Körpergröße und Gehalt

Ein interessanter Artikel beleuchtet wie sich die Körpergröße von Männer und Frauen auf ihr Gehalt auswirkt:

Auf einen Nenner gebracht: Erfolg und Körpergröße scheinen stark zusammenzuhängen, wissenschaftlich: zu korrelieren.

Dieser Zusammenhang ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien zu finden, unter anderem aus den USA und Großbritannien. So bringen Männer, die größer sind als 1,82 Meter, später knapp sechs Prozent mehr Gehalt nach Hause als ihre durchschnittlich hoch geratenen Kollegen. Das stellten Forscher der Londoner Guildhall Universität nach einer Befragung unter 11.000 Berufstätigen fest.

Auch der Münchner Doktorand Fabian Spanhel kam in seiner Diplomarbeit zu diesem Schluss. Darin beschäftigte er sich mit dem Einfluss von Körpergröße auf die Lohnhöhe und die Berufswahl. Mit Verweis auf die Studie (PDF) von Nicola Persico, Andrew Postlewaite und Dan Silverman schreibt Spanhel:

Männer mit einem überdurchschnittlichen Nettolohn je Stunde sind in der Regel signifikant um 0,84 cm größer als Männer mit einem unterdurchschnittlichen Nettolohn je Stunde. Bei Frauen ist der Körpergrößenunterschied mit 0,83 cm fast genauso groß und ebenso signifikant.

In der Regel haben größere Personen einen höheren Schulabschluss und verfügen über eine höherwertige berufliche Qualifikation. Die größte Diskrepanz in der Körpergröße ist mit 4,16 cm zwischen promovierten Männern und Männern mit einer Anlernausbildung oder einem beruflichen Praktikum zu beobachten. Größere Menschen üben in der Regel eher leitende Tätigkeiten aus oder arbeiten in wissensintensiven Berufen. Wissenschaftlerinnen sind beispielsweise in der Regel um 2,44 cm größer als Frauen, die als Hilfsarbeitskräfte tätig sind.
Ist der Zusammenhang tatsächlich so einfach?

Olaf Hübler, Professor an der Leibniz Universität Hannover und Institutsleiter für empirische Wirtschaftsforschung, gab in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu bedenken, dass der Zusammenhang zwischen Körpergröße und Gehalt nicht linear sei. Entsprechend sei die Annahme „je größer, desto besser“ falsch.

Entscheidend sei in Hüblers Augen stattdessen die Tendenz zum Mittelwert. Optimal für einen Mann sei demnach eine Körpergröße von 1,91 Meter. Bei größeren Männern nehme der Gehaltsvorteil wieder ab.

Das ist ein interessantes Thema. Wäre interessant, ob Intelligenz und Körpergröße auch in einer gewissen Korrelation stehen. 0,84 cm erscheint allerdings auch nicht sehr groß, die 1,91 hingegen wären schon deutlich im oberen Bereich

Warum Körpergröße auf die Karriere wirkt
Die Forscher Timothy Judge und Daniel Cable sehen die Gründe in der unbewussten Wahrnehmung der Körpergröße: Große Menschen werden für selbstbewusst, kräftig und durchsetzungsstark gehalten – sprich sie bringen mehr Führungsqualität mit. Und wir sehen zu ihnen buchstäblich auf.

Dahinter stecken steinzeitliche Denkmuster, die sich entwickelt haben als der Mensch noch Jäger und Sammler war: „In Urzeiten hat man Größe mit Stärke gleichgesetzt“, sagte Reinhold Bergler, Vorurteilsforscher an der Universität Bonn, gegenüber dem Focus.

Körpergröße ist in gewisser Weise ein „Costly Signal“. Einmal muss man die Ernährung gehabt haben um sie aufzubauen, dann ist ein größerer Körper erst einmal schwerer zu unterhalten. Er bringt zudem – jedenfalls bis zu einer gewissen Größe – Vorteile wie größere Reichweite, üblicherweise auch eher ein höheres Kampfgewicht etc.

Wie wirkt sich die Körpergröße bei Frauen aus?
Wie sieht die Sache eigentlich bei den Frauen aus? Zählt auch dort die Größe? Eher nicht, glaubt man den Ergebnissen einer deutschen Langzeitstudie von Olaf Hübler aus dem Jahr 2009.

Er kommt zu dem Schluss, dass Männer mehr verdienen, wenn Sie größer sind als der Durchschnitt, während Frauen mehr verdienen, wenn diese kleiner sind als der Durchschnitt. Die optimale Größe einer Frau liegt für Hübler demnach bei 1,60 Meter.

Das finde ich erstaunlich, ich hätte eher gedacht, dass auch größere Frauen mehr verdienen. Aber es scheint bei beiden zu dem für das Geschlecht aussagekräftigeren Extremen zu gehen.

Allerdings scheint mal wieder etwas anderes bei Frauen interessanter zu sein:

Bei Frauen ist der entscheidende Faktor nicht die Körpergröße, sondern das Gewicht. (…)

Das Ergebnis: Schlanke Frauen verdienen deutlich mehr als dicke. Am höchsten war ihr Gehalt bei einem BMI von 21,5. Bei Werten darüber sinkt das Gehalt immer weiter.

Also letztendlich bei beiden auch Faktoren, die allgemein als attraktiv gelten bei dem jeweiligen Geschlecht

12 Gedanken zu “Körpergröße und Gehalt

  1. Ich behaupte da mal „spurious corelation“. Erstens: Wenn ich genügend Variablen in eine Analyse werfe (Größe, Gewicht, Augenfarbe…), dann bekommen ich bei einem Fehlerterm von 5% auch irgendwann eine (auf dem Papier) signifikante Korrelation, schlicht wegen meiner unsauberen Forschung. Zweitens ist mir nicht ersichtlich, warum große Männer und schlanke Frauen „nur“ deswegen mehr Geld verdienen sollten. Vielleicht werden Männer bei guter Ernährung auch einfach größer – und Frauen nicht fett. Das soll gut für’s Gerhirn sein, und wupps ist das eine reine Ernährungs- / Intelligenzfrage (wie Du andeutest), was sich für mich sehr viel vernünftiger anhört. D.h., so eine „Studie“ ist ohne einen Rattenschwanz von Kontrollvariablen nicht viel wert.

    • Richtig. Nicht alles auf dem „wissenschaftliche Studie“ draufsteht enthaelt auch Wissenschaft. Bei Sozialwissenschaftlern, die eine kleine Korrelation aufplustern, damit ’ne Studie draus wird, ist das super haeufig.

  2. Wer eine Korrelation findet, darf sich eine Kausalität aussuchen?

    Vielleicht ist es ja genau andersrum. Die Männer sind grösser, weil sie mehr verdienen und gebildeter sind.

    Macht genauso viel Sinn.

    • @Flin:
      „Vielleicht ist es ja genau andersrum. Die Männer sind grösser, weil sie mehr verdienen und gebildeter sind.
      Macht genauso viel Sinn.“
      ———————————-
      Nein; diese Kausalität ist empirisch auszuschließen! Ich habe noch nie einen Menschen, der relativ viel mehr verdient als der Durchschnitt, und „viel gebildeter“ ist, in seinem Beruf körperlich wachsen gesehen oder je davon gehört, geschweige denn als „Regelfall“, aus dem sich ein solche Gesetzmäßigkeit empirisch ableiten ließe!

      • Aber vielleicht sind ja die Männer größer, weil sie aus einem gebildeten und wohlhabenden Elternhaus stammen, deswegen größer sind, und – unabhängig von der Größe – auch deswegen bessere Chancen auf bessere Ausbildung und höheres Einkommen haben? Weil sie sich als Kinder besser ernährt haben, bessere medizinische Versorgung hatten, weniger rauchen, etc.

        Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass diese Korrelation keine Kausalität ist.

        Auf der anderen Seite bin ich 1,93, ich glaube, ich muss mal wieder mit meinem Chef über mein Gehalt sprechen…

        • „Aber vielleicht sind ja die Männer größer, weil sie aus einem gebildeten und wohlhabenden Elternhaus stammen, deswegen größer sind, und – unabhängig von der Größe – auch deswegen bessere Chancen auf bessere Ausbildung und höheres Einkommen haben? Weil sie sich als Kinder besser ernährt haben, bessere medizinische Versorgung hatten, weniger rauchen, etc.“
          —————————-
          Ja, das halte ich auch für sehr plausibel. Und sich dabei aber auch immer wieder vor Augen führen: Ausnahmen bestätigen die Regel…

    • „Wer eine Korrelation findet, darf sich eine Kausalität aussuchen?“

      Wie die zwischen der Storchpopulatioin und der Geburtenrate in D?
      Danach können wir die Geburtenrate erhöhen, wenn wir wieder mehr Flächen versumpfen und Störchen bessere Lebensbedingungen bieten.
      Keine schlechte Idee 😉

  3. Ja, es scheint eine Korrelation zwischen Größe und Intelligenz zu geben: https://en.wikipedia.org/wiki/Height_and_intelligence
    Da ist aber sicher nicht der einzige Faktor, der da mit reinspielt.

    Der Arbeitsmarkt ist nicht der einzige Bereich, in dem kleine Männer diskriminiert werden, im Partnermarkt ist es noch viel stärker ausgeprägt. Trotzdem schließen sich kleine Männer nicht zu Opfergruppen zusammen und jammern rum. Andere sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

    • „Ja, es scheint eine Korrelation zwischen Größe und Intelligenz zu geben: “

      Hab jetzt nicht ins Wiki geguckt, aber die Kombination erscheint mir fragwürdig.
      Es ist wohl weniger eine Korrelation zwischen Größe und Intelligenz, als eine zwischen Ernährung und Größe, bzw. Intelligenz.

  4. „Körpergröße ist in gewisser Weise ein „Costly Signal“. Einmal muss man die Ernährung gehabt haben um sie aufzubauen, dann ist ein größerer Körper erst einmal schwerer zu unterhalten.“

    Das kann man so nicht sagen. Die Körpergröße ist hauptsächlich genetisch bedingt und hat nichts mit der Ernährung zu tun (sofern man nicht an Mangelernährung litt, aber das ist in unserem Land unwahrscheinlich). Und das ein größerer Körper mehr Energie verbraucht, kann man pauschal auch nicht so sagen. Hier spielt nämlich auch der Anteil an Muskeln eine Rolle. Ein 1,75 großer muskelbepackter Bodybuilder hat einen höheren Energiebedarf als ein 1,85 großer Lauch. Letztendlich kommt es mMn auf die Attraktivität als Gesamtpaket an, nicht nur auf die Größe. Jemand, der nur groß ist, aber ansonsten unattraktiv, hat wohl keine guten Karten im Leben. Hingegen hat ein sportlich durchtrainierter, großer, optisch attraktiver Mann in allen Lebenslagen glänzende Chancen.

    • Es gab im 20. Jahrhundert in den westlichen Ländern einen Trend zu größerem Körperwuchs, der allgemein mit besserer Ernährung begründet wird.

  5. Ist denn allgemein gesagt also der Mensch im Laufe seiner Zeit, immer größer geworden? Ja. Ist er immer intelligenter geworden? Wohl ja (allgemein ja, vereinzelt eher nicht). Im Großen und Ganzen eigentlich nicht, aber wir sehen Forschung und Entwicklung und Wirtschaftswachstum fälschlicherweise als positive Intelligenzentwicklung an. Ist er schöner, attraktiver geworden? Auch ja. Allein wegen der Ernährung mit super fruits aus aller Welt hochgezüchtet rumimportiert. Sport, Botox, Filler, fake lashes, Nahrungsergänzungsmittel – > alles besser, höher, größer, weiter.
    Juhuu.
    Wer klein bleibt, bleibt dumm.
    Wie die Titten und Lippen der intelligenten dürren Weiber auf high heels hier auf Erden.
    Dann ist sie schön und kriegt den riesengroßen, intelligenten, also reichen Mann ab.
    Juhuu.

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