Benachteiligung von Männern im öffentlichen Dienst

Eine interessante Anfrage stellt der FDP-Politiker Marcel Luthe: (via Arne)

Gibt es den Gender Pay Gap nun in der öffentlichen Verwaltung oder nicht? Es gibt ihn, meint der FDP-Politiker Marcel Luthe. Allerdings umgekehrt: Nach Luthes Überzeugung werden Männer benachteiligt, nicht Frauen. In einer neuen parlamentarischen Anfrage hat Luthe umfangreich Zahlen abgefragt aus denen hervorgeht: Es arbeiten mehr Frauen als Männer in der Verwaltung insgesamt, und auch in den höheren Besoldungsstufen sind Frauen bei weitem in der Überzahl. Die parlamentarische Anfrage hat 42 Seiten und besteht aus zahlreichen Tabellen. Demnach arbeiten Stand Juni 2019 insgesamt 121 958 Menschen in der Verwaltung des Landes, davon 71 803 Frauen und 50 155 Männer.

Davon waren in Vollzeit 45 824 Männer und 49 321 Frauen beschäftigt; in Teilzeit 22 482 Frauen und 4 331 Männer. Besonders viele Mitarbeitende haben die Innen- und die Bildungsverwaltung. Zum Inneren gehört die Polizei mit 22 865 Beschäftigten. Hier herrscht Männerüberschuss: 16 349 von ihnen sind männlich. Im Bereich Schule liegen dafür Frauen weit vorne. 43 208 Menschen arbeiten an Berlins Schulen, davon 31 617 Frauen. Als Lehrerinnen werden sie besser besoldet beziehungsweise sind in einer höheren Tarifstufe als die meisten Polizisten.

Unter den Beamten haben insgesamt 6 046 Männer eine Tarifstufe von A13 oder höher, auf diese gute Bezahlung kommen 9850 Frauen. Für E13 ergibt die Statistik: 4620 Männer und 7705 Frauen.

Frauen sind dabei eher krank als Männer. Die Zahl der Krankentage pro Beschäftigten ist seit 2010 gestiegen. Damals kam jeder Beschäftigte in der Hauptverwaltung auf durchschnittlich 36 Krankentage, Frauen wie Männer. Bezogen auf Hauptverwaltung und Bezirke insgesamt, sind Frauen einen Tag mehr ausgefallen als Männer. Bis 2013 ging hier die Schere weiter auf: Männer 35,9 Tage krank, Frauen 39 Tage. In den Folgejahren blieben Frauen etwas länger krank als Männer, 2017 lag der Wert gleichauf bei 37,4 Tagen. Umgerechnet in absolute Zahlen fielen berlinweit 2017 rund 1,8 Millionen Krankentage von Männern an und 2,6 Millionen von Frauen.

Ich begrüsse diese Anfrage, nicht weil sie etwas ändern wird, sondern weil sie etwas umdreht und damit den Finger in die Wunde legt

Der öffentliche Dienst hat Frauen schon immer angezogen, weil in ihm üblicherweise eine bessere Vereinbarkeit mit Familie besteht und auch ein geringerer Leistungsdruck.

Nimmt man die Zahlen aber einfach so und interpretiert sie nach feministischen Mustern, dann würde hier eine Schlechterstellung der Männer vorliegen und damit müssen diese diskriminiert sein! Irgendjemand, wahrscheinlich das Matriarchat, bremst Männer aus, vermutlich ein Netzwerk alter weißer Frauen oder was auch immer.

Anfragesteller Luthe ist empört. „Wie jeder planwirtschaftliche Ansatz funktioniert auch das sogenannte Gleichstellungsgesetz offenbar nicht, wenn sowohl im höheren Dienst als auch in den oberen Besoldungsgruppen des gehobenen Dienstes Männer deutlich unterrepräsentiert sind, ebenso wie bei den höherwertigen Tarifbeschäftigtenstellen“, sagt er. Im Landesgleichstellungsgesetz heißt es: „Frauen und Männer sind gleichzustellen. Zur Verwirklichung der Gleichstellung werden nach Maßgabe dieses Gesetzes Frauen gefördert und bestehende Benachteiligungen von Frauen abgebaut.“

Zurecht ist er empört. Wir brauchen sofort bevorzugte Einstellung von Männern für die genannten Stellen! Die Diskriminierung muss beseitigt werden. Wenn Frauen sie nicht sehen, dann nur, weil sie zu privilegiert sind.

Jeder Teil der Verwaltung braucht nach dem Gesetz einen Frauenförderplan, und Frauen sind so lange unterrepräsentiert, wenn in einer Vorgesetzten- oder Leitungsfunktion oder in einer Entgeltgruppe mehr Männer als Frauen beschäftigt sind. Das ist nur in den ganz hohen Besoldungsstufen, der B-Besoldung, noch der Fall. In den anderen Tarifgruppen und Besoldungsstufen oberhalb A12 sind es dem Zahlenwerk zufolge inzwischen eher Männer, die ein Gleichstellungsgesetz nötig hätten.

Zeit also für einen Männerförderungsplan! Für ein Männerförderungsgesetz! Das gerade der Staat an dieser Stelle so sexistisch ist, der doch an Art. 3 GG gebunden ist, ist nicht hinzunehmen!

43 Gedanken zu “Benachteiligung von Männern im öffentlichen Dienst

  1. „Nimmt man die Zahlen aber einfach so und interpretiert sie nach feministischen Mustern, dann würde hier eine Schlechterstellung der Männer vorliegen und damit müssen diese diskriminiert sein! Irgendjemand, wahrscheinlich das Matriarchat, bremst Männer aus, vermutlich ein Netzwerk alter weißer Frauen oder was auch immer.“

    Was denn? Wird doch. Sind sie doch.
    Beförderungsstops und bevorzugte Einstellung basierend auf gezinkten Noten sind doch seit Jahrzehnten Realität.

  2. Es bräuchte eine Männerquote vor allem auch um zu verhindern, dass sich die Qualität der ganzen öffentlichen Verwaltung der von Jugendämtern annähert.

  3. Nur um es nochmal klar und deutlich herauszustellen: für die Berechnung des angeblichen Gender Pay Gap werden diese Daten nicht berücksichtigt. Dort werden nur sozialversichungspflichtig Beschäftigte berücksichtigt, nicht öffentliche Angestellte.

    • Das scheint mir ein Missverständnis.
      Auch angestellte öffentliche beschäftigte sind doch sozialversicherungspflichtig. Ausgenommen sind doch nur verbeamtete.
      Wie sehr die ganze Propaganda das Denken schon zerstört hat, sieht man an diesem Beispiel:
      Trotz scheinbar ehrlichen Bemühens um Verstehen, werden Gender-Pay-Gap Theorien gedankenlos nachgeplappert. Mal abgesehen davon sieht man in dem Video schön die ganze Tragik der heutigen modernen Frauen

      • „Trotz scheinbar ehrlichen Bemühens um Verstehen“

        Vielleicht sogar „anscheind“…

        Aber wenn frau bereits 30 ist, bevor sie sich das erste Mal fragt: „Moment… Gibt es über Männer vielleicht mehr zu wissen als die Klischees und Vorurteile, die mir bisher gereicht haben?“, dann sollte mann keine allzu hohen Erwartungen haben.

      • Man bin ich froh, dass ich über solche Frauen nur noch lachen kann! Naja, etwas tragisch/traurig ist es auch. Ich hoffe deren Köpfe sind nicht so leer wie die Floskeln, welche sie bereitwillig nachplappern.

        Gibt es eigentlich schon ein deutsches MGTOW-Forum?

        r/MGTOW wächst beständig +1K pro Woche. Habe schon welche gesehen die meinten sie wären 17,18,21 Jahre alt. Also die männliche Jugend begreift.

        • Ich dachte das reddit forum dort soll geschlossen werden?

          Ich kenn deutsch-sprachig nur „das maennermagazin“ welches aber sicherlich von manch einem/r als sexistischer chauvi treff bezeichnet werden würde.

          würde mich aber auch interessieren…

          Wächst MGTOW tatsächlich? Oder ist das nur so ne internet geschichte?
          Im real life habe ich den Begriff noch nie gehört.

          • Es gab wohl Drohungen von Reddit-Admins, die Regeln insgesamt sind wohl verschärft worden (bez. Hass) r/incel r/femcels r/braincels sind IMHO gebannt worden.

            r/MGTOW wächst tatsächlich, vielleicht sogar exponentiell. Wie ich schon sagte, ich schaue grob jeweils Sonntags, es sind jeden Sonntag mindestens +1000 mehr, die Leute raffen nicht das viele darunter erstmals in ihrem Leben eigene Verletzungen und Widrigkeiten ihnen gegenüber bewusst wurden. Und dafür, dass potentiell 1000 neue wütende Männer dazu stoßen geht es in meinen Augen doch recht Zivil dort zu.

      • aha interessant, das wusste ich nicht.
        Dann geht es aber nicht um die sozialpflicht Versicherung , sondern offensichtlich darum, den gleichen oder höheren Verdienst von Frauen im ÖD zu verschleiern.
        Man staunt immer wieder über die immense kriminelle Energie, das volle Bewusstsein über die Falschheit und Verlogenheit der eigenen Argumente.

        • Das hatten wir bereits hier: https://allesevolution.wordpress.com/2019/03/20/grundlagen-der-berechnung-des-gender-pay-gap-warum-werden-der-oeffentliche-dienst-und-andere-bereiche-nicht-beruecksichtigt/

          Zitat mit Herv. von mir und mit Spiegelstrichen angeordnet: „Sofern nicht anders vermerkt, werden abhängige Beschäftigungs­verhältnisse aller Wirtschafts­abschnitte und Unternehmensgrößen in die Berechnung einbezogen, ausgenommen die Wirtschafts­abschnitte

          – Land- und Forstwirtschaft, Fischerei,
          – Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozial­versicherung,
          – „Private Haushalte mit Hauspersonal“ und
          – „Exterritoriale Organisationen und Körperschaften“ sowie
          – Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten.

          Dies entspricht der einheitlichen Definition des Gender Pay Gap der EU. Entsprechend europäischer Vorgaben wird der unbereinigte Gender Pay Gap seit dem Jahr 1995 für Deutschland, das frühere Bundesgebiet und die neuen Länder berechnet.“

          Der letzte Punkt zuerst: Es gab 2017 knapp 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland und 3,1 Millionen davon haben bis zu 9 Beschäftigte. Da fallen ca. 5,5 Millionen Beschäftige von vorne herein weg.
          Dann fällt weg: „Rund 4,74 Mio. Menschen sind insgesamt im öffentlichen Dienst beschäftigt, entweder beim Bund, bei den Ländern, Kommunen oder Sozialversicherungsträgern“.
          Das beinhaltet den zweiten Punkt komplett (in D).
          https://www.bmi.bund.de/DE/themen/oeffentlicher-dienst/zahlen-daten-fakten/zahlen-daten-fakten-node.html

          Wie Christian schon anmerkte, sind damit Kanzleien, Praxen, Läden usw. größtenteils aus der Statistik weg, ebenso wie Richterinnen, Lehrerinnen, usw. usf.
          Sehr praktisch zum bescheißen, diese Definition! 🙂
          Um so höher der Anteil von Kleinstunternehmen und desto größer der Anteil des ÖD, um so besser für die feministische Interpretation des GPG!

          EU-weit hat D einen relativ kleinen ÖD; laut OECD von 2017 arbeiten 10,6% der Beschäftigten dort (vgl. USA 15,3%) – in Norwegen sind es satte 30% (Dänemark 29,1%, Schweden 28,6%) !
          https://beamten-infoportal.de/magazin/wissen/deutschlands-oeffentlicher-dienst-im-internationalen-vergleich-eher-klein/
          Norwegen weiter spannend: Von den 1,25 Millionen beschäftigten Frauen in 2017 arbeiten 583.000 im ÖD (46,6%) und bei den 843.000 Beschäftigten im ÖD ist demnach der Frauenanteil 69%.
          Nach: https://w3.unece.org

          Das ist m.E. auch das primäre Zielpublikum für eine feministische Argumentation/Propaganda und drückt die Ansprüche und Besorgnisse dieses Klientels aus.
          Streichungen staatlicher Leistungen, aber auch Stagnation, was Stellen betrifft (bei höherem Anteil akademischer Qualifikationen) wirkt sich auf Chancen für Job und Karriere aus.
          Natürlich kann man die männliche Konkurrenz im ÖD besser aus dem Job kegeln, wenn diese wegen 5 Milliarden Jahren patriarchaler Unterdrückung erst einmal benachteiligt werden müssen. 😉

          • @crumar: Aufpassen, Öffentliche Verwaltung != ÖD. So sehr ich dafür bin diesen Quacksalbern ihre unbrauchbaren Berechnungsmethoden zum GPG um die Ohren zu hauen, hier muss man schon genau sein. Ich habe weiter unten was dazu geschrieben.

  4. Vielleicht habe ich mich nicht präzise genug ausgedrückt:

    Deswegen Zitat Statistisches Bundesamt:
    „Beschäftigte in der Landwirtschaft, in der öffent­lichen Verwaltung sowie in Be­trie­ben mit bis zu zehn Beschäftigten werden nicht berücksichtigt.“

    Also genau die Daten, um die es sich hier handelt.

    • Wobei mir nicht ganz klar ist was alles unter „öffentliche Verwaltung“ fällt. Ich habe an anderen Stellen Informationen gefunden dass Schulen, Universitäten, Krankenhäuser usw. bei der Berechnung des GPG NICHT ausgenommen werden (das wäre ja wirklich ein Beschiss erster Klasse). Die Aussage „der öffentliche Dienst wird bei der Berechnung des GPG nicht berücksichtigt“ dtimmt also in dieser Pauschalität nicht.

      Was andererseits nichts daran ändert dass es schon ein bisschen ein Geschmäckle hat wenn man ausgerechnet die bequeme, nach Tarif bezahlte Staats- und Beamtenschaft nicht in die Berechnung mit einbezieht… ein Schelm wer böses dabei denkt 😉

      • Hi pingpong,
        na immer her mit deinen Infos! 🙂

        Lass uns doch mal auseinander klamüsern, a. was den „öffentlichen Dienst“ von der „öffentlichen Verwaltung“ unterscheidet und b. vor allem wie die EU „öffentliche Verwaltung“ definiert.

        Auf Wiki für D: „Die öffentliche Verwaltung ist danach derjenige Teil der Exekutive, der öffentliche Aufgaben wahrnimmt. Sie ist der administrative Teil der vollziehenden Gewalt (Administrative). Polizei und Streitkräfte sind kein Teil der öffentlichen Verwaltung.“

        Schön und gut, aber unter Bundesverwaltung wird die Bundespolizei aufgelistet und unter Kommunalverwaltungen die Aufgabe „öffentliche Sicherheit und Ordnung“.
        Die Soldaten unterstehen hingegen dem Verteidigungsministerium, „80.000 THW-Angehörige (…) dem Bundesministerium des Innern.“
        Hmmm…

        Ist die korrekte Übersetzung von „öffentliche Verwaltung“ Public Administration?
        Wo findet man die EU-Definition, die der Datenerhebung zugrunde liegt?

        • „Polizei und Streitkräfte sind kein Teil der öffentlichen Verwaltung.“

          Kann es sein, dass die Öffentliche Verwaltung eine Untergruppe des Öffentlichen Dienstes ist?
          Öffentlicher Dienst ist für mich alles, was durch Steuer- oder Gebührenumlagen finanziert wird, während die Öffentliche Verwaltung dabei eben die Leistungen des Dienstes verwaltet.
          Sie erfasst Daten und schreibt Gebühren-, Steuerbescheide, wird aber nicht selbst aktiv.
          Also Sesselfurzer.

        • @crumar: Ich hatte hier
          https://allesevolution.wordpress.com/2019/03/20/grundlagen-der-berechnung-des-gender-pay-gap-warum-werden-der-oeffentliche-dienst-und-andere-bereiche-nicht-beruecksichtigt/#comment-393993
          mal was dazu herausgesucht.

          Das EU Dokument welches die Berechnung definiert ist m.W. das hier
          https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?qid=1553078723320&uri=CELEX:31999R0530

          Dort steht (Artiekl 3, Abs 2)

          „Die Einbeziehung der Wirtschaftszweige der Abschnitte M (Erziehung und Unterricht), N (Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen) und O (Erbringung von sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen) der NACE REV 1 in den Erfassungsbereich dieser Verordnung ist für die Bezugsjahre 2000 und 2002 fakultativ. Diese fakultative Einbeziehung kann nach dem Verfahren des Artikels 12 auch für die darauffolgenden Jahre erfolgen, und zwar unter Berücksichtigung der Ergebnisse von in diesem Bereich durchgeführten Pilotuntersuchungen, insbesondere jenen im Rahmen der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 58/97 des Rates vom 20. Dezember 1996 über die strukturelle Unternehmensstatistik.“

          Ich habe damals nicht weiter geforscht wie genau der Wirtschaftszweig O definiert ist.

          Was jedenfalls schonmal auffällt ist, dass in diesem Dokument die Einbeziehung des Wirtschaftszweiges O fakultativ=nach eigenem Ermessen bzw. freiwillig ist. Wer also schreibt die EU-Verordnung VERBIETE es den ÖD bzw Teile davon zu berücksichtigen, der nimmt es anscheinend mit der Wahrheit nicht so genau…
          Es ist ja auch der Bereich M (Erziehung und Unterricht) fakultativ, und der wird meines Wissens nach sehr wohl berücksichtigt. Wäre ja auch Wahnsinn wenn man den kompletten Schul- und Universitätsbereich ausspart. Selbiges gilt dann eben aber auch für den Abschnitt O (Erbringung von sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen).

          Oder verstehe ich hier etwas grundlegend falsch?

          • @crumar: aus der neueren Version der EU Verordnung, datiert mit 7.8.2009:

            „Die Statistik erfasst alle Wirtschaftszweige der Abschnitte […] N, P, Q, R […]“

            Die öffentliche Verwaltung ist hier also explizit nicht enthalten, Schulen u. Universitäten sowie Gesundheit u Soziales jedoch schon.

          • Danke! 🙂
            Dann müssen wir nur noch abgleichen, ob sie das gleiche Verständnis von P, Q, R haben, denn ansonsten werden sie uns natürlich belügen&betrügen – es handelt sich um wissenschaftlichen Abschaum, wovon ich immer ausgehe.

        • In Sachsen wurde Anfang des Jahres der 5. Frauenförderungsbericht [1] veröffentlicht. Er wird aufgrund des Frauenförderungsgesetzes [2] – das die Grüninnen [3] gerne zu einem Gleichstellungsgesetz umgestalten wollen – verfasst.

          Am Beispiel der Bewerbungsverfahren (z.B. Tabelle 29) ist eine Bevorzugung von Frauen recht offensichtlich.

          Funfact:

          In der Sächsischen Verfassung [4] ist tatsächlich sowohl von Gleichstellung (Art. 8), als auch von Gleichberechtigung (Art. 18) die Rede.

          Artikel 8 – Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern
          Die Förderung der rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern ist Aufgabe des Landes.

          Ich könnte mir vorstellen, dass eine parlamentarische Anfrage einer Fraktion in den Landtagen (und dem Bundestag) die Zahlen zu Gehältern offen legen könnte.

          Gruß Fidel

          [1] http://ws.landtag.sachsen.de/images/6_Drs_16530_0_1_1_.pdf
          [2] https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift_gesamt/3637/39851.html
          [3] http://www.gruene-fraktion-sachsen.de/presse/pressemitteilungen/2019/koalition-sagt-gleichstellungsgesetz-ab-fatales-signal-an-die-saechsischen-frauen/
          [4] https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift_gesamt/3975/39870.html

          P.S. Mir liegen einzelne, ältere Frauenförderberichte auch als Excel-Tabelle vor

        • Kleine Korrektur:
          Das THW beschäftigte 2018 ca. 1200 hauptamtliche Mitarbeiter und hatte ca. 62.695 ehrenamtliche Einsatzkräfte, davon ca.11.654 weibliche sowie 15.846 Jugendliche. Der Frauenanteil an den Ehrenamtlichen liegt bei 14,84 Prozent.

          P.S.: War dort ca. 17 Jahre Mitglied in einer der 66 bewaffneten Einheiten.

  5. Passend dazu via Genderama:

    Tatsächlich hat die Abteilung „Gleichstellung von Frauen und Männern“ des Kantons mit „Mädchenparlament“ für den Zukunftstag ein Angebot gemacht, das Buben aussen vor lässt. Politik sei „ein noch immer männerdominierter Lebensbereich“, begründete Leila Straumann, Leiterin der Abteilung Gleichstellung, die Ungleichbehandlung von Mädchen und Buben. Im Nationalrat liege der Anteil des weiblichen Geschlechts mittlerweile zwar bei 42 Prozent, doch im Basler Kantonsparlament sei er rückläufig, so Straumann.

    Auch den Buben machte die Abteilung Gleichstellung für diesen Zukunftstag ein geschlechtsspezifisches Angebot: Sie wurden zu einer „Reise zu sich selbst“ eingeladen, um sich als „Männerforscher“ zu betätigen und aufgrund von persönlichen Begegnungen über ihre „Vorstellungen von Männlichkeit“ nachzudenken. Während also die Mädchen die politische Macht übernahmen, mussten die Buben ihr Mann-Sein hinterfragen.

    Die nationalen Wahlen vom Oktober gingen als „Frauenwahlen“ in die Geschichte ein. 27 Männer, aber nur vier Frauen, wurden abgewählt. Besonders viele Frauen hat es jetzt in den Fraktionen der SP (64 Prozent) und der Grünen (61 Prozent). Nun geraten bei den Sozialdemokraten selbst bestandene Politiker in Bedrängnis und müssen sich für ihre Männlichkeit rechtfertigen. „Ich kann ja nicht als Frau kandidieren“, meinte der Berner Ständerat Hans Stöckli (noch nicht wiedergewählt). „Im aktuellen politischen Klima ist es (…) ein klarer Nachteil, ein Mann zu sein“, sagte der Solothurner Nationalrat Philipp Hadorn (abgewählt). Und für die Nachfolge des abtretenden SP-Präsidenten Christian Levrat kommen offenbar nur Frauen in Frage: Männer werden höchstens als Co-Präsidenten an der Seite von Frauen gehandelt.

    Nun steht es einer Partei frei, sich ganz der Förderung von Frauen zu verschreiben und Männer entsprechend zu benachteiligten, wenn sie entsprechende politische Ziele hat. (…) Doch es ist etwas ganz anderes, wenn eine staatliche Stelle ihre Frauenförderung soweit treibt, dass sie Mädchen attraktive Angebote macht, Buben aber davon ausschliesst. „In Basel werden Geschlechterklischees aufgebrochen“ – unter diesem Titel kündigte die Abteilung Gleichstellung das Mädchenparlament und das Männlichkeits-Blabla an. Vielmehr schafft die Abteilung neue solche Klischees.

    https://www.bazonline.ch/contentstationimport/ein-fall-von-bubendiskriminierung-ein-fall-von-bubendiskriminierung/story/22164195

    Mädchen bekommen etwas potentiell hilfreiches und Jungen soll sich schlecht fühlen. Läßt man diese Frauen weiter machen, wird das immer weiter gehen und ganz offen Mannsein zu Nachteil erklärt, was aber irgendwie der Gleichstellung dienen soll.

    • Man könnte ja die Hoffnung haben, dass die heranwachsende Generation rechtzeitig kapiert, dass sie auf das Vorhandensein kompetenter und selbstbewusster Männer angewiesen sind, wenn sie ihren Traum eines laissez faire, selbstverwirklichenden Lebens umsetzen wollen.

      Aber da junge Mädchen ja weder elementarstes ökonomisches Wissen lernen, noch den Gedanken, dass ihre Wünsche und Entscheidungen irgendwelche negativen Konsequenzen haben könnten, ist das eine sehr eitle Hoffnung.

      Sie werden nur feststellen, dass das Leben nicht so toll ist, wie von ihren feministischen Ziehmüttern versprochen und werden automatisch Männern die Schuld daran geben.

      • Man muss die Hoffnung haben, dass diese jungen Männer begreifen, wie sie bereits in der Schule fundamental beschissen werden.
        Das geht in der Grundschule los und endet nicht beim Abitur.
        Sie müssen begreifen, sie sitzen nur scheinbar gemeinsam mit Mädchen im gleichen Klassenraum – für sie gelten völlig andere Standards.

        Ich hatte mir die Mühe gemacht, das Gutachten „Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem“ von 2009 auseinander zu nehmen, vorzugsweise die erzielten Kompetenzwerte bei der PISA-Studie im Vergleich mit den Schulnoten auf S. 102 und 103: „Bei PISA werden unter anderem die Schulnoten der Schüler in bestimmten Fächern von der Schule erfragt. Auf dieser Datenbasis kann zum Beispiel dargestellt werden, welche Kompetenzwerte die Jugendlichen im Mathematiktest erreichen, die in der Mathematik auf einer bestimmte Notenstufe stehen. Die Abbildung 45 stellt die Noten und Kompetenzwerte von Mädchen und Jungen für Mathematik, Deutsch, Physik und Biologie dar.“

        Was hier festgestellt wird: „Das Befundmuster lässt vermuten, dass die Notengebung Kompetenzunterschiede zwischen den Geschlechtern ausgleicht, weil Jungen in Deutsch und Mädchen in der Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern gemessen an ihrer Kompetenz jeweils „milder“ benotet werden. Insgesamt erscheinen die Schulnoten von Mädchen und Jungen im Mittel als ausgeglichen – obwohl sich, zumindest auf der Basis der Testergebnisse aus PISA, dahinter doch zum Teil bemerkenswerte Kompetenzunterschiede verbergen. Auf jeden Fall findet sich keine Evidenz dafür, dass Mädchen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern durch eine differentielle, benachteiligende Zensurengebung entmutigt würden. Das Gleiche gilt für Jungen im Deutschunterricht.“
        ist ganz simpel gelogen.

        Aus den Daten geht klipp und klar hervor, dass selektiv Noten zugeteilt und Jungen in drei von vier Fächern benachteiligt werden.
        Im Gegenzug wird ganz offensichtlich speziell in Mathematik das Niveau tiefer gehängt, damit es Mädchen einfacher fällt gute Noten zu schreiben.

        Hier Note und Kompetenzpunkte für Mathe nach Geschlecht aufgeschlüsselt:
        Mädchen Jungen
        1 582 615
        2 539 558
        3 502 524
        4 480 501
        5/6 446 466

        Kurz darauf hingewiesen, bei annähernd identischer Kompetenz entspricht die Note 4 der Jungen die 3 der Mädchen. Zwischen einer Jungen 1 und einer der Mädchen liegen satte 33 Kompetenzpunkte. Auch die Punktedifferenzen für die Notensprünge sind interessant.Von 2 auf 1 entspricht bei Mädchen einem Bonus von 43 Kompetenzpunkten, bei Jungen sind es 57. Von Note 3 auf eine 2 der Jungen wären es für Mädchen 56 Punkte, es sind jedoch nur 37, weil sie ein Mähähädchen ist.
        Es wird ihnen nicht nur leichter gemacht „exzellente Noten“ zu schreiben, sie müssen für einen „Aufstieg“ auch noch weniger arbeiten.
        Fun fact: In Physik von 2 auf 1 entspricht bei Mädchen einem Bonus von 35 Punkten, bei Jungen hingegen 68 – das sind knapp doppelt so viele Punkte.

        Auch dass Biologie Mädchen besonders liegen würde, geht aus den Kompetenzpunkten nicht hervor:
        Biologienote Mädchen Jungen
        1 593 606
        2 545 572
        3 515 536
        4 474 486
        5/6 455 459

        Für einen Jungen wäre der Aufstieg auf eine 2 der Mädchen mit 9 Punkten Zuwachs einfacher als auf eine 2 der Jungen mit einem Mehr von 36 Punkten. Zwischen den Noten 2 und 3 liegen liegen für Jungen 21 bzw, 27 Kompetenzpunkte Differenz – für die gleiche Note.
        Sagen wir es freundlich, in Biologie werden die Noten „genderisiert“, unfreundlich ausgedrückt gibt es für Mädchen die 2 und die 3 geschenkt.

        Ich würde die Differenz gerne in einer handlichen Note ausdrücken, das geht aber leider nicht.
        Denn für Mädchen entspricht der Abstand zwischen 2 Noten 34,5 Punkte, für Jungen 36,8.
        Dieses Muster zieht sich übrigens durch alle Fächer durch.
        Bei mathematischer Kompetenz und naturwissenschaftlichen Kompetenzen (Biologie, Physik) liegt für Jungen der durchschnittliche Abstand zwischen 2 Noten bei 38,8 Punkten, für Mädchen bei 32,8 Punkten.

        Das oft gehörte Märchen, es würde in die Benotung auch die „Motivation im Unterricht“ einfließen entpuppt sich als solches, weil 1. es im Schnitt keine einzige Note gibt, in der Jungen weniger Kompetenzpunkte hätten als Mädchen und 2. werden die Differenzen zwischen Jungen und Mädchen (zu Ungunsten der Jungen) um so größer, desto besser die Noten werden.
        Man kann mir nicht erzählen, ausgerechnet Kandidaten für eine 1 oder 2 hätten „Motivationsprobleme“, die auf das Geschlecht zurückzuführen sind.

        Kurz: Es wird nach Strich und Faden beschissen. Die 0,3 Noten Nachteil im Abitur für Jungen, die bereits eingeräumt worden sind, stellen m.E. die Spitze des Eisbergs dar.

        • > Dieses Muster zieht sich übrigens durch alle Fächer durch.

          Echt? Hast du eine Quelle? Jedenfalls WIEDERMAL herzlichen Dank!

          Kennt ihr das Meme mit Mann&Frau 2 Treppen? Der Mann vor gewöhnlichen Stufen, bei der „Treppe“ der Frau gibt’s nur 2 Stufen, und die 2.te ist schon über Kopfhöhe.

          Und nein die ursprüngliche Überschrift war nicht „Frauen können keine Treppen bauen“, sondern irgendwas mit Frauenbenachteiligungen in der echten Welt…

          Nun deine Zahlen könnte man wunderbar in solche Stufen per Office umwandeln um es zu veranschaulichen…

        • Ich hab mal versucht, die Zahlen graphisch umzusetzen.
          Unter der Annahme, dass die Kompetenzzahlen Mittelwerte für die entsprechende Zensur sind, habe mich für Verläufe statt für einfarbige Flächen entschieden…

        • @Komu @only me

          1. Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem – Jahresgutachten 2009 von Hans-Peter Blossfeld, Wilfried Bos, Bettina Hannover, Dieter Lenzen, Detlef Müller-Böling, Manfred Prenzel, Ludger Wößmann
          Vollständig: Geschlechterdifferenzen_im_Bildungssystem__Jahresgutachten_2009.pdf

          Das ist die Quelle, aus der ich die Zahlen entnommen habe.

          2. Ebenfalls interessant: Herkunft zensiert? Leistungsdiagnostik und soziale Ungleichheiten in der schule
          Eine Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland. Prof. Dr. Kai Maaz, Prof. Dr. Franz Baeriswyl,
          Prof. Dr. Ulrich Trautwein – dort speziell S. 76, 78, 79

          @only me
          Voll dem krass! 🙂

          Und noch ein paar vielsagende Beiträge zu 1.:
          Ranking Note nach Fach und durchschnittlichen (Jungen/Mädchen) Kompetenzpunkten

          Note 1 Physik 617
          Deutsch 616
          Biologie 600
          Mathematik 599

          Note 2 Physik 565
          Biologie 559
          Deutsch 552
          Mathematik 549

          Note 3 Physik 535
          Biologie 526
          Mathematik 513
          Deutsch 511

          Note 4 Physik 503
          Mathematik 491
          Biologie 480
          Deutsch 476

          Note 5 Physik 472
          Biologie 457
          Mathematik 456
          Deutsch 413

          Schaut euch bitte die Verteilung an! In allen Noten steht Physik im Ranking am höchsten, auch die Aufteilung und die Notensprünge nach Kompetenzpunkten haben eine nachvollziehbaren Sinn.
          Von 5 auf 4 31 Punkte, von 4 auf 3 32 Punkte, von 3 auf 2 30 Punkte, von 2 auf 1 allerdings 52 Punkte (bei Deutsch sind es 64 Punkte!).

          Anm.: Was daran liegen könnte, die Kandidaten für eine 1 haben herausragende Kompetenzen.
          Andererseits kann es auch sein, nur herausragende Kandidaten erhalten eine 1. Auffällig ist nämlich, in allen Fächern verhält es sich so, dass zwischen Note 1 und 2 mehr Kompetenzpunkte liegen als zwischen den anderen Noten (im Schnitt 52 Punkte).

          Mathe an letzter Stelle für die Noten 1 und 2. Und bei Deutsch recht auffällig für die Noten 3,4,5.
          Wie komme ich bloß zu meiner Aussage, „in Mathe werden die Ansprüche für gute Noten tiefer gehängt“? 😉
          Während bei Deutsch primär die Aufgabe zu sein scheint, die absolute Katastrophe (nicht etwa „milder zu bewerten“) zuzudecken, die faktisch vorliegt, denn bei sehr guten Leistungen bewegt sich die Fachnote auf dem Kompetenzniveau von Physik.

          Nachfolgend habe ich die Fächer Mathe, Biologie und Physik kombiniert und verglichen, welche durchschnittlichen Kompetenzpunkte bei Jungen und Mädchen für welche Schulnote stehen und die jeweiligen Differenzen in den Kompetenzpunkten ausgewiesen.

          Nur Mathematische Kompetenz und naturwissenschaftliche Kompetenzen
          Note Mädchen Jungen Differenz
          1 591 619 27,7
          2 549 566 16,7
          3 515 533 18,0
          4 484 498 13,3
          5/6 460 463 3,3

          Es gibt wirklich keine einzige Note, in der die Jungen weniger Kompetenzpunkte aufweisen als die Mädchen. Sie sind selbst kompetenter „mangelhaft“. 😉
          Der Durchschnitt der Differenz über alle Noten hinweg kann gering ausfallen, aber hier erkennt man doch sehr schön ein Muster.
          Wäre „Motivation“ oder „Anstrengungsbereitschaft“ wirklich das Thema bei der Benotung, wieso nehmen die Differenzen dann zu, desto besser die Noten werden?!

          Auch interessant die Notensprünge nach durchschnittlichen Kompetenzpunkten:
          5 auf 3 für Jungen = 70 Punkte, für Mädchen = 55 Punkte,
          3 auf 1 für Jungen = 86 Punkte, für Mädchen = 76 Punkte,
          Jungen 3 auf Mädchen 1 für Jungen = 58 Punkte, für
          Mädchen 3 auf Jungen 1 für Mädchen = 104 Punkte.
          Preisfrage: Welchem Geschlecht wird es schwerer gemacht gute Leistungen zu erzielen? 😉

          Objektive Richtwerte setzen: Wir setzen 500 Kompetenzpunkte als ausreichend = Note 4 und setzen die Notensprünge mit 31 Punkten von 5 bis 2 und 51 Punkten von 2 auf 1, dann wird ein weiteres Muster erkennbar:

          Note Mädchen Jungen Richtwert
          1 591 619 613
          2 549 566 562
          3 515 533 531
          4 484 498 500
          5/6 460 463 469

          Deutlicher dargestellt:
          Note Mädchen Jungen Diff. Richtwert
          1 -22 +6 613
          2 -13 +4 562
          3 -16 +2 531
          4 -16 -2 500
          5/6 -9 -6 469

          Es gibt keine Note für Mädchen, die sich aus dem so ermittelten Kompetenzniveau für diese Note herleiten ließe. Auffällig ist, Während Jungen die Richtwerte für die Noten 3 bis 1 übererfüllen, bleiben die Mädchen im Schnitt 0,4-0,5 Noten hinter dem Richtwert zurück.

          Aus den Darstellungen lässt sich beweisen, dass Jungen systematisch in diesen Fächern benachteiligt werden. Sie erhalten trotz besserer Leistungen die gleichen Noten wie Mädchen und Mädchen erhalten gleiche Noten trotz schlechterer Leistungen.

          Man muss anmerken, es handelt sich um einen Bericht aus dem Jahr 2009, es ist anzunehmen, die Zustände haben sich für Jungen in den letzten zehn Jahren verschlechtert oder sie stagnieren. Die Effekte für die Abi-Noten der letzten zehn Jahre kann man sich an zwei Fingern einer Hand ausrechnen…

          Besonders dreist finde ich es angesichts dieser Benachteiligung – die man Diskriminierung nennen kann – Phrasen wie „Motivation“ zur Erklärung für diese Ungerechtigkeit heranzuziehen.
          Wenn Schule es als Job versteht, das „Selbstbewusstsein“ und die „Motivation“ der Mädchen zu steigern, dann richtet sich das offensichtlich gegen „Selbstbewusstsein“ und „Motivation“ der Jungen.
          Ich glaube nicht, dass sich die Institution Schule das Prädikat offen Jungen diskriminierend zu sein leisten kann, sie arbeiten aber sehr engagiert in diese Richtung.

    • SPIEGEL: Könnte es nicht auch ein sachlicher Grund sein, wenn sich ein Verein ganz gezielt nur mit Fragen des männlichen Selbstbildes befassen will? Wenn es sich ein Verein zum Beispiel zum Ziel macht, männliche Flüchtlinge darauf vorzubereiten, was sie an ihrem traditionellen Rollenverständnis ändern müssen, um hier – vor allem gegenüber Frauen – nicht anzuecken?

      Fein: Ja. Ein solcher Verein könnte durchaus geltend machen, dass sein Zweck es erfordert, dass diese Männer das erst einmal unter sich ausmachen. Genauso wie es ein Anliegen eines Frauenvereins sein kann, bestehende Nachteile zu beseitigen, kann es ja Anliegen eines Männervereins sein, sich – möglicherweise kritisch – mit der männlichen Geschlechterrolle zu befassen.

      Ein reiner Frauenverein kämpft selbstverständlich für die Rechte der Frauen ein. Das sie schon alle Rechte haben und sogar noch mehr wie Männer, interessiert ja nicht. Frauen sind diskriminiert, das ist ein unveränderlicher Fakt.
      Ein reiner Männerverein muss sich natürlich erstmal beweisen und sollte sich kritisch – immer nur kritisch – mit den Männerrollen auseinander setzen. Das Frauen sich mal kritisch mit ihren Rollen und Weltbild auseinander setzen, scheint undenkbar. Das Männer für die Rechte von Männern eintreten, z.B. als Vater nicht einfach entsorgt zu werden oder einen zu Frauen gleichwertigen Zugang zur medizinischen Versorgung oder fortbildenden Förderungsmöglichkeiten zu erhalten, Schutz der sexuellen Integrität, Schutz vor gewalttätigen Partnerinnen oder so generelle Konzepte wie die Unschuldsvermutung bei Anklagen durch eine Frau, sind wohl nicht gemeinnützig genug.

      Und der andere Text:

      „Ob er denn nicht zugunsten von Regula Rytz [Grüne] hätte verzichten müssen, wurde Hans Stöckli während eines Interviews gefragt. Er habe die Frauenwahl ja nun faktisch ausgebremst. Da verlor der ansonsten freundliche Stöckli die Fassung. Über 16.000 Stimmen mehr hatte er bekommen als Regula Rytz, und muss sich sagen lassen, er hätte zugunsten seiner Konkurrentin verzichten sollen? „Das erklären Sie mir jetzt“, herrschte er den Journalisten an. Nein, jetzt höre der Spass auf, die Frage sei „ein Skandal“, rief Stöckli und war kaum mehr zu beruhigen.

      Seine Kinder pflichteten ihm bei. Eine Frechheit, daneben, diskriminierend. Wie oft habe sich ihr Vater anhören müssen, dass er ein alter, weisser Mann sei, sagt seine Tochter. Auch medial habe ihm das Nachteile gebracht. Doch die öffentliche und die veröffentlichte Meinung seien zum Glück nicht dasselbe. Wie verrückt habe man gekämpft, mit Erfolg. Stöckli machte zweimal das beste Resultat. Und nun diese Aufforderung zum Verzicht. Der Sohn schüttelt den Kopf.

      Das Thema prägte den Wahlkampf. Nicht nur die Euphorie der Bewegung und die Erneuerung, sondern auch die Kehrseite. Männer, die auf der Liste nach hinten rückten, und der öffentliche Diskurs, in dem sich männliche Kandidaten dafür rechtfertigen mussten, einer weiblichen Konkurrentin potenziell den Sitz wegzunehmen. Stöckli musste das in Interviews immer wieder. Bis er irgendwann entnervt sagte: „Ich kann ja nicht als Frau kandidieren.“

      https://genderama.blogspot.com/2019/11/spiegel-online-kann-ein-verein-der.html

      Wenn eine Frau oder ein beliebter Mann seine Abneigung gegen den heutigen Feminismus zum Ausdrück bringt, wird ihr/ihm ja oft vorgeworfen das sie/er nicht weiß um was es beim Feminismus geht und sie/er sich damit erstmal tiefer auseinander setzen sollte.

      Genau das ist eigentlich die Antwort für Menschen die sich Feminist nennen. DIE wissen nicht wofür der heutige Feminismus kämpft und was dieser zu erreichen versucht. Jeder Erfolg des heutigen Feminismus scheint ein Schritt gegen Gleichberechtigung und -stellung zu sein. Das muss irgendwann alles wieder rückgängig gemacht werden. Wer sowas unterstützt, weiß nicht was sie/er unterstützt oder ihr/ihm ist Sexismus und Rassismus egal, solange es nur die richtigen trifft.

  6. Guten Morgen Herr Luthe von der FDP.
    Sie sind empört über die Besserstellung der Fräuleins vom Amt? Dann haben Sie aber in den letzten Jahren nicht aufgepasst. Wird ein Job in einem öffentlichen Bereich ausgeschrieben, in dem Männer überwiegen, werden nur Frauen eingestellt. In manchen Unis werden überhaupt nur Frauen eingestellt in gehobenen Positionen. Ist ein Bereich von Frauen dominiert wie in der Erziehung, der öffentlichen Verwaltung etc. werden allerdings nirgends bevorzugt Männer eingestellt. Die Grünen nennen das bei sich Mindestquotierung und haben sich offenbar gesellschaftsweit damit durchgesetzt. Daher ist es nur schlüssig, dass die Mindestgehälter der Fräuleins vom Amt auch über denen von Männern zu liegen haben. Das ist Gerechtigkeit 2.0
    Warum fällt Ihnen sowas erst jetzt auf?

    • Und natürlich melden sich die Fräuleins häufiger krank. Wenn die nicht rechtzeitig mit einer vernünftigen Work-Life-Balance anfangen, werden sie womöglich bald nicht mehr fünf Jahre älter im Schnitt als Männer….

    • „Wird ein Job in einem öffentlichen Bereich ausgeschrieben, in dem Männer überwiegen, werden nur Frauen eingestellt.“

      Bei uns am Forschungszentrum entdeckte ich mal einen Aushang zu einer internen Stellenausschreibung am Schwarzen Brett.
      Die Personalverwaltung suchte einen Sachbearbeiter/in.
      Am Ende der Stellenbeschreibung kam der obligatorische Zusatz: „Da wir den Frauenanteil erhöhen wollen, ermutigen wir besonders Frauen, sich auf diese Stelle zu bewerben.“

      Der Frauenanteil in der Perso betrug 100%.

      Ich fürchte, sie haben den Frauenanteil nach der Stellenbesetzung auf 110% erhöht.

    • Ich vermute dieser Effekt wird mit höherem Frauenanteil auch stärker werden, weil Frauen sehr wohl männerfeindliche Netzwerke bilden. Im Gegensatz zu Männern denen das immer unterstellt wird, frauenfeindliche zu betreiben, was aber eine Lüge ist.
      Die Diskussion aktuell um Männervereine ist etwas anderes, das hat entweder sachliche Gründe, oder es gibt und gab auch Männerclubs, wo Männer mal AUSNAHMSWEISE unter sich sein wollen, ohne dem ständigen weiblichen Terror dem sie im normalen Leben ausgesetzt sind

      • „oder es gibt und gab auch Männerclubs, wo Männer mal AUSNAHMSWEISE unter sich sein wollen, ohne dem ständigen weiblichen Terror dem sie im normalen Leben ausgesetzt sind“

        Mir gefällt diese Aussage nicht. Hört sich irgendwie überzogen an. Mich nervt diese ständige Gedöns in den Medien auch, wie toll die Powerfrauen doch sind und dass sie alles besser können und deshalb auch im Männerchor mitsingen dürfen müssen.

        Aber wenn ich rausgehe, in meine echte Wellt, da bin ich ständig unter Männern, sei z.B. im Fussballverein (oder wenn ich privat mit Kumpels kicke), sind da gar keine Frauen dabei. Und ich denke das wird sich auch nicht ändern,

        • Du hast also dein Leben so eingerichtet, dass du regelmäßig frauenfreie Zeit und Raum hast, aber dir gefällt die Aussage nicht, dass das für Männer wichtig ist?

          • Mir gefällt die Formulierung „ständiger weiblicher Terror“ nicht. Terror ist was anderes. Das ist schlicht übertrieben da von Terror zu reden. Ich finde so eine Formulierung einfach sachlich falsch und zugleich bedenklich, da kommt die Gegenseite dann wieder damit an „x spricht von terror nur weil da eine frau dabei ist. Das beweist, x ist ein misogyner Not-sieh“.

            Wenn ich so darüber nachdenke, Ich muss mir mein Leben garnicht aktiv frauenfrei einrichten, das passiert doch irgendwie eigentlich ganz von alleine. Zumindest in den Vereinen/Hobbies, mit denen ich so zu tun habe. Selbst wenn sich da eine theoretisch reinklagen würde, würde die sich doch nach 10 min wieder freiwillig verabschieden. Ich sags mal so: Du würdest dich doch auch als Radfahrer als Teilnehmer bei nem Autorennen nicht wohlfühlen und dort freiwillig bleiben.

          • @EinLeser
            „Selbst wenn sich da eine theoretisch reinklagen würde, würde die sich doch nach 10 min wieder freiwillig verabschiede“
            Ich denke das ist der richtige Weg. Mach es Frauen so unangenehm wie möglich, dann verschwinden sie von selbst. Ist bei meinen Kampfsportsachen genauso. Das sind richige Kämpfe (also wo blaue Flecken der tägliche Standard sind) und da hatte bisher auch kaum eine Frau Lust das auszuprobieren. Die welche da waren haben sich bald wieder verabschiedet. Find ich ganz gut.
            Aber Frauen sind weiterhin willkommen – um mithalten zu können müssen sie allerdings vorher Männer gewesen sein.

    • Ich meine in der Gerichtsbarkeit EINER Stadt, gab es Stimmen gegen den hohen Frauenanteil (Hamburg??) Die hatten vermehrt Probleme, zu viele Teilzeitkräfte (IMHO). Ob sie tatsächlich daraufhin den Männeranteil erhöht haben weiß ich nicht.

  7. Pingback: Schulische Benachteiligung von Jungs: Berechnungen von Crumar | Alles Evolution

  8. Ich persönlich habe des Öfteren die Erfahrung machen müssen, dass ich als Junge/junger Mann den kürzeren ziehe. Und das nur weil ich ein Mann bin.

    Egal ob in der Schule, bei der Bewerbung oder im Beruf.
    Ich versuche momentan in den öffentlichen Dienst zu kommen, da ich leider nicht mehr in meinem alten Beruf arbeiten kann. Es ist kaum möglich in eine Verwaltung, egal ob Bund/Land oder Kommune zu gelangen! Willkommen im Jahr 2019.

    Als Mann hat man kaum eine Chance und wird von klein auf ungerecht behandelt.
    In Düsseldorf waren gefühlt 40 von den 50 Teilnehmer, die zum Bewerbungstest eingeladen wurden, Frauen! Mal sehen ob ich bald Obdachlos oder Hartz IV Empfänger bin. Danke Deutschland.

    https://www.polizeitest.de/polizei-sportpruefung-unterschiede-frauen-und-maenner-beim-sporttest/

    Bestes Beispiel, der Polizeitest! Es gibt Mindestanforderungen. Aber es ist doch egal ob Mann oder Frau. Es gibt kleine sowie große Männer und ebenso schlanke, sportliche oder auch unsportliche. Wieso ist das Geschlecht ein entscheidender Punkt, bei dem Entschieden wird, dass eine Frau 13 Wiederholungen mit 20 KG macht und ein Mann 30 KG zwanzig mal stämmen muss? Hat für mich nichts mit Fair zu tun! Das ist Diskriminierung!!!

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