Mainstream-Meinungen, abweichende Meinung und der Umgang mit diesen

Ole twitterte:

Ich antwortete darauf:

Dabei halte ich allerdings lediglich die Formulierung nicht für die gelungenste und überlege eigentlich, wie man es besser formuliert. Denn natürlich umfasst Meinungsfreiheit auch die Freiheit des Einzelnen etwas bescheuert zu finden und denjenigen, der es vertritt, für einen Idioten zu halten.

Zunächst die Definition von Stigmatisierung, aus der Wikipedia:

Unter Stigmatisierung wird in der Soziologie ein Prozess verstanden, durch den Individuen bestimmte andere Individuen in eine bestimmte Kategorie von Positions­inhabern einordnen,

  • durch Zuschreibung von Merkmalen und Eigenschaften, die diskreditierbar sind;
  • durch Diskreditierung von Merkmalen und Eigenschaften, die diskreditierbar sind;
  • durch Diskreditierung bereits vorhandener, sichtbarer Merkmale und Eigenschaften.[1][2]

Wenn eine Person oder eine Gruppe von Personen von anderen durch gesellschaftlich oder gruppenspezifisch negativ bewertete Merkmale charakterisiert wird, wird sie dadurch in sozialer Hinsicht diskriminiert.

Ein Stigma (griechisch στίγμα für StichWundmal) ist eine unerwünschte Andersheit gegenüber dem, was wir erwartet hätten.[3] Ein Stigma ist eine Verallgemeinerung einer spezifischen Handlung oder Eigenheit einer Person auf deren Gesamtcharakter. Dabei bewirkt das Stigma einen Status der Person, der gegenüber ihren übrigen Eigenschaften hervorsticht.

Wenn jemand – als übertriebener Fall- dafür eintritt, dass er seinen Kindern aus religiösen Gründen ein Auge ausstechen darf, dann wäre eine diesbezügliche Stigmatisierung aus meiner Sicht durchaus wünschenswert.

Es geht also mal wieder um die Frage, wie man ein Spektrum von Meinungen definieren kann, bei denen eine Stigmatisierung eine unlautere Praxis ist, die lediglich aus ideologischen Gründen erfolgt.

Das scheint mir gar nicht so einfach zu definieren zu sein. Man könnte – analog zum Augenausstechen – darauf abstellen, dass nichts zum Stigma ausgebaut werden sollte, was anderen nicht schadet.
Aber Feministen und intersektionale Theoretiker finden ja bereits das alle privilegierten Positionen irgendwie schaden und alle Theorien ebenso, die diese Zustände erhalten.

Man könnte darauf abstellen, dass das in der jeweiligen Gesellschaft akzeptierte und Normale nicht stigmatisiert werden sollte sondern es bereits wegen seiner Normalität verdient argumentativ angegangen zu werden. Aber welche Bereiche umfasst das dann? Etwa die Meinung, dass es zwei Geschlechter gibt, dass der Penis das männliche Sexualorgan ist etc könnte man darunter fassen. Bei Fragen etwa zur Flüchtlingskrise wäre es wahrscheinlich schon schwieriger abzugrenzen. Aber gerade wenn weite Teile hier ein Problem sehen, was immer wieder Gegenstand von Umfragen ist, dann sollte man auch hier die Diskussion suchen

Man könnte auch anführen, dass man über alles ohne Stigmavorwurf diskutieren können muss, was Gegenstand wissenschaftlicher Artikel ist. Das wäre dann aber eben auch zB bei den Gender Studies erst einmal grundsätzlich der Fall.

Man könnte auch anführen, dass zumindest die „Großen“ wie etwa Medien und erst recht der Öffentlich-Rechtliche Bereich sich eine gewisse Zurückhaltung mit Stigmatisierungen zulegen sollten und weit eher die Argumente darlegen sollten die dafür und dagegen sprechen, einfach weil das ihr Anspruch an sich selbst sein sollte und Stigmatisierungen in der Hinsicht wenig  bringen.

Letztendlich ist es die Frage:

Wie vermeidet man „ungerechte“ Stigmatisierungen und wie bringt man eine sachliche Diskussion zu diesen Themen zustande?