Jessica Valenti über Doppelstandards (Gastbeitrag)

Es folgt ein sehr langer Gastbeitrag mit dem Thema

Jessica V. über Doppelstandards von Jochen Schmidt

Gastbeitrag auch als PDF:

Jochen_Schmidt__Gastbeitrag__Jessica_Valenti_ueber_Doppelstandards__03-11-2019 (2)

Wir kommen, um uns zu beschweren (Tocotronic, CD bei L’age d’or, 1996)

1 « Die Sache mit der Team Dresch Platte »

In unserem kleinen, feministischen Kolloquium sind wir mehrfach auf diverse Doppelstandards gestoßen. Diese Phänomene sind so folgenträchtig, dass es ratsam ist, sich genauer damit zu befassen. Glücklicherweise müssen wir bei dieser Auseinan dersetzung nicht bei Null anfangen – vielmehr können wir dabei auf einer Sammlung diverser Doppelstandards aufbauen, die von Jessica Valenti [Link1, Link2, Link3, Link4] veröffentlicht worden ist. Diese Sammlung ist auch deswegen brisant, weil hier soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern thematisiert wird, ohne den Umweg über statistische Erhebungen zu nehmen, bei denen die betroffenen Personen gar nicht mehr in den Blick kommen, sondern nur noch Mittelwerte und Prozentpunkte.

Aus Valentis Sammlung wollen wir in den nächsten Monaten einige besonders gewichtige Brocken herausgreifen und gemeinsam bewältigen. Dabei werden wir durchaus auch ein wenig in die Tiefe gehen und wesentliche Aspekte im Detail besprechen. Relevante Fragen hierbei sind z. B.: Worin bestehen derartige Doppel standards genau, wie wirken sie sich im Einzelnen aus, und wie weit sind sie in der Gesellschaft verbreitet?

Für den Anfang habe ich einen eher untergewichtigen Doppelstand ausgewählt. Mit diesem ‘Leichtgewicht’ können wir einen bequemen Einstieg in die so komplexe Problematik der Doppelstandards wagen . . .

Noch ein rechtlicher Hinweis in eigener Sache: Der vorliegende Text wird publiziert unter der “Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutschland”Lizenz (CC BY-NC-ND 3.0 DE, [Link5]).

2 Wenn zwei das Gleiche tun, . . .

. . . dann ist es noch lange nicht dasselbe? Im zweiten Kapitel ihres Buches “He’s a Stud, She’s a Slut and 49 Other Double Standards Every Woman Should Know” umreißt Valenti den Streitpunkt folgendermaßen:

« There’s no doubt that women will always have a disproportionate amount of responsibility when it comes to sex, because we’re the ones who get pregnant – and if we do get pregnant it’s going to be up to us to decide what to do about it. But the way that birth control is automatically considered a woman’s domain is just irksome, not only from a theoretical feminist perspective – why should it only be up to us!? – but also from a practical one. » [Valenti, 2008, p. 17]

So mancher Leser wird bereits über den ersten Satz dieser Passage die Stirn runzeln – doch gemach, wir befinden uns in einem feministischen Kolloquium und wollen nicht aufmucken. Soweit ich sehe, befasst sich Valenti im zweiten Kapitel ihres Buches mit drei Phänomenen:

A. Behavioural (‘verhaltensmäßig’):

Wenn es einen Mann Y gibt, mit dem eine Frau X Sex haben sollte, und wenn beide, X und Y, eine Schwangerschaft der Frau vermeiden wollen, dann betreibt die Frau einen wesentlich höheren Aufwand als der Mann, um die Verhütung sicherzustellen.

B Psychisch:

Wenn es einen Mann Y gibt, mit dem eine Frau X Sex haben sollte, und wenn beide, X und Y, eine Schwangerschaft der Frau vermeiden wollen, dann besteht die Auffassung oder die Vorstellung, dass es hauptsächlich in der Verantwortung der Frau liegt, die Verhütung sicherzustellen.

C Normativ:

Wenn es einen Mann Y gibt, mit dem eine Frau X Sex haben sollte, und wenn beide, X und Y, eine Schwangerschaft der Frau vermeiden wollen, dann besteht der Doppelstandard, dass es hauptsächlich in der Verantwortung der Frau liegt, die Verhütung sicherzustellen – obwohl Mann und Frau etwa in gleichem Umfang am Sex beteiligt sind und etwa im gleichen Ausmaß an dessen Ergebnis mitwirken (vor allem Konzeption / Empfängnis).

Wie wir im weiteren Verlauf feststellen werden, sollten alle drei Phänomene voneinander unterschieden werden, auch wenn es mitunter Zusammenhänge gibt. Z. B. zieht (C) notwendigerweise (B) nach sich, doch (B) zieht nicht notwendigerweise (C) nach sich. Und weder (C) noch (B) ziehen notwendigerweise (A) nach sich. Dazu später mehr.

Ich habe (A) bis (C) zunächst mal so formuliert, dass sie auch auf einzelne Personen zutreffen können – Valenti möchte diese Phänomene jedoch allgemein verstanden wissen: Sie bestehen angeblich bei den meisten Frauen und Männern, die miteinander Sex haben – womöglich sogar in der ganzen “Gesellschaft” (wegen Patriarchat und so). Auch diese Unterscheidung wird sich später als hilfreich erweisen: Phänomene, die bei einzelnen Personen auftreten (bspw. eine “birth control disparity”), treffen nicht notwendigerweise auf die gesamte Gesellschaft zu.

Soweit ich sehe, entspricht Valentis Passage oben am ehesten dem Phänomen (B) (“. . . is automatically considered . . . ”).

3 Evidenz

« In God we trust – all others must bring data » [Link6]. Wem auch immer dieses methodische Prinzip zugeschrieben werden mag, es galt bis in die 1990er Jahre sogar in Psychologie und Soziologie (zumindest offiziell). Im Folgenden werden auch wir diesem Grundsatz den verdienten Tribut zollen, schon aus nostalgischen Gründen: um der guten alten Zeiten willen.

Soweit ich sehe, führt Valenti als Belege für ihren Befund (siehe das Zitat auf Seite 2 oben) die folgenden Dinge ins Feld:

« In my sex-having lifetime, I’ve been on the Pill, used the NuvaRing, condoms, and female condoms, and considered getting an IUD just so I wouldn’t have to worry about birth control for another five years or so. I’ve taken emergency contraception. The job of being responsible, at the end of the day, has always lain with me. [ . . . ] » [Valenti, 2008, p. 16]

« [ . . . ] Birth control has always cost me money, but recently I’m spending over $50 a month (I don’t have health insurance) to make sure I don’t get knocked up. And I know I’m not the only one who is breaking the bank. » [Valenti, 2008, p. 17]

Dies soll jetzt nicht als Indiz dafür herhalten, dass Valenti bisher stets mit den verkehrten Männern ins Bett geschlüpft ist, sondern vielmehr dass im Falle von Sex zwischen Männern und Frauen im Allgemeinen die Frauen die Verhütung sicherstellen (sofern eine Schwangerschaft vermieden werden soll).

Bemerkenswert ist Valentis Hinweis, dass sie selbst nicht nur Femidoms (“female condoms”), sondern auch Kondome verwendet hat. Dies beweist, dass sie bemüht ist, traditionelle Geschlechterrollen zu überwinden: Sie hat nichts unversucht gelassen, hat ein echtes Opfer gebracht – vollen körperlichen Einsatz. Meine Sorge wäre nur, dass wegen solcher plausiblen Details der ein oder andere Leser die Plausibilität der Leidensgeschichte von Valenti insgesamt in Frage stellt. (Valenti kann hier nicht meinen, dass ihre männlichen Partner Kondome verwendet haben. Denn damit würde sie ihrer folgenden Aussage widersprechen: “The job of being responsible, at the end of the day, has always lain with me.”)

Wie auch immer, Valenti berichtet darüber – ob nun akkurat oder nicht –, was sie selbst getan hat. Ihr Argument wäre somit: Wann immer Valenti mit einem Mann Sex gehabt hat, hat sie die Verhütung sichergestellt; also stellen die meisten anderen Frauen, die mit Männern Sex haben, ebenfalls die Verhütung sicher. Dies entspricht einer Instanz des projektiven Fehlschlusses (“argumentum ad proiecturam”):

• In meinem Fall ist es so-und-so, folglich ist es im Fall der-und-der anderen Menschen gleichfalls so-und-so.

Wie Argumente dieser Form zu bewerten sind, dürfte klar sein: Es ist möglich, dass ihre Prämisse wahr, doch ihre Konklusion gleichzeitig falsch ist. Mehr noch: ihre Prämisse macht ihre Konklusion noch nicht einmal plausibel, geschweige denn wahr. Selbst wenn wir also Valenti ihren persönlichen Erfahrungsbericht abkaufen, berechtigt uns dies allein in keiner Weise, auch nur eines der Phänomene (A) bis (C) (siehe Seite 2 oben) in seiner allgemeinen Form (“Zumindest bei den meisten Frauen . . . ”) anzunehmen.

Valenti kann sich auch nicht auf die Autorität ihrer eigenen Erfahrungen berufen, gemäß dem Prinzip:

« reported first-person experience is the ultimate authority on all matters of truth and justice, but if and only if one speaks from the position of the oppressed ». [Veissière, 2018, p. 279]

Denn die zu begründende Position Valentis geht ja weit über ihre persönliche Erfahrung hinaus. Selbst wenn man dieses zweifelhafte Prinzip anerkennen wollte, könnte man damit nicht seine eigene Erfahrung pauschal verallgemeinern. Möglicherweise zeigt sich in Valentis Argumentation ihr Anspruch, für die meisten anderen Frauen zu sprechen, diese vielleicht sogar zu repräsentieren: Mit einem solchen Anspruch gewappnet kann frau getrost von sich auf die meisten anderen Frauen schließen.

Manchmal heißt es: “Ein gutes Pferd springt hoch – doch ein sehr gutes Pferd springt nur so hoch, wie es unbedingt muss.” Offenbar ist es für die Glaubwürdigkeit von Valentis Position ausreichend, wenn die Autorin ihre Leserschaft mit ein paar hippen Formulierungen zufriedenstellt. I say it’s crap (siehe Seite 6 unten). So etwas ist zwar unterhaltsam, kann aber nicht überzeugen.

Wir sind nicht wirklich hipp, sondern etwas altmodisch: Wir haben uns auf das Evidenz-Prinzip verpflichtet: . . . all others must bring data [Link7]. Valenti unternimmt nicht einmal den Versuch, Belege zu präsentieren (z. B. in Form wissenschaftlicher Studien), die ihre allgemeine Position stützen und plausibel machen. Ein kritischer Leser würde ihr in diesem Zusammenhang “Hitchen’s Razor” entgegenhalten.1

1Cf. « What can be asserted without evidence can also be dismissed without evidence » [Hitchens, 2007, p. 150]. Genauer: Solange keine Rechtfertigung für eine bestimmte Aussage Z vorgebracht worden ist, ist es gerechtfertigt, diese Aussage Z ohne Rechtfertigung zurückzuweisen. Natürlich muss ein derartiges epistemisches Prinzip auf solche Aussagen eingeschränkt werden, die nicht trivial sind (eine Aussage wie die, dass 1 gleich 1 ist, kann ich nicht mit dem Hinweis ablehnen, dass mir noch nie jemand eine Rechtfertigung für sie präsentiert hat). Möglicherweise wurde “Hitchen’s Razor” motiviert von dem Leitsatz aus der Scholastik « Quod gratis asseritur, gratis negatur ».

Es sollte klar sein, dass wir damit Valentis Position nicht schon widerlegt haben (ein solcher Widerlegungs-Versuch wäre ein “argumentum ad ignorantiam”). Wir haben auch nicht plausibel gemacht, dass es gar keine Evidenz für ihre Position gibt (vgl. den Grundsatz: “Absence of evidence is not [necessarily] evidence of absence”). Ebenso klar sollte jedoch sein, dass man Valentis allgemeine Position nicht schon darum als plausibel akzeptieren kann, weil diese Position ja bis jetzt noch nicht widerlegt worden ist (dies wäre ein anderer Fall von “argumentum ad ignorantiam”).

Aus meinem persönlichen Umfeld kenne ich vier Fälle der Verhütung: – Frauen, die von sich aus die Pille einnehmen – Männer, die von sich aus Kondome verwenden – Männer, die allein deshalb Kondome benutzen, weil ihr jeweiliger weiblicher Partner keine Pille nehmen will – Frauen, die allein deshalb die Pille einnehmen, weil ihr jeweiliger männlicher Partner keine Kondome benutzen will.

Dieser Erfahrungsbericht passt nicht so recht zu Valentis eigener Darstellung; was eben zeigt, dass man ihren Bericht – selbst wenn er zutreffen sollte – nicht ohne weitere Belege verallgemeinern kann.

Aber auch wenn wir die allgemeine Position Valentis nicht bestätigen können, so gibt es natürlich Einzelfälle, in denen zumindest eines der Phänomene (A) bis (C) (siehe Seite 2 oben) bei bestimmten Paaren vorliegt. Wir wollen uns nun ansehen, welche Analyse Valenti für solche Fälle bereithält.

4 Analyse

Bisher haben wir die einzelnen Komponenten von Valentis Argumentation getrennt voneinander betrachtet. Nun wollen wir uns mit der Analyse vertraut machen, die sie den genannten Phänomenen, z. B. der “birth control disparity”, angedeihen lässt:

« [ . . . ] The job of being responsible, at the end of the day, has always lain with me. Because I’m a woman. It’s our responsibility to have safe sex: birth control pills, diaphragms, spermicides – shit, we even have to convince men to wear condoms! I say it’s crap. » [Valenti, 2008, p. 16]

« [ . . . ] At the end of the day, the birth control double standard exists for one reason – sexism. The idea behind the reality of fewer BC options for men is that sex and reproduction are all about women. We can’t let them be. » [Valenti, 2008, p. 20]

Ich kann nicht so recht sehen, dass Valenti mit diesen Ausführungen irgend etwas zu der Frage beiträgt, ob eine “birth control disparity”, also Phänomen (A), allgemein auf einem Doppelstandard beruht, oder auf einen solchen Doppelstandard hinausläuft. Vielmehr bringt Valenti weitere Aspekte ins Spiel: Sexismus und irgendwie essentialistische Begründungen (“Because I’m a woman.”).

Doch ich verstehe nicht, wie es möglich ist, dass der “birth control double standard” auf Sexismus beruht, dass aber gleichzeitig die alleinige Verantwortung der Frau für die Verhütung auf Geschlechter-Essentialismus beruht. Denn dass diese Verantwortung bei der Frau liegt (und nicht beim Mann), ist ja gerade der “birth control double standard”, gegen den Valenti sich wendet. Wie kann dieser Doppelstandard auf zwei ganz unterschiedlichen Faktoren beruhen?

Anstatt die Zusammenhänge zwischen “birth control disparity”, Doppelstandard, Geschlechter-Essentialismus und Sexismus transparent zu machen, begnügt sich Valenti mit vollmundigen Andeutungen. Insbes. unterstellt sie von vornherein, dass eine “birth control disparity” überhaupt nur auf einem Doppelstandard beruhen kann, und prüft gar nicht erst, ob sich dieses Missverhältnis vielleicht aus anderen Faktoren erklärt.

Soweit ich sehe, haben wir es hier mit einer Reihe von Fragen zu tun, die zunächst mal in konkreten Einzelfällen untersucht werden sollten:

  •  Wenn in einem konkreten Fall eine “birth control disparity” vorliegt, worauf ist sie zurückzuführen?
  • Wenn in einem konkreten Fall ein “birth control double standard” besteht, wie wirkt er sich im Verhalten der betroffenen Personen aus?
  • Was sind in einem konkreten Fall die Konsequenzen eines Geschlechter-Essentialismus’, † . . . was sind die Konsequenzen von Sexismus?

U. dgl. Erst wenn man für etliche konkrete Fälle entsprechende Analysen beigebracht hat, kann man daran gehen, allgemeine Zusammenhänge zu formulieren . . .

Bei der Beantwortung derartiger Fragen (s. o.) sollte man offen für Überraschungen sein. Um hier ein extremes Beispiel zu nennen: Der Islam gilt im Westen als eine Religion, die den Vorwürfen des Patriarchats und des Sexismus’ ausgesetzt ist. Erstaunlicherweise haben die Frauen im Islam einen religiösen Anspruch darauf, von den Männern materiell versorgt zu werden.2 Einen solch weitreichenden Anspruch zu Lasten der Männer würde man vielleicht nicht unbedingt erwarten von einer patriarchalen und sexistischen Religion, zumal diese Religion von Männern entwickelt und etabliert worden ist . . .

2 Dies wird gemeinhin aus Sure 4:34 des Korans abgeleitet – übersetzt: « Die Männer stehen in Verantwortung für die Frauen wegen dessen, womit Allah die einen von ihnen vor den anderen ausgezeichnet hat, und weil sie von ihrem Besitz (für sie) ausgeben. [ . . . ] » [Link8].

Zurück zu Valenti und ihrer obigen Analyse. Mit unserer negativen Beurteilung sind wir allerdings noch nicht fertig mit dem Thema. Denn natürlich mag es Einzelfälle geben, in denen ein Missverhältnis auf einem Doppelstandard beruht, der Doppelstandard sich wiederum aus einem essentialistischen Verständnis dessen ableitet, was eine Frau der Natur nach ist, und bei denen dies alles zu einer sexistischen Konstellation gegenüber den betreffenden Frauen führt. Was hat Valenti zur Abhilfe bei solchen zumindest möglichen Fällen anzubieten?

5 Abhilfe

5.1 Die Äquivalenz-Regel

Mit Ihrem Buch “He’s a Stud, She’s a Slut and 49 Other Double Standards Every Woman Should Know” verfolgt Valenti einen praktischen Zweck: Sie möchte die von ihr bemängelten Probleme nicht nur aufzeigen und analysieren, sondern will auch konkrete Hilfestellung anbieten, wie sie zu überwinden sind. In unserem Fall der Verhütung sieht ihr Ratschlag folgendermaßen aus:

« If you’re straight and sexually active, make sure that your partner is taking on as much responsibility as you are. Use condoms. Split the costs of all your birth control – after all, he’s benefiting from it, too! [ . . . ] » [Valenti, 2008, p. 20]

Die zweite Aussage dieser Passage fügt sich nicht ein in die erste und dritte Aussage Valentis: Sie erzeugt Inkohärenz. Denn sobald einer der beiden Partner ein Kondom beim gemeinsamen Sex verwendet (bzw. ein Femidom), besteht eben schon jene von Valenti beklagte “birth control disparity”, die sie mit ihrem ersten und ihrem dritten Satz ausschließen will (“. . . as much as . . . ” sowie “Split . . . ”). Diesen beiden Aussagen liegt die Norm einer Gleichheit der Verhütungs-Aufwände zugrunde, die nicht damit vereinbar ist, dass einer der beiden Partner ein Kondom (Femidom) verwendet – der andere hingegen nicht.

Aber woher stammt denn eigentlich diese Norm? Valenti selbst gibt keine Begründung, sie formuliert diese Norm ja nicht einmal explizit. Wie also kann man eine solche Vorgabe rechtfertigen? Sicher können wir uns auf diese allgemeine Regel einigen:

– In einer jeden Partnerschaft sollten die jeweiligen Lasten äquivalent sein: die Aufwände, Investments und Opfer, die der eine Partner für die Partnerschaft erbringt, sollten insgesamt gleichwertig zu den Aufwänden, Investments und Opfern sein, die der andere Partner für die Partnerschaft erbringt.

Nur unter dieser Voraussetzung sind beide Partner gleichrangig. (Natürlich gibt es hierbei Ausnahmen, z. B. wenn einer der beiden Partner behindert ist.) Lässt sich nun Valentis Verhütungs-Norm aus dieser Äquivalenz-Regel ableiten?

Das ist fraglich. Denn selbst wenn wir fordern, dass die Lasten und Aufwände des einen Partners äquivalent zu den Lasten und Aufwänden des anderen Partners sein sollten, verpflichtet uns dies nicht zu der Vorgabe, jede dieser Lasten und jeder dieser Aufwände müsste genau gleich unter beiden Partnern aufgeteilt werden (die eine Hälfte für ihn – die andere Hälfte für sie). Im Zusammenleben von Mann und Frau gibt es ja eine Reihe von Problemen und Aufgaben, die beide Partner betreffen und die von beiden Partnern gelöst werden müssen – aber nicht unbedingt ‘Hand in Hand’.

Es mag z. B. sein, dass einer der beiden Partner die Küchenarbeiten verrichtet, wogegen der andere Partner die Reinigungs-Arbeiten in der Wohnung erledigt. D. h., es ist keineswegs erforderlich, dass die gesamte Küchenarbeit unter beiden Partnern genau gleich aufgeteilt wird. Vielmehr ist es legitim, die Küchenarbeit des einen Partners mit der Reinigungs-Arbeit des anderen Partners zu ‘verrechnen’, so dass am Ende beide Partner gleichwertige Aufwände betreiben, äquivalente Beiträge leisten – aber eben in ganz unterschiedlichen Bereichen ihres Zusammenlebens.

Derartige ‘Verrechnungen’ von eigentlich gemeinsamen Aufgaben und Pflichten findet man in Partnerschaften ständig. Sie enthalten ein Element der Arbeitsteilung oder ein Element der reziproken Dienstleistung und erklären sich häufig daraus, dass einem der beiden Partner eine bestimmte Aufgabe nicht zusagt, oder dass er sie nur schlecht beherrscht. Ihm missfällt es z. B., feuchte Wollmäuse mit dem Scheuerlappen aufzuwischen, oder er verträgt es nicht, Zwiebeln zu schälen und Lauch zu schneiden. Oder er ist zu ungeduldig, um an der gemeinsamen Steuererklärung mitzuarbeiten.

Was von Ehe-Therapeuten immer wieder angeführt wird: Viele Paare betreiben gemeinsame Aufgaben oder Probleme streng getrennt, um Spannungen und Konflikte zu vermeiden. Niklas Luhmann hat es einmal prägnant formuliert: Eine Ehe wird im Himmel geschlossen, doch geschieden bei der gemeinsamen Fahrt im gemeinsamen Wagen zum gemeinsamen Einkauf für das gemeinsame Wochenende – vgl. [Luhmann, 1994, p. 42]. Etliche Paare haben bei gemeinsamen Aufgaben und Pflichten derart unterschiedliche Kriterien und Standards, dass sie diese Arbeiten nicht komplementär, nicht ‘Hand in Hand’ erledigen können, ohne dass einer den anderen kritisiert oder ihm Vorschriften macht, wie es besser zu tun sei, ohne dass einer den anderen antreibt, oder aber auf ihn warten muss.

Letztlich trägt eine solche Aufteilung der gemeinsamen Aufgaben und Pflichten einfach dem Umstand Rechnung, dass die beiden Partner nicht gleich sind, sondern individuell: jeweils mit Stärken und Schwächen, mit Vorlieben und Abneigungen, mit gewinnenden und abstoßenden Charakterzügen . . .

5.2 Anwendung auf die Verhütung

Welches Arrangement die jeweiligen Partner auch immer wählen mögen in Bezug die Lasten und Aufwände, die ihre Partnerschaft so mit sich bringt – es ist nicht bloß unrealistisch zu verlangen, dass jeder dieser Beiträge zur Hälfte von dem einen Partner und zur Hälfte von dem anderen Partner erbracht wird. Auch moralisch ist eine solche Forderung überzogen. Worauf es letztlich allein ankommt, ist, dass die Lasten und Aufwände des einen Partners insgesamt äquivalent zu den Lasten und Aufwänden des anderen Partners sind, damit beide Partner in ihrer Beziehung zueinander den gleichen Rang einnehmen.

Ich kann eigentlich nicht sehen, warum das, was von Küchenarbeit, Saubermachen, Einkaufen, Reparieren usw. gilt – und auch ganz selbstverständlich so praktiziert wird –, nicht ebenso von der Verhütung gelten soll: Natürlich ist es legitim, wenn der gesamte Verhütungs-Aufwand von einem der beiden Partner übernommen, gleichwohl aber ‘verrechnet’ wird mit Aufwänden des anderen Partners in Bezug auf andere Aufgaben bei ihrem Zusammenleben.

Ob diese Option tatsächlich gewählt wird, hängt von genau zwei Faktoren ab: der Übereinkunft beider Partner. Fremde Leute dürfen sich in dieser Angelegenheit gern zurückhalten. Und wenn zwei Partner sich in der Frage des Verhütungs-Aufwands nicht einigen können sollten, dann liegt dieser Zwist auf derselben Ebene, wie wenn sie sich nicht darüber einigen können, wer nun die Miete der gemeinsamen Wohnung bezahlt, oder wer das gemeinsame Klo sauber macht.

Nehmen wir nun an, zwei Partner hätten sich darauf verständigt, dass die Verhütung allein von einem der beiden sichergestellt werden soll, wobei dieser Aufwand mit äquivalenten Aufwänden des anderen Partners in anderen Bereichen ihres Zusammenlebens ‘abgegolten’ wird. In diesem Fall wäre keine der beiden Klauseln Valentis (siehe das Zitat auf Seite 8 oben) erfüllt:

– “make sure that your partner is taking on as much responsibility as you are” – “Split the costs of all your birth control”

Dies bedeutet nicht, dass diese Klauseln irgendwie verkehrt wären. Es bedeutet lediglich, dass sie nicht notwendig sind, damit zwei Partner das Problem mit dem Verhütungs-Aufwand nicht nur einvernehmlich, sondern auch moralisch angemessen regeln. Diese Klauseln mögen dafür hinreichend sein (müsste man halt prüfen) – notwendig sind sie nicht. Dies macht deutlich, worin unsere Kritik an Valentis Vorschlag besteht: Ihre Idee ist unnötig eng gefasst.

5.3 Unstimmigkeiten

Idealerweise werden derartige Aufteilungen und Verrechnungen von gemeinsamen Aufgaben und Pflichten in einer Partnerschaft offen angesprochen, fair ausgehandelt und auch hin und wieder in Frage gestellt, damit auf diese Weise sichergestellt ist, dass wirklich beide Partner eine solche Trennung als ‘gleich gewichtig’ ansehen, bei der beide Partner insgesamt, unter dem Strich, äquivalente Beiträge für das gemeinsame Zusammenleben erbringen.

In der Praxis kommt es jedoch immer wieder vor, dass in einer bestimmten Situation spontan so-und-so verfahren wird; und während der eine Partner dies als ein momentanes Arrangement begreift, das nur in der aktuellen Situation legitim und akzeptabel ist, geht der andere Partner stillschweigend davon aus, dass hiermit eine allgemeine Regelung etabliert sei, die auch für alle zukünftigen Arbeiten und Pflichten des gemeinsamen Lebens gültig ist.

Dies kann im Laufe der Zeit zu Verdruss und Ärger führen: “Wieso muss in unserer Wohnung eigentlich immer ich den Müll raustragen?!” Ich “muss” dies gar nicht, aber als wir damals unsere gemeinsame Wohnung bezogen haben, haben wir dies mal spontan so gemacht (“Das hat sich da so ergeben”), und mein Partner ist stillschweigend davon ausgegangen, dass hiermit eine Regel etabliert sei, wonach er sich z. B. um die Küchenarbeit kümmert, wogegen ich für die Reinigungs-Arbeiten in der Wohnung zuständig bin. Gesagt hat er davon nichts, aber er hat eben unterstellt, dass ich das so OK finde (“Das haben meine Eltern auch immer so gemacht”).

Derartige Unstimmigkeiten kann es natürlich auch im Fall der Verhütung geben. Sie haben jedoch mit Doppelstandards oder gar Sexismus nichts zu tun. Vielmehr ergeben sie sich aus unzureichender Kommunikation der Partner miteinander, z. B. daraus dass in einer Partnerschaft viele Belange – eben auch wichtige – gar nicht kommuniziert werden, oder eben nur angedeutet, so dass unliebsame Konsequenzen zunächst unbemerkt bleiben. Irgendwann stößt das Missverhältnis auf und die Partner müssen sich zunächst darüber verständigen, was denn genau verkehrt läuft. Dabei sollte sich jeder der beiden erst einmal bewusst machen, dass jene Position oder Einstellung, die er ganz selbstverständlich dem jeweils anderen unterstellt hat, eigentlich nur die eigene Position / Einstellung ist, die vom anderen so gar nicht geteilt wird.

Derartige Auseinandersetzungen sind unangenehm, zuweilen sogar schmerzhaft. Doch sie erklären sich nicht aus Doppelstandards, sondern aus einem praktischen Problem aller Partnerschaften: Die (einvernehmliche) Umsetzung der Äquivalenz Regel ergibt sich nicht von selbst, sie erfolgt nicht automatisch – vielmehr muss sie zwischen den betreffenden Partnern offen ausgehandelt werden, häufig immer wieder (weil sich die gemeinsamen Aufgaben und Pflichten im Laufe der Zeit ändern).

6 Konsequenzen der Äquivalenz-Regel

Wir sind nun in der Lage, die Beziehungen der drei Phänomene (A) bis (C) (siehe oben) zueinander etwas genauer zu beleuchten. Hierbei wollen wir nur die beiden wichtigsten Fälle herausgreifen. Welche dieser Phänomene sind miteinander verbandelt, welche sind unabhängig voneinander?

Aufgrund der obigen Ausführungen dürfte klar sein: Eine “birth control disparity”, also Phänomen (A), beruht nicht zwangsläufig auf einem “birth control double standard”, also Phänomen (C). Wie wir oben gesehen haben, können in einer Partnerschaft eigentlich gemeinsame Aufgaben und Pflichten von einem der beiden Partner übernommen und mit selbständigen Beiträgen des anderen Partners abgegolten werden, so dass alles in allem genommen beide Partner äquivalente Beiträge für ihre Partnerschaft erbringen und so in ihrem Verhältnis zueinander den gleichen Rang einnehmen.

Und so können zwei Partner auch darin übereinkommen, dass die Verhütung allein von dem Partner X sichergestellt wird, und dass dieser Aufwand mit selbständigen Beiträgen des anderen Partners Y verrechnet wird. Beide Partner treffen diese Übereinkunft aber nicht auf Grund eines Doppelstandards, sondern weil sie es so praktischer finden, oder aus individuellen Gründen (es besteht vielleicht Sorge, dass der weibliche Partner wegen der Pille eine Thrombose bekommen könnte). Sofern diese Übereinkunft praktiziert wird, liegt zwar ein Missverhältnis beim Verhütungs- Aufwand vor [(A)], aber kein Doppelstandard [(C)]. Somit beruht ein derartiges Missverhältnis nicht zwangsläufig auf einem Doppelstand und läuft auch nicht notwendig auf einen solchen hinaus.

Diese Unabhängigkeit hat eine wichtige epistemische Konsequenz: Eine “birth control disparity” kann nicht als Indiz oder gar als Evidenz für einen “birth control double standard” angesehen werden. Das Gegenteil hiervon möchte Valenti uns glauben machen. Falls man ein entsprechendes Missverhältnis bemerkt, kann man dies natürlich zum Anlass nehmen, um zu fragen, ob vielleicht ein Doppelstandard vorliegt. In diesem Sinne kann ich mich auch fragen, ob wohl unsere Äquivalenz- Regel verletzt wird (siehe Seite 8 oben), sobald ich einen der beiden Partner allein das Dreirad des gemeinsamen Kindes reparieren sehe.

Die oben beschriebene Vereinbarung zeigt auch, dass die Meinung, nur der eine Partner X sei für die Verhütung zuständig, also Phänomen (B), nicht zwangsläufig auf einem Doppelstandard, also Phänomen (C), beruht. Denn in dem obigen Fall beruht die fragliche Meinung auf einer gemeinsamen Übereinkunft beider Partner X und Y, die Verhütung so-und-so zu regeln. Und diese Übereinkunft beruht auf – siehe oben. Beide Partner glauben somit, es liege in der alleinigen Verantwortung von X, die Verhütung sicherzustellen – trotzdem liegt kein Doppelstandard vor. Folglich beruht eine solche Meinung nicht zwangsläufig auf einem Doppelstand und läuft auch nicht notwendig auf einen solchen hinaus.

Valenti könnte dem nun entgegenhalten, einen solchen Fall habe sie nicht betrachtet: Denn sie hat ja “automatically considered” formuliert, und das Adverb “automatically” schließt eine faire Übereinkunft beider Partner aus (siehe das Zitat auf Seite 2 oben). – Ja, schon recht. Allerdings hat Valenti nicht plausibel gemacht, dass ihr “automatically considered” jenen Fall beschreibt, der allgemein zu einer “birth control disparity” führt. Wir hingegen haben zugestanden, dass Valentis Fall durchaus vorkommt, aber zudem geltend gemacht, dass es auch andere Fälle gibt, z. B. den Fall der fairen Übereinkunft gleichrangiger Partner gemäß der Äquivalenz-Regel.

Betrachten wir abschließend den ungünstigsten Fall (welchen Valenti als den allgemein gültigen Fall hinstellen möchte): Die Frau stellt die Verhütung sicher, weil der Mann einen Doppelstandard anwendet, der auf einem essentialistischen Verständnis dessen beruht, was eine Frau ihrer Natur nach ausmacht. Wir müssen eine solche Konstellation als unfair, ja als ungerecht einstufen.

Doch erinnern wir uns an die goldene Regel einer jeden Partnerschaft, die wir oben formuliert haben: Die Lasten (Aufwände, Investments, Opfer), die der eine Partner für die Partnerschaft erbringt, sollen insgesamt gleichwertig (“äquivalent”) zu jenen Lasten sein, die der andere Partner für die Partnerschaft erbringt (siehe Seite 8 oben). Und bedenken wir zudem, dass die Partnerschaft dieser Frau mit diesem Mann nicht nur die gemeinsame Aufgabe der Verhütung mit sich bringt, sondern noch weitere gemeinsame Aufgaben und Pflichten, z. B. Aufräumen, Reparieren und Bezahlen.

Die Tatsache, dass eine einzige dieser gemeinsamen Aufgaben und Pflichten unfair zu Lasten der Frau geregelt ist, schließt nicht aus, dass insgesamt, alles in allem Betracht, die Beiträge des Mannes für das gemeinsame Zusammenleben gewichtiger ausfallen als die der Frau. In diesem Fall wäre unsere Äquivalenz-Regel verletzt – aber nicht, weil die Frau ungerechter Weise die Verhütung sicherstellen muss. Ob eine solche Situation zu Lasten des Mannes tatsächlich vorliegt, ist eine offene Frage, kann aber durchaus untersucht werden.

Nun ist klar: die Verhütung als Aufwand einerseits, die gesamten Beiträge eines Partners für das gemeinsame Zusammenleben andererseits – das sind verschiedene Dinge, die nicht miteinander vermengt werden sollten. Aber sie liegen auf derselben Ebene. Somit wäre es inkonsequent, einerseits zu prüfen, ob die Verhütung wirklich fair geregelt ist, andererseits aber nicht zu prüfen, ob das Einkaufen, das Reparieren, das Bezahlen usw. fair geregelt sind. Und da wir gesehen haben, dass eigentlich gemeinsame Aufgaben und Pflichten getrennt erledigt und miteinander verrechnet werden können, muss dann letztlich auch geprüft werden, ob die gesamten Beiträge des einen Partners wirklich äquivalent zu den gesamten Beiträgen des anderen Partners sind, damit beide Partner den gleichen Rang in ihrer Beziehung zueinander einnehmen.

Auch bei dieser letzteren Frage sollte man offen für Überraschungen sein: Möglicherweise ist es ja kein Zufall, dass so viele Frauen so großen Wert auf den ökonomischen Status ihrer männlichen Partner legen . . . 3

3. Eine Untersuchung der Präferenzen von Männern und Frauen in weltweit 37 verschiedenen Kulturen hat ergeben:

« [ . . . ] Females value the financial capacity of potential mates more than males do. Ambition and industriousness, cues to resource acquisition, also tend to be valued more heavily by females than by males across cultures. Support was strong for the financial capacity prediction (36 of 37 samples), and moderate for the ambition- industriousness prediction (29 of 37 samples).

[ . . . ] these results give powerful support to the evolution-based hypothesis about female preference for males with high providing capacity, [ . . . ] » [Buss, 1989, p. 12]

Zu den Präferenzen von Frauen siehe auch die Tabelle 4.1 in [Buss, 2019, pp. 415 f.]. Zu den Konsequenzen derartiger Präferenzen siehe etwa [Buss, 2016, pp. 634–643].

7 Kleiner Rückblick

Wie wir gesehen haben, argumentiert Valenti im zweiten Kapitel ihres Buches “He’s a Stud, She’s a Slut and 49 Other Double Standards Every Woman Should Know” für drei allgemeine Punkte:

  1. Wenn Frauen und Männer miteinander Sex haben und eine Schwangerschaft der Frauen vermieden werden soll, dann stellen meistens die Frauen die Verhütung sicher (“birth control disparity”).
  2. Wenn ein solches Missverhältnis auftritt, dann liegt dem meist ein Doppelstandard zu Grunde (“birth control double standard”).
  3. Wenn ein solcher Doppelstandard vorliegt, dann beruht er meistens auf Sexismus der beteiligten Männer gegenüber Frauen.

Formulierungen wie “meistens” und “zumindest in den meisten Fällen” finden sich bei Valenti nicht – die habe ich eingeführt, weil ich Valenti nicht unterstellen mag, dass sie die Existenz von ein paar positiven Ausnahmen abstreitet. Doch streng genommen müssen Valentis Formulierungen wohl im Sinne von “in allen derartigen Fällen” interpretiert werden – was dann die Plausibilität von Valentis Position nicht unbedingt erhöht.

Gegen alle drei Punkte haben wir im Verlauf der obigen Diskussion Vorbehalte angemeldet. Valentis Problem mit dem Verhütungs-Aufwand haben wir eingebettet in ein grundlegendes Problem aller Partnerschaften: Wann immer Männlein und Weiblein einen Bund miteinander eingehen – und sei es auch bloß für eine kurze, kalte Winternacht –, entstehen durch eine solche Zweisamkeit gewisse Lasten und Aufwände, und nun müssen diese Beiträge so in etwa gleich auf beide Partner verteilt werden. Dies gilt auch für den Aufwand für die Verhütung (sofern eine Schwangerschaft der Frau vermieden werden soll).

Eigentlich ist es zu begrüßen, wenn Probleme einzeln behandelt und nicht mit anderen Problemen vermengt werden. Allerdings sollte man hierbei berücksichtigen, dass verschiedene Probleme (z. B. Kochen, Putzen, Verhüten, Einkaufen, Reparieren) in einem übergeordneten Arrangement gelöst werden können, so dass sich diese Lösungen der enthaltenen Einzelprobleme untereinander bedingen und beeinflussen. Dies eröffnet die Möglichkeit, dass einzelne Beteiligte eigentlich gemeinsame Aufgaben und Pflichten selbständig erledigen und ihnen, insgesamt betrachtet, trotzdem keine größeren Beiträge abverlangt werden, als die anderen Beteiligten erbringen müssen.

Alles in allem sind die Ausführungen von Valenti anregend, aber nicht unbedingt lehrreich. Sei’s drum: Ein sehr gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es unbedingt muss. Die feministische Juristin Ann M. Bartow sieht derartige Einschätzungen gelassen:

« [ . . . ] No feminist theorist gets everything right all the time, any more than any other legal scholar. Nor does any feminist lawyer, or any lawyer. [ . . . ] » [Bartow, 2008, p. 392]

« There is nothing wrong with criticising the writings or public acts of people who identify as feminists. Performing critical analysis is arguably the role of an academic, and there is no reason that feminist theory should be immune from negative scholarly evaluations. [ . . . ] » [Bartow, 2010, p. 93]

Auch wenn wir einräumen müssen, dass Valenti weder eine Juristin noch eine Theoretikerin ist, so können wir doch davon ausgehen, dass Bartows Hinweise a fortiori auf sie anwendbar sind: Wenn sogar Einstein sich irren kann, dann kann wohl auch ein schlichtes Gemüt sich irren.

8 Exkurs zu einer Verschwörungstheorie

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Valenti in einem früheren Buch das Problem mit dem Verhütungs-Aufwand in eine weitergehende Theorie einbettet:

« Nothing exemplifies the real motives of the anti-sexers as much as their stance on birth control. They talk a big game about how bad abortion is, but most of them don’t say much about contraception. That’s because they don’t want you to know what they really think – that birth control is bad. They don’t want you to use it. Ever. Now why in the world would the people who hate abortion so much want you to forgo the one thing that keeps you from getting pregnant?

Because it’s for sluts. Seriously. […] birth control is “a way to have all the goodies and not pay the price,” the “price” being pregnancy, of course. That’s your punishment for being a big ol’ whore.

The idea is that only sluts use contraception, because only sluts would have premarital sex. And when you have sex while you’re married, you should be trying to pop out babies, so no birth control for you, either.

Basically, it’s more of the same “sex is bad and shameful” crap. Sex isn’t supposed to be fun, so they’re not about to make it easy.

The bottom line? […] They don’t care about increasing the number of abortions (which will inevitably happen if we don’t have birth control access). All they care about is making sure that women aren’t having sex, and that if we are, we’re “punished.” Period. But of course, most of them won’t admit that. » [Valenti, 2007, pp. 116 f.]

Valentis Grundgedanke wäre somit: Der Verhütungs-Aufwand wird den Frauen aufgebürdet, damit sie gar keine Verhütung betreiben und Sex mit einem Mann nur dann haben, wenn sie bereit sind, ein Kind mit diesem Mann zu zeugen und dann entsprechend auch aufzuziehen (vorzugsweise im Rahmen einer gemeinsamen Ehe).

Ich möchte auf diese Theorie nicht weiter eingehen, weil wir ja oben gesehen haben, dass Valenti schon bei dem einfachen Problem der Verhütung mehr ideologisch als faktisch argumentiert. Diese Kreativität beeinträchtigt dann natürlich auch weitergehende Theorien Valentis. Letztlich spinnt Valenti hier einen Mythos weiter, den Betty Friedan [Link9, Link10] Anfang der 1960er Jahre in die Welt gesetzt hat [Link11]. Siehe zu diesem Mythos etwa die Analyse von Keith Reeve unter [Link12].

9 Über Doppelstandards

9.1 Doppelstandards – Merkmale und Bewertung

Vielleicht war unser kleiner Rückblick oben etwas voreilig. Denn bisher haben wir unterstellt, dass jener Fall, der Valenti so am Herzen liegt – der Doppelstandard bei der Verhütung – durchaus möglich ist, wenn er auch nicht den typischen Fall darstellt.

Zunächst einmal steht Valenti mit ihrem Vorwurf nicht allein da. So berichtet etwa die Wikipedia von ähnlichen Vorwürfen:

« The role that gender plays in determining people’s moral, social, political, and legal contexts has been long-debated and often controversial. Some believe that differences in the way men and women are perceived and treated is a function of social and environmental norms, thus indicating a double standard. [ . . . ]

According to some, double standards between men and women can potentially exist with regards to dating, cohabitation, virginity, marriage / remarriage, sexual abuse / assault / harassment, domestic violence, and singleness. » [Link13]

In Bezug auf Enthaltsamkeit wäre ein konkretes Beispiel, auf das Valenti bereits mit dem Titel ihres Buches anspielt:

« [ . . . ] Thus, a woman who has had many sexual partners may be seen as a “slut”, while a similarly-experienced man may be admired for his studliness. [ . . . ] » [Link14]

Es handelt sich dabei um ein ausgiebig untersuchtes Problem: die Abwertung und Unterdrückung weiblicher Sexualität durch andere Frauen, bei gleichzeitiger Akzeptanz oder gar Aufwertung männlicher Sexualität durch eben diese Frauen. In den nächsten Monaten werden wir uns mit Valentis Analyse dieses Doppelstandards befassen: “He’s a Stud, She’s a Slut . . . ”

Zunächst jedoch wollen wir abschließend prüfen, worin genau Valentis “birth control double standard” eigentlich besteht. Hierfür müssen wir erst einmal klären, was genau ein Doppelstandard überhaupt ist. Dabei wollen wir einige Kriterien herausstellen, die relevant sind, sobald man zu klären hat, ob eine bestimmte Kontellation einen Doppelstandard beinhaltet.

Glücklicherweise müssen wir auch bei dieser Auseinandersetzung nicht bei Null anfangen, vielmehr können wir dabei auf diversen Hinweisen und Bemerkungen anderer Autoren aufbauen. Sogar die Wikipedia ist hilfreich, dort heißt es nämlich:

« A double standard is the application of different sets of principles for situations that are, in principle, the same, and is often used to describe freedom that is given to one party over another. A double-standard arises when two or more people, circumstances, or events are treated differently even though they should be treated the same way. » [Link15]

Ein Doppelstandard setzt also voraus, dass die in Rede stehenden Dinge irgendwie gleich sind: Sie haben die gleichen Merkmale, oder sie machen die gleichen Sachen – jedenfalls in einer relevanten Hinsicht gleich. Dies wäre eine “conditio sine qua non”.

Es ist wohl klar, dass die Frage, was genau einen Doppelstandard ausmacht, unabhängig von der Frage ist, wie ein solcher Doppelstandard zu bewerten ist. Zur Bewertung eines Doppelstandards heißt es nun, wieder in der Wikipedia:

« If correctly identified, a double standard is viewed negatively as it usually indicates the presence of hypocritical, biased, and/or unfair attitudes leading to unjust behaviors. » [Link16]

Doch mit dieser Passage wird der Fehler des Doppelstandards eher verschleiert als herausgestellt. Denn diese Schwachstelle ist nicht moralisch (“unjust”, “unfair”, . . . ), sondern vielmehr kognitiv.

Wenn zwei Dinge in einer bestimmten Hinsicht gleich sind, dann sollten sie in dieser Hinsicht auch gleich beurteilt werden. Denn der Inhalt einer solchen Beurteilung darf ja nicht willkürlich ausfallen, sondern muss eine Basis in der Beschaffenheit der betrachteten Dinge haben. Wenn sich diese Dinge aber in der fraglichen Hinsicht gar nicht unterscheiden, dann muss die jeweilige Beurteilung auch dieser Gleichheit Rechnung tragen – tut sie beim Doppelstandard aber nicht. Und genau darin besteht das Problem.

Die Anwendung eines Doppelstands ist inkonsequent, weil dabei zwei Dinge unterschiedlich bewertet werden – jedoch allein in Bezug auf eine bestimmte Hinsicht (z. B. ihre Farbe), in der sich diese Dinge gar nicht voneinander unterscheiden. Die Beurteilung bezieht sich allein auf etwas, das diesen beiden Dingen gemeinsam ist, und sollte dem inhaltlich entsprechen – darf also keine weiteren Faktoren mit einbeziehen, bei denen sich diese Dinge voneinander unterscheiden. Woraus leitet sich dann aber die unterschiedliche Bewertung im Falle des Doppelstandards her? Vielleicht aus Willkür – jedenfalls nicht aus einem sachlichen Grund.4

4Man sollte hier freilich achtgeben, dass man die betreffende Hinsicht ausreichend genau spezifiziert. Folgendes z. B. wäre kein trifftiger Einwand:

– Mein eigenes Auto ist blau, und das Auto meines Nachbarn ist ebenfalls blau. Somit gibt es eine Hinsicht, in der mein Auto und das Nachbar-Auto gleich sind. Trotzdem kann ich mein eigenes Auto als schön bewerten und das Auto meines Nachbarn als hässlich (also nicht schön). Somit erzwingt die Gleichheit in Bezug auf eine bestimmte Hinsicht nicht die Gleichheit der Bewertung in eben dieser Hinsicht.

Dieser Einwand ist nicht triftig, weil sich die Bewertung auf Aussehen oder visuelle Schönheit bezieht – die Hinsicht, in der eine Gemeinsamkeit beider Fahrzeuge vorliegt, aber bloß ihre Farbe ist. Die Farbe der Autos trägt etwas bei zu ihrem Aussehen und ihrer Schön-bzw. Hässlichkeit Doch das Aussehen der Autos wird nicht allein durch ihre Farbe bestimmt, sondern auch durch andere Faktoren, z. B. ihre Form. Darum stellt der obige Fall kein Gegenbeispiel dar.

9.2 Anwendung auf Valentis Doppelstandard

In Valentis Fall könnte man die relevante Gemeinsamkeit zwischen Mann und Frau so umschreiben:

  • macht Sex, so dass hierdurch eine Empfängnis ausgelöst werden kann
  • will jedoch eine Schwangerschaft vermeiden
  • ist in der Lage, mit geringem Aufwand die Verhütung vorzunehmen.

Wollte man allein in dieser Hinsicht Mann und Frau unterschiedlich bewerten (“sollte die Verhütung sicherstellen” vs. “braucht sich um die Verhütung nicht zu kümmern”), dann wäre dies fast so absurd, wie wenn man ein und dieselbe Sache in Bezug auf ein und dieselbe Hinsicht so-und-so bewertet und gleichzeitig ganz anders bewertet.5 Vorurteile, Scheinheiligkeit oder mangelnde Fairness spielen hierbei keine Rolle: Der Makel des Doppelstandards liegt allein im Kognitiven.

5Dies bitte nicht mit jenem Fall verwechseln, in dem man eine bestimmte Sache in der Hinsicht A so-und-so bewertet, und gleichzeitig in der (anderen) Hinsicht B ganz anders bewertet. Bspw. hat im Jahre 2003 der Bergwanderer Aron Lee Ralston seinen eigenen Unterarm amputiert [Link17]. Diese Maßnahme war in der einen Hinsicht furchtbar – doch in einer anderen Hinsicht segensreich. Furchtbar war sie insofern, als sie schmerzhaft war und ihn dauerhaft verkrüppelt hat – segensreich war sie insofern, als sie ihm kurz vor dem Sterben die Möglichkeit eröffnet hat, sich aus der tödlichen Felsspalte zu befreien und sein Leben doch noch zu retten.

Allgemein können viele Dinge in mehr als nur einer Hinsicht bewertet werden. Dies ist jedoch nicht der für uns interessante Fall. Der für Doppelstandards relevante Fall ist der, bei dem zwei Dinge in einer bestimmten Hinsicht gleich beschaffen sind, oder das Gleiche tun, und in genau dieser Hinsicht nicht gleich, sondern unterschiedlich beurteilt werden.

Somit sind auch die Anhänger von “inclusion”, “diversity” und “affirmative action” nicht davor gefeit, Doppelstandards anzuwenden: in Bezug auf Männer und Frauen, Schwarze und Weiße, Homos und Heteros, usw. Möglicherweise ist dies der Grund, weshalb sich diese Befürworter so viele Doppelstandards leisten. (Ein gravierendes Beispiel stellt etwa die Benotung von Schülern im Bildungssystem dar – siehe hierzu [Diefenbach, 2010] und [Cappelen et al., 2019].)

Die dialektische Pointe des Verweises auf einen Doppelstandard besteht nun darin, dass er den Diskussions-Partner in eine Art von Zugzwang bringt – etwa so:

– Du gibst also zu, dass Männer und Frauen gleich sind, zumindest dass sie beim gemeinsamen Sex das Gleiche tun? Du forderst zudem, dass die Frau sich um die Verhütung bemüht? Dann musst Du konsequenterweise ebenso fordern, dass auch der Mann sich um die Verhütung bemüht! Denn wenn Männer und Frauen in der Hinsicht “Sex machen” gleich sind, und wenn diese Hinsicht relevant ist für Empfängnis / Konzeption, dann musst Du das, was Du von dem einen Partner forderst, eben auch von dem anderen Partner fordern – anderenfalls wendest Du einen Doppelstandard an, und das ist nicht statthaft.

Dies entspricht etwa der Argumentations-Strategie Valentis. Nun könnte es aussehen, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten der Abwehr, wenn einem die Anwendung eines Doppelstandards vorgeworfen wird, nämlich

  • zeigen, dass es einen guten Grund gibt, zwei Dinge, die in der-und-der Hinsicht gleich sind, in dieser Hinsicht unterschiedlich zu bewerten
  • zeigen, dass diese beiden Dinge nur scheinbar in der fraglichen Hinsicht gleich sind, in Wirklichkeit aber doch verschieden.

Aus einer gewissen Verwegenheit heraus haben wir jedoch eine dritte Möglichkeit gewählt und unsere Bewertung entsprechend angepasst: Sofern eine Schwangerschaft vermieden werden soll, unterliegt der Aufwand für die Verhütung unserer Äquivalenz-Regel (siehe Seite 8 oben). Und bei dieser Bewertung sind Mann und Frau nun wieder im selben Boot (beide müssen diese Regel anwenden, damit sie gleichwertig sind) – nur dass keinem von beiden der Verhütungs-Aufwand als direkte Verpflichtung zugewiesen wird. Ja, Scholastik ist etwas Wunderbares . . .

9.3 Kriterien für Doppelstandards

Die Wikipedia weist darauf hin, dass es mitunter gar nicht so einfach ist festzustellen, ob tatsächlich ein Doppelstandard vorliegt oder nicht. Um dies zuverlässig zu erkennen, sollte man zwei Kriterien anwenden:

« Applying different principles to similar-looking situations may or may not indicate a double standard. In order to distinguish between the application of a double-standard and the valid application of different standards towards circumstances that only appear to be the same, several factors must be examined. One is the sameness of those circumstances – what are the parallels between those circumstances, and in what ways do they differ? Another is the philosophy or belief system informing which principles should be applied to those circumstances.

Different standard[s] can be applied to situations that appear similar based on a qualifying truth or fact that, upon closer examination, renders those situations distinct (i.e. a physical reality, a moral obligation etc.). However, if similar-looking situations have been treated according to different principles and there is no truth, fact or principle that distinguishes those situations, then a double standard has been applied. » [Link18]

Die Frage, ob vielleicht ein Doppelstandard angewendet wird, beginnt mit der Überlegung, was denn eigentlich die relevante Hinsicht ist, in der die beiden Dinge oder Situationen miteinander verglichen werden sollen: Wer bspw. Männer und Frauen im Hinblick auf ihre durchschnittliche Körpergröße miteinander vergleicht, der wird einen etwaigen Doppelstandard in Bezug auf die Verhütung nicht ausfindig machen können.

Ein Beispiel für “a qualifying truth or fact that renders those situations distinct” findet sich in folgendem Szenario:

« Different treatment can be merited if there is a relevant difference between the two that makes the differential treatment sensible. For example, suppose that a university is downsizing and is going to make redundant one of two untenured professors, and that these two professors are alike in all respects except that one has a good publication record and the other does not. The difference in publication record is justifiably a relevant difference that would merit differential treatment by the university’s retaining the one and terminating the other.

Because the different treatment is explained by a relevant difference between the two candidates, rewarding one professor with continued employment but not the other is consistent with the principle of fairness. » [Yim, 2019, pp. 219 f.]

In diesem Szenario besteht somit kein Doppelstandard, weil die beiden Professoren im Hinblick auf ihre wissenschaftlichen Leistungen bewertet werden, zu denen auch die erbrachten Veröffentlichungen zählen – und dort liegt ein relevanter Unterschied vor. Diese beiden Fälle (Personen) sind also nur scheinbar gleich, aber nicht wirklich.

Betrachten wir nun ein Beispiel aus dem Journalismus, bei dem der gesuchte Unterschied durch einen Trick, eine Art psychischer Illusion, zustande kommt:

« Consider that in the past decade in the field of sports media, it has become common for women to appear as professional reporters and commentators on sidelines and as co-anchors in televised commentary studios for the NFL and NBA – career arenas that have traditionally been the domain of men only. One of the criticisms that women in these positions have faced is that many of them lack firsthand athletic experience in those sports – the implication being that such a lack disqualifies them from these kinds of jobs.

It often goes uncommented that many of the men who are both successful and popular sports anchors also lack that very experience. In their cases, however, they receive the benefit of an unjustified, “special” indulgence while the other group receives disproportional scrutiny. The fact that SP [= Special Pleading, a form of double standard] can be, and so often is, used simultaneously to hide and to underwrite hypocrisy and prejudice makes it an important informal fallacy of reasoning that affects everyday life. » [Yim, 2019, p. 221]

Sehen wir einmal davon ab, dass ein Doppelstandard gar kein Trugschluss (“fallacy”) ist (auch “Special Pleading” ist kein Trugschluss): Schließlich hat Yim in der obigen Passage kein Argument präsentiert, dass als Trugschluss eingestuft werden müsste.

Soweit ich Yim verstehe, wendet er sich nicht gegen die Vorstellung, ein Sport- Journalist müsse entsprechende Sport-Erfahrungen aufweisen. Den angewendeten Doppelstandard sieht Yim dadurch verschleiert, dass im Fall der weiblichen Journalis ten genau geprüft wird, ob sie über Trainings-und Wettkampf-Erfahrungen verfügen, wogegen im Fall der männlichen Journalisten stillschweigend unterstellt wird, dass sie über derartige Erfahrungen verfügen, oder gar ignoriert wird, dass ihnen solche Erfahrungen fehlen.

Dies wäre dann also der Trick, von dem ich oben gesprochen habe. Die Frage, ob sich weibliche und männliche Journalisten in einer wesentlichen Hinsicht voneinander unterscheiden, wird zwar beantwortet, aber sozusagen nur auf der weiblichen Seite falsifiziert: ohne Erfahrung, wogegen die männliche Seite ohne Prüfung als bereits erwiesen unterstellt wird: mit Erfahrung.

9.4 Exkurs zur Psychologie der Moral

Falls Yims Diagnose zutrifft, würde es sich bei diesem Vorgehen um eine motivierte, nämlich parteiische Anwendung moralischer Grundsätze (im weiten Sinne) handeln. Wer von uns kennt das nicht:

– Wenn es darum geht, den Bau einer weiteren Autobahn zu verhindern, dann zählt jeder Lurch und jeder Falter im betroffenen Baugebiet: Tierschutz hat Vorrang! Doch wenn es darum geht, Windkraftanlagen zu nutzen und die Windkraft-Energie auszubauen, dann zählen all die erschlagenen Tiere nicht: Tierschutz hat keine Priorität, Artenvielfalt auch keine.6

6Deutschlandweit werden mittels Windkraftanlagen ca. 12.000 Greifvögel, bis zu 200.000 Fledermäuse und mindestens 1.200 Tonnen Insekten pro Jahr zu Tode gebracht. Auch andere Vogelarten sind betroffen. [Link19, Link20, Link21, Link22, Link23, Link24], [Köppel, 2017, pp. 3–116] sowie [Bispo et al., 2019, pp. ix f. et passim].

– Das Glyphosat der traditionellen Landwirtschaft muss abgeschafft werden, denn möglicherweise verursacht es Krebs. Doch das Kupfersulfat (CuSO4) der ökologischen Landwirtschaft kann beibehalten werden, obwohl es tatsächlich unser Grundwasser verseucht (WGK 2) und Insekten wie z. B. Bienen tötet [Link25, Link26].

– Der latente Anti-Semitismus mancher AfD-Politiker alarmiert uns, doch der robuste Anti-Semitismus vieler Immigranten interessiert uns nicht, und der von Partei-Chef Jeremy B. Corbyn schon gar nicht ([Rich, 2016], [Seymour, 2017, pp. 135–137]) – auch dies wäre eine “special indulgence” im Sinne von Yim (vgl. das Zitat auf Seite 22 oben).

Wie die Psychologie der Moral erforscht hat, dienen moralische Grundsätze (im weiten Sinne) eben nicht dazu, um moralische Entscheidungen herbeizuführen und zu begründen. Vielmehr werden moralische Grundsätze nach Belieben missbraucht, um willkürlichen Entscheidungen im Nachhinein einen objektiven, unparteiischen Anstrich zu verleihen. Aufschlussreich wird es dann, wenn die parteiische Anwendung moralischer Grundsätze begleitet oder abgeschlossen wird von einem expliziten Dementi. So berichtet eine US-Zeitung im Jahre 2004 über die Wahl der Präsidentin des Massachusetts Institute of Technology (MIT):

« MIT officials said that [Susan] Hockfield’s gender did not play a role in the presidential search. “We are pleased to have a woman as our president, but that was by no means a basis or the basis of the choice,” said James A. Champy, a member of the MIT Corporation who headed the search committee. » [Link27]

« [Susan] Hockfield’s arrival would have great symbolic importance at a school that has publicly examined its own history of bias against women and still struggles to recruit female faculty members in the sciences and engineering. » [Link28]

Moral-Psychologen finden das Dementi des Vorsitzenden Champy wenig überzeugend:

« [ . . . ] officials at MIT felt proscribed from acknowledging that the gender of their incoming president played any role in her hiring, despite the fact they were clearly pleased to have hired a woman and had previously stated a desire to increase representation of women on MIT’s faculty [ . . . ] » [Norton et al., 2006, p. 38]

« [ . . . ] Gender, too, can be a controversial and complicated factor in decision making, [ . . . ] Because of social norms and legal proscription, decision makers are often left in the awkward position of celebrating an outcome that promotes diversity, all the while denying that diversity was a goal to begin with. [ . . . ] » [Norton et al., 2006, pp. 36 f.]

Andere Psychologen analysieren den zugrundeliegenden Missbrauch moralischer Prinzipien folgendermaßen:

« [ . . . ] we provided evidence that people flexibly endorse [different] moral principles that support judgments consistent with their political inclinations. [ . . . ] » [Uhlmann et al., 2009, p. 489]

« Rather than being moral rationalists who reason from general principle to specific judgment, it appears as if people have a “moral toolbox” available to them where they selectively draw upon arguments that help them build support for their [prior] moral intuitions. [ . . . ] the present studies do [ . . . ] suggest that moral judgments can be influenced by social desires or motivations, and that moral principles can be rationalizations for other causes of the judgment. Sometimes principles are used in an impartial manner.

[ . . . ] we have no easy way of verifying whether the principles we passionately invoke for our moral judgments are truly guiding our judgment in the unbiased fashion we think they are. [ . . . ] » [Uhlmann et al., 2009, p. 489]

Wir sehen somit moralische Willkür, unterstützt von kognitivem Opportunismus (um nicht zu sagen: von kognitiver Prostitution). Von hier aus führen verschlungene Pfade einerseits zur “Argumentative Theory of Reasoning” [Mercier & Sperber, 2017], andererseits zum “Social Functionalist Framework for Judgment and Decision Making” [Tetlock, 2002]. Willkommen im Herz der Finsternis.

9.5 Voraussetzungen und Perspektiven

Zurück nun zu Yims Doppelstandard. Zunächst einmal erscheint seine Kritik oben überzeugend – sie beruht jedoch auf Voraussetzungen, die Yim nicht thematisiert, sondern als selbstverständlich unterstellt. Ich möchte im Folgenden genau diese Voraussetzungen hinterfragen – nicht etwa, um seine obige Kritik zu entkräften, sondern um dialektische Verwicklungen aufzuzeigen, die bei Doppelstandards nun mal auftreten können, und die berücksichtigt werden müssen, wenn man den Vorwurf des Doppelstandards erhebt (Verwicklungen, die Yim lieber ausblendet).

Offenbar unterstellt Yim, dass weibliche und männliche Sport-Journalisten in etwa gleich gute bzw. schlechte Voraussetzungen für ihren Beruf mitbringen. Glauben dies auch jene Leute, die Yim kritisiert? Was wäre etwa, wenn diese Leute der Ansicht wären, dass weibliche Journalisten weniger auf Grund ihrer fachlichen Qualifikation eine Anstellung finden, als vielmehr auf Grund anderer Kriterien: Quoten, Busen-Bonus, persönliche Beziehungen od. dgl.? (Denken wir zurück an die werte Präsidentin des MIT, die wegen “diversity” und “inclusion” ernannt worden ist – siehe Seite 23 oben.)

Es handelt sich dabei um einen empirische Hypothese jener Leute, und es kann uns hier nicht darum gehen, sie zu überprüfen. Auch werden wir sie im Folgenden nicht als wahr oder zumindest plausibel unterstellen. Stattdessen fragen wir, was aus dem von Yim diagnostizierten Doppelstandard wird, wenn jene Leute tatsächlich glauben, dass weibliche Journalisten nicht auf Grund von fachlichen Auswahl-Kriterien ihre Anstellung finden.

Denn nun erscheint die kritisierte “disproportional scrutiny” nicht als Schikane, sondern als Ausdruck der Forderung, weibliche Journalisten müssten einschlägige Sport Erfahrungen aufweisen, und damit als ein Versuch, die mangelnde Qualifikation dieser Frauen auszugleichen. An männliche Journalisten muss eine derartige Forderung gar nicht gestellt werden, denn – so glauben zumindest jene Leute – Männer werden allein auf der Basis ihrer fachlichen Qualifikation als Journalisten angestellt. Yims Vorwurf der “special indulgence” würde somit auf dem Missverständnis beruhen, dass jene Leute die Sport-Erfahrungen nicht nur von Frauen fordern, sondern auch von Männern.

In unserer dialektischen Situation steht nicht zur Debatte, ob die hier skizzierten Ansichten der von Yim kritisierten Leute richtig oder zumindest plausibel sind. Vielmehr soll gezeigt werden, wie der von Yim unterstellte Doppelstandard verschwindet, sobald seine Voraussetzungen aufgegeben und durch gewisse andere Annahmen ersetzt werden. Selbstverständlich immunisiert dies jene Leute nicht gegen eine Kritik ihrer Annahmen – doch in dem von mir skizzierten Szenario kann man ihnen keinen Doppelstandard mehr vorwerfen: Sie behandeln weibliche und männliche Sport-Journalisten unterschiedlich, weil sie glauben, dass hierbei ein relevanter Unterschied besteht. Ob in diesem Fall tatsächlich ein solcher Unterschied vorliegt, ist eine wichtige Frage – doch sie ist irrelevant, wenn es darum geht, ob sich diese Leute eines Doppelstandards schuldig gemacht haben.

Wir wissen nicht, was jene Leute tatsächlich glauben, die Yim kritisiert. Was wir dagegen wissen: dass Yim die Perspektive dieser Leute einnehmen muss, wenn er ihnen die Anwendung eines Doppelstandards vorwerfen will. Es nützt wenig, dass Yim sich bestens auskennt mit weiblichen und männlichen Sport-Journalisten, ihrer Qualifikation und ihrem beruflichen Werdegang. Wenn jene Leute tatsächlich einen Doppelstandard anwenden, dann müssen sie zwei Sachen oder Personen, die in ihren – nicht Yims – Augen gleich sind oder das Gleiche tun, unterschiedlich bewerten oder behandeln. Hierfür ist die – möglicherweise verzerrte – Perspektive dieser Leute ausschlaggebend, und nicht Yims besseres Wissen.

Spielen wir diesen Perspektiv-Wechsel an einem weiteren Szenario durch: Nehmen wir an, jene Leute hätten keine spezifischen Ansichten darüber, wie weibliche oder männliche Journalisten ihre jeweilige Anstellung erhalten. Wäre unter dieser Voraussetzung Yims Vorwurf des Doppelstandards gerechtfertigt? Möglicherweise nein. Denn was wäre etwa, wenn jene Leute, die Yim kritisiert, die Ansicht hätten, dass die meisten Männer ohnehin über die gewünschte Trainings-und Wettkampf-Erfahrung verfügen?

Wem eine solche Auffassung befremdlich vorkommt, der möge sich daran erinnern, dass es eine ganze Reihe von Menschen gibt, die tatsächlich glauben, dass Männer sich im allgemeinen besser mit der Technik auskennen als Frauen (nicht etwa, weil sie Männer sind, sondern auf Grund bestimmter Interessen und Neigungen einerseits und bestimmter Erwartungen und Zumutungen andererseits, welche die Mitmenschen an sie herantragen). Ähnlich gibt es viele Leute, die allen Ernstes glauben, dass Frauen sich im allgemeinen besser mit Kleinkindern auskennen als Männer (wiederum nicht etwa deshalb, weil sie Frauen sind, sondern auf Grund bestimmter Interessen und Neigungen einerseits und andererseits bestimmter Erwartungen und Zumutungen, welche die Mitmenschen an sie herantragen.) Und auf ähnliche Weise sind viele Menschen der Meinung, dass Männer im allgemeinen mehr Sport-Erfahrungen aufweisen als Frauen.

Nun bezieht sich Yims Analyse auf die Zustände in den USA. Und dort hat der Sport eine große, um nicht zu sagen: existentielle Bedeutung inne.7 Was wäre nun, wenn das Männerbild jener Leute, die Yim kritisiert, uns einen Kerl präsentieren würde, der sich nicht bloß für sportliche Wettkämpfe interessiert, sondern der selbst sportlich aktiv ist, oder es zumindest lange Zeit war: Der gar nicht umhin kommt, sich seinen Mitmenschen zu empfehlen als ein ehrgeiziger Teamplayer, der jede sportliche Herausforderung sucht und mit unschuldiger Brutalität durchkämpft – bis aufs Blut, versteht sich.

7Hierzu finden wir in der Wikipedia einen Überblick:

« Sports in the United States are an important part of American culture. [ . . . ]

« [ . . . ] The market for professional sports in the United States is roughly $69 billion, roughly 50% larger than that of all of Europe, the Middle East, and Africa combined. All four [major professional sports leagues in the United States] enjoy wide-ranging domestic media coverage [ . . . ] » [Link29]

« Sports have been a major part of American broadcasting since the early days of radio. Today, television networks and radio networks pay millions (sometimes billions) of dollars for the rights to broadcast sporting events. [ . . . ] Sports are also widely broadcast at the local level, ranging from college and professional sports down to (on some smaller stations) recreational and youth leagues. […]» [Link30]

« Sports are particularly associated with education in the United States, with most high schools and universities having organized sports, and this is a unique sporting footprint for the U.S. College sports competitions play an important role in the American sporting culture, [ . . . ] » [Link31]

« The extent to which sports are associated with secondary and tertiary education in the United States is rare among nations. Millions of students participate in athletics programs operated by high schools and colleges. [ . . . ] » [Link32]

Und möglicherweise ist es jenen Leuten, die Yim kritisiert, aufgefallen, dass haupt sächlich von Title IX (Public Law, Education Amendments of 1972, [Link33]) gesprochen wird, wenn es eigentlich um das Engagement und die Leistungen normaler Frauen im Sport geht.8 Ein Mann, so könnten jene Leute folgern, der auch nur bis zu seinem College-Abschluss sportlich aktiv war, hat eine gute Chance, semi-professionell Sport getrieben zu haben. Gleiches kann man von Frauen nicht unbedingt behaupten: Um die gesetzlichen Anforderungen von Title IX zu erfüllen, müssen für Wettkämpfe in der größten Sportnation der Welt immer wieder weibliche Sportler aus dem Ausland rekrutiert werden.9

8Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang die Rhetorik des Artikels unter [Link34], denn dort geht es weniger um das Engagement normaler Frauen im US-Sport, als vielmehr um die große Bedeutung von Title IX für die Befreiung einer unterdrückten Minderheit.

9Vgl. « Um eine entsprechende Anzahl von Wettkampfsport treibender Frauen zu bekommen, haben amerikanische Hochschulen regelmäßig auch Leistungssportlerinnen aus dem Ausland rekrutiert » [Link35]. Allerdings spielen auch Leistung und Motivation eine Rolle: Viele ausländische Amateur- Sportlerinnen zeigen einfach mehr Engagement und werden deshalb für die USA angeworben [Weston, 2006].

Zurück zu unserem dialektischen Ausgangspunkt: Wir wollen prüfen, was aus Yims Vorwurf des Doppelstandards wird, wenn wir Yims politisch korrekte Voraussetzungen aufgeben und durch gewisse andere Annahmen ersetzen. Diese hypothetischen Annahmen vertreten wir nicht um ihrer selbst willen – sie dienen allein einer alternativen Perspektivierung des von Yim kritisierten Verhaltens: Bei weiblichen Sport-Journalisten wird genau geprüft, ob sie einschlägige Sport-Erfahrungen aufweisen – bei männlichen hingegen nicht. Sobald wir prüfen, ob andere Leute einen Doppelstandard anwenden, müssen wir in der strittigen Sache die Perspektive dieser Leute berücksichtigen – nicht, um diesen Leuten Recht zu geben, sondern um zu ermitteln, ob sie relevante Unterschiede zwischen jenen Dingen oder Personen zu sehen glauben, auf die sich ihre Inkonsequenz angeblich erstreckt.

Obwohl wir nicht wissen, was jene Leute glauben, die Yim kritisiert, haben wir spekuliert, dass sie den meisten Männern einschlägige Sport-Erfahrungen attestieren – der Mehrheit der Frauen jedoch nicht. Beides aus den oben genannten Gründen. In diesem hypothetischen Szenario ist es nun herzlich gleichgültig, dass Yim sich bestens auskennt mit der Unsportlichkeit männlicher Journalisten (“. . . many of the men who are both successful and popular sports anchors also lack that very experience”). Die Leute, denen Yim einen Doppelstandard vorwirft, sehen dort einen relevanten Unterschied, wo Yim keinen sieht. Yim mag es besser wissen – doch dies rettet seinen Vorwurf nicht. Denn jeder Doppelstandard benötigt eine subjektive Basis (eine Basis im ‘Subjekt’) – dort, wo dieser Rückhalt fehlt (wie bei jenen Leuten), kann auch kein Doppelstandard entstehen.

Soviel Fairness muss also sein: Wenn wir anderen Leuten einen Doppelstandard vorwerfen, dann dürfen wir unsere eigene Perspektive auf die betreffenden Dinge oder Personen nicht absolut setzen. Dass Yim genau diesen Schritt unterlässt, liegt möglicherweise daran, dass er seine politisch korrekten Voraussetzungen nicht in Frage stellen will oder darf. Eine solche Einseitigkeit – um nicht zu sagen: Unfairness – gilt es zu vermeiden, darum bin ich auf diesen Punkt der persönlichen Perspektive so ausführlich eingegangen: Fassen die Leute, denen wir einen Doppelstandard vorwerfen, jene Dinge oder Personen, auf die sich ihre Inkonsequenz angeblich bezieht, wirklich in der relevanten Hinsicht als gleich auf?

Mit dieser behutsamen Frage können wir unsere Analyse der Doppelstandards vorerst abschließen.

9.6 Kleiner Ausblick

Bisher haben wir noch nichts zu dem gesagt, was im Wikipedia-Zitat oben als “the philosophy or belief system informing which principles should be applied to those [similar] circumstances” umschrieben wird (siehe das Zitat auf Seite 21 oben). In dieser Formulierung deutet sich eine Möglichkeit an, die weitreichende Konsequenzen hat: Könnte es sein, dass manche Doppelstandards durchaus ihre Berechtigung haben? Ich denke, diese Frage müssen wir positiv beantworten. Doch wer mag diese bittere Pille schlucken?

Um hier nur eine Begründung anzudeuten: Erinnern wir uns an einen Punkt, auf den ich weiter oben hingewiesen habe: Der Fehler beim Doppelstandard ist kein moralischer, sondern ein kognitiver. Wenn wir uns den kategorialen Unterschied zwischen “kognitiv” und “moralisch” vor Augen halten (Darstellung / Vorstellung vs. Norm, Präferenz, Wertung), dann ist wohl erkennbar: So manche kognitive Fehler mögen in besonderen Situationen moralisch nicht nur akzeptabel, sondern sogar geboten sein. Dies müßte man anhand passender Beispiele deutlich machen.

Konsequenterweise müssen wir dann natürlich auch fragen, nach welchen Kriterien wir beurteilen können, wann ein gegebener Doppelstandard moralisch berechtigt ist. Derartige Fragen führen zu komplizierten und voraussetzungsreichen Überlegungen . . . Es ist wohl klar, dass wir diese Diskussion hier nicht führen können – nicht hier und nicht heute. Stattdessen möchte ich dem Leser noch zwei Fragen mit auf den Weg geben, die ich mir beim Schreiben dieses Textes immer wieder gestellt habe:

  • Kann es unter feministischen Voraussetzungen (Perspektive!) überhaupt einen Doppelstandard in Bezug auf Männer und Frauen geben: zumindest in Bezug auf gemeinsamen Sex und die Verhütung? Und vielleicht noch wichtiger:
  • Kann es unter patriarchalen Voraussetzungen einen solchen Doppelstandard geben?

Mit derartigen Fragen gelangen wir zu den Fundamenten unseres Soziallebens: zu fehlender Gleichstellung und auch fehlender Gleichberechtigung. Doch auch diese Aspekte können wir im Augenblick bloß andeuten, aber nicht weiter verfolgen.

10 « Jetzt geht wieder alles von vorne los »

Sogar in unserem kleinen, feministischen Kolloquium müssen wir irgendwann mal zu einem Ende kommen. Darum haben wir uns in den vorhergehenden Ausführungen auf das unbedingt Notwendige beschränkt. Noch Vieles wäre zu analysieren, noch Vieles wäre zu ergänzen – doch für heute wollen wir es bei dem Gesagten belassen. Was noch bleibt, ist die Würdigung jener einen Instanz, der wir alle überantwortet sind.

Queen and huntress, chaste and fair, Now the sun is laid to sleep, Seated in thy silver chair, State in wonted manner keep

Earth, let not thy envious shade Dare itself to interpose; Cynthia’s shining orb was made Heav’n to clear, when day did close

Hesperus entreats thy light, Goddess, excellently bright, Bless us then with wished sight, Thou, that mak’st a day of night.

Ben Jonson: Cynthia’s Revels, Act III, Scene iii, [Link36].

Literatur

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Hier auch der Beitrag wie vom Autor gewünscht als

Jochen_Schmidt__Gastbeitrag__Jessica_Valenti_ueber_Doppelstandards__03-11-2019 (2)

83 Gedanken zu “Jessica Valenti über Doppelstandards (Gastbeitrag)

  1. Danke für diesen ausführlichen Gastbeitrag.
    Zum Thema Verhütung gibt es noch eine nicht unwichtige Sache zu erwähnen, die im Beitrag nicht explizit erwähnt wurde.

    Tatsächlich stehen Frauen sage und schreibe 22(!) verschiedene Methoden zur Empfängnisverhütung offen, Männern allerdings nur zwei, Kondome und Vasektomie.

    Somit ist es blanker Hohn von Doppelstandards zu sprechen.

    http://maennerrechte.org/verhuetungsmethoden-freiheit-und-gleichberechtigung/

    • Es gibt von Valenti hierzu einen Einwand, den ich nicht so ganz abwegig finde. Sie sagt: Viele Verhütungs-Methoden speziell für Männer werden von Männern abgelehnt, weil sie irgendwie Sorge haben, dass hierdurch ihre Potenz gemildert oder gefährdet wird. Konsequenz: Die Industrie hat wenig Anreiz, Verhütungs-Methoden speziell für Männer zu entwickeln (oder zu verbessern), weil sie Sorge hat, dass die Männer dieses Zeug nicht kaufen werden.

      Ich habe das in meinem Text nicht berücksichtigt, aber man müsste dies mal genauer untersuchen. Abwegig scheint mir Valentis Einwand nicht.

      • Der Einwand klingt zunächst plausibel, baut aber auch wieder auf einem tendenziell männerfeindlichen Topos auf (Männer, die halt einfach nicht so tapfer sind wie Frauen). Dass die Wissenschaft nicht an Verhütungsmethoden für Männer forschen würde, ist nachweislicher Quatsch. Ebenso unsinnig ist es, beides gleichzustellen, so als wäre es mindestens genauso einfach, bei Männern Verhütungsmaßnahmen, vergleichbar mit der Pille für Frauen, zu entwickeln, denn das ist es eben nicht. Im Gegensatz zum weiblichen Körper kennt der männliche Körper keine unfruchtbaren Zeiträume. Während man bei der Frau also einfach nur durch Zuführung von Hormonen dem Körper vorgaukeln braucht, es wäre gerade so eine Zeit, in der keine Eisprünge vonnöten wären, muss man bei Männern erwiesenermaßen weit tiefer in die biochemische Trickkiste greifen. Die letzten erfolgsversprechenden Resultate ergaben aber im Test erhebliche Begleiterscheinungen, vor allem psychischer Natur (Depressionen bis hin zu Selbstmordwünschen). Darüber machten sich dann viele Feministinnen lustig(ich glaube sogar besagte Jessica Valenti gehörte mit dazu) und sahen dies mal wieder als Beweis für die männliche Weinerlichkeit.

        Ihr Einwand diesbezüglich ist daher nicht wirklich plausibel, sondern bei genauerer Betrachtung strunzdoof und nur von der Überzeugung getragen, dass ausreichender Männerhass jegliche Sachkenntnis obsolet machen kann.

        • „Die letzten erfolgsversprechenden Resultate ergaben aber im Test erhebliche Begleiterscheinungen, vor allem psychischer Natur (Depressionen bis hin zu Selbstmordwünschen). Darüber machten sich dann viele Feministinnen lustig(ich glaube sogar besagte Jessica Valenti gehörte mit dazu) und sahen dies mal wieder als Beweis für die männliche Weinerlichkeit.“

          Zum Lustigmachen lud ein, dass die Placebo-Gruppen die gleichen Nebenwirkungen mit selber Häufigkeit meinten zu verspüren wie die tatsächlich Behandelten, sprich aus rein medizinischer Sicht gab es an den Präparaten wohl Nichts zu beanstanden (die Pille für die Frau führt hingegen bekanntermaßen jährlich zu Toten, was aber ein eher schulterzuckend akzeptiertes Risiko ist).

          • Zunächst mal ist das sachlich eine Falschaussage, dass aus rein medizinischer Sicht nichts zu beanstanden sei. Denn wenn das so wäre, hätten besagte Medikamente eine Zulassung bekommen.

            Der (Pharma)industrie geht es (wie jedem kapitalistischem Unternehmen) um Geld und nicht ums Patriarchiat. Da denkt sich keiner „hmm wir tun den armen Männern nix an, aber die Frauen ja die unterdrücken wir mit einer tödlichen Pille“. Wer elementare Logik versteht – wie sie weiter oben von Billy angeführt wird, ist es bei der Frau einfach einfacher wirksam in den Hormonkreislauf einzugreifen.

            Dass die Pille für die Frau zu Toten führt, mag im Einzelfall stimmen, deswegen verschreibt man es ja so gerne (auch die Frauenärzte sind in Wirklichkeit nur auf der Suche nach Femiziden!), jedoch ist es jeder Frau offen eine Pille zu nehmen oder nicht. Individuelle Entscheidung.

          • „…(die Pille für die Frau führt hingegen bekanntermaßen jährlich zu Toten, was aber ein eher schulterzuckend akzeptiertes Risiko ist).“

            Zuallererst ist es ein selbstgewähltes Risiko.

          • „(die Pille für die Frau führt hingegen bekanntermaßen jährlich zu Toten, was aber ein eher schulterzuckend akzeptiertes Risiko ist).“

            Auch wenn ich weiß, dass das bei dir in diesem Kontext aussichtslos ist, gebe ich dennoch einen Hinweis auf ein Zauberwort: Verhältnismäßigkeit.

            Du kommst natürlich als „Gegenbeispiel“ mit jährlichen toten Frauen durch die Pille, um mal wieder die ewige Opferlitanei ablassen zu können. Das ist, gemessen an der Weltbevölkerung so erst einmal eine völlige Nullaussage. Es sterben an so ziemlich jedem verschreibungspflichtigen Präparat jährlich Menschen. Z. B. durch ärztliche Fehldiagnosen, Fehlverschreibungen oder infolge falscher Anwendung. Oder schlicht und ergreifend bis dato nicht bekannter individueller Unverträglichkeiten.

            Das, was du hier absonderst, ist einfach geistiger Dünnschiss!

            Aber sicher, der Spott durch Jahrzehnte des sich über „Männergrippe“ lustig Machens gestählter Femi-Trullas ist natürlich viiiiiiieeeeeeel relevanter, als die Schlüsse, die Mediziner aus den Tests, die du hier in völliger Umnachtung darstellst, gezogen haben. Würden Menschen mit deiner Geisteshaltung in diesen Bereichen das Sagen haben, das feministische Utopia einer auf maximal 10 % reduzierten männlichen Restbevölkerung wäre binnen weniger Jahre erreicht.

          • „Der (Pharma)industrie geht es (wie jedem kapitalistischem Unternehmen) um Geld“

            Hm, richtig.
            Meine gesammelte Ansicht runtergebrochen: Medikamente, die Männer temporär für die Dauer der Anwendung sterilisieren (chemisch kastrieren ist strenggenommen als Begrifflichkeit auch zutreffend – anders als Frauen erhielten Männer in den mir bekannten Testreihen aber auch eine „Normaldosis“ Testosteron gespritzt alle anderthalb bis zwei Monate zusätzlich zum eigentlich verhütenden Implantat) haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihrem Analogon, der ihnen aber leider letztlich zum Nachteil gereicht.

            Und zwar lässt sich bei Männern – anders als bei Frauen – die Fruchtbarkeit/Unfruchtbarkeit (im medizinischen Sinne) jederzeit auf simpelste Art und Weise MESSEN. Man dokumentiert also vor Beginn der Einnahme, wie flott und gesund die winzigen Kaulquappen des Patienten sich zeigen. Und dann ein paar Wochen mit Medikamenten muss man dann überprüfen, dass der Teich wunschgemäß nahezu ausgestorben ist, sozusagen. Aber am Schlimmsten für die industrielle Vermarktung ist ja, dass man nach dem Absetzen auch wieder belegfest überprüft, wie nah sie ihren Ausgangszustand wieder erreichen bzw. wie schnell. Ex-Patienten mit dauerhaft verminderter Fruchtbarkeit würden nicht aufhören zu klagen und immer Recht bekommen.

            Natürlich zieht man es im direkten Vergleich als Pharmaunternehmen dann vor, weiterhin ausschließlich auf die Gruppe der Konsumentinnen zu setzen, bei denen halt qua Biologie wenn dann nur sehr sehr selten klare Beweismittel Entschädigungszahlungen erzwingen erfahrungsgemäß.

          • Warum sollte man nicht mit den Schultern zucken? Eine Hauptursache für ein erhöhtes Sterberisiko kommt durch das Rauchen. Rauchen bei gleichzeitiger Pilleneinnahme erhöht das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Thrombosen und Schlaganfall zu erkranken.
            Aber natürlich lässt du solche Informationen dann auch mal einfach so unter den Tisch fallen und verschweigst solche Fakten einfach mal – oder glänzt wieder mal vor Ahnungslosigkeit.
            Im konkreten Fall habe ich allerdings kein Problem damit, dir böswillige Absicht zu unterstellen.

            Wenn Frauen also durch ihren Lebenswandel selbst für ein erhöhtes Sterberisiko sorgen, wieso sollte man da nicht mit den Schultern zucken? Macht ihr Feminazis doch bei Männern nicht anders.

          • @Semikolon

            Eigentlich hatte ich dir das schon erklärt.
            Das hier ist ablenkender Unfug oder ein „roter Hering“:
            „Zum Lustigmachen lud ein, dass die Placebo-Gruppen die gleichen Nebenwirkungen mit selber Häufigkeit meinten zu verspüren wie die tatsächlich Behandelten, sprich aus rein medizinischer Sicht gab es an den Präparaten wohl Nichts zu beanstanden.“

            Die mehrheitlich unter tatsächlichen depressiven Verstimmungen, Depressionen und Aggressionen leidenden hatte das konkrete Problem einer bestimmten Ethnie anzugehören, nämlich Asiaten.
            Das ursprüngliche Problem der Studie war, die allgemein angesetzte Dosis Testosteron wirkte bei den Europäern nicht.
            Aber diese Dosis wirkte bei den Asiaten.
            Also haben sie die Dosis für alle heraufgesetzt.
            Verstehst du?

            Die Betonung der Placebo-Gruppe ist unter dem Gesichtspunkt SPERMIENSUPRESSION – wir erinnern uns, DARUM GING ES – völlig irrelevant.
            Der Witz ist nicht, ob die Kontrollgruppe unter Nebenwirkungen litt, sondern wie die Erfolgsrate bei der ursprünglich verabreichten Dosis war – nämlich beschissen.
            Damit aber leichtgläubige Feministinnen wie du in das „Mimimi!“ einstimmen sollen, erfolgt nun eine gezielte Blicklenkung auf Nebengeräusche und das ist ihnen gelungen.

            Und hier hast du etwas völlig missverstanden: „anders als Frauen erhielten Männer in den mir bekannten Testreihen aber auch eine „Normaldosis“ Testosteron gespritzt alle anderthalb bis zwei Monate zusätzlich zum eigentlich verhütenden Implantat)“

            Es gab (s.o.) weder eine „Normaldosis“ und auch kein „eigentlich verhütendes“ Implantat.
            Die Dosis Testosteron ist immer weiter erhöht worden und das Implantat war vorher überhaupt nicht vorgesehen.
            Das wurde aus Akzeptanzgründen hinzugefügt, weil die Spermiensupression nur über das Testosteron viel zu lange gedauert hätte.
            Der Witz ist, bei dem Implantat handelt um das für Frauen identische Hormonimplantat – was bedeutet, der Mann nimmt nicht nur das Verhütungsmittel, welches solitär bei ihm wirken sollte, sondern noch zusätzlich das der Frau.

            Erkenne den Fehler, Semikolon! 🙂

          • Quellen für Deine Behauptungen beizubringen war hier nicht so Dein Ding, das hatte ich doch richtig in Erinnerung, Crumar?

          • Semikolon, du würdest die Quellen souverän missverstehen und falsch deuten, weil du eben bist, wie du bist. Die tatsächliche „Kontrollgruppe“ der ganzen Studie waren korrupte Medien, selbstgerechte und heuchelnde Feministinnen sowie eine verblödete Öffentlichkeit.

            Die eigentliche Preisfrage war: Wie lange kann ich Testosteron in hohen Dosen langfristig verabreichen und der Öffentlichkeit weiß machen, es gibt gutes Testosteron, wenn ich es Männern spritze und böses, wenn es Bodybuilder tun oder DDR-Sportler getan haben?

            Die Souveränität, mit der die gesamte Öffentlichkeit diese kognitive Dissonanz gelebt hat, weil ein paar Autoritätsfiguren in Arztkitteln – auf denen BASF und UN steht – ihnen bullshit erzählt, fand ich beeindruckend.

          • wie gesagt, da gibt es ja ,wenn die Information oben stimmt noch 21 andere Methoden. Eigentlich noch eine mehr: nicht ficken. 100% Wirkung 0% Nebenwirkung. Sollte doch für Frauen kein Problem sein, da es ja sowieso immer die schwanzgesteuerten Männer sind die Sex wollen, worauf die Frauen dann aus lauter Güte und Mitleid eingehen, da sie ja im Gegensatz zu Männern überhaupt nicht triebgesteuert sind ?

      • „Viele Verhütungs-Methoden speziell für Männer werden von Männern abgelehnt, weil sie irgendwie Sorge haben, dass hierdurch ihre Potenz gemildert oder gefährdet wird.“

        Viele Verhütungsmethoden für Männer? Welche denn genau, es gibt doch nur Kondome und Vasektomie.

        Viele Männer warten doch sehnsüchtig darauf eine derart simple Verhütungsmethode wie die Pille zu bekommen (etwas, das Frauen seit über 50 Jahren haben). An dem Vasalgel wird auch schon seit x Jahren geforscht ohne dass es erhältlich wäre.

        Von daher:
        „Viele Verhütungs-Methoden speziell für Männer werden von Männern abgelehnt“? Ich würde gerne von drei zugelassen Alternativen zu Kondomen und Vasektomie erfahren, die Männer angeblich ablehnen.

        Selbst die Pille für den Mann, die aufgrund teils tödlicher Nebenwirkungen keine Zulassung bekommen hat wollten 75% der Teilnehmer der Versuche weiter benutzen.

        • „Selbst die Pille für den Mann, die aufgrund teils tödlicher Nebenwirkungen keine Zulassung bekommen hat wollten 75% der Teilnehmer der Versuche weiter benutzen“

          Ich interessiere mich ja wirklich sehr für das Thema und habe noch nirgendwo irgendwas gelesen, was diese Aussage auch nur ansatzweise decken könnte. Der Autor von „Die Pille und ich“ z.B. hasste es, dass seine Frau ihn unter reguliertem Hormoneinfluss unterm Strich für einen deutlich besseren Partner hielt; würde zwar jedem Mann empfehlen, das mal auszutesten, es selbst jedoch niemals wieder tun.

          NB: es gibt auch ein Männer-Medikament mit potentiell tödlichen Nebenwirkungen (die ebenso achselzuckend hingenommen werden wie analog bei der Frauen-Pille), bekannt unter dem Markennamen Viagra.

          • „NB: es gibt auch ein Männer-Medikament mit potentiell tödlichen Nebenwirkungen (die ebenso achselzuckend hingenommen werden wie analog bei der Frauen-Pille), bekannt unter dem Markennamen Viagra.“

            Da siehst Du mal, wie es um diese männerverachtende Gesellschaft bestellt ist. Man(n) ist lieber tot, als impotent (und damit wertlos).

          • Du rennst bei mir offene Türen ein, wenn Du die leichtfertige, soviel ich las meist unkontrollierte, je nach Fall auch regelmäßige Einnahme von _eigentlich_ rezeptpflichtigen Potenzmitteln als falsch kritisierst.

            Für „normalgesunde“ Männer unter sagen wir mal vielleicht 50 dürften die imho eigentlich überhaupt keine Option sein, weil es sich bei ihren etwaigen Standschwierigkeiten dann doch eigentlich nur um ein mentales/emotionales Problem handeln kann?

            Allerdings hat das ganze Elend von außen betrachtet auch etwas tragisch-Komisches… ich mein: wunderte es uns denn wirklich, wenn mehrheitlich chemisch-kastrierte (oder man könnte auch sagen impotente) junge Frauen plus eine zusätzliche, jährliche, sechsstellige Anzahl (in D) Hysterektomierter in der Folge zu vermehrter, männlicher Impotenz führte?

          • @Semi
            Was redest du nur immer für einen Unsinn?
            Viagra ist genauso wie alle anderen Potenzmittel mit der selben Wirkweise verschreibungspflichtig.
            Und wer das Zeug nimmt, der muss auch mit Nebenwirkungen rechnen.

            Und was soll das hier?
            „wunderte es uns denn wirklich, wenn mehrheitlich chemisch-kastrierte (oder man könnte auch sagen impotente) junge Frauen plus eine zusätzliche, jährliche, sechsstellige Anzahl (in D) Hysterektomierter in der Folge zu vermehrter, männlicher Impotenz führte?“

            Wie sollen denn Frauen „impotent sein“ ? Hast du dir mal selbst zwischen die Beine geschaut? Das kann man immer benutzen, ggf. braucht man halt Schmierstoffe

      • „Viele Verhütungs-Methoden speziell für Männer werden von Männern abgelehnt, weil sie irgendwie Sorge haben, dass hierdurch ihre Potenz gemildert oder gefährdet wird. Konsequenz: Die Industrie hat wenig Anreiz, Verhütungs-Methoden speziell für Männer zu entwickeln (oder zu verbessern), weil sie Sorge hat, dass die Männer dieses Zeug nicht kaufen werden.“

        Valenti schließt – wie jede ordentliche Feministin – vom Speziellen auf das Allgemeine.
        Männer delegieren die Last der Verhütung nicht auf die Frauen, weil sie so den Sex in vollen Zügen genießen können, sondern weil die derzeitigen Kontrazeptiva entweder gar nicht erhältlich (da noch in der Testphase), oder mit schweren bis lebensgefährlichen Nebenwirkungen behaftet sind.

        Gäbe es so ein Kontrazeptivum ohne große Nebenwirkungen, es wäre DER Verkaufsschlager des Jahrhunderts. Vögeln ohne Reue und ohne Angst (vor Schwangerschaft), DAS ist es, wovon Männer träumen.
        Nichts wäre ihnen lieber, als die Verhütung wirklich unter eigener Kontrolle zu wissen.

        Alles andere wäre maximal unlogisch.

        Aber welche feministische These ist schon logisch?

        • Es geht deutlich weiter. Die Pille (genauer:alle hormonellen Verhütungsmittel) sind die Wunderwaffe der Frauen um ihre Fortpflanzung ohne das Wissen des Partners zu steuern. Damit hat die Frau alle Trümpfe in der Hand und der Partner muss dann (zur not staatlich gezwungen) die Konsequenzen tragen.
          Dass Feministinnen nicht sehen wieviel Macht die normale Frau mit diesem Mittel hat liegt daran, dass sie nie aus der eigenen Opferperspektive raustreten können. Da wartet ein grausames Erwachen auf viele Frauen.

          • Es gibt genau drei Verhütungsmethoden für Männer.

            1. kein Sex mit Frauen
            2. Kondome
            3. Sterilisation

            Oder sich der Frau ausliefern. Deine Entscheidung. Wo ist das Problem?

    • @Netreaper

      22 Methoden? Ich habe mal Google befragt und komme „nur“ auf 13 Methoden, die allein von der Frau anwendbar sind. Die natürlichen Methoden habe ich mal ausgeklammert, weil sie theoretisch von Beiden genutzt werden können.

        • „Dann hätte es sicher geholfen den Link zu lesen den ich gepostet habe und nicht falsch zu googlen.“

          Hast ihn selbst nicht gelesen, oder kannst nicht zählen und maulst mich hier an? 😀
          Und wenn ich dann sehe, dass eine Methode wie die Pille 6 x aufgeführt ist, obwohl es da nur kleine Unterschiede in der Dosierung bzw. Einnahmezeit gibt, dann liege ich mit meinen 13 Methoden doch ziemlich richtig. Ansonsten sind es bei den Männern nämlich auch viel mehr Möglichkeiten, als Du schreibst. Es gibt nämlich :
          Kondome transparent
          Kondome farbig
          Kondome ohne Noppen
          Kondome mit Noppen
          Kondome mit Geschmack
          …….

          Und jetzt verrate ich Dir noch ein Geheimnis: Gäbe es eine ernst zunehmende Nachfrage, gäbe es auch mehr Möglichkeiten für Männer. Also hör auf zu jammern und erfinde welche!

          • „Und wenn ich dann sehe, dass eine Methode wie die Pille 6 x aufgeführt ist, obwohl es da nur kleine Unterschiede in der Dosierung bzw. Einnahmezeit gibt, dann liege ich mit meinen 13 Methoden doch ziemlich richtig.“

            Für die Frau gibt es einmal NFP und dann noch die invasiven Methoden (dauerhafte oder temporäre).

          • @ ;
            „Für die Frau gibt es einmal NFP und dann noch die invasiven Methoden (dauerhafte oder temporäre).“

            Zählst Du Frauenkondome auch zu „invasiv“?

          • Das Frauenkondom (mit dem ich wie vermutlich die Allermeisten noch nie eine Begegnung hatte) wird eingeführt vor dem Verkehr ähnlich einem Diaphragma (kenn ich auch nur vom Weitem), also ja, eigentlich ist das technisch gesehen eine invasive Verhütungs-Methode. Nur halt ohne mögliche Langzeitfolgen (wenn man mal von Allergien absieht).

            Zählst Du Abtreibung eigentlich auch als „sichtbare, post-koitale Verhütungsmaßnahme“ (oder wie das in dem Link da hieß)?

          • „… also ja, eigentlich ist das technisch gesehen eine invasive Verhütungs-Methode.“

            Nun ja, wenn es nicht invasiv sein soll, muss die Frau eben ihre Vagina nach außen stülpen. Seegurken können so etwas mit ihrem Darm, glaube ich. 😀

            „Zählst Du Abtreibung eigentlich auch als „sichtbare, post-koitale Verhütungsmaßnahme“ (oder wie das in dem Link da hieß)?“

            Nein. Erstens per definitionem nicht und zweitens kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Frau das ernsthaft in Erwägung zieht. Soll natürlich nicht heißen, dass es nicht vorkommt, aber nein.

          • Das Femidom ist auch eine Barrieremethode, so wie das Diaphragma.
            Invasiv ist es doch erst, wenn es dauerhaft Wirkstoffe an den Körper abgibt, zB Hormone oder Kupfer-/Goldionen.

          • „wenn es nicht invasiv sein soll, muss die Frau eben ihre Vagina nach außen stülpen“

            Dann sind wir uns ja einig.

            „Nein. Erstens per definitionem nicht und zweitens kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Frau das ernsthaft in Erwägung zieht. Soll natürlich nicht heißen, dass es nicht vorkommt, aber nein.“

            Und nochmal. Dann wüsst ich aber wirklich gern, wie Du auf immerhin 13 verschiedene Methoden kommen willst.

            Und sogar noch spannender: für welche Methode konkret würden sich die versammelten Herren hier im Raum – also z.B. Du – denn am Liebsten entscheiden wollen, wären sie eine Frau?

            „Invasiv ist es doch erst, wenn es dauerhaft Wirkstoffe an den Körper abgibt, zB Hormone oder Kupfer-/Goldionen.“

            Das ist aber nicht die normale, medizinische Definition von invasiv.

          • „Und nochmal. Dann wüsst ich aber wirklich gern, wie Du auf immerhin 13 verschiedene Methoden kommen willst.“

            Auslegungssache. Letztendlich sind es 5 Arten. Chemisch, Hormonell, Mechanisch, Natürlich und Operativ. Aber bei bspw. Hormonen würde ich ich die Art der Darreichung (schlucken, spritzen, kleben…) schon unterscheiden.

            „Und sogar noch spannender: für welche Methode konkret würden sich die versammelten Herren hier im Raum – also z.B. Du – denn am Liebsten entscheiden wollen, wären sie eine Frau?“

            Kondome in Verbindung mit dem Ding, wahrscheinlich.
            https://www.amazon.de/dp/B00T9QMHA2?aaxitk=SvvCrLm0G.gmmSdV2O7zHA&pd_rd_i=B00T9QMHA2&pf_rd_p=5e2a70c8-77de-4865-9918-07306318c381&hsa_cr_id=4344295520602&sb-ci-n=productDescription&sb-ci-v=Cyclotest%20myWay%20-%20Verh%C3%BCtungscomputer%20mit%20Kinderwunsch-Funktion%20und%20integr.%20Basalthermometer%20zur%20sicheren%20Bestimmung%20der%20fruchtbaren%20Tage&sb-ci-a=B00T9QMHA2

          • „Invasiv ist es doch erst, wenn es dauerhaft Wirkstoffe an den Körper abgibt, zB Hormone oder Kupfer-/Goldionen.“

            Goldionen?
            Mit was für Höllenstoffen arbeitest Du? Metallisches Gold bildet freiwillig keine Ionen, daher ist es ja über riesige Zeiträume (Jahrzehntausende) so beständig.

          • „Goldionen?
            Mit was für Höllenstoffen arbeitest Du? Metallisches Gold bildet freiwillig keine Ionen, daher ist es ja über riesige Zeiträume (Jahrzehntausende) so beständig.“

            Frauen kriegen alles kaputt.
            Nein, es werden nur Kupferionen abgegeben.

          • „Frauen kriegen alles kaputt.“
            @Carnofis @Frank
            Jetzt habt ihr mich aber erwischt. Ich glaube, das Gold ist nur zur Infektionsprophykaxe da drin. Ich geh‘ mal nachlesen.
            Oder weil’s glitzert und sich dadurch besser verkaufen lässt. Wer weiß.

            Ansonsten.. Ich war wirklich der Meinung, wenn nur mechanisch reversibel in Körperhöhlen etwas eingelegt wird, dann wird es nicht als invasiv definiert, weil es nicht die Hautbarriere verletzt.
            Die Definition ist aber tatsächlich schwammig „in den Körper“.

            (Wie krieg‘ ich jetzt bitte das Seegurken-Gleichnis aus meinem Kopf!!! Uuuhhääähh.)

          • „Ich glaube, das Gold ist nur zur Infektionsprophykaxe da drin.“

            Um Kupfer zu überreden, seine Ionen abzugeben, bedarf es eines metallischen Kumpels, der in der elektrochemischen Spannungsreihe ein höheres Standardpotenzial aufweist. Man nennt dieses Metall dann „edler“. Das kann Gold, Silber, oder anderes sein. Sogar einige (Edel-)Stähle sind möglich, und da muss der Produzent dann (unbewiesene) Gründe wie z.B. die Infektionsprophylaxe vorbringen, warum man gerade das zufälligerweise teurere Gold genommen hat. 😉 Das Gold befindet sich übrigens im Kern des Kupferdrahtes und ist somit unsichtbar und zum Prahlen ungeeignet.

          • @Frank
            Mir schon klar, dass das Ding nicht glitzert, das war auch nur rumgewitzelt.
            Danke für die Erklärung, ich merk‘ mir das jetzt endlich mal. Grmmpf.
            Das mit der Infektionsprophylaxe bezog sich auch nur eher spaßig auf die so gehypten Silberpflaster.

          • „Um Kupfer zu überreden, seine Ionen abzugeben, bedarf es eines metallischen Kumpels, der in der elektrochemischen Spannungsreihe ein höheres Standardpotenzial aufweist.“

            Grundsätzlich stimme ich mit Dir überein. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Gold überhaupt in diese Spannungsreihe passt. So wie ich das in Erinnerung habe, muss das „edlere“ Metall auch angreifbar sein, nur dass es den Wunsch eines äußeren Mediums, seine Elektronen abzuziehen, an das unedlere Metall weiterleitet.
            Und in einer Redox-Reihe müsste das Gold in ionisierter Form vorliegen, damit es das Kupfer oxidieren kann/wird.
            Da Gold aber unter keinen Umständen (jedenfalls unter normalen Verhältnissen) Elektronen abgibt, dürfte auch ein Angriff auf das Kupfer genauso funktionieren, als gäbe es kein Gold-Inlet.

          • „Das mit der Infektionsprophylaxe bezog sich auch nur eher spaßig auf die so gehypten Silberpflaster.“

            DAS wiederum kann durchaus funktionieren.
            Schwermetalle greifen das Enzymsystem von Pilzen an und Silber ist als Nitrat oder Oxid äußerst wirksam gegen Pilzinfektionen und – meine ich – auch gegen Bakterien und Viren.
            Ähnlich wirksam ist zwar Kupfer, das aber wiederum das menschliche Enzymsystem auch angreift und üble Schwermetallvergiftungen zur Folge kann, deshalb nicht so sinnvoll einsetzbar ist.

          • @Carnofis
            merci, schnell mal aufgedröselt von Dir 🙂
            Vorhin beim fix nachgoogeln, wurde explizit damit geworben:
            „Der Goldkern in der Spirale verhindert außerdem, dass es zu einer vorzeitigen Korrosion bzw. Abnutzung des Kupferdrahtes kommt, und sorgt auf diese Weise für eine längere Haltbarkeit. Kommt es beim Tragen der Goldspirale zu keinen Komplikationen oder Nebenwirkungen, ist es prinzipiell möglich, die Goldspirale für unbegrenzte Zeit in der Gebärmutter zu belassen. “
            (https://www.netdoktor.at/sex/verhuetung/goldspirale-5450)
            Das war mir so auch noch nicht bewusst und erklärt dann wohl die höheren Preise.

            So ganz unrecht hatte ich nicht, auch beim Überfliegen der Herstellerseiten zielt das Marketing doch sehr auf das Attribut „edel“ und „wertvoll“ ab. 😉

            „Bei einigen Modellen enthält der Kupferdraht einen Silberkern, bei anderen besteht er aus einer Kupfer-Gold-Legierung. Ob diese Varianten jeweils Vorteile haben, ist nicht belegt. Gold- und Silberspiralen sollen durch den Ionen-Austausch zwischen den Metallen zudem die Anfälligkeit für Entzündungen und Scheidenpilze verringern. Auch dafür gibt es jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege.“
            (https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/kupferspirale/#c639)

          • „Auslegungssache. Letztendlich sind es 5 Arten. Chemisch, Hormonell,“

            Ist das nicht dasselbe?
            Oder wertest Du tatsächlich spermaabtötende Scheidenzäpfchen bzw. Salben, die sich die Diaphragma-Fraktion zusätzlich noch vor dem Verkehr einführen sollte um überhaupt diesen relativ miesen Pearl-Index (je nach Informant bis zu 20!) zu erreichen, seperat als eigene Methode?

            „Mechanisch, Natürlich und Operativ.“

            Fiele das Einbringen einer Spirale unter Narkose denn unter operativ, oder immernoch „nur“ unter mechanisch + chemisch (ach guck, da „passts“)? Und wenn es eine Hormonspirale wäre?

            Mir scheint ja die Unterscheidung non-invasiv und invasiv weiterhin als logischer.

            „Aber bei bspw. Hormonen würde ich ich die Art der Darreichung (schlucken, spritzen, kleben…) schon unterscheiden.“

            Wer klebt sich denn Hormone auf zu Verhütungszwecken? Ich nehme an, Dir fiel kein besseres Verb ein, um das unter die Haut schieben des Implantats zu beschreiben?

            Zu Deiner präferierten Verhütungsmethode (thx for your answer btw): sowas ist rausgeschmissenes Geld, ein Basalthermometer kriegste schon für um die 10 Euro. Nur: bitte nicht die Zervix(schleim)Beobachtung vernachlässigen. Erst die macht aus einer noch immer relativ unsicheren Methode eine nahezu perfekt sichere, vergleichbar der Pille (nur ohne Kosten, Risiken und Nebenwirkungen).

          • „Wer klebt sich denn Hormone auf zu Verhütungszwecken? Ich nehme an, Dir fiel kein besseres Verb ein, um das unter die Haut schieben des Implantats zu beschreiben?“

            Ich weiß nicht, wer das macht und „mein“ Verb finde ich sehr passend:

            https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/weitere-hormonelle-methoden/verhuetungspflaster/

            „Zu Deiner präferierten Verhütungsmethode (thx for your answer btw): sowas ist rausgeschmissenes Geld, ein Basalthermometer kriegste schon für um die 10 Euro. Nur: bitte nicht die Zervix(schleim)Beobachtung vernachlässigen. Erst die macht aus einer noch immer relativ unsicheren Methode eine nahezu perfekt sichere, vergleichbar der Pille (nur ohne Kosten, Risiken und Nebenwirkungen).“

            Das Thermometer ist in diesem Falle nur nützlicher Zusatz, da es hauptsächlich um die Messung der Hormone im Urin geht. Sozusagen Persona-Plus.

            Dafür, dass das ein Thema ist, welches Dich sehr interessiert, machst Du einen ziemlich ahnungslosen Eindruck.

          • Als ich unsere Große empfing, nutzte ich tatsächlich den Persona-Computer (zu Schwangerschaftsverhütungszwecken). Aber weil ich nicht selber Kalender geführt habe (schließlich bezahlte ich viel Geld dafür, eben die Verantwortung abzugeben), kam es zum Anwendungsfehler „Sex vor der Morgen-Toilette“.

          • Ich ahne was jetzt kommt: aber es gibt doch auch die Pille danach; das hätte Dir hätte doch einfallen müssen, nachdem Du das rote Licht sahst?! Well, no. Als ich jung war gabs die ja noch nicht, und so hatte ich sie einfach null aufm Schirm. Und ich hab auch wirklich gedacht „wird schon gutgehen“, denn vor wenigen Stunden wars ja noch „ganz safe“.

          • „Vorhin beim fix nachgoogeln, wurde explizit damit geworben:
            „Der Goldkern in der Spirale verhindert außerdem, dass es zu einer vorzeitigen Korrosion bzw. Abnutzung des Kupferdrahtes kommt, und sorgt auf diese Weise für eine längere Haltbarkeit.“

            Ganz offensichtlich eine esoterische Website, lass um Himmels Willen die Finger von solchen Experimenten.
            Wenn man Kupfer und Gold miteinander verbindet, dann passiert sehr, sehr wahrscheinlich – nichts.
            WÜRDE etwas passieren, dann wäre es genau das Gegenteil von dem, was in Deiner Werbebroschüre steht, die Kupferummantelung würde sogar deutlich schneller korrodieren, als wenn die ganze Spirale aus reinem Kupfer bestünde. Das Ergebnis wäre eine möglicherweise lebensgefährliche Kupfervergiftung.
            Aus dem Grund würde ich auch dringendst(!) von Spiralen mit einem Silberkern abraten. Solange das Silber mit dem feuchten Außenmilieu nicht in Berührung kommt, mag das unproblematisch sein, aber sobald auch nur eine winzige Verbindung – z.B. durch einen Kratzer beim Einsetzen – mit der Flüssigkeit in der Gebärmutter besteht, würde der Mechanismus der elektrochemischen Spannungsreihe zum Tragen kommen und das Silber würde bewirken, dass das Kupfer in seiner Ummantelung zu korrodieren beginnt.
            Hier wäre sogar ganz real, was ich bei der Gold/Kupfer-Kombination nur als Theorie beschrieb.

            Solche Redox-Reaktionen kannst Du auch in der Küche ohne großen Aufwand selbst beobachten, indem Du in einer Schüssel mit warmem Wasser einen Löffel Kochsalz und einen Löffel Soda löst.
            Legst Du dann in die Schüssel Alufolie – z.B. von der letzten Schokolade – und packst darauf Dein gesammeltes vergammeltes Tafelsilber, dann kannst Du direkt zugucken, wie das Silber innerhalb von Sekunden blank wird und sich die Alufolie auflöst.

            „Kommt es beim Tragen der Goldspirale zu keinen Komplikationen oder Nebenwirkungen, ist es prinzipiell möglich, die Goldspirale für unbegrenzte Zeit in der Gebärmutter zu belassen. “

            Genau, dann hat die Edelmetallseele keinen Kontakt zur Körperflüssigkeit – und ist sowohl nutz- als auch schadlos.

            „Das war mir so auch noch nicht bewusst und erklärt dann wohl die höheren Preise.“

            Reine Psychologie.

            „So ganz unrecht hatte ich nicht, auch beim Überfliegen der Herstellerseiten zielt das Marketing doch sehr auf das Attribut „edel“ und „wertvoll“ ab.“

            Sehr gut erkannt.

          • „@Carnofis
            Scheiße, ich habe eine Kupferspirale mit Silberkern!!!“

            Kein Problem. Carnofis hat zwar mit dem Meisten, was er sagt, Recht, aber ganz so dramatisch (Kupfervergiftung) ist es dann wohl doch nicht. Kupfer ist, wie Gold und Silber auch, ein Edelmetall. Das heißt, es hat ein positives Spannungspotential und ist nicht so großzügig in der Abgabe seiner Ionen, dass man sich vergiftet. Hinzu kommt, dass der ph-Wert (ca.4) vor Ort nicht so sehr sauer ist und sich die Elektrolyse zwischen Kupfer und Gold/Silber in Grenzen halten würde.
            Nun bin ich kein Chemiker, aber in diesem Falle habe ich schon Vertrauen in die Forschung, dass in der Hinsicht nichts schief laufen sollte.

          • „Nun bin ich kein Chemiker, aber in diesem Falle habe ich schon Vertrauen in die Forschung, dass in der Hinsicht nichts schief laufen sollte.“

            In die Forschung hätte ich auch Vertrauen. Nicht aber in esoterisch ausgebildete Heilsbringer und Propheten, die glauben, sie könnten Kupfer negative Eigenschaften durch gutes Zureden austreiben.
            Edelmetall hin oder her, relevant ist im Verzweiflungsfall die Spannungsreihe. Und da steht Silber über Kupfer. Der Korrosionsablauf wäre zwar nicht so spektakulär, wie bei der Relation Silber/Aluminium, aber er wäre vorhanden.
            Allerdings weiß ich nicht, ob die Abgabe von toxischen Ionen vielleicht sogar Sinn und Zweck solcher Spiralen ist.
            Wäre ich ne Frau, dann würde ich angesichts meiner chemischen Kenntnisse mich zumindest in dieser Frage sachkundig machen.

            Auf jeden Fall würde ich keine Gold/Kupfer-Variante einsetzen lassen, weil die ziemlich sicher nur den Zweck hat, dem Arzt und dem Hersteller der Spirale den nächsten Porsche zu finanzieren.

  2. Nach der Lektüre möchte ich doch einen Schritt zurückgehen und auf die Prämissen schauen:
    Ob es nun Gerechtigkeit, Gleichstellung, Gleichberechtigung, Fairness oder Äquivalenz-Regel genannt wird, woher kommt dieser allumfassende Fetisch in diesem Bereich? Unterschiede machen doch unser Leben aus, aber wir versuchen überall sie zu eliminieren. Wer nie Pech hatte, kann wirkliches Glück nicht bekommen. Die Dynamik zwischen Unterschiedlichem bringt uns voran, hält uns kreativ und am Leben.

    Natürlich müssen Menschen sich arrangieren, wenn sie zusammenleben wollen oder müssen. Aber muss das ausschließliche Ziel dabei Fairness sein? Könnte es nicht auch Liebe, Vertrauen, Geborgenheit, oder gar Frohsinn sein?

    Ich denke, dass in jeder Beziehung zwangsläufig und von außen betrachtet Ungerechtigkeiten herrschen. Nach der Äquivalenz-Regel könnten die sich ausgleichen. Aber eines fällt dabei unter den Tisch: Die Dimension der Liebe, wie sie zum Glück auch oft noch zu den eigenen Kindern besteht. Diese Liebe und Zusammengehörigkeit ist wertiger und existentieller als die Gerechtigkeit, sie lässt bei vielen Fünfe gerade sein – und führt dazu, dass in Beziehungen echte Ungerechtigkeiten von allen akzeptiert werden. Dass Toleranz und Großmut herrschen, eben weil eine wunderschöne Gefühlswelt zugrunde liegt. Mit Geborgenheit und Vertrauen.

    Vielleicht hat Frau Valenti das bei ihren Sexualpartnern noch nie erfahren dürfen, vielleicht kam es nie so weit, weil die Gefühle des Gegenübers in ihrem Doppelstandard-Moralgefasel ersoffen sind. Das ist traurig und zeigt mir, dass Gender- und Fairness-Gezänk nicht wirklich weiterbringen.

    Soviel zum Advent.

    • So ist es. Man muss zwar in jeder Beziehung immer mal seinen Standpunkt klar machen und ein bisschen verhandeln, damit die Belastung nicht zu einseitig wird, aber ansonsten gilt logischerweise und schon biologisch bedingt: eine Beziehung ist dann stark und erfolgreich, wenn die Partner sich gegenseitig gut ergänzen. Und das schließt eine (zu umfassende) Gleichheit normalerweise aus.

  3. Bei den hierzulande herrschenden Standards im Familien- und unterhaltsrecht ist es zumindest für einen gut verdienenden Mann geradezu ein Kamikazeunternehmen, sich beim Thema Verhütung auf die Frau zu verlassen. So ein kleiner Fehltritt kann nämlich ohne Weiteres mehr als 200.000 Euro kosten. Insofern ist der Skandal eher, dass es nahezu keine Verhütungsmittel für Männer gibt.

    • Woraus folgt, wenn man annimmt, die Mehrheit der Männer seien keine Kamikaze, dass Valenti&Konsorten bevorzugt mit Männern ins Bett steigen, denen vermeintlich das Risiko egal sei. Egal kann es u.a. für diejenigen Männer sein, die viele Frauen besteigen und von denen Frauen wissen, dass sie es tun. Das macht sie für Frauen begehrenswert, aber als Versorger untauglich: diese Männer müssen nicht verhüten, weil es die Frauen aus Sicherheitsgründen in jedem Fall selbst machen, egal, wie oft so ein Vielbesteiger beteuern möge, sich um die Verhütung zu kümmern. Valenti geht nur mit Vielfickern in die Kiste und fördert dadurch deren Verhütungsmuffelei. Sie kritisiert die Verhütungsignoranz und zieht nicht den Schluss, ihr Ficken mit Vielfickern zu unterlassen, sondern richtet den Vorwurf an den Standardmann, der im Gegensatz in jedem Fall verhüten würde, weil er kein Kamikaze ist. Auf diese Weise kann sie ohne Bedenken ihrer Promiskuität frönen und den Nachteil, dass sie sich um die Verhütung kümmern muss – als fatales Frauenschicksal verkaufen. Der Doppelstandard ist hier: die Verantwortung für die Verursachung der Ungerechtigkeit liegt nach Valenti beim Mann und nicht bei der Frau, obwohl beide Anteil an der Entstehung der Ungerechtigkeit haben.

      • lol – eigentlich ein guter Punkt, den du da machst,
        Mich interessiert das Geschwafel und Geheule von Feministinen nur insofern als dass man sich da dran ergötzen kann, wie sie leiden und jämmerliche Argumentationen hervorbringen. Schön zerlegt.

    • @rano
      „Insofern ist der Skandal eher, dass es nahezu keine Verhütungsmittel für Männer gibt.“

      Gibt doch genug verlässliche Verhütungsmethoden wie z.B. die Vasektomie oder das Kondom.
      Abgesehen davon – Der Mann, der heute so doof ist und eine schwängert, ist selbst doch irgendwie schuld.
      Wenn mir 200K wurst sind, dann immer rein mit der Wurst in das Senfglas .
      Ansonsten ist es doch einfach am cleversten, die Wurst in der Hose zu lassen.
      Dann kann man sich drüber amüsieren, wie das Prekariat rumjammert, während man sich selbst fragt, wo man seinen nächsten Urlaub verbringen soll.

      Aber gut – abgesehen von den ganzen Feministinnen und Parasiten gibt es ja auch noch ein paar vernünftige Frauen, die ebenfalls keine Kinder wollen. Man muss nur genug Intelligenz, Durchaltevermögen & Glück haben eine solche zu finden – und die muss einen dann ebenfalls noch wollen.

      • Tja, Ansichtssache. Ich habe es jedenfalls geschafft, zusammen mit meiner (Ex-)frau zwei wundervolle Kinder großzuziehen, die uns erstaunlich gut geraten sind. Und das ist ein sehr, sehr großes Glück, dass ich auf keinen Fall missen möchte. Und klar, nach Abschluss der Familienplanung habe ich eine Vasektomie vornehmen lassen.

      • Keine Kinder zu wollen, mag für manchen ins persönliche Konzept passen, aber es „vernünftig“ zu nennen, sträubt sich mir alles. Ich würde ohne zu zögern meinen Urlaub opfern, wenn das der einzige Weg zu Kindern wäre. Ist es aber Gott sei Dank nicht.

  4. Technische Bitte: In der PDF-Datei wie auch in dem HTML-Text hier im Blog sind alle Links kaputt.
    Beispiel: [Link1, Link2, Link3, Link4]
    Nach den Properties der PDF-Datei ist das Dokument mit LaTeX mit hyperref erzeugt worden – irgendwas ist da schief gegangen. Kann man das PDF noch mal neu generieren, so daß die internen und externen Links alle funktionieren, und dann möglichst mit einem Inhaltsverzeichnis (\tableofcontents) am Ende oder irgendwo vorne?

    • Da möchte ich jetzt nochmal nachfragen: Was genau funktioniert nicht?

      Im oben verlinkten PDF findet sich auf Seite 1 der Ausdruck „[Link1, Link2, Link3, Link4]“. Auf „Link1“ ist ein Hyperlink hinterlegt – was man erkennt, wenn man mit dem Mauszeiger auf den Ausdruck geht und dann draufklickt. Es öffnet sich dann im Browser die verlinkte Internet-Seite. Ebenso bei „Link2“ usw.

      Ich habe das bei der oben verlinkten PDF- Datei getestet – stichprobenartig (eben gerade, unter Windows).

      Diese Ausdrücke „Link1“, „Link2“ usw. sind nicht so zu verstehen: ursprünglich standen dort mal echte URLs, aber nun sind durch irgendwelche Konvertierungen die Internet-Adressen zu „Link1“ oder „Link2“ umgewandelt worden. Es sind echte Links, sie funktionieren, wenn man darauf klickt.

      • „Was genau funktioniert nicht?“
        Der von mir benutzte PDF-Viewer okular zeigt die Links im (offenbar voreingestellten) Modus, wo man Text markieren und kopieren kann, nicht an, nur im Navigationsmodus, das war mir bis gerade nicht bekannt. Sorry für den falschen Alarm.

  5. Kondome schützen ja auch vor Geschlechtskrankheiten.
    Ansonsten, wenn der Mann die Frau vorher zum Essen einlädt, kann er auch entweder die Kondome kaufen oder er lässt ihr halt ein paar Euro fuffzig als anteilige Kostenbeteiligung für Pille und Co. auf dem Nachttisch liegen.
    Ich habe das nicht getestet und weiß daher nicht, ob das „romantisch“ wirkt.

    • Ansonsten, wenn der Mann die Frau vorher zum Essen einlädt, kann er auch entweder die Kondome kaufen…

      Und sonst gehts noch? Natürlich wird mit Lümmeltüte gelümmelt, damit man sich nichts einfängt (und keinen Fremdbraten in die Röhre geschoben lassen bekommt.
      Aber die Frau zum Essen einladen? Wir leben in einer Welt der Gleichberechtigung, da darf Frau auch für sich selbst zahlen. 😛

    • Kostenbeteiligung für Pille kommt lächerlich rüber, wenn man nicht in einer Beziehung ist.
      Kondome kaufe ich zum Beispiel aus Sicherheitsgründen immer selbst. Sehe da aber jetzt kein Problem drin.
      Wenn der Mann schon das Essen bezahlt, kann die Frau auch die Kondome kaufen 😉

      • „Kondome kaufe ich zum Beispiel aus Sicherheitsgründen immer selbst. “

        Wenn das heißen soll, dass Du Männern nicht zutraust, unversehrte Kondome, deren MHD nicht abgelaufen ist, mitzubringen, wird es wohl eine Nummer mit 2 Kondomen. Denn viele Männer trauen den Frauen auch nicht.

        • „wird es wohl eine Nummer mit 2 Kondomen. Denn viele Männer trauen den Frauen auch nicht.“

          Hatte ich sogar schon mal 🙂
          mit einer Frau, die ich keinesfalls schwängern wollte, da war mir eines einfach zu unsicher.

        • @Frank:
          „Wenn das heißen soll, dass Du Männern nicht zutraust, unversehrte Kondome, deren MHD nicht abgelaufen ist, mitzubringen, wird es wohl eine Nummer mit 2 Kondomen. Denn viele Männer trauen den Frauen auch nicht.“

          Ich hatte noch keinen Mann, der mir in diesem Punkt nicht getraut hat.

    • „oder er lässt ihr halt ein paar Euro fuffzig als anteilige Kostenbeteiligung für Pille und Co. auf dem Nachttisch liegen“

      Ich würde niemals einen ONS machen und mich dabei auf die Pillenbehauptung der Frau verlassen. Ich weiß nicht, wie viele Männer derart drauf sind, aber es qualifizieren sich ja auch immer wieder viele für den Darwin-Award. Aber gut, ich war auch nie in so einer Situation, dafür hatte ich immer zu wenig Kontakt zu willigen Frauen.

      Allerdings vermute ich, dass die Bezahlung mißverstanden werden könnte, insbesondere wenn sie zu niedrig ausfällt 🙂

      • Und ich würde niemals nie sagen, weil ich zumindest von mir weiß, dass sich Geilheit und Misstrauen umgekehrt proportional verhalten. Wenn dann noch Alkohol im Spiel ist und die Frau so ein richtiger Kracher, dann kann gesunder Menschenverstand sogar zu Gleichgültigkeit mutieren.

        • Dafür bin ich vermutlich zu kopflastig. Ich hatte auch immer einen Gummi im Geldtascherl, nicht, dass ich ihn jemals für eine spontane Schandtat (die sich ja irgendwie jeder Mann wünscht) gebraucht hätte. Soviel Alkoholkonsum, gemischt mit ausreichend Selbstvertrauen und attraktiven Möglichkeiten, dass ich die Kontrolle verliere, kann und konnte ich mir in der Realität allerdings noch nie vorstellen 🙂

          Aber gut, Menschen sind halt verschieden.

  6. „Birth control has always cost me money, but recently I’m spending over $50 a month“

    Also ich benutze Kondome und könnte für $50 ca. 180 Kondome im Monat kaufen. Da wäre ich wohl zu mindestens anfangs froh wenn ich überhaupt die Option auf soviel Sex im Monat für nur $50 hätte.

    Ihr fehlt da nur der richtige, positive Blickwinkel. Als Feministin muss sie nun aber leider wohl in allem etwas schlechtes für Frauen sehen.

    Wären das nicht oft solche unausstehlichen Geschlechter-Rassisten, könnte man echt Mitleid mit ihnen haben.

  7. *lol* Feministinnen, deren ganzes Gejammer nur auf Doppelstandards beruht, beschweren sich über Doppelstandards, natürlich nicht über die offensichtlichen, statistisch nachweisbaren, sondern nur über die vermeintlichen, die gefühlten, gegenüber Frauen. Ja nee, was auch sonst?! Wer hätte was anderes erwartet? Also: weitergehen, es gibt Nichts (neues) zu sehen.

    Aber Danke für den ausführlichen Gastbeitrag, auch wenn ich ihn nur überflogen habe. Die englischen Zitate stören meinen Lesefluß arg (und es sind zu viele um sie mal eben durch deepl zu jagen).

    Immerhin kann man das wohl als positives Fazit ziehen: deutsche Feministinnen verzapfen offenbar nicht genug Unsinn, so dass wir auf auf die noch durchgeschallerteren Amis zurückgreifen müssen, um uns mal wieder ordentlich aufregen zu können 🙂

  8. Was mich ja interessieren würde (also theoretisch – praktisch werde ich das wohl nie erfahren): Das besprochene Buch von dieser Jessica V. ist von 2008. Damals war die Frau 30. Wie denkt sie heute, 11 Jahre später und jenseits der unsichtbaren Mauer darüber?

    • Du kannst Ihr doch schreiben: Sie ist bei Twitter, sie hat eine hompage, sie postet in irgendwelchen Blogs, sie schreibt für die Zeitung … vielleicht sogar über den Verlag ihres Buches.

      Ob sie dann antwortet, und ob sie dabei ehrlich ist – das ist natürlich eine offene Frage. Aber probieren kann man es schon.

      • Jochen Schmidt,

        „Aber probieren kann man es schon.“

        Klar, könnte man schon. Wenn man tierisch Langeweile hat. Oder man wartet darauf, dass sie von alleine umschaltet und eine melodramatische Meinungsänderung inszeniert, um Aufmerksamkeit zu generieren. Das ist ihr Geschäftsmodell.

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