Mobbing

In Bekanntenkreis wurden ein paar Mobbingfälle berichtet und es kann dabei die These auf, dass es Leute gibt, die immer gemobbt werden oder zumindest ausgegrenzt, weil sie einfach komisch sind. Mitunter sind es Leute, die selbst zu Machtspielen neigen und bei denen man das Gefühl hat, dass sie hinter dem eigenen Rücken schlecht über einen reden oder auch nicht dann damit leben können, dass jemand noch andere Freunde hat etc.

Also im Endeffekt die These, dass viele gemobbte zu einem gewissen Teil selbst schuld sind oder dazu beitragen.

Sicher wird es auch immer wieder denjenigen geben, der einfach nicht in eine Runde passt oder dort die Machtverhältnisse stört ohne dass zu dies falsch wäre, aber zumindest die Leute, die in verschiedener Kreisen immer wieder gemobbt werden, werden irgendeinen Persönlichkeitsfehler haben.

Würdet ihr das auch so sehen?

39 Gedanken zu “Mobbing

  1. Oh wei.
    Wieviele Beiträge hier wohl erscheinen werden, die schlicht der Verfügbarkeitsheuristik frönen?
    „Also, i c h …“

    Empfehlenswert der Britannica Artikel: https://www.britannica.com/topic/bullying

    Die Wissenschaft versteht Mobbing noch nicht wirklich.
    Die Gründe, zum Mobber/Bully zu werden, reichen von psychischen Defiziten (u.a. in der Aggressionsregulierung) bis zu „normalem“ Statusrangeln.
    Warum jemand zum Adressaten wird, versteht man noch weniger. Anders-Sein ist sicher häufig Grund oder Katalysator. Aber da nicht alle, die irgendwie anders sind, auch gleich gemobbt werden, muss „Die haben ja nur selber Schuld“ in der Schublade „Holla, du machst es dir aber einfach. Wen hast du denn zuletzt gemobbt?“ abgelegt werden.

    • Allgemein Schwäche scheint mir falsch. Es geht hier ja großteils nicht um Schulgewalt.

      Bullies im Alltag spielen soziale Spiele und stören den fairen “männlichen” Wettbewerb. Sie nutzen dabei Schwächen aus, indem Sie das soziale Spiel von den Stärken weg zu den Schwächen des Opfers lenken. Ausgenutzt wird dabei auch gerne (das wohl eher unbewusst), dass Opfer in geeigneten Situationen sich nicht wehren können, ohne die Situation auch leicht schlimmer zu machen. Beispielsweise in etwas Kompetenz fraglich erscheinen lassen, was der Peer Group wichtig ist. Heute auch Ausnutzen der Asymmetrien politischer Korrektheit, wo sich das Opfer durch inhaltlich korrekte Vorgehensweise politisch auf Glatteis landet und dies erst merkt, wenn der offene Teil des Angriffs erfolgt.

      Ergebnis ist, dass psychische Last beim Opfer landet, die manche mehr andere weniger tragen können. Ohne geniale Konter ist aber fast sicher Statusschaden entstanden.

      • Ja, gut zusammengefasst.

        „Heute auch Ausnutzen der Asymmetrien politischer Korrektheit, wo sich das Opfer durch inhaltlich korrekte Vorgehensweise politisch auf Glatteis landet und dies erst merkt, wenn der offene Teil des Angriffs erfolgt.“

        Ein wichtiger Punkt, denn das findet mittlerweile ja gesamtgesellschaftlich statt. Die Bully-Medien provozieren sogar bewusst, um das Opfer zum (verbalen oder tätlichen) Zurückschlagen zu bringen und dann wochenlang Sondersendungen darüber zu machen, wie verkommen selbiges doch ist.

  2. Dern „Persönlichkeitsfehler“ hast Du, Christian, weil Du leicht blind arrogant eingebildet bist, nie gemobbt wurdest und meinst, Dein Leben ist vorzüglich genial.
    Jeder sollte mal gemobbt werden. Erst dann, weiß er Bescheid.
    Guten Tag Euch noch.

      • Des weiteren könnte auch, neben der Schwäche des Opfers manchmal auch unbewusster Neid der Täter eine Rolle spielen ?
        Weil das Opfer nicht gesellschaftlichen Konventionen entspricht, die man selbst einhält aus Feigheit und neidisch ist auf den, der sie bricht, sei es aus Mut und Unbekümmertheit sie zu brechen, sei es das er unfähig ist sie einzuhalten oder gar nicht merkt, daß er sie bricht.
        Kann also auch Neid ein Auslöser für Mobbing sein ?

  3. Die Schuld beim Opfer zu suchen, erscheint mir zu einfach.

    Nicht jeder braucht einen Grund, andere anzugreifen. Manche tun das aus Spass. Und wenn sich so etwas in einer Gruppe verselbständigt, kann das hässlich werden. Erst recht, wenn es vom Vorgesetzten ausgeht, den keiner bremst.

    Echtes Mobbing gibt es, und das Opfer muss keine Schuld haben. Oder auch ein leichtes Fehlverhalten (klassisch: oben ohne Foto an den Freund) unverhältnismäßig bestraft werden (ex-Freund schickt Foto an alle, alle beschimpfen Frau als Schlampe).

    Aber nicht alles, was als Mobbing bezeichnet wird, ist auch Mobbing. Manche Leute sind auch nicht in der Lage, einen sozialen Konflikt als solchen zu erkennen. Geschweige denn, ihn zu lösen.

    • Nicht jeder braucht einen Grund, andere anzugreifen. Manche tun das aus Spass
      Ja richtig. Das schlechtmachen, niedermachen, herabsehen auf Andere ist ja bei vielen, wenn nicht den meisten Menschen ein wesentlicher Pfeiler des Selbstbewusstseins, auch des Gruppenbewusstseins. Meist aus Mangel an eigenen Werten und Qualitäten.
      Aber ja auch richtig, manchmal werden auch echte Konflikte zu schnell als Mobbing bezeichnet, wobei da natürlich auch eins ins andere umschlagen kann.

  4. @Christian

    Ich würde sagen, jemand der selbst mobbt und dann gemobbt wird, dürfte nicht völlig unschuldig an der Situation sein. Und klar gibt es Menschen, die sind anpassungsfähiger und andere sind es weniger, aber solange diejenige Person nicht selbst Mobbing betreibt, sehe ich keinen nachvollziehbaren Grund, diese Person selbst zu mobben. Auch wenn jemand eine Neurose oder Persönlichkeitsstörung oder was weiss ich hat, diese Person aber selbst kein Mobbing betreibt, sehe ich keinen Grund, den Fehler bei dieser Person zu suchen, wenn sie gemobbt wird. Soll heissen: Man kann auf sozial unangemessnes bzw. normwidriges Verhalten einer Person auch sozialverträglich reagieren und muss nicht gleich MObbing betreiben.

    • „Man kann auf sozial unangemessnes bzw. normwidriges Verhalten einer Person auch sozialverträglich reagieren und muss nicht gleich MObbing betreiben.“

      So ist es! Du hast das besser formuliert, als ich. Genau genommen macht es sogar den Grad der Zivilisiertheit einer Gesellschaft aus, wie sie reagiert. Nur in primitiven Gesellschaften regieren Messer und Clans…

  5. Ich würde mir wünschen mehr Studien dazu zu sehen. Meine Vermutung ist das Mobbing so wie es im heutigen gesellschaftlichen Leben, insbesondere unter Jüngeren ein normales Verhalten zu bestimmten sozialen Zwecken ist. Ob das nun erwünscht, teilweise unreflektiert begründet, wie komisch, persönlich gestört, anders aussehen, gekleidet, usw., vermute ich das sozialer Status durch Interaktion ausgehandelt wird. Das Thema nicht nur als Störung sondern als Funktion zu verstehen ist unangenehm weil jeder die Erfahrung als Dritter, Unbeteteiligter, macht das derartige Interaktion nicht sofort und drastisch sanktioniert wird.
    Die Aufteilung von sozialen Gruppen in Gemobbte, Mobber, Mitläufer, Dulder und Unterstützer findet meiner Meinung nach schlichtweg durch simple Persönlichkeitsunterschiede statt. Es ist ein soziales Phänomen. Jeder der zuvor einem Typus des Geschehen Zugeordnenten wird aufgrund seiner Persönlichkeit und vielleicht zu geringeren Teilen dem aktuellen Anlass seine Rolle in dem Geschehen haben.
    Der Nutzen des Mobbing für den Mobber muss in jedem Fall positiv sein innerhalb der sozialen Gruppe und ebenfalls beim anderen Geschlecht. Mobbing wird unangenehm konotiert aber nicht effektiv sozial bestraft, ich behaupte sogar das heute noch Vorteile erzielt werden. Im schulischen Umfeld sind die sozialen Interaktionen drastischer, zugleich sind weniger Sanktionen wirksam weil sie nur unter den Schülern wirksam ausgeübt werden können.

  6. War Mobbing nicht seinerzeit der Beginn der beliebigen subjektiven Einordnung als Benachteiligter? Plötzlich wurden alle gemobbt. Diejenigen Idioten, denen die Leute gesagt und gezeigt haben, dass sie Idioten sind, die waren plötzlich die Opfer – von Mobbing. Die Gesellschaft wurde sensibilisiert: Warum haben die kein Recht auf das Ausleben ihres Idioten-Daseins? Warum wird das Leid von Idioten so marginalisiert? Wie ungerecht ist das denn?

    Dann wurde institutionelle Hilfe für die Idioten geschaffen in Schulen, Arbeitsstätten. Mobbing wurde zum sozialen Problem aufgespielt. Wer geärgert wurde, wurde gemobbt. Wer gleich von drei Mitschülern einen Schneeball abbekommen hat, der wurde auch gemobbt. Mobbing-Opfer wurde, wer sich den Wursteintopf auf die Hose kleckerte – und alle Umstehenden lachten drüber. Und dann wurde zum Mobbing-Opfer, wer sich einfach so fühlte.

    Einmal in die Opferrolle eingetaucht, waren plötzlich überall Mobber. Der Fahrer der U-Bahn, der bei der Einfahrt abschätzig guckte, die Käseverkäuferin die verächtlich tut, weil der Unterschied von Brie und Camembert nicht bekannt ist. Es wurde klar: Wenn Mobbing sogar schon an der Käsetheke auftritt, ist es ein großes gesamtgesellschaftliches Problem.

    In Wirklichkeit aber war alles wie immer: Die einen ärgerten die anderen und die wiederum wieder andere. Irgendwann sitzt dann einer in der Ecke und schmollt. Das glaube ich ist auch unter Affen so.

    Die machen aber nicht so ein Geschiss darum.

    • Nein, so einfach ist es nicht. Mobbing ist bewusstes irrationales Gruppenverhalten gegen eine Person. Wenn du das mal erlebt hast und unfreiwillig selbst „der Idiot“ warst, dem alle (vor allem die zahlreichen ängstlichen und charakterlosen Mitläufer) zeigten, dass er einer ist, wirst du den Unterschied erkennen. Nur weil heute alle Opfer sein wollen und sich in den socials zu welchen stilisieren, heißt nicht, dass es nicht wirklich welche gibt.

      Ein Kumpel von mir ist mal Mobbing-Opfer geworden, ich glaube es war bei seinem Zivildienst. Der war nie schwach, im Gegenteil war er in der Schule lange Zeit sogar ein ziemlicher Klassenrüpel gewesen. Ich weiß nicht, wie er da wieder rauskam, er hat damals ziemlich drunter gelitten. Die Sache ging von einem Gestörten aus, der dann die anderen aufwiegelte. Das funktioniert nur, weil die meisten in der Gruppe feige sind und lieber mitspielen, als zu widersprechen, teilweise diese peinliche Unterwürfigkeit dann als Sadismus gegen das Opfer zu kompensieren versuchen. Eine sehr hässliche Seite der menschlichen Natur.

      • Das stimmt alles, ist auch wirklich übel für die, die es erwischt hat. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Das Phänomen ist älter als die Menschheit. Jetzt gibt es dafür eine soziale Diagnose, nämlich Mobbing. Nun ist man Mobbing-Opfer und kann entsprechende Hilfsangebote wahrnehmen. Dadurch verfestigt sich die Mobbingopfer-Rolle, anstatt dass die Betroffenen wie früher aktiv Auswege suchen und oft auch finden. Sie sind die Geschädigten von anderen und können sich darauf zurückziehen, sich von Professionellen streicheln lassen. Ob nun von Psychotherapeuten, betrieblichen Mobbing-Beauftragten oder ehrenamtlichen Mobbing-Hilfsmitarbeitern.

        Der Mechanismus ist ähnlich wie bei manchen der hier diskutierten MeToo-Fällen. Da wird eine Frau ungeschickt angemacht, am Po berührt oder in ihrer Anwesenheit wird ein sexistischer Witz erzählt. Schon ist sie ein MeToo-Opfer sexualisierter Gewalt. Leider nehmen viele diese Rolle gerne entgegen, bringt sie doch oft Mitleid, Zuwendung, Solidarität.

        Hinter solchen Banalitäten gehen dann alle jene unter, denen wirklich übel mitgespielt wird, die gequält oder im anderen Fall vergewaltigt werden. Jeder stumpfe Witz ist plötzlich Ausdruck der Rape Culture, jede Schadenfreude Mobbing.

        • „Das Phänomen ist älter als die Menschheit.“

          Das stimmt. Auch unter anderen Primaten wird Mobbing beobachtet.

          „Jetzt gibt es dafür eine soziale Diagnose, nämlich Mobbing. Nun ist man Mobbing-Opfer und kann entsprechende Hilfsangebote wahrnehmen.“

          Stimmt auch. Und das ist gut so.

          „Dadurch verfestigt sich die Mobbingopfer-Rolle, anstatt dass die Betroffenen wie früher aktiv Auswege suchen und oft auch finden. “

          Nein, der Unterschied zum Piesacken und Ärgern eines Kollegen oder Klassenkameraden ist, dass Mobbing (scheinbar) anlasslos geschieht und auf die Existenz der Person abzielt. Die Betroffenen können sich eben oft nicht erfolgreich wehren, oder Auswege finden.
          Ich bin zu einer Zeit zur Schule gegangen, als es die Diagnose „Mobbing“ noch nicht gab, wohl aber den Tatbestand. Zwei meiner Klassenkameradinnen wurden gemobbt, was mir schon damals auffiel. Ich war damals zu feige, mich hinter die Mädel zu stellen, obwohl mich die Ungerechtigkeit meiner Klassenkameraden anwiderte. Wie die beiden die Situation wegsteckten, weiß ich nicht, zumindest die eine zeigte keine Gefühlsregung. Die andere schien offener unter der Isolierung zu leiden, was – Gottseidank – dazu führte, dass es von der Mathelehrerin, einer ebenso beliebten, wie resoluten Pädagogin, für die ganze Klasse einen tierischen Anschiss gab. Und bei der Erforschung der Ursachen für das unkameradschaftliche Verhalten zeigte sich eben auch offen, dass es keinen benennbaren Grund für die Ausgrenzung gab.
          Ich schäme mich noch heute für unser mieses Verhalten, auch wenn ich mich – selbst einst Mobbing-Opfer – daran nicht beteiligt hatte.

  7. Es gibt definitiv Menschen, die immer wieder in Mobbing-Situationen hineingeraten, egal wo sie hinkommen, die also irgend etwas an sich haben, das sie zur perfekten Zielscheibe macht.

    Ich will nicht ausschließen, dass diese Konstellation – dass jemand Mobbing mehr oder weniger selbst dadurch provoziert, dass er zu antisozialem Verhalten neigt – existiert oder sogar verbreitet ist.

    Meiner Erfahrung ist das aber eher nicht der Grund. Ich habe zwar keine Studien dafür, aber ich halte es für plausibler, dass die soziale Isolation eines Opfers die Ursache des Mobbings ist und nicht etwa eine Folge oder ein Teil davon.
    Am Anfang steht etwas, das dazu führt, dass das Opfer innerhalb eines bestimmten Personenkreises (z.B. Schulklasse, Kollegenkreis, …) nicht viele Freunde hat. Bei manchen z.B. geringes Selbstbewusstsein, Schüchternheit, Kontaktscheue, ungewöhnliche Interessen („Nerd“), aber auch äußere Merkmale wie z.B. eine Behinderung oder eine Herkunft aus einem anderen Kulturkreis.

    Wenn es im gleichen Personenkreis Leute gibt, die die Merkmale eines typischen Täters aufweisen (meiner Ansicht nach kann man Mobbing nicht verstehen, wenn man nicht auch die Täter betrachtet), dann sind Leute mit den oben genannten Merkmalen das prädestinierte Ziel.

    Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich bei typischen „Bullies“ nicht um Leute, die ihr eigenes geringes Selbstbewusstsein dadurch kompensieren müssen, dass sie auf anderen herumhacken.
    Im Gegenteil – Studien (Olweus 1986) haben gezeigt, dass die meisten von ihnen sogar ein besonders hohes, wenn nicht gar übersteigertes Selbstbewusstsein haben. Das entspricht auch in etwa meiner Erfahrung, nach der die Täter folgende Persönlichkeitsmerkmale haben:

    – sadistische Neigungen (auf anderen herumhacken, einfach weil es Spaß macht)
    – hohes Selbstbewusstsein, Gefühl der eigenen Überlegenheit (man tut es, weil man es kann)
    – gleichzeitig aber auch eine gewisse Feigheit.

    Aufgrund dieser Merkmale suchen sich die Täter dasjenige oder diejenigen Opfer aus, bei denen die geringste Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie sich wehren oder dass sich jemand für sie einsetzt.

    Ich stimme also zu, dass es Leute gibt, die dazu neigen, immer wieder Opfer von Mobbing zu werden, egal, wo sie hinkommen. Ich würde aber eher nicht zustimmen, dass Mobbing (außer in einer Minderheit der Fälle) etwas ist, das das Opfer durch antisoziales Verhalten aktiv auslöst. Man könnte höchstens noch insoweit zustimmen, dass das Opfer in einem Teil der Fälle zu einem gewissen Grad selbst schuld ist, indem es sich durch Selbstisolation angreifbar macht und/oder darauf verzichtet, sich zu wehren.

    Nur ist das mit dem „sich wehren“ so eine Sache: Dass Autoritäten wie Lehrer oder Vorgesetzte wegschauen, wenn man Ziel von Mobbing-Taktiken wird, heißt noch lange nicht, dass sie auch wegschauen, wenn man mal zurückschlägt.

    • Zustimmung.

      „– sadistische Neigungen (auf anderen herumhacken, einfach weil es Spaß macht)
      – hohes Selbstbewusstsein, Gefühl der eigenen Überlegenheit (man tut es, weil man es kann)
      – gleichzeitig aber auch eine gewisse Feigheit.“

      Das scheint tatsächlich so zu sein. Die haben selbst Angst davor zum Opfer zu werden. Es gibt da ja einige Dokus über Gefängnisse, Jugendwerkhöfe usw. wo solche Gruppendynamiken besonders bedrückend sind/waren. In denen fallen dann so Aussagen wie „ich habe mir bewusst den Truppenchef rausgesucht und ihm die Nase gebrochen, damit war die Rangordnung klar“.

      Ich hätte mich das nicht getraut, weil er ja eben der Gruppenchef ist und eine Gruppe auf seiner Seite hat. Was ich immer vernachlässigt habe, ist die Instabilität derselben, sie basiert ja nur auf Angst und Unterwerfung. Da sind primitivste tierische Instinkte am Werk, d.h. in dem Moment, wo ich den Chef fertigmache, gehört und gehorcht die Truppe plötzlich mir und nicht mehr ihm.

      • Tatsächlich ist der Typ dann die längste Zeit der Gruppenchef gewesen. Das Schicksal eines Gruppenchefs ist es, dass er seine Macht verliert wenn er besiegt wird. Die Stärke seiner Gruppe kann er auch nur aktiv ausspielen, d.h. im Angriff, in der passiven Form werden die Gruppenmitglieder zu kopflosen Hühnern. Liegt auch daran, dass jeder der eine Konkurrenz darstellen würde kein Mitläufer ist oder die Gefahr besteht, dass er den Gruppenchef ersetzen könnte. Hab ich mehrmals erlebt. Sieht man aber auch in der Politik ziemlich gut.

  8. Schwache, die vielleicht ein bisschen schräg sind, ziehen das Phänomen an. Selbstverständlich sind sie nicht „schuld“, ich tue mich auch schwer damit, „Persönlichkeitsfehler“ zu diagnostizieren. Was soll das sein?

    Die Grenzen sind natürlich fliessend. Unser Klassenstreber wurde z.B. auch ab- und zu Mal Opfer bei einer Schneeballschlacht oder eines beissenden Kommentars, aber im Großen und Ganzen war er anerkannt, er wurde nicht systematisch und nicht bösartig geärgert. Wenn der Mobbing-Treiber, der bösartig Gestörte, der das immer wieder pusht, fehlt, verlieren sich solche Attacken meist schnell wieder.

    Ich kann mich aber an eine Situation erinnern, da war ich vielleicht in der dritten Klasse, da tat er mir leid und ich war zu feige, ihm zu helfen. Ich schäme mich jetzt noch dafür und habe seitdem immer versucht konsequent einzuschreiten, wenn so etwas passiert. Mindestens einmal auch mit Erfolg, Mobber verlieren den Spaß, wenn sie plötzlich gegen zwei oder mehr Leute agieren müssen, zumal ich körperlich nicht gerade zu einer Konfrontation einlade.

    Ich habe mich von den „Schrägen“ immer positiv angezogen gefühlt. Sie haben normalerweise die sehr viel interessanteren Persönlichkeiten (das hat mein Leben sehr geprägt und irgendwie bin ich selbst ja auch ein bisschen neben der Spur 🙂 denke ich). Die Mitläufer und Mitschläger haben mich hingegen immer intensiv angewidert, die meisten sind einfach nur brachial dumm, feige und gefühllos und merken gar nicht was sie da tun. Der Typ Antifant, der andere zusammenschlägt, weil jemand mit dem Finger zeigt und „Nazi“ ruft. Die ganz untere intellektuelle Schublade sozusagen.

    Besonders übel ist „Bossing“, also das Mobbing durch eine höher gestellte Person. Insbesondere wenn es ein Lehrer-Schüler-Verhältnis betrifft, aus dem man nicht raus kann. Ich hatte eine Grundschullehrerin die so drauf war und wirklich systematisch immer wieder einzelne Kinder vor der gesamten Klasse demütigte. Mich konnte sie auch nicht leiden, aber ich war zum Glück nicht ihr Hauptopfer. Gott sei Dank waren wir das gestörte Weib nach der Grundschule los, womit auch die dümmlichen Phrasen der Mitschüler langsam abebbten, weil sie niemand mehr befeuerte.

    • „Ich kann mich aber an eine Situation erinnern, da war ich vielleicht in der dritten Klasse, da tat er mir leid und ich war zu feige, ihm zu helfen. Ich schäme mich jetzt noch dafür und habe seitdem immer versucht konsequent einzuschreiten, wenn so etwas passiert.“

      Das scheint also nicht nur mich geprägt zu haben 🙂

      Ich bin später nie mehr in eine Situation geraten, wo ich mich an die Seite eines Mobbing-Ziels stellen musste/konnte, wenn man von meinen Kindern im Rahmen der Erziehung absieht.

  9. Was ich als Problem sehe ist, dass man den Opfern keine Möglichkeit lässt, sich zu wehren.
    Ich würde selbst gemobbt und das war mein größtes Problem. Hatte ich Verletzungen, hieß es, das gehört dazu. irgendwann habe ich dann aufgerüstet und bin mit Messer zur Schule, da könnte plötzlich was gemacht werden, als einer der Mobber das Teil mal in der 8. Klasse am Hals hatte.
    Ich habe den Lehrer auch gefragt, wie ich mich ohne Bewaffnung gegen so viele Leute wehren soll.
    Das war nicht Problem der Schule.
    Ich habe mich leider geweigert, ohne Schutzausrüstung zur Schule zu gehen.
    Auch Polizei etc sahen selbst schlimmere Verletzungen als ok, umgekehrt hatte ich für geringste Vergehen Anzeigen am Arsch.
    Als Gründe für Mobbing sehe ich, dass ich zwar körperlich stark war, aber eher zurückhaltend war.

    • Ja, wenn man keine Hilfe bekommt und selbst keine Möglichkeit hat, was zu machen, hat man die A*schkarte gezogen. Da bleibt am Ende nur noch der totale Rückzug, bis die Eltern endlich kapieren, dass da was nicht stimmt.

      Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass eine Gesellschaft am Ende ist, wenn die Hierarchieebenen überwiegend von Feiglingen, Mitläufern und Dummköpfen besetzt sind. Genau das, was wir in Deutschland gerade beobachten. Mobbing im Großen, was es noch sehr viel schwerer macht, weil es nicht nur einen Bully gibt und die Konsequenzen bis zur Existenzvernichtung gehen…

    • Ich bin bei der Bewertung solcher Studien immer sehr vorsichtig und würde vorab lieber erst wissen, was der Fragende beabsichtigt, bzw. wie er Mobbing selbst definiert.
      Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass 90% der Arbeitnehmer echtes Mobbing gutheißen, egal, ob es sie selbst betrifft, oder einen Kollegen.
      Wir allerdings vom Befrager der Begriff schon dadurch aufgeweicht, dass jeder firmeninterne Streit als Mobbing definiert wird, dann kommen solche Ergebnisse heraus, wie in der Studie.

      Es ist wie bei den Feministinnen. Wenn sie „nicht im Haushalt helfen“ als Gewalt definieren, dann sind nicht etwa die Männer besonders gewalttätig, sondern der Gewaltbegriff ist ins Lächerliche abgewertet.

  10. „Also im Endeffekt die These, dass viele gemobbte zu einem gewissen Teil selbst schuld sind oder dazu beitragen.“

    Solche Aussagen finde ich immer zum kotzen. Niemand hat es verdient, gemobbt zu werden. Gemobbt werden ist ja auch der passive Part (wie die Grammatik schon sagt) und mobben der aktive Part. Natürlich gibt es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale oder Situationen, die eine Person leichter zum Opfer macht als andere, z.B. Introvertiertheit, Isoliertheit, körperliche Schwäche, Unangepasstheit. Aber das rechtfertigt noch lange nicht, dass man so mit ihnen umspringt.
    Ich habe selbst jahrelang unter Mobbing gelitten. Es fing an zu Zeiten der frühen Pubertät an, als plötzlich Hierarchien festgelegt wurden. Das Problem ist, dass der Status des Opfers irgendwann eine allgemeine Akzeptanz findet, d.h. dass auch Personen, die nicht Rädelsführer waren, dich abschätzig behandeln. Denn Opfer sein ist nun mal auch ein Stigma und niemand will sich mit einem Opfer abgeben, weil das halt am sozialen Status kratzen könnte. Am Ende war ich sogar so weit, dass ich erleichtert war, wenn endlich mal andere Opfer von Mobbing wurden. Ich habe dann sogar manchmal selbst gemobbt, eine Tatsache, auf dich ich nicht stolz bin und für die ich mich im Nachhinein schäme, aber damals war es halt der simple Gedanke nur nicht ich, Hauptsache jemand anders. In meinem Fall hat das Mobbing dann aufgehört als die Pubertät durch war und die Rädelsführer (dumme, grobschlächtige, wenig empathische Menschen) die Schule verlassen haben. Mitläufer stellen dann naturgemäß auch ihren Betrieb ein.
    Diese Erfahrungen wird man aber immer mit sich herumtragen, weil sie eben ein Teil von einem sind und einen mitgeprägt haben. Die Folgen von Mobbing können dramatisch sein und im Selbstmord des Opfers enden. Hier kommt es mMn auf den Grad des Mobbings und die Resilienz des Opfers an. Manche ertragen es besser, andere schlechter, aber jeder hat irgendwo eine Grenze dessen, was er ertragen kann. Dabei hängt es auch davon ab, wieviel Unterstützung das Opfer von außen erfährt. Eltern und Lehrer waren mir Null Hilfe, da niemand wirklich die Dimension des Problems verstanden hat. Und man läuft natürlich auch Gefahr als Petze hingestellt und dann noch mehr gemobbt zu werden. Man arrangiert sich dann lieber mit dem status quo. Und manchmal ist Mobbing auch schwer greifbar und nachzuweisen. Man muss nämlich unterscheiden zwischen Mobbing durch Jungen oder durch Mädchen. Jungen verprügeln einen eher, was zwar physische Schmerzen verursacht, aber die gehen vorüber. Mädchen hingegen machen einen eher psychisch fertig, was viel tiefgehendere Folgen hat und wogegen man sich nur schwer wehren kann und was man auch nicht wirklich nachweisen kann (blaue Flecken oder Schlägereien sieht man ja). Es hat mich sehr viele Jahre meines Lebens gekostet überhaupt wieder so etwas wie Selbstbewusstsein zu entwickeln. Und meine negativen Erfahrungen mit Frauen haben dazu geführt, dass ich noch heute eher unsicher in ihrer Gegenwart bin. Ich denke auch, dass viele der Anhänger von Jordan Peterson mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. Vielleicht ist sein Erfolg auch eine logische Folge davon. Die Erfahrungen haben mich aber auch im Umgang mit Menschen geschult. Irgendwann hatte ich einen sechsten Sinn dafür entwickelt, wann eine Situation für mich gefährlich wurde und welchen Menschen ich trauen konnte und welchen nicht.
    Im Nachhinein bin ich nur froh, dass das Internet zu den Zeiten als ich gemobbt noch nicht wirklich existierte. Die Möglichkeiten, die man heute hat, sind noch sehr viel zerstörerischer als damals.

    • Nur schwache Menschen werden Opfer von Mobbing. Leider ist die aktuelle Ideologie dazu ausgelegt schwache Menschen zu produzieren, ihnen Schwäche als eine Tugend zu verkaufen. Starke menschen kann man nicht Mobben, die Gefahr ist viel zu groß, dass es einen Rückschlag gibt.
      Keiner weiß das besser als ich selbst. Ich wurde in der Schule so lange gemobbt, bis ich angefangen habe Kampfsport zu machen und die richtigen Leute um Hilfe zu bitten. Nachdem der Obermobbger von einem türkischen Freund eins aufs Maul bekommen hat und sich das rumgesprochen hatte, war ich zwar nicht sonderlich beliebt aber jeder hatte zu viel Schiss mich wieder zu mobben. Daher kommt auch meine Einstellung „Lieber gefürchtet als geliebt“.

      • „Nur schwache Menschen werden Opfer von Mobbing.“

        Das ist richtig. Gleiches gilt für Väter. Nur den schwachen werden die Kinder entzogen.

    • Natürlich gibt es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale oder Situationen, die eine Person leichter zum Opfer macht als andere, z.B. Introvertiertheit, Isoliertheit, körperliche Schwäche, Unangepasstheit. Aber das rechtfertigt noch lange nicht, dass man so mit ihnen umspringt.

      Volle Zustimmung-

      Ich wurde zwar nicht gemobbt aber gehänselt, wie eine schwächere Form früher genannt wurde. Bin sowieso etwas schräg drauf, eher still und zurückhaltend
      Das ging so lange, bis ich mal kannte gezeigt habe (Ich hatte einen sehr alten Vater, er wurde gerne als mein Opa bezeichnet)
      Irgendwann hat sich mal wieder einer lustig gemacht, da habe ich für die anderen völlig unerwartet aus dem nichts zurückgeschlagen. Danach war ich zwar nicht in der Mainstreamgruppe anerkannt aber respektiert.
      Meine Mutter hatte damals aber große Mühe zu verhindern, daß ich von der Schule flog.
      Meine traurige Erfahrung daraus: Viele Menschen sind leider Idioten, die nur das respektieren, wovor sie Angst haben. Gerade als friedfertiger Mensch muss man schnell gewalttätig werden.
      Denn wie sagte mal sinngemäß der geniale Schauspieler Klaus Kinski:
      Es gibt Menschen, die glauben ein Recht zu haben andere schlecht zu behandeln, nur weil ihnen niemand in die Fresse haut“

  11. „…aber zumindest die Leute, die in verschiedener Kreisen immer wieder gemobbt werden, werden irgendeinen Persönlichkeitsfehler haben.“

    Nein, die haben meist eher nicht Persönlichkeitsfehler. Sie haben andere Eigenschaften, die das Mobbing des oder der Täter auslösen. Diese Eigenschaften sind meistens oder immer keine fragwürdigen Eigenschaften. Es trifft beispielsweise auf der Schule Menschen mit besonderen Eigenschaften, besonders dann, wenn sie sich als klein gewachsene und/oder dünne Person (oder zu dicke) nicht wehren können, oder den anderen verbal nicht gewachsen sind, z.B. nicht frech genug werden können, nicht Grenzen setzen können.

    Warum mobben Menschen? Ich sehe da einen großen Grund: Menschen sind Hierarchietiere. Von Natur aus kämpfen sie mit allerhand fragwürdigen und brutalen Methoden um ihren Platz in der Gesellschaft, ihren Rang im Rudel. Evolutiv angepasst sind sie dabei an prähistorische Zeiten, in denen vom Rang im Rudel die Überlebenswahrscheinlichkeit und beim Männchen der Fortpflanzungserfolg abhing. Teils konnte sich dabei aber auch das Weibchen in Sachen Bindung an das richtige, ranghohe Männchen bessere Chancen in Sachen Fortpflanzung verschaffen.

    Warum ist die Mobbinggefahr an Schulen im Pubertätsalter am größten? Weil dann alles, was zum Sexualverhalten, also den Fortpflanzungschancen gehört, aufflammt, das ganze dazugehörige Verhaltensrepertoire.

    „Die fiesesten Jungs“, hieß es in einem Lied, „kriegen immer die besten Mädchen“. Die nehmen nämlich ranghohe Männchen, und Männchen, die mit allen Mitteln (Körperkraft, Mut, Mobben können) sich einen hohen Rang erkämpfen können.

    Frauen stehen doch oft auf Arschlöcher. Mit deren Opfern wollen sie dann „nur befreundet“ sein.

    Es ist kein Wunder, dass Männer, die auf der Schule gemobbt wurden, so oft ohne Partnerin bleiben.

    Umgekehrt ist es bei gemobbten Mädchen oft so, dass es die Schönen trifft. Denn wie kommt in der Natur eine unattraktivere gegen sie an? Nur durch Zerstörung, z.B. durch Mord oder halt Mord auf Raten – genau das ist Mobbing ja irgendwo.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Mobbing gehört zum schlimmsten Verhalten, das der Mensch auf Lager hat. Es trifft nicht schlechte Menschen, sondern ideale Opfer.

    Die Täter suchen sich nämlich Opfer, und nicht Gegner. Sie suchen sich Opfer, um ihre Ziel, im Rang aufzusteigen, zu erreichen.

    Natürlich gibt es auch den Fall, dass jemand im Arbeitsleben gemobbt wird. Trifft in der heutigen Zeit oft Selbstdenker. Selbst wenn mal unkollegiales Verhalten mit Mobbing beantwortet wird, ist es eine reichlich überzogene Reaktion.

    Man kann nicht einfach einen Menschen dafür zerstören.

    Mobbing ist nicht nur Mord auf Raten, sondern Mord für Feiglinge. Die meisten Täter kommen nämlich völlig ungeschoren davon.

    • @Matthias Rahrbach

      habe ich mir abgespeichert. Ich denke das ist der unschöne Kern des ganzen, auf den Punt erklärt, danke.
      Ist ja schon öfter durchgekaut, Hypergamie ist der Gewaltmotor der Menschheit…. Daran wird jeder Versuch des Fortschritts immer wieder scheitern, sich in Subkulturen oder Randgruppen zurückziehen…

  12. „Sicher wird es auch immer wieder denjenigen geben, der einfach nicht in eine Runde passt oder dort die Machtverhältnisse stört ohne dass zu dies falsch wäre, aber zumindest die Leute, die in verschiedener Kreisen immer wieder gemobbt werden, werden irgendeinen Persönlichkeitsfehler haben.

    Würdet ihr das auch so sehen?“

    Vor allem, weil in normalen Kreisen, wenn einer einen auffällig auf dem Kieker hat, die Gruppe einschreitet, es sei denn struktureller Käse verhindert’s (und selbst dann wird die Gruppe es kommunizieren).

  13. Es gibt verschiedene Arten von Mobbing. Für die Betrachtung halte ich es für sinnvoll „Schuld“, wenn überhaupt als letztes zu betrachten.

    Verdeckte o. Öffentlich, GruppeA versus GruppeB, Gruppe vs. einzelne Person.

    Verdeckt/heimlich: Der tyrannische Cheff bekommt von den Unterdrückten genugtuende Abstrafung.

    Öffentliches Mobbing: Die gesamte Gruppe ist an der Erfahrung beteiligt, soziale Normen oder Gruppenzugehörigkeit sollen damit gefestigt werden: Nö! Es ist nicht OK während des Deutschunterrichts auf den Tisch zu springen und seinen Pullermann zu schwingen.

    Peer-Group Mobbing: Gruppe vs Gruppe: Hier grenzt sich eine Gruppe von der anderen ab. Z.B. Schlampen vs. Verklemmte. Wenn es zum einem Austausch über die sozialen Grenzen kommt, vorzugsweise mit fundierten Argumenten. Kann auch dies positiv sein.

    Problematisch finde ich:

    Öffentliches Status-Mobbing, als Gruppe gegen Einzelne: Wenn da im Vordergrund die eigne Erhöhung steht (Stärkere, besser in Gruppe passend, Norm-entsprechend)

    In meiner Schulzeit konnte ich bei 4 Klassenkameraden sehen, wie sie Ziel solchen Mobbings wurden. Ich war auf 4 Schulen, bei jeder konnte ich einen Jungen beobachten der aufgrund solcher Belastungen ausschied. Es war echt zerstörerisch für sie, sie fühlten sich nicht wohl in der Schule und der Start ins (Berufs-)Leben wurde beträchtlich erschwert.

    Die wurden gemobbt, weil sie schwach waren, sich nicht zu wehren wussten, und (aber nur zu einem kleinen Teil) anders als andere.

    Und meiner Ansicht nach war der Hauptgrund bei diesen Mobbingattacken die selbst Erhöhung der Angreifer.

    Gruppendynamisch betrachtet geschah da etwas, was die Gruppe zwar festigte, und wegen des leichten Opfers, vielen die Möglichkeit bot verstärkt Endorphine zu genießen (ja die bereitwillig mitmachende Gruppe hat meist Genuss gezeigt). Dies geschah aber auf kosten schwacher Einzelner, was in der Höhlenmenschenzeit vielleicht Sinn gehabt hatte, aber heute Großteils vermeidbar wäre.

    Alle 4 waren höflich, freundlich, hilfsbereit und zurückhaltend. Aber deswegen waren sie nicht das Hauptmobbingopfer, würde einen auch sehr wundern, wenn solch positiven Eigenschaften sozial bestraft werden.

    Gruppendynamisch betrachtet ist es wahrscheinlich auch sinnvoll, bei Andersartigen solche Eigenschaften zu fordern/fördern.

    Nach meine Erfahrung in ehrenamtlicher Kinder- u Jungendarbeit, im Zivildienst und im Privaten zeichnet die Opfer zerstörerischen Gruppe-gegen-1nen-Mobbings am meisten ein geringes Selbstbewusstsein, und so wenig Eigenwert oder Unwissenheit aus, dass sie es nicht für wichtig erachten sich selbst zu wehren. Allermeistens wurden sie schon vorausgehend in einem engeren sozialen Kreis gemobbt (Familie/Geschwisster) und bekamen keine Lektionen darüber DAS und WIE sie sich wehren können.

    Das obige „… aber zumindest die Leute, die in verschiedener Kreisen immer wieder gemobbt werden, werden irgendeinen Persönlichkeitsfehler haben.“

    Mag oberflächlich betrachtet Richtig sein (sie könnten sich ja wehren, Selbstbewusstsein entwickeln etc). Aber m.A.n. leiden die Verfasser unter dem „Der Sieger schreibt die Geschichtsbücher“-Syndrom, und zwar heftig. Zumindest wenn es um das reguläre Mobben einzelner Schwacher geht, und Schaden bei diesen ohne Reue hingenommen wird.

  14. Mittlerweile ist das Thema Mobbing doch recht gut erforscht, z.B. durch Mechthild Schäfer von der LMU München u.v.m. Opfer von Mobbing kann jede/r werden. Und es geht beileibe nicht um „Defizite“ oder „Schwächen“, die wir alle haben, zumal wir dann erst einmal festlegen müssten, was eine Schwäche überhaupt ist!
    Mobbing beginnt beim Täter und nicht beim Opfer und bei dessen Bedürfnis nach Macht und Ankernennung. Oftmals werden Opfer zu Tätern: lieber selbst mobben, als noch einmal gemobbt zu werden.
    Per Definition hat das Opfer keine Chance, sich selbst aus seiner Rolle zu befreien. Und ja, es gibt sogenannte Opferkarrieren, d.h., wer einmal in dieser Rolle steckt, schafft es manchmal auch in anderen sozialen Kontexten nicht, sich daraus zu lösen. Das liebt aber nicht an angelegten Persönlichkeitsmerkmalen, sondern daran, was Mobbing mit Betroffenen macht: Das Selbstwertgefühl sinkt, man glaubt, die Angriffe selbst verschuldet bzw. verdient zu haben, man „fügt“ sich in die Rolle des Opfers – das wiederum sorgt dafür, dass andere uns schließlich auch als „Opfer“ wahrnehmen – es ist aber eine Folge der Mobbingerfahrungen und nicht die Ursache!
    Mobbing hat gravierende langfristige gesundheitliche Folgen für Betroffene in der Opferrolle bis hin zu Suizid. Man schätzt, dass jeder 5. Suizid auf Mobbing zurückzuführen ist. Gerade erst hat die UNESCO eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass weltweit im Durchschnitt 1 von 3 Schülern von Mobbing betroffen ist! Es handelt sich um ein grundlegendes und gesellschaftsrelevantes Problem, das dringender Lösung bedarf und keinesfalls Schuldzuweisungen an Betroffene in der Opferrolle („victim-blaming“)!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.