Düsseldorfer Tabelle 2020: Erhöhung des Selbstbehalts beim Kindesunterhalts auf 1160 € für Berufstätige und weiter Änderungen

Die neue Düsseldorfer Tabelle, die regelt wie viel Unterhalt man in Deutschland für seine Kinder zahlt, ist rausgekommen und erhält eine Erhöhung des Selbstbehalts auf 1160 € (vorher: 1080 €).

Zu dem Selbstbehalten heißt es dort:

5. Der notwendige Eigenbedarf (Selbstbehalt)
– gegenüber minderjährigen unverheirateten Kindern,
– gegenüber volljährigen unverheirateten Kindern bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, die im Haushalt
der Eltern oder eines Elternteils leben und sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden,
beträgt beim nicht erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen monatlich 960 EUR, beim erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen monatlich 1.160 EUR. Hierin sind bis 430 EUR für Unterkunft einschließlich umlagefähiger
Nebenkosten und Heizung (Warmmiete) enthalten. Der Selbstbehalt soll erhöht werden, wenn die Wohnkosten (Warmmiete) den ausgewiesenen Betrag überschreiten und nicht unangemessen sind.
Der angemessene Eigenbedarf, insbesondere gegenüber anderen volljährigen Kindern, beträgt in der Regel
mindestens monatlich 1.400 EUR. Darin ist eine Warmmiete bis 550 EUR enthalten

Das ist gar nicht so wenig an Erhöhung, es bedeutet immerhin, dass man jetzt 1557 € (Steuerklasse 1, ein Kinderfreibetrag) Brutto  verdienen muss, damit man Unterhalt zahlen kann (ohne Berücksichtung von Fahrtkosten und anderen Abzugspositionen). Vorher wären es 1.420 € gewesen.

Im Gegenzug haben sich auch die Unterhaltsbeträge erhöht, aber das es wird gleichzeitig dazu führen, dass noch mehr Geringverdiener den Unterhalt nicht vollständig zahlen können und wird auch sicherlich einige Politiker dazu bewegen erneut über Maßnahmen gegen „Unterhaltspreller“ nachzudenken, ohne das sie es mal wirklich durchrechnen.

Auch sonst sind die Änderungen ganz interessant. Sollte man sich mal angeschaut haben. Beispielsweise ist der Selbstbehalt gegenüber dem Ehegatten auch um 80 Euro erhöht worden, auf 1280 €

8 Gedanken zu “Düsseldorfer Tabelle 2020: Erhöhung des Selbstbehalts beim Kindesunterhalts auf 1160 € für Berufstätige und weiter Änderungen

  1. Leider ändert sich durch die Zahlenspielerei nichts an den Grundsätzen. Besonders benachteiligt bleiben die Elternteile, die versuchen das eigene Kind möglichst viel zu betreuen, aber vom anderen Elternteil (meist der Mutter) kein striktes Wechselmodell zugebilligt bekommen.

    Die zahlen trotzdem vollen Unterhalt, tragen Fahrtkosten und -aufwände, bekommen kein anteiliges Kindergeld. Zusätzlich betreuen sie die Kinder teilweise über 40% der Zeit mit den entsprechenden Begleitkosten wie Unterbringung, Essen, Ausflüge, Reisen etc.

    Finanziell viel besser fährt, wer sich null um sein Kind kümmert und einfach nur Unterhalt abdrückt. Damit setzt der Staat letzlich Anreize, die gegen das Kindeswohl laufen. Denn der Staat sollte das Ziel haben, dass Kinder mit beiden Elternteilen aufwachsen können mit einem entsprechend engen Bezug zu beiden.

    Viele Mütter geben ihre Kinder lieber in die Ganztagbetreuung, als dem Vater ein Wechselmodell zuzubilligen. Dafür werden sie finanziell letztlich belohnt. Das entspricht aber auch in gewisser Weise dem Zeitgeist. Alle Erwachsenen sollen arbeiten und die Kinder fremdbetreuen lassen.

    Familiäre Geborgenheit und Sicherheit werden so auf eine Stufe mit bezahlter Fremdbetreuung gestellt, was ein großer Fehler ist.

    Deine Ganztagskindergärtnerinnen werden sich einen Scheiß um dich kümmern, wenn du in eine pubertäre Krise gerätst, die werden vielleicht sogar deinen Namen vergessen haben. Deine Eltern hast du, solange sie auf der Welt sind. Auch wenn die voller Macken sind.

  2. Vor einiger Zeit hat der BGH sein Urteil zum Wechselmodell gesprochen. Demnach kann ein Wechselmodell gerichtlich verfügt werden. Aber nur dann, wenn die Eltern nicht tief zerrüttet sind. Wie krank ist denn diese Botschaft? Ich kenne Fälle, da provozieren alleinerziehende Mütter nun heftigen Streit, nur damit sie nicht das Wechselmodell riskieren. Denn würde ein Gericht das strikte Wechselmodell verfügen, würde auch der Unterhalt anders berechnet werden.

    Für die Kinder ist das natürlich der Horror. Was ist nur mit unseren Richtern los? Dass sie sich primär um Frauen sorgen, ist ja bekannt, aber dass sie dabei Kindern indirekt solchen Schaden zufügen, ist nicht akzeptabel. Ein solches Gericht muss derartige Folgewirkungen im Blick haben.

    • „Ich kenne Fälle, da provozieren alleinerziehende Mütter nun heftigen Streit, nur damit sie nicht das Wechselmodell riskieren.“

      Ein seit mindestens 20 Jahren bekanntes Problem, das aber von der Justiz ebenso hartnäckig bestritten, oder ignoriert wird.
      BGH und GVerfG sind kompromisslose Verfechter des Residenzmodells, weshalb es mit dem Wechselmodell nicht vorangeht.
      Wenn der BGH das Wechselmodell für rechtens erklärt, dann aus zwei Gründen: es ist 1. grundgesetzkonformer, als das Residenzmodell und 2. nicht alle OLG beteiligen sich an dem väterentsorgenden Schmierentheater des BGH.

      „Was ist nur mit unseren Richtern los? Dass sie sich primär um Frauen sorgen, ist ja bekannt, aber dass sie dabei Kindern indirekt solchen Schaden zufügen, ist nicht akzeptabel.“

      Der einzige Hebel, den ich hier sehe, ist die Inhaftungnahme des Staates bei Folgekosten, die durch die Väterentsorgung entstanden. Sprich: schwächelt ein Kind in der Schule und der Vater könnte (und müsste) in diesem Fall helfen, dann ist die verantwortliche Robe zu benachrichtigen und aufzufordern, den Mangel abzustellen. Was sie natürlich weder kann, noch will.
      Aber man hat dann ein Schriftstück, mit dem man später nachweisen kann, dass der Staat dem Kind sein Grundrecht auf Unterstützung durch seinen Vater verweigert hat und dass der Staat hier Schadensersatz zu leisten hat.
      Frauen allgemein und Müttern im Besonderen zu helfen, ist nicht das allerhöchste ZIel der Familienroben. Die allerhöchste Priorität heißt: „Die Väterentsorgung darf den Staat nichts kosten!“
      Muss der Staat die Folgekosten für eine gescheiterte Schullaufbahn übernehmen, werden die Folgen der Väterentsorgung sichtbar und summierbar. Dann wird auch der Druck steigen, hier eine kindgerechte Lösung zu finden.

  3. Bei dem Gehalt kann kaum jemand Unterhalt zahlen, selbst wenn er wollte. Da können beide Unterhaltsvorschuss nehmen. Wird ja kaum zurückbezahlt. Dann freut sich die Mutter und der Vater hat Ruhe. Bei Mieten wie 2Zimmer für 4 Leute mit 1400eur geht es eh kaum anders.

  4. > es bedeutet immerhin, dass man jetzt 1557 € (Steuerklasse 1, ein Kinderfreibetrag) Brutto verdienen muss, damit man Unterhalt zahlen kann

    1560€ sind 38,5h bei Mindestlohn. Sehr freundlich vom Staat.

    Ebenso großzügig die 430€ für die Wohnung, warm. Das Sozialamt zahlt mehr (also, meinem Mieter, zumindest – und die ist zu klein für einen Kinderbesuch über Nacht).

    Nett, der Staat. Warum nochmal gehen wir eigentlich überhaupt noch arbeiten?

    • Damit wir Steuern zahlen und der Staat uns das Geld dann in Form von irgendwelchen Sozial-Geld und -Prämien wieder geben kann – als Geschenk … unser Geld.

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