„Jungs, warum verlasst ihr euch beim Schenken so oft auf Mädchen“?

Die Jetzt, das Jugendmagazin der Süddeutschen hat bekanntlich die Rubrik, wo Jungs Mädchen fragen und diese antworten und umgekehrt.

Hier war kürzlich eine weihnachtliche Frage:

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Für viele von uns bedeutet das, dass wir nicht nur für Eltern, Großeltern oder Geschwister Geschenke suchen, sondern auch noch eure Bescherung planen. Und damit meine ich nicht nur, euch zu beschenken. Sondern vor allem, dass wir oft die Geschenke kaufen, die ihr dann stolz eurer Mama oder eurem kleinen Bruder überreicht. Zugegeben, das ist ein Klischee, das bestimmt nicht auf alle von euch zutrifft, und auch nicht auf alle von uns. Aber kommt schon: Der Großteil der schönen und kreativen Präsente unterm Weihnachtsbaum oder auf dem Geburtstagstisch kommt eher von der weiblichen Seite.

Und das ist nicht nur in der Familie so, wenn Väter und Brüder auf uns zukommen und ganz unauffällig fragen, ob wir denn schon eine Idee für ein Geschenk für Mama oder Großtante Helga hätten. „Willst du was besorgen? Ich beteilige mich“, heißt es dann von euch. Auch im Freundeskreis beobachten wir das: Wir sind diejenigen, die die Whatsapp-Gruppen vor einer Geburtstagsparty nicht nur eröffnen, sondern auch mit Vorschlägen füllen, dann durch die Stadt hetzen, das Internet auf den Kopf stellen und das Ergebnis am Ende auch noch mit Schleifchen und schönem Geschenkpapier verpacken. Als hätten wir im Gegensatz zu euch Zeit dafür. Am Ende gebt ihr einfach einen Zehner dazu, setzt euren Namen unter die von uns liebevoll ausgesuchte und beschriebene Karte und seid fein raus. Wenn ihr überhaupt von selbst daran denkt und wir nicht auch noch hinter dem Geld herlaufen müssen.

Die Antwort:

erst gestern habe ich mit meiner Schwester telefoniert, um über Weihnachtsgeschenke zu reden. Seit es nicht mehr okay ist, seinen Verwandten voller Stolz ein Buntstift-Gekrakel oder ein selbstgebasteltes … Etwas … zu überreichen, haben wir die Abmachung, dass wir alles zusammen verschenken. Leider muss ich gestehen, dass bislang der Großteil der Ideen von meiner Schwester kam. Auch in diesem Jahr. Für Weihnachten brauchen wir sieben Geschenke. Fünf haben wir schon, vier Ideen kamen von ihr, eine von mir. Bei unserem gestrigen Telefonat war mein einzig brauchbarer Vorschlag einer, den meine Schwester vor gut einer Woche schon mal selbst geäußert hatte.

Und auch bei Gruppengeschenken kann ich die Erfahrung bestätigen, dass es meistens Frauen sind, die die „Geschenk für XY“-Whatsapp-Gruppe gründen und gute Ideen liefern. Die Männer sind unterdessen eher damit beschäftigt, sich möglichst schlechte Gag-Geschenke auszudenken.

Für einen Erklärungsversuch reise ich mal zurück in vergangene Teenager-Jahre, als mein Freundeskreis eigentlich ausschließlich männlich war. Gefeiert wurde viel, geschenkt umso weniger. Falls es doch mal etwas gab, dann hatte es irgendetwas mit Fußball zu tun. Erste, tatsächlich durchdachte Geschenke, zum Beispiel für die erste feste Freundin, wurden von den anderen Jungs meistens mit Häme bedacht.

Auch wenn Letzteres zum Glück nicht mehr so ist, der Umgang mit Geschenken innerhalb unseres männlichen Freundeskreises hat sich bis heute erhalten. Eigentlich gibt es am Geburtstag nichts und wenn dann doch mal etwas verschenkt wird, ist das nicht unbedingt von Kreativität geprägt: Fußballtrikot, Fußballtrikot, Schnaps, Playstation-Spiel, Fußballtrikot und, nicht zu vergessen, Fußballtrikot. 

Aber wir sind fein damit, nicht die ausgefallensten Geschenke zu bekommen. Deswegen treibt es uns auch heutzutage nicht die Schamesröte ins Gesicht, mit offensichtlich an der Tanke gekauften Last-Minute-Blumen bei einer Geburtstagsfeier aufzutauchen.

Finde ich einen interessanten Ansatz. Er geht so ungefähr in diese Richtung: Frauen haben eine andere Verbindung zu Geschenken. Sie sehen sie als etwas, was etwas über die Beziehung des Schenkenden zu dem Beschenkten aussagt, wie gut er ihn kennt und wie sehr er sich in ihn einfühlen kann und was er für ihn bedeutet.
Männer hingegen sehen Geschenke häufig eher praktisch: Was könnte er brauchen oder was macht ein passendes Geschenk, welches zumindest okay ist. Wenn ein Mann einem Freund was schenkt, dann ist es eher die Geste oder der Anständigkeit geschuldet, aber es rückt ihre Freundschaft nicht auf eine neue Ebene oder wird all zu tiefgründig hinterfragt werden.
Weswegen es auch häufig schwierig ist, etwas für eine Freundin zu kaufen, weil die Gefahr besteht, dass sie anhand des Geschenkes die Beziehung  neu bewertet oder ein Geschenk zu praktisch und nicht romantisch genug findet.
Das ist natürlich nur in der Tendenz und allenfalls für den Schnitt richtig, nicht absolut. Es mag auch in einer langjährigen Beziehung über den 30ern anders sein als in einer jungen Beziehung junger Leute.
Es würde aber auch erklären, warum man Frauen eher die Auswahl des Geschenks überlässt. Sie machen sich tiefgreifendere Gedanken dazu und weil sie auch bekannt dafür sind, dass sie das machen glaubt man ihnen vielleicht auch eher, dass sie sich etwas besonders dabei gedacht haben .
Natürlich ist das auch realtiv: Wenn die Tante sich etwas wünscht, dann werden die meisten Männer die Frage sicherlich gerne an Frauen abgeben. Welcher Spitzenbesatz ihr gefällt oder welchen Badezusatz man dort aussucht, da würde ich auch die Entscheidung weit lieber Frauen überlassen- Wenn ein Geschenk für den Onkel gekauft werden muss, dann kann man ja durchaus ein praktisches Geschenk aussuchen, was vielleicht für Männer schon wieder interessanter bzw einfacher ist.

23 Gedanken zu “„Jungs, warum verlasst ihr euch beim Schenken so oft auf Mädchen“?

  1. Frauen sind der Motor hinter der weihnachtlichen Konsumschlacht?
    Wer hätte das ahnen können?
    Wer hätte eine Verbindung sehen können, zwischen den 70% Schmuck-, Tinnef- und Nippesständen auf Weihnachtsmärkten und der weiblichen Neigung, von ihrer Umgebung doppelt costly signals einzuverlangen?

    Ich weiß, wer das n i c h t hätte ahnen können: 100% der Genderstudierendinnen.

  2. Kann es sein, dass JETZT hier wieder die Plattform für weibliche Egozentrik spielt? In meinem Umfeld erlebe ich nämlich gar nicht, dass Frauen eher kreative Ideen für Geschenke haben, stattdessen fragen sie meist hintenrum, was man denn wem schenken könne. Das Shoppen übernehmen sie dann schon selbständig, so wie das Verpacken und Dekorieren, also das Aufstrapsen. Dann gibt’s für ihn einen befremdlichen sog. Herrenduft mit perfektem Glitzerschleifchen. Die Kollegen auf Arbeit denken, er wäre im Puff gewesen.

    Und sie? Na ja, den neuen Wagen hatte er ihr schon im August gekauft, das neue Pferd im März. Den Brilli-Schmuck gab’s zum Geburtstag. Also gibt es jetzt ein Kleid vom Edeldesigner Jacques Cousteau oder so, aber natürlich pragmatisch mit Umtauschrecht.

    Schenken ist so eine Sache. Oft gibt es unter Erwachsenen dem Schenkenden mehr als dem Beschenkten. Denn der muss sich dazu verhalten, höflich sein, dankbar tun. Nicht gut kommt zum Beispiel die Bemerkung an: „Hab ich schon, aber das Schleifchen der Verpackung ist wunderschön.“

    Wir haben innerfamiliär unter Erwachsenen das rituelle Schenken zu Default-Anlässen schon vor vielen Jahren abgeschafft. Es stand einfach zu viel last-minute-Müll überall rum danach. Damit sind alle sehr zufrieden. Es ist ein großes Geschenk!

    • „Wir haben innerfamiliär unter Erwachsenen das rituelle Schenken zu Default-Anlässen schon vor vielen Jahren abgeschafft. Es stand einfach zu viel last-minute-Müll überall rum danach. Damit sind alle sehr zufrieden.“

      Hier genauso. Ich habe vor ein paar Jahren durchgesetzt, dass nur noch die Kinder beschenkt werden.

      … und darüber habe ich sehr gelacht:
      „ein Kleid vom Edeldesigner Jacques Cousteau“ (mit Glitzerfisch-Pailetten? !) 😀

  3. Ich oute mich als Nichtschenker. Die einzige Ausnahme sind die Kinder, für die ich einen Großteil der Wünsche gesammelt und dann entsprechend Geschenke besorgt habe. Ich liefere da meist die Masse, weil ich kurz vor Weihnachten immer Panik bekomme, wenn noch keine ausreichende Menge vorrätig ist, meine Frau macht dann noch den Feinschliff und verpackt überdies die Sachen.

    Meine Frau und ich schenken uns nichts, abgesehen von Naschereien, die ich auch besorge, weil ich (im Ggs. zu ihr) gern in Supermärkten unterwegs bin.

    Dadurch dass sonst alle aus unseren Familien weit weg wohnen, sind wir auch nur selten zu Familienfeiern und die Schenkerei wäre noch viel nerviger, zum einen weil man kaum Kontakt hat und die Wünsche daher nicht kennt, zum anderen muss man alles verschicken und meine Familie ist groß.

    Ich bekomme das schlicht nicht auf die Reihe, weder von der Zeit, noch von der Motivation her, lange Zeit fehlte auch schlicht das Geld dafür. Meine Frau gestaltet dafür jedes Jahr Weihnachtskarten und versorgt damit die ganze nahe und ferne Verwandtschaft, um wenigstens einmal jährlich Kontakt zu halten. Finde ich gut, so Sozialkram ist Frauensache, dafür heiratet man ja, damit man sich nicht damit abplagen muss 🙂

    Nur bei meiner Mutter habe ich ein schlechtes Gewissen, die ist ein echtes Weibchen und tief gekränkt, wenn sie nicht regelmäßig beschenkt wird. Dummerweise hat sie vier Jungen großgezogen, die ihr kaum ausreichend die soziale Zuneigung zurückgeben, die sie sich erwünscht (auch wenn nicht alle so faul sind, wie ich). Aber da muss sie halt durch, weiß eh nicht, was ich ihr schenken soll und Blumen sind mir zu blöd, verschenke ich nie.

  4. „Sie sehen sie als etwas, was etwas über die Beziehung des Schenkenden zu dem Beschenkten aussagt, wie gut er ihn kennt und wie sehr er sich in ihn einfühlen kann und was er für ihn bedeutet.“

    Oder sie sehen es als Möglichkeit sich selbst etwas in den Mittelpunkt zu stellen. „Seht her, was ich für ein tolles und kreatives Geschenk besorgt habe, weil ich die Person XY so gut kenne. Mein Geschenk ist viel besser als eures. Und eigentlich geht es hier sowieso nur um mich.“

    „Weswegen es auch häufig schwierig ist, etwas für eine Freundin zu kaufen, weil die Gefahr besteht, dass sie anhand des Geschenkes die Beziehung neu bewertet oder ein Geschenk zu praktisch und nicht romantisch genug findet.“

    Dann würde auch ich die Beziehung neu bewerten, d.h. beenden. Wer eine Beziehung anhand materialistischer Dinge bewertet, taugt nicht als Freundin. Das hat etwas von „sich als ihrer würdig erweisen“. Überhaupt sind die „gezwungenen“ oder erwarteten Geschenke zum Geburtstag oder Weihnachten doch viel weniger Wert als die spontanen Geschenke. Erstere erwartet man ja, d.h. man ist nur gespannt, was es wohl ist, aber letztere erwartet man eben nicht, weshalb die Freude umso größer ist. Von daher haben Geschenke, die nicht erwartet wurden, einen viel höheren Wert.

  5. Schenken ist ein reziproker Prozess und gut sozialisierte Weibchen sind wohl eher darauf bedacht, sich durch diesen Prozess nicht in eine Schuldposition zu begeben, sondern stattdessen emotionale Bindungen zu verstärken.

    Leider ist Schenken in der Regel absurd, da die meisten Menschen sich den meisten Kram den man zu Weihnachten verschenkt auch selbst leisten können und der Wert eines Geschenks normalerweise vergleichsweise gering ist (außer bei Einzelkindern, da ca 400 Euro pro Weihnachten) und die Freude sich daher in Grenzen hält. Im Endeffekt zählt also nur ein treffsicherer Gedanke, alle anderen Geschenke sind mehr oder weniger fail.

    Ich bevorzuge Geschenke, die gemeinsame Erlebnisse fördern. Habe zB zu Weihnachten zwei Konzerttickets gekauft.

  6. „Frauen haben eine andere Verbindung zu Geschenken. Sie sehen sie als etwas, was etwas über die Beziehung des Schenkenden zu dem Beschenkten aussagt“

    Ich bestreite dass das nur Frauen wissen. Und ich bestreite, dass alle Frauen das wüssten. Mir waren/sind sehr wohl Frauen bekannt, die

    a) erkennbar „billig“ schenken und – vergeblich – hoffen dass es keiner merkt, oder
    b) die nur auf Geldgeschenke scharf sind und auf all die liebevoll ausgedachten persönlichen Geschenkideen pfeifen.

    Umgekehrt wissen natürlich (viele, nicht alle) Männer dass das Geschenk was über die persönliche Beziehung aussagt.

    Wenn es nur um den Sachwert der Geschenke ginge, könnte man sich einfach nur Bargeld schenken, und dann der Einfachheit halber die Salden bilden und nur noch die Differenzbeträge übergeben. Die meisten Männer UND Frauen wissen aber sehr wohl, dass das den Sinn des Schenkens bei weitem verfehlen würde. Minderheiten die das nicht verstehen gibt es in beiden Geschlechtern.

    Die Frage welches Geschenk das Passende ist ist eher eine der Phantasie und Begabung, als des Wissens um den philosophischen Sinn des Schenkens. Es mag sein dass Frauen in der Tendenz dafür besser begabt sind, aber den Sinn des Schenkens verstehen Männer und Frauen statistisch gleich gut.

  7. Oh well… ich weiß gar nicht, wie alt ich war, als mein Vater damit begann von mir zu erwarten, dass ich ihm sage, was er meiner Mutter schenken sollte. Irgendwann übersprang er die Frage und drückte mir direkt das Geld in die Hand, weil er wollte, dass ich nicht mehr bloß die Ideen lieferte, sondern auch gleich für ihn shoppen gehe. Und die Sache einpacke selbstverständlich. Genau für sowas hat man schließlich ein Kind, nech^^
    (Ihr 40. Geburtstag war aber eine Ausnahme – für den hatte er sich was vorgenommen und mich nur gefragt, was ich davon halte).

    Irgendwann in den vergangenen Jahren konnten wir das Muster durchbrechen – wahrscheinlich hatten wir zu dem Zeitpunkt gerade Stunk miteinander. Jedenfalls fragte seitdem ich nie mehr, ob er denn schon was für sie hat, und er kommt auch nicht mehr damit an; seine neue Weihnachts-Tradition scheint wohl darin zu bestehen, am Nachmittag des 23. ganz schnell noch eben in die Stadt zu fahren, jedenfalls nicht viel früher. Zum Ausgleich gibts aber auch schon mal spontan Blümchen für sie, ganz so schlimm isses ja nicht…

    „Männer hingegen sehen Geschenke häufig eher praktisch: Was könnte er brauchen oder was macht ein passendes Geschenk, welches zumindest okay ist.“

    Verblüffend. Dabei sagte der Text genau aus, dass Männer sich im Gegensatz zu Frauen diese Gedanken eben gerade nicht machen typischerweise.

    „Es mag auch in einer langjährigen Beziehung über den 30ern anders sein als in einer jungen Beziehung junger Leute.“

    Bei mir war es die 1. Liebesbeziehung, in der ich am häufigsten immens kreative oder auch sehr teure, stets liebevoll-verpackte Präsente erhielt. Dieser Mann wusste zu überraschen. Wie selten das ist, war mir auch damals schon klar.

    Bei meinem Mann bestehe ich darauf, dass er die Geschenke für die Mitglieder seiner Familie wenigstens abnickt, desöfteren aber hat er sich auch schon selbst Gedanken gemacht bzw. was gekauft. Wenn unsere Kinder was von seinem Vater erhalten, ist völlig klar: das hat seine Freundin besorgt und verpackt.

    Ich selbst bin super inkonsistent bezüglich Geschenken. In den Jahren, wo ich versuchte, an Weihnachten wirklich an jede & jeden zu denken, fühlte ich mich sehr gestresst, und ich war letztlich auch entsetzt darüber, wie teuer mich das Fest dann insgesamt kam. Muss man sich halt auch erstmal leisten können.

  8. Pingback: Diese Mädchenfrage schenke ich mir… – apokolokynthose

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.