Das Schema für Virtue Signalling Kampagnen

Ich habe mal versucht ein Schema für die typische Virtue Signalling Kampagne zu erstellen:

1. Wir sind die Guten und haben keine Macht

2. Die anderen sind die Bösen und haben alle Macht

3. Alles was wir machen ist gut, weil wir die Guten sind und die Bösen angreifen

4. Unser Kampf ist so dringend und wichtig, dass wir zu drastischen Schritten und Worten greifen müssen, es gibt keinen übertriebenen Einsatz für unsere Sache weil sie dringend und gerecht ist!

5. Ein paar Leute aus der bösen Gruppe beleidigen und kritisieren uns unsachlich

6. Alle Leute aus der bösen Gruppe müssen sich dieses Verhalten zurechnen lassen!

7. Wir sind Opfer einer unglaublichen Welle von Hass und Gewalt. Wie kann die Gesellschaft das dulden? Der Staat muss dagegen aktiv werden!

8. Jede Kritik an uns ist eine Unterstützung für die Täter, die unsachlich kritisieren und beleidigen und damit selbst unsachlich und beleidigend

9. Wegen 8 wird nunmehr deutlich, dass wir noch mehr Hass ausgesetzt sind es muss noch schärfer dagegen vorgegangen werden und wir dürfen auch selbst noch radikaler sein.

10. Gehe zu 8, dann zu 9

Passt das oder eher nicht?

 

7 Gedanken zu “Das Schema für Virtue Signalling Kampagnen

  1. Meine Vorschläge: 3 streichen und mit 4 wie folgt umformulieren:

    3. Unser Kampf ist so dringend und wichtig, dass wir zu drastischen Schritten und Worten greifen müssen.

    3 a. Es gibt keinen ungerechten Einsatz für unsere Sache weil sie dringend und gerecht ist!
    3 b. Dass wir beleidigen und unsachlich kritisieren ist angemessen, weil wir die Guten sind und die anderen die Bösen.
    3 c. Der gute, dringende, wichtige, gerechte Zweck rechtfertigt all unsere Mittel, weil wir die Guten sind!

    Demnach das neue 6.:
    6. Wir sind Opfer einer unglaublichen Welle von Hass und Gewalt.
    6 a. Allein ausgelöst von den bösen Tätern. Nur weil wir die Guten, Gerechten sind, werden wir Opfer der Bösen.
    6 b. Wie kann die Gesellschaft das dulden? Der Staat muss dagegen aktiv werden!

    Dieser Modus heißt generell: „Die verfolgende Unschuld“.
    Der Modus passt Arsch auf Eimer zum galoppierend um sich greifenden Narzissmus.
    Es ist eine Sache, den anderen Menschen eine bestimmte Weltsicht aufzuzwingen – das wäre klassische Propaganda, also das X für ein U auszugeben.

    Neu ist, dass der Propagandist allen anderen sein Selbstbild aufzwingen will.
    D.h. er möchte genau so gesehen werden, wie er sich selbst empfindet.

    Er hat nicht etwa eine bestimmte Wahrnehmung der Welt und dieses wird diktiert von Erfahrung, Bedürfnis und Interesse, denn dann könnte man seine Wahrnehmung kritisieren oder seine Erfahrungen, seine Bedürfnisse und Interessen, die diese gestalten.
    Sondern er als Person ist mit seiner Wahrnehmung deckungsgleich und es gibt keine andere zulässige Wahrnehmung.

    In einer normalen Diskussion würde irgendwann eine Verschränkung von Perspektiven stattfinden; man würde versuchen den gleichen Sachverhalt mit den Augen des/der Anderen zu sehen.
    Dazu ist der Narzisst nicht in der Lage.
    Andere Menschen haben überhaupt nur eine Funktion, nämlich ihn in seiner Wahrnehmung zu bestätigen.

    Die Eskalation, der „outrage“ entsteht zweitens, weil der Narzisst demnach nicht zwischen Kritik an der von ihm vertretenen Sache und der Kritik an seiner Person unterscheiden kann.
    Andere Seite der gleichen Medaille: er attackiert keine falschen Ideen, sondern die Personen, die diese Ideen vertreten sind falsch.

    Narzissten sind hochgradig empfänglich, bzw. haben m.E. das erst initiiert, was wir gerade medial erleben: permanente Moralisierung, Personalisierung, Skandalisierung.
    Das ist der Modus, in dem sie zu Hause sind.
    Zwei politische Flügel des gleichen Narzissmus liefern sich eine eskalierende Empörungsschlacht und lassen die Diskurse in den Wahnsinn abgleiten.
    Billy hat das auf man tau schön zugespitzt: „Ich fühle mich mehr und mehr wie in einem Irrenhaus.“ – ich würde sagen, weil die Insassen die Anstalt leiten.

    Ich wünsche mir von uns, dass wir mehr dazu übergehen, die Debatten nüchtern aus Sicht des Forschers zu betrachten, dem die durchsichtigen Rituale einer merkwürdigen Spezies eigenartig erscheinen.
    Tief durchatmen, wundern und versuchen zu verstehen, warum der putzige kleine Affe schon wieder mit Scheiße schmeißt. 😉

    • „Neu ist, dass der Propagandist allen anderen sein Selbstbild aufzwingen will.“

      Eigentlich ist das gar nicht neu.
      Jede Religion mit Missionierungsanspruch funktioniert nach diesem Muster – nahezu seit Anbeginn der Menschheit.
      Narzissmus ist dabei für die Priester der neuen Lehre „Feminismus“ nur eine vorteilhafte Charaktereigenschaft.

      „Ich wünsche mir von uns, dass wir mehr dazu übergehen, die Debatten nüchtern aus Sicht des Forschers zu betrachten, dem die durchsichtigen Rituale einer merkwürdigen Spezies eigenartig erscheinen.“

      Wünsche ich mir auch. Aber – mal ehrlich – wäre es nicht das erste Mal, dass die Menschen NICHT irgendwelchen totalitären Rattenfängern hinterherlaufen?
      Und wir sind bestimmt auch nicht die ersten Nichtgläubigen, die mit ungläubigem Staunen zugucken, wie man uns eine weitere Scheibenerde verkaufen will – und kann.

  2. Das ist gut zusammengefasst. Besonders die ersten beiden Punkte. Es so darzustellen dass man von einer feindlichen Übermacht umgeben ist nützt dem Gruppenzusammenhalt und Fanatismus besonders.

    Punkt 5 ist mir besonders bei feministischen Diskutantinnen aufgefallen. Von 10 Beiträgen, von denen 9 sachlich sind, wird immer der 1 überzogenen dargestellt und pars pro toto instrumentalisiert. Für die Strategie müsst es einen Namen geben.

    Das Wort Hass ist mittlerweile auch ein Überwort geworden was sowohl richtigen Hass als auch jede Form von sachlicher Kritik an den eigenen Positionen bezeichnet. Also eine Art Kritikimmunisierungsstrategie.

    Off-Topic: Die erfolgreiche netzfeministische Lobbykampagne, und das Einknicken der Bundesregierung, beim Thema Tampon-Steuer verdient sicher einen eigenen Blogpost.

  3. Meines Erachstens könnte man im Schema noch deutlicher zwischen anfänglichen Grundlagen und späteren Eskalationsstufen unterscheiden.

    Und auch wenn es etwas redundant ist, ein deutliches „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!“ würde sich da irgendwo gut machen. 🙂

  4. Dieses anschauliche Schema jetzt mal darauf übertragen, dass wir Deutschen heute noch so versuchen unsere Vergangenheit gut zu machen. Das Schema passt komplett oder auch nur in Teilen auf sehr viele gesellschaftspolitische Themen bzw. es wird zusätzlich zur Sachfrage, die nie nur auf der Sachebene disktutiert wird, nebenbei mit betrieben.
    Die Flüchtlingskrise, die Beschneidungsdebatte und Gesetz in 2012, die AfD, der NPD-Ortsvorsteher (und wir aufrechten Demokraten!), der Klimawandel, das Wechselmodell, der Feminismus, die Gleichberechtigung, die Frauenquote, die komplette Genderdebatte und hier nach aussen die Gendergerechte Sprache und so vieles mehr, wird immer hoch moralisch konotiert diskutiert. Die Sachdiskussion ist mehr schmückendes Beiwerk und nie der Mittelpunkt. Ja, die nüchterne Sicht des Forschers fehlt bzw. ist lediglich weit im Hintergrund bei allen Themen und den Debatten dazu

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