Kulturelle Aneignung

Ein interessanter Thread auf Twitter:

CN Cultural Appropriation Immer wieder fällt dieser Begriff. Hier die Sicht einer Kulturwissenschaftlerin.

Cultural Appropriation soll die Aneignung einer Kultur durch Außenstehende bedeuten, sprich etwa eine weiße Person mit Dreadlocks, weiße Person die Rap hört oder Nicht-Japaner, die Kimonos tragen. Das sind die gängigsten Beispiele.

Das Problem damit: eine (Sub-)Kultur wird einer begrenzten Personenzahl zugesprochen, die alleine Verfügungsgewalt hat. Das ist und war schon immer jedoch nicht realistisch. Die Geschichte zeigt, wie sich Kulturen immer wieder ausgetauscht haben, angepasst und übernommen.

Heißt in Fachsprache Kulturtransfer, der in verschiedenen Formen erfolgen kann:

  • Inspiration: etwas wird aus einer anderen Kultur übertragen, aber komplett verändert. Herkunft nicht nachweisbar
  • Adaption: etwas wird übernommen, an die eigene Kultur angepasst und trägt Merkmale beider Kulturen.
  • Übernahme: etwas wird so wie es ist in eine Zielkultur integriert, Herkunft eindeutig nachweisbar

Ziel der Anschuldigungen von C.A. ist ausnahmslos die 3. Kategorie. Wie schon gesagt ist Kulturtransfer jedoch ein wichtiger Bestandteil aller Kulturen und hat stattgefunden, seitdem Menschen Kulturen pflegten. Unser Leben wäre heute nicht so wie es ist ohne Transfer, unsere Kleidung, unsere Gärten, ja auch unsere politischen Systeme sind abgeguckt. Und das ist okay so.

Nun zu meinem eigentlichen Problem mit CA: Es schränkt ein. Und es ist im Prinzip nichts anderes als „wir müssen unsere Kultur rein halten“ aus anderer Perspektive. Klar gibt es auch problematische Kulturaneignungen, wenn eine Kultur bewusst genutzt wird, um ihr zu schaden.

Wenn eine Kultur ausgenutzt wird, um sich an ihr zu bereichern. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass es auch Hommagen gibt, Bewunderung, Zelebrieren von Kultur. Wer als Weißer Dreadlocks trägt, der will der Ursprungskultur nicht schaden, sondern zelebriert sie.

Kulturen leben vom Transfer und davon, dass sie weiter getragen werden. Sie stürben, ganz besonders in einer globalisierten Zeit, rasch aus, hinderte man sie am gegenseitigen Austausch.

So radikal das klingen mag, aber wer andere des Rassismus bezeichnet, weil sie etwa einen Kimono tragen, ohne aus Japan zu stammen, der versteht nicht nur Kultur falsch, sondern sollte dringend über seine diskriminierende Sicht nachdenken.

Da bereits einige missverstanden haben, was Kernaussage ist: Es geht NICHT darum, zu sagen, dass es keinen Rassismus gäbe. Es geht NICHT darum zu sagen, Opfer von R. sollten sich „nicht so anstellen“. Wer das rein liest, tut das aus Boshaftigkeit oder Ignoranz.

„Bewahrung von Kultur“ hat nichts damit zu tun, dass andere sie nicht weitertragen dürfen. Das ist der gleiche Quark, den die AfD erzählt von wegen Reinhaltung der Kultur. Es gibt keine reine Kultur. Kultur gehört niemandem, was in beide Richtungen geht.

Fand ich in großen Teilen durchaus passend. Wie seht ihr es?