Studie: Geschlechterunterschiede in der Persönlichkeit korrelieren mit ökologischen Stress in der jeweiligen Gesellschaft

Tim Kaiser, der schon Autor der gestrigen Studie war, hat eine weitere interessante Studie veröffentlicht:

Abstract
Sex differences in personality were found to be larger in more developed and more genderequal societies. However, the studies that report this effect either have methodological shortcomings or do not take into account possible underlying effects of ecological variables.
Here, a large, multinational (N = 867,782) dataset of personality profiles was used to examine sex differences in Big Five facet scores for 50 countries. Gender differences were related to estimates of ecological stress as well as socio-cultural variables. Using a regularized partial-correlation approach, the unique associations of those correlates with sex
differences were isolated.
Sex differences were large (median Mahalanobis’ D = 1.97) and varied substantially across countries (range 1.49 to 2.48). Global sex differences are larger in more developed countries with higher food availability, less pathogen prevalence, higher gender equality and an individualistic culture. However, after controlling for confounds, only historic pathogen prevalence, food availability and cultural individualism remained. Sex differences in personality are uniquely correlated to ecological stress. Previously reported correlations between greater sex differences and outcomes of gender equality could be due to confounding by influences of ecological stress.

Quelle: Nature and evoked culture: sex differences in personality are uniquely correlated with ecological stress.

Hier etwas zu den Daten: Eine Übersicht über die Ausprägung der Geschlechterunterschiede:

Geschlechterunterschiede weltweit

Wie man sieht liegt Deutschland eher im Mittelfeld, Russland weißt einen der größten Geschlechterunterschiede aus, Pakistan den kleinsten. Es wäre interessant noch zu sehen, in welche Richtung die Unterschiede kleiner oder größer geworden sind. Interessant natürlich auch, dass Länder wie Norwegen und Dänemark oder Schweden oder die Niederlande keineswegs sehr weit unten stehen, sie bewegen sich in der Mitte bzw im oberen Mittelfeld

Vermutlich sind die Russen extrem männlich und die Russinnen extrem weiblich in der Persönlichkeit.

Sind aber die pakistanischen Männer eher weiblicher oder die pakistanischen Frauen eher männlicher oder bewegen sich beide auf die Mitte zu? Welche Eigenschaften haben sich angeglichen?

Weiter aus der Studie:

Geschlechterunterschiede in der Persönlichkeit und Variablen

Und die Besprechung dazu aus der Studie:

Sex differences in personality were larger in more individualistic countries with higher food availability and lower pathogen prevalence. Effect sizes of the unregularized correlations were medium to large. After regularization, the unique correlations still represent medium to slightly above-average effects when following empirically derived guidelines for effect size interpretation in individual differences research (Gignac & Szodorai, 2016). Gender equality and cultural individualism were positively correlated with larger sex differences, thus replicating existing findings. However, the specific correlation between gender equality and sex differences was reduced to zero after regularization. This indicates that previously reported findings reporting this effect could be attributed to confounding variables and may be better explained by ecological influences. In this study, sex differences in personality showed the strongest unique associations with ecological variables, namely historic pathogen prevalence and historic food consumption. A possible explanation for this   could be that ecological influences on the development of human cultures unfold over one or more generations. For example, changes in pathogen prevalence precede shifts in gender equality by up to three decades (Varnum & Grossmann, 2017). Still, longitudinal studies are needed to validate this speculation.

Demnach wäre also die Verfügbarkeit von Essen und das Nichtvorhandensein von Krankheitserregern  ein guter Indikator für größere Geschlechterunterschiede. Was ja durchaus mit der Theorie, dass man unter schwereren Bedingungen eher praktisch handelt, in guten aber seine Geschlechterunterschiede ausleben kann.

Aus einer Besprechung zu dieser Studie:

This basic pattern of findings was replicated in another recent large-scale survey of narrow personality traits conducted on nearly a million people across 50 countries. Using different personality tests, and averaging across all countries, Tim Kaiser found a D = 2.16, which is very similar to the effect size found in the other study on English-speaking countries. While there was cross-cultural variation in the effect, there was a general trend for more developed, individualistic countries with higher food availability, less pathogen prevalence, and higher gender equality to show the largest sex differences in global personality [6].

In particular, Scandinavian countries consistently showed larger-than-average sex differences in global personality, together with the US, Canada, Australia, the UK, and other Northern and Eastern European Countries. The countries with the smallest sex differences in global personality included several Southeast Asian countries. To be sure, there wasn’t a perfect correlation between more developed, gender-egalitarian countries and sex differences (e.g., Russia displayed the largest sex difference with D = 2.48). But even Pakistan– the country with the smallest sex differences in global personality in the world according to this study– had a D = 1.49. This means that even when you look around the world for the country with the smallest sex difference in global personality, the classification accuracy of that country is still 77%!

Es sind also selbst in den Ländern mit den niedrigsten Geschlechterunterschieden noch riesige Geschlechterunterschiede vorhanden.

Das asiatische Länder, in denen Männer einen niedrigeren Testosteronspiegel haben und Frauen relativ hohes pränatales Testosteron hingegen niedrigere Unterschiede zeigen ist interessant.

Mich würde auch interessieren, wie Russland da reinpasst: Krankheitserreger spielen vielleicht angesichts der Kälte eine geringere Rolle, aber Russland hat ja eigentlich genug Armut hinter sich.

15 Gedanken zu “Studie: Geschlechterunterschiede in der Persönlichkeit korrelieren mit ökologischen Stress in der jeweiligen Gesellschaft

  1. Russland ist ein interessanter Fall. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen.
    Russinnen sind aber nun nicht arme unterdrückte Hascherl, oft im Gegenteil sehr selbstbewusst.
    Das müssen sie auch sein, denn der starke Unterschied mit sehr männlichen Männer bewirkt auch, daß sie oft das Leben im weiteren Verlauf alleine meistern müssen. Sehr männliche Männer neigen zu hoher Sterblichkeit, wenn auch in letzter Zeit der Alkoholismus stark zurückgeht. Trotzdem bleibt „männlich“ sein zu müssen für Männer ein hoher Stressfaktor, während umgekehrt „weiblich“ zu sein für Frauen kein so hoher Stressfaktor zu sein scheint, oft eher ein Vergnügen, da es ja mehr mit dem korreliert, was in der Verhaltensbiologie Komfortverhalten genannt wird.
    In Russland kommt noch der Effekt hinzu, daß noch aus sozialistischen Zeiten eine kulturelle Tradition stammte, daß Frauen zwar sehr weiblich sein können, trotzdem aber „ihren Mann stehen“ können im Produktionsprozess, Industrie usw.

    • Finde ich auch. Wenn ich auf der Welt Russinnen treffe, staune ich immer wieder. Sie sind total tough, überwiegend in Klamotten nach femininem Adel-Style gepresst – und sie lassen sich in lasziver Pose vor fast jeder Sehenswürdigkeit ablichten. Die sind so selbstbewusst, da schaust du schnell auf den Boden, damit dich nicht ihr Blick trifft.

      Das ist extrem konträr zu unseren starken Frauen, die oft aussehen, als wollten sie eigentlich immer schon Männer werden. Laszive Blicke gibt es da nicht, nur eine Antifa-Faust auf dem Selfie vor dem Weißen Haus. Die Schneeflöckchen tragen neuerdings sehr häufig so schwarze Schnürstiefel, von denen ich gar nicht weiß, welche Botschaft die zur Zeit transportieren. Die Schuhe sehen aber so aus, als würde man damit auf dem Boden Liegenden gegen den Kopf treten.

      Die Russinnen leben also ihre Weiblichkeit, unsere Frauen hingegen legen sie ab. Schade eigentlich.

        • Wäre es an der Stelle womöglich auch eine Überlegung, dass die osteuropäischen (nicht nur die russischen) Frauen dadurch künftig enorm an Einfluss in der westlichen Welt gewinnen? Einfach weil Sie noch den Vorteil ihrer Weiblichkeit erkennen und dann künftig reihenweise westliche Männer vom Mittelstand an aufwärts zu ihren freiwilligen Marionetten machen?
          Ich erlebe jedenfalls auch in meinem privaten Umfeld, dass immer mehr Männer mit osteuropäischen Frauen zusammen sind. Wobei das zuletzt immer häufiger Ukrainerinnen sind.

          • Natürlich ist das denkbar. Diese Art von Frauen haben immerhin den Vorteil, dass sie optisch und sexuell den Männern gefälliger sind. Und mehr braucht es ja nicht, um Männer zu dressieren.

          • Klar, die verstehen es, aus ihrer Weiblichkeit einen wirtschaftlichen Vorteil zu ziehen. Dazu müssen sie die männliche Libido anstechen. Das Prinzip ist seit Jahrtausenden proofed.

            Bei uns versuchen die Frauen, ihren wirtschaftlichen Vorteil zu erlangen, indem sie Staat und Gesellschaft die einseitige Bevorteiligung der Frauen abzwingen. Dann brauchen sie sich nicht hübsch machen und genießen trotzdem die Rundumversorgung – so der Plan. An den Füßen UGGs und in der Seele Shabby Chic.

            Die Russinnen sind viel effektiver. Müssen sie auch sein. Dort gibt es kein Gemeinwesen, das jede Woche die Benachteiligung der Frauen anklagt und ihnen ein paar Milliarden hinterherwirft.

            Und irgendwie sind sie dabei ehrlicher – denn sie sagen ganz offen, dass sie mehr Materielles wollen, als sie den Männern zubilligen – und verschleiern das nicht hinterfotzig als Patriarchatskritik mit Gleichberechtigungssoße und Gender-Pay-Gap-Topping.

          • Wobei, das, daß diese Frauen reiche Westler suchen natürlich ein Paradebeispiel für Hypergamie ist.
            Und ein noch zu den versklavten „Macho“ Männern:
            Ein Kollge, ebenfalls oft im Osten tätig sagt einmal in Bezug auf die hübschen Polinnen, ja die erkennst Du im Grenzgebiet zu Deutschland sofort: besser gestylt, mehr Ausstrahlung als deutsche Frauen.
            ABER , geradezu typisch der gestylten Frau folgt ein Mann im Jogging Anzug
            (gibt aber auch sehr selbstbewusste Polen Männer)

      • Eine sagt es ganz direkt: Mein Geld ist mein Geld und sein Geld ist unser Geld.

        oder

        A Man’s wallet is a shared wallet and the woman’s wallet is a private wallet.

        • Die eine verdient mehr wie ihr Freund, aber trotzdem muss er die Miete bezahlen.

          “ überwiegend in Klamotten nach femininem Adel-Style gepresst“

          Die lassen sich ja anscheinend ihre laufenden Rechnungen größtenteils von Männern bezahlen. Da kann man sich dann teure Klamotten leisten.

        • Da gabs mal eine Studie – ich glaube es war über genderama verlinkt – nach der das auch in der USA ähnlich ist.
          Verdient der Mann mehr als die Frau wollten die meisten Frauen gemeinsame Konten. Verdiente die Frau mehr als der Mann, dann wollten sie lieber getrennte Konten.

          Aber der Fall, dass die Frau mehr verdient als der Mann scheint in Russland bzw. der Ukraine noch seltener zu sein, als im „Westen“.

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