Shell Studie: Wie wollen Jugendliche später mit ihrem Partner die Kindererbetreuung und die Erwerbstätigkeit verteilen

Arne hatte gestern bereits darüber berichtet: Die Shell Studie hat festgestellt, dass viele Jugendliche ein vergleichsweise konservatives Lebensmodell planen:

Partnerschaft und Vorstellungen von partnerschaftlicher Aufteilung der Erwerbstätigkeit

5% der 12- bis 14-Jährigen haben eine feste Partnerschaft, bei den 22- bis 25-Jährigen ist es mehr als die Hälfte (52%). In allen Altersgruppen sprechen junge Frauen häufiger als junge Männer von einer festen Partnerschaft.

Das Mädchen eher eine feste Partnerschaft in einer Altersschicht haben wäre ja schon damit zu begründen, dass sie eher ältere Freunde haben.

 

Fragt man Jugendliche, wie sie sich die partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbstätigkeit wünschen würden, wenn sie 30 Jahre alt wären und ein zweijähriges Kind hätten, sind sich junge Männer und Frauen recht einig bezüglich der idealen Rollenverteilung:

Die Frage an sich ist natürlich auch noch nicht so aussagekräftig, weil sie auf ein zweijähriges Kind abstellt. Da würden eh viele noch keine Fremdbetreuung anfangen und die Frau plant ja häufig auch zumindest im ersten Jahr zu stillen, so dass sie da eh schon einmal eher aussetzt.

In einer Partnerschaft mit kleinem Kind sollte die Frau und nicht der Mann beruflich kürzer treten. 65% der Frauen würden gerne maximal halbtags arbeiten – und 68% der jungen Männer wünschen sich genau das von ihrer Partnerin.

Wenig überraschend. Es wäre interessant, ob die Männer sich das wünschen oder es schlicht als die beste Möglichkeit akzeptieren, mit der die Kinderbetreuung im jungen Alter am besten umzusetzen ist.

Viele Männer wünschen sich eine Rolle als »aktiver Vater«, der sich an der Kinderbetreuung beteiligt, und nur 41% von ihnen möchten in der beschriebenen Familiensituation in Vollzeit arbeiten.

Da wäre natürlich die Frage ab wann man ein „aktiver Vater“ ist und ob man dann wirklich Teilzeit in irgendeiner Form beantragt.

Von den jungen Frauen wünschen sich etwas mehr (51%), dass der Vater in Vollzeit arbeitet.

Was ja auch das realistischste Modell ist, weil die Rechnungen weiter bezahlt werden müssen. Es gibt natürlich die Berufe, wo beide es gut vereinbaren können und dagegen ist auch nichts zu sagen. Aber da Männer sich eher auf Berufe konzentrieren, bei denen das Gehalt höher ist und Frauen eher auf Berufe, in denen man Sicherheit hat und gut aussetzen kann ergibt sich schon daraus eine gewisse Verteilung.

 

Insgesamt haben beide Geschlechter also recht ähnliche Vorstellungen, was die Erwerbstätigkeit eines Vaters und einer Mutter angeht. Insgesamt ist es mehr als die Hälfte (54%) aller 12- bis 25-Jährigen, die ein »männliches Versorgermodell« favorisieren:

Wäre interessant da mal die Altersaufteilung zu sehen. Die Ansicht eines 12 jährigen, wie er später im Berufsleben sein Leben gestaltet finde ich insoweit weit weniger interessant als die von jemanden, der tatsächlich schon arbeitet oder zumindest volljährig ist.

10% bevorzugen das Modell eines »männlichen Alleinversorgers« (der Mann versorgt die Familie allein und arbeitet 30 oder 40 Stunden in der Woche), weitere 44% präferieren das Modell eines »männlichen Hauptversorgers« (der Mann arbeitet mindestens 30 Stunden, die Frau maximal halbtags).

Wäre interessant, was die anderen favorisieren. Denn da bleiben ja immerhin noch 46% übrig. Sind diese für ein Modell, bei denen beide Halbtags arbeiten? Oder gar die Frauen der Hauptversorger sind.

Auch an dieser Stelle sind Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern zu sehen. Junge Menschen im Westen denken hier traditioneller: 58% der Männer und 56% der Frauen würden sich eine Familie mit männlichem Allein- oder Hauptversorger wünschen, während sich im Osten dem nur 38% der Männer und 31% der Frauen anschließen. Der Vater als Ernährer der Familie ist – zumindest im Westen – offensichtlich keine rein männliche Vorstellung, dieses Modell wird auch von vielen jungen Frauen favorisiert.

„Offenbar keine rein männliche Vorstellung“ – wer hätte es gedacht. Ich vermute, wenn man Paare fragt, die bereits arbeiten und die vor der tatsächlichen Kinderplanung stehen oder die schon Kinder haben, dann wird sich das eher noch weiter verschieben.

In den neuen Bundesländern erfreuen sich dafür gleichwertiger aufgeteilte Modelle deutlich größerer Beliebtheit als im Westen.

Der Osten also mal wieder emanzipierter als der Westen.

Die ganze Studie habe ich bei kurzen Suchen noch nicht gefunden. Wer einen Link hat: Bitte in den Kommentaren mitteilen.

19 Gedanken zu “Shell Studie: Wie wollen Jugendliche später mit ihrem Partner die Kindererbetreuung und die Erwerbstätigkeit verteilen

    • und das ist die Quintessenz der Politik. Für die Menschen die man sich vorstellt anstatt für die, die da sind. Themaverfehlung, Setzten, SECHS!

    • „Es ist schon sehr überraschend für uns (…)“, sagte eine konsternierte Familienministerin Franziska Giffey.

      … und belegt damit eindrücklich, wie weit entfernt von der Wirklichkeit die Ministerin lebt.
      Vielleicht solte sie gelegentlich mal mit „echten“ Bürgern von der Straße reden und nicht nur mit Vertreterinnen aus ihrer feministischen Filterblase.

      Denn auch die Shell-Studie bestätigt nur, was ALLE seriösen Studien – mindestens – der letzten 20 Jahre herausfanden.

    • Meine Theorie ist, es liegt an den pränatalen Hormonen, die im Westen ganz anders sind als im Osten, wir sollten evtl. zwei Evolutionsmodelle zugrunde legen, die sich strikt an die Grenze gehalten und/oder zwei Patriarchate, die die Gene unterschiedlich sozial konstruiert haben, bzw. das Patriarchat ist ein genetisches Konstrukt und die Hormone sind ein antifaschistischer Schutzwall.

      Ich glaube, die wird ein Hit! 🙂

  1. Wichtiger als die Ossi/Wessi-Unterscheidung wäre es, Leute mit Migrationshintergrund und Bio-Deutsche zu trennen.

    Hab in den letzten zwei Jahren beruflich viel mit Leuten zu tun, die aus muslimischen Ländern hier eingewandert sind, oft schon vor zwanzig Jahren. Die haben ganz andere Vorstellungen von Familie. Da ist es schon undenkbar, dass man dem eigenen Vater widerspricht.

    Gestern wieder mit einem gesprochen. Der meinte, der meinte, Homosexualität sei Sünde, und kan dann mit der Geschichte von Lot (im Islam Lut) und Sodom und Gomorrha.

    • „Die haben ganz andere Vorstellungen von Familie. Da ist es schon undenkbar, dass man dem eigenen Vater widerspricht.“

      Oder seine Eltern ins Pflegeheim geben.
      Das ist unvorstellbar.

  2. Eigentlich nix Neues: Auch die jungen Frauen wünschen sich einen „Versorger“. Interessant wird es aber, wenn man die Entwicklung am Arbeitsmarkt sieht. Dort werden allerorts explizit junge Frauen gesucht, sodass möglichst überall mindestens die Hälfte der potentiellen Versorgerpositionen von Frauen besetzt sind. Dadurch werden Männer aus vielen Berufssparten gedrängt und können die erwünschte Versorgerposition gar nicht wahrnehmen (außer in Jobs wie Paketboten, Straßenarbeiter und Müllwerker, die Frauen zu unbequem für eine Quotierung sind).

    Also denken sich die Männer, dann könnten sie doch vielleicht die Hausarbeit, Kindererziehung etc. übernehmen, das sei ja für Frauen ohnehin diskriminierend.

    Nun kenne ich in meinem Umfeld keine einzige derartige Konstellation, in der eine Frau mit entsprechendem Posten einen Mann versorgt, der Zuhause bleibt. Ich kenne aber unzählige Fälle, in denen eine sichtlich überforderte Frau den nunmehr als Versorger unnützen Mann in die Wüste schickt, die gemeinsamen Kinder als ihren Besitz ansieht und in die permanente Fremdbetreuung schickt, damit sie sich ihrem Berufsleben und manchmal auch der Karriere widmen kann.

    Der Mann darf seine Kinder nur punktuell sehen, obwohl er Zeit und Motivation hat, die Kinder zu betreuen und aufzuziehen.

  3. Was mich gesamtgesellschaftlich wirklich ärgert, ist die ideologische Aufladung des Erziehungsthemas, bzw. die Kaperung durch „Progressive“ und ihren Rollen- und Genderschwachsinn, denn irgendwann wird das Pendel zurückschwingen und ich halte es für denkbar, dass gerade Parteien wie die AfD dann Sachen wie das Elterngeld etc. wieder abschaffen, welches ich aber durchaus für eine Errungenschaft hielt, weil es erstmals auch Männern das Recht und die Möglichkeit verschaffte, ernsthaft am Familienleben teilzunehmen, statt nur als Zahler nebenher zu fahren. Der Gesellschaft würde es m.E. besser gehen, wenn Väter mehr miterziehen würden, auch wenn man uns das alles mit „endlich weniger Care-Arbeit durch, dafür mehr Job für Frauen“ verkaufen will.

    Letzteres bringt mich, der sich die Teilzeitarbeit aus Überzeugung erkämpft hat, in die unangenehme Situation, wie ein Mainstreamtrottel und Frauenknecht dazustehen und irgendwie zwischen den Fronten.

    Na ja. Ich bin gespannt, was meine Tochter und mein Sohn einmal anstreben und ob sie es verwirklichen können. Vielleicht erlebe ich meine Enkel ja und kann ein bisschen entlastend mithelfen.

    • Es ist kein Zitat aus dem (sehr empfehlenswerten) Artikel, sondern aus Androsch Kubis Kommentar, auf den ich damit eigentlich antworten wollte (aber irgendwie ist mein Kommentar nicht unter seinem eingerückt worden).

  4. Na sowas, die Mehrheit möchte an dem festhalten, was seit Jahrtausenden funktioniert und nicht die Vorstellungen einiger linker Medien übernehmen? Ich bin schockiert.

  5. „Die Frage an sich ist natürlich auch noch nicht so aussagekräftig, weil sie auf ein zweijähriges Kind abstellt. Da würden eh viele noch keine Fremdbetreuung anfangen und die Frau plant ja häufig auch zumindest im ersten Jahr zu stillen, so dass sie da eh schon einmal eher aussetzt.“

    So wie du es beschreibst müsste es bei fairer Aufgabenverteilung einen Männerüberhang in der Elternzeit geben. Denn wenn die Mutter im 1. LJ wegen Stillen aussetzt, ist im 2. LJ ja wohl der Vater dran.

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