Feminismuskritik und Männerrechte – Deadlock statt Dreamteam (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Tobias

Die These

Feminismuskritik und Männerrechte sind im Grunde zwei unterschiedliche Angelegenheiten. Eine große Mehrheit der Frauen in diesem Land sieht sich selbst nicht als feministisch, hat aber gleichzeitig mit der Männerrechtsbewegung nichts am Hut. Die persönliche Einstellung zu Feminismuskritik und Männerrechten kann sich also durchaus unterscheiden, obwohl es inhaltlich häufig um die gleichen Themen geht. Andersherum betrachtet, existiert Misandrie auch bei Frauen und Männern ohne feministisches Weltbild. So gab es in den letzten Jahren Kritik am vergleichsweise überproportionalen Anteil männlicher Flüchtlinge. Der dazu aufgespannte Alice-Schwarzer-Feminismus begründet das mit dem Frauenbild der Flüchtlinge (natürlich nur der Männlichen). Speziell mit dem Aspekt „männliche Flüchtlinge“ hantieren jedoch ansonsten politische Gruppen, welche man mit Feminismus ganz bestimmt nicht in Verbindung bringt. Dennoch werden Kritik am Feminismus und die Männerrechtsbewegung gerne implizit in einen Topf geworfen oder gleich mit Frauenhass gleichgesetzt.

Der heutige Feminismus ist ziemlich erfolgreich, wenn man bedenkt, dass der sich der Großteil der Bevölkerung nicht als feministisch bezeichnet [1] [2]. Feministische Forderungen führen zur Reform des demokratisch sensiblen Wahlrechts in einzelnen Bundesländern, während es eine große Koalition im Bund in jahrelangen schwierigen Verhandlung kaum schafft, die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zu Überhangmandaten umzusetzen. Feministen kritisieren ungestört den sogenannten Gender Pay Gap sowie den statistisch höheren Zeitanteil der Frauen an der Haus- und Familienarbeit, obwohl beides offensichtlich zusammenhängt. Eine angespannte Regierungskoalition bricht fast auseinander, weil sie sich in einer feministisch induzierten Abtreibungsdebatte (siehe [3]) nicht einig wird, die in der Bevölkerung fast niemanden interessiert. Demokratische Mechanismen wie Kritik oder ausgewogene Berichterstattung setzen bisweilen aus, wenn es um Feminismus geht.

Für diesen Sonderstatus muss es Gründe geben. Die hier vertretene These lautet, dass der politische Feminismus erfolgreich mit normativer Weiblichkeit kooperiert, insbesondere im Hinblick auf den Opferstatus. Die Kombination von Maskulismus und Feminismuskritik profitiert hingegen nicht in vergleichbarer Form. Eine solche Kombination ist zudem in der politischen Auseinandersetzung mit dem Mainstream-Feminismus besonders anfällig für den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit und Tätlichkeit. Im Anschluss wird auch diskutiert, welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden sollten.

Feminismus und die Weiblichkeit

Nun kann man der Meinung sein, Feminismus und Frauentum wären selbstverständliche Partner, schon aufgrund des Begriffs. Vergleicht man jedoch feminine Attribute wie Ästhetik, Sensibilität oder Schüchternheit mit dem heutigen Feminismus, so lassen sich nur schwer Gemeinsamkeiten finden. Im Gegenteil, feministische Kampagnen fordern Frauen dazu auf diese Attribute abzulegen, etwa im Arbeitsleben. Der Feminismus stellt nicht den politischen Arm der Frauen in der Bevölkerung dar, sondern eher eine Art modernes Amazonentum [4]. Seine Kooperation mit normativer Weiblichkeit ist insbesondere von rechtfertigender und auch parasitärer Natur.

Nun existiert in menschlichen Gesellschaften ein tief sitzender Frauenschutzinstinkt. Frauen erleiden zwar zweifelsohne Gewalterfahrungen, allerdings wird ein Mensch viel eher als Opfer anerkannt, wenn es sich nicht um einen Mann handelt. Beispiele für diesen Effekt gibt es haufenweise, eines davon ist die mittelalterliche Hexenverbrennung. Diese betraf mehrheitlich Frauen, circa ein Viertel der Betroffenen waren jedoch männliche Hexer. Die öffentliche Wahrnehmung des Phänomens richtet sich jedoch weitestgehend auf die beschuldigten Frauen. Diese Asymmetrie mag zwar in manchen Fällen berechtigt sein, sie zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch politische und soziale Themen. Und auch Männer tragen in der Rolle als Retter und Helfer dazu bei, obwohl sie selbst dadurch zum Verschleißsubjekt werden. Ein Paradebeispiel dafür liefert eine Aussage aus dem Film Sin City: „An old man dies, a young woman lives; fair trade“ [5]. Der politische Feminismus nutzt diesen Instinkt, indem er sich als Vertreter immerzu benachteiligter Frauen darstellt. Er legitimiert seine ideologischen Forderungen mit Hilfe tradierter Schutzinstinkte. Allerdings vertritt der heutige Feminismus die Bedürfnisse der Frauen natürlich nicht, vielmehr versteckt er mit diesem Manöver seine ganz eigenen Interessen.

Daher treffen insbesondere Männerrechtler in Öffentlichkeit, Politik und Staat auf einen institutionellen Feminismus, der zumindest offiziell kaum hinterfragt wird. Dieser kann seine Gegner nach Bedarf und Belieben als Frauenhasser, rechte Reaktionäre oder Machos diffamieren. Zudem lassen sich unterschiedlichste politische Gruppierungen ansprechen, wenn man wahlweise ein schickes feministisch-progressives Narrativ oder einen dringenden Bedarf zum ritterlichen Schutz der Frauen servieren kann. In jedem Fall dürfen Frauen durch Maßnahmen erheblich bevormundet werden, für die sich eine feministische Begründung findet. Auch beim Platzieren feministischer Meinungen in den Medien hilft der Einsatz des weiblichen Opfernarrativs, denn es sorgt für Klicks und Quote.

In der Auseinandersetzung mit Männerrechtlern funktioniert dieser Feminismus wie ein ausgestreckter Zeigefinger: „Ihr (Männer) seid selbst schuld und außerdem sowieso böse“. In dieser Form stärkt die Konfrontation also das Band zwischen Feminismus und politisch wirksamer Femininität in der gesamten Gesellschaft. Die Geschlechterfrage immunisiert so auch gegen Kritik am Feminismus selbst. Äußern sich etwa Frauen kritisch zum Feminismus, wirft man diesen einfach Verrat an ihren Geschlechtergenossinnen vor. Feministische Ideologie mit tradierten Schutzinstinkten im Schlepptau taugt somit besonders gut als Bollwerk gegen die Männerrechtsbewegung, wenn diese sich durch irgendeine Kritik am Feminismus begründet. Ein Dilemma.

Was nun?

Es ist wenig überraschend, wenn sich zum Beispiel die Wut mancher entsorgter Trennungsväter irgendwann auf Frauen im Allgemeinen projiziert. Jedoch besteht die Gefahr, damit den Feministen ihre These eines Klassenkampfes zwischen den Geschlechtern zu erfüllen. Männerrechtsaktivismus und Feminismuskritik passen für Feministen ideologisch wunderbar zusammen, institutioneller Feminismus reproduziert Geschlechterkrieg daher schon aus Eigennutz. Wenn Männerrechtler ihre Forderungen im Gegensatz zu Interessen von Frauen definieren, werden Feministen nur zu gerne Partei auf Seiten der Frauen ergreifen und damit den Maskulismus gesellschaftlich isolieren.

Wenn Feminismuskritik an Geschlechtermechanismen scheitert, dann macht es Sinn beides separat zu halten, sodass Feministen sich nicht mehr als Placebo für die Interessen der Frauen anbieten können. Maskulisten sind dann gegenüber dem Feminismus nicht mehr in der Rolle des Gegners. Nur in bestimmten Situationen ergibt sich weiterhin zumindest ein Konkurrenzverhältnis – etwa um Ressourcen der öffentlichen Hand – mit zum Teil feministschen Frauen- und Mutterverbänden. Vielleicht erhält die Männerrechtsbewegung dadurch mehr gesellschaftlich Rückenwind und kann so ihre Forderungen einfacher mit normativ positiver Männlichkeit verbinden, da sie nicht mehr so stark von außen gebrandmarkt wird.

Als Gegner für den politischen Feminismus braucht es hingegen eine dedizierte Opposition. Diese basiert darauf, dass radikale feministische Ansichten nicht die Situation zwischen den Geschlechtern abbilden, sondern nur eine politische Meinung unter vielen. Folglich gibt es zu diesen Forderungen auch eine demokratisch legitime Gegenmeinung. Eine solche gibt es schließlich auch zum Kapitalismus, einer Erhöhung der Staatsschulden und dem geplanten Neubaugebiet in der Kommune. Eine Normalisierung des Feminismus und von Kritik am Feminismus im politischen Raum gehen Hand in Hand. Gelingt die definitorische Trennung der Frau vom Feminismus, wird Kritik an letzterem in Öffentlichkeit, Institutionen und Parteien praktizierbar.

Die stärkere Unterscheidung von Feminismuskritik und der Männerrechtsbewegung bietet darüber hinaus für beide Seiten weitere Vorteile:

  • sie führt zu einer besseren Mobilisierung von Menschen
    • insbesondere vieler Frauen
    • die dem etablierten Feminismus kritisch gegenüberstehen, auch wenn diese sonst mit dem Thema Männerrechte nichts am Hut haben
  • dem Feminismus eine Verletzung der Interessen der Frauen vorzuwerfen ist einfacher, wenn die Kritiker selbst keine spezifischen Geschlechterinteressen vertreten
  • die öffentliche Diskussion von Fällen, in denen eine Hidden Agenda durch den Tarnmantel Feminismus verhüllt werden soll ist einfacher zu legitimieren
  • das Mittel der Diffamierung selbst von linken bzw. progressiven Maskulisten als politisch reaktionär wird noch unglaubwürdiger und damit steigt das Potenzial für breite Akzeptanz im politischen Raum

Der größte Fortschritt wäre allerdings, dass die sexistische Wirkung des heutigen Feminismus auf die Geschlechterpolitik thematisiert werden kann. Radikalen Feministen ist vorzuwerfen, dass sie durch ihr Weltbild eine verbindende Geschlechterpolitik und zugleich ein egalisierendes Menschenbild verhindern. Zunächst müssen Männerrechtler als auch Feminismuskritiker allerdings ihre Narrative neu justieren, um aus der Ecke herauszukommen, in der sie platziert werden.

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1002977/umfrage/zustimmung-der-deutschen-bei-aussagen-zur-gleichberechtigung-nach-geschlecht-2019/

[2] http://big.assets.huffingtonpost.com/tabs_gender_0411122013.pdf

[3] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gesetzesentwurf-zur-ergaenzung-von-219a-union-und-spd-raufen-sich-zusammen-a-1250587.html

[4] https://allesevolution.wordpress.com/2019/08/31/studie-feministinnen-sind-maskulinisiert-in-bezug-auf-praenatales-testosteron-und-im-bereich-dominanz/

[5] https://en.wikipedia.org/wiki/Sin_City_(film)#That_Yellow_Bastard_(Part_2)

58 Gedanken zu “Feminismuskritik und Männerrechte – Deadlock statt Dreamteam (Gastartikel)

  1. Das ist eine gute Analyse und ein präzise vorgetragenes Argument! (Und der Sprachduktus scheint mir etwas anders als üblich – ist das ein Gastartikel?) Ich verstehe die Kernaussage so, dass alle Aussagen, die in der Öffentlichkeit als der Kategorie »Aber Männer sind doch auch benachteiligt!« zugehörig wahrgenommen werden, als Kritik nicht verfangen, weil die Benachteiligung von Männern aufgrund des »tief sitzenden Frauenschutzinstinkts« schlicht nicht als besonders beanstandungswürdig gilt.

    Andererseits kann – meiner Ansicht nach – die Männerrechtsbewegung die Vertretung legitimer männlicher Interessen auch nicht einfach hintenanstellen und auf ihre Artikulation verzichten, weil das einer Selbstaufgabe gleich käme. Trotzdem scheint mir der Einwand berechtigt, dass die Relevanz dieser Benachteiligungen für die breitere Gesellschaft schwer zu kommunizieren ist.

    Eine Möglichkeit wäre es nun, den Feminismus bei seinem Anspruch zu packen, eine Emanzipationsbewegung sein zu wollen, denn »Emanzipation« ist ein allgemeiner Begriff, der nicht nur für Frauen gilt – man kann die gesamte Geschichte des Westens als eine (Erfolgs-)Geschichte von Emanzipationsbewegungen erzählen (habe ich in meinem Buch versucht 🙂 ). In diesem Sinne ist die Männerrrechtsbewegung gleichsam das schlechte Gewissen der Frauenbewegung, insofern sie alles das an Missverhältnissen benennt, was der Feminismus aus der Wahrnehmung verdrängt hat – insbesondere den Umstand, dass Feministinnen die Geschlechtsrollentypik der bügerlichen Gesellschaft, die sie vorgeblich zu überwinden trachten, immer dann selbst in Anspruch nehmen, wenn es der Privilegierung von Frauen dient.

    Allerdings verfängt dieser Einwand nur dort, wo das feministische »politische Personal« nicht bereits moralisch korrumpiert ist.

    Ein anderer Aspekt, der von den hiesigen »Forenlinken« (zu denen ich mich auch selbst zähle) immer wieder genannt wird, ist das Verschwinden der Klassenfrage hinter der Geschlechterfrage, sowie die Ersetzung einer kritischen Gesellschaftsanalyse durch moralisierende Diskurse (ich empfehle dazu nachdrücklich Andreas Reckwitz, »Die Gesellschaft der Singularitäten« und natürlich Bernd Stegemanns »Moralfalle«). Mit diesem Aspekt könnte man denjenigen Teil der politischen Linken und Liberalen erreichen, die erkannt haben, dass sich die politische Linke in eine Sackgasse verrannt hat. Hier wird – wie mir scheint, in Übereinstimmung mit der Intention des Blogposts – das Anliegen der Männerrechtsbewegung in einen weiteren politischen Kontext eingeordnet.

    Ein genuin liberales Thema wiederum dürfte die (im Blogpost auch genannte) Bedrohung demokratischer und rechtsstaatlicher Verfahren durch die Forderung feministischer Sonderrechte und Vorzugsbehandlungen (bis hin zur Parallelgerichtsbarkeit auf dem amerikanischen Campus) sein. Hier sollte man m. E. die Bedrohung der liberalen Demokratie durch feministische Ideologie frontal angreifen.

    Fazit: ich denke, dass der Autor grundsätzlich recht damit hat, die Männerrechtsbewegung vor einem allzu engen Fokus auf »Männerrechte« im engeren Sinn zu warnen. Männerrechtliche Themen müssen, wie das im Jargon so schön heißt, »an andere politische Diskurse anschlussfähig« werden. Seine Zielvorstellung:

    »Eine Normalisierung des Feminismus und von Kritik am Feminismus im politischen Raum gehen Hand in Hand. Gelingt die definitorische Trennung der Frau vom Feminismus, wird Kritik an letzterem in Öffentlichkeit, Institutionen und Parteien praktizierbar.«

    kann ich uneingeschränkt teilen. Es geht genau darum, den feministischen Anspruch, für ein allgemeines politisches Gut zu kämpfen, als ideologische Lüge bloßzustellen, mit der die Besitzstandswahrung etablierter Lobby-Organisationen kaschiert werden soll. Frauenlobbies sind per se nicht »moralischer« als die Tabaklobby oder die Waffenlobby.

  2. Mir fehlt in dem Artikel eine Erklärung dafür, warum der Feminismus nicht immer schon so erfolgreich war. Vor etwa 15 Jahren gab es meines Erachtens eine Wende, was die öffentliche Wahrnehmung betrifft. Feminismus wird erstmalig zumindest in den Medien als positiv gesehen. Woher kommt dieser Imagewandel?

    • @FS:

      »Vor etwa 15 Jahren gab es meines Erachtens eine Wende, was die öffentliche Wahrnehmung betrifft.«

      In meinen Augen ganz simpel: erfolgreiche Lobbyarbeit. Das »Gender-Mainstreaming« wurde auf höchster Ebene der UNO in politische Prozesse »injiziert«, außerdem ist in Deutschland seit mehr als zwanzig Jahren (mit kurzer Pause 2009-2013) eine Partei an der Regierung beteiligt, die »die männliche Gesellschaft überwinden« will und seit dreißig Jahren eine parteiinterne Frauenquote hat.

    • Ob der Feminismus vor 50 Jahren in den Medien schon unkritisch gesehen wurde kann ich mangels Alter nicht bewerten.

      Der Feminismus war in jedem Fall vor 100 Jahren schon erfolgreich, als mitunter bombenlegende Suffragetten das Wahlrecht „erkämpften“. Dann kamen 2 Weltkriege, man hatte andere Probleme. 1968 ging es dann weiter. Nach meiner Wahrnehmung wird zumindest zum Teil kritisch über 68 berichtet, aber nie über den aufkommenden Feminismus.

      • @Schneebesen
        „Der Feminismus war in jedem Fall vor 100 Jahren schon erfolgreich, als mitunter bombenlegende Suffragetten das Wahlrecht „erkämpften“.

        Das war aber erstens in England.
        In Deutschland erhielten die Frauen das Wahlrecht ohne jeglichen Kampf nach dem Ende dees WK1.
        Den Männern, die die Väter der Weimarer Verfassung waren, war das Frauenwahlrecht ein so hohes Anliegen, dass sie es den Frauen sozusagen hinterhergetragen haben.
        Irgendwelchen Widerstand dagegen gab es nicht.

        Bei den Briten wiederum haben sich zum Glück eben NICHT die Suffragetten durchgesetzt, sondern wenn schon, dann die Suffragisten.

        Ein Klasssenwahlrecht für Wohlhabende Männer und Frauen unter Ausschluss der „Unterklasse“, das die Suffragetten favorisiert hatten, ist nicht durchgesetzt worden.

        Ob das Frauenwahlrecht „wegen“ der Suffragetten oder nicht doch eher „trotz“ der Suffragetten kam, als nämlich durch den Krieg schon etwas Gras über deren terroristische Aktionen gewachsen war und zudem deren Männervernichtende „white Feather“ aktion als Vaterlandsstärkende Aktion wahrgenommen worden war – das wäre durchaus mal eingehender betrachtung Wert. Die aber nicht gemacht wird, weil man sie nicht haben will. Weil man beschlossen hat, die Suffragetten zum Nationalen Denkmal zu küren.

        Der Erfolg der Suffragetten ist mMn eine Legende. Ein Mythos.

        Wahr ist, dass vor ca. 100 Jahren überall Frauenwahlrecht eingeführt wurde, und zwar weitgehend ohne größeren Widerstand von Männern.
        Zoff gab es dabei höchstens bei der Ausgestaltung.

    • Mich würden da tieferliegende Grunde interessieren als „da gab es plötzlich Lobbyisten“, „da war Partei xy dran schuld“, „die Medien haben sich halt verändert“.

      Der ganze Artikel rekurriert doch auf gesellschaftliche Grundlagen. Das ist vielleicht schon ein falscher Ansatz. Man müsste auch nach Ereignissen schauen, die eine Veränderung erklären können.

      • @FS:

        »Mich würden da tieferliegende Grunde interessieren als …«

        Nach welcher Art von Gründen suchst Du denn da? Ich habe ja (sorry, wenn ich darauf rumreite) ein ganzes Buch geschrieben, in dem ich versuche, den aktuellen Zustand des Feminismus historisch herzuleiten (allerdings nicht mit Fokus auf die Institutionengeschichte, sondern im Sinne einer deep history).

      • @FS

        „Mich würden da tieferliegende Grunde interessieren als „da gab es plötzlich Lobbyisten“, „da war Partei xy dran schuld“, „die Medien haben sich halt verändert“.“

        Mir ist klar dass die Medien nicht die Ursache sind, sonder nur ein Scharnier. Aber als Außenstehender kennt man die Erklärung nicht, und darüber zu spekulieren wäre eine Einladung für den Vorwurf der Verschwörungstheorie. Was ich sehe ist dass um 2000 und danach die Qualität des deutschen Journalismus einen heftigen Einbruch erlitt, von halbwegs seriös hin zu offener Parteilichkeit und Propaganda. Aufgefallen ist es mir damals aber zunächst an einem anderen Thema, nämlich der Parteinahme für die neoliberale Agenda 2010 der Regierung, Sturmreifschießen der öffentlichen Meinung mit permanentem Schlechtreden der Situation, Beschimpfungen von Arbeitslosen u. dgl. Für dieses eine Phänomen sind inzwischen Arbeitgeber-Lobbys als Ursache belegt, die massiv auf die Medien Einfluss nahmen. Aber es gehört natürlich auch deren Bereitschaft dazu, sich beeinflussen zu lassen. Woher die plötzlich kam weiß ich nicht.

        Woher die Bereitschaft der Medien zu pro-feministischer und neuerdings klimaalarmistischer Propaganda kommt, weiß ich erst recht nicht. Ebensowenig weiß ich wer das anstößt. Ein Bewusstsein zu schaffen, dass das stattfindet, ist aber auch schonmal ein erster Schritt.

        • @anorak2:

          »… darüber zu spekulieren wäre eine Einladung für den Vorwurf der Verschwörungstheorie. Was ich sehe ist dass um 2000 und danach die Qualität des deutschen Journalismus einen heftigen Einbruch erlitt, von halbwegs seriös hin zu offener Parteilichkeit und Propaganda.«

          »Verschwörungstheorie« ist hier tatsächlich ein passendes Stichwort: vergiss in bezug auf Deine Zeitmarke »um 2000« nicht 9/11! Ohne jetzt eine detaillierte Diskussion der Ereignisse selbst beginnen zu wollen, steht in meinen Augen eines fest: seither leben wir in zwei Parallelwelten der öffentlichen Debatte. Wir haben die eine Welt, die sich dem Tabu unterworfen hat, um keinen Preis die Möglichkeit eines inside jobs in Betracht zu ziehen und die andere Seite als irrationale Crackpots zu diffamieren, und wir haben die andere Seite, die den offiziellen Diskursen in unterschiedlicher Tiefe, aber grundsätzlich (bis hin zum Extremismus der echten crackpots) misstraut. Das Vertrauen, dass im öffentlichen Diskurs so etwas wie eine gemeinsame/em> gesellschaftliche Wirklichkeitswahrnehmung hergestellt werden könne, ist seither zerbrochen, und seither sieht ein nicht geringer Teil unseres Journalismus in seinem Publikum einen abtrünnigen Feind, den es zu denunzieren gilt.

          • @djad @Werlauer

            „vergiss in bezug auf Deine Zeitmarke »um 2000« nicht 9/11!“
            Unterstreiche ich, vor allem in Hinblick auf die Entstehung des embedded journalism: „once embedded, journalists tended „to avoid controversial reporting that could raise red flags“ out of fear having their access terminated.“)

            „Dadurch wurde die eigene politische Haltung zur stärker bestimmenden Größe in den produzierten Artikeln.“
            Ja, und Menschen wie Claas Relotius zum erwartbaren Resultat: Wenn die Haltung und der „Sound“ stimmt, dann sind Fakten maximal zweitrangig.
            Stokowski, Ataman, Lobo – gleiches Kaliber.

        • Was ist um 2000 herum passiert, dass die Journalisten ihre Berichterstattung änderten?

          Die derzeit laufende technische Revolution hat begonnen zu greifen. Das hatte auf den Journalismus zwei Effekte: a) ihr Markt begann zu schrumpfen und b) die Aufmerksamkeitsökonomie entstand.

          Mit dem Schrumpfen des Marktes begann der Kampf um einen Job härter zu werden. Aufgrund der sich entwickelnden Aufmerksamkeitsökonomie wurden die Klickzahlen stetig wichtiger. Der Marktteilnehmer mit der pointiertesten, schrillsten Stimme bekommt tendenziell die höchste Aufmerksamkeit (Klicks). Deshalb mussten Emotionen in die Artikel, die „Konsumierbarkeit“ (geringe Komplexität, kohärente und kompakte Darstellung des Sachverhalts, Emotionalisierung) musste steigen. Dadurch wurde die eigene politische Haltung zur stärker bestimmenden Größe in den produzierten Artikeln. Teilnehmer mit ausgewogenen Artikeln gingen unter, weil Ausgewogenheit keine Klicks generiert. Der Prozess ist mMn noch nicht abgeschlossen, aber schon weit fortgeschritten. Darüber hinaus ist er nur schwer reversibel.

          • @Werlauer:

            Stimmt, die ökonomische Dimension des fortschreitenden »Abschmelzens« der Printmedien zugunsten der Netzmedien läuft dazu parallel und sollte nicht vergessen werden.

          • Ich hoffe, dass es eine wachsende Zahl von Nischenprodukten geben wird, die ihre Aufmerksamkeitsökonomie nach anderen Kriterien ausrichten und damit sich zwischen taz/Spiegel/Süddeutsche usw. einserseits und Tichys Einblicke/Achse des Guten usw. andererseits positionieren können. Die NZZ geht in diese Richtung.

          • Eigendynamik des Journalismus reicht nicht als Erklärung für die Agenda2010-Propaganda, feministische Propaganda, Klimapropaganda. Konkurrenz am allerwenigsten, denn wenn es irgendeine Rückwirkung auf die Journalisten selbst hat, dann sinkende Glaubwürdigkeit und damit Abwenden des Publikums. Den ÖR, wo vieles davon verwurzelt ist, ist außerdem Zuschauerzuspruch egal, da ihre Einnahmen sicher sind.

          • Den ÖR, wo vieles davon verwurzelt ist, ist außerdem Zuschauerzuspruch egal, da ihre Einnahmen sicher sind.

            Da bin ich mir nicht sicher. Auch im ÖR zählen Quoten, auch wenn die Kohle trotzdem kommt. (Vergleich untereinander)

            Die gestiegene Konkurrenz fördert mAn die Heftigkeit, mit der die Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie berücksichtigt werden: „Weil nur wenige Stimmen überhaupt gehört werden, muss ich schriller sein als alle anderen, sonst bekomme ich bald überhaupt keinen Auftrag mehr.“ Dadurch wird der Wettbewerb in einer Form gestartet, die schnell in einen Überbietungswettbewerb mündet. Insgesamt ist mein Eindruck in dieser Zeit gewesen, dass nur für den Effekt und für die eigene Peergroup geschrieben wurde. (So wie sich heute die meisten Journalisten mit großer Reichweite nicht bewusst sind, dass über 60% der Bevölkerung nicht in urbanen Ballungsräumen lebt und eine andere Lebenswirklichkeit hat.) Dadurch bekam die eigene Haltung mehr Gewicht („Authentizität“) und durch die überwiegende Grundstimmung in diesem Berufsfeld kam es zur Radialisierung, die dazu führte, dass wir heute aus diesen Quellen überwiegend Propaganda vorgesetzt bekommen.

            Vielleicht hat es auch etwas mit der Feminisierung des Journalistenberufs zu tun. In meinem Bekanntenkreis meinen selbst Frauen, die aufgrund ihres (ehemals) hervorragenden Aussehens eigentlich immer nur die Rosinen hätten picken können müssen, benachteiligt zu sein. Diese gefühlte Benachteiligung trägt beim Zuspitzen ggf. zur Wahl der Gewichtung mancher Themen bei.

          • Auch meiner Meinung nach spielt die Etablierung des Internets eine wesentliche Rolle.

            Die etablierten Medien wie Zeitungen haben aufgrund des Konkurrenzdrucks ihre Standards gesenkt. Journalisten werden schlechter bezahlt und stehen unter einem größeren Druck, Clickbait durch den einzelnen Artikel zu generieren. In Vor-Internetzeiten zählte die Gesamtauflage einer Zeitung. Die Öffentlich-Rechtlichen (ÖR) sind insoweit ebenso davon betroffen, als zum einen das sinkende Niveau der privaten Konkurrenz den Druck zu journalistisch hochwertiger Arbeit bei ihnen mindert. Zum anderen können aber auch die ÖR sich dem Quotendruck nicht ganz entziehen. Trotzdem bleiben die ÖR im Vergleich die qualitativ hochwertigeren Medien.

            In diesem Klima gedeihen fragwürdige Theorien/Ansichten, die sowieso im Trend der Zeit liegen, besonders gut. Z.B. der Neoliberalismus, der sich seit dem Zusammenbruch des Ostblocks ungebremst entfalten konnte. Oder eben der Feminismus, der aufgrund der Einfachheit seiner Gedankenstrukturen wunderbar in eine Zeit passt, in der statt Analyse eine Personalisierung von politischen Inhalten stattfindet (Fokussierung auf Kanzlerkandidaten statt Inhalte, Staatschefs statt Nationen (Trump, Putin, Erdogan,…) etc.). Vielleicht fügt sich da ein Gedankenkonzept, dass statt Ursachenforschung mit „die Männer sind schuld“ aufwartet, einfach geschmeidig ein.

            Wie man diesem Trend entgegen wirken kann, weiß ich leider auch nicht. Einen Wettlauf hin zu höherem Niveau in Gang zu setzen, ist nicht einfach. Vermutlich müsste man erst einmal den Druck hin zu niedrigerem Niveau entfernen, nur wie? Das würde eine völlige Umstrukturierung der Art und Weise erfordern, wie im Internet Geld verdient wird. Bin ratlos…

          • Hinzu kamen die neuartigen Echokammern in den sog. Sozialen Medien. Dort wurden die eigenen oft moralischen Ansichten durch Ähnlichdenkende so verstärkt, dass sie dann subjektiv als Wahrheit angesehen wurden. Wer sich früher im Fernsehsessel einsam ärgerte, der bekommt heute bei Facebook und Co. den Eindruck, er sei Teil einer Bewegung.

      • Meines Erachtens hat der gegenwärtig grassierende Feminismus mit einer allgemeinen Destabilisierung der Gesellschaft zu tun. Ganz gut erkennbar daran, wie schnell sich Neuparteien gründen. (Bei den Grünen war das noch ein langsamer Prozess.)

        Als Merkel zur Kanzlerkandidatin gekürt wurde, erschien mir taktisch klug. Sie war als Frau nicht angreifbar. Die Politik ging damals nach Schröder in die Defensive (um nicht zu sagen: in Deckung). Die Politik ist insgesamt opportunistischer geworden.

      • Wenn man heute etwas zum Thema Gender Mainstreaming liest, wird man in zahlreichen Texten darauf hingewiesen, dass „Gender Mainstreaming“ seinen Anfang auf der 4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking nahm. In der offiziellen Abschlussresolution, der „Pekinger Aktionsplattform“, wurde der Begriff eingeführt. „Mainstreaming a Gender Perspective“ heißt es dort, kurz: Gender Mainstreaming  Von Peking aus gelangte es in die ganze Welt, vor allem in die westlichen Staaten.

        https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/dale-o-leary-agenda-konzept-hintergrund/

        Gender Mainstreaming lieferte dem Feminismus eine scheinbar wissenschaftliche Basis und die wurde dann Studenten in die Köpfe gehämmert. Diese Studenten sind jetzt zum Beispiel Journalisten und verkaufen reine Behauptungen als wissenschaftliche Erkenntnisse.

    • Was ich mir vorstellen kann, ist, dass es eiben Zusammenhang mit anderen grundlegenden Veränderungen gibt. Das würde man ja auch für frühere Protestwellen versuchen.

      Man kann die den Niedergang des Feudalismus, die Industrialisierung und Kapitalismus, den Niedergang der Großfamilie, staatliche Sozialleistungen usw. als Ursachen für tiefgreifende Veränderungen sehen. Das Ende des kalten Krieges mit nachfolgender Entfesseung der Märkte, Globalisierung, schlanker Staat. Auch kleinere Ereignisse wie den Fortschritt der Empfängnisverhütung durch die Anti-Baby-Pille.

      Was ich ziemlich auffällig finde, ist der Zusammenhang des Dritte-Welle-Feminismus mit dem Aufkommen der Blogosphäre im Internet. Es gibt zwar genügend alte Schachteln, die auf diesen (Netz)Feminismus aufspringen, aber getrieben scheint es mir doch von jungen netzaffinen Leuten zu sein.

      Feminismus ist irgendwie cool.

      • Sorry, da sind ein paar Wörter verloren gegangen.

        „Das würde man ja auch für frühere Protestwellen versuchen.“

        Ich meinte: versuchen, einen Zusammenhang ausfindig zu machen

        • „Cool“ bei jungen, sich links verstehenden Leuten: In den Medien, Parteien, im Kunst- und Kulturbereich, Universitäten. Wer „links“ ist MUSS Feminist sein. So habe ich früher auch gedacht, bevor sich mein Unbehagen konkretisierte.
          Wir wissen ja: Der Feminismus hat es geschafft, sich als „links“ zu verkaufen.

          • Der Feminismus i s t links.
            https://allesevolution.wordpress.com/2019/10/13/lucas-schoppe-zu-weiteren-problemen-feministischer-positionen/#comment-425299
            (Brauchst nicht unbedingt die dort verlinkten Seiten zu besuchen, nur den Fließtext des Kommentars zu lesen.)

            Daran ändert auch nichts der obige Versuch von djadmoros, dies als einen die „Klassenfrage“ und demgemäße „Gesellschaftsanalyse“ konterkarierenden Diskurs darzustellen:
            „Ein anderer Aspekt, der von den hiesigen »Forenlinken« (zu denen ich mich auch selbst zähle) immer wieder genannt wird, ist das Verschwinden der Klassenfrage hinter der Geschlechterfrage, sowie die Ersetzung einer kritischen Gesellschaftsanalyse durch moralisierende Diskurse“.
            Zu diesem Argument habe ich schon was geschrieben:
            https://allesevolution.wordpress.com/2019/10/15/colorismus-vs-rassismus/#comment-425710

            Und wenn er oben in seinem Kommentar schreibt: „(…) Umstand, dass Feministinnen die Geschlechtsrollentypik der bügerlichen Gesellschaft, die sie vorgeblich zu überwinden trachten, immer dann selbst in Anspruch nehmen, wenn es der Privilegierung von Frauen dient.“, hat er wohl nicht verstanden, dass Frauen diese Elemente der „Geschlechtsrollentypik“ nun mal w o l l e n, der Marxismus/Kommunismus mit seiner Vorstellung der ebenfalls in der „Produktion“ befindlichen und ihre Kinder in der Zeit dem mehr und mehr sozialistisch(-kommunistisch) instutionalisierten Staat/Kollektiv überlassenden Frau ihnen also nur schmackhaft gemacht werden kann, wenn sie dafür besondere Extras bekommen. Das ist dann ihre Vorstellung von „Überwindung“. Siehe auch Schweden.
            Junge (österreichische) Frauen im Jahr 2011 bspw. wollen mehrheitlich gar nicht so die „bürgerliche Gesellschaftsordnung überwinden“, wie es den marxistischen Feministen vorschwebt, sondern nur die in ihren Augen nötige Lebensunterhaltshöhe sichern: 55 Prozent der jungen Frauen zwischen 14 und 24 Jahren im Österreich des Jahres 2011 wären gerne „nur” Hausfrau – vorausgesetzt, der Partner kann den gemeinsamen Lebensunterhalt verdienen:
            „Das wohl spektakulärste Ergebnis der Studie, [d.i. die vierte Ausgabe des Jugendmonitors, eine Studie des Familien- und Jugendministeriums,] das ihren Leiter Peter Filzmaier selbst überraschte: Mehr als die Hälfte der befragten Mädchen und Frauen zwischen 14 und 24 Jahren können sich vorstellen, der Familie zuliebe auf eine Karriere zu verzichten. 55 Prozent bejahten die Aussage: Wenn mein Partner so viel verdient, dass unser Lebensunterhalt gesichert ist, möchte ich Hausfrau sein.“
            „Traumberuf Hausfrau?“, Angelika Hager und Sebastian Hofer, in: profil.at vom 19.11.2011
            https://www.profil.at/home/hausfrau-traumberuf-hausfrau-312257

            Wovon sollen sich die Frauen „emanzipieren“ wollen außer von ihren Eltern oder deren Ersatzobjekten oder aber von den Verbündeten beim Ausweichen solcher Emanzipation, nämlich Ausweichen durch projektive Identifikation mit Emanzipationsersatzbewegungen (wie Feminismus)? Emanzipation kann es für sie außer in der Emanzipation des Feminismus vom Marxismus/Sozialismus/Kommunismus/… (je nachdem, welchem Einfluss der einzelnen Strömungen das feministisch sozialisierte Individuum am meisten ausgesetzt war) nur noch im Individuellen geben – und Emanzipation kann sowieso nicht für jemand anderen gemacht werden, d.h. man kann niemanden außer sich selbst „emanzipieren“ (alles andere ist für Emanzipation ja gerade kontraindikativ und unmöglich – genauso wie man nach Kant andere nicht „aufklären“ kann, weil es dieser Definition von „Aufklärung“ widerspricht).
            Daher wäre auch das mit der „Emanzipationsbewegung“ – die ja eine kollektive Angelegenheit ist – im Sinne djadmoros‘ (ebenfalls oben) heutzutage hierzulande Unsinn:
            „Eine Möglichkeit wäre es nun, den Feminismus bei seinem Anspruch zu packen, eine Emanzipationsbewegung sein zu wollen, denn »Emanzipation« ist ein allgemeiner Begriff, der nicht nur für Frauen gilt – man kann die gesamte Geschichte des Westens als eine (Erfolgs-)Geschichte von Emanzipationsbewegungen erzählen“.
            Die einzige angebliche „Emanzipation“, die von interessierten linken Kreisen – wie vermutlich auch djadmoros, s.o. – so noch erreicht werden soll, ist es, den (Rest-)Kapitalismus global zu zerstören/ersetzen und global in den – allerdings aus Frauen- und Feministensicht möglichst feministisch (aber nicht etwa Kollontai-kommunistisch oder de-Beauvoir-sozialistisch*) geprägten – Sozialismus „hineinzuwachsen“, wie es u.a. Trotzki nannte (dazu siehe meinen ersten Link oben).
            Ich zitiere aus: „Um den Kommunismus zu errichten, muss die Familie zerstört werden“, Torsten Mann, in: ExpressZeitung:
            „Etablierte gesellschaftliche Institutionen, von der Familie über die Religion bis zum bürgerlichen Staat, wurden abgelehnt und sollten abgebaut werden – was ideologisch vollständig der von Lenin und Trotzki vorgegebenen Linie entsprach, der zufolge auch Frauen, die von sich aus nicht mit dem Kommunismus sympathisierten, unter dem Deckmantel der weiblichen Emanzipation für die Zersetzung der bürgerlichen Gesellschaftsordnung instrumentalisiert werden sollten.
            Das heisst, auch wenn in der Frauenbewegung seit den 1970er Jahren kaum noch offen kommunistische Phrasen verwendet werden – weil diese auf die meisten Frauen abschreckend wirken würden – genügt es, dass die Protagonistinnen dieser Bewegung sich ideologisch an die Vorgaben Lenins und Trotzkis halten, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Es genügt also, beispielsweise die Behauptung aufzustellen, dass sich Mutterschaft in einer bürgerlichen Gesellschaft mit einem beruflich und politisch aktiven Leben nicht vereinbaren lasse, und daraus die Forderung nach staatlichen Unterstützungsmassnahmen im Sinne der «Vereinbarkeit von Beruf und Familie» abzuleiten, um damit das zwangsläufige Hineinwachsen in eine sozialistische Gesellschaftsordnung herbeizuführen.“ (Kursive Textauszeichnung des zweiten Absatzes nicht übernommen)
            https://www.expresszeitung.com/macht-politik/um-den-kommunismus-zu-errichten-muss-die-familie-zerstoert-werden

            * = Simone de Beauvoir wird in o.g. ExpressZeitungsartikel nach: „It changed my life, Writings on the women’s movement“, Betty Friedan, S. 397, zitiert:
            „Nein, wir glauben nicht, dass eine Frau die Wahl haben sollte [sich in Vollzeit um ihre Kinder zu kümmern]. Keine Frau sollte das Recht haben, zuhause zu bleiben um ihre Kinder grosszuziehen. Die Gesellschaft sollte ganz anders sein. Die Frauen sollten diese Wahl nicht haben, denn wenn es diese Wahl gäbe, dann würden sich zu viele Frauen dafür entscheiden. Es geht darum, die Frauen in eine bestimmte Richtung zu zwingen. […] Wir sehen das als Teil einer weltweiten Umgestaltung der Gesellschaft, bei der die alte Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen, dem Zuhause und der Aussenwelt, nicht mehr akzeptiert wird. Wir denken, dass jeder Einzelne, die Frau ebenso wie der Mann, auswärts arbeiten sollte und die Möglichkeit besteht, die Probleme der Kinderfürsorge entweder in der Gemeinde, im Kollektiv oder durch eine andere Art der Familienorganisation zu lösen“.
            Dass de Beauvoir außerdem in ihrem Werk „Das andere Geschlecht“ davon ausgeht, dass die Frau durch die männerdominierte, patriarchale Gesellschaft zur Frau, d.h. zur Anderen (zum anderen Geschlecht) erst gemacht werde, also Produkt/Ensemble der gesellschaftlichen, insb. der materiellen Produktionsverhältnisse sei und aus der durch wirtschaftliche Abhängigkeit von dem Mann entstandenen Versklavung sich durch wirtschaftliche Emanzipation befreien soll, weist sie klar als von Marx/Engels, Lenin, Trotzki etc. beeinflusste Linke aus. Und sie war maßgeblich an der Enstehung der Zweiten Welle des Feminismus beteiligt und nahm durch ihren „Existenzialismus“ und ihre These, dass die Frau zur Frau gemacht werde, die Gender Studies/ Gendermainstreaming-Ideologie, also eine maßgebliche Komponente der Dritten Welle des Feminismus, bereits vorweg.
            De Beauvoirs politischen Vorstellungen stimmen vielleicht einige Feministen zu, doch gewiss nicht das Gros der Frauen (heutzutage hierzulande, aber wohl auch generell) — was de Beauvoir wusste (s.o. das Zitat) und wohl auch in ihren öffentlichen Worten und Werken politisch berücksichtigt haben wird.

            Sorry, dass ich hier djadmoros so ausführlich referierte. War in dem Ausmaß eigentlich nicht geplant, aber so habe ich eure beiden Kommentare in einem beantwortet – djadmoros informiere ich jetzt darüber, dass hier eine Antwort auch zu seinem Kommentar steht … auch wenn ich ihn auf meinen an oberster Stelle verlinkten Kommentar neulich schon hingewiesen hatte und er meine darin enthaltene Argumentation schon kennt, wenn er ihn gelesen hat. Letzterer ist also eher für alle gedacht, die ihn noch nicht gelesen haben und der Meinung sind, heutiger Feminismus wäre nicht links.

      • @FS:

        Zwei kurze Anmerkungen: zum einen denke ich, dass die Pille nicht eine Kleinigkeit, sondern ein entscheidender, epochaler Einschnitt gewesen ist, weil sie erstmals (und zwar weltgeschichtlich erstmals) eine hinreichend verlässliche Geburtenkontrolle durch die Frauen selbst ermöglicht hat – bald darauf unterstützt durch die Entkriminalisierung der Abtreibung. Das war das Ende des »Reichs der Notwendigkeit« in Fortpflanzungsbelangen und die endgültige Entkopplung von Sexualität und Fortpflanzung.

        Zum anderen gilt der Netzfeminismus, soweit ich sehe, bereits als »vierte Welle« des Feminismus – die dritte Welle gehört zur Mauerfallgeneration und ist mit einem neuerlichen Institutionalisierungsschub (u. a. globales Gender Mainstreaming) korreliert gewesen. Ich glaube, man liegt nicht falsch, wenn man die zweite, dritte und vierte Welle als eine Generationenstaffette versteht – was auch bedeutet, dass es der »68er«-Frauenbewegung gelungen ist, ihre ursprüngliche Rekrutierung in bislang zwei Folgegenerationen unter veränderten Rahmenbedingungen zu wiederholen.

      • Ich denke, Feminismus ist nicht mehr wirklich cool. Genau so, wie co2-Panik inzwischen weitgehend ausgelutscht ist. Jugendliche beklagen inzwischen in der Schule, dass mit dem Feminismus die Mädchen immer nur versuchen, besondere Vorteile für sich rauszuholen. Das analysieren die Heranwachsenden sehr treffend.
        So, wie sie auch merken, dass ohne Energie nichts besser wird für die Menschen, also statt Panik erstmal ein Plan her sollte.
        Auch wenn ich da fast alleine stehe, ich glaube sogar bei diesen Themen an eine Art Selbstheilungskraft. Man könnte gar „Vernunft“ sagen.

    • „Vor etwa 15 Jahren gab es meines Erachtens eine Wende, was die öffentliche Wahrnehmung betrifft. “

      Mich würde als allererstes interessieren, wie du auf diese Einschätzung überhaupt kommst.

      Ich sehe zwar auch schleichende Veränderungen, aber dass Feminismus „erstmalig“, und dann sogar noch eingeschränkt auf “ zumindest in den Medien“ als positiv gesehen werde wiederspricht meiner Wahrnehmung auf Lebenszeit schon mal sehr deutlich.

      Sprich, ich halte deine Prämisse für falsch.

      Und Feminismus ist seit mindestens 50 Jahren dauerhaft und durchgängig erfolgreich.

  3. Ich denke, Du unterschätzt bei Deiner Analyse die strukturellen Bedingungen für den Aufstieg des Feminismus. Das hat m.E. eindeutig auch mit der Bildungsexpansion seit den 1970er Jahren zu tun. Das heisst, der heutige Feminismus ist insbesondere eine Interessensvertretung der Frauen-Akademikerklasse und somit auch der Neuen Mittelschicht. Das heisst, diese Akademkerinnen besetzen nun vor allem auch wichtige gesellschaftliche Elitepositionen in Politik, an den Universitäten und Fachhochschulen, in den NGO’s und in den Medien. Wir können also insbesondere von einer kulturellen Hegemonie des Feminismus sprechen.
    Um diese kulturelle Hegemonie zu erlangen und aufrechtzuerhalten, sind natürlich gewisse Diskurse und Narrative zentral. Hier ist natürlich das Narrativ von Frau als Opfer und Mann als Täter, Frauen als machtlos und unterdrückt und Mann als mächtig und unterdrückend, Frau als Objekt des Hasses und Mann als Hater etc. absolut zentral. Zentral ist dann auch noch die Forderung, dass Frauen und Männer in allen Bereichen (was heisst, in den Bereichen, die Frauen als für sich vorteilhaft anschauen) nach ihrem Anteil in der Bevölkerung repräsentativ vertreten werden müssten: ergo Ergebnisgleichheit das Gerechtigkeitsprinzip par exellence ist.
    Was hier für Mechanismen ablaufen, hat Sandra Kuster mit ihrem Diktum der „Identiätslinken Läuterungsagenda“ bereits gut analysiert, diese Mechanismen laufen ab, wenn es darum geht, die kulturelle Hegemonie des Feminismus zu begreifen:

    Sie schreibt diesbezüglich:
    „Damit ist eine von politisch links stehenden Personen vertretene Form der Identitätspolitik gemeint, die Menschen nicht zuvorderst als Individuen betrachtet, sondern als Träger einer kollektiven Opfer- oder Schuldidentität. Identitätslinke ordnen diejenigen, deren Gruppe in der Vergangenheit unter Ausgrenzungen litt, einem Opferkollektiv zu, das berechtigt ist, von den Trägern der Schuldidentität Läuterungsdemonstrationen einzufordern, die diese zu erbringen haben.“
    https://www.ibidem.eu/de/sachbuch/identitaetslinke-laeuterungsagenda.html

    Eine diskursive Strategie gegen einen sexistischen Feminismus muss dann eben diese Narrative dekonstruieren. Man muss aufzeigen, dass der heutige Feminismus partikularistisch ist, zumal er eine reine Interessensvertretung der Frauen-Akademikerklasse ist und eine linksidentitäre Läuterungsagenda verfolgt, welche Chancengleichheit, Leistungsgerechtigkeit und demokratische Grundsätze konterkariert bzw. hintertreibt.

    • „[…] der heutige Feminismus ist insbesondere eine Interessensvertretung der Frauen-Akademikerklasse und somit auch der Neuen Mittelschicht. Das heisst, diese Akademkerinnen besetzen nun vor allem auch wichtige gesellschaftliche Elitepositionen in Politik, an den Universitäten und Fachhochschulen, in den NGO’s und in den Medien. Wir können also insbesondere von einer kulturellen Hegemonie des Feminismus sprechen.“

      Volle Zustimmung. Wobei ich etwa bei den Akademikerinnen unter anderem unterscheiden würde zwischen einem Teil der weiblichen Wirtschaftselite, welche feministische Forderungen als Berufsförderungsmaßnahme vor den Wagen spannt, und einem eher linken, geisteswissenschaftlichen und publikativen Teil.

      „Um diese kulturelle Hegemonie zu erlangen und aufrechtzuerhalten, sind natürlich gewisse Diskurse und Narrative zentral. Hier ist natürlich das Narrativ von Frau als Opfer und Mann als Täter, Frauen als machtlos und unterdrückt und Mann als mächtig und unterdrückend, Frau als Objekt des Hasses und Mann als Hater etc. absolut zentral.“

      Das beschreibe ich ja im Text. Es gilt dann aber auch, sich als Gegenseite nicht selbst in diese feministischen Narrative hinein zu manövrieren.

      „Eine diskursive Strategie gegen einen sexistischen Feminismus muss dann eben diese Narrative dekonstruieren. Man muss aufzeigen, dass der heutige Feminismus partikularistisch ist, zumal er eine reine Interessensvertretung der Frauen-Akademikerklasse ist und eine linksidentitäre Läuterungsagenda verfolgt, welche Chancengleichheit, Leistungsgerechtigkeit und demokratische Grundsätze konterkariert bzw. hintertreibt.“

      Weitgehende Zustimmung. Der Feminismus beschränkt sich allerdings nicht auf linke Sphären. Er ist auch in bürgerlich-konservativen Kreisen mit dem beschriebenen Frauenschutzinstinkt als Rüstung gut unterwegs. Beispielsweise beschreibt sich AKK als feministisch und die ist nun wirklich nicht links…

  4. Erst mal Zustimmung, auch wenn es einer tieferen Analyse der Unterscheidungskriterien zwischen den beiden Aspekten bedarf.
    Zum Thema Feminismuskritik – das Problem ist, dass grosse Teile der Bevölkerung überhaupt kein Bild von den aktuellen theoretischen Positionen des Feminismus haben und daher auch eine Kritik nicht verstehen. Daher würde ich eher auf Intersektionalismus-Kritik abzielen, da ist es recht leicht die Probleme zu benennen (unter anderem auch eine massive Weiblichkeits-Feindlichkeit) ohne den Frauen-Schutzinstinkt zu triggern

    • @Stepfel:

      »das Problem ist, dass grosse Teile der Bevölkerung überhaupt kein Bild von den aktuellen theoretischen Positionen des Feminismus haben und daher auch eine Kritik nicht verstehen.«

      Was man in meinen Augen tun kann ist, darauf hinzuweisen, mit welch primitiven Feindbildern vom Mann der Feminismus mittlerweile operiert, zunächst mal völlig unbeschadet der Frage, auf welchem ideologischen Boden das gediehen ist. Darum propagiere ich allenthalben die Bezeichnung »Treitschke-Feminismus« (zugegebenermaßen als Kampfvokabel intendiert) für eine Ideologie, die den Mann praktisch zum Zivilisationsschädling stilisiert, weil sie zu jeglicher konstruktiver Gesellschaftskritik unfähig geworden ist.

      • „Treitschke-Feminismus“, das ist vielleicht zu intellektuell um von der breiten Öffentlichkeit verstanden zu werden. Man muss sich erst einlesen, wer Treitschke war und welcher Zeitgeist im Kaiserreich herrschte 🙂

        Ich glaube übrigens nicht, dass Deutschland damals soviel reaktionärer war als andere euorpäische Länder wie Frankreich oder Großbritannien zur gleichen Zeit. Großbritannien war kein demokratisches Musterland, sondern auch ziemlich autoritär strukturiert und hatte fast unüberwindliche Klassenschranken. Es gab in Frankreich Antisemitismus, es gab in beiden Ländern Rassismus gegen Schwarze, und was koloniale Bestrebungen angeht war Deutschland gegen beide ein harmloser Waisenknabe. Dass wir das heute anders wahrnehmen hat viel mit Imagepflege und dem Sieg in 2 Weltkriegen zu tun.

        Vergleich der Femis mit den Nazis ist natürlich auch zu grobschlächtig, aber durch Austausch von Begriffen die Nähe zu rassistischem Denken zu demonstrieren ist doch ein guter Ansatz.

        • @anorak2:

          »„Treitschke-Feminismus“, das ist vielleicht zu intellektuell um von der breiten Öffentlichkeit verstanden zu werden.«

          Glaube ich nicht mal. Etwas zugespitzt: Die derzeit herrschende Klasse ist eine Akademikerklasse (Andreas Reckwitz), die hat den Anspruch, intellektuell zu sein.

  5. @djadmoros
    Ist ca. seit Juni 2019 auf dem Markt und kann ich wirklich sehr empfehlen, zumal ich ja auch daran bin, ein Buch über die Identitätslinke zu verfassen. Der Titel wird vermutlich heissen: „Wer Identität sät, wird Identitäre ernten?! Eine kritische Analyse linker Identitätspolitik.“

  6. Ich denke, die beste Waffe um zu zeigen, dass die Kaiserin nackt ist, ist die Parodie. Das heutige Kaberett ist in der Regel so vorhersehbar und so stumpf, dass die Leute vermutlich offen wären, für eine deftige Abrechnung mit dem Establishment. Vielleicht durch die Kunstfigur eines Malochers, die aus einer Zeit kommt, in der „Solidarität“ in der SPD eine Eigenverantwortung implizierte und der Spruch „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ auch in sozialdemokratischen Kreisen verstanden wurde.

    Titel „Feminismus!!! (aber lustig)“

    In diesem Format könnten die Forderungen des aktuellen institutionellen Feminismus mal in einen historischen Kontext gesetzt werden. Im direkten Vergleich würde die Absurdität mancher Forderung sicher schnell deutlich. Männerthemen – z.B. die Bildungsmisere von Jungen heutzutage – könnten en passant als Kontrast eingeflochten werden und so das propagierte dehumanisierte Feindbild „Mann“ wieder etwas menschlicher werden lassen.

    Ein solches Programm kommt natürlich erstmal nicht in die Medien. Wenn das Programm aber gut ist, kann es sich über virales Marketing vermutlich schnell eine größere Reichweite verschaffen. Und lustig wäre es auch.

    • Immerhin hat es Kabarettist Dieter Nuhr mit seiner zeitgeist-konträren Kritik am Klimathema und Greta Thunberg in die ör Medien geschafft und dafür riesen Shitstürme geerntet. Allerdings können wir beim Männerrechtler-/Feminismusthema nicht auf ihn hoffen, er ist Alice-Schwarzer-Feminist.

      • Bei Rolf Miller könnte ich’s mir gut vorstellen.

        Dadurch dass er ja so eine Rolle spielt, kann er so ‚was sagen, weil es ja nur ein „stumpfer Bauarbeiter“ sagt und diejenigen, die bei den entscheidenden Stellen nicht verstehen, dass er die dahinterliegende Message schon ernst meint, sich dann über das ach so dumme einfache Volk lustig machen. 😉 Er nimmt es quasi als Unangreifbarkeitsschutzschild, dass er tatsächlich viel Stuss verzählt, sich über etwas oder jemanden lustig macht mit „sozialisationsbedingt“ fälschlich für wahr genommenen Prämissen (sodass dies, also nicht der Witz, sondern sein Habitus das Witzige ist) – und einen laberbackigen ehem. Hauptschüler aus der dümmsten Klasse und also einen ganz einfachen Mann mit kognitiven Defiziten mimt (und zwar so gut, dass Leute, die ihn das erste Mal sehen, oft erst mal, besonders wenn sie die Mehrheit des Publikums stellen, lange – ggf. aufgrund kollektiver unsicherer, betretener oder fremdschamursächlicher Stille, d.h. ausbleibender kollektiver Lacher –, nicht checken, dass er das nur spielt und dass da Humor zu erkennen ist, sowie dass seine Witze und wie er die Pointen verpackt, ja, sogar oft etwas versteckt – oder sie das Publikum selbst vervollständigen lässt –, eigentlich doch von Intelligenz zeugen).
        Sodass er damit aber wieder Botschaften, die doch ihre reale Bedeutung haben, transportieren kann für die Leute, die es verstehen.

    • Ich glaube nicht, dass Dieter Nuhr nach der Nummer seinen Aufstieg im öffentlich rechtlichen Rundfunk fortsetzen wird, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

    • Ich glaube auch, dass man den chronisch verbiesterten Feministen offenherzig ins Gesicht lachen sollte. Das könnte diese überhitzte Groteske etwas abkühlen. Dann dürfte man wieder die Innen im Satz vergessen, sich braune Pampe ins Gesicht schmieren und Alladin spielen, ein Stück Fleisch genießen oder fröhlich in den Urlaub reisen. Wir müssen den ph-Wert des Moralins senken, die meisten werden es uns danken…

  7. „während es eine große Koalition im Bund in jahrelangen schwierigen Verhandlung kaum schafft, die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zu Überhangmandaten umzusetzen.“
    Witz gerissen. Allein der politische Wille fehlt.

    • Natürlich fehlt der Wille (wegen zu erwartender Verlust bei der Sitzverteilung), aber das ist das ja genau der Punkt. Verschiebungen des Proporz im Parlament werden hingegen problemlos umgesetzt, wenn diese sich feministisch begründen lassen. Wer von diesen Verschiebungen (gerne) profitiert, ist dann die nächste Frage 🙂

      Hinzu kommt, dass die eine Reform kausal vom BVerfG erzwungen wurde, während die andere in Brandenburg höchstrichterlich einen schweren Stand haben wird.

  8. Nur mal als blasphemischer Denkanreiz: Warum sollten Männer für Männerrechte eintreten? Was sind eigentlich Männerrechte? Wollen wir besondere Rechte, die andere Geschlechter nicht haben?
    Eigentlich doch nicht. Wir wollen wie alle anderen Menschen einfach nur fair behandelt werden. Wenn Feministen mehr und besondere Rechte für Frauen wollen (Wahlrechtsreform, Hervorhebung in jedem Satz, Vorteile bei der Jobsuche – und ohne Ende mehr), müssen wir doch nicht auch noch auf diese erst-wir-und-dann-alle-anderen-Schiene aufsteigen. Wir sind in erster Linie Menschen und dann auch Männer. Wenn wir deswegen, oder wegen unserer Hautfarbe oder unseres Alters geächtet und benachteiligt werden, dann sollten wir uns dagegen wehren. Das hat aber nichts mit sog. Männerrechten zu tun.

  9. „Wollen wir besondere Rechte, die andere Geschlechter nicht haben? Wir sind in erster Linie Menschen und dann auch Männer.“

    Daher halte ich es für zielführender für Humanismus zu plädieren. Da sind dann alle drin enthalten: Männer, Frauen, Kinder, LGBT, whatever. Nur wird das der Feminismus niemals zulassen, da er dadurch die Grundlage seiner Macht verlieren würde, denn er müsste ja gegen sich selbst handeln und der Mann als Feindbild wäre passé. Daher auch die Aussage, dass der Feminismus auch gut für Männer sei. Dadurch bleibt der Machtanspruch gewahrt und es braucht keinen Humanismus.

  10. Feminismuskritik und Männerrechte sind im Grunde zwei unterschiedliche Angelegenheiten.

    Oder auch nicht…
    Wer für Männerrechte einsteht, muss zwangsläufig Feminismuskritiker sein, denn der (moderne) Feminismus greift massiv in die Rechte der Männer ein. Rechte übrigens im Sinne von Gleichberechtigung (und ggf. auch Gleichverpflichtung). Ich persönlich kenne nicht einen einzigen Mann, der Frauen nicht ihre Rechte gönnt – alle aber wollen die selben Rechte auch für sich in Anspruch nehmen können.

    Eine große Mehrheit der Frauen in diesem Land sieht sich selbst nicht als feministisch, hat aber gleichzeitig mit der Männerrechtsbewegung nichts am Hut.

    Wer nicht nicht selbst als feministisch sieht, vom Feminismus aber profitiert, ist keine Feminismuskritikerin. Davon auszugehen, eine „normale“ Frau wäre auch gleichzeitig eine Feminismuskritikerin, dürfte ein Trugschluss sein.

  11. Um 2000 war es, da haben Mädchen beim Abitur die Jungen überholt, d.h. 51% mit Abitur waren weiblich.

    Die nächsten 10 Jahre hatte man erwartet, dass die Frauen bez. „Gender Pay Gap“ aufholen, dies haben sie aber nur sehr viel geringer als Erwartet.

    In diesen Jahren überholten die Frauen auch hinsichtlich „höherer Bildungsabschlüsse“, viele die Literatur, Kunstgeschichte oder Philosophie studiert hatten gingen in die Medien. Direkte Folge: Blasenbildung, passiv aggressive Tendenzen, beeinflussende Artikel mit Agenda haben zugenommen. Das stoische verfolgen eines höheren Ziels wie logische, emotionslose Sachbezogenheit ist mMn eine archtypische männliche Angelegenheit. Wärend Nahfeldkommunikation und Abgestimmtheit mit enger umgebenden Gruppe eine weibliche Domäne ist.

    Obwohl die Nachteile in der Bildung für Männliche zunahmen, holten Männer im Alter beim Gehalt trotzdem wieder auf, dies wurde mehrfach als Begründung benutzt um Benachteiligung bei der Bildung weiterhin zu übersehen.

    Damals und Heute haben wir hochgebildete weibliche Schreiberlinge die mit Teilzeitjobs mehr verdienen wie eine Vollzeitangestellte der Unterschicht/Mittelschicht. Und diese Leute wollen die gesellschaftliche Richtung diktieren.

    2010-jetzt wurde dies vermehrt auch den „einfachen“ Durchschnittsmenschen klar, die gröbsten Fehler, wie Geschlecht ist austauschbar u. nur anerzogen, oder unsägliche Studien „wie Hundeverhalten und hegemoniale Männlichkeit, sickerten in das allgemeine Bewustsein. Gutverdienende Frauen weigern sich „nach unten“ zu heiraten, vielleicht weil sie bei anderen Frauen sehen wie deren Männer ausgenommen werden können.

    Die empfindlichsten Stellen des modernen Feminismus sind mMn die Irrationalität, die Abgehobenheit und das fehlende widerspiegeln der Realität. Und wie sehr die männliche Perspektive bei gesellschaftlichen Veränderungen übergangen wird.
    Für Linke ist mAn auch Bedeutend, dass sich der Feminismus vor einem neoliberalen Kachen hat spannen lassen und heute aktiv politisch linke Themen verdrängt. (Beispiel: Bundestag besteht hauptsächlich aus Juristen u. Lehrern, Arbeiter-/Angestellten-anteil=Nahenull, Feminismus=wir brauchen Parität buuhuu!)

    Kritik von Männern, am modernen Feminismus, wird derzeit noch mit „Lusche/Incel/Frauenhasser“ abgewiegelt. Männern sind also gut beraten, eher emotionslos, viel stärker sachlich und faktenbasierend zu argumentieren.

    Männer werden viel stärker als „gefährlich“ angesehen, besonders in Gruppen, so ist mMn Aggression und Wut bei der Kritik völlig fehl am Platze, obwohl ich in persönlichen Auseinandersetzungen und auch insgesamt im Ton von Feministinnen erlebt habe, dass diese absichtlich und gezielt provozieren. DIES ist für mich ein Wunderpunkt bei Männerrechtlern, da es viele abgehängte, liegengelassene, verletzte und enttäuschte Männer gibt, ihnen aber Heilung versagt wird. Hier muss die Männerbewegung aktive werden und Heilungszentren einrichten, die ihnen die Gesellschaft verweigert.

    Ich denke der Feminismus war niemals unter größeren Bevölkerungsgruppen „cool“, er war eher frisch und revolutionär, da er tradierte Gegebenheiten mit viel Schwung umwälzen wollte. Heute wächst die Zahl junger Menschen die sich GEGEN diese irrationalen sachfremden Umwälzungen stellen.

    Wie waren die Stadien noch mal? US-Gewerkschafters Nicholas Klein:
    „Und, liebe Freunde, in dieser Geschichte findet ihr die Historie unserer gesamten Bewegung wieder: Zuerst ignorieren sie dich. Dann machen sie dich lächerlich. Dann greifen sie dich an und wollen dich verbrennen. Und dann errichten sie dir Denkmäler. Und das ist genau das, was den vereinigten Arbeitern der Bekleidungsindustrie Amerikas passieren wird.“ – Jungle World, 20. Oktober 2011. https://de.wikiquote.org/wiki/Mahatma_Gandhi

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