51 Gedanken zu “Tag der deutschen Einheit

  1. Je stärker die Geschlechter aufeinander einprügeln und sich von voneinander entfernen, desto entspannter wird das Ossi-Wessi-Verhältnis. Sonst würde vermutlich keiner mehr durchblicken, warum wer gerade Opfer von was ist…

  2. Ich muss immer noch heulen, wenn ich Genscher auf dem Balkon oder die Bilder von der Maueröffnung in Berlin sehe. Als jemand mit einer Ost-West Familie war das damals unerwartet und wunderbar.

    Es wäre schön, wenn man in Zukunft davon Abstand nehmen würde, das Trennende zu betonen.

    Der Westen sollte anfangen, gemachte Fehler anzuerkennen und auch die Lebenswirklichkeiten und – Leistungen der Menschen aus dem Osten zu respektieren.

    Und der Osten sollte inzwischen verstanden haben, dass die „blühenden Landschaften“ nur entstehen, wenn man sie selber sät, hegt und pflegt.

  3. Einer der größten Unterschiede besteht darin, dass man immer wieder von „den“ Ostdeutschen spricht. Das findet man im umgekehrten Fall nicht bzw. nur sehr selten. Wenn es bspw. um „Rechte“ geht, wird häufig der Osten an den Pranger gestellt. (Und natürlich die Sachsen.) Keiner käme aber bspw. auf die Idee, bei Ehrenmorden den Westen an den Pranger zu stellen. Oder bei G20 die Norddeutschen. Ein anderes Beispiel ist Infantizid. Vor einigen Jahren gabs diesen Fall einer Brandenburgerin, die 9 Kinder getötet hatte. Sofort wurde analysiert, woran es liegen könnte, dass der Ossi an sich ein Kindesmörder ist. Oder auch: Wolfssohn warnt vor der „Ossifizierung“ der Bundeswehr. Es gibt da also sehr oft eine Zuschreibung bzw. Einordnung, die man nur bei Ostdeutschen vornimmt.

    Generell kann man mit Ostdeutschen so ziemlich alles machen, was mit anderen Gruppen nicht geht. Napalm auf Chemnitz (ÖR), Bomben auf Dresden (Linke, ÖR), Ostdeutsche als Zombies, die den Westen aussaugen (Titanic), „besonders erfreulich ist, dass die Ostdeutschen aussterben“ (Yücel/taz), die Berliner Mauer ist nützlich, weil sie Ostdeutsche Rechtswähler davon abhält, in den Westen zu kommen (taz), Dresden ist ganz schön, wenn nur die Dresdner nicht wären (ebenda), der ostdeutsche Mann; symbolisiert durch Sandalen und Socken (Zeit) usw. Erstaunlicherweise kommt das häufig von jener politischen Seite, die ansonsten vor Generalverdacht und Diskriminierung warnt.

    Natürlich liegt noch mehr im Argen (und es gibt noch mehr, was positiv ist), aber das ist aus meiner Sicht einer der Hauptunterschiede: die oftmals bis in das Rassistische reichende Abwertung/Einordnung.

    PS: Schönen 3. Oktober!

    • So ist es. Offenbar darf man das (sind ja Teil der Köterrasse:
      https://www.welt.de/regionales/hamburg/article162442610/Deutsche-duerfen-ungestraft-Koeterrasse-genannt-werden.html), da gab es außerdem ein Urteil dazu:
      https://www.arbeitsrecht.org/arbeitnehmer/bewerbung-einstellung/bezeichnung-als-ossi-ist-keine-diskriminierung/

      Eine Arbeitnehmerin stammte aus der ehemaligen DDR. Als sie von einer Stellenanzeige eines Stuttgarter Unternehmens erfuhr, bewarb sie sich dort – allerdings erfolglos. Auf dem zurückgesandten Lebenslauf fand sie später den handschriftlichen Vermerk „(–) Ossi“. Die Arbeitnehmerin fühlte sich diskriminiert. Sie sei nur wegen ihrer Herkunft aus Ostdeutschland abgewiesen worden. Sie klagte deshalb eine Entschädigung nach dem AGG ein. Der Arbeitgeber verteidigte sich wie folgt: Er beschäftige bereits mehrere Mitarbeiter aus den neuen Bundesländern; außerdem seien Ostdeutsche keine ethnische Gruppe im Sinne des AGG.
      .
      Das Urteil: Der Arbeitgeber hatte damit Erfolg. § 1 AGG verbietet zwar eine Benachteiligung wegen der ethnischen Herkunft. Hier liegt aber keine Benachteiligung vor. Der Begriff „ethnische Herkunft“ wird anhand einiger Merkmale definiert. Im Vordergrund steht nicht der Bezug zu einem Territorium. Vielmehr kommt es darauf an, ob sich Verbindungen und Gemeinsamkeiten einer Gruppe von Menschen herstellen lassen. Solche Gemeinsamkeiten können sich in Tradition, Sprache, Religion, Kleidung oder in gleichartiger Ernährung ausdrücken. „Ossi“ lässt sich aber nicht darunter fassen. Bei Ostdeutschen liegt allenfalls eine gemeinsame Verbindung in ihrer Zugehörigkeit zum ehemaligen DDR-Territorium. Das Gebiet der ehemaligen DDR gehörte vor 1949 zum ungeteilten Deutschland; 1990 kam es zur Wiedervereinigung. Damit hat die DDR nur ca. 40 Jahre lang eine von der Bundesrepublik unterschiedliche Entwicklung genommen. Das reicht nicht aus, um eine eigene ethnische Herkunft zu begründen (ArbG Stuttgart, 15.4.2010, 17 Ca 8907/09).

      Offenbar reichen die 40 Jahre aber aus, um den Ostdeutschen medial alles Mögliche zu unterstellen und einen eigenen Begriff für sie zu haben.

      Da ich generell gegen juristischen Einmischungen bin, begrüße ich das Urteil, komme aber nicht umhin, eine gewisse Doppelmoral zu diagnostizieren.

      • Hier liegt aber keine Benachteiligung vor. Der Begriff „ethnische Herkunft“ wird anhand einiger Merkmale definiert. Im Vordergrund steht nicht der Bezug zu einem Territorium. Vielmehr kommt es darauf an, ob sich Verbindungen und Gemeinsamkeiten einer Gruppe von Menschen herstellen lassen.

        Das finde ich eine blöde Argumentation. Der Punkt ist doch, dass solche (abwertenden) pauschale Unterstellungen behauptet werden können. Die Diskriminierung liegt doch genau darin, indem man pauschal negativ urteilt. Selbstverständlich ist es diskriminierend, auch oder gerade besonders, wenn diese pauschalen Urteile ohne Grundlage sind. Also echt. versteh ich nicht.

        • Der grosse Fehler dieses Urteils besteht darin, dass die diskriminierenden Vorurteile, um Vorurteile sein zu können, faktisch richtig sein müssten. Dabei sind diese Diskriminationsbegründungen in der Regel vollkommen imaginär und konstruiert. Es kann also gar keine Rolle spielen, ob an Vorurteilen etwas dran ist. Es kommt nur daran, ob jemand sich das einbildet und daran glaubt!

          Dieses Urteil schützt reale und aktive Diskriminierung, wenn sie nur dumm und kontrafaktisch genug ist.

          • Mich würde interessieren, wie das Urteil ausgefallen wäre, wenn nicht nur „Ossi“ vermerkt worden wäre sondern etwas in der Art „ich stell keine Ossis mehr ein, habe nicht so gute Erfahrungen gemacht“. Dann würde deren Argumentation zusammen brechen wie ein Kartenhaus.

  4. Je weiter die Wiedervereinigung zurück liegt, desto klarer wird, dass wir Ossis die politisch normalen Menschen sind. Wir wählen Sie mal links, wir wählen mal rechts, je nach Situation. Wir haben kein Nazi-Trauma, sind keine Gutmenschen, keine Feministen, keine SJWs.

    Es tut uns leid, dass wir Euch Merkel verschafft haben. Das haben wir nicht gewollt.

    • Kann man nicht sagen, dass uns der Osten uns das Gift des Totalitarismus gebracht hat, der Deutschland auf einen „dritten Weg“ führt, gegen die westliche liberale Demokratie?

      Vor 30 Jahren beschlich mich aus dem Nichts so ein Gefühl, die Weidervereinigung, so schön und froh sie auch war, sei möglicherweise ein

      https://de.wikipedia.org/wiki/Danaergeschenk

      Das beste Beispiel gäbe die Merkel-CDU ab, die die ehemals linksextreme Politik vom Atomausstieg, ökologistischem Gesellschaftsumbau und kollektiver Identitätspolitik (Frauen über alles) in den mainstream geführt hat und dabei ihre eigene Spaltung lächelnd in Kauf nehmen konnte, da eine linksextreme Mehrheit mit der SPD, den Grünen und den Linken zum overkill hin möglich wurde.

      Es scheint (hoffentlich nicht) Deutschlands Schicksal zu sein, dass es sich vom sozialistischen Totalitarismus nicht lossagen kann und seine Platz nicht an der Seite der modernen Demokratien findet.

      Die Normalo-Ossis der Revolution vor 30 Jahren sind aber ein gewichtiger Grund, optimistisch zu sein. Diese Leute haben dem Totalitarismus die kalte Schulter gezeigt und mit Bravour abserviert.

      • „Kann man nicht sagen, dass uns der Osten uns das Gift des Totalitarismus gebracht hat, der Deutschland auf einen „dritten Weg“ führt, gegen die westliche liberale Demokratie?“

        Wer wählt denn mehrheitlich grün?

        • „Wer wählt denn mehrheitlich grün?“

          Die waren schon vorher, durch die Tätigkeit der UdSSR, pro-kommunistisch.
          Das Problem ist die CDU und die SPD, die beide ihre demokratische Tradition verraten haben. Und daran hat die Wiedervereinigung doch wohl keinen kleinen Anteil?!

          • Ich verstehe nicht, warum die Grünen hier so wichtig sind? Auch im Westen wählt nur eine Minderheit die. Viel wichtiger ist zu berachten, was aus SPD und CDU wurde.

          • @Alex

            „Ich verstehe nicht, warum die Grünen hier so wichtig sind?“

            Ist derzeit die irrationalste und extremste Partei im Bundestag. Die Medien die im Osten als Region der Extremisten beschreiben, werfen Steine im Glashaus. Es liegt vielleicht daran, dass eine relative Mehrheit der Journalisten selbst grün ist, besonders bei den ÖR.

            „Auch im Westen wählt nur eine Minderheit“

            In Bawü derzeit die Mehrheit, in anderen westdeutschen Regionen auch und es droht noch mehr zu werden.

            „Viel wichtiger ist zu berachten, was aus SPD und CDU wurde.“

            Die haben ihre eigene Klientel verprellt, indem sie ihre Kernziele aufgaben und stattdessen versuchen die Grünen nachzuäffen. Die Linke tut das inzwischen auch. Die Wählerverluste dieser Parteien sind die logische Folge.

          • @anorak
            Du hast natürlich nicht unrecht, denn die Grünen, obwohl Minderheit, bündeln den Zeitgeist auf ganz besondere Weise. Sie wollen die „Alternative“ schlechthin sein und die ganze Technik, Rationalismus als Weltenzerstörung hinter sich lassen. Das ist der Kern des grünen Denkens, der sich in vollendeter Form derzeit im Phänomen Greta Thunberg niederschlägt und dem sich alle zu beugen haben.
            Ja, das ist eine im Wesentlichen westliche Entwicklung und Erfindung, die sich nicht nur klar gegen den Kapitalismus wendet, sondern im Grundsatz auch gegen jede Form des „real existierenden Sozialismus“, die für die grüne Weltanschauung ja Zwillingsschwestern des Materialismus sein müssen.

      • @Alex

        „Das beste Beispiel gäbe die Merkel-CDU ab, die die ehemals linksextreme Politik vom Atomausstieg, ökologistischem Gesellschaftsumbau und kollektiver Identitätspolitik (Frauen über alles) in den mainstream geführt hat“

        Merkel ist eine Opportunistin. Sie hat keine eigenen politischen Überzeugungen, sondern plappert das nach und setzt das um, was in ihren Kreisen als politisch korrekt gilt, was meist aus (westlastigen) Medien stammt. Diese sind die Treiber. „Frauen über alles“ trifft auf Merkel bestimmt nicht zu, sie ist keine Feministin.

        • @anorak
          Dieses „Opportunisten“-Argument kaufe ich nicht. Es soll nur die Entschuldingung liefern, für politische Entscheidungen, um den Willen dahinter zu vernebeln. Der Atomausstieg im Gefolge Fukushimas war sicher kein allgemein populäres Interesse, auch das mit dem Klimawandel ist es nicht. Hier jeweils wedelt der Schwanz mit dem Hund.
          Die Frage ist, warum man in der CDU linksextreme Ideologien zum Massstab macht, erscheint erstmal hochgradig paradox. Leicht zu lösen, wenn man die CDU als Partei des heimlich Rechtsreaktionären begreift. Für diese Kräfte („Union der Mitte“ etc) ist die Übernahme des wesensverwandten Linksextremismus in Folge mit der Abspaltung einer möglichweise rechtsextremen Alternativen eine WIN-WIN-WIN Situation.

          • @Alex

            „Dieses „Opportunisten“-Argument kaufe ich nicht.“

            Es ist der Versuch einer Analyse von Merkels verhalten. Ein Argument soll es als solches nicht sein.

            „Es soll nur die Entschuldingung liefern, für politische Entscheidungen, um den Willen dahinter zu vernebeln.“

            Es ist auch keine Entschuldigung (wen oder was sollte ich warum entschuldigen wollen)? Aber wenn man verstehen will warum in D soviel schief läuft, bringt es nichts wenn man schon in der Analyse den falschen Ansatz hat. Merkel verfolgt offensichtlich kein finsteres Programm zur Zerstörung Deutschlands, denn sie verfolgt überhaupt kein Programm außer ihren eigenen Machterhalt – sonst würde sie nicht soviele 180-Grad-Wenden aufs Parkett legen, denn wer ein klares Ziel hätte würde das nie tun.

            Ihre merkwürdige Poltik ist mMn dadurch erklärbar, dass sie wetterwendisch bis zum Anschlag ist. Und das ist auch schlimm, aber auf andere Weise. Natürlich darf sie nicht den Einpeitschern und Meinungsmachern folgen, sie darf nicht jedem Geschrei fanatisierter Ideologen hinterherlaufen, im Gegenteil ist es ihre Aufgabe dagegen stoische Ruhe zu bewahren und auch mal ein Wort dagegen zu sagen. Hier versagt sie völlig.

            Also es gibt 2 Aspekte:

            – Die Wetterwendigkeit der Kanzlerin, und warum eine solche ungeeignete und inkompetente Person überhaupt an die Macht kommen kann und sich dort so lange halten kann

            – Und warum die deutschen „Eliten“ in Medien und anderswo sich so abgedreht verhalten und solchen irrationalen Stuss fordern wie sie es seit Jahren tun.

            „Der Atomausstieg im Gefolge Fukushimas war sicher kein allgemein populäres Interesse,“

            Ich habe ja nicht gesagt, dass sie dem Willen des Volkes folgt, Sie folgt äußeren Einflüssen, aber nicht diesem sondern anderen. Was war denn 2011? Da haben die Medien aus allen Lungenflügeln gebrüllt das Atomkraftwerke Teufelszeug seien und lieber gestern als heute abzuschalten seien. Dem ist sie nach kurzem Zögern gefolgt, und hat damit nebenbei auch das Wahlprogramm gebrochen mit dem ihre Partei nur 1 Jahr zuvor die Wahlen gewonnen hatten. Dass sie damit ihre eigenen Wähler verprellte, war ihr offensichtlich egal.

            „auch das mit dem Klimawandel ist es nicht“

            Es ist mMn nach gleiche Phänomen, diesmal brüllen die Medien noch viel lauter. Das sind die Treiber.

            Warum Merkel sich berufen fühlt, die unqualifizierten Meinungen der Redakteure bei ARD und ZDF zu ihrem Leitmotiv zu machen, weiß nur sie selber. Vielleicht glaubt sie irrigerweise, das sei die Volksmeinung. Wenn sie das glaubt, ist sie vielleicht auch ein bisschen doof. Vielleicht folgt sie auch dem Lobbyismus derjenigen, die dabei auf Profite hoffen – diese Option muss man immer im Hinterkopf behalten.

            „linksextreme Ideologien“

            Technikfeindlichkeit ist nicht links. Deindustrialisierung ist nicht links. Die Entwicklung würde, wenn sie längere Zeit ungebremst weiterliefe, in einer feudalen Ständegesellschaft enden. Das kann kein Linker wollen.

            „CDU als Partei des heimlich Rechtsreaktionären“

            Ist deswegen kein Widerspruch.

      • Das beste Beispiel gäbe die Merkel-CDU …

        Die ostdeutschen Verbände haben in der CDU einen verschwindend geringen Einfluss. Frau Merkel ist in Hamburg geboren und die Tochter eines westdeutschen Pastors, der freiwillig und aus Sympathie in den Osten ging. Es ist anzunehmen, dass ihre Sozialisierung viele Elemente aus dem linksprogressiven westlichen Bürgertum enthielt. Frau Merkel als eine Art Geheimagent des Ostens zu betrachten, der durch die Hintertür die DDR wieder einführt, geht meines Erachtens in die völlig falsche Richtung. Das wollen die Verbände im Westen schon selbst (siehe z.B. Hr. Laschet, der das „Konservative“ nicht als Teil des politischen Kerns der CDU verstanden wissen will). Auch die Grünen haben das „Bündnis 90“ völlig wegassimiliert und werden in ihre Haltung von ihren Westverbänden bestimmt. Die einzigen, die ihre Richtung vermutlich im Wesentlichen aus dem Ostverbänden bezieht ist die SED (wie auch immer sie gerade heißt).

  5. Fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch von Ost und West zu reden, zeigt doch eigentlich, dass der Tag der deutschen EINHEIT mehr eine Farce ist. Und solange die Medien weiter mit irgendwelchen Stereotypen um sich werfen, wird das auch so bleiben.

    • Die geschichtlichen Ursachen für die bayerischen Extrawürste und Befindlichkeiten liegen über 150 Jahre zurück, und sie sind heute noch aktuell. Das wird mit Ost und West vermutlich nicht anders laufen. Es ist aber grundsätzlich in beiden Fällen kein Problem, sondern einfach Aspekte der regionalen Vielfalt Deutschlands.

  6. Als Ossi wäre mir damals übergangsweise eine Zwei-Staaten-Lösung mit so was wie einem inner-deutschen Marshall-Plan, um die Ost-Wirtschaft wieder zum Laufen zu kriegen, lieber gewesen. Vielleicht für ein Jahrzehnt oder so. Leider brauchte aber Kohl den Osten für seine Wiederwahl und westliche Firmen haben sich im treuhändischen Ramschladen der Restwirtschaft in Ostdeutschland bedienen können, mit spürbaren Folgen bis heute.

    Wir wollten zunächst eigentlich nur Reisefreiheit, Meinungsfreiheit und Demokratie. Aber Kohl hat den Ossies mit seinen „blühenden Landschaften“ den Kopf verdreht. 40 Jahre sind eine sehr lange Zeit…

  7. Das Ziel und Streben der „globalen Eliten“ und ihrer Ausführungs-Organe ist die Abschaffung der Nationen, was auch am heutigen Tage nicht unberücksichtigt bleiben sollte.
    In einer Zeit, in der man noch ungleich mehr als heute andere Länder mit kulturell-gewachsenen landestypischen „Objektivationen“ und Charakteristiken kennenlernen konnte, und daran die Andersartigkeit, Verbindendes und Trennendes, aber auch Vor- und Nachteile gegenüber anderen Ländern für sich erleben konnte, waren derlei Erfahrungen dazu angetan, sich selbst und die Charakteristika der Menschen im eigenen Lande und die vorhandenen Gemeinsamkeiten klarer wahrnehmen zu können. Hierfür sind die wissenschaftlichen Ansätze von Wilhelm Wundt, und seine „Völkerpsychologie“ immer noch sehr aufschlußreich und empfehlenswert!
    Wer heute einen Stadtbummel in den Metropolen dieser Welt macht, erlebt viel „Austauschbares“, eine Entwicklung hin zum „globalen Dorf“…

  8. Ohne den Kniefall Brandts wäre die Wiedervereinigung unvorstellbar, Brandt ist einer der patriotischen Heldes des heutigen Tages, wenn nicht der vorzüglichste. Helmut Kohl hat mit seiner Grosszügigkeit dann den Weg geebnet, als die Revolution kam. Soweit die beiden wichtigsten Macht- und Funktionsträger, die man hier erwähnen muss (hab ich wen vergessen?).

  9. Was sich im Zuge des Wiedervereinigungs-Prozesses alles tatsächlich so ereignet hat, und was davon
    Inszenierung gewesen ist, werden wir wohl nie erfahren.
    Fakt ist: nachdem der Treuhandchef Rohwedder „aus dem Weg geräumt“ worden war, lief alles Weitere sehr geräuschlos (wie, was, wohin?)…

    Vielleicht nur eine von vielen Kriminalgeschichten in diesem Zusammenhang, ist die folgende:

    Schlussverkauf DDR – Die Geschichte der Treuhandanstalt 1990-94, Teil 1 (1999)

    und Teil 2 (1999): https://www.youtube.com/watch?v=AnshosR0Nc0

  10. Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand. Alles haben sie uns genommen: Es herrscht keine Einigkeit, das Recht wird mit Füßen getreten und frei sind wir längst nicht mehr, da wir uns nicht mehr frei bewegen können. Die Kulturmarxisten, Gutmenschen und das Merkel zerstören alles und der gutmütige, fette und dekadente Wessi folgt der Propaganda und trottet mit.

    Liebe Ossis, wir haben euch das Merkel, die Maischberger, Katrin Göre-Dreckhart, Kahane etc. pp. zu verdanken. Bitte lasst uns nicht im Stich und bringt das wieder in Ordnung. Danke!

    • Das ist richtig und dafür auch Entschuldigung.
      Wir sind allerdings auch die Einzigen, die durch unser Wahlverhalten die totale links-grüne Diktatur verhindert haben. Zumindest bis jetzt.

      • „Wir sind allerdings auch die Einzigen, die durch unser Wahlverhalten die totale links-grüne Diktatur verhindert haben.“

        Ach Adrian, manchmal beneide ich Dich für Deine einfache Sicht auf die Welt und ihre Geschichte.
        Als „Ossi“ und mangels Alters mag es Dir entgangen sein, aber Deutschland wurde vom Herbst 1982 bis Herbst 1998 von einer rechtskonservativen Regierung unter Kanzler Kohl regiert und nur von Herbst 1998 bis 2005 von einer – demokratisch gewählten – links-grünen Koalition unter Gerhard Schröder. Diese Koalition scheint auf Euch wie ein Scheinriese zu wirken. Je kleiner sie war und je länger sie zurückliegt, desto größer und mächtiger drückt sie auf Eure Erinnerung.
        In Sachen „Diktatur“ solltest Du Dich vielleicht in einer stillen Stunde mal mit einem Lexikon aufs Klo zurückziehen und Dich mit den Unterschieden zu einer Demokratie vertraut machen. Nicht alles, was Deine Meinung nicht teilt, ist gleich eine Diktatur.

        Ergänzend: könnte es nicht sein, dass der deutliche Hang der östlichen Wähler zum Rechtsextremismus die liberalen und demokratisch orientierten Wähler des Westens eher zusammenrücken und als Antwort Grün wählen lässt? Jedenfalls könnte man das aus den letzten Wahlen herauslesen.
        Eine „links-grüne Diktatur“ kann ich angesichts der Schwäche der linken Parteien sowieso nicht erkennen. Wenn, dann müsstest Du Dich also mit einer grünbürgerlichen Diktatur begnügen, die in etwa so links ist, wie die FDP.

        • @carnofis Der Witz ist dass seit 1998 bis heute in Deutschland grüne Politik gemacht wird, auch wenn die gar nicht in der Regierung sitzen. Die anderen Parteien übererfüllen das grüne Programm ganz freiwillig, und lassen dafür ihr eigenes liegen. Grüne Politik ist allerdings rechts, also ist rechtsgrün ddie passende Bezeichnung – soviel Zeit muss sein. Eben deswegen ist ja grüne Politik auch so gut kompatibel mit der CDU. Die sind sich sehr ähnlich, und deswegen wollen die Grünen so gern mit der CDU koalieren. „Diktatur“ ist sicher eine polemische Überhöhung für die gefühlte Tatsache, dass grüne Politik nicht abwählbar ist sondern als „alternativlos“ von (fast) allen Parteien in irgendeiner Form verfolgt wird, kombiniert mit der Tatsache dass sich diese Ideologie zunehmend totalitär gibt, derzeit am Beispiel des Klimawahns.

          „Ergänzend: könnte es nicht sein, dass der deutliche Hang der östlichen Wähler zum Rechtsextremismus die liberalen und demokratisch orientierten Wähler des Westens eher zusammenrücken und als Antwort Grün wählen lässt?“

          Da wären sie da aber falsch beraten, denn die Grünen sind unliberal, unsozial, bellizistisch und halten wenig von demokratischen Spielregeln. Genau das ist ja der Grund für die verbreitete Abneigung gegen sie. Mir scheint die Ursachenkette deshalb auch umgekehrt: Der Erfolg der AfD (die man eher mit der CDU vor 30 Jahren vergleichen kann, aber gut vielleicht ist das auch rechtextrem:)) ist u.a. eine Reaktion auf die gefühlte Unausweichlichkeit grüner Propaganda und Politik. Natürlich gibt es noch andere Gründe dafür, aber das ist einer.

          • Für die Grünen kommen die ganzen rückwartsgewandten Geisterfahrer nur gelegen. Denn so können sie die Furcht vor dem ganz gerellen Weltuntergang von der Politik bis zum Wetter auf ganzer Linie schüren.
            Das ist keine „grüne Politik“ mehr, das ist „deutsche Politik“ neuer Provenienz. Penetrant progressiv statt beissend schreiend.

  11. Ich bin heute noch froh den Sozialismus losgeworden zu sein. Die Gedankenspiele zurück in seine Richtung, die die nächste Generation von politisch linksstehenden Personen wieder schick finden, sehe ich mit wachsender Unruhe. Und die totalitären Muster, die sich unter der freiheitlich-demokratischen Haut abzeichnen, erinnern mich mehr und mehr an die Herrschaftsmuster der DDR. Menschen, die im Westen unseres Landes sozialisiert wurden, haben dafür oft keine Antenne. Sie kennen die Muster nicht und halten sie für harmlos oder für temporär. Das ist zumindest mein Eindruck aus vielen Gesprächen. Das Beste wäre, ich irre mich. Davon bin ich aber noch nicht überzeugt.

    Offensichtlich hat die DDR in den Köpfen der Menschen größere Spuren hinterlassen, denn es ist zumindest in meinem Umfeld recht deutlich, dass im Osten der Republik sozialisierte Menschen die Codes und Verhaltensweisen, die man braucht um hierarchisch aufzusteigen, in der breiten Masse nicht oder nicht gut genug beherrschen. Das zeigt für mich auch, wie schwierig es ist selbst kleine kulturelle Unterschiede zu überbrücken.

    Wirtschaftlich geht es mir, wie vielen Menschen aus dem Osten, um Längen besser als im Sozialismus. Mir ist das bewusst und auch, dass das nicht selbstverständlich ist.

    Die Unterschiede zwischen Ost und West spüre ich jeden Tag. Im Westen ist es allerdings so, dass dieser Unterschied nur für mich sichtbar ist, da sich für die Menschen, die dort aufgewachsen sind, eigentlich nichts geändert hat – außer vielleicht, dass man die Abgaben, die in das riesige Wirtschaftsförderungsprogramm „Aufbau Ost“ geflossen sind, als (ausschließlich) eigene Leistung betrachtet und den Osten oft für undankbar hält (der wirtschaftliche Nutzen auch und insbesondere für den Westen wird selten gesehen, dass die Abgabenlast im Osten privat genauso getragen wird auch nicht öfter). Im Osten ist jetzt das meiste anders, als in der DDR, nur dass die Menschen, die dort leben, das auch wissen. Der vielgescholtene Ostdeutsche lebt eher nicht in Ballungsräumen. Eigentlich unterscheidet sich die Lebenssituation dort nicht viel vom Leben in der westlichen Fläche. Vermutlich ist also das medial als „ostdeutsch“ beschriebene Lebensgefühl, dass so anders ist als in den urbanen Ballungsräumen, die in den Medien den Ton angeben, gar nicht primär ostdeutsch, sondern einfach ländlich. (Die Enttäuschung, dass der Westen ohne Not in Richtung Osten („Ökodiktatur“, etc.) gehen will, nachdem der Osten es gerade erst geschafft hat, genau diese Strukturen abzuschütteln, die sehe ich nur im Osten.)

    Die Polarisierung der Gesellschaft ist ein weltweit zu beobachtendes Phänomen. Das würde ich weder den Ost- noch den Westdeutschen anlasten.

    • @werlauer
      „zurück in seine Richtung, die die nächste Generation von politisch linksstehenden Personen wieder schick finden“

      Als reines Wessigewächs kann ich versichern, dass grosse Teile der westdeutschen Elite schon immer tiefe Sympathien für eine die „Diktatur des Proletariats“ gehabt haben und dem Kapitalismus die tiefste Abneigung entgegengebracht haben. Zum mainstream wurde das durch das mainstreaming der Grünen, die traditionell rechtsreaktionär-völkische Ideen als neu und links vermarkten konnten, Vegetariertum, nicht-christliche Spiritualität und all das, im Prinzip eine Traditionslinie aus der deutschen Romantik.

      • Ich finde das auch ganz irre, wie plötzlich uralte Rezepte aus der marxistischen Mottenkiste wieder hervorgeholt werden, als hätte es 40 Jahre COMECON und Planwirtschaft nie gegeben. Hier herrscht großes historisches Unwissen.

        Die Grünen und Linken glauben wirklich, man müsse de Menschen nur zwingen, das Richtige zu tun, dann wird alles gut werden. Beängstigend.

      • Ich lehne mich jetzt mal sehr weit aus dem Fenster: Letztlich versuchte Marx auch nichts anderes als die Haltung des „Neuen Testaments“ durch eine soziologische Untersuchung von der übergeordneten Entität zu lösen. Auch das ist alter Wein in neuen Schläuchen. Das Ergebnis ist leider nicht besser, sondern schlechter, weil sich in ihm die Perspektive vom Individuum auf die Gruppe verschiebt und dadurch legitim alle tribalen Mechanismen bespielt werden, die wir seit Jahrtausenden mit uns tragen. Und die Ironie der Geschichte: Letztlich wurde Marx dann transzendiert und Teil eines ägyptisch anmutenden Personenkults (inkl. Priesterschaft (aka Parteifunktionäre)).

    • Ich wünschte ja uns allen, wir würden mehr auf die Menschen hören, die tatsächlich den realen Sozialismus erlebt haben, und weniger auf unwissende Kinder, die nur einem naiven Wunschbild anhängen.

      • Hubertus Knabe legt den Finger da häufig in die Wunde (Ergebnisse des Ostdeutschen Wohnungsbaus, Ergebnisse des ostdeutschen Umweltschutzes, …). Sehr nachvollziehbar – zumindest aus Ostperspektive. Warum die Linke ihn loswerden wollte, jetzt, wo in Berlin die feuchten Träume des Sozialismus wieder Realpolitik werden, ist verständlich. Aber warum sich der politische Gegner das realexistierende Beispiel der Geschichte nicht hernimmt, um für eine Beleuchtung der Nebenwirkungen von solchen Maßnahmen zu sorgen, ist mir völlig schleierhaft. An der DDR kann klar (und einfach) vor Augen geführt werden, welche Nachteile den bereits verkündeten Vorteilen gegenüberstehen.

        Eigentlich müssten Sozialismuskritiker die Reichweite von genau diesen Leuten zu erhöhen trachten.

        • Vielleicht ist auch denen oftmals nicht an einer tatsächlichen Aufklärung gelegen. Kritischen Menschen kann man weniger verkaufen, ideologisch oder kommerziell.

  12. Das war keine „Wiedervereinigung“, sondern eine feindliche Übernahme. Und das sage ich als gebührtiger Rheinländer. Ich weiß noch sehr genau, wie der Abschaum des Kapitalismus plündernd und raubend im Osten eingefallen ist, um die vergleichsweise naiven Ossis um ihre frisch umgetauschten DM Guthaben zu betrügen. Und die Treuhand hat alles an die westlichen Konzerne verramscht, was nicht eh schon durch den ökonomisch völlg verrückten Umtauschkurs zusammengebrochen war. Kohl erkaufte sich damit den Wahlsieg von 1990 und der Rest war eh scheißegal.

    • Nicht zu vergessen, die Wiedervereinigung war vor allem auch ein Wirtschaftsprogramm, das die westdeutsche Industrie aus einer sich ausbreitenden Wirtschaftskrise hinauskatapultiert hat.

      • Nö, das hat die deutsche Wirtschaft nur belastet. Nur Kommunisten halluzinieren, wie grossartig der Kapitalismus von der „verbrannten Erde“- Wirtschaftspolitik der Kommuinisten profitiert hätte. Der pute Hass und das Ressentiment der Verlierer.

        • Es gab einen durch die zusätzliche Nachfrage nach Konsumgütern ausgelösten „Vereinigungsboom“ nach 1990, den aber die Notenbank im Namen der monetaristischen Ideologie 1992 abgewürgt hat.

          • @anorak
            Daran erinnere ich mich nicht. Aber Konsum hat in Deutschland die Konjunktur noch nie bestimmt. Aber dies ist eben auch der deutschen monetär repressiven (ich meine das jetzt durchaus erst, obwohl der Begriff jetzt erst etabliert ist) Ideologie geschuldet. Die mMn übrigens in Neid und Missgunst als Grundgefühl begründet ist. Hier können sich Kapitalisten und Kommis wirklich die Hände reichen und das ist kein Grund zur Freude bei dieser Wiedervereinigung.

  13. Das Extrawurstland Berlin stellt die deutsche Einheit in Frage, die Kanzlerin mä(r)kelt rum und die Kettenhundmedien jaulen am Joch kollektiver Betroffenheit, die Ostdeutschen zu Provinzlern erklärend.

    Sie hassen alle die deutsche Einheit. Ein Grund, sie zu mögen, lol

    Den Länderfinanzausgleich sollte man aber abschaffen, deutsche Einheit hin oder her – Diversität bei den Bundesländern durch Wettbewerb wäre doch ein feines Ding?! 🙂

    • Das Problem ist nicht die Überbrückung bzw. Anschubfinanzierung von Veränderungen für was der Länderausgleich mal gedacht war, sondern das Länder sich dauerhaft von anderen ohne Konsequenzen aushalten lassen können und sogar das Geld das Ihnen zufließt sinnlos verpulvern können ohne Rechenschaft ablegen zu müssen.

  14. „Dland“

    „eine Debatte über das Zusammenwachsen hat begonnen“

    Im Gegenteil, ist längst Vergangenheit. Wenn es eine „feindliche Übernahme“ bei der Vereinigung gegeben hat, dann die von „Bündnis 90“, mit dem sich die Grünen als Trophäe bis heute schmücken.

    • Alle haben über Kohl hergezogen und die Einheit schlecht und lächerlich gemacht. Die Ossi-Dämonisierung fing hier an.

      Es wird immer deutlicher, wer hier gespalten hat, was das Zeug hielt. Und jetzt so scheinheilig auf Patriotismus machen muss. Möge es ihnen wie ein Stock im A sein.

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