (West-) Feminismus besichtigen: Die Mehrheit der jungen Frauen (zumindest im Westen) strebt 2019 weder eine Beschäftigung über Teilzeit hinaus an, möchte, dass der Mann Vollzeit arbeitet und sieht den Mann als Haupt- oder Alleinversorger.
Das ist die ernüchternde Bilanz nach 50 Jahren Feminismus und es steht zu befürchten, die Einführung des Gendersternchen wird daran nichts ändern, weil auch das Binnen I seltsam wirkungslos blieb…

Zumindest wissen wir nun – und auch die jungen Männer sollten es wissen – was von all den schönen Umfragen über die „modernen Beziehungsvorstellungen“ junger Frauen zu halten ist.
Mehrheitlich gar nichts – ein Fall für das Altpapier.
Ermutigend nur der prozentuale Anteile von jungen Männern, die sich eine Rolle als aktiver Vater vorstellen können. Es bleibt viel Aufklärungsarbeit für uns zu leisten. Das steht fest!

Download hier: https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html

Natürlich ist das Ergebnis einer solchen Umfrage bei einer Altersspanne von 12-25 immer etwas skeptisch zu sehen. Mit 12 hat man eben auch teilweise noch keine Ahnung von irgendwas und insbesondere nicht davon, wie man sein Leben finanziert.  Ein 12-jähriger hat noch keine richtige Beziehung gehabt, er denkt auch noch nicht darüber nach, dass ein Statusberuf auch anderweitige Vorteile hat etc.

Insofern würde ich eine Übersicht über die Veränderung mit dem Alter sehr interessant finden.

Ähnlich auch bei den Frauen. Gerade junge Frauen haben gerne noch die großen Karrierepläne, aber sie sassen eben auch noch nicht in einem Büro und waren für die Umsatzzahlen ihrer Abteilung verantwortlich während der Einjährige im Kindergarten ist oder malen sich das auf diese Weise aus.

Ich vermute da werden viele eher noch konservativer werden.

Es wäre auch interessant eine Aufspaltung nach Alter, Schulbildung und Arbeit/nicht arbeit zu sehen. Und eine Langzeitstudie, wo die gleichen noch mal gefragt werden, wenn die Kinderplanung konkreter wird oder sich verwirklicht hat.

Aus den Angaben von Kindern auf ihre späteren Ansichten zu schlussfolgern ist nicht so einfach. Denn Kinder und Jugendliche und später dann Erwachsene denken natürlich auch anders, haben andere Erfahrungen gemacht, die die Perspektive verändern

47 Gedanken zu “Shell Studie, Geschlechterrollen und Vorstellung der Jugend (Anmerkungen von Crumar)

  1. Was mir beim ersten Überfliegen sofort ins Auge gefallen ist, ist der Umstand, dass die „Jugend von heute“ offenbar verdammt wenig Ahnung vom realen Leben hat. 10 % waren es , die einen männlichen alleinversorger gesehen haben der 30 bis 40 Wochenstunden arbeiten soll? Bei vielen Menschen reicht selbst bei einer 40 Stunden Woche das Einkommen alleine nicht mehr aus um eine Familie über Wasser zu halten. Wie soll das dann mit nur 30 Wochenstunden funktionieren?

    Und wenn ich dann bedenke das in unserer Zeit das jugendliche Alter auf Erwachsene bis zu 27 Jahren ausgedehnt wird, fällt mir Michael Mittermeier ein, der fürchtet dass die Jugend von heute nicht seine Rente sondern er ihren Knastaufenthalt finanzieren wird. Ist „die Jugend von heute“ wirklich so dämlich?

    • Ich fürchte ja. Bei vielen machen wir uns nicht klar was deren Informationsquellen und Medien sind. Wenn man denkt, dass man als intellektuell eher nicht so begabter Mensch mit der BILD schon schlecht versorgt war, macht man sich keine Vorstellungen was Influencer, Netflix und Youtube so anrichten können. Wir wären erstaunt wie wenig die Kinder über die Welt noch wissen. Das fängt mit der Geografie ihrer Umgebung und der Einordnung in die Welt an und endet damit, dass die alles über Pokemon, Star Wars und Marvel wissen, aber im Grunde keine Vorstellung davon haben wer sie regiert und wie groß das Ganze ist.

      • „Wir wären erstaunt wie wenig die Kinder über die Welt noch wissen. Das fängt mit der Geografie ihrer Umgebung und der Einordnung in die Welt an und endet damit, dass die alles über Pokemon, Star Wars und Marvel wissen, aber im Grunde keine Vorstellung davon haben wer sie regiert und wie groß das Ganze ist.“

        Und damit sind sie genau so, wie annähernd alle Kinder und Jugendliche vor ihnen.
        Was sollen die auch groß drauf haben, was deren Eltern schon nicht leisten können?

        • Nun ich habe Kinder und trotzdem den Eindruck, dass der Einfluss der Unterhaltungsindustrie stärker ist als man denkt. So haben die Kinder alle Informationen der Welt zur Verfügung, aber es ist nicht so, dass die sich sagen „zur Not schlage ich das nach“, nein, sie interessiert das nicht mehr. Geographie, trotz Google Maps völlig unbekannt. Andere Gebiete auch kaum Interesse. Ich habe da ziemlich Bedenken.

          • „…sie interessiert das nicht mehr. “

            In welcher Generation gab es Kinder, die das interessiert hat?

          • „In welcher Generation gab es Kinder, die das interessiert hat?“

            In jeder. Es sind halt nur sehr wenige. Man muss dabei Bedenken, dass sich die Medien in den letzten Jahren extrem weiterentwickelt haben und das in immer kürzeren Zeitabständen. Und da sich die wenigsten Menschen bewusst selbst bilden, sondern sich bilden lassen, sind sie entsprechend leichter formbar als früher, weil sie ständig von Medien umgeben sind. Hinzu kommt, dass der Staat kein Interesse an der umfassenden Bildung seiner Bürger hat, falls er das überhaupt jemals hatte.

          • Meine interessiert das schon. Sie brauchen aber auch irgendwie einen Anker, damit sie das einordnen können. Man muss halt schon früh damit anfangen, immer mal was auf der Weltkarte oder dem Globus zu zeigen, was Spannendes dazu erzählen oder vorlesen etc. eine Webseite ist dazu nicht optimal, weil sie halt im Wust des „irgendwo im Internet“ untergeht. Mein Sohn (12J) ist geografisch mittlerweile bei vielen Sachen beschlagener als ich, auch weil er sich alles beim ersten Mal hören/lesen merkt, während ich immer vergesslicher werde.

    • „Ist „die Jugend von heute“ wirklich so dämlich?“

      Nein, wir* sind so dämlich. Wir lassen denen alles durchgehen, beschäftigen uns lieber mit Netflix, oder Smartphone, statt mit ihnen Gespräche zu führen. Wir sind offenbar so konfliktscheu, dass wir den eigenen Nachwuchs nicht mehr für Fehlverhalten sanktionieren. Kinder und Jugendliche sind IMMER unser* Produkt. also sollten wir uns vielleicht mal selbst in den Arsch treten.

      * Die Gesellschaft der ach so schlauen und fleißigen Erwachsenen.

      • „Nein, wir* sind so dämlich. Wir lassen denen alles durchgehen, beschäftigen uns lieber mit Netflix, oder Smartphone, statt mit ihnen Gespräche zu führen.“

        Gilt das mittlerweile nicht auch für zwischenmenscliche Beziehungen unter Erwachsenen? Und ist es nicht auch ein Ausdruck von Bequemlichkeit, wenn man ein solches Verhalten, auch seinen Kindern gegenüber, an den Tag legt? Ich denke neben der Zunahme der körperlichen Trägheit, deren Resultat man ja sehen kann, haben wir es heutzutage auch mit einer Zunahme der geistigen Trägheit zu tun. Es ist z.B. einfacher, auf sein Smartphone zu schauen als sich mit einem Menschen anspruchsvoll zu unterhalten. Und es ist einfacher, sich von Netflix jederzeit mit allem berieseln lassen zu können als sich eine anspruchsvolle Doku anzuschauen, die ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit erfordert. Wissen und Bildung haben mMn einfach nicht mehr den Stellenwert, den sie noch vor vielen Jahren hatten.

    • Ich arbeite 30 Stunden und bei mir funktioniert das gut 🙂

      Das reale Problem liegt darin, eine Nische für sich zu finden und mit den zwangsweise erforderlichen Kompromissen leben zu lernen. Etwa nicht in der Stadt wohnen zu können, statt teuer und schmuck zu Miete, sich eine alte Bruchbude zu kaufen und zurecht zu sanieren usw. in einer Gegend wo man nicht soviel verdient, wie in der Münchner Innenstadt.

      Kurz: es gibt da schon Möglichkeiten, zumindest für Leute mit einigermaßen akzeptablen Schulabschluß, einer Brise Risikobereitschaft und Mut. Allerdings stimme ich dir zu: es wird nicht unbedingt einfacher Anspruch und Realität in Einklang zu bringen.

      „Ist „die Jugend von heute“ wirklich so dämlich?“

      Das fragt sich jede alte Generation 🙂

      Ich sehe die Jugend in meinem Umfeld nicht so pessimistisch, wie sie immer beschrieben wird und natürlich ändern sich Ansprüche und Erwartungen mit jeder Generation und auch mit dem eigenen Alter und der eigenen Erfahrung.

      Allerdings ist mein Umfeld halt nicht unbedingt repräsentativ, problematische Entwicklungen fallen mir durchaus auch auf. Allerdings nicht nur bei der Jugend, wenn ich an Smombies denke, denke ich zuerst an Mütter, die sich überwinden müssen, mal dem Blick von ihrem NSA-Gadget abzuwenden, um sich genervt um ihr quengelndes Kleinkind zu kümmern. Sowas finde ich in jeder Hinsicht weit bedenklicher, als jugendliche Fehleinschätzungen.

      • Es ändert sich alles mit zunehmendem Alter. Wenn ich daran denke, wie ich mit 12 oder 15 war, sage ich mir auch: mann warst du blöd. Je mehr Erfahrung man macht und je mehr man dazu lernt, desto differenzierter sieht man alles, desto komplizierter stellt sich alles dar.

        „Fridays for Future“ ist nur als Jugendbewegung denkbar.

        • „„Fridays for Future“ ist nur als Jugendbewegung denkbar.“

          Als Jugendbewegung würde ich ansehen, was auch von der Jugend initiiert wurde. Das ist bei FFF nicht der Fall. Dahinter stehen Erwachsene, die sich nur zu blöd sind, sich dafür selbst auf die Straße zu stellen. Aber in einem Punkt gebe ich Dir Recht: man muss sich schon ein jugendliches bis kindliches Gemüt bewahrt haben, um diesen Nonsens mitzumachen 🙂

  2. Hi Christian, deine Einwände am Schluss habe ich insofern Rechnung getragen, als ich bereits Eingangs erwähnte, diese Thematik wurde in einer Zusammenfassung m.W.n. zum ersten Mal aufgegriffen.
    D.h. es ist mir auf dieser Basis nicht möglich, eine Veränderung der Einstellungen Jugendlicher und junger Erwachsener über einen längeren Zeitraum aufzuzeigen.

    Dass es erstens die Spaltung zwischen Ost und West in dieser Frage gibt, ist allerdings nicht neu, sondern wissenschaftlich gut erforscht.
    Zweitens sollte man nach 50 Jahren Feminismus und 30 Jahren Wiedervereinigung eine Angleichung der Vorstellungen der Jugendlichen in Richtung der Abkehr von traditionellen Vorstellungen über die Rollenverteilung in einer Familie erwarten können.
    Man kann Angesichts der vorliegenden Zahlen allerdings nur feststellen, das hat nicht stattgefunden.

    Richtig ist, man könnte und sollte solche Einstellungen im Verlauf der Zeit einer weiteren Prüfung – in Hinblick auf pragmatische Anpassungen an die Realität – unterziehen.
    Hier wäre aber meine Frage, in welche Richtung wird die Anpassung wohl erfolgen, wenn zwei Drittel beider Geschlechter bereits Eingangs davon ausgehen und dies wünschen, Frauen sollten maximal halbtags arbeiten und mehrheitlich (im Westen), der Mann möge Hauptversorger der Familie sein?

    Letzte zwei Punkte, die mir am Herzen liegt: Die Forscher haben ganz offensichtlich die feministische Ideologie verinnerlicht, Männer stünden der Abkehr von traditionellen Rollenverteilungen im Weg, das ist offensichtlich falsch. Die Ideologie, wonach junge Frauen für „den (gesellschaftlichen) Fortschritt“ stehen folgt einer religiösen Heilserwartung, ist eine Erlösungssehnsucht und hat mit Wissenschaft nichts zu tun.
    Wie aus den Daten hervorgeht, folgen die jungen Männer (vorauseilend) lediglich den weiblichen Erwartungen, die an sie gestellt werden.

    Die nächste verlogene Runde, Männer in eine Defizitperspektive zu rücken folgt mit der Debatte um die „gerechte Verteilung“ der „care-Arbeit“, die mehrere Ziele verfolgt und die zu 50% reaktionär ist.
    Ich werde demnächst einen Text dazu verfassen.

    • Ein weiteres Problem ist ja, dass Leute, die weit von der Situation entfernt sind, bei einer solchen Frage häufig die Abwägung mit den Nachteilen gar nicht umfassend vornehmen oder vornehmen können. Sie verstehen die Frage so, was sie unter ansonsten ideal zu bestehenden am liebsten hätten.

      Interessant ist da immer eine Betrachtung, wie sie die Prioritäten verschieben, wenn sie sie gegeneinander stellen müssen. Welche Interessen sind aus ihrer Sicht also eher reduzierbar.

      Sind Sie bereit ihren liebensteiner zu reduzieren bzw sind sie stark genug gegenüber ihrem Partner eine Reduzierung des lebensstandards durchzusetzen oder gehen sie dann lieber mehr arbeiten?

      sind Sie bereit berufliche Nachteile wie keine Beförderung et cetera in Kauf zu nehmen, wenn sie ihre arbeitsstelle reduzieren? Planen Sie ein, dass einer von beiden in der privatwirtschaft arbeitet und einer von beiden im öffentlichen Dienst und der im öffentlichen Dienst wesentlich leichter reduzieren kann? Planen Sie Reaktion der Umwelt darauf ein, dass sie weniger arbeiten, einschließlich der Kollegen et cetera? Sorgen Sie sich darum, dass ihr sozialer Status über einen geringeren Verdienst sinkt?

      das sind natürlich alles Überlegungen, die konkret werden, wenn man vor der tatsächlichen Wahl steht.

    • @crumar, Christian Auch wenn es natürlich wichtig wäre zu erfahren, wie die Zahlen sich im Laufe der Zeit ändern, wird doch zumindest klar: Die Vorstellung eines männlichen Haupt- oder gar Alleinverdieners ist bei vielen Jungen und Mädchen in der Pubertät der Ausgangspunkt, wenn sie über spätere Partnerschaften nachdenken. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich daran grundlegend etwas ändert, den männliche Hauptverdiener mehrheitlich als Default-Modell von Partnerschaften anzusehen – wäre schön, wenn es anders ginge, aber wenn es schwierig wird, ist es gut, darauf zurückgreifen zu können.

      Und schwierig wird es früher oder später immer, ob nun im Beruf oder mit Kindern oder mit finanziellen Belastungen der Familie oder mit gesundheitlichen Problemen etc. Grundsätzlich wäre demnach davon auszugehen, dass die Präferenz für das Modell des männlichen Hauptverdieners mit den Jahren eher noch größer als kleiner wird.

      Dem modernen Feminismus ist dabei m.E. nicht nur anzulasten, dass er an dieser Situation nichts geändert hat, im Gegenteil: Feminismus heute blockiert Veränderungen aktiv. Das betrifft nicht allein das offen reaktionäre Festhalten an mütterlichen Privilegien, das Vätern konsequent die Rolle des finanziellen Versorgers zuschiebt und das Frauen sowohl den Druck als auch einige Möglichkeiten nimmt, sich beruflich stärker zu engagieren.

      Mehr noch, diffuse Vorstellungen eines „Patriarchats“, mit denen Ingbert/djadmoros sich ja so schlüssig auseinandergesetzt hat ( z.B https://man-tau.com/2019/10/24/mythos-patriarchat-emanzipation/ ) , taugen zur Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse zwar überhaupt nicht, vermitteln aber konsequent und unterschwellig vor allem eines: dass nämlich Männer verantwortlich wären für die Situation, in der Frauen sich befinden, und dass einzelne Frauen daran gar nicht viel ändern können. Der Patriarchats-Feminismus gibt sich emanzipatorisch, reproduziert aber konsequent Erwartungen der Versorgung von Frauen durch Männer.

      Wir können davon ausgehen, dass der institutionalisierte Feminismus, den wir heute kennen, trotz eines enormen Einsatzes öffentlicher Mittel nicht nur dabei versagt hat, Veränderungen zu unterstützen – sondern dass er Veränderungen aktiv behindert.

      • @Lucas

        Ich wiederhole deine beiden entscheidenden Sätze noch einmal mit Betonung:
        „Die Vorstellung eines männlichen Haupt- oder gar Alleinverdieners ist bei vielen Jungen und Mädchen in der Pubertät der Ausgangspunkt, wenn sie über spätere Partnerschaften nachdenken.“ und die Hartnäckigkeit, mit der an der traditionellen Vorstellung festgehalten wird, dass Männer für die Versorgung von Frau und Familie verantwortlich sind, ist die andere Seite der Medaille, auf der geschrieben steht, „dass nämlich Männer verantwortlich wären für die Situation, in der Frauen sich befinden (…)“.

        Konklusion: Traditionalismus und Feminismus sind in der Delegation von Verantwortung auf „Mann“ 100% kompatibel.

        „Dem modernen Feminismus ist dabei m.E. nicht nur anzulasten, dass er an dieser Situation nichts geändert hat, im Gegenteil: Feminismus heute blockiert Veränderungen aktiv. Das betrifft nicht allein das offen reaktionäre Festhalten an mütterlichen Privilegien, das Vätern konsequent die Rolle des finanziellen Versorgers zuschiebt und das Frauen sowohl den Druck als auch einige Möglichkeiten nimmt, sich beruflich stärker zu engagieren.“

        Wenn wir vom modernen als bürgerlichen Staatsfeminismus sprechen, dann fehlt diesem für eine tatsächliche Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse in allererster Linie ein Motiv. Sie bilden eine bürokratische Schicht in den Staatsapparaten und würden sich perspektivisch abschaffen.
        Wir brauchen also einen anti-bürokratischen Maskulismus in den Staatsapparaten! 😉

        Die Botschaften dieses Feminismus treffen auf offene Ohren.
        Man sollte nicht die weibliche Bereitschaft unterschätzen, sich von der Verantwortung für das eigene Leben zu entlasten zu können. Die Botschaft an Jungen war und ist immer, für das eigene Leben selber verantwortlich zu sein. D.h. gesetzt ist im ökonomischen Fall, die eigene Reproduktion zu erarbeiten und die der Familie wird zusätzlich aufgesattelt. Insofern ist das Festhalten an mütterlichen Privilegien „alternativlos“, weil nur so eine Verlängerung der eigenen Unterverantwortlichkeit möglich ist. Co-Kind für immer.

        „Wir können davon ausgehen, dass der institutionalisierte Feminismus, den wir heute kennen, trotz eines enormen Einsatzes öffentlicher Mittel nicht nur dabei versagt hat, Veränderungen zu unterstützen – sondern dass er Veränderungen aktiv behindert.“

        Jup.
        Allein, um mehr Frauen in MINT zu bekommen müssen wir uns gezielt an die Väter wenden und insbesondere Frauen umerziehen. Deren mangelndes Wissen in Sachen Naturwissenschaften und Technik ist ein ernsthaftes Problem. So lange dieser bürgerliche Feminismus eine realistische Problembeschreibung blockiert, weil Frauen immer nur Opfer und nie verantwortlich sind, wird sich niemals etwas ändern.
        Die aktiven Väter und echte Väterlichkeit brauchen wir, da die heutigen Schneeflöckchen Produkte einer etwas verqueren, man könnte auch sagen desaströsen Erziehung sind.

          • Lies das mal: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ungleiche-vermoegen-oxfam-fordert-feministisches-wirtschaftssystem-a-d06055ae-31ea-45cb-85a6-48ca7b206646

            Das Ziel: „Die Staaten seien verpflichtet, eine „humanes Wirtschaftssystem zu bauen, das feministisch ist und den 99 Prozent nutzt, nicht dem einen Prozent“, heißt es im Oxfam-Bericht.“

            Die 99% beziehen sich auf dieses „Manifest“: https://en.wikipedia.org/wiki/Feminism_of_the_99%25

            „Die NGO hat überschlagen, dass eine pauschale zusätzliche Besteuerung der Superreichen um 0,5 Prozent bereits reichen könnte, um 117 Millionen neue bezahlte Jobs in der Altenpflege, im Gesundheitssektor sowie in der Bildung und der Kinderbetreuung zu schaffen.“

            Was bedeutet, die Schaffung einer staatlichen Infrastruktur analog zu den Wohlfahrtsstaaten zu schaffen, die gleichzeitig Job-Markt für Frauen sind und in ihrer Ideologie Frauen von der „unbezahlten care-Arbeit“ entlasten.
            Die wiederum vorher für eben diese „unbezahlte Arbeit“ von ihren Männern durch die eigene Erwerbsarbeit freigestellt worden sind. Wenn der Anteil der weiblichen Erwerbsarbeit an einem Haushaltseinkommen 0% ist (oder 23%, wie in D), dann wird wohl der männliche Anteil höher sein müssen, um dies zu kompensieren (an dem die Frau de jure einen Anspruch von 50% hat).

            Die Besteuerung der Superreichen wird nicht ausreichen, sondern man braucht ein Sozialversicherungssystem, welches durch allgemeine Steuern oder speziell durch Sozialversicherungsbeiträge finanziert wird.

            Aus Oxfam: „Unpaid care work is caring for people, such as bathing a child or taking care of adults who
            are sick or frail, and undertaking domestic work such as cooking and doing laundry, without
            receiving any explicit financial compensation. It usually takes place within households, but
            can also involve caring for friends, neighbours or other community members, including on a
            voluntary basis.“

            Was in vielerlei Hinsicht feministischer Quatsch ist, der einfach auf Lügen und Selbstbetrug basiert.

            Man kümmert sich um diese Menschen, weil einen in der Regel verwandschaftliche Bande verpflichten – die Eltern haben sich (unbezahlt) um einen gekümmert, nun kümmert man sich um die Eltern, wenn sie alt geworden sind.
            Man badet auch nicht irgendwelche Kinder unbezahlt, sondern in der Regel die eigenen.
            All diese Tätigkeiten sind Erwerbsarbeit, wenn sie mit einer Qualifikation einhergehen: Altenpflegerin, Kindergärtnerin und tatsächlich Arbeit an fremden Menschen und Kindern verrichtet wird.

            Wenn ich meinen kranken Vater besuche, wie viel ist dieser Besuch wert und wer bezahlt mich? Wenn ich meiner Schwester oder einer Freundin am Telefon zuhöre, kann ich ihr für diese „emotionale Arbeit“ eine Rechnung schreiben?
            All diese Tätigkeiten, die auf Gegenseitigkeit basieren zu monetarisieren und zu einer „Arbeit“ zu machen ist albern, passt aber in die Gedankenwelt eines neoliberalen Feminismus, der sich für „progressiv“ hält.

            Man wäscht in einem Haushalt neben der Wäsche anderer Menschen die eigene und auch bei der Zubereitung der Mahlzeiten wird man in der Regel für den Eigenbedarf mitkochen.
            Das wird bei der feministischen Kalkulation in der Regel „vergessen“.

            „Vergessen“ wird auch, wenn Eltern Kinder haben, dann ist die Frau als Elternteil ohnehin verpflichtet, 50% der Betreuung zu leisten. Ist dann ihr Anteil unbezahlt oder beide Teile? Wie sieht es aus mit ihrer Deckung der zusätzlichen finanziellen Kosten für das Kind? Hat sie die erarbeitet?

            Das Konstrukt „care-Arbeit“ ist ein feministischer Betrug und Selbstbetrug, der letzten Endes eine weitere Variante der bürgerlichen „bezahlten Hausarbeit“ ist.

          • @Crumar

            Vor allem: Weshalb sollte nur die Care-Arbeit plötzlich bezahlt werden? Die Schweiz ist politisch ein Milizsystem, da wird auf Gemeindeebene und vielfach Kantonsebene vielfach Gratisarbeit geleistet und das sind halt immer noch überwiegend Männer. Weshalb sollte diese Arbeit nicht einberechnet werden. Wenn ich meinen Garten naturnah anplanze, mache ich etwas für die Biodiversität, das der Allgemeinheit zugute kommt, weshalb sollte mir diese Arbeit nicht bezahlt werden. Man könnte tausend Dinge erfinden, wo man sagt, man machen Arbeit für die Allgemeinheit und dies müsste nun bezahlt werden. 🙂

          • Und erst Recht die Ehrenämter, all diese Ehrenämter. Wann werden die endlich mal angemessen bezahlt?

            Gerade das macht es für mich auch so deutlich: ohne die Bereitschaft von vielen Menschen, auch mal ohne gleich die Hand aufzuhalten Dinge zu machen, von denen sie, aber auch andere profitieren, würde vieles in unserer Gesellschaft nicht laufen, gar nicht existieren. Der komplette Amateursportbereich z. B. wäre aufgeschmissen, müssten die Vereine jedem ein Gehalt bezahlen, der irgendwas für sie tut. Die Monetarisierung von Arbeit ist auf vertraglich vereinbarte Erwerbsarbeit beschränkt und da sollte auch verdammt noch einmal so bleiben. Ein Wegbrechen der Bereitschaft, für sich wie auch andere Menschen unentgeltlich etwas zu leisten, nicht selten in dem Wissen, auch selbst immer wieder von unentgeltlichen Leistungen anderer Menschen zu profitieren, würde unsere Gesellschaft zunächst sehr viel ärmer und kälter machen und sie früher oder später zugrunde gehen lassen.

            Es ist schon wirklich herzerwärmend, an was für „Utopien“ die Feministinnen so beständig stricken…

          • @crumar, mark, billy: Ich habe jetzt die Oxfam Studie mal kurz überflogen, das ist wirklich gruselig. Die haben einfach gar nichts verstanden, weiter als reich = böse (außgenommen natürlich die Reichen haben das richtige=weibliche Geschlecht) können die nicht denken.
            Das tragikomische dabei: Die Mehrzahl dieser Pseudo-Weltverbesserer ist in der Grafik in dem roten vertikalen Balken auf der rechten Seite zu finden…

          • @Mark @Billy

            „Wenn ich meinen Garten naturnah anplanze, mache ich etwas für die Biodiversität, das der Allgemeinheit zugute kommt, weshalb sollte mir diese Arbeit nicht bezahlt werden.“
            Genau!
            Warum bekomme ich für meine Beiträge hier eigentlich kein Zeilenhonorar???
            Ich schreibe Christian erst mal ´ne Rechnung…

            „Und erst Recht die Ehrenämter, all diese Ehrenämter. Wann werden die endlich mal angemessen bezahlt?“
            Ich fürchte, der Clou an der feministischen Definition von care-Arbeit ist, sie ist haargenau so zugeschnitten, dass aus weiblicher Tätigkeit eine „Arbeit“ gemacht wird. 😉

            „Ein Wegbrechen der Bereitschaft, für sich wie auch andere Menschen unentgeltlich etwas zu leisten, nicht selten in dem Wissen, auch selbst immer wieder von unentgeltlichen Leistungen anderer Menschen zu profitieren, würde unsere Gesellschaft zunächst sehr viel ärmer und kälter machen und sie früher oder später zugrunde gehen lassen.“
            Meine Beobachtung ist, das passiert schon länger.
            Die Jugend-Multi-Multi-Funktionäre in den Gewerkschaften waren damals kein Einzelfall und ich glaube nicht, dass es sich auf Gewerkschaften beschränkt hat, sondern der Jugendbereich bröckelte ab Mitte der 90er überall weg. Die heutigen Dienstverpflichtungen zur Freiwilligen Feuerwehr sind die Konsequenz dieser Entwicklung.

            Unsere Gesellschaft ist ärmer, unsolidarischer und kälter geworden.
            Ich habe mich noch immer nicht daran gewöhnt, dass ältere Menschen beiderlei Geschlechts die Mülleimer nach Pfandflaschen durchsuchen, weil es das früher einfach nicht gegeben hat.
            Aber für die nachwachsende Jugend sind diese Zustände schon normal.

            „Es ist schon wirklich herzerwärmend, an was für „Utopien“ die Feministinnen so beständig stricken…“
            Ja. Colttaine hatte mit seinem „Communism For Two“ Unrecht; es geht um „Communism For One“ – ein Geschlecht lebt darin, das andere bezahlt.

          • Alles was nicht in euer Weltbild passt, ist scheiße und falsch. Ihr seid so vorhersehbar. Ein Forum von Männer für Männer und wenn alle paar Monate eine Frau vorbei kommt, geht sie sofort wieder, weil.ihr sie verbal aufesst.

            Die ganze Welt ist eine Verschwörung. Muss schlimm sein, so engstirnig zu sein.

          • Ach lightyear, du kannst ja nichtmal folgende eigentlich sehr einfache Aufgabe erfüllen:
            1. Geht bitte sachlich und inhaltlich auf diese paar Zeilen ein.
            2. Wenn möglich ohne Schmähungen.

            Sobald jemand deine „Wahrheiten“ infrage stellt oder anzweifelt kommen von dir nur mehr Schmähungen. Geh doch mal auf die Kritik an der Oxfam Studie ein anstatt hier mit Verschwörungen („ein Forum von Männern für Männer“) um dich zu werfen. Du forderst doch ständig eine sachliche Diskussion, dann solltest du aber auch liefern.

            Ansonsten nenne ich deine Verhalten beim Namen: cheap talk und nichts dahinter.

    • „Die nächste verlogene Runde, Männer in eine Defizitperspektive zu rücken folgt mit der Debatte um die „gerechte Verteilung“ der „care-Arbeit“, die mehrere Ziele verfolgt und die zu 50% reaktionär ist.
      Ich werde demnächst einen Text dazu verfassen.“

      Mach das! 

      Ist tatsächlich ein interessantes Thema, welches in der Art, wie es derzeit medial gepumpt wird, erkennbar darauf hinauslaufen soll, dass sich (vor allen Dingen feministische) Frauen qua Geschlecht endgültig leistungslos durchversorgen lassen können sollen. Gerade wieder diese hochgradig lächerliche „Studie“ dazu, wieviel „unentgeltliche Care-Arbeit“ Mädchen und Frauen ihr Leben lang leisten, natürlich immer mit der per Verschweigen intendierten Implikation, Jungen und Männer verbrächten natürlich derweil ihr Leben auf der Hängematte, lässt das Ansinnen klar erkennen 1.) dass gefälligst Männer mindestens 50 % davon übernehmen müssten und 2.) dass Frauen dafür gefälligst von irgendwem irgendein irgendwo erwirtschaftetes Geld bekommen müssten. Bekanntlich wird dabei, um überhaupt auf solche Zahlen zu kommen, regelmäßig unter Care-Arbeit auch so etwas subsummiert wie die „Pflege von Freundschaften“. Geld dafür bekommen, dass man mit Kumpels abhängt… Kann die Intention schon verstehen; hätten Männer sicher auch gerne, die sind sich, im Gegensatz zu Feministinnen, aber darüber im Klaren, dass man kein Geld für etwas verlangen kann, was keinerlei produktiven oder gesellschaftlichen Nutzen hat und nur dem eigenen Amüsement dient.

      Unter anderem bei diesem Thema macht sich aber auch die Komplexität des feministischen Netzwerks in unserer Gesellschaft bemerkbar. Institute liefern „Studien“, die schon alleine durch ihr beständiges Ignorieren der naheliegenden Vergleichsgruppe „Männer“ jegliche wissenschaftliche Lauterkeit vermissen lassen, diese werden, auffälligerweise teils wenige Minuten nach Veröffentlichung, direkt alle ohne jede kritische Distanz durch die „Leitmedien“ gepumpt und anschließend politisch aufgegriffen.

      Und um die unfassbare narzisstische Anspruchshaltung hinter solchen Kampagnen zu verschleiern, wird gleichzeitig mit erkennbarem quasireligiösem Eifer der Mythos von der Doppel- Dreifach- ach was sag ich: Hundertfachbelastung der Frauen als sich selbst aufopfernder Lichtgestalt am Leben erhalten. Es wird also gesellschaftlich – sprich zu mindestens also auch 50 % von Frauen befeuert – von Männern schlicht erwartet, der Haupternährer zu sein, gleichzeitig wird denen dann aber auch mit zunehmendem Tugendfuror vorgeworfen, faule Schweine zu sein, wenn sie nicht (wie üblich MINDESTENS) 50 % der „Care-Arbeit“ mit übernehmen. Die galoppierende Ungerechtigkeit dabei, von denen, die schon einen großen Teil der Woche damit verbringen, das Gros des Familieneinkommens zu verdienen, dann auch noch mindestens die Hälfte der familiären Arbeiten aufzulasten, wird dadurch vernebelt, indem man beständig die Dichotomie aufmacht, von den Frauen, die vom Patriarchat dazu gezwungen werden, nur in Teilzeit zu arbeiten oder gar ausschließlich als Hausfrau tätig zu sein, während die Männer sich im Berufsleben „selbst verwirklichen“.

      Alleine diese Darstellung verrät, aus welchen Kreisen diese Propaganda stammt. Denn niemand, der in seinem Leben auch nur einen Tag ernsthaft einer produktiven Erwerbsarbeit nachgegangen ist, käme auf die Idee, diese pauschal als „Selbstverwirklichung“ zu etikettieren. Mindestens 95 % der Männer verrichten Arbeit, die von Selbstverwirklichung nicht weiter entfernt sein könnte. Und sie tun dies vor allem, um sich und ihre Liebsten durchzubringen. Für Kohle und sonst nichts.

      Würden sich diese Institutions-Femi-Trullas auch nur eine Sekunde mal mit dem beschäftigen, über was sie ununterbrochen sabbeln zu können glauben und verfügten sie darüber hinaus auch noch über zumindest ein Mindestmaß an Anstand, müssten sie unvermittelt vor Scham im Erdboden versinken, in Anbetracht dessen, was viele Männer für ihre Frauen und Kinder an Arbeit leisten und was über die schlichte Bezeichnung als „Selbstverwirklichung“ von diesem Charakterprekariat nonchalant in schieren Egoismus umgedeutet wird.

      Was mich immer wieder erschreckt, ist dabei aber, wie es diesem eingangs beschriebenen feministischen Komplex gelungen ist, über vor allem mediale Dauerbeschallung, diesen ganzen offensichtlichst kontrafaktischen, geistigen Dünnschiss zu gesellschaftlichem „Common Sense“ werden zu lassen. Was wieder mal – nicht gänzlich frei von resignativem Potential – aufzeigt, dass man auch in unserer „modernen, aufgeklärten“ Gesellschaft keine Fakten braucht – man kann sogar völlig weltfremden, sich mit jeder Form von Lebenswirklichkeit beißenden Bullshit verbreiten – um in ausreichender Breite Menschen von seinen ideologischen Dogmen zu überzeugen. Nach wie vor benötigt man nur ausreichend Penetranz gepaart mit Skrupellosigkeit und ausreichend soziales Kapital, um darüber die Bevölkerung damit in ausreichender Dauer zu konfrontieren.

      • „Was mich immer wieder erschreckt, ist dabei aber, wie es diesem eingangs beschriebenen feministischen Komplex gelungen ist, über vor allem mediale Dauerbeschallung, diesen ganzen offensichtlichst kontrafaktischen, geistigen Dünnschiss zu gesellschaftlichem „Common Sense“ werden zu lassen.“

        Wenn ich in meinem Leben zurückschaue, dann muss ich feststellen, dass dieser kontrafaktische Dünnschiss weit länger existiert, als die mediale Dauerbeschallung.
        Mein Vater war Schwerarbeiter, mein Großvater auch, der zusätzlich noch in einem lebensgefährlichen Job. Beide waren aber davon überzeugt, dass ihre Frauen es schwerer hatten, als sie selbst.

        Wenn ich annehme, dass auch sie nicht die erste Generation dieser Überzeugung waren, dann führt mich das direkt in die Steinzeithöhle, wo die Frau jammerte, der Mann würde sich jeden Tag im Schnee mit den Wollnashörnern amüsieren, während sie dort in der zugigen Höhle frieren müsse.
        Also erfand der Mann – nein, keine effizientere Jagdmethode – Türen und Fenster für die Höhle.
        Er fror zwar immer noch, aber die Frau hatte es leichter – und jammerte über das nächste Thema.

        • „Der Fischer und seine Frau“ legt zwar nahe, dass zumindest die weibliche Tendenz zum Dauernörgeln keine Sache der Neuzeit ist, aber die fortschreitende Entsolidarisierung der Geschlechter, die nach meinem Empfinden auch sehr einseitig als solche läuft, während von der männlichen Seite dem von vielen scheinbar mit einer Art Überkompensation in Form völlig durchgedrehten „Frauen wirklich alles durchgehen Lassens“ begegnet wird, das scheint mir eher eine Entwicklung der Neuzeit, wobei ich diese nicht auf die modernen Medien schieben würde, sondern zeitlich viel eher auf den Beginn der Industrialisierung.

          Das, was du beschreibst, dass schon bei deinen Großeltern sowohl die Frau als auch (Stichpunkt Überkompensation) sogar der Mann selber glaubten, die Frau habe allzeit das schwerere Los, geht für mich darauf zurück, dass sich durch die erhebliche Zentralisierung der zu der Zeit fast ausschließlich von Männern geleisteten Erwerbsarbeit eine – gerade in zweiter und dritter Generation – Entfremdung der Lebenswirklichkeiten eingestellt hatte. Die Männer arbeiteten in Fabriken, die irgendwo am Arsch der Welt waren, was für sie, zusätzlich zu den langen Schichten noch bedeutete, dass sie stundenlang zu Fuß unterwegs waren. Sie waren für ihre Kinder vollständig und für ihre Frauen beinahe von Montag bis Samstag nonexistent. Während in früheren Zeiten Männer und Frauen ihrer beider Alltag in der Regel gegenseitig miterlebten, ihm zumindest in größerem Maße Zeuge werden konnten, bekamen sie nun nicht mehr wirklich viel voneinander mit.

          Man sah sich kaum, was gewiss zu auch menschlicher Entfremdung führte und Tür und Tor öffnete, dass sie – vor allem die zu Hause „hockenden“ Frauen – sich den unbekannten Raum des Alltages ihres Ehepartners zunehmend mit jeder Menge Eigenvorstellungen auffüllten. Gewiss war das Leben einer Hausfrau und weitgehend mit den Kindern alleine dastehenden Mutter zu dieser Zeit auch alles andere als ein Zuckerschlecken, da aber bekanntlich immer die Arbeit, die man selber zu verrichten hat, die absolut schwerste von allen ist, bildeten sich da wohl gewisse Vorstellungen davon, dass die Kerls da eh die meiste Zeit nur irgendwo saufend rumsitzen, während die Frauen sich um das Chaos zu Hause zu kümmern hatten.

          Warum haben dann auch Männer diese verquere Vorstellung davon übernommen, dass sie, obwohl sie doch wissen mussten, was sie selber so an Arbeit leisteten, das verglichen mit ihren Frauen „Glückslos“ gezogen hatten? Naja, von wem haben sie denn die gesamte Kindheit über vorrangig die Informationen bezogen, wer es wie schwer hat? Und hinzu kommt wohl noch die Neigung von uns Männern, sowieso irgendwie immer Frauen unterstützen zu wollen…

          Das sind wahrscheinlich Ausführungen, die jedem Soziologen und Historiker graue Haare bescheren, was ich mit meinen unterkomplexen Ausführungen ausdrücken wollte, ist aber in erster Linie, dass nach meiner Auffassung die Industrialisierung in, gemessen an der Menschheitsgeschichte, sehr kurzer Zeit gewaltige Umbrüche im Leben der Menschen, der Familien herbeigeführt hat. Das hat gerade in den Zeiten, bevor staatliche Reglementierungen der Arbeit Einzug gehalten haben, gewiss soziale Wunden gerissen, die bis heute nicht ganz verheilt sind. Nicht zuletzt, weil vor allem die mannigfaltigen Mythen über die Männer, denen es im Vergleich zu den Frauen doch so goldig geht, von einschlägig interessierten Lobbyisten gezielt am Leben erhalten, repliziert und auch auf andere Lebensbereiche als nur das Arbeitsleben projiziert werden.

          • „Das, was du beschreibst, dass schon bei deinen Großeltern sowohl die Frau als auch (Stichpunkt Überkompensation) sogar der Mann selber glaubten, die Frau habe allzeit das schwerere Los“

            Auf dieser Grundlage frage ich mich nämlich, das Thema weibliche Care Arbeit betreffend, wie Studien zu dem Ergebnis kommen, dass Frauen die meiste Care Arbeit leisten. Weil man Frauen gefragt hat und diese klassischer Weise behaupten, dass sie ja die meiste Arbeit verrichten, weil das ganze Gewicht der Welt auf ihren Schultern lastet (verzerrte Selbstwahrnehmung und Selbstüberschätzung) und der Mann eben selbst daran glaubt und angibt, dass die Frau ja mehr arbeitet.
            Haben die, die die Studie durchführen, Kameras in den Haushalten installiert?

          • @Moloch

            Solche Studien leiden in der Tat unter drei eklatanten Mängeln, auf die schon Arne Hoffmann hinwies:

            1. Sie basieren in der Regel auf Selbstauskünften und sind nicht Produkt bspw. einer (teilnehmenden) Beobachtung.
            2. Damit produzieren sie geschlechterspezifische Fehler, die gut erforscht sind, dass nämlich Männer den Zeitaufwand für Tätigkeiten chronisch unter- und Frauen chronisch überschätzen und auch so festhalten.

            Der dritte Fehler ist ein konzeptioneller, der schon bei der Erfassung von „Hausarbeit“ auffällig ist.
            Es werden nicht etwa alle im Haushalt angefallenen Tätigkeiten erfasst, sondern nur solche, die von Frauen verrichtet werden.
            Beispiele: Wohnung renovieren? Keine Hausarbeit. Steuererklärung machen? Keine Hausarbeit. Regenrinne säubern? Keine Hausarbeit. Reparatur des Autos? Keine Hausarbeit.

            Auf diese Art und Weise erfasst man aber keine Hausarbeit, sondern Hausfrauenarbeit.
            D.h. diese Studien sind wissenschaftlich schon Altpapier, bevor sie überhaupt veröffentlicht worden sind.
            Sie werden ausschließlich aus ideologischen Gründen wiedergekäut, weil u.a. nur so eine „Doppelbelastung“ als zeitliche Mehrarbeit von Frauen verkauft werden kann.

            In einer kanadischen Studie zur „care-Arbeit“ sind die Forscher richtig herum vorgegangen; sie haben ERST geschaut, WELCHE Tätigkeiten die Geschlechter verrichten und sie DANN gemessen.
            Auf diese Art und Weise ist eben nicht unter den Tisch gefallen, dass schwere Einkäufe tätigen, Rasen mähen, Reparaturen am Haus zu einer männlichen „care-Arbeit“ gehören.
            Wenig überraschend kam bei der Sorge um die Eltern heraus, der Anteil der beiden Geschlechter an dieser „care-Arbeit“ war ungefähr gleich groß.
            Wir können alle raten, warum diese Studie und eine solche Vorgehensweise äußerst unpopulär in feministischen Kreisen ist…

            Wer diese männlichen Tätigkeiten per Definition einfach wegfallen lässt, weil nur interpersonale Tätigkeiten erfasst und gemessen werden – was Oxfam nahe legt – hat kein Interesse an korrekten Resultaten, sondern verfolgt eine politische Agenda.

          • @crumar. Sehr gut. Danke für die Ausführungen.
            Man muss sich wohl damit abfinden, dass „care Arbeit“ Neben dem Gender Paygap die nächste Lüge ist, die permanent durchs Dorf getrieben wird und tatsächliche Fakten für Leute, die diese Lügen ständig reproduzieren, irrelevant sind.

  3. Interessant wäre noch zu untersuchen inwieweit der Exodus der gut ausgebildeten aus dem Osten diese Unterschiede erklärt. Wäre es beispielsweise denkbar, dass die verbliebenen Frauen im Osten sich bei den verfügbaren Partnern weit weniger auf die wirtschaftliche Mitarbeit verlassen können als im Westen? (höhere Arbeitslosigkeit, geringeres Lohnniveau usw) Man sollte da eben auch untersuchen, dass das nicht nur einfach zwei geografisch getrennte Gruppen sind, sondern eine völlig andere Sozialstruktur dahinter steckt. Zusätzlich natürlich die Nachwirkungen der DDR (Scheidungsrecht, Verpflichtung zur Arbeit, keine freie Berufswahl)

    • @Christian @Sebastian

      „Interessant wäre noch zu untersuchen inwieweit der Exodus der gut ausgebildeten aus dem Osten diese Unterschiede erklärt.“

      Eher nicht.
      Es gibt die Differenzen in der Erwerbsneigung bei Frauen zwischen Ost und West selbst auf der Ebene derjenigen Frauen, die gerade entbunden haben seit langer Zeit und zwar unabhängig von der Qualifikation.
      Die Frauen wiederum, die den Exodus hinter sich haben, passen sich den Verhältnissen im Westen an und bilden einen Hybrid (also zwischen Ost und West).
      Das deutet auf andere gesellschaftliche Verhältnisse hin (die Existenz von Betreuungseinrichtungen für Kinder), bricht aber nicht das kulturelle Muster einer erstrebenswerten finanziellen Unabhängigkeit für Frauen.
      Die ehemalige BRD war hingegen bereit, erhebliche finanzielle Mittel in die Alimentierung der Ehe zu stecken und finanzierte so traditionelle Vorstellungen, die von Frauen gewählt worden sind und auch heute noch gewünscht werden.
      Man sollte nicht vergessen, bis in die 70er Jahre wählten mehr Frauen die CDU und mehr Männer die SPD; Angesichts des Frauenüberhangs durch den 2 WK finde ich es komisch anzunehmen, es wäre auch vorher möglich gewesen, gegen diese Fraueninteressen zu regieren.
      Es wurde ein umfassend traditionelles, konservatives Gegenmodell zu dem in der DDR entworfen und das wurde bis in die 70er gewählt.

      „Sie verstehen die Frage so, was sie unter ansonsten ideal zu bestehenden am liebsten hätten.“

      Das ist erstens richtig, aber woher kommt dieses „Ideal“ in ihren Kopf? Würden wir Angesichts der medialen / feministischen Dauerberieselung nicht ein anderes Ideal erwarten?
      Ist es nach 50 Jahren Feminismus nicht wenigstens merkwürdig, dass die Mehrheit der befragten Mädchen und jungen Frauen vom Mann verlangen, er möge sie durch seine (Vollzeit-) Arbeit alimentieren?

      „Planen Sie ein, dass einer von beiden in der privatwirtschaft arbeitet und einer von beiden im öffentlichen Dienst und der im öffentlichen Dienst wesentlich leichter reduzieren kann?“

      Ja, das ist ein Muster, das ich wenigstens anekdotisch kenne.
      Die größte Wahrscheinlichkeit, eine akademisch ausgebildete Frau anzutreffen, ist die mit dem Beruf Lehrerin – m.E. stellen diese auch die größte Gruppe der Akademikerinnen.
      Wenn man dann noch „Gesundheit“ und „Soziales“ addiert, hat man eine Ursache gefunden, warum die Diskussionen zwischen den Geschlechtern systematisch scheitern.
      Sie verstehen sich als bessere Alternative zu einem System, das es überhaupt erst möglich macht, dass diese Alternative existiert.

      • @crumar
        „Ist es nach 50 Jahren Feminismus nicht wenigstens merkwürdig, dass die Mehrheit der befragten Mädchen und jungen Frauen vom Mann verlangen, er möge sie durch seine (Vollzeit-) Arbeit alimentieren?“

        Über alle grossspurigen öffentlich gepredigten Werte weg sind es doch die ganz banalen materiellen Dinge des Lebens, die die Leute bestimmen. Das Ideal des Alleinverdieners ist lediglich ein Wunsch nach Wohlstand, der in diesem Modell eben traditionell garantiert erscheint. Den Leuten ist klar, dass sie durch Doppelverdienst vor allem in ein Hamsterrad zur gefälligen Mehrbesteuerung gezwängt werden sollen. Niemand glaubt das abgehobebe verlogene Gerede von der angeblich grösseren „Emanzipation“ oder jetzt höheren Sicherheit, die mit Mehrbeschäftigung einhergeht.

        Soweit in der alten BRD, auf dem DDR-Gebiet werden diese Ideale auch irgendwann einziehen.

        Tja, in erster Linie arbeitet der Mensch um zu leben, er lebt nicht um zu arbeiten und das ist auch der Hauptgrund für das Ideal der geschlechtlichen Arbeitsteilung.

        • @Alex
          „Den Leuten ist klar, dass sie durch Doppelverdienst vor allem in ein Hamsterrad zur gefälligen Mehrbesteuerung gezwängt werden sollen.“

          Ja, man vergisst immer, dass der „Familienlohn“ für den Mann eine erkämpfte Errungenschaft war.
          Um nämlich Frau und Kindern eine harte Erwerbsarbeit zu ersparen.
          Dass „deine Frau muss arbeiten“ in der BRD für einen Mann einmal als ehrenrührig galt und auch ein Gersterkamp mit seiner Formulierung vom „proletarischen Antifeminismus“ gar nicht so daneben lag, ist inzwischen vergessen.
          Natürlich ist es einfach, heute zu kontern, es wurde die Frau gar nicht gefragt, ob sie dermaßen beschützt werden wollte. True.
          Was aber feministisch konstruiert worden ist, also daraus einen „patriarchalen Zwang“ zu machen, entspricht nicht den Tatsachen.

          Ich hatte einmal die Quellen von Rosin überprüft und natürlich hat sie das Gegenteil von dem in ihrem Buch (End Of Men) behauptet, was aus diesen hervorging: Die legendäre „Doppelbelastung“ gab es in den USA historisch nur in einer kurzen Zeitspanne, die genau mit dem Erstarken der zweiten Welle des Feminismus zusammenfiel. Davor nicht und danach auch nicht.
          Als ihr Buch erschien, arbeiteten Männer in der Addition von Erwerbs-, Haus- und „care-Arbeit“ längst wieder länger als Frauen.
          Das offensichtlich „doppelt- und dreifach belastete“ Geschlecht ist männlich.
          Beide Geschlechter aber – das ist der eigentliche Witz – arbeiten länger als noch in den 70ern.
          Von daher hat für mich der feministische Versuch, die Geschlechter gegeneinander auszuspielen immer die Funktion einer nützlichen Idiotin.

          „Tja, in erster Linie arbeitet der Mensch um zu leben, er lebt nicht um zu arbeiten und das ist auch der Hauptgrund für das Ideal der geschlechtlichen Arbeitsteilung.“

          Beim ersten Teil des Satzes stimme ich dir zu.
          Mir ist nicht ganz klar, wo all die Menschen in D zuhause sind, die „Karriere machen“ wollen und können. Oder eine solche Karriere überhaupt anstreben.
          Ich glaube, viele Menschen präferieren ein gelingendes (Familien-) Leben und gute Freunde und sind ganz froh, wenn der Feierabend anbricht.
          Das „Ideal der geschlechtlichen Arbeitsteilung“ hingegen gibt es spätestens seit der Einführung funktionierender Verhütungsmethoden nicht mehr.
          Ich fand die Entkopplung von Sexualität und Reproduktion eigentlich dufte – und um ehrlich zu sein auch die Entkopplung des Heiratsmarktes vom Sexualmarkt.
          Die Verhältnisse sind seitdem komplizierter geworden, ich kann mir aber nicht vorstellen, irgendwer möchte wirklich zurück zu „sie mussten heiraten“.

          • @crumar, eine geschlechtliche Arbeitsteilung macht nach wie vor Sinn, der Aufwand für weniger Kinder ist einfach mehr geworden und die Dinge drumherum sind trotz aller Arbeitserleichterungen durch die Technik eher noch mehr geworden. Ausserdem lohnt sich die Zweitarbeit dank Steuer nicht wirklich, da bleibt nicht üppig was hängen, dass das nur was für Leute ist,die es nötig haben (Kredite abzahlen, Konsum).

          • @Alex

            Gut, nur macht das für mich keinen Sinn.
            Kinder finde ich toll, ich sehe die „dazu gehörende“ Partnerin nicht.
            Wenn es nach mir geht, hätte ich gerne die Auswahl der „Eierbank“ und eine Leihmutter oder zwei.
            Vom Status her wäre ich „alleinerziehender Vater“ und das ist gar nicht so schlecht.
            Ich hätte keine beknackten Vorstellungen über Kindererziehung zu berücksichtigen, es gäbe auch niemanden, der mir potentiell in den Rücken fällt oder die Kinder entführt.
            Mein Haus bliebe mein Haus und die Kinder erben das Haus, in dem sie groß geworden sind.
            Ich würde gerne Pflaster kleben, Gute-Nacht-Geschichten vorlesen und Kartoffeldruck-Kalender fabrizieren, aber niemals bei einer Frau bleiben, deren beste Eigenschaft es war, diese Kinder hervor zu bringen.
            Eure Ideen laufen deshalb immer auf – mehr oder weniger – unverhohlenen Opportunismus hinaus.
            Ihr liebt die Kinder und ertragt (deshalb) die Frauen.
            Nicht meine Welt.

          • „Ihr liebt die Kinder und ertragt (deshalb) die Frauen.“

            Erschreckend häufig, ja.

            Auf der anderen Seite leben wir nicht in einer Welt, wo mann sich seine Kinder per Eierbank und Leihmutter machen lassen kann/darf.
            Du musst die Mutter immer als Dreingabe mitnehmen, willst Du dieses einmalig schöne Erlebnis der Kinderaufzucht erfahren.
            Ich hatte es seinerzeit fast als Segen empfunden, dass die Mutter meiner Kinder mich mit wochenlangem Schweigen zu „bestrafen“ suchte. Dadurch konnte ich sie ignorieren und mich voll auf die Zwerge konzentrieren. Irgendwann war sie tatsächlich „weg“, solange sie mich von ihren Eruptionen aus Streitsucht verschonte.

  4. Was ich an diesen Studien kritisiere ist die Darstellung der Ergebnisse als unumstößliche Fakten.
    Crumar, Lukas und die anderen haben schon auf Schwächen hingewiesen.

    An anderer Stelle hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass Jungs und junge Männer sich vielleicht (wahrscheinlich) deshalb in der Versorgerrolle und in einer 40h-Woche sehen, weil das eine verinnerlichte Rollenerwartung ist.
    Die Frage, die da bei mir dann immer aufblubbert ist, ob die Jungs/Männer sich auch dann in einer 40h-Woche sehen, wenn auf andere Weise die Familie wirtschaftlich abgesichert werden könnte.
    Das wird aber in keiner Studie diskutiert.

    Dagegen überschlagen sich die Demoskopen geradezu im Lob über die Flexibilität der modernen Frauen/Mädchen.
    Diese Flexibilität ist aber
    1. statistisch belegt nicht gegeben und
    2. ist es immer leicht, flexibel zu sein, wenn man jemanden in der Hinterhand hat, der sie absichert.

  5. „Hier lassen sich die Erfolge des (West-) Feminismus besichtigen: Die Mehrheit der jungen Frauen (zumindest im Westen) strebt 2019 weder eine Beschäftigung über Teilzeit hinaus an, möchte, dass der Mann Vollzeit arbeitet und sieht den Mann als Haupt- oder Alleinversorger.
    Das ist die ernüchternde Bilanz nach 50 Jahren Feminismus und es steht zu befürchten, die Einführung des Gendersternchen wird daran nichts ändern, weil auch das Binnen I seltsam wirkungslos blieb…“

    Für wen ist diese Bilanz denn ernüchternd? Das Binnen-I hebt Frauen in jedem Satz besonders hervor, so wie ihnen früher in den Mantel geholfen oder jeder Stofffetzen als hübsches Kleid gelobt wurde. Sie werden inzwischen überall hofiert, nicht nur in der Sprache. Bei der Jobsuche, mit Frauenparkplätzen, bei GirlsDays, in der Kriminalstatistik. Sie werden ständig als die armen Benachteiligten gestreichelt und als die besseren Menschen gekrault. Für sie werden Mindestquotierungen geschaffen, sie werden angebettelt, politisch teilzunehmen, was natürlich im Rahmen einer patriarchalen Rape-Culture kaum zumutbar erscheint. Sie können sich ohne Probleme für oder gegen die eigenen Kinder entscheiden, diese weggeben oder auch ganz alleine besitzen. Selbst beim grotesken Tampon-Steuer-Aufschrei kuscht der kleine Wicht Scholz sofort und reduziert die Abgaben.

    Nach wie vor steht es allen Frauen frei, sich einen Versorger zu suchen, um am Pool rumzulungern, bis es ihnen zu reizarm und langweilig wird. Der knusprige Paketbote hat es immer so eilig, dann eröffnen sie eben ein Schokoladengeschäft oder eine Galerie für die eigenen Bilder.

    Also besser kann es nicht laufen, wenn man mal die Folgen des Feminismus ohne diesen hässlichen Zusatz „Gleichbereichtigung“ betrachtet.

    Und das merken auch die Jugendlichen, selbst wenn die Shell-Studie nicht danach fragt. Immer mehr Jungs stinkt es, dass es für sie in unserer Gesellschaft keinen positiven Lebensentwurf mehr gibt. In eine Führungsposition zu gelangen und zu malochen, um der Dame den Pool und den elektrischen Volvo-SUV zu finanzieren, sich dann aber überall anhören zu dürfen, dass es doch gar nicht angehe, dass da ein Mann sitzt und viel verdient, ist nicht mehr wirklich erstrebenswert.

    Was soll ein Junge also für ein Leben anstreben, wenn Shell nachfragt?

  6. Sie sie mit zwei Teilzeitstellen über die Runden kommen solle? ist eigentlich kein großes Problem, wenn man seine Prioritäten richtig sortiert und nicht vom Lebensstandard zweier Vollverdiener mit entsprechenden Hypotheken plötzlich zurückstufen muss. Da liegt doch meist das Problem, wenn man sich an zwei Vollzeitgehälter gewöhnt hat. Wie es in Fight Club So schon heißt: „Things you Own, End up owning you.“ Wenn die Jugendlichen verstanden haben wäre das Perfekt.
    Dann allerdings durchschnittlich mehr Frauen nicht dazu bereit sind und von ihrem Mann dann eine Vorzeitstelle erwarten zeigt mal wieder das typische Problem. Da Männer, die eine Familien haben wollen, von der Bereitsschaft der Frauen mehr abhängen als umgekehrt, werden Männer hier vermutlich wieder größere Kompromisse eingehen. Ich habe bereits 2002 eine Studie gelesen, nach der Männer mehrheitlich vor der Geburt angaben, sie wollten ein engagierterer Vater sein. Nach der Geburt sah das dann ganz anders aus. Meiner Meinung nach aus denselben Gründen, weil ihre Meinung nach der Geburt wenig zählt.
    Insofern wird sich hier die Geschichte wiederholen, solange bis Männer diese Vorstellung auch mal durch eine rechtliche Gleichstellung problemlos durchsetzen können, und keine Panik vor einer Trennung mit Kindsverlust haben muss. Erst dann werden wir wirklich sehen, wie viele dieser 0-2 Monate Elternzeitväter wirklich nur so wenig Zeit mit den Kindern verbringen wollten und wie viele einfach nur einen demütigenden Konflikt vermeiden wollten.

    • „Erst dann werden wir wirklich sehen, wie viele dieser 0-2 Monate Elternzeitväter wirklich nur so wenig Zeit mit den Kindern verbringen wollten und wie viele einfach nur einen demütigenden Konflikt vermeiden wollten.“

      DAS sind die entscheidenden Fragen, nicht die nach der Lebensplanung irgendwann in ferner Zukunft.
      Solche Umfragen, wie die ShellStudie reproduzieren nur eine Echo-Kammer.
      Die Mädchen antworten in etwa das, von dem sie glauben, dass man diese Antwort von ihnen erwartet.
      Sie sind ja ganz virtuos im Umgang mit der Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten.
      Da wird auf der Demo gegen die WHM protestiert, die in ihrer grenzenlosen Geldgier die Welt zerstören, während das naturgute Mädchen den „Kaffee to go“ aus dem Einweg-Plastikbecher schlürft, weil ihr das Zurückbringen oder Auswaschen des Bechers zu anstrengend ist.

      • Ja, ich bin der Meinung, die Mehrheit der Umfragen und Studien zu dem Thema kann man getrost im Altpapier entsorgen.
        Es wurde keine Wissenschaft betrieben, sondern die „Wissenschaftler“ sind Anhänger eines religiösen Erweckungs- und Erlösungsglaubens, die auf der Suche nach Bestätigung für ihren Glauben im Modus „listen and believe“ unterwegs sind.
        Es gab und gibt keine Skepsis in Sachen „sozial erwünschter Antworten“ für Mädchen, junge Frauen und Frauen und auch keine andere Perspektive.

        Dass fatherleft hier die Möglichkeit eröffnen muss, Männer würden „einfach nur einen demütigenden Konflikt vermeiden“ wollen und nicht überbezahlte Religioten an den Universitäten diese überhaupt in Betracht ziehen, zeigt auf, wie stupide diese Art von „Forschung“ ist.
        Selbst eine simple Kontrollfrage, ob sich junge Frauen und Frauen überhaupt gemäß ihrer Ideologie verhalten unterbleibt, geschweige, warum sie exakt das Gegenteil von dem tun, was sie für sich als Ideal äußern.

        Gut und nicht schlecht ist dagegen, dass die maskulistische (=kopernikanische) Wende nicht aufzuhalten ist. Ihr Religioten werdet das heliozentrische Weltbild nicht verhindern können, das gynozentrische wird untergehen. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.