Intersexuelle als Falsifikation der Theorie von den zwei Geschlechtern

Crumar schrieb einen interessanten Kommentar:

Die eigentliche Fallacy ist m.E. die des erfundenen „schwarzen Schwans“.
Meiner Meinung nach findet der gesamte Schwindel der Argumentation – darum handelt es sich m.E. – auf einer erkenntnistheoretischen Ebene, also eine Ebene tiefer statt.

Das Bild der Verteilung zwischen Männer/Frauen/Intersex, letztere mit einem Anteil von 0,02% an der Gesamtbevölkerung, ist dabei ein guter Ausgangspunkt meines Arguments, denn beim Betrachten des Bildes könnte man mit dem Autor Schulter zuckend feststellen: „There is no sex spectrum, just a small number of people who’s sex is ambiguous or their sex genotypes don’t match their phenotype.“

In der Argumentation der „progressiven“ Lyssenkoisten (https://de.wikipedia.org/wiki/Trofim_Denissowitsch_Lyssenko) wird jedoch die pure Existenz von Intersexuellen triumphierend verwendet, um den sexuellen Dimorphismus in Gänze zu verwerfen.

Wie funktioniert der Trick?

Indem eine etablierte wissenschaftliche Denkweise, die Falsifikation im Rahmen des Kritischen Rationalismus, benutzt und korrumpiert wird.

Wikipedia liefert ein anschauliches Beispiel: „Sind alle Schwäne weiß? Die klassische Sicht der Wissenschaftstheorie war, dass es Aufgabe der Wissenschaft ist, solche Hypothesen zu „beweisen“ oder aus Beobachtungsdaten herzuleiten. Das erscheint jedoch schwer möglich, da dazu von Einzelfällen auf eine allgemeine Regel geschlossen werden müsste, was logisch nicht zulässig ist. Doch ein einziger schwarzer Schwan erlaubt den logischen Schluss, dass die Aussage, alle Schwäne seien weiß, falsch ist. Der Falsifikationismus strebt somit nach einem Hinterfragen, einer Falsifizierung von Hypothesen, statt nach dem Versuch eines Beweises.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus

Die „progressiven“ Lyssenkoisten arbeiten mit einem Trick, der aus zwei Teilen besteht:

  1. Die Existenz von Intersex (schwarzer Schwan) beweist, es gibt nicht nur Männer und Frauen – also Menschen mit Übereinstimmung von geschlechtlichem Genotyp und Phänotyp!
  2. Damit ist die Aussage falsifiziert, es gäbe verschiedene Geschlechter mit übereinstimmendem Genotyp und Phänotyp (weißer Schwan).Folgerung: Also gibt es auch keinen sexuellen Dimorphismus, sondern nur ein sexuelles Spektrum.

Die Taktik ist, dem Gegner eine (All-) Aussage („alle Schwäne sind weiß“) unterzuschmuggeln, die dieser gar nicht getätigt hat. Es kann unter dem Gesichtspunkt der Mutation überhaupt nicht ausgeschlossen werden, dass in allen Fällen geschlechtlicher Genotyp und Phänotyp eines Menschen identisch ist. Es wird also eine Aussage Pseudo-falsifiziert, die aus einer bloßen Behauptung besteht, sie wäre getätigt worden.

Schauen wir uns nun noch einmal die Folgerung der „progressiven“ Lyssenkoisten an: „Es gibt keinen sexuellen Dimorphismus, sondern nur ein sexuelles Spektrum.“
Das ist – klammheimlich – ein sehr stattlicher weißer Schwan (Allaussage).
Von dieser Behauptung kann man im Hinblick auf die empirische Realität sagen, der weiße Schwan besteht zu 99,98% aus einem schwarzen Schwan. /sarcasm off
Dass es eine Gruppe von Menschen in der Bevölkerung, mit einem Anteil von 0,02% an der Bevölkerung gibt, für die „who’s sex is ambiguous“ gilt, heißt für die „restlichen“ 99,98% nämlich gar nichts.

Der Versuch, eine (allgemeine) Aussage über die Wirklichkeit von ihren statistischen Rändern her aufzubauen ist zwangsläufig zum scheitern verurteilt und die Argumentation der Lyssenkoisten basiert auf billigen Tricks: „There is no single factor“ zu schließen beruht darauf zu unterstellen, der Gegner in der Argumentation hätte gesagt, es gäbe nur einen.

Der Testosteron-Trick funktioniert ähnlich.

Die bloße Anwesenheit von Testosteron im Blut von männlichen und weiblichen Körpern ist tatsächlich gar nicht einmal relevant. Der Witz ist, 90% des Testosterons wird bei Männern in den Hoden produziert und die Rezeptoren für Testosteron unterscheiden sich nach Geschlecht.
Im Rahmen des Leistungssports sollen diese Heuchler doch erklären, warum nicht biologische Frauen auf die Idee kommen als Transmann in Konkurrenz mit Männern zu brillieren.
Alle wissen – im Hinblick auf die Ergebnisse – das ganze ist eine biologische Einbahnstraße und damit wäre dieser Hokuspokus der Lyssenkoisten auch schnellstens vorbei.

Der Ansatz über die Falsifikation ist wahrscheinlich in der Tat der, der vielen Genderfeministen etc hier vorschwebt. Deswegen waren sie auch so begeistert von dem Nature-Artikel „Sex redefined„, weil dieser noch viel mehr „Falsifikationsansätze“ in den Raum stellte und damit scheinbar die Aussage noch deutlicher widerlegte.

Interessant wäre dann aber, welche Aussage man eigentlich treffen kann, die nicht so leicht zu falsifizieren ist wie die untergeschobene. Crumar schrieb:

Die Taktik ist, dem Gegner eine (All-) Aussage („alle Schwäne sind weiß“) unterzuschmuggeln, die dieser gar nicht getätigt hat. Es kann unter dem Gesichtspunkt der Mutation überhaupt nicht ausgeschlossen werden, dass in allen Fällen geschlechtlicher Genotyp und Phänotyp eines Menschen identisch ist. Es wird also eine Aussage Pseudo-falsifiziert, die aus einer bloßen Behauptung besteht, sie wäre getätigt worden.

Die Aussage, die es zu widerlegen gibt, wäre dann vielleicht die in der Besprechung des Nature Artikel angedachte

Es gibt selbstverständlich genau zwei Geschlechter:

  • Weibliches Geschlecht, bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige, das die Eizellen bereitstellt
  • Männliches Geschlecht, bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige, das die Samenzellen bereitstellt

Alles andere sind selten vorkommende und üblicherweise auf einem fehlerhaften Ablauf der Vorgänge herstammende Sonderfälle, die meist nicht dem eigentlichen „Plan“ entsprechen und zu einer Vermischung der beiden Geschlechter führen. Da sie aber keine anderen Keimzellen produzieren können sie kein weiteres Geschlecht sein.

Wäre das besser? Was wäre eure Formulierung?

 

63 Gedanken zu “Intersexuelle als Falsifikation der Theorie von den zwei Geschlechtern

  1. Ich bin ja ein großer Fan der These von Geschlecht als Spektrum. Zumindest in gewissen politischen Konstellationen.
    Denn wie lassen sich Feminismus und Frauenförderung rechtfertigen, wenn es Frauen eigentlich gar nicht gibt?
    Viele Feministen haben diese Crux ja bereits erkannt und agitieren vehement gegen trans etc.

    • Um dem Konzept „Geschlecht ist ein Spektrum“ gerecht zu werden, sollte man Frauenförderung an die Weiblichkeit des Menschen koppeln.
      Wenn ein Mensch Frauenförderung beantragt, wird ein Photo oder ein kurzer Film an eine anonyme, zufällig ausgewählte Jury übermittelt, die Punkte für „Sehr weiblich“ = 5 und „eher nicht weiblich“ = 1 oder gar „eher männlich“ = -3 vergeben.
      Wer unter 3 Punkten liegt, bekommt keine Frauenförderung.

    • Die Dekonstruktivisten dekonstruieren vor allem und zuerst sich selbst. Das bringt so einige Probleme mit sich, wenn ein in sich konsistentes und logisch nachvollziehbares Weltbild aufgebaut werden soll.
      Sie sind einst angetreten, Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und die Gesellschaft als Ganzes zu dekonstruieren, doch haben sie nur sich selbst dekonstruiert, und zwar gründlich.
      Ein dreifach Hoch auf das truth-regime!

    • Meinst du tatsächlich „Geschlecht“ oder nicht etwa eher Geschlechterrollen oder Stereotypen über auf Geschlecht basierendem Verhalten?

      Was ich nämlich nicht leiden kann, ist ein wilder Mischmasch aus Vorstellungen, die sich mit der Diskussion über soziales und biologisches Geschlecht verbinden.

      Wer Stereotypen über biologische Geschlechter abbauen will, hat meine volle Zustimmung – nur schafft man die nicht dadurch ab, dass das biologische Geschlecht abgeschafft wird.
      Weil das biologische Geschlecht an der Entstehung der gesellschaftlichen Stereotypen keinen Anteil hat.
      Zu house music heftig mit dem Hintern wackeln können beide Geschlechter, es ausschließlich für den Ausdruck von Weiblichkeit zu halten ist demzufolge ein Stereotyp.

      Dass nur Frauen Kinder gebären können ist es aber nicht.
      Die damit verbundene gesellschaftliche Geschlechterrolle – nur Frauen könnten Kinder erziehen – abzulehnen steht der Biologie nicht im Wege, denn die Biologie hat an „Erziehung“ keinen Anteil (Achtung, ich rede nicht über Bindung!).

      Mein Eindruck ist, der Mischmasch an Vorstellungen entstammt der Hoffnung, würde man ein breites „Spektrum der (biologischen) Geschlechter“ schaffen, ergäbe sich daraus auch zwangsläufig ein breites Spektrum an Geschlechterrollen und auf das Geschlecht bezogene Verhalten.

      Abgesehen davon, ich halte das „Spektrum der Geschlechter“ wissenschaftlich für falsch, weist es der Biologie eine Rolle zu, die sie gar nicht hat. Gegen Geschlechter-Stereotypen und Zwangsrollen vorzugehen ist eine gesellschaftliche/politische Aufgabe.

      Wer dazu die Biologie als Wissenschaft verhunzen muss, damit er seine Vorstellungen top-down – also mit Pseudo-wissenschaftlicher Absegnung – durchsetzen will, hat m.E. einen soliden Minderwertigkeitskomplex.
      Weil er/sie sich anscheinend nicht in der Lage sieht, mit eigenen Mitteln eine Befreiung von geschlechtlichen Stereotypen und Zwängen zu erreichen.

      Findet das übrigens sonst niemand außer mir merkwürdig?
      Die böse männliche Wissenschaft mit ihrer Produktion von „binärem Denken“, „Phallozentrismus“ und „Ausschlüssen“ in Mengen wird auf einmal zur Gewährsmannfrau des gesellschaftlichen Fortschritts.
      Eine echte Leitwissenschaft!
      Außer die Resultate passen nicht, dann ist sie wieder Produzentin von „binärem Denken“, „Phallozentrismus“ und „Ausschlüssen“. 😉

      • Meinst du tatsächlich „Geschlecht“ oder nicht etwa eher Geschlechterrollen oder Stereotypen über auf Geschlecht basierendem Verhalten?

        Das ist Teil der Taktik der Genderisten, dass sie diese Unterscheidung aufheben wollen.
        Wie kam es dazu, dass „Gender“ im Übersetzer als „Geschlecht“ übersetzt wird, während eine kurze Recherche zeigt, dass „Gender“ als „soziales Geschlecht“ gedeutet wird?
        Seit wann ist die Bezeichnung „Gender“ für „Geschlecht“ im Englischen gebräuchlich und wie wird „soziales Geschlecht“ im Englischen bezeichnet? Auch Gender? Eine Unterscheidung sollte doch gemacht werden, weil Verschiedenes bezeichnet wird, wie crumar bereits dargelegt hat.

        • Die wollen doch, dass „Gender“ für Geschlecht schlechthin gilt und „biologisches Geschlecht“ als unwissenschaftliche und rein ideologisch konstruierte Idee gelten soll. Das sagen sie doch selbst immer wieder, wenn auch nicht überdeutlich. Irgendwann werden sie aber mal stark genug sein, um hier Klartext zu reden. Dann wird auch hoffentlich jedem klar werden, wie unheimlich ähnlich „Gender“ und der Rassismus des 19/20. Jahrhunderts einander sind.

        • Leider ist die englische Sprache in Bezug auf „Geschlecht“ sehr restriktiv einerseits, und anfällig für fatale Konfundierungen andererseits.
          Zwar kennt man dort die Unterscheidung von „sex“ (biologisches Geschlecht) und „gender“ (soziales Geschlecht; dieser Terminus wurde vom „Gender-Vater“ John Money in den öffentlichen Diskurs eingeführt). Beide Termini greifen aber für die Komplexität von „Geschlecht“ zu kurz!
          Im Alltagsgebrauch und den angelsächsisch dominierten Wissenschaften herrscht dementsprechend inzwischen eine „babylonische Sprach-Verwirrung“…
          „Geschlecht“ eröffnet demgegenüber die Möglichkeit, die Vielzahl der relevanten Aspekte in ihrer Gesamtheit einzubeziehen, und damit den realen Gegebenheiten gerecht zu werden.

      • „Abgesehen davon, ich halte das „Spektrum der Geschlechter“ wissenschaftlich für falsch, weist es der Biologie eine Rolle zu, die sie gar nicht hat. Gegen Geschlechter-Stereotypen und Zwangsrollen vorzugehen ist eine gesellschaftliche/politische Aufgabe.“

        Die Gesellschaft errichtet hier – buchstäblich vor unseren Augen – neue Geschlechter-Stereotypen und damit sicher auch Zwangsrollen mit ihrer Ideologie vom „Spektrum der Geschlechter“ und beweist damit, damit sie immer noch lieber in „selbstgewählter Unmündigkeit“ verharren möchte als dem zu entwachsen. Nun ja, dürfte an unserem Erbe als Affen liegen. Irgendwann wird das schon 😀

      • „Zu house music heftig mit dem Hintern wackeln können beide Geschlechter, es ausschließlich für den Ausdruck von Weiblichkeit zu halten ist demzufolge ein Stereotyp.“

        Dass Männer auf einen wackelnden Frauenhintern hormonell anders regieren als Frauen auf einen wackelnden Männerhintern, so dass Hinternwackeln für Frauen eine wesentlich bessere Attraktionsstrategie darstellt als für Männer ist deines Erachtens gesellschaftlich bedingt, hat nichts mit der zugrunde liegenden Biologie zu tun und könnte genauso auch andersrum sein?

        Steile These.

        • Nein, only me, ich würde nicht in Frage stellen, dass „Hintern wackeln“ ein weibliches Attraktivitätssignal ist, nur wirst du mir schwerlich nachweisen können, es gäbe eine biologische Verankerung von „Hintern wackeln“.
          Wäre es zudem biologisch verankert, hätten sich die Gene m.E. spontan zum „twerking“ entschieden, denn diese Gabe zeigt zugleich eine gewisse sexuelle Kompetenz:

          Wenn du verstehst, worauf ich hinaus will…

          Mir geht es nur um meine, deine und unsere Freiheit mit dem Hintern zu wackeln, ohne stereotypisch für weiblich gehalten zu werden. Wie schon Voltaire sagte: „Mein Herr, ich teile Ihre gender expression nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen.“ 🙂

          • Dass selbst du immer wieder mit biologischem Determinismus argumentierst.

            Befestigt man vier bis fünf Lichtpunkte an der Seite der Beine – verteilt von den Füßen bis zur Hüfte – und lässt die Personen dann im Dunkeln laufen, erkennen wir allein am Bewegungsmuster der Lichtpunkte genau, ob da ein Mann oder eine Frau vorbei geht.

            (link)

            Biologie determiniert nicht, Biologie gibt Möglichkeits- oder besser Wahrscheinlichkeitsräume vor.

            Twerking ist dermaßen offensichtlich ein Superstimulus, der aus dem weiblichen Gang entstanden ist, dass dein Anliegen, dass Männer, die mit dem Hintern wackeln, nicht als „Der macht einen auf Frau“ interpretiert werden, ähnlich wahrscheinlich ist, wie das Anliegen, dass jemand, der andern ständig in die Fresse haut, von diesen nicht als Arschloch interpretiert wird.

          • Das hier: „Befestigt man vier bis fünf Lichtpunkte an der Seite der Beine – verteilt von den Füßen bis zur Hüfte – und lässt die Personen dann im Dunkeln laufen, erkennen wir allein am Bewegungsmuster der Lichtpunkte genau, ob da ein Mann oder eine Frau vorbei geht.“ ist aber biologisch determiniert.
            Die Hüfte der Frau ist nun mal die breiteste Stelle bei einer Frau, Frauen sind in der Regel kleiner als Männer, ihre Beinlänge demzufolge auch und sie machen kürzere Schritte.

            Werden dann noch bei den Schritten die Füße in Laufrichtung enger aneinander gehalten, resultiert der „catwalk“-Effekt:

            Man sieht m.E. sehr deutlich, es gäbe beim Hüftpunkt eine vertikale Bewegung nach oben.
            Ich finde unsere streng wissenschaftlichen Diskussionen übrigens sehr anregend. 🙂

          • Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine streng wissenschaftliche Diskussion geführt zu haben.
            Dazu fehlt mir allein schon die Fähigkeit, gewissenhaft zu allem eine Quelle zu sammeln.

            Aber wo wir grad bei Pseudowissenschaft sind:

            Dass der weibliche Gang mehr wackelt als der männliche, ist also biologisch.
            Daher ist es auch wahrscheinlich bis unvermeidlich, dass wackelnder Gang als weiblich assoziiert wird.
            Daher ist es auch unwahrscheinlich bis unmöglich, dass die Durchschnittsfrau einen wackelnden Männerhintern in dem Maße als sexuell attraktiv wahrnimmt wie ein Mann einen wackelnden Frauenhintern.

            So und jetzt genug der Trollfütterei!

          • „Werden dann noch bei den Schritten die Füße in Laufrichtung enger aneinander gehalten, resultiert der „catwalk“-Effekt:“

            Enger aneinander gehalten?
            Die laufen überkreuz.

            Würden die im Schnee laufen und Du kämst einige Zeit später vorbei und würdest nur ihre Spuren sehen, Du müsstest glauben, da hätten erwachsene Frauen ihre Schuhe verkehrt herum angezogen 😀

      • „Weil das biologische Geschlecht an der Entstehung der gesellschaftlichen Stereotypen keinen Anteil hat.“

        Das ist selbstredend Quatsch.

        • Ein Stereotyp ist eine individuelle und/oder gesellschaftliche Generalisierung bestimmter objektiver Tatsachen und subjektiver/gesellschaftlicher Einstellungen auf der Basis unvollständigen (Erfahrungs-) Wissens.
          Man kann mit dieser Generalisierung richtig oder falsch liegen oder richtige und falsche Tatsachen oder Einstellungen generalisieren und die „gewussten“ Stereotypen gehen oftmals einer tatsächlichen Erfahrung voraus (siehe Klischee oder Vorurteil).
          Das heiß aber nicht, Stereotypen wären per se falsch oder richtig und ein historisch entstandenes Stereotyp, basierend auf einer richtigen Tatsache mit einer korrekten Generalisierung kann zu einem falschen Stereotyp werden.

          Stereotypen reduzieren die Komplexität bei der Beurteilung einer unklaren Situation und vereinfachen eine Entscheidung/Handlung. Für die Entscheidungs-/Handlungsfolgen gelten alle genannten Variationen. Stereotypen bieten die genannten Vorteile für Individuen/Gesellschaft, bieten sie diese nicht mehr, dann sterben die Stereotypen aus.

          Für den Vorgang der Bildung und die Funktion von Stereotypen selbst ist „biologisches Geschlecht“ ein Anlass, um dominant über das soziale Geschlecht Stereotypen zu bilden.
          Selbst in der Engführung von: „Frauen können besser Kinder erziehen, weil sie Kinder gebären können.“ hört sich die Begründung durch das authentisch biologische Geschlecht nach einem aussterbenden Stereotyp an.
          Wo es hingegen tatsächlich um Aussagen über das biologische Geschlecht geht, so z.B. „Männer sind im Schnitt größer und muskulöser als Frauen“, handelt es sich nicht um Stereotype, sondern um statistische Tatsachen.

          Gesellschaftliches Stereotyp: „Frauen können schlechter einparken als Männer“ – Erklärung A: Sie können schlechter räumlich denken. Erklärung B: Sie haben eine geringere Fahrpraxis, beweisbar durch geringere Fahrleistung. Selbst wenn ich A widerlege, es gäbe diesen Zusammenhang nicht, bliebe B. Ein gesellschaftliches Stereotyp wird nicht dadurch unwahr, wenn es sich nicht auf das biologische Geschlecht bezieht. Aber damit wäre „Frau“ einfach nur ein Platzhalter für das vom Geschlecht unabhängige „geringere Fahrpraxis“.

          Sich darüber klar zu werden, dass mit Stereotypen über das biologische Geschlecht in der Regel das soziale Geschlecht gemeint ist, nicht empirische Tatsachen mit Stereotypen in einen Topf geworfen werden und nicht jedes Stereotyp „negativ“ ist, sondern es zwischen wahren, falschen und überkommenen zu unterscheiden gilt ist mein Anliegen.

          • Gibt es denn biologische Veranlagungen, die dafür sorgen, dass Frauen weniger Fahrpraxis haben als Männer? Andersrum: Gibt es irgendwo eine Gesellschaft, in der die meisten Kilometer von Frauen gefahren werden?

            Ich stimme dir ja insofern vollkommen zu, dass gerade im Umgang mit Feminismus unglaublich viele Fragen im Raum stehen, die man auf soziologischerEbene wesentlich besser und angemessener angehen kann als auf biologischer.

            Aber dass die biologischen Veranlagungen den Möglichkeits- oder Wahrscheinlichkeitsraum für gesellschaftliche Entwicklungen vorgeben, bleibt trotzdem. Eine gesellschaftliche Utopie, die z.B. beinhaltet, dass die Frauen aufs Schlachtfeld ziehen, während die Männer zu Hause bleiben und die Kinder nicht verhätscheln, ist schlichtweg nicht möglich (bzw. extreeeem unwahrscheinlich). Aus biologischen Gründen

          • „Eine gesellschaftliche Utopie, die z.B. beinhaltet, dass die Frauen aufs Schlachtfeld ziehen, während die Männer zu Hause bleiben und die Kinder nicht verhätscheln, ist schlichtweg nicht möglich (bzw. extreeeem unwahrscheinlich).“

            Wobei die Schwarzgeld-Alice – die als Frau schon per se nie nicht lügen würde/könnte – von solchen Gesellschaften im antiken Mittelmeerraum in ihrem „Kleinen Unterschied“ zu berichten wusste.
            Damit bist Du also widerlegt 😀

          • „Schwarzgeld-Alice“

            Sind das die selben historischen Quellen, die „beweisen“, dass in prähistorischen Zeiten überall Matriarchate waren?

          • „Sind das die selben historischen Quellen, die „beweisen“, dass in prähistorischen Zeiten überall Matriarchate waren?“

            Ich glaube, ja.

          • „Eine gesellschaftliche Utopie, die z.B. beinhaltet, dass die Frauen aufs Schlachtfeld ziehen, während die Männer zu Hause bleiben und die Kinder nicht verhätscheln, ist schlichtweg nicht möglich (bzw. extreeeem unwahrscheinlich). Aus biologischen Gründen“

            Ja, wir warten noch immer auf die künstliche Gebärmutter. 😉
            Nein, weil es keinen wirklich biologischen Grund gibt, Anne Wizorek als Minensuchhund in Afghanistan einzusetzen oder Stokowski.
            Diese Frauen sind biologisch durch und daher disposable.
            Den biologischen Grund, warum es nicht so sein sollte, erfindest DU für SIE.
            Sybille Berg ist biologisch nutzlos – lass sie Minen entschärfen in Syrien.
            Schwarzer in die Produktion!
            Es ist keine Biologie involviert.

            „Biologie“ ist die Ausrede dafür, ihr Leben höher zu gewichten als das von Männern, selbst wenn keine Ausrede mehr existiert. Wir liefern „naturwissenschaftliche“ Erklärungen für ihr Verhalten, selbst wenn diese keinen Sinn machen. Wie sagtest du doch so schön: Männer sind Freiwillige, keine Opfer.

      • „Weil das biologische Geschlecht an der Entstehung der gesellschaftlichen Stereotypen keinen Anteil hat.“

        Schade, nach so vielen klugen Dingen die ich von Ihnen laß. Auch unter diesem Absatz.

  2. Was mich an dieser Art von Argumentation gegen die Existenz von nur zwei Geschlechtern verwundert:
    Sind die, die sie vertreten, nicht auch dieselben, die behaupten, biologisches Geschlecht gebe es eigentlich gar nicht, und alle Geschlechtlichkeit entstehe überhaupt nur durch Sozialisation?

    Wenn ja, dann ist das ein logischer Widerspruch. Man kann nicht einerseits biologische Einflüsse auf das Geschlecht völlig ablehnen, und andererseits biologische Argumente gegen eine Dualität der Geschlechter anführen.

    • Wenn ja, dann ist das ein logischer Widerspruch.

      Ja natürlich, das ist ein Widerspruch. Der ist aber nötig, damit das neofeudale Subjekt „Frau“ nicht flöten geht. Mit der Logik stehen die Genderisten auf Kriegsfuss.

      • Als echte Nachfahren der dialektischen Materialisten kennen sie nur die eine Realität: die, die ihnen im Moment zum besten Nutzen gereicht. Alles andere wird ignoriert. Diese Leute sind nämlich nur an der Macht interessiert, nicht an irgendwelchen Realitäten.

  3. Es gibt selbstverständlich genau zwei Geschlechter:

    Weibliches Geschlecht, bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige, das die Eizellen bereitstellt
    Männliches Geschlecht, bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige, das die Samenzellen bereitstellt

    Wäre das besser? Was wäre eure Formulierung?

    Das genügt doch.
    Wenn einige Betroffene, die sich nicht eindeutig einer dieser zwei Kategorien zugehörig fühlen, sich wünschen, dass ein drittes „Geschlecht“ in offiziellen Dokumenten aufgeführt wird (divers oder so ähnlich), dann sei es so. Ein Geschlecht im biologischen Sinne ist es trotzdem nicht.

    Zum behaupteten geschlechtlichen Spektrum, was wohl eine (nahezu) Gleichverteilung der Merkmale suggerieren soll (also keine Cluster in der Verteilung der Merkmale):
    Wenn zwei zufällig ausgewählte Personen 100 Fotos von Gesichtern von Erwachsenen gezeigt werden und sie diese Gesichter als männlich oder weiblich einordnen müssten, dann wären sich die beiden Testpersonen in 99% aller Fälle (möglicherweise in allen) völlig einig. Captain Obvious hat eine Menge Arbeit wegen den Genderisten!

  4. Schlussendlich hängt doch alles davon ab, wie wir Geschlecht definieren. Je nach Definition gibt es dann eben zwei Geschlechter oder mehrere Geschlechter, da hilft der Umweg über die Falsifikation nicht viel weiter.
    Wenn Geschlecht durch die Gametenform definiert wird, dann gibt es m.E. eben nur zwei Gametenformen und keine dritte. Es gibt Spermien und Eizellen und eine dritte gibt es offenbar nicht. 🙂

    • Schlussendlich hängt doch alles davon ab, wie wir Geschlecht definieren.

      Ja. Aber die Unterscheidung „männlich“ und „weiblich“ ist ja nicht eine beliebige Unterscheidung ohne besondere Relevanz. Die Genderisten dürfen gerne die Menschen in 4000 Kategorien einteilen. Aber sie sollten diese 4000 Kategorien nicht als Geschlechter bezeichnen und sich was anderes ausdenken. Diese saublöde Kaperung der Begriffe ähnelt dem Versuch einer Gehirnwäsche.

        • Ich denke, El_Mocho meint wirklich „ist“.

          Ein androgyner Mensch schaut vielleicht aus wie weder das Eine noch das Andere, er wirkt vielleicht so – aber normalerweise ist er immer entweder das Eine oder das Andere.

          • Da werf ich doch mal wieder die sprachphilosophische Frage auf, ob die „wahre“ Bedeutung eines Wortes eine sein kann, die der Wort-Verwender nicht kennt.

            Ist „ihr Körper erzeugt Eizellen“ wirklich das, was gemeint ist, wenn einer „weiblich“ oder „Frau“ sagt?

            Wie sinnvoll ist es zu sagen, die Bedeutung eines Wortes steht in keinerlei Zusammenhang zu dem, wie das Wort gebraucht wird?

            In meinen Augen, machen es sich die Verfechter von „DAS ist die Bedeutung und es gibt keine andere“ zu leicht. Deswegen wird davon auch niemand überzeugt, der nicht eh schon der Meinung ist.

          • Natürlich; „androgyne“ Menschen sind eben männliche Frauen oder weibliche Männer, aber immer noch Frauen oder Männer. Ein drittes Geschlecht müsste eben etwas drittes sein und weder männliche noch weibliche Züge aufweisen. Und eben das kann ich mir nicht vorstellen.

          • „Ein drittes Geschlecht müsste eben etwas drittes sein und weder männliche noch weibliche Züge aufweisen. “

            Oder beides. So etwas wie Conchita Wurst. Mit Titten und Vollbart.

          • „Auch das ist nur eine Mischung von männlichen und weiblichen Merkmalen, nichts drittes daneben.“

            Ansichtssache. Grün ist auch nur eine Mischung aus Gelb und Blau und trotzdem etwas eigenes.

  5. Für mich ist es auch interessant, wie es den Ideologen gelungen ist, im öffentlichen Diskurs rationale Wahrnehmungen durch puren Moralismus zu verdrängen.

    Kein Naturwissenschaftler würde sich in Pauschalaussagen versteigern. Kein Biologe würde jemals sagen, dass diese oder jene Norm den einzig möglichen Zustand darstelle. Zum einen wären solche Aussagen immer leicht widerlegbar und außerdem würden diese leicht widerlegbaren Aussagen auch noch das Fundament der Evolutionstheorie in Frage stellen, denn Evolution funktioniert nur über das Zustandekommen seltener Normabweichungen, die in noch weit selteneren Fällen zu Selektionsvorteilen führen.

    Dennoch muss sich Naturwissenschaft natürlich an Normfaktoren orientieren, letztlich ist dies auch die Grundlage des biologischen Lebens. Ohne grundlegende Normen wäre eine zweigeschlechtliche Fortpflanzung schlicht unmöglich.

    Logischerweise werden Normen anhand von signifikanten, quantitativen Verhältnissen definiert. Somit ist quantitativ beim Menschen die Heterosexualität die Norm. Und eine Übereinstimmung zwischen körperlichen und neuronalen Geschlechtsausprägungen ist in noch weit stärkerem Maße eine Norm. Das Gegenteil davon ist mit 0,02 % am Bevölkerungsanteil eine in jeder Betrachtung äußerst selten auftretende Anomalie.

    Diese Aussage ist eine rein auf Verhältnissen aufbauende, absolut wertungsfreie Feststellung.

    Es ist aber inzwischen fast nicht mehr möglich, eine Aussage in dieser Form öffentlich zu machen, ohne dafür der Gefahr sozialer Vernichtung ausgesetzt zu sein. Und das nur, weil Ideologen Weltmeister darin sind, jede Aussage zu verdrehen. In diesem Falle, indem sie einfach eine quantitative in eine qualitative Aussage umdeuten. Wer also Intersexualität auf Basis von statistischen Verhältnissen und naturwissenschaftlicher Praxis als Anomalie bezeichnet, dem wird umgehend vorgeworfen, er würde die davon betroffenen Menschen als rundweg anormal bezeichnen. Das ist ein absolut widerwärtiger semantischer Taschenspielertrick, auf den aber leider die Mehrheit der Menschen, die sich mit solchen Dingen in der Regel wenig bis gar nicht beschäftigen, intuitiv auf den Leim gehen, weil dieser Taschenspielertrick gezielt und absichtsvoll moralische Empfindungen und Affekte anspricht. Denn jemand, der Menschen als anormal bezeichnet, dessen Ziel kann ja gewiss nur sein, diese Menschen aus der Gesellschaft auszuschließen, Euthanasie zu betreiben, Lager einzurichten, u. s. w.

    Und das ist genau die Methode, wie es Ideologen gelungen ist, eine nüchterne, wissenschaftliche Betrachtung von derlei Dingen aus der Wahrnehmung zu verdrängen. Was qualitativ und moralisch normal ist, muss auch quantitativ normal sein. Und jeder der was anderes behauptet, will Menschen vernichten. Somit werden nachprüfbare Verhältnisse von Vorkommnissen bestimmter Normabweichungen zur Unkenntlichkeit relativiert, schlicht weil es sich moralisch verbietet über quantitative Normfaktoren überhaupt zu reden, weil es ja Menschen verletzen könnte und sowieso irgendwie Nazi ist, und so ist es auch leicht, zum einen, wie Crumar gut darlegt, Naturwissenschaftlern Pauschalaussagen zu unterstellen, die diese nie getroffen haben, um selbst dann unter dem Deckmantel der Moral mit abstrusen Pauschalisierungen teils geradezu marginal auftretender Anomalien Jahrhunderte naturwissenschaftlicher Erkenntnisse über den Haufen zu werfen und irgendwie alles einer sozialen Konstruktion innerhalb einer heteronormativen, patriarchalen Machtordnung zuzuschreiben.

    Das ist derart verblödeter Kokolores, dagegen erscheinen die Dinge, die katholische Kleriker im Mittelalter verkündeten, noch geradezu wie intellektuelle Höhenflüge. Umso erschreckender, dass solche Spinner nicht für diesen Schwachsinn in angemessener Weise ausgelacht werden, sondern diesen auch noch in reichweitenstarken Medien ohne jede kritische Auseinandersetzung platziert bekommen und darüber auch Einfluss auf die Gesellschaft und Politik ausüben können.

    • Du hast ja gleich auch den richtigen Ansatz zum Verstehen der Gesamtentwicklung geliefert: Moralismus hat über Rationalismus gesiegt. Die Grundlagen dafür haben bald 70 Jahre geisteswissenschaftliche Grundlagenarbeit für alle möglichen Formen des Irrationalismus geliefert. Es gibt sogar – in Deutschland – eine politische Partei, die ihren Aufstieg diesem neuen antimodernen Irrationalismus verdankt, die Grünen, seit 40 Jahren dabei. Aber diese Denke ist heute allenthalben anzutreffen und das ist auch sicher der Grund, weshalb Grüne in anderen Ländern nicht den Erfolg hatten wie in Deutschland.

  6. Ich denke, dass Crumar zu komplex argumentiert.

    In dem viel zitierten Nature Artikel
    https://www.nature.com/news/sex-redefined-1.16943
    steht am Ende

    So if the law requires that a person is male or female, should that sex be assigned by anatomy, hormones, cells or chromosomes, and what should be done if they clash? “My feeling is that since there is not one biological parameter that takes over every other parameter, at the end of the day, gender identity seems to be the most reasonable parameter,” says Vilain. In other words, if you want to know whether someone is male or female, it may be best just to ask.

    Wichtig ist der Einschub: what should be done if they clash?

    Bei fast allen Menschen kommt man nach allen genannten Kriterien auf dasselbe Geschlecht.
    Nur bei wenigen Menschen gibt es Probleme.

    Für diese wenigen Menschen (und nur für diese wenigen Menschen!) könnte man vielleicht tatsächlich sagen: „If you want to know whether someone is male or female, it may be best just to ask.“

    Die Leute, die den Artikel zitieren, lassen einfach den Einschub „what should be done if they clash“ weg und sagen, jeder Mensch könne selbst entscheiden, ob er ein biologischer Mann oder eine biologische Frau ist.

    Übrigens geht es in diesem Artikel tatsächlich um das biologische Geschlecht – also: im Englischen um „Sex“, nicht um „Gender“.

  7. Eine Transfrau ist ein Mann der sich dem weiblichen idealen Stereotyp näher fühlt als dem männlichen. Dafür ist aber zunächst einmal ein sehr eng definiertes weibliches Stereotyp von Nöten.

    Dh. Wenn es ein sexuelles Spektrum gibt, wie definiert man dann eine Transfrau?

  8. Im Hauptbeitrag oben heißt es bei crumar:

    „Die Taktik ist, dem Gegner eine (All-) Aussage („alle Schwäne sind weiß“) unterzuschmuggeln, die dieser gar nicht getätigt hat. […] Es wird also eine Aussage Pseudo-falsifiziert, die aus einer bloßen Behauptung besteht, sie wäre getätigt worden.

    „[…] die Argumentation der Lyssenkoisten basiert auf billigen Tricks: „There is no single factor“ zu schließen beruht darauf zu unterstellen, der Gegner in der Argumentation hätte gesagt, es gäbe nur einen.“

    Wenn ich das richtig verstehe, dann besteht der Argumentations-Fehler zunächst mal in einem „straw man“: Dem Gegner wird eine These zugeschrieben, die dieser gar nicht vertreten hat. Diesen straw man sollte man beim Namen nennen, und auch zeigen, welche These der Gegner stattdessen vertritt.

    Was ich jetzt aber nicht verstehe: „Die eigentliche Fallacy ist m.E. die des erfundenen „schwarzen Schwans“.“ Soweit ich das verstehe, sollen die Intersex-Leute dem schwarzen Schwan entsprechen. Aber die sind doch gar nicht erfunden: es gibt sie ja wirklich. 0,02% sind immerhin 0,02%!

    Wie oben schon vereinzelt angesprochen, muss man einfach genau festlegen: Was versteht man unter „Geschlecht“? Haben Intersex-Leute ein Geschlecht, auch wenn sie sich vielleicht gar nicht fortpflanzen können?

    Und was genau bedeutet: Es gibt „zwei“ Geschlechter? Lässt eine solche Aussage zu, dass es vielleicht ein paar Ausnahmen hiervon gibt? Anders gefragt: Ist der Gegensatz zwischen den Geschlechtern Mann und Frau kontradiktorisch – oder aber nur konträr? (Bspw. gibt es gesunde Menschen, und es gibt kranke Menschen – und es gibt so ein paar dazwischen: die Kränkelnden.)

    Schließlich: Was genau bedeutet „Kontinuum“? Mann – Frau – Intersex bilden in keinem erkennbaren Sinn ein Kontinuum. Schon deshalb nicht, weil ein Kontinuum kontinuierlich ist – die Abfolge Mann, Frau, Intersex (und womöglich noch ein „Geschlecht“ A, und eins B …) ist aber diskret, also gerade nicht kontinuierlich.

    • Hi Jochen, der Trick ist, einen „schwarzen Schwan“ zu erfinden, nachdem niemand gesagt hat, es gäbe einen „weißen Schwan“.

      Niemand, der die Evolutionsbiologie vertritt käme auf die Idee zu sagen, der sexuelle Genotyp entspreche immer dem Phänotyp.
      Denn damit würdest quasi nebenbei behaupten, Mutation gibt es nicht.
      Was dann bedeuten würde, es gäbe auch keine Evolution – das ist das Argument ad absurdum geführt.

      Das meinte ich mit dem (sozusagen) „Strohmann“ einer All-Aussage: „Alle Schwäne sind weiß.“
      Es kann der „schwarze Schwan“ der Intersex aber nichts widerlegen, wenn der „weiße Schwan“ gar nicht existiert.

      Solche Autoren (wie z.B. Fausto-Sterling in „How Sexually Dimorphic Are We?“) arbeiten permanent mit Unterstellungen, ohne eine Definition von dem abzuliefern, gegen was sie sich überhaupt wenden.
      Sie behaupten z.B., sie würden die Häufigkeit der Abweichung von dem einer „idealen Frau“ oder eines „idealen Mannes“ (S. 152) untersuchen.

      Hier kommt der Trick, den Billy oben kritisiert hat:
      „In diesem Falle, indem sie einfach eine quantitative in eine qualitative Aussage umdeuten. Wer also Intersexualität auf Basis von statistischen Verhältnissen und naturwissenschaftlicher Praxis als Anomalie bezeichnet, dem wird umgehend vorgeworfen, er würde die davon betroffenen Menschen als rundweg anormal bezeichnen. Das ist ein absolut widerwärtiger semantischer Taschenspielertrick (…)“

      Definition von „ideal“ für Frau oder Mann? Findet nicht statt – behalte es im Hinterkopf.
      Stattdessen hat frau aber eine kleine Krücke eingebaut, die vom Abstract auf S. 151 auf S. 152 führt.
      Sie behaupten im Abstract, der Glaube, dass (meine Herv.) „Homo Sapiens“ is absolutely dimorphic (…) derives from the platonic ideal that for each sex there is a single, universally correct development pathway and outcome.“

      Das ist zwar Schwachsinn, weil Platon so etwas nicht gesagt hat, sondern das komplette Gegenteil (https://de.wikipedia.org/wiki/Kugelmenschen), aber es liest sich erst einmal dufte – selbstverständlich ohne Quellenangabe.

      Was damit jedoch suggeriert wird ist, „naturwissenschaftliche Praxis“ folgt gar nicht den Gesetzen der Naturwissenschaft, sondern (seit den Hellenen!) einer Philosophie.

      D.h. das „outcome“ der Naturwissenschaft und der Methode dahin zu gelangen wird unter den Verdacht einer Ideologie gestellt: Demnach entspricht die Konstruktion der bspw. „idealen Frau“ einem „philosophischen Ideal“ und die „statistischen Verhältnisse“ sind demzufolge ideologische Verhältnisse. Also Machtverhältnisse – schließlich war Platon ein Mann.

      Folgend können sie das Vokabular von „ideal“ auf „typical“ verschieben, ohne auch nur ein Jota von dem aufzugeben, was bis zu diesem Zeitpunkt eingeführt worden ist.
      Du wirst die Eigenschaften einer statistischen Normalität als philosophische (männliche) Konstruktion lesen.

      Ab diesem Zeitpunkt müssen sie sich nur noch dagegen absichern, das ihr „weißer Schwan“ als „weißer Schwan“ angesehen wird.
      Christian hatte bereits den kritischen Punkt benannt: Wäre alle Männer „typical“ und alle Frauen hätten das Turner-Syndrom, die Lebenserwartung beider Geschlechter sei 75 Jahre, wäre die Menschheit danach ausgestorben. Das ist dead end.

      Was sie mit „Heteronormativität“ bekämpfen ist so normativ, weil es mit 99,98% auch die gigantische Mehrheit ist; aber ohne den sexuellen Dimorphismus und die sexuelle Fortpflanzung gäbe es gar keine Intersex = Der schwarze Schwan existiert nicht.

      • Also doch keine Erfindung eines schwarzer Schwans, sondern nur ein „straw man“.

        Intersex-Leute sind nicht erfunden, und Intersex-Leute sind schwarze Schwäne in Bezug auf allgemeine Aussagen wie „Jeder Mensch ist entweder ein (richtiger) Mann oder eine (richtige) Frau“. Vielleicht werden Aussagen wie die letztere von niemandem – oder zumindest nicht von Biologen – ernsthaft vertreten, aber dadurch hören Intersex-Leute nicht auf, schwarze Schwäne für derartige Aussagen zu sein. Sie sind dann halt ziemlich uninteressante schwarze Schwäne.

        (Vgl.: Die Zahl 2 ist ein schwarzer Schwan für die Aussage „Alle Primzahlen sind ungerade“, wobei die letztere Aussage kaum jemand vertritt, außer ein paar voreiligen ABC-Schützen.)

        „In diesem Falle, indem sie einfach eine quantitative in eine qualitative Aussage umdeuten. Wer also Intersexualität auf Basis von statistischen Verhältnissen und naturwissenschaftlicher Praxis als Anomalie bezeichnet, dem wird umgehend vorgeworfen, er würde die davon betroffenen Menschen als rundweg anormal bezeichnen.“

        Dies wäre ein Fehlschluss der Ambiguität / Äquivokation, der letztlich auch wieder auf einen „straw man“ hinausläuft: Ausdrücke wie „Anomalie“ oder „anomal“ werden in einem anderen Sinne interpretiert (irgendwie moralisch), als der Gegner sie verstanden wissen will (rein statistisch bezogen auf definierte Grundgesamtheit). Entsprechend wird dem Gegner eine andere These unterstellt (somit straw man) und dann triumphierend widerlegt.

        „Niemand, der die Evolutionsbiologie vertritt käme auf die Idee zu sagen, der sexuelle Genotyp entspreche immer dem Phänotyp. Denn damit würdest quasi nebenbei behaupten, Mutation gibt es nicht.“

        Wenn ich recht sehe, hast Du damit den Gender-Fuzzies ihren Punkt geschenkt. Denn nun ist auch das Geschlecht der jeweiligen Kinder einfach eine Frage der genetischen „Mischung“: Im Prinzip sind beliebige Ergebnisse möglich. Die Gender-Fuzzies würden dann sagen: De facto haben wir nur ein paar Ausnahmen (Intersex-Leute und noch ein paar andere Exoten) – aber im Prinzip kann es beliebig viele verschiedene Ausnahmen geben, z. B. 99 verschiedene Geschlechter.

  9. Ich gebe hier mal den Advocatus Diaboli und definiere genau drei Geschlechter.

    Das weibliche Geschlecht, das die Eizellen bereitstellt.

    Das männliche Geschlecht, das die Samenzellen bereitstellt.

    Das dritte Geschlecht, das nicht direkt zur Fortpflanzung beitragen kann.

    Diese drei begegnen uns in der Natur bei staatenbildenden Insekten.

    • Das ist doch gar nicht diabolisch. Du machst eine klare Ansage, damit kann man arbeiten.

      Die Frage wäre nur, welche Konsequenzen man aus einer solchen Dreiteilung ziehen möchte. (Bspw. muss es für das dritte Geschlechte eigenen Pronomen geben, oder eigene Toiletten, oder eigene Olympiaden, usw.?)

      • „Die Frage wäre nur, welche Konsequenzen man aus einer solchen Dreiteilung ziehen möchte.“

        Keine!
        Weil: wir sind keine Ameisen.
        Die Zweigeschlechtlichkeit gilt nicht für alle Lebensformen, die die Natur im Verlaufe der letzten 1,5 Mrd. Jahren entwickelt hat.
        Aber ob eine polynesische Korallenmorfe nach Bedarf ihr Geschlecht wechseln kann, relativiert die geschlechtliche Zuordnung bei den Menschen in KEINER Weise.
        Und genau das hat Crumar in epischer Breite – wie immer hervorragend – dargelegt.

    • „bei staatenbildenden Insekten“. Ein guter Einstieg von @Ochmonek. Aber dieses „dritte Geschlecht“ leitet sich leider nur von den konventionellen ab, im Falle der Insekten sind es einfach nur sterile Weibchen.

      Lustigerweise könnte man hier eine Parallele zur Menschenwelt ziehen, denn die Sozialutopisten, die die Geschlechtlichkeit leugnen, zielen ja schliesslich auf eine Sklavenstaat ab, in dem Arbeit für die Kaste der Arbeiter alleiniger Lebenszweck sein wird, was so ziemlich an Insektenstaaten erinnert….

      Man sieht also: die Natur hat schon so Vieles erfunden, was der Mensch meint als erster erdacht zu haben 🙂

    • Das weibliche Geschlecht, das die Eizellen bereitstellt.
      Das männliche Geschlecht, das die Samenzellen bereitstellt.
      Das dritte Geschlecht, das nicht direkt zur Fortpflanzung beitragen kann.

      Der Biologe wird hier wahrscheinlich Einspruch erheben, weil eine genetische Variation, die nicht direkt zur Fortpflanzung beiträgt, nicht als Geschlecht bezeichnet werden sollte.
      Wenn aber Direktbetroffene sich wünschen, in offiziellen Dokumenten als „drittes Geschlecht“ kategorisiert zu werden, dann sehe ich darin kein Problem.

  10. Warum wird das, was mit Geschlechtern zu tun hat und letztlich dann mit Sexualität, so gehyped? Warum ist die sexuelle Identität heute so relevant und brisant, dass so viele so heftig darum zanken?

    Arm oder reich, krank oder gesund, schlau oder blöde, faul oder fleißig – das scheint alles im Vergleich zur sexuellen Identitätszuordung unwichtig zu sein.

    Wenn eine Frau von einem Räuber halb tot geschlagen wird, ist das heutzutage weniger einen Aufschrei wert, als wenn ihr von einem Kollegen an die Brust gefasst wird. Da stimmt doch was nicht.
    Ein schmutziger Schlüpfer, der als Foto nach einem Upskirting rumgereicht wird, führt zur Verurteilung, selbst wenn die Schlüpferträgerin das nicht mal bemerkt hat und das Foto selbst nie sehen muss.

    Ich glaube, der Umgang mit Sexualität ist die Ursache dafür, dass an der Geschlechterdefinition wo immer möglich rumgeschraubt wird.

    So eine Art Massenneurose.

    • Wenn du den Menschen kontrollieren willst, musst du ein Elementarbedürfnis des Menschen kontrollieren bzw monopolisieren. Und die Sexualität des Menschen ist ein solches Elementarbedürfnis. Deshalb haben sich die neuen Totalitaristen das mit dem Geschlecht als „archimedischen Punkt“, die Macht über Menschen und die Gesellschaft zu erlangen, ausgesucht. Ganz simpel also.

  11. Ochmonek schrieb:
    „Das weibliche Geschlecht, das die Eizellen bereitstellt.
    Das männliche Geschlecht, das die Samenzellen bereitstellt.
    Das dritte Geschlecht, das nicht direkt zur Fortpflanzung beitragen kann.“
    ————————————-
    Was hat es mit der „Bereitstellung“ auf sich?
    Sind mit den „Bereitstellern“ auch die 10% gemeint, die in den entwickelten Industrienationen aus den verschiedensten, nicht biologisch-medizinischen Gründen nicht dazu kommen (wollen), Nachwuchs zu haben oder kommt es auf den „erfolgreichen Vollzug“ an?
    Fallen unter die Schubladisierung „drittes Geschlecht“ auch die weiteren, ca. 10% aller Paare, die trotz aller Anstrengungen nicht fortpflanzungsfähig sind?
    Oder spricht er diesen insgesamt etwa 20% schon mal soeben ihr Geschlecht ab, und zwangsbeglückt sie mit dem „dritten Geschlecht“?
    Was ist mit der klaren Selbst-Zuordnung der allermeisten intersexuellen und originär transsexuellen Menschen (NGS), die sich eindeutig als Mann oder als Frau verorten. Müssen die sich als „drittes Geschlecht“ stigmatisieren lassen?
    ——————————————–
    Fakt ist, daß es biologisch gesehen nur zwei fortpflanzungsfähige Geschlechter gibt. Ein „drittes Geschlecht“ ist unter dem Aspekt der Fortpflanzung betrachtet absurd!
    Geschlecht beinhaltet aber eine Vielzahl von körperlichen und wesensmäßigen Geschlechtsaspekten, mit sehr individuellen Merkmalsausprägungen und Kombinationen davon; nahezu alle Menschen hatten und haben aber über alle Zeiten hinweg, und in allen Kulturen, ein klares Selbst-Verständnis von sich als „Mann“ oder „Frau“.
    Erst mit Aufkommen des vom Wissenschafts-Scharlatan John Money einleitend betriebenen „Gender“-Wahnsinns werden alle Menschen mehr oder weniger genötigt, dem herkömmlichen, angeblich ausschließlich sozial-konstruierten Geschlechts-Verständnis „abzuschwören“, und (neue) GENDER-„Realitäten“ anzuerkennen.
    Dazu gehört es dann auch, daß wir „non-binaries“ in ihrer bisweilen sich kurzfristig ändernden Gender-Stimmung ernst nehmen müssen, und sie mit den dazu jeweils passenden Personalpronomen ansprechen; wenn dies nicht befolgt wird, hagelt es aggressive Akte, wie u.a. denen von Tiffany Moore:

    Die bewährte soziale Interaktion von Menschen wird gewollt beeinträchtigt. Fortan ist nicht mehr das Individuum dafür verantwortlich, als was es geschlechtlich gelesen wird, sondern vielmehr hat sich die ganze Umwelt auf die stimmungsmäßige Befindlichkeit und/oder Willkür eines einzelnen Menschen „angemessen“ einzustellen, der aber alle anderen, diesem entgegenstehenden geschlechtlichen Merkmale aussendet…
    Gender-Wahnsinn at it´s best!

  12. Pingback: Normativitäten II | Alles Evolution

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