„Klima- und Umweltschutz ist keine Frage der politischen Weltanschauung“ (Gastbeitrag)

Gastbeitrag von Marc in Anschluss an die gestrige Diskussion:

Der menschengemachte Klimawandel ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Da wir Menschen nicht von alleine unser klima- und umweltschädliches Konsumverhalten ändern, ist eine höhere Bepreisung ein notwendiges Übel. Die Dinge, die viel CO2 verursachen, werden weniger gekauft, weil sie teurer werden. Firmen müssen nun neue Produkte entwickeln, die weniger CO2 verbrauchen. Da Unternehmen rein gewinnorientiert denken, werden sie nicht von alleine auf den Klima- und Umweltschutz achten. Das ist nur durch staatliches Eingreifen möglich.

Wir haben keinen Planeten B. Die Folgen des Klimawandels sind verheerend: Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt (einige Länder/Städte und Inseln werden überflutet) und Extremwetter wie Dürren und Hitzewellen schaden der Landwirtschaft, was zu Hungersnöten führen wird. Nahrungsmittelknappheit schafft den Nährboden für Kriege. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es Millionen Klimaflüchtlinge geben und das dürfte doch vor allem migrationskritischen Menschen missfallen. Die am meisten zitierte Schätzung beläuft sich auf 200 Millionen Klimaflüchtlinge bis 2050. Laut dem Weltklimarat dürfen wir eine Erderwärmung von 1,5 Grad nicht überschreiten. Das ist keine Panikmache/Hysterie, sondern beruht auf wissenschaftlichen Fakten.

Die Kosten, die der Klimawandel für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft haben wird, wird um einiges höher sein. Was bringen Arbeitsplätze, wenn die Erde nicht mehr bewohnbar ist? Wir müssen uns eh von fossilen Brennstoffen trennen, weil die nur begrenzt vorhanden sind. Unendliches Wachstum ist in einer endlichen Welt nicht möglich. Durch erneuerbare Energien entstehen mehr als doppelt so viele neue Arbeitsplätze. Diejenigen, die ihren Job verlieren, sollten die Möglichkeit einer Umschulung haben. Gleichzeitig wird es als fortschrittlich betrachtet, wenn durch die Digitalisierung und die fortschreitende Automatisierung durch K.I. viele Arbeitsplätze wegfallen. Die Roboter klauen uns die Jobs!

Mit „Aber was ist mit China und Indien?“ will man sich häufig nur aus der Verantwortung ziehen, um weiterhin untätig zu bleiben. Das ist Whataboutism in Reinkultur. Bevor wir mit dem Finger auf andere Länder zeigen, sollten wir zuerst bei uns selbst anfangen. Unser Pro-Kopf-Ausstoß ist viel größer. Wir benötigen Klima- und Umweltschutzgesetze auf EU-Ebene bzw. weltweit, wodurch auch verhindert wird, dass sich Firmen ins Ausland absetzen. Alle Länder müssen gemeinsam den Klimawandel bekämpfen. Deutschland allein kann die Welt nicht retten, aber wir können als Vorreiter mit gutem Beispiel vorangehen, wonach sich andere Länder richten werden. Wer sich nicht an das Klimaabkommen hält, wird später sanktioniert.

Freiheit endet dort, wo die Gesundheit anderer stark gefährdet wird. Fleisch sollte z.B. ein Luxusgut sein (wie damals der Sonntagsbraten). Laut Ernährungspyramide sollen wir max. 2-3x pro Woche Fleisch und 1-2x pro Woche Fisch essen. Es gibt kein Recht jeden Tag Billigfleisch aus der Massentierhaltung zu essen.

Eigentlich lehne ich Verbotspolitik ab und befürworte mehr Anreize zu schaffen, aber bei Kreuzfahrtreisen und Inlandsflügen bin ich anderer Meinung. Wir brauchen Containerschiffe, aber Kreuzfahrtschiffe sind überflüssig. Wenn man innerhalb von Deutschland von A nach B kommen möchte, ist man mit dem ICE, der eine Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h erzielt, fast genauso schnell am Ziel. Die Reiselust in ferne Länder könnte man durch den Einsatz von Bio-Kerosin lösen. „Hyperloops“ könnten das Fortbewegungsmittel der Zukunft für lange Strecken werden. Das steckt aber noch alles in den Kindeschuhen.

Was Emissionen angeht, sind E-Autos zwar besser als Autos mit Verbrennungsmotor (besonders was die Luftverschmutzung in Städten betrifft), aber die Akkuherstellung ist sehr umweltschädlich, weil sie viel Energie verbraucht. Der Strombedarf wird durch mehr E-Autos weiter steigen, der aktuell nur zu 40% aus erneuerbaren Energien stammt. Erst nach 60.000 gefahrenen Kilometern haben E-Autos eine bessere Klimabilanz. Daher sollte das eigentliche Ziel sein den Individualverkehr auf ein Minimum zu reduzieren.

Lösungsvorschläge:

  • Wenn wir die Spritpreise erhöhen, müssen wir gleichzeitig den ÖPNV ausbauen, der pünktlich und nicht überlastet ist. Bus- und Bahnfahren müssen durch günstigere Ticketpreise attraktiver gemacht werden
  • Wir müssen die Geringverdiener z.B. in Form einer Klimadividende finanziell entlasten. Das Klimapaket darf nicht unsozial sein, denn sonst kommt es hierzulande auch zu Gelbwestenprotesten
  • Menschen, die auf dem Land bzw. in strukturschwachen Regionen wohnen, und noch keinen Zugang zu Bus oder Bahn haben, müssen berücksichtigt werden. Dafür sollten Härtefallfonds eingerichtet werden
  • Wir brauchen einen früheren Kohleausstieg und müssen erneuerbare Energien mehr fördern
  • Unternehmen müssen durch strengere Vorschriften dazu bewegt werden energieeffizienter zu handeln
  • Wir brauchen mehr fahrradfreundliche Straßen, die besser geschützt sind. Pro Jahr gibt es ca. 90.000 Radunfälle, wovon 450 tödlich enden
  • Fleisch aus der Massentierhaltung muss teurer werden (Ich fordere kein Fleischverbot!)
  • Weniger Plastik in Verpackungen (Druck auf Unternehmen ausüben)
  • Wir müssen den Gütertransport von der Straße (LKWs) mehr auf die Schienen verlagern

Man kann auch schon viel Positives bewirken, wenn man auf seinen ökologischen Fußabdruck achtet:

  • Regionales und saisonales Obst und Gemüse kaufen
  • Den Fleischkonsum aus der Massentierhaltung reduzieren (Ich fordere kein Fleischverbot!)
  • Stoffbeutel zum Einkaufen mitnehmen
  • Stück Seife kaufen statt Flüssigseife
  • Weniger Lebensmittel wegschmeißen. Es heißt „mindestens haltbar bis“ und nicht „sofort tödlich ab“
  • Möglichst unverpackt einkaufen und Plastikmüll versuchen zu vermeiden
  • Nicht jedes zweite Jahr ein neues Smartphone kaufen (oder gleich ein Shift- oder Fairphone kaufen)
  • Nicht jeden Monat einen Shopping-Großeinkauf tätigen (oder gleich Fair Trade Kleidung oder Second Hand Kleidung kaufen)
  • Leitungswasser trinken (Das hat in Deutschland eine sehr hohe Qualität. Wer Angst vor einem verkalkten Wasserhahn hat, kann sich eine Filterkanne zulegen)
  • Kreuzfahrtreisen und Inlandsflüge vermeiden
  • Bambuszahnbürsten verwenden
  • Ökostrom beziehen
  • Bei gutem Wetter häufiger kurze Strecken mit dem Fahrrad fahren

Das hängt auch maßgeblich vom eigenen Portemonnaie ab, weil sich so eine Umstellung nicht jeder finanziell leisten kann. Armen Menschen kann man da keinen Vorwurf machen.

Das Ziel sollte sein mehr auf Nachhaltigkeit zu achten und insgesamt den eigenen Konsum zu reduzieren. Frei nach dem Motto „Weniger ist mehr“. Da muss ich aber gestehen, dass ich auch kein Heiliger bin und immer wieder sündige. Für ein rein minimalistisches Leben bin ich nicht geschaffen. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Da wird einem dann schnell Heuchelei vorgeworfen wie z.B. einem Veganer, der Lederschuhe trägt, aber es ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Die Alles-Oder-Nichts-Einstellung ist kontraproduktiv und nicht zielführend. Niemand ist perfekt, aber jeder kann seinen Beitrag dazu leisten. Keiner muss sein gesamtes Leben umstellen. Lieber ein bisschen was Gutes tun als gar nichts.

Ich will hier keine Menschen missionieren und erhebe auch nicht den moralischen Zeigefinger. Lebt wie ihr es für richtig haltet.

„PS:

Ich lehne radikale Forderungen ab. Sei es, dass dazu aufgerufen wird keine Kinder mehr in die Welt zu setzen oder Insekten statt Fleisch zu essen. Aktivisten sollen weder Flughäfen/Straßen/Brücken blockieren noch „Du stinkst“-Zettel auf SUVs kleben. Flugscham, Fleischscham, Bauscham…bei den Begriffen bekomme ich Fremdscham.

Das sind alles Idioten, die die ganze Bewegung in ein schlechtes Licht rücken. Schenkt ihnen keine Aufmerksamkeit!“