Carolin Emcke: „Politisch korrekt“ als Morsezeichen der Denkfaulen

Carolin Emcke findet den Ausdruck „politisch korrekt“ nicht korrekt genug und kritisiert ihn daher:

Anfangs mag es mitunter Ausdruck eines nachvollziehbaren Unmuts darüber gewesen sein, dass jede noch so unbedachte Äußerung mit einer Hermeneutik des Verdachts belegt werde, dass jeder Irrtum, jedes Unwissen, jede Ungeschicklichkeit sofort als Beleg tiefster Verfehlungen und also als „politisch unkorrekt“, gegeißelt werde. Aber davon ist nichts mehr übrig. Kaum jemand weiß mehr, wann der Begriff entstanden ist, welche Bedeutungen ihm einmal innewohnten. „Politisch korrekt“ ist eine bloße Chiffre geworden, seiner eigenen wandelvollen Geschichte beraubt. Es ist gegenwärtig das wirkmächtigste Instrument der Diffamierung eines Gegenübers. Das Urteil, etwas oder jemand sei „politisch korrekt“, ist die Kurzformel, die signalisieren soll, mit den kritischen Einwänden einer anderen Person oder Position brauche man sich nicht auseinanderzusetzen, deren Zweifel, Hinweise, Gründe können missachtet werden, weil sie, nun, „politisch korrekt“ seien. „Politisch korrekt“ ist das Morsezeichen der Denkfaulen, mit dem sich reflexhaft alles abwehren lässt, was eingeübte Überzeugungen oder Habitus infrage stellen könnte.

Das ist schon faszinierend:

Nimmt sie die „andere Seite“ gar nicht wahr?

Die, die Leute sogleich als Nazis beschimpft, sich als Mob auf jemanden stürzt, der meint, dass der Penis ein männliches Sexualorgan ist? Der nicht Leute mit beliebigen Pronomen anreden will oder meint, dass man Meinungen damit abtun kann, weil der andere das falsche Geschlecht (Mann) oder die falsche Hautfarbe (weiß) hat?

Nimmt sie gar nicht wahr, dass sie damit quasi das selbe macht, was sie anderen vorhält?

Wie kann man einen Absatz schreiben, in dem man Leuten vorhält, die bestimmte Wörter benutzen, dass sie zu Argumenten unfähig und unwillig sind und diese Worte dann gleichzeitig als solche ansehen, die nur von Denkfaulen kommen können, also deren weitere Ausführungen direkt abwerten ohne das sie eine inhaltliche Kontrolle übernimmt?

Natürlich kann „politisch korrekt“ sofort ein Argument folgen etwa:

„Es mag nicht politisch korrekt sein biologische Gründe für  Verhaltensunterschiede von Männern und Frauen zu sehen, aber diverse wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Position nicht haltbar ist“

Nichts einfacher als das. Leider folgt dann häufig der Hinweis, dass man als alter weißer Mann wegen seiner privilegierten Stellung die Klappe halten solle und man nur das Patriarchat stützen wolle.

Es ist ein geschickt arrangiertes Ensemble aus Worten und Motiven, die gemeinsam all jene diskreditieren wollen, die sich auf Menschen- und Bürgerrechte beziehen. Sie werden bespöttelt als „Moralisten“ – als müsse sich rechtfertigen, wer das Grundgesetz für ein schützenswertes Gut hält.

Hier spielt sie Burg und Festung (Motte-Bailey). Denn Menschen- und Bürgerrechte wäre auch nur ein Begriff, der der schnellen Entwertung von Kritik dient, aber keineswegs alles umfasst, was ansonsten als „politisch korrekt“ angesehen wird. Sie tut so als könne es kein „zuviel“ an „Moral“ geben.

Die Hexenverbrennungen zeigen als Extrembeispiel, dass das natürlich der Fall sein kann, wenn man davon ausgeht, dass zumindest einige Leute dort tatsächlich meinten, damit einem höheren Gut zu dienen. Und da wollte man eben auch nur Gottes Gesetze schützen.

Gerade das Grundgesetz hat allerdings auch nicht verdient, dass intersektionale Feministen sich darauf berufen, denn es ist gerade zum Schutz des Einzelnen, als Individualgrundrecht, aus dem Gesichtpunkt heraus geschaffen worden, dass man ein Individuum ist und nicht nur Teil einer Gruppe. Es schützt, wenn auch nicht unbeschränkt, die allgemeine Handlungsfreiheit und erlaubt einem damit auch „unkorrekt“ zu handeln, wenn man das für richtig hält.

Diejenigen, die unter Religionsfreiheit nicht nur Respekt vor katholischer und protestantischer, sondern auch vor jüdischer oder muslimischer Frömmigkeit verstehen, die Armut nicht nur für ein Problem der Umverteilung, sondern auch der Anerkennung halten, diejenigen, die Stigmatisierung von bestimmten Körpern oder bestimmten Familien kritisieren, werden als „Gutmenschen“ verhöhnt – als sei Zynismus neuerdings ein Ausweis der Kultiviertheit.

Auch das ist keine wirklich korrekte Zusammefassung der Positionen – denn auch hier wird ja wiederum von der anderen Seite verhöhnt. Eben weil sie meinen, dass sie die Guten sind, weil sie sich eine Theorie gebastelt haben, in der sie andere beleidigen können, weil diese die Bösen sind.

Dabei purzeln die Vorwürfe munter durcheinander: Mal wird bemängelt, die „politisch Korrekten“ seien „elitär“ und „weltfremd“, dann wiederum gelten sie als zu sehr in der Welt verhaftet und unfähig, in ästhetischen Kategorien zu denken, mal wird unterstellt, die „politisch Korrekten“ verstünden die Nöte der Menschen nicht, dann wiederum, wenn sie Nöte adressieren, wird das als „Identitätspolitik“ folklorisiert und als zimperlich infantilisiert.

Weil es ja auch nur ein Verhalten, einen Sachverhalt, gibt, bei dem etwas als politisch korrekt bezeichnet wird. Wobei der Vorwurf, dass sie zu sehr in ästhetischen Kategorien denken, mich etwas überrascht. Hat den schon mal jemand angetroffen?

Die widersprüchlichen Zuschreibungen, die mit dem Label „politisch korrekt“ verbunden sind, entblößen die klammheimliche Ideologie der Hierarchisierung von Menschen.

Die „widersprüchliche Zuschreibung“ die ich einfach mal so in den Raum stelle aber keineswegs näher begründe, mit Beispielen belege oder bezüglich einer Position beispielhaft nachweise.

Und eine „klammheimliche Ideologie der Hierarchisierung von Menschen“, dass ist fast amüsant, weil es sehr stark spiegelt, was von vielen, die einer „politischen Korrektheit“ anhängen, tatsächlich gemacht wird.
Sie hierarchisieren in Gut und schlecht, in Opfer und Täter, das alles nach pauschalen Gruppen nach Hautfarbe und Geschlecht. Sie verwenden Personengruppen als Strukturen, ganz ungeachtet deren Heterogenität.

Es sollen nur manche als „echte“ Deutsche zählen, nur manche Frauen als „richtige“ Frauen gelten, es sollen nur manche Personen ihre Ängste artikulieren, nur manche Gruppen ihre Rechte selbstbewusst wahrnehmen dürfen. Die anderen werden als „wütend“, „humorlos“ oder „kosmopolitisch“ diskreditiert. Der Vorwurf der „politischen Korrektheit“ ist nur noch ein menschenverachtender Code, der jene „ab ins Körbchen“ kommandieren will, die es wagen, die Würde tatsächlich aller Menschen für unantastbar und die Grundrechte wirklich aller für unveräußerlich zu halten.

Was für ein billiger Text. Ein ehrlicher Text käme aus meiner Sicht nicht daran vorbei zunächst erst einmal darzustellen, was man als Übertrieben, als zu korrekt empfindet und dann zu schauen, inwieweit das tatsächlich ein Über-das-Ziel-hinausschießen sein kann. Und das kann ja ganz einfach in beide Richtungen der Fall sein:

Die „politisch korrekten“ können übertreiben, wenn sie in der Aussage, dass ein Penis ein männliches Sexualorgan ist, einen unglaublichen Frevel sehen, der das Patriarchat etc stützt.

Diejenigen, die „politische Korrektheit“ vorhalten können übertreiben, wenn sie meinen, dass jeder, der in Transsexuellen nicht schlicht Geisteskranke sieht, politisch korrekt ist.

Um mal Extrempositionen zu benennen. Statt dessen kommt sie mit der Würde des Menschen.

Und das bei Leuten, die Männer, Weißen und Heterosexuellen absprechen, sich überhaupt zu Themen äußern zu können, weil sie Unterdrücker sind.

Es geht dann im gleichen Stile weiter: Die einen wollen doch nur die Menschenrechte, die anderen sind Schurken, die die Menschenrechte mit Füßen treten. Durch die Verwendung einer Phrase.
Wenig durchdacht, schlecht argumentiert. Kaum Gehalt. Aber wenigsten politisch korrekt.

38 Gedanken zu “Carolin Emcke: „Politisch korrekt“ als Morsezeichen der Denkfaulen

  1. „politisch korrekt“ trägt schon den Kern der Abwertung in sich. Dass man nämlich bestimmte Dinge sagt, nicht, weil man sie als richtig empfindet, sondern weil es politisch opportun ist, sie zu sagen.

    Das Ergebnis ist eine Welt, gespickt mit Codes und Stolperfallen für die Uneingeweihten. In der keiner sagt, was er denkt, da es aus irgendeinem Grund verboten ist. Der Schein wird zur Ultima Ratio erhoben, die Form wiegt schwerer als die Aussage. Würde jemand sagen „Alle Neger müssen gleiche Rechte wie Weisse haben, das Gebieten die Menschenrechte“, würde er auf dem Altar der political correctness geopfert, obwohl seine Aussage moralisch einwandfrei ist.

    Und dieser Sieg der Form über die Substanz ist letztendlich political correctness. Und im Extrem führt sie dann zu den Zuständen an den Universitäten, wo Menschen keine Vorträge mehr halten, weil sie die falsche Meinung haben. Oder wo die eigene Identität als Knüppel verwendet wird, um jeden niederzuprügeln, der sie nicht 100% verinnerlicht hat, und durch unbedachte Äußerungen „Microaggressions“ begeht.

    Ich fürchte, Frau Emcke ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit.

  2. „Es ist gegenwärtig das wirkmächtigste Instrument der Diffamierung eines Gegenübers. Das Urteil, jemand sei „ein weißer heterosexueller Mann“, ist die Kurzformel, die signalisieren soll, mit den kritischen Einwänden einer anderen Person oder Position brauche man sich nicht auseinanderzusetzen, deren Zweifel, Hinweise, Gründe können missachtet werden, weil sie von einem „weißen heterosexueller Mann“ seien. „Weißer heterosexueller Mann“ ist das Morsezeichen der Denkfaulen, mit dem sich reflexhaft alles abwehren lässt, was eingeübte Überzeugungen oder Habitus infrage stellen könnte.

    *fixed*

  3. sich als Mob auf jemanden stützt,

    sich als Mob auf jemanden stürzt,

    kann, wenn davon ausgeht,

    kann, wenn man davon ausgeht,

    inwieweit da tatsächlich ein Über-das-Ziel-heinausschießen kann.

    inwieweit da tatsächlich ein Über-das-Ziel-heinausschießen sein kann.

    Korrektheit“ vorhalten können übertreibe,

    Korrektheit“ vorhalten können übertreiben,

    nicht schlicht Geisteskanke sieht,

    nicht schlicht Geisteskranke sieht,

    Viele Grüße, bei mir hat Babysprache mein Sprachvermögen verändert, LaLaLa und DuDuDu und ähnliches vorzumachen, half meinem Kind aber mAn sehr.

  4. Ich finde bei narzisstischen Menschen, oder bei denen die hohe Werte bei der dunklen Triade erreichen, ist es auffällig wie sehr sie ihrem Gegenüber Dinge vorwerfen die sie selbst genau so handhaben.

    Man kann so ihre Klage fast 1 zu 1 kopieren und ihr zurückwerfen:

    Es sollen nur manche als „echte“ Opfer zählen, nur manche Ansichten als „richtige“ Ansichten gelten, es sollen nur manche Personen ihre Ängste artikulieren, nur manche Gruppen ihre Rechte selbstbewusst wahrnehmen dürfen. Die anderen werden als „gefährlich“, „unberechtigt“ oder „fragile Egos“ diskreditiert. Der Vorwurf der „politischen UNKorrektheit“ ist nur noch ein menschenverachtender Code, der jene „ab ins Körbchen“ kommandieren will, die es wagen, die Würde tatsächlich aller Menschen für unantastbar und die Grundrechte wirklich aller für unveräußerlich zu halten.

  5. Hat sich Emcke überhaupt einmal überlegt, was mit „politische Korrektheit“ gemeint ist? Diesen Eindruck habe ich nicht. Natürlich wird er auch als politischer Kampfbegriff gebraucht, aber den Kern der Sache hat sie nicht mal ansatzweise erfasst. Ihre Ausführungen besagen eigentlich nur, dass der Begriff „politisch korrekt“ mehrheitlich von Leuten verwendet wird, die sie als politische Gegner versteht. Sie hat nichts verstanden, das aber gründlich.

    • Emcke braucht auch gar nichts zu erfassen. Ausser wer Freund und wer Feind ist. Das ist alles, was für sie zählt, die Welt in Gut und Böse einzuteilen.

  6. „Wobei der Vorwurf, dass sie zu sehr in ästhetischen Kategorien denken, mich etwas überrascht“

    Es muss heißen: zu wenig in ästhetischen Kategorien.

    Hat mich auch überrascht. Allerdings kann man den Text eh nicht ernstnehmen.

    Die These der sozialen Konstruiertheit von Geschlechtsorganen ist eigentlich kein gutes Beispiel für political correctness. Das ist gerade eine der wenigen progressiven Thesen, die man noch anzweifeln darf, die noch nicht Mainstream geworden sind.

  7. Das Urteil, etwas oder jemand sei „politisch korrekt“, ist die Kurzformel, die signalisieren soll, mit den kritischen Einwänden einer anderen Person oder Position brauche man sich nicht auseinanderzusetzen, deren Zweifel, Hinweise, Gründe können missachtet werden, weil sie, nun, „politisch korrekt“ seien.

    Für Frau Emcke ist also ein bloßer Zeigefinger auf Sprachsitten ein „kritischer Einwand“. Was allerdings nicht weiter verwundert, da sie, wie so viele Rinken heutzutage, eine Anhängerin des linguistischen Determinismus ist. Demzufolge ist ja das bloße Aufstellen und Einhalten von „progressiven“ Sprachsitten eine großartige, gesellschaftsverändernde Heldentat.

    Das schöne daran ist, dass man keine weiteren Gehirnkalorien ob der komplexen Welt verbrauchen muss, und dennoch hervorragend soziale Distinktion als „Bildungbürger“ morsen kann.

  8. „Es mag politisch korrekt sein biologische Gründe für Verhaltensunterschiede von Männern und Frauen zu sehen, aber diverse wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Position nicht haltbar ist“

    Hä? Ist es nicht eher pc, eben keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern zu sehen, außer es nutzt oder schmeichelt Frauen und dämonisiert Männer?

    • Gemeint war offensichtlich: „Es mag politisch unkorrekt sein..“

      Fräulein Schmidt hat wohl während des Schreibens Aufmerksamkeit eingefordert, und Herr Schmidt ist nicht unbedingt ein ausgezeichneter Mulitasker 😉

      Man kann es aber noch decodieren.

  9. Im Grunde nur ein beliebiges spekulieren über die Motive politisch Andersdenkender, denen natürlich nur die Übelsten unterstellt werden, während man selber natürlich nur die edelste, universalistische Moral vertritt.

    Immer wieder stelle ich fest, dass Leute wie Emcke unfähig sind, sich in andere hineinzuversetzen bzw. deren Standpunkt irgendwie nachzuvollziehen. Das ist einerseits sicher Narzissmus, wird aber auch durch die vertretenen theoretischen Auffassungen gestützt, nach denen alle Zwischenmenschlichen Beziehungen nur Machtverhältnisse abbilden, nach denen Sprache die Realität erst konstituiert, und Sprechen und Denken untrennbar voneinander sind.

  10. „Diejenigen, die „politische Korrektheit“ vorhalten können übertreibe, wenn sie meinen, dass jeder, der in Transsexuellen nicht schlicht Geisteskanke sieht, politisch korrekt ist.“

    Persönlich erscheint mir die Nachfrage nach x – aus streng-medizinischer Sicht sicher – unnötigen Operationen sowie die freiwillige, lebenslange Einnahme von Geschlechtshormonen (was sich in aller Regel als lebensverkürzend erweisen müsste) geisteskrank.

    Aus Respekt vor den Betroffenen und ihrer Entscheidungshoheit über ihre Körper – Andere würden vielleicht sagen „politischer Korrektheit“ – neige ich dazu, diese Ansicht eher zu verheimlichen.

    Ich rege mich nichtmal ernstlich darüber auf, dass hier gut und gerne sechsstellige Summen pro Einzelfall von den gesetzlichen Krankenkassen bewilligt werden – während bspw. meine Sehhilfen (-4,5 Dioptrien ohne Hornhautverkrümmung) derzeit gar nicht bezuschusst werden.

    Ich glaube, dass ein/e Transexuelle/r – in einem anderen gesellschaftlichen Klima – durch (ungleich günstigere) psychologische Unterstützung Akzeptanz des eigenes Selbst erlernen könnte.

    Ich glaube hingegen nicht, dass sich Fehlsichtigkeiten durch (natürlich privat zu leistende) spezielle Nährstoffe und Training vergleichbar beheben lassen. (Wobei mir ja schon klar ist, dass ich in einer Welt ohne Autoverkehr, Fernseher, Computer etc. auch mit meiner unscharfen Sicht keinerlei Probleme hätte)

  11. So schlimm der Text von Carolin Emcke auch ist – wir sollten doch auf einer recht allgemeine Ebene zugestehen:

    Wenn wir Ausdrücke wie „politisch korrekt“, „identity politics“, „race to the bottom“, „Opfer-Abo“ u. dgl. verwenden, dann besteht hier die Gefahr – eine Gefahr, die bei allen negativen Qualifizierungen besteht -, dass wir sie vorschnell verwenden, um eine Sache zu diskreditieren:

    – einmal ohne diese Sache genau zu untersuchen oder genau verstehen,
    – zum anderen ohne besonders gute Gründe für unseren negativen Befund zu haben.

    Ja, das ist ein Gefahr, wie gesagt: eine Gefahr, die bei allen negativen Einschätzungen und Einstufungen besteht, ebenso wie bei „rechts“ [= „rechts !!!!!“], „Nazi“ usw.

    Dessen müssen wir uns bewusst sein, und dies sollten wir auch bei uns kritisch hinterfragen. So schlimm der Text von Carolin Emcke auch ist.

    • @Jochen

      Deine Einwände ehren dich.

      Vielleicht hätte Christian auch die Überschrift des Artikels nennen sollen: „Worte, die vergiften“ unter der Rubrik „Rhetorik und Macht“.
      Die Grundannahme, für sie haben diese Macht die Anderen ist m.E. ebenso zutreffend wie die, eben nur diese Anderen können und wollen vergiften.

      Sie ist nicht in der Lage, aus ihrer (preisgekrönten) Verfügung über einen Platz in den Mainstream-Medien abzuleiten, sie ist in der Tat in einer Machtposition und sie ist dort, weil ihre fein säuberliche Einteilung in Vergifter und Vergiftete die Mehrheitsmeinung der Mainstream-Medien ist.

      Wäre es nicht ein Katzensprung von den „Worten, die vergiften“ zur toxischen, also giftigen Männlichkeit, ergo vom Gift zum Vergifter, wäre die Vorstellung eines heilen Sprachkörpers, der beschädigt wird nicht so nah angesiedelt an der Vorstellung, es gäbe den heilen Volkskörper, der von den Anderen zersetzt wird, wäre sie glaubwürdiger.

      Sie muss sich folgendes von mir sagen lassen: „Sie beschädigen den öffentlichen Diskurs mit ihrem Aberglauben, ihren Verschwörungstheorien und dieser eigentümlichen Kombination aus Selbstmitleid und Brutalität. Sie verbreiten Angst und Schrecken und reduzieren den sozialen Raum, in dem wir uns begegnen und artikulieren können.“

      Ich habe aus ihrer eigenen Rede aus Anlass der Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels von 2016 zitiert. (S. 13)
      Es wird ihr unvorstellbar sein, dass sie aus unserer Perspektive zu diesen Sie gehört.
      Dass, was sie „den Anderen“ vorwirft haargenau das ist, was sie betreibt.

      Noch einmal in ihre eigenen Worten (S. 12): „Alles Dynamische, alles Vieldeutige an den eigenen kulturellen Bezügen und Kontexten wird negiert. Alles individuell Einzigartige, alles, was uns als Menschen, aber auch als Angehörige ausmacht: unser Hadern, unsere Verletzbarkeiten, aber auch unsere Phantasien vom Glück, wird geleugnet. Wir werden sortiert nach Identität und Differenz, werden in Kollektive verpackt, alle lebendigen, zarten, widersprüchlichen Zugehörigkeiten verschlichtet und verdumpft.“

      Das könnten wir alle unterschreiben und den (Links-) Identiären unter die Nase halten – zu denen sie gehört – die uns in das enge Korsett aus Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft und sexueller Orientierung schnüren wollen.
      Sie hingegen sucht die Schuldigen in den (Rechts-) „Populisten und Fanatikern der Reinheit“ – auf der anderen politischen Seite.
      Ehmke ist regelrecht gefangen in ihren eigenen Projektionen und unfähig das „othering“ zu bemerken, das sie im Rahmen ihrer moralisierenden Rede selber betreibt.

      • Stimmt. Ich bin auf den Inhalt des Artikels gar nicht eingegangen, sondern bloß auf diese Phrase von dem „Morsezeichen“.

        Hab‘ den Emcke-Artikel jetzt mal gelesen. Es scheint so, daß sie mit dem Vorwurf der politischen Korrektheit zunächst und vor allem „rechtsradikale, völkische Fanatiker“ verbindet. Und mir ist nicht so ganz klar: Kommen da Leute wie wir bei ihr gar nicht vor — oder will sie Leute wie uns zu rechtsradikalen, völkischen Fanatikern stempeln: Jeder Männer-Rechtler nichts weiter als ein Neo-Nazi?!

        • Für Emcke und alle anderen Linken ihrer Art gibt es nur zwei Gruppen. Sie selbst gegen alle anderen. Das wird doch schon eigentlich klar, wenn man nur ein paar Zeilen Emcke liest?!

        • @Jochen

          In letzter Konsequenz ist es haargenau das.
          Sie ist in einem (internationalen) Spektrum der Linken angesiedelt, das vor lauter Selbstbesoffenheit unfähig ist zu begreifen, auf welchen tatsächlichen Ausschlüssen ihre gesamte Weltanschauung basiert und wie kompatibel diese zu der von ihr kritisierten ist.

          In ihrer absurden, moralisch aufgeladenen Opfer-Täter-Ideologie sind wir die Vertreter der Unterdrücker und sie die Vertreterin der Unterdrückten – einfach gesagt: „Ich gut, du böse.“

          Wenn ich das von ihr Geschriebene: „Es ist trostlos, dass das Plädoyer für universale Menschenrechte, für rechtsstaatliche Institutionen und politische Vernunft mittlerweile als radikale, randständige Position gilt.“ gegen ihre Aussagen verwenden würde, dann wäre sie nicht nur entsetzt, sondern aus ihrer Sicht habe ich gar kein Recht mich darauf zu beziehen.
          Denn sie steht für die Vernunft, das Recht und die Institutionen…

          Wenn sie drei Texte von Schoppe lesen würde, der aus dem Bezug präzise auf universale Menschenrechte Männerrechte ableitet, würde sie wahrscheinlich ins Koma fallen. 😉
          Sie wäre mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die für sie bisher nicht existiert hat.

          Natürlich ist es für sie und ihr Ego wesentlich besser, dann uns alle im Lager der Rechten anzusiedeln.
          Ich bezweifle nur, dass das eine durchhaltbare Position ist.

          • @crumar
            „universale Menschenrechte“ …

            Sind das die, die „for sale“ sind, also etwa als Privilegien kaufbar? Wäre so das feministisch-progressive Modell der Zukunft! Wenn es nach Emcke und Co. ginge.
            Die anderen reden von „universellen“ Menschenrechten, so wäre das richtig übersetzt 😉

          • Oh weh, erst vergessen Klammer zu schließen und dann auch noch das! 😦
            Kann aber tatsächlich passieren, wenn man tagelang englische Texte liest, es fällt einem gar nicht auf.

            Noch eine Bemerkung zu dem „internationalen Spektrum“: Fraser et al haben in den USA ein linkes „Manifest“ (!) für einen neuen, öko-sozialistischen (!!) Feminismus der 99% (!!! der Frauen natürlich) geschrieben.
            Das Wort „Gewerkschaften“ (trade unions) kommt als Kooperationspartner nicht vor.
            Es gibt keinen negativen oder positiven Bezug, sondern gar keinen.
            Als würden diese Organisationen nicht existieren.

            Die IG Metall hat in D mehr Mitglieder als alle im Bundestag vertretenen Parteien zusammen – frag Margarete Stokowski, lass sie ein „Manifest“ schreiben und du erhieltest ein identisches Resultat.
            Sie halten ihre (gefühlte) Wahrnehmung der Wirklichkeit für die Wirklichkeit.
            Weil sie keinen Kontakt zu Gewerkschaften haben…existieren sie nicht.
            Kennst du das Kind mit der Hand vor Augen? Das kann auch nicht gesehen werden, weil es dich nicht sehen kann.

            Dass der neueste Feminismus „öko-sozialistisch“ ist war mir neu – Fraser et al aber auch. Es gibt keine durchgängige feministische Debatte über „Öko-Sozialismus“ vor den „climate change“-Protesten. Das ist keine Theorie, es ist Opportunismus und der erkennbar halbgare Versuch, sich an die Spitze einer Bewegung zu setzen, die sie verpennt haben.

            Was sich hier blamiert ist ein Muster, das die Linke seit Jahrzehnten verpestet: „Ich bin viel radikalerer als wie du! Bääääääm!“ Um die Fallhöhe klar zu machen, es existiert in den USA noch nicht einmal bezahlter Mutterschaftsurlaub, aber wir ignorieren das großzügig und plädieren auf feministischen Öko-Sozialismus! Von dem sie keine Ahnung haben, was das eigentlich sein soll…

            Nichts davon ist real, alles davon ist desorientierend.

          • „Kann aber tatsächlich passieren, wenn man tagelang englische Texte liest, es fällt einem gar nicht auf.“

            Immer wieder witzig, manche Fehler sagen einfach viel aus.
            Das ist so wie mit dem „Wahrsager“-Witz, dem im nächsten Moment ein Blumentopf auf den Kopf fällt 😀

            „linkes „Manifest“ (!) für einen neuen, öko-sozialistischen (!!) Feminismus der 99% (!!! der Frauen natürlich) geschrieben.“

            Das ist der übliche esoterische Feminismus, der seltsamerweise immer vergessen wird. Ist eben auch zu extrem und jenseits von gut und böse und völlig unlogisch obendrein. Der entstammt der originären „zweiten Welle“ und ist das Gegenstück zu allem typisch linken Feminismus. Dalays Ökofeminismus-Standard „Gynecology“ ist ein bekannterer Vertreter dieser Schiene.
            Auch in den ganz frühen Feminismen ist Zauber, Magie und Romantik angesagt, die bessere „Natur“ des Menschen und der Frau usw usf
            Gerade einen Marxisten wie dich, @crumar, muss das doch extrem interessieren. Das zeigt ja vollumfänglich, wie bürgerlich der F. dem Wesen nach ist, also, was du auch längst erkannt hast 🙂

    • Es wäre auf jeden Fall positiv, wenn in der politischen Arena die Auseinandersetzung um einzelne Sachthemen unabhängig von anderen Sachthemen, Personen oder Meinungen geführt würde.

      Leider ist das nicht der Fall. Das Schubladen Denken nimmt eher zu als ab. Sachliche Auseinandersetzung ist nicht gefragt, wer besser lügt, gewinnt. (Man denke an #MeToo, Gender Pay Gap und die gut ausgebildeten Flüchtlingsfamilien; andererseits an Klimawandelleugnung mit Greta-Hass, Veggie-Day oder Künast Verleumdung).

      Den anderen als Feind zu sehen und politische Auseinandersetzung als Nullsummenspiel, bei einer nur gewinnen kann, was andere verlieren, ist nicht zielführend.
      Es gibt genug win-win Situationen und Kompromisse, die erfolgreich sind, und die man nicht findet, wenn man Gegners haft in Feindschaft umdeklariert.

  12. Dabei purzeln die Vorwürfe munter durcheinander: Mal wird bemängelt, die „politisch Korrekten“ seien „elitär (1)“ und „weltfremd (2)“, dann wiederum gelten sie als zu sehr in der Welt verhaftet (3) und unfähig, in ästhetischen Kategorien zu denken (4), mal wird unterstellt, die „politisch Korrekten“ verstünden die Nöte der Menschen nicht (5), dann wiederum, wenn sie Nöte adressieren (6), wird das als „Identitätspolitik“ folklorisiert und als zimperlich infantilisiert.

    Zwischen 1 & 2 & 5 gibt es keinen Widerspruch.
    Bei 6 auch noch nicht, denn das was die elitären, weltfremden PC-Leute, die die Nöte der Menschen nicht verstehen, denken was die Nöte der Menschen sind, ist meisten falsch (z.B. Gender Pay Gap, Steuer auf Tampon).
    Was mit 3 gemeint ist weiß ich nicht und habe auch noch nie bewusst sowas gehört. Ausgedacht?
    Was 4 bedeutet, weiß ich auch nicht und habe ich auch noch nie gehört. Das was Feministinnen toll finden ist meisten scheiße, diskriminierend, Menschen verachtend oder widerlich, aber im Zusammenhang mit „politisch korrekt“ habe ich es noch nicht gehört.

    • Stimmt, die Punkte (3) und (4) sind in Bezug auf „politisch korrekt“ ziemlich rätselhaft – oder sagen wir einfach: sie passen dort nicht hin.

    • -> „Dabei Purzeln die Vorwürfe munter durcheinander. Mal bemängeln Gläubige die Gottlosigkeit des Kommunismus, dann wiederum bemängeln Atheisten, dass der Kommunismus eine Sekulärreligion sei!!
      Voll widersprüchlich, diese Gegner – die kann man doch nicht ernst nehmen!!11!!“
      __________

      3 und 4 meint wohl die spröde sozialtechnokratische Weltsicht von Sozialingeneur_innen.

  13. Hat dies auf Bayern ist FREI rebloggt und kommentierte:
    Die Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, die von allen Spitzen der Bunten Republik 2016 deren höchste Ehrung erfuhr, weil sie angeblich die Gesellschaft zusammenführt, hat sich eine Theorie gebastelt, durch deren Vertretung sie automatisch die Vertreterin der Menschenwürde und Menschenrechte und Andersdenkende automatisch Verfassungsfeinde sind. Jetzt gibt es aber Diskutanten, die Frau Emcke diesen automatischen Heiligenschein nicht zubilligen. Über diese Zeitgenossen echauffiert sich die Friedenspreisträgerin in der Prantlprawda. Es seien denkfaule Undemokraten, die klammheimlich Menschen hierarchisieren wollen. Der Text der bunten Preisträgerin bewegt sich ungefähr auf dem Niveau einer weiteren bunten Koryphäe, des Kollegen Udo Lindenberg, der etwa gleichzeitig die Fassung verlor.

  14. Und die progressive Extremistin und orwellsche Friedenspreisträgerin Emcke darf die Laudatio auf Maas halten! Wie überaus passend 😀
    Nächstes Jahr geht der Preis dann an das iranische Staatsoberhaupt, nebst dem „Herzl-Preis“, den ja die Angela Merkel gerade bekommen hat.

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